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Archiv für die 'Umwelt' Kategorie

Linker Wind im Saar Landtag

Erstellt von IE am 23. April 2015

Da sind Sie dann gestern wieder einmal einmarschiert, in den Saarbrücker – Landtag um die anfallenden Sitzungsgelder einzusacken. Politische Arbeit war aber wohl weniger gefragt, da die Auffrischung von Altbackenen augenscheinlich im Vordergrund stand.

Wir erfahren also dass sich die Windräder immer noch in die gleiche Richtung drehen und sich auch die Steine auf der Museumsmeile vor Oskars Haus noch nicht verformt haben. Sie sind noch nicht von den Linken Weinerlichkeiten hinweg gespült wurden. Auch stören sie sich nicht daran dass sich DIE LINKE immer mehr in eine Saarländische CSU Niederlassung hin verändert. Da wird sogar dem C in dieser außerreligiösen Vereinigung endlich der Platz eingeräumt welcher den Christen in einer ideologischen Sekte gebührt.

Wie anders wäre es denn auch zu erklären wenn ein linker Engel Geräusche zu hören vorgibt welche für menschliche Ohren nicht wahrnehmbar sind. Ist es doch selbst in der kath. Kirche zu einer absoluten Rarität geworden, dass jemand erklärt, er/sie habe Engel singen gehört. Selbst der Papst zieht es heute vor, gleich die Posaunen von Jericho zu blasen. Gelernt haben wir, die Leser auch, dass Röntgenstrahlen nicht hörbar sind. Wer mag einer Engel das wohl eingeflüstert haben? Ein Experte aus der Juristischen – oder Wissenschaftlichen – Fakultät des saarländischen „Experten“ Team ?

Leider hat der CDU Abgeordnete nicht erklärt wie denn ein Sack Reis ausgerechnet auf den zehnten Stock eines Gerüstes kommt? Hat er diesen vielleicht selber dort hoch getragen als er das letzte Mal mit seiner Chefin auf eine Radtour in Peking war? Oder wollte er damit nur andeuten öfter bei einem Chinesen in der Nachbarschaft die Abgeordneten Diäten zu verzehren? Aber es kann natürlich schon große politische Probleme geben wenn ein Sack Reis in China oder eine Schaufel in Russland umfällt. Als Liebhaber der USA ist ihm sicher aber auch bewusst das dort immer ein Schwarzer umfällt? Und in Europa hat die Merkel es noch immer nicht gebracht die Tränen der Trauer zu verwischen um als dann den Afrikanern das Schwimmen beizubringen. Aber vielleicht wurde sie in diesem Fach bei der Stasi auch gar nicht unterrichtet?

Womit dem Jost letztendlich Recht zu geben ist. Folgt man den Christen in Ihrer 10H-Regelung wird es an der Saar kaum noch Windräder geben, denn soooo groß ist das Saarland ja auch wieder nicht.  Damit würde sich dann auch der bei den Linken sicher übliche, morgendliche Griff in die Steckdose zur Feststellung der Windstärke erübrigen. Und der Blick über den Zaun nach Cattenom könnte eingestellt werden, da die von dort ausgehenden Strahlungen sicher weit harmloser scheinen als die welche von den Windrädern ausgehen.

So halte ich die Strahlen welche aus den leeren Köpfen unserer PolitikerInnen ausgehen für wesentlich gefährlicher, da unberechenbarer als die von der Industrie oder der Natur ausgehenden. Dabei braucht auch gar nicht in der Historie gegraben werden, da im Laufe der Zeit posthum selbst die größten NarrenInnen glorifiziert werden. Dafür sorgen schon die heutigen PotentatenInnen welche ja ebenfalls alles daransetzen werden um ja nicht in Vergessenheit zu geraten. Die Frage nach einen Stecker welcher zu ziehen ist erübrigt sich, da diese für die meisten der Normaldenkenden nicht mehr zu bezahlen sind.

Viel Wind um Windräder und einen Sack Reis

Große Koalition lehnt Linke-Vorstoß für Mindestabstand zur nächsten Wohnung ab – Gefahr durch Infraschall?

Seit einiger Zeit hat die Linke im saarländischen Landtag ein neues Vorbild, zumindest wenn es um Windkraft geht: Im CSU-regierten Bayern gilt die Regel, dass die Entfernung zwischen Windrädern und der nächstgelegenen Wohnung mindestens das Zehnfache der Höhe des Windrades betragen muss – bei einem 200 Meter hohen Windrad also zwei Kilometer. Diese sogenannte 10H-Regelung will die Linke auch im Saarland einführen. Durch den Ausbau der Windkraft nähmen die Vorbehalte gegen die Anlagen immer mehr zu, sagte die Abgeordnete Dagmar Ensch-Engel gestern im Landtag. Ihre Fraktion hat es eilig, denn nur noch bis zum 31. Dezember 2015 erlaubt ein Bundesgesetz den Ländern, entsprechende Regelungen zu erlassen.

Quelle :  Saarbrücker – Zeitung >>>>> weiterlesen

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Fotoquelle: Wikipedia – Author Philip May

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Luftschutz tut Not

Erstellt von Uli Gellermann am 23. April 2015

Der Ernstfall wird reaktiviert

Autor: U. Gellermann

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Datum: 23. April 2015

Eines Tages werden wir der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG dankbar sein: Wenn der Ernstfall eingetreten ist. Wenn Raketen in unsere Häuser einschlagen. Wenn die Kindertagesstätte leider unter Bomben verschwunden ist. Wenn nach dem atomaren Fallout die Dusche kein Wasser mehr gibt, weil sich alle gleichzeitig abduschen wollen. Denn: „Wegen der Krise in der Ukraine könnte in Zukunft auch der Zivilschutz wieder wichtiger werden“ schreibt das Blatt und rüstet moralisch auf. Jüngst erklärte der Präsident des Bundesamtes für Bevölkerungs- und Zivilschutz, Christoph Unger: „So, wie sich die Bundeswehr mit neuen sicherheitspolitischen Grundsätzen an die Lage anpasst, muss das auch der Zivilschutz tun“. Aber, ergänzt die FAZ sorgenvoll: „Von den einst mehr als 80.000 (Luftschutz-) Sirenen wurden die meisten abgebaut.“

Die kühl analysierende FAZ sieht „neue Herausforderung“, denn „politische Diskussionen um einen Raketenabwehrschirm in Europa . . . und schließlich auch der Ukraine-Konflikt“ werden im Zentralorgan der besseren Kreise als „zivile Schutzaufgabe“ begriffen, die ja nichts anderes als die Kehrseite der neuen militärischen Aufgaben ist, die von der NATO in das Pflichtenheft der Bundesrepublik geschrieben wurden: „Wenn die NATO eine schnelle Eingreiftruppe aufbaut, die binnen zwei bis fünf Tagen an der polnischen Ostgrenze ist, dann hat das Auswirkungen auf die Zivilverteidigung. – Dann findet die Bündnisverteidigung 500 Kilometer östlich von Berlin statt“, zitiert die FAZ den Luftschutzwart Unger mahnend.

Das ist der Klartext, den wir vom Organ der deutschen Wirtschaft erwarten: Wenn die NATO-Speerspitze den Russen in der Flanke kitzelt, könnte der Russe statt eines Lachanfalls einen Wutanfall bekommen, nur weil sich unser Bündnis schön weit vorne verteidigen will. Prophylaktisch, versteht sich, auch wenn der Russe uns noch nicht angegriffen hat. Aber da der Russe keinen Humor hat, jedenfalls nicht den der westlichen Werte, könnte der plötzlich 500 Kilometer westlich seiner Grenze auf das Kitzeln antworten und dann: „Könnten die Schutzräume der Bevölkerung keinen Schutz mehr bieten.“ Weil bereits 2007 von einer augenscheinlich friedensselige Regierung die „funktionale Erhaltung der Schutzräume eingestellt“ wurde.

Alarmierend stellt die FAZ fest: „Bunker sind nicht verzichtbar, weil keine Gefahren existieren, sondern weil sie im Fall eines Angriffs nutzlos wären.“ Diese fahrlässige Umwandlung von Bunkern in Mehrzweckanlagen wie Kunst-Tresore oder Ausstellungsräume könne der Vorwärtsverteidigung glatt das Genick brechen, nur weil der zivile Rückraum fehlt: „Diese Vorwarnzeit ist bei der aktuellen Bedrohung nicht gegeben“, zitiert die FAZ das Bundesamt für Bevölkerungsschutz, weil ja der Ukrainekonflikt . . . , aber hier stockt selbst dem FAZ-Vorkriegs-Berichterstatter das Schreibprogramm vor lauter atemloser Vorwarnung. Denn jenseits der Flüsse Memel und Bug beginnt das böse Reich ohne Vorwanzeit.

Es muss ja nicht der Friedens-Nobelpreis sein, den man der FAZ für diesen Grundsatzartikel verleihen sollte. Der wurde ohnehin in den letzten Jahren etwas wahllos vergeben. Aber der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels käme schon infrage. Denn „Wenn du den Frieden willst, bereite den Krieg vor“, wusste schon Cicero zu schreiben. Und der FAZ-Artikel ist sprachlich von jener Qualität, die, getragen von der eigenen Begeisterung, auch andere begeistert: Für den Ernstfall


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Wie weit gehen Sie für Ihre Gesundheit?

Erstellt von DL-Redaktion am 22. April 2015

Ein Schweizer Unternehmer will mit einer einzigen Zahl das Wohlbefinden jedes Menschen messen. Und so die maroden Krankenkassen sanieren. Seine App soll Versicherte belohnen, die sich mehr bewegen

AUS BERLIN UND ZÜRICH JOHANNES GERNERT

Bevor Peter Ohnemus wieder bereit zur Weltrettung war, quälte er sich mit Fellen unter den Skiern die Walliser Berge hoch. Sein letztes Start-up hatte er gerade verkauft, und wie immer an diesem Punkt brauchte er eine Denkpause. Anfangs fühlte er sich in diesem Januar vor fünf Jahren müde, kaputt und übergewichtig, aber je länger er nach oben stapfte und durch den Tiefschnee hinunterschwang, je mehr er schwitzte, mit sich rang, desto mehr spürte er, wie er fitter wurde. Ohnemus, der seinen ersten Burn-out schon hinter sich hatte, begann, sich ein Maß zu wünschen für seinen Gesundheitszustand.

„Wenn ich die Gesundheit der Menschen benchmarken könnte, das wäre eine Riesensache“, habe er beim Skiwandern gedacht, erzählt er. Oben auf der Hütte habe er seine Frau angerufen. Die sei auch Unternehmerin und gleich begeistert gewesen.

Fünf Jahre später ist Peter Ohnemus dabei, den Krankenkassen dieser Welt seinen Index zu verkaufen. Eine Zahl, die den Gesundheitszustand eines Menschen exakt bemisst. Jedes Menschen, jederzeit.

Peter Ohnemus, offener Hemdkragen, große Uhr, fünf Kinder, ist ein kräftiger Mann, dessen runder Kopf ohne Haare glänzt. Einer, der gewohnt ist, dass man ihm zuhört. Er kam in Dänemark zur Welt und lebt seit Jahren in der Schweiz. Seine Sätze haben etwas Sanftes, eine beschwingte Melodie. Er sitzt in seinem Büro in Zürich in einem Sessel aus weichem Leder und zieht immer neue Belege aus dem Papierstapel, in dem sich Balkendiagramme, Studien von Unternehmensberatungen und Zeitungsartikel mischen.

Ohnemus will der Menschheit etwas schenken: seine Benchmark. Normalerweise hilft eine Benchmark einem Unternehmen, seine Leistung mit der der stärksten Wettbewerber zu vergleichen. Ein Mensch ist wie ein Unternehmen und ein Unternehmen wie ein Mensch, glaubt er. „Beides Lebewesen.“

„Was die ganze westliche Welt zum Zusammenbrechen bringen kann, ist nach wie vor der Gesundheitssektor“, sagt Ohnemus. Das ist die Katastrophe, die er mit seiner Zahl abwenden will. Eine Uhr von Apple, die in dieser Woche auf den Markt kommt, soll ihm dabei helfen. Wenn die Menschen solche Geräte am Körper tragen, werden sie sich hoffentlich so verhalten, dass sie weniger oft, weniger schnell oder weniger schwer krank werden.

Quelle: TAZ >>>>> weiterlesen

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Fotoquelle: Wikipedia – Image of the ZYPAD

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Schweine als Inneneinrichter

Erstellt von DL-Redaktion am 15. April 2015

SCHLAGLOCH VON HILAL SEZGIN

Ein Agrarministerium lädt zum Tierschutzlabel und zu neuen Metaphern ein

Man vergisst ja so leicht, wie kreativ Schweine sind. „Die haben uns schnell klargemacht: Was wir machen, entscheiden wir selbst!“, sagt Karl Harleß. Schweine wollen „ihr Zuhause selbst gestalten. Wo ist meine Küche, mein Esszimmer, mein Schlafzimmer?“ Landwirt Harleß besitzt in seinen Ställen bei Uelzen 864 Mastplätze für Schweine, die den Minimalkriterien für das Tierschutzlabel entsprechen. Das Tierschutzlabel ist eine Kooperation des Fleischriesen Vion und des Deutschen Tierschutzbunds und existiert seit 2012.

Wir sind gespannt auf die Wohnlandschaften, die wir gleich zu Gesicht bekommen werden. Wir, das sind etwa 40 Journalisten auf einer Pressefahrt mit dem niedersächsischen Landwirtschaftsminister Christian Meyer, mit Vertretern von Vion und Tierschutzbund sowie diversen fachlichen Beratern. Wir stehen vor Harleß‘ Stall, hier konnten er und seine Frau 2009 „die ersten Ferkel begrüßen“. Bevor wir den Stall betreten, müssen wir Einwegoveralls anziehen. Diese Hygiene sei wichtig, sagt der Landwirt, „wir haben hier Lebensmittel im Stall!“ Ja, der Ferkelbegrüßer sagt jetzt tatsächlich Lebensmittel statt Lebewesen.

Liegefläche später

Quelle: TAZ >>>>> weiterlesen

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Fotoquelle: Wikipedia

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Flag of Germany.svg
Namensnennung: Bundesarchiv, Bild 183-73359-0001 / CC-BY-SA

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Im rheinischen Ur-Wald

Erstellt von DL-Redaktion am 10. April 2015

Stieleichen und Haselmäuse, Wachleute und Baumbesetzer gibt es hier: Der abgelegene Hambacher Forst ist voller Leben

AUS DEM HAMBACHER FORST BERND MÜLLENDER

Michael Zobel ist keiner, dem man besondere Religiosität unterstellen würde. Doch mitten im Unterholz sagt der Waldpädagoge mit der blauen Wollmütze: „Ich möchte mit dem Text aus einem relativ bekannten Buch beginnen: der Bibel.“ Und Zobel, 56, umgeben von mächtigen Hainbuchen und Stieleichen, trägt der gut 30-köpfigen Besuchergruppe aus dem Schöpfungsmythos vor – von „Bäumen, die da Früchte tragen“, vom „grünen Kraut“ und „allerlei Gewürm auf Erden“. Kunstpause. „Und er sah, dass es gut war.“

Heute ist es gar nicht mehr gut. Der 12.000 Jahre alte Hambacher Forst, auf halber Strecke zwischen Köln und Aachen, wird weggefressen von den Baggern des Energieriesen RWE Power. Von 5.500 Hektar sind nur noch 1.000 übrig. Über federnde Laubteppiche taucht die Spaziergängergruppe, viele aus Aachen und der direkten Umgebung, weiter ein in den verwunschenen Wald. „In einigen Jahren wird hier ein Loch sein, 450 Meter tief; da passt zweieinhalb mal der Kölner Dom rein“, sagt Zobel, „und alles nur, um einen Teil der Erde unter uns einmal zu verbrennen.“ Braunkohle – die verheizte und verstromte Heimat.

„Nicht nur heile Natur“

Quelle: TAZ >>>>> weiterlesen

Kommentar: VON MALTE KREUTZFELDT

Wo sind die 99,9 Prozent?

Die Fakten sind eindeutig: Braunkohle ist mit Abstand der umweltschädlichste Energieträger in Deutschland. Beim obertägigen Abbau werden ganze Landstriche zerstört. Beim Verbrennen entstehen Schadstoffe, die jedes Jahr zu mehreren tausend vorzeitigen Todesfällen führen. Braunkohlekraftwerke stoßen pro Kilowattstunde Strom weit mehr klimaschädliches Kohlendioxid aus als Steinkohle- oder Gaskraftwerke. Und zur Ergänzung der schwankenden Einspeisung aus Wind und Sonne sind sie wegen ihrer geringen Flexibilität kaum geeignet.

Quelle: TAZ >>>>> weiterlesen

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Fotoquellen:Wikipedia

Oben: Author Sebastian Hustedt

Allgemeinfrei

Mitte: Urheber David Niklas Jansen

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Black Box Kiew

Erstellt von Uli Gellermann am 8. April 2015

Maidan-Scharfschützen-Blutbad

Autor: U. Gellermann

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Datum: 07. April 2015

„Wir haben beide Flugdatenschreiber erfolgreich ausgelesen und analysieren jetzt die Aufzeichnungen“, sagte Wim van der Weegen, Sprecher des niederländischen Sicherheitsrates (OVV), Mitte 2014 zum mutmaßlichen Abschuss des Flug MH17 am 17. Juli. Selbst Inhaber eines Resthirnes werden sich erinnern, dass die westliche Welt und die wesentlichen deutschen Medien schon vor der Analyse der beiden Black Boxes wussten, wer die zivile Maschine vom Himmel geholt hatte und verantwortlich für die 298 Toten war: Die Russen. Nun sind Monate ins Land gegangen, und die niederländischen Behörden können-wollen-sollen immer noch keine Ergebnisse ihrer Analyse veröffentlichen. Die Auswertung der beiden Black Boxes der in den französischen Alpen abgestürzten German-Wings-Maschine hat nach ihrem Auffinden kaum zwei Tage gedauert. Diesmal wurde der Russe nicht auf die Anklagebank gesetzt. Ging es deshalb so schnell? Irgendwann, in Monaten oder Jahren, wenn die Daten von MH17 sorgfältigst aufbereitet sind, wird uns der Sicherheitsrat wahrscheinlich, ziemlich sicher, fast ganz bestimmt, mit einer Version der Box-Analyse vertraut machen. Vielleicht dann, wenn der ukrainische Geheimdienst das Protokoll des Funkverkehrs zwischen der Maschine der Malaysia-Airlines und dem Tower Kiew herausgibt, die er bis heute unter Verschluss hält.

Ein anderes Massaker, jenes vom Kiewer Maidan am 20. Februar 2014, harrt auch schon lange der Aufklärung: Damals wurden rund 50 Menschen durch Scharfschützen ermordet. Und damals gaben nicht wenige deutsche Medien einfach die Meinung des Euro-Maidan weiter, nach der dieser Massenmord vom Präsidenten Janukowitsch befohlen worden war. Doch mit der Zeit mehrten sich die Zweifel. Und weil die EU, ein wenig geniert durch die erkennbaren Faschisten im Kiewer Regime, in der Maidan-Mord-Sache doch gern eine saubere Weste für ihre Protagonisten Poroschenko und Jazenjuk präsentiert hätte, drängte sie auf eine Untersuchung. Irgendwie hat das Kiewer Innenministerium und die Staatsanwaltschaft irgendetwas untersucht. Dass bei diesen Untersuchungen zwischenzeitlich auch der russische Geheimdienst der Tat beschuldigt wurde, durfte deutschen Medienkonsumenten ungeprüft serviert werden. Nun hat die EU (genauer: „International Advisory Panel“) die Arbeit des Innenministeriums untersucht und jüngst publiziert und festgestellt: „Untersuchungen der Gewalt auf dem Maidan erfüllen europäische Menschenrechtsstandards nicht“. Jetzt scheinen wir, dank des EU-Expertengremiums zu wissen, dass wir nichts wissen.

Hätten die EU-Experten vielleicht doch geruht, die Untersuchung des kanadisch-ukrainischen Politikwissenschaftler Ivan Katchanovski von der Universität Ottawa zum Maidan-Blutbad wahrzunehmen. Der kam zu folgenden Ergebnissen: Von mindestens zwölf Gebäuden in der Hand der Maidanbewegung sei gefeuert worden. Die Positionen der Schützen waren den Maidankämpfern bekannt und sie hatten vollen Zugang zu den Gebäuden – unternahmen aber nichts. Gefeuert wurde während des Tages konstant aus dem alten und dem neuen Hauptquartier des Rechten Sektors (Gewerkschaftshaus und Hauptpost). Der Bericht von Ivan Katchanovski spielte für die EU-Experten keine Rolle. – Olga Bogomolez, Ärztin und Leiterin eines Koordinierungszentrums für die zahlreichen Verletzten des Euro-Maidan, forderte eine vollständige forensische strafrechtliche Untersuchung der Todesfälle. Sie regte internationale Experten und ukrainische Ermittler dazu an, anhand der Munition und Ballistik zu analysieren, welche Art von Waffen die Vielzahl von Scharfschützen verwendeten. Dieser Anregung wurde bis heute nicht gefolgt. Die EU-Experten haben offenkundig mit dieser wichtigen Zeugin nicht geredet. Die EU hat also nur eine Untersuchung untersucht. Mit einer Untersuchung des Verbrechens mochte sie sich nicht beschäftigen.

Vom Scheiterhaufen in Odessa, dem brennenden Fanal der Kiewer Machtergreifung im Mai des letzten Jahres, dem Massenmord im Gewerkschaftshaus, wussten die deutschen Medien nur, dass es eine Tragödie wäre, Irgendwie. Eine Art Naturereignis. Die Kiewer Regierung, erkannte anfangs noch Terroristen – natürlich Pro-Russen. Das übernahm dann gleich die völlig unabhängige, objektive TAGESSCHAU und deren Lügnerin vor Ort, Golineh Atai, die daraufhin gleich zur „Journalistin des Jahres“ befördert wurde. Heute ist selbst die Kiewer Regierung in der Katastrophen-Fraktion, im Lager des Mysteriums, wo keiner was weiß, aber alle schweigen. Kiew untersucht deshalb nichts. Dann müssen die Kiew-Freunde in der EU auch nichts untersuchen. Dabei gäbe es für dieses Verbrechen authentisches Video-Material wie selten: Horden auf dem Weg zum Gewerkschaftshaus, die „Prawny Sektor“ (Rechter Sektor) skandieren, das faschistische Wolfsangel-Zeichen auf der Ausrüstung der Mordbrenner zeigen und gut gerüstete, aber völlig gelangweilte Polizisten am Rand des Geschehens. Kein Video ausgewertet, kein Zeuge vernommen. Für die EU soll das Regime in Kiew offenkundig eine Black Box bleiben: Ein geschlossenes System unter Vernachlässigung des inneren Aufbaus. Und das bleibt geschlossen.


Fotoquelle: Wikipedia – Urheber Ministerie van Defensie

http://www.defensie.nl/onderwerpen/oekraine-repatrieringsmissie/inhoud/fotos

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Fast Frackingverbot

Erstellt von Uli Gellermann am 7. April 2015

Fast tot, fast schwanger, fast göttlich

Autor: U. Gellermann

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Datum: 07. April 2015

Hallelujah Brüder und Schwestern, jetzt wackelt der Untergrund, jetzt kommt die Energie direkt aus dem Brunnen, jetzt wird dem schwarzen Schiefer die reine Flamme abgepresst werden: Fracking, so der neue Regierungsentwurf, ist „fast“ verboten. Irret Euch nicht, der Fortschritt spricht auch aus dem Mund der Bundesumweltministerin, selbst wenn wir sie selten haben schreiten sehen! Fast verboten, Brüder und Schwestern, ist auch daneben! So predigt es Barbara Hendricks im neuen Fracking-Gesetzesentwurf: „Dem unkonventionellen Fracking zu wirtschaftlichen Zwecken wird damit ein klarer Riegel vorgeschoben“. Wo kämen wir denn auch dahin, wenn wir das konventionelle Fracking gleich mitverriegeln würden: Alles ab einer Tiefe von 3.000 Metern goes, liebe Gemeinde, geradezu anything, sagt der Gesetzesentwurf und macht einen weiteren Schritt zum Altar des TTIP und der US-Fracking-Industrie.

Lasset jede Menge Chemie in den Untergrund gepresst werden, spricht der Herr – welcher auch immer – denn es schadet dem Russen und was dem Russen schadet, das ist wohlgetan. Soll der Iwan doch an seinem Gas ersticken. Jetzt kann die kühne Fracking-Industrie dem Fortschritt die Sporen geben. Wie damals, als eine deutsche Regierung nach der anderen der Atom-Industrie Entwicklungshilfe gegeben hat. Was hieß das schon, Luft oder Wasser gehöre allen, das könne man doch nicht privat verseuchen, wenn es damals wie heute um die Energiesicherheit geht und ging! Und wieder stehen wir an einer Wendemarke technischer Entwicklung, liebe Brüder und Schwestern: „Allerdings ist es nicht unser Ziel, eine neue Technologie für immer zu verbieten“, verkündet die Frau Ministerin. Nicht, dass die Erde, der Untergrund gar allen gehöre, spricht der Herr. Der Untergrund gehört nach dem deutschen Bergbaurecht für immer dem, der da bohret!

Hatte der Herr nicht damals gesagt: Macht Euch die Erde untertan? Doch, hat er. An solch göttliche Gebote sollte sich zumindest der Untertan halten. Und da es der heilige Markt fordert, der längst Gottes Stellvertreter auf Erden geworden ist, sollen alle in der Gemeinde schweigen, so sie denn warme Wohnzimmer haben wollen. Ja, wir widerstehen der Versuchung, auch oberhalb der Tiefe von 3.000 Metern zu bohren. Genauer: Wir werden diese Bohrung nur zu „Versuchszwecken“ zulassen. Denn: „Ob Fracking jemals umweltverträglich hinzubekommen ist, muss sich erst zeigen“, so spricht die Ministerin. Und wie soll man das Hinzubekommende denn zeigen können, wenn wir es nicht mal versuchen können?

Wenn nun demnächst beim Fracking-Verfahren Millionen Liter Wasser versetzt mit Sand und Chemikalien in den Untergrund gepresst werden, um das Schiefergestein aufzusprengen, ist unsere Umwelt in Gottes Hand. Und weil das so ist, muss der Gottesbezug allüberall verstärkt werden. Ein Anfang ist gemacht. Versuchen doch die beiden ehemaligen Ministerpräsidenten von Schleswig-Holstein – Björn Engholm und Harry Carstensen – gerade der dortigen Landesverfassung einen heiligen Schein zu verleihen: „Gott in der Verfassung nützte allen“, mahnt Engholm und ist dem Herrn ein Wohlgefallen: „Es geht um so etwas wie den Halt im Absoluten“. Da hat er absolut Recht, auch weil man dem übertriebenen Umweltschutz Ein-Halt gebieten muss. Und wer jetzt das Wort „Abgefrackt“ in die Stille der Besinnung wirft, dem sei kalt auf immer, bis ins letzte Glied.

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Karikaturquelle: Wikipedia – Urheber Welleman

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Wenn Richter richten …

Erstellt von Gerd Heming am 6. April 2015

Wonach richten sich Richter, wenn sie richten?

Sie richten sich nach den Gesetzen! Sie richten sich nach den Paragraphen der Gesetze. Das Landessozialgericht Nordrhein-Westfalen in Essen etwa teilt unter dem Aktenzeichen L 3 R 396/14 mit, was es „nach § 153 Abs. 4 Sozialgerichtsgesetz (SGG) für Recht erkannt“ hat.

Richter klammern sich an die Gesetze und Paragraphen, als ginge es um ihr Seelenheil. Wahrscheinlich ist das auch so. Denn etwas anderes als das Seelenheil haben Richter in Deutschland wahrlich nicht – und selbst das ist fragwürdig.

In der Sozialgesetzgebung zum Beispiel können Richter unter rund zweihunderttausend (200 000) Paragraphen wählen. Da aber die Gehirne der Menschen – auch die Gehirne von Richtern – nicht in der Lage sind, einen derartigen Wust an Vorgaben und Normierungen zu erfassen, geht es ihnen bei ihrer Rechtsprechung fast zwangsläufig so, wie einem Blinden beim Bogenschießen: Das Ziel liegt irgendwo im Unbekannten, also ist man auf Zufallstreffer angewiesen. Zufallstreffer aber können, nein, dürfen nicht das Ergebnis von Rechtsprechung sein.

Die grundsätzlichere Frage aber ist: Wer zwingt Richter eigentlich, sich an der Gesetzgebung zu orientieren? Wer bestimmt denn, dass der Gesetzgeber das oberste Entscheidungsorgan unserer Verfassung ist?

Die Antwort ist einfach: Es gibt eine solche Bestimmung nicht!

In Artikel 1 (Menschenwürde, Grundrechtsbindung) ist unter Absatz 3 des Grundgesetzes der Deutschen geschrieben: „Die nachfolgenden Grundrechte binden Gesetzgebung, vollziehende Gewalt und Rechtsprechung als unmittelbar geltendes Recht“.

Mit anderen Worten: Kein Richter, aber auch kein Mitglied der vollziehenden Gewalt, kann gezwungen werden, sich nach der Gesetzgebung zu richten. Tun sie es trotzdem, geben sie die ihnen gegebene Verantwortung aus der Hand und unterwerfen sich freiwillig einer Diktatur, nämlich der Diktatur des „Gesetzgebers“.

Diese Unterwerfung wiederum ist verfassungswidrig und führt eine Demokratie ad absurdum. Unsere Demokratie jedoch verlangt unumstößlich die Gewaltenteilung in Legislative, Judikative und Exekutive.

Damit nicht genug. Was nämlich geschieht, wenn der Gesetzgeber sich bei der Gesetzgebung nicht an seine Bindung an die Grundrechte als unmittelbar geltendes Recht gebunden sieht? Was geschieht, wenn der Gesetzgeber die Grundrechte der Bürger durch die Gesetzgebung schleift? Die gesellschaftlichen Gewichte verschieben sich, eine tiefwurzelnde Ungleichheit zerreißt die Gesellschaft.  Und der Riss ist tiefer,  als man gemeinhin denkt.

Das Staatsschiff der Deutschen ist in bedrohliche Schieflage geraten. Es wäre deshalb von überlebenswichtiger Bedeutung den Kurs unserer Politik zu überdenken und rechtzeitig alles für die Stabilität des Staatsschiffes zu tun. Aber die Gesellschaft, ihre Medien und die Politik liegen in tiefstem Schlummer, sie erkennen nicht, in welcher Gefahr wir uns – abgesehen von den verschiedenen Krisenherden –  befinden.

In seinem Buch „Sozialstaatsdämmerung“ schreibt der profilierte Sozialexperte Jürgen Borchert: „Auch Staatsschiffe gehen unter, wenn die Lasten nicht richtig verteilt sind. Der Untergang des Römischen Weltreiches ist exemplarisch. Es scheiterte letztendlich, weil privater Reichtum zu öffentlicher Armut führte. Je länger die Grenzen des Reiches, je heftiger die Stürme der Völkerwanderung wurden und je größer dementsprechend der Militäraufwand, desto mehr entzogen sich die unermesslich reichen Plutokraten ihrer Steuerpflicht und betrieben Subsistenzwirtschaft auf ihren Landgütern.“ (Autor Wilhelm Hankel, 1992). S.37.

„Dass kandalöse Steuerwesen seiner Zeit geißelte der Staats- und Kirchenethiker Salvianus (geb. 400 n. Chr., gestorben 475), ein Zeitzeuge des Untergangs: „Es ist gemein und tadelnswert, dass nicht alle aller Lasten tragen, wie es aller Pflicht ist, sondern dass im Gegenteil die Abgaben der Reichen die Armen bedrücken und die Schwächsten mit den Steuern der Reichen belastet sind“. Sein berühmter Zeitgenosse Augustinus (geb.354, gest. 430) sah es genauso: „Wo die Gerechtigkeit fehlt – was sind die Staaten dann anderes als große Räuberbanden?!“ (S. 38)

Gibt es Anzeichen dafür, dass die Politiker, die Medien und die Gesellschaft insgesamt aus ihrem tiefen Schlummer erwachen und die dringend notwendigen Maßnahmen ergreifen?

„Dafür gibt es jedoch keinerlei Anzeichen“, schreibt Jürgen Borchert. „Im Gegenteil. Obwohl die mittlerweile vier offiziellen Armuts- und Reichtumsberichte der Bundesregierungen seit dem Jahr 2001 schwarz auf weiß dokumentieren, dass die Ladung längst verrutscht ist und die Gewichte sich rasant verschoben haben, wird der falsche Kurs beibehalten und die irre Schlagseite nicht behoben. Das untere Drittel der Bevölkerung versinkt bereits in Armut und Schulden, das mittlere Drittel rutscht hinterher, wird abwärtsmobil, und die obersten 10 Prozent werden von der Entwicklung umso mehr nach oben gehievt, je tiefer die anderen abrutschen“.

Und an anderer Stelle fährt fort: „Die Bundesrepublik Deutschland ist in den letzten Jahren zum Paradies für Superreiche geworden, indem rund hundert Milliardäre und etwa  400 000  (Multi)-Millionäre leben.  (..)Dem obersten 10 Prozent gehören heute fast zwei Drittel des Privatvermögens, und bei ihm landen circa 35 Prozent des Nettogesamteinkommens. Das oberste 1Prozent an der Spitze nennt sogar mehr als ein Drittel aller Vermögen seinEigen und dem winzigen obersten Promille gehören mit 22,5 Prozent fast einViertel und damit kaum weniger als 1969 dem kompletten obersten Prozent.“ (Michael Hartmann, 2013. ( S.40)

„In der Tat, wenn die Leute kapierten, wie der Gesetzgeber sie mit Hütchenspielen übers Ohr  haut, müsste sich die ganze große Koalition aus CDU/CSU, FDP, SPD und Grünen vor dem Wähler in Acht nehmen.“ (S. 41)

Grundrecht Artikel  1: Die Würde des Menschen ist unantastbar? –Viele Deutsche glauben nicht mehr daran!

Grundrecht Artikel 2: DieFreiheit der Person und die freie Entfaltung der Persönlichkeit? – VieleJugendliche lachen!

Grundrecht Artikel 12:Berufsfreiheit? – Stille!

Grundrecht Artikel 12: AlleDeutschen haben das Recht, Beruf, Arbeitsplatz und Ausbildungsstätte frei zuwählen? – Brüllendes Gelächter!

Grundrecht Artikel 12:Niemand darf zu einer bestimmten Arbeit gezwungen werden? –Verständnislosigkeit. Wer das verlangt, kennt nicht Hartz IV“.

„Der Wald ist lieblich, dunkel, tief,
doch ich muss tun, was ich versprach,
und Meilen geh’n, bevor ich schlaf,
und Meilen geh’n, bevor ich schlaf.“

Fortsetzung folgt.

Bund der Pflegeversicherten e.V.

Autor: Gerd Heming (Vors.)

Münster in Westfalen

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Fotoquelle: Wikipedia
Source     It’s all about love
Author     Candida Performa

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Wo geht es nach Bad Langensalza?

Erstellt von DL-Redaktion am 28. März 2015

Jordanien: Flüchtlingslager – Za’atri

FLUCHT Ausgerechnet Thüringen ist ihr Ziel. Wie drei Freunde ihre syrische Heimat verlassen

AUS BAD LANGENSALZA UND ATHEN JOHANNES GERNERT UND CHARLOTTE STIÉVENARD

Amjad fragt sich, wer übrig bleibt, wenn es alle machen wie sie. Wenn alle gehen. Dann sind da am Ende nur noch Assad und der Islamische Staat. Ein paar Stunden sind sie schon unterwegs. Sie fahren an der Stadt vorbei, in der sie aufgewachsen sind.

Tag eins, Syrische Wüste

Draußen vor den Fenstern des Kleinbusses ist es beige, Staub und Steine, eine ganze Weile schon. Sie haben sich verabschiedet, von Brüdern und Schwestern, von Vätern und Müttern. Auch von ihren Freunden und von den Kollegen im Restaurant am Ufer des Euphrats, mit denen sie vor ein paar Tagen noch ein gebratenes Lamm ausgeliefert hatten, auf Hügeln von Reis und Salat, unter Frischhaltefolie. Amjad hatte geholfen, die schwere silberne Platte zu tragen.

Sie packen keine Sachen, damit es nicht aussieht, als würden sie fliehen.

Drei Freunde verlassen ihr Land. Sie haben keine eigenen Familien, die ihnen den Aufbruch erschweren würden. Amjad, der Jüngste, ist seit sieben Monaten 18. Sein Bruder Iyad, ihr Anführer, in dessen Haar schon graue Strähnen schimmern, ist 24 genau wie Osama, der Entspannte, der nicht nur ihr Freund ist, sondern auch ihr Onkel. Sie wollen nach Deutschland, nach Thüringen, nach Bad Langensalza. Dort wohnt Osamas Bruder.

Wenn man mit dem Auto von al-Mayadin in der Syrischen Wüste in die Kurstadt Bad Langensalza im Unstrut-Hainich-Kreis fährt, ziemlich exakt in der Mitte Deutschlands, dann braucht man bei günstigem Verkehr etwa 41 Stunden. Es fallen Mautgebühren an.

Sie können natürlich nicht einfach mit dem Auto fahren. Wer in die EU hineinwill, muss beweisen, dass es ihm ernst ist. Sie brauchen 30.000 Euro, haben andere Flüchtlinge erzählt. 10.000 für jeden.

Tag zwei, bei Aleppo

Quelle: TAZ >>>>> weiterlesen

Das Video: >>>>> HIER <<<<<

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Fotoquelle: Wikipedia – Urheber U.S. Department of State

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Schatzsuche in tiefsten Gewässern

Erstellt von DL-Redaktion am 24. März 2015

Die Offshore-Förderung von Öl und Gas führt weltweit zu neuen Grenzkonflikten

von Michael T. Klare

Seit China im Mai 2014 die Tiefseebohrinsel Haiyang Shiyou 981 (HYSY-981) in den umstrittenen Gewässern des Südchinesischen Meers stationiert hat, wird viel über die Motive Pekings spekuliert. Für westliche Beobachter demonstriert Peking damit seine Entschlossenheit, sowohl die eigenen Ansprüche auf eine „ausschließliche Wirtschaftszone“ (AWZ) durchzusetzen als auch Vietnam und die Philippinen daran zu hindern, ihre jeweiligen Ansprüche geltend zu machen.

Nach Meinung von Erica Downs, China-Expertin bei dem Washingtoner Thinktank Brookings Institution, ist die Errichtung der Bohrplattform HYSY-981 eine weitere Etappe in den seit Jahren laufenden Bemühungen Pekings, Rechtsansprüche auf umstrittene Seegebiete durchzusetzen. Dazu zählt Downs die Inbesitznahme des Scarborough Riffs – eines unbewohnten Atolls, das von China und den Philippinen beansprucht wird – wie auch die wiederholten Störmanöver gegen vietnamesische Vermessungsschiffe, die potenzielle Ölbohrstellen vor den Küsten Vietnams erkunden.

In den Augen vieler Chinesen sind solche Aktionen – wie andere ähnlich robuste Auftritte Pekings in umstrittenen Regionen des Ostchinesischen Meers auch – nur allzu berechtigt. Schließlich steigt China gerade zu einer regionalen Vormacht auf. Früher war es zu schwach, um seine Seegebiete zu schützen, meinen chinesische Experten, jetzt aber sei man stark genug, um die Kontrolle über diese Territorien zurückzugewinnen. Bei der Entscheidung, die Bohrplattform HYSY-981 im Seegebiet vor Vietnam zu errichten, haben zweifellos nationale und geopolitische Ambitionen eine wesentliche Rolle gespielt. Ein weiterer wichtiger Faktor ist das profane Interesse an der Entdeckung von Öl- und Gasvorkommen.

China braucht einfach mehr Öl und Erdgas, um sein Wirtschaftswachstum anzuheizen. Und man ist die zunehmende Abhängigkeit von den unzuverlässigen Energielieferanten im Nahen Osten und in Afrika längst leid. Das erklärt den Wunsch der chinesischen Führung, mehr Energie aus eigenen Quellen zu beziehen, also auch aus vermuteten Offshore-Lagerstätten in den von China kontrollierten Zonen des Ost- und Südchinesischen Meers. Diese mutmaßlich reichen Öl- und Gasvorkommen will Peking allein ausbeuten.

Bislang haben in den tiefen Gewässern des Ost- und Südchinesischen Meers noch nicht viele Bohrungen stattgefunden, sodass die Größe der dortigen Öl- und Gasvorkommen noch nicht bekannt ist. Nach Schätzungen der Energy Information Agency (EIA), einer für statistische Analysen zuständigen Behörde des US-Energieministeriums, lagern im Ostchinesischen Meer zwischen 60 und 100 Millionen Barrel Öl und 28 bis 56 Millionen Kubikmeter Gas. Für noch ergiebiger hält die EIA die Vorkommen im Südchinesischen Meer, die sie auf 11 Milliarden Barrel Öl und 530 Milliarden Kubikmeter Gas schätzt. Der staatliche Ölkonzern Chinese National Offshore Oil Corporation (CNOOC) geht sogar von weitaus größeren Volumen aus, nämlich von etwa 125 Milliarden Barrel Öl und sagenhaften 14 Billionen Kubikmeter Gas.

Um diese fossilen Reserven auszubeuten, investiert China erhebliche Summen in die Entwicklung von Tiefseebohrtechniken. Und es will sich gleichzeitig von westlicher Technologie unabhängiger machen, weshalb die CNOOC knapp 1 Milliarde Dollar für den Aufbau der ersten Halbtaucherbohrinsel (eben der HYSY-981) ausgegeben hat. Diese Plattform mit einem Förderdeck von der Größe eines Fußballfelds und einem Bohrturm in Höhe eines 40-stöckigen Wolkenkratzers kann Bohrungen in einer Meerestiefe von bis zu 3 000 Metern niederbringen und dann noch weitere 12 000 Meter in die Erdkruste vordringen.

Quelle: le monde diplomatique >>>>>> weiterlesen

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Fotoquelle; Wikipedia

Source US Coast Guard – 100421-G-XXXXL- 003 – Deepwater Horizon fire (Direct link)
Author Unknown

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Im Landtag an der Saar

Erstellt von IE am 19. März 2015

Das war wohl ein ziemlich aufregender Tag, gestern im Landtag des Saarland. Einig sind sich letztendlich die ParlamentarierInnen dann wohl auch geworden. So sehen wir denn auf dem Foto den frisch gewählten Chef des neuen Grubenwasser – Untersuchungsausschusses bei seiner sicher sehr wichtigen Rede.

„Wir tappen bei den Giftstoffen unter Tage vollkommen im Dunkeln“, sagte Dagmar Ensch-Engel (Linksfraktion). So jedenfalls lesen wir in der SZ und es ist sicher angebracht vor diesen Giften die breite Bevölkerung zu warnen.

Wir auf DL befürchten allerdings das es für diesen Warnaufruf bereits viel zu spät ist. Dieser hätte viel früher kommen müssen. Uns bestärkt das Gefühl dass diese unbekannten Giftstoffe bereits in einigen der Körper von im Saarland lebenden Menschen eine neue Heimat gefunden haben. Oder beschäftigt sich Ulrich im Moment der Aufnahme des obigen Fotos mit einen anderen Thema? Sagt er etwas ganz schlimmes, schreckliches, bedrohendes?  Vielleicht redet er über die für den kommenden Freitag angekündigte Sonnenfinsternis?

Dann wollen wir die Verschwörungstheoretiker der Linken beruhigen, es ist nur eine Sonnenfinsternis angekündigt und nicht die Apokalypse – der Weltuntergang. Das Leben wird für die Menschheit nicht enden und im besonderen für die Politiker nicht, diese sollten lächeln, wenn sie es denn gelernt haben. Sie dürfen an dem der Finsternis folgenden Tagen Ihren Unsinn mit den BürgernInnen weiter treiben.

Auch möchten wir dringend davon abraten nun noch die letzten, sich in der Kammer befindlichen Besen herauszuholen. Manch eine wäre vielleicht geneigt aus einer gewissen Panik heraus einfach davon zureiten und die Besen wären für die Putzen auf immer verloren. Erinnern wir uns zum Schluss lieber den Worten von Albert Schweitzer welcher einst sagte:

Mit zwanzig Jahren hat jeder das Gesicht, das Gott ihm gegeben hat,
mit vierzig das Gesicht, das ihm das Leben gegeben hat,
und mit sechzig das Gesicht, das er verdient.

Grubenwasser ist jetzt Top – Thema:

Emotionale Debatte über Pläne der RAG

Einigkeit über Untersuchungsausschuss

Grünen-Fraktionschef Hubert Ulrich ist gestern vom Landtag zum Chef des neuen Grubenwasser-Untersuchungsausschusses gewählt worden. Es herrschte große Einigkeit, dass das Bergbauerbe Priorität hat.

Fast blitzartig sind die Fraktionen von CDU und SPD auf einen Zug aufgesprungen, der in den vergangenen Wochen mächtig Fahrt aufgenommen hatte und die Großkoalitionäre zu überrollen drohte. Die große Unklarheit über das planmäßige Ansteigenlassen des Grubenwassers durch den Bergbaukonzern RAG und die Flutung der ehemaligen Kohlegruben hatte in der Saar-Öffentlichkeit Sorgen und Ängste ausgelöst: Ob damit das Trinkwasser nicht in Gefahr ist, ob giftige Stoffe, die unter Tage schlummern, nicht mit dem Grubenwasser nach oben gespült werden und ob es nicht neue Beben durch die Flutungen geben könnte.

Quelle: Saarbrücker Zeitung >>>>> weiterlesen

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John McCain

Erstellt von Uli Gellermann am 16. März 2015

Wo ist Merkel geblieben? – “ Die Dümmsten wurden schon niedergewalzt“

Neuer Krieg – Neues Glück

Autor: U. Gellermann

Rationalgalerie

Datum: 16. März 2015

Er ist einer dieser „Freunde“ von Angela Merkel, der John McCain, schließlich ist er US-Senator und solche werden von der Kanzlerin gern hofiert und geherzt. Vor allem aber kann McCain nichts dafür: Zwar ist er auch und gerade im Ukraine-Konflikt der amerikanische Prototyp für kranke Kriegsgeilheit, aber der arme Mann wurde schon auf einer US-Militärbasis in Panama geboren, in einem dieser US-Protektorate. Sein Vater war Admiral der US-Navy und sein Großvater auch. Als der kleine John das Alphabet lernte, fing es mit Armee an und hörte erst bei Zerstörung auf. Schon sein Großvater war Teilnehmer des Mexikanisch-Amerikanischen Kriegs (von 1846 bis 1848), eine Gelegenheit, bei der die USA sich die heutigen US-Staaten Kalifornien und Texas einverleibten. Wer solchermassen das Verwechseln von Mein und Dein geerbt hat, der muss den deutschen Außenminister Frank-Walter Steinmeier beschuldigen, er würde Wladimir Putin nicht in die Schranken weisen „der gerade in diesem Moment Ukrainer abschlachtet.“

Das ist gemein, denn Steinmeier lernt noch vom großen US-Bruder. War er doch im Februar 2014 brav auf dem Kiewer Maidan und hat dort unter anderem mit Oleg Tjagnibok (staatlich geprüfter Antisemit, ukrainischer Nazi) verhandelt, um der Ukraine Freiheit und Frieden zu bringen. Das Ergebnis ist zu besichtigen. Auch Senator McCain war schon auf dem Maidan gewesen: Am 14. Dezember 2013 unterstützte er dort in seiner Rede die Forderungen der Oppositionsparteien. Schließlich wollte er doch die Rendite für jene fünf Milliarden Dollar einfahren, die von der amerikanischen Regierung in den ukrainischen Regime-Change investiert worden waren. Es gibt dafür eine politische Redewendung: „Einmischung in die inneren Angelegenheiten“ anderer Länder. Zwar ist die nach Art. 2 Ziff. 7 der UN-Charta verboten, aber die UN-Charta hängt bei den McCains zu Hause, sorgsam perforiert, auf dem Klo.

Nur logisch, dass der junge McCain seiner Familientradition entsprechend in den 60er Jahren als Marineflieger in den Vietnamkrieg zog. In diesem Krieg, der gewiss auch für Freiheit und Demokratie geführt wurde, starben rund 1,2 Millionen vietnamesische Zivilisten, von den US-Soldaten gern auch Schlitzaugen genannt. Von den USA wurde mit dem Gift „Agent Orange“ jener Chemiekrieg geführt, den man später dem syrischen Präsidenten anhängen wollte. Der junge McCain kehrte aus diesem Krieg zurück, um für dieses wirkliche Abschlachten mit so ziemlich allen Orden der US-Armee behängt zu werden: Dem Silver Star, dem Bronze Star, dem Purple Heart und was es sonst an Buntmetall für Mord aus großer Höhe noch gab. McCain war zeitweilig Gefangener der Vietnamesen. Sie haben ihn freigelassen. Auch Befreiungsbewegungen machen Fehler.

Denn nachdem der „Kriegsheld“ McCain wieder in den USA war, hat er sich für so ziemlich jeden amerikanischen Krieg eingesetzt, der vorbeikam: Natürlich war er sowohl ein Fan des Afghanistan-Krieges wie des Irak-Krieges. Beides Kriege der USA, die letztlich verloren gegangen sind, wie auch der Vietnamkrieg. Das macht nix, sagt die Rüstungsindustrie und sieht sich nach dem nächsten Schlachtfeld um, an dem verdient werden kann. Warum nicht einen Krieg mit Russland beginnen, meinen die McCains, wir haben schon ganz andere Kriege verloren. Und weil das Geldverdienen durch Blutvergießen so lustig ist, hat Senator McCain während seines Präsidentschaftswahlkampfs eine heitere neue Version des alten Beach-Boys-Songs „Barbara Ann“ gesungen: „Bomb, bomb, bomb – bomb Iran“. Zwar haben die im Iran keine Schlitzaugen, aber auch dort wartet unwertes Leben schon auf die amerikanische Befreiung durch den Tod.

Diese Lizenz zum Töten haben sich die USA dadurch erworben, dass sie die führende Demokratie der westlichen Wertegemeinschaft sind. Wie diese Demokratie funktioniert, konnte man vom Leiter der US-amerikanischen Bundeswahlbehörde FEC, Michael E. Toner, in Vorbereitung der Präsidentschaftswahl 2008 erfahren: Ein Kandidat könne nur ernstgenommen werden, wenn er ein Jahr vor der Wahl wenigstens 100 Millionen Dollar an Wahlkampfmitteln zur Verfügung habe. McCain erzielte knapp 400 Millionen und verlor doch gegen Obama. McCain hatte in diesem Wahlkampf auch die russische Botschaft in den USA um Spenden gebeten. Die hatte abgelehnt. Dafür soll Putin jetzt aber büssen. Zumal in Russland sogar fünf Kandidaten im dortigen Präsidentschaftswahlkampf angetreten sind, darunter sogar ein Kommunist. Das geht zu weit. Schon dass der Russe in der Ostukraine seine eigene Sprache sprechen will, ist Grund genug dem Putin Imperialismus vorzuwerfen.

Aber McCains Sorge um Steinmeier und die deutsche Regierung ist unbegründet: Brav nimmt die Bundesmarine zur Zeit an einem NATO-Flottenmanöver im Schwarzen Meer teil. Und auch an der Neuordnung der ukrainischen Verhältnisse sind Deutsche führend beteiligt: Der Beinahe-SPD-Kanzler Peer Steinbrück will gemeinsam mit dem ukrainischen Oligarchen Dmytro Firtasch in einer neu gegründeten „Agentur zur Modernisierung der Ukraine“ für „Reformen“ wirken. Mit Reformen kennt sich Steinbrück seit der Agenda 2010 aus. In deren Ergebnis wurde dann auch eine Agentur gegründet, die „Agentur für Arbeit“. Die wird die Ukraine dringend brauchen, wenn der IWF mit ihr fertig ist.

Ob bei der „Polar Bear Expedition“ im September 1918 auch einer aus der McCain Militärsippe dabei war ist unbekannt. Bekannt ist, dass schon damals die etwa 5.000 Soldaten der Vereinigten Staaten, die als Teil der alliierten Intervention in den Russischen Bürgerkrieg in Archangelsk landeten, unverrichteter Dinge wieder nach Hause ziehen mussten. Das macht nichts, sagen die „Freunde“ bis heute: Neuer Krieg – Neues Glück.

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Verlorene Jungs

Erstellt von DL-Redaktion am 15. März 2015

AUFKLÄRUNG Ein Lehrer missbraucht an einer hessischen Schule über Jahrzehnte weit mehr als hundert Schüler. Die Behörden sehen nicht hin

AUS BERLIN UND DARMSTADT NINA APIN UND GABRIELA M. KELLER

Robert Collister läuft in schnellen, ausgreifenden Schritten über den Schulhof, fast rennt er, in der einen Hand eine Zigarette, in der anderen ein Notebook. Der Weg kostet ihn keine Überwindung, auch wenn jeder Meter vorwärts ihn zurückbringt, dorthin, wo alles begann.

Ein paar neue Klettergerüste stehen vor den flachen Gebäuderiegeln, sonst ist alles wie früher, die Sporthalle, die Flure, der Klassenraum, in dem Erich Buß oft gleich nach dem Unterricht Schüler zu sich ans Pult zog, um ihnen in die Hose zu fassen. Den Holzschuppen, in dem er sein Moped abgestellt hatte. Er ließ die Jungen damit fahren, oder er brachte sie auf dem Rücksitz zu sich nach Hause, wo er vermutlich weit mehr als hundert Jungen sexuell missbrauchte.

Jetzt, wo Collister auf die weiße Fassade der Schule blickt, kehren all die Szenen zurück wie Gespenster. Aber er spürt keine Beklemmung. „Für mich ist das wie ’ne Therapie“, sagt er in den Rauch der Zigarette. Er hat den Eindruck, dass endlich die Wahrheit ans Licht kommt.

Es ist Sonntagmittag. Eiswind schneidet über den Pausenhof. In den kahlen Sträuchern rasselt Schokoladenpapier. Die Elly-Heuss-Knapp-Schule liegt im Südosten Darmstadts. Collister, ein großer Mann mit etwas zu langen dunklen Haaren, ist allein. Robert Collister ist nicht sein richtiger Name. Er hat oft erlebt, wie die Leute auf Distanz gehen, wenn er offenbart, dass er als Kind Opfer sexueller Gewalt wurde. Im Gehen klappt er sein Notebook auf, klickt sich durch Ordner voll Fotos, von Schulfesten, Sportturnieren. Der Lehrer Buß, umringt von Kindern, Buß, wie er Schokoküsse verteilt. Collisters Blick flattert hin und her zwischen Vergangenheit und Gegenwart. „Es geht nicht nur um den Missbrauch, es geht auch um das Schweigen“, sagt er.

Robert [Name geändert] ist […] ein Kind mit sehr differenzierten Reaktionen. Liebevoll, hat viel zu geben. Bedürftig. Gestern waren wir Pizza essen, mit dem Rad am Herrngarten. Sehr enger Kontakt, hautnah. Es rührt mich zutiefst. […] Der Junge ist sogar schön. (Februar 1973)

Mehr als 700 Kilometer entfernt erhebt sich irgendwo in Mecklenburg eine kleine Holzhütte neben einer Ziegenweide, durch eine Straße vom Wohnhaus getrennt. Drinnen faltet ein schlanker Mann mit grauen Haaren und Outdoorkleidung seinen Körper in einen Korbsessel. Der Verschlag ist Andreas Ratz‘ „Traumazelle“, so nennt er das: Schaffelle, bunte Ölbilder, in der Ecke bullert ein Ofen. „Ich versuche, den ganzen Dreck hierzulassen“, sagt er.

Ratz, 52 Jahre alt, zwei Söhne, hat zweimal den Nachnamen gewechselt und lebt als Ökobauer auf dem Land. Die Vergangenheit hat ihn immer wieder eingeholt, wie vor drei Jahren, als er tagelang in der dunklen Hütte lag, mit Depressionen und Selbstmordgedanken. „Ist nicht leicht, mit einem Beschädigten wie mir leben zu müssen.“ Er lacht, nicht bitter, sondern jungenhaft.

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Wie der moralische Bonus verloren geht

Erstellt von IE am 14. März 2015

Ja, Gott werden kann er nicht, da sitzt jetzt eine Göttin und so muss er sich eben mit dem Pöstchen eines Minister zufrieden geben und wird entsprechend dem Bedarf von Posten zu Posten durchgereicht. Da reicht es durchaus als Mitglied der Stahlhelmfraktion auf kleine wehrlose Flüchtlinge zu prügeln. Gelernt ist eben gelernt. Ein typischer Verteter seines Fach welchem beim Rundblick durch die enge seiner Amtsstube der entsprechende Weitblick fehlt.

Sie lassen ihn nicht los, diese Menschen, die nach Deutschland kommen, ohne dass er, der Innenminister, es ihnen erlaubt hätte.

von INES KAPPERT

Erst vor zwei Wochen ging de Maizière die Kirchen an, weil diese dreist Menschen in Not ein Kirchenasyl gewähren, obwohl sein Ministerium ihnen bereits den Abschiebebescheid zugeschickt hat. In der Mehrheit wird den Betroffenen nach der Intervention der Kirchen der Aufenthalt in Deutschland übrigens gewährt. Das zum Thema Rechtsstaat und Willkür. Die Kirchen verteidigten das Kirchenasyl und waren über den Vorstoß des ehemaligen Verteidigungsministers nicht amüsiert. Doch ihr Unmut hemmt de Maizières Tatendrang nicht. Gemeinsam mit seinem italienischen Kollegen hat er diese Woche nun die uralte Idee vom Auffanglager auf afrikanischem Boden aufgewärmt. Merke: Der Leiter vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, Manfred Schmidt, hat unlängst festgestellt, dass es kaum etwas Schlimmeres für Vertriebene gibt, als in Italien einen Asylantrag stellen zu müssen. Sie bekommen dort keinerlei Hilfe und haben schlicht keine Existenzmöglichkeit. De Maizière aber fühlt sich wohl beim italienischen Nachbarn. Und will gemeinsam mit ihm dafür sorgen, dass die Menschen interniert werden, bevor sie europäisches Festland betreten oder im Mittelmeer ertrinken. Denn, so der Minister: „Zum einen können wir hier ganz klar unterscheiden zwischen jenen, die Hilfe und Unterstützung brauchen. Zum anderen können wir dadurch den Schleppern den Nährboden entziehen für ihre Geschäftemacherei.“ Na klar.

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Fotoquelle: Wikipedia – Olaf Kosinsky / Wikipedia

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Innigkeit und Ignoranz

Erstellt von DL-Redaktion am 12. März 2015

Nicht die NPD sei es gewesen, die ihn resignieren ließ, sagt Markus Nierth, inzwischen ehemaliger Ortsbürgermeister eines Dorfs in Sachsen-Anhalt. Er fühlte sich von der Verwaltung im Stich gelassen

AUS TRÖGLITZ THOMAS GERLACH

Es gab einen Moment in seinem Leben, da erfuhr Markus Nierth, wie es ist, Flüchtling zu sein. Der Vater, ein Pfarrer, war schwerkrank und konnte in der DDR nicht ausreichend behandelt werden. Die Familie reiste 1986 aus. Und so saß der junge Markus Nierth auf einem Eisenbett im Notaufnahmelager Gießen. In ein Loch sei er gefallen, erzählt er. „Nicht, dass ich ausgegrenzt worden wäre. Aber es gab diese typische Gleichgültigkeit.“ Und dann kam sein 17. Geburtstag. „Ein wildfremder Mensch brachte mir eine Torte.“ Die Verblüffung ist bei Nierth noch heute herauszuhören. Vermutlich ist es diese Erfahrung, die ihn von vielen hier in Tröglitz unterscheidet, sie hat sie ihn empfänglich gemacht für das Schicksal von Flüchtlingen. Und es ist ganz sicher das, was ihn hat zur Zielscheibe werden lassen.

Markus Nierth, bis vergangenen Freitag ehrenamtlicher Ortsbürgermeister von Tröglitz, sitzt in seinem Wohnzimmer, ausgestattet mit stilvollen Möbeln, Leuchtern, Kunstwerken, den fünfjährigen Silas fest im Arm. Nierth, 46 Jahre alt, ist im Ledersofa versunken. Er wirkt müde von der Aufregung. Sein Abschied zieht Kreise. Am Abend wird er sich in den „Tagesthemen“ sehen können.

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Fotoquelle: Wikipedia – Attribution: Elsteraue at the German language Wikipedia

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ANJA MAIER ÜBER DIE DENKFEHLER DER OSSI-VERSTEHER

25 Jahre sind mehr als genug

Tröglitz ist zu einer Chiffre geworden. Das Dorf in Sachsen-Anhalt, dessen Bürgermeister unter massivem Druck der örtlichen Fremdenfeinde zurücktrat, hält her als typisch für den Osten Deutschlands. Dort habe man, so wird immer gern argumentiert, seit dem Ende der DDR erst 25 Jahre Zeit gehabt, um zivilgesellschaftliche Strukturen aufzubauen. So zu denken ist aber ein schwerer Fehler.

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Memoiren eines Unvernünftigen

Erstellt von DL-Redaktion am 11. März 2015

VERGANGENHEITSBEWÄLTIGUNG Gérard Depardieu verteidigt in seiner Autobiografie, was man von ihm kennt: Alkoholexzesse, Steuerflucht und die Freundschaft mit Diktatoren. Von Schuld will er nichts wissen. „Da scheiß ich drauf, seit Langem!“, schreibt er

AUS PARIS RUDOLF BALMER

„Es hat sich so ergeben“, lautet ein wenig lakonisch oder gar fatalistisch der Titel von Gérard Depardieus Autobiografie, die jetzt auch auf Deutsch erschienen ist. Die französische Originalfassung hatte es im letzten Herbst ein wenig schwer auf dem Büchermarkt. Der war in Sachen intime Vertraulichkeiten und Skandale ganz von Valérie Trierweilers Revanche gegen ihren Expartner Präsident Hollande dominiert. Statt einer Rezension publizierten viele Medien damals nur Depardieus Enthüllung, dass er schon mit zehn Jahren als Strichjunge Geld machte und als Helfer eines Leichenfledderers auf die schiefe Bahn geriet. Selbst das hat in Frankreich kaum schockiert, denn von Depardieu war man schon so manches gewohnt. Seine polternden Provokationen, seine Exzesse mit Alkohol, sein Steuerexil, seine Freundschaft mit Diktatoren.

Beim Lesen der kurzen Kapitel mit Anekdoten aus dem Privatleben des französischen Filmschauspielers stellt man sich lebhaft vor, wie die beiden Verfasser bei ein paar Gläsern Wein zusammen die Erinnerungen des Obelix-Darstellers auffrischen. „Sag mal Gérard, wie war das bei deiner Großmutter, die damals Toilettendame im Flughafen Orly war?“ So oder ähnlich hat ihn wohl der Koautor, der bekannte Ghostwriter Lionel Duroy, ausgefragt. Und Depardieu erzählte dann, wie er dort als Knirps mit Sehnsucht die Flugzeuge zu exotisch fernen Zielen starten sah und selber von einem Flug nach Rio träumte.

Schwierige Kindheit

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Fotoquelle: Wikipedia – Namensnennung: Kremlin.ru

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Bekleidung bei Lidl lohnt

Erstellt von DL-Redaktion am 5. März 2015

Verschwörung des guten Willens

Zwei Jahre nach dem Einsturz des Rana Plaza: Die Situation in den Fabriken von Bangladesch bleibt schwierig. Nachdem Gewerkschaftsmitglieder in einem Lidl-Zulieferbetrieb Sicherheitsbedenken geäußert haben, werden 48 von ihnen gefeuert. Nach monatelangem Streit schließt der deutsche Besitzer nun seine Fabriken – 1.300 Beschäftigte verlieren ihren Job

AUS DHAKA UND GAZIPUR LALON SANDER

Mitte Februar kommt es in der Fabrik von BEO Apparels – Hersteller von T-Shirts, Polohemden und Pullovern und Zulieferer der deutschen Supermarktkette Lidl – zu einer auch für Bangladesch ungewöhnlichen Szene: Vor den Augen eines Einkäufers zerren leitende Angestellte, mit Stangen bewaffnet, an der Kleidung eines Gewerkschafters. Sie hätten ihn wohl auch zusammengeschlagen, wenn es ihm nicht gelungen wäre, in ein Auto zu flüchten. Von dort aus macht Kamrul Hassan, der Gewerkschafter, Handyfotos: Sie zeigen die Manager, mit Eisen- und Holzstäben bewaffnet.

So glimpflich wie für Kamrul Hassan endet dieser 16. Februar nicht für alle Anwesenden. Bei der folgenden Prügelei werden auf beiden Seiten mindestens zehn Personen verletzt. Für die Beschäftigten der Fabrik rückt damit der letzte Arbeitstag näher: Der deutsche Besitzer von BEO Apparels, Ulrich Bornemann, verkündet, dass er diese und eine zweite Fabrik in Bangladesch dauerhaft schließen will. Die Probleme der letzten Monate hätten dazu geführt, dass er keine Aufträge mehr habe.

1.300 ArbeiterInnen werden dann auf der Straße stehen.

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Fotoquelle: Wikipedia – Urheber rijans

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Schwester Julie wandert aus

Erstellt von DL-Redaktion am 3. März 2015

„Triple Win“ heißt ein Modellprojekt, mit dem die Bundesregierung Pflegekräfte im Ausland rekrutiert. Auf Dauer und regulär bezahlt. Die Philippinerin Julie Nicolas ist aufgenommen. In Manila hält sie nicht viel

AUS MANILA CHRISTIAN JAKOB

Es ist nicht so, sagt Julie Nicolas, dass sie kein gutes Leben hatte. Sie wohnt in einem Innenstadtviertel Manilas, kann den Eltern jeden Monat etwas Geld geben, selbst Urlaub in Hongkong und Singapur waren drin. Und trotzdem ist die junge Frau an diesem Freitagmorgen – der Himmel über Manila ist grau, der Wind böig – in das One Pacific Place gekommen, einen gläsernen Wolkenkratzer im Bankenviertel der Hauptstadt, um sich die Eintrittskarte für ein neues Leben abzuholen. Wenn alles läuft, wie es soll, wird sie in einem Monat in ein Land auswandern, in dem sie noch nie war und von dem sie wenig mehr weiß, als dass Menschen wie sie dort gebraucht werden.

Ein kleiner Konferenzraum im vierten Stock, die Vorhänge sind zugezogen, damit die Projektionen besser zu erkennen sind. Rund zwanzig junge Frauen, ein paar Männer sitzen auf Stühlen mit goldenen Rahmen, die Tische sind in der gleichen Farbe gedeckt. Das One Pacific Place ist eines der besten Hotels in der Stadt, trotzdem ist der Dresscode leger. In der Pause reden alle durcheinander, sie machen Selfies mit ihren Telefonen, es ist ihr letzter gemeinsamer Tag. Heute endet ihr Crashkurs für Deutschland.

Drei Gewinner

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Fotoquelle: Wikipedia – Author I Craig from Glasgow, Scotland

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Das große Geschäft mit der Not von Kindern

Erstellt von Gast-Autor am 27. Februar 2015

Das große Geschäft mit der Not von Kindern –

“Seelische Grausamkeiten” incl.

von Netzfrau Doro Schreier

Jeden Tag werden im Durchschnitt 100 Kinder und Jugendliche aus ihren Familien genommen und in Einrichtungen untergebracht. Die Jugendämter wollen sie vor ihren Eltern schützen und verhindern, dass sie vernachlässigt oder gar misshandelt werden. Doch ist das so? Kennen Sie auch Probleme, wo das Jugendamt versagt hat? Wie ist es bei Scheidungen? Wird immer nach dem „Kindeswohl” entschieden?

Diese „Inobhutnahmen” sind seit 2005 um 64 Prozent gestiegen.

Die Jugendämter in Deutschland haben laut Statistischem Bundesamt 2013 mehr Kinder und Jugendliche in Obhut genommen als je zuvor. Häufigster Anlass war mit 40 Prozent die Überforderung der Eltern oder eines Elternteils.

Der Markt der stationären Einrichtungen wächst und ist lukrativ. Ein einziger Platz in einem Heim kostet die Kommunen im Jahr rund 50.000 Euro. Doch ob dieses Geld wirklich zum Wohl der Kinder und Jugendlichen verwendet wird, wird kaum überprüft: Den Jugendämtern fehlt die Zeit und ihre Eltern sind dazu nicht in der Lage. Nicht selten betreuen Mitarbeiter bis zu 90 Familien.

Mit Kindern Kasse machen – Wenn Jugendhilfe zum Geschäft wird

Wir Netzfrauen erfuhren 2013 von einem Fall der uns persönlich erschütterte. Es handelte sich um einen Jugendlichen, der irgendwo in Schleswig-Holstein  in einer „sozialpädagogischen Lebensgemeinschaft” des freien Trägers „Leuchtfeuer” lebte. Er wurde dort als „Drecksmensch” gedemütigt und abgeschottet. Was tun, wenn Jugendämter nicht reagieren, keine Zeitung darüber berichten will und alle Versuche diesem Jungen zu helfen scheitern. Heute muss man alles beweisen können. Also rieten wir der Kontaktperson sich an die Medien zu wenden und nun war es soweit.

Die Story im Ersten: „Mit Kindern Kasse machen”von Nicole Rosenbach und Anna Osius wurde Montag im ARD gezeigt. – vielen Dank an das Team.

[youtube DwejX6iKKfU]

Was wird sich nun ändern? Ändert sich überhaupt was? Immer wieder erreichen uns Netzfrauen Schicksale, die mit Jugendämtern zusammenhängen.

Ein Schicksal von vor 20 Jahren, welches zeigt, was Fehlentscheidungen seitens des Jugendamtes und Familiengerichtes auslösen können.

Eine Mutter mit zwei Kindern flüchtete aus dem Haus, da sie seit Jahren von ihrem Ehemann misshandelt wurde. Sie nahm die Kinder mit und fand in einer Ferienwohnung erstmal eine Bleibe, bis die neue Wohnung fertiggestellt war. Es meldete sich auch gleich das Jugendamt und wollte überprüfen, ob die Situation zum Wohle der Kinder ausreichend war. Da es sich um eine berufstätige Mutter handelte, musste natürlich auch gewährleistet sein, dass die Kinder eine optimale Betreuung hatten. Da sowohl die Familie der Mutter und der Arbeitgeber als auch die Schule des Kindes und Freunde sich in die Betreuung der Kinder einbrachten, hatte das Jugendamt keinerlei Einwände.

Eine Tagesoma kümmerte sich noch zusätzlich um die beiden Kinder im Alter von 6 und 4 Jahren. Die Kinder fühlten sich sicher und wohl, denn sie brauchten nun nicht mehr zu erleben, wie die Mutter geschlagen wurde.  Der zuständige Beamte entschied darauf hin, dass die Kinder jeden Samstag den Vater besuchen mussten. Dass auch dies ein Fehler war, stellte sich nach zwei Monaten heraus, denn dann sollten die Kinder ein Wochenende bei dem Vater bleiben und als die Kinder im Haus des Vaters waren, schloss er die Haustür ab und sagte zu der Mutter der Kinder: „Die Kinder wirst du nicht wiedersehen.” Die 6-jährige konnte sich noch selber befreien, die Kleine blieb im Haus des Vaters. Es bestand keinerlei Möglichkeit seitens der Mutter, das Kind aus dem Haus zu befreien.

Nun würden Sie sicherlich sagen, wo war die Polizei? – Die kam nicht, da das vorläufige Sorgerecht trotz Dringlichkeitsverfahrens nicht geklärt war. Mal war der zuständige Richter krank, dann der zuständige Beamte vom Jugendamt – und ohne Sorgerecht keine Polizei.

Da es ein Samstag Nachmittag war hatte die Mutter auch keine Chance, jemanden vom Jugendamt zu erreichen und somit blieb nur das bange Abwarten bis zum Montag Morgen.

Doch wer nun gedacht hätte, dass das Kind wieder zur Mutter kam, nein, es musste das Gericht entscheiden und somit zog es sich das Verfahren 2 Monate hin – kein Besuchsrecht, denn der Vater war immer noch gewalttätig. Und sollte sich die Mutter dem Haus nähern hätte er ein Gewehr.

Die erste Begegnung der Geschwister fand dann zwei Monate später statt – und der Richter hörte sich die beiden Kinder an, wo diese weiterhin leben wollten. Die 6-jährige redete noch auf ihre Schwester ein. Doch als der Vater dem Richter mitteilte, dass er seine Familie auslöschen würde, wenn man ihm das Kind nehme, da entschied der Richter zugunsten des Vaters für eine Geschwistertrennung. Ein Besuchsrecht wurde bestimmt und wer bei späteren Verhandlungen fehlte: der zuständige Beamte vom Jugendamt. Und obwohl der Vater bei einem Besuch des älteren Kindes diese einsperrte, damit diese nicht mehr zu Mutter konnte und erst mit viel zureden das Kind frei ließ – blieb es bei der Entscheidung. Daran änderte auch das vom Richter geforderte Gutachten nichts – kostete über 3.000,- DM. Und die ärztlichen Gutachten, die die Brutalität des Mannes wiederspiegelten, z.B. blutig geschlagener Rücken, wurden ebenfalls nicht berücksichtigt.

Es reichte auch nicht, dass es sich bei der neuen Wohnung der Mutter um eine kindgerechte Wohnung handelte, die Kinder gut versorgt waren und eine Tagesmutter aufpasste, wenn die Mutter arbeiten musste. Denn Unterhalt gab es vom Vater nicht – da jeder ein Kind hatte, brauchte kein Unterhalt gezahlt zu werden. Die Mutter hätte auch ihre Arbeit aufgegeben, wenn sie nur ihre Kinder hätte behalten können, aber da hieß es dann seitens des Gerichtes, dass man da ja den Kindern nicht mehr das bieten könne, was man mit einer gut bezahlter Arbeit machen würde.

Auf die Frage, ob der Vater mehr Zeit für die Kinder gehabt hat, nein, er war selbständiger Unternehmer und arbeite zwar Zuhause, aber mehr Zeit sicherlich nicht. Und das Besuchsrecht nahm er auch nicht wahr. Das Kind, welches nun bei ihm wohnte, durfte nicht zur Mutter und wenn dann nur mit Tricks.

Auch als offensichtlich war, dass er sich nicht ausreichend um das kleine Kind kümmerte – es kam eines Tages voller Läuse bei der Mutter an, unternahm das Jugendamt nichts, sondern riet, das Kind zu entführen und abzuwarten, wie dann die Gerichte entscheiden würden. Ja, Sie lesen richtig – bedeutet, wenn man kein Sorgerecht hat – denn jeder bekam das Sorgerecht nur für das Kind, welches man hatte, galt es als Entführung, wenn man das Kind nicht wieder zurück gab.

Der damalige Richter antwortete noch zu der Mutter:„Passen Sie auf, wenn Sie irgendwo aus dem Auto steigen, nicht, dass er Sie erschießt”. Die Waffen hat man ihm nie abgenommen. Und nach drei Jahren hartem Kampf blieb es bei der Geschwistertrennung. Allein diese Geschichte reicht für ein Buch. Heute stellt man fest, es war der größte Fehler, was sowohl das Jugendamt als auch der zuständige Richter gemacht haben. Die Ältere wuchs in einem harmonischen Haushalt und Umfeld auf. Die Kleine musste schon früh erwachsen werden. Wenn andere spielten, machte sie den Haushalt und wurde auch nicht schulisch gefördert. Der Haushalt des Vaters bleib frauenlos, somit blieb für sie die Arbeit. Heute, 20 Jahre später, sind die Geschwister wieder zusammengewachsen und auch die Mutter hat ihre Tochter wieder und sie sind alle drei glücklich. Der Vater hat durch sein Handeln verloren, denn vergessen tun die Kinder es ihm nicht. Und es sei bemerkt: Hätte die Mutter ein Frauenhaus aufgesucht, anstatt sich selber zu helfen, wäre es anders gelaufen. Fragen Sie nicht warum, dies wurde nur so bestätigt.

Wie Sie sehen, wenn Sie diese Geschichte gelesen haben, können die Folgen gravierend sein, wenn falsche Entscheidungen getroffen werden. Und auf die Frage, hatte die Mutter sich vorher nicht gut um die Kinder gekümmert, sei auch hier bemerkt, ihr Fehler war, dass sie finanziell für die Familie gesorgt hatte. Die Frage wie viel Zeit man für die Kinder hatte wurde gleich gestellt, unabhängig davon, dass die Mutter auch ihren Job aufgegeben hätte, nur, dann hätte Sie ja kein eigenes Einkommen gehabt und wäre dem Staat zur Last gefallen. Vorteil des Vaters: Alle hatten Angst vor ihm.

Als wir die Geschichte von unserer Kontaktperson gehört hatten und dass alle versuchten Maßnahmen scheiterten, rieten wir, sich an die Medien zu wenden. Denn heutzutage braucht man belegbare Beweise. Und da diese auch vorlagen konnte unsere Kontaktperson eben die Produzenten von der Story im Ersten – Mit Kinder Kasse machen – überzeugen.

Es geht um Dominic (17). Er lebt in einer „sozialpädagogischen Lebensgemeinschaft” des freien Trägers Leuchtfeuer, der vom Jugendamt mit der Betreuung des Jugendlichen beauftragt wurde. Er wird dort als „Drecksmensch” gedemütigt und abgeschottet, darf nicht zur Berufsschule, sondern muss ohne Entlohnung auf dem Hof arbeiten. Bei einem Kontrollbesuch findet das Jugendamt keinen Grund zur Beanstandung.

INFOBOX

Stiftung Leuchtfeuer

Peer Helge Salström-Leyh – Wenn es um maßgeschneiderte Lösungen im Einzelfall und um komplexe Familienproblematiken geht, ist die Stiftung Leuchtfeuer seit vielen Jahren ein etablierter Partner der Jugendämter in Deutschland. Gegründet wurde die Stiftung 2001 von Peer H. Salström-Leyh.

Was macht Peer H. Salström-Leyh beruflich- er ist laut Deutsch-Baltische Handelskammer in Estland, Lettland, Litauen (AHK); DBHK-Regionalversammlung in Estland: Peer Salström-Leyh neu in den Vorstand gewählt.

Peer Helge Salström-Leyh (Tuletorn Fond SA) ist auf der Regionalversammlung am 17. Februar 2010 in Tallinn neu in den Vorstand der Deutsch-Baltischen Handelkammer in Estland gewählt worden. Er übernimmt die Nachfolge von Jan Vogel (Oiltanking Tallinn AS), der aus beruflichen Gründen sein Mandat nach vierjähriger Tätigkeit niederlegte. Der 57-jährige Salström-Leyh ist Geschäftsführer der Stiftung Tuletorn Fond SA in Tallinn, die seit 1999 junge Menschen in Zusammenarbeit mit dem deutschen Jugendhilfeträger Stiftung Leuchtfeuer individual- und gruppenpädagogisch betreut.

In einer solchen Stiftung in Wacken war auch Dominik (17). Unsere Kontaktperson hat vieles unternommen, um auf den Zustand der Betreuung aufmerksam zumachen – ohne Erfolg. Weder das zuständige Jugendamt reagierte noch die Betreuerin, die ganz in Gummersbach lebt. Auch wurde in dem Beitrag erwähnt, dass der Dominik, nachdem nun der Bericht über seine Person gedreht werden sollte, abgeschottet wurde.

Wenn junge Menschen über Missstände in ihren Einrichtungen klagen, dann wird ihnen wenig Gehör geschenkt. So gerät das Heer der freien Jugendhilfeträger – darunter Privatunternehmer, Verbände, gemeinnützige Vereine – selten ins Blickfeld der Öffentlichkeit. Doch nicht allen geht es allein um das Wohl der ihnen anvertrauten 140.000 Kinder und Jugendlichen. Längst ist die Jugendhilfe auch ein großes Geschäft geworden.

Wakya kam mit sieben Jahren in ein Heim, das seinen Kontakt zur Familie massiv einschränkte. Inzwischen ist er 16 und erinnert sich, wie er morgens um fünf Uhr von Mitarbeitern des Jugendamtes mit Polizeibegleitung abgeholt wurde: „Man guckt vom Hochbett runter und da steht die Polizei”. Seine Mutter war im Rahmen eines Sorgerechtsstreits als „erziehungsunfähig” eingestuft worden. Bis diese Bewertung als unbegründet revidiert wurde, lebte das Kind drei Jahre lang im Heim. Der Kontakt zwischen Wakya und seiner Familie wurde unter Vorwänden massiv eingeschränkt, Briefe zensiert. Mutter und Kind litten massiv unter der Trennung.

Ein Hilferuf kam auch aus Polen. Anita (15) ist in einer Pflegefamilie in Polen einquartiert worden, die dem psychisch kranken Mädchen sowohl eine Therapie als auch den Schulbesuch verweigert. Das Team von Story im Ersten versprach, sich für sie einzusetzen, denn mitnehmen konnten sie das Mädchen nicht. Heute lebt Anita wieder in Deutschland und sie sagte zu Polen, es kam einem Gefängnis gleich. Es ist nun ihre 6 Betreuungsstelle in ihrem jungen Leben.

Die Dokumentation macht deutlich, dass seitens der Regierung gehandelt werden muss.

Die Jugendämter in Deutschland haben 2013 mehr Kinder und Jugendliche in Obhut genommen, als je zuvor. Häufigster Anlass war mit 40 Prozent die Überforderung der Eltern oder eines Elternteils, teilte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mit. Der Anstieg zum Vorjahr sei jedoch fast ausschließlich auf unbegleitete minderjährige Flüchtlinge aus Krisen- und Kriegsgebieten zurückzuführen. Auch Gewalt, Verwahrlosung, Drogensucht oder psychische Erkrankungen der Eltern haben die Jugendämter demnach häufig auf den Plan gerufen.

So nahmen die Behörden 2013 insgesamt rund 42.100 Mädchen und Jungen in Obhut, weil sie in einer Situation steckten, die sie akut in Gefahr brachte. Das ist die höchste Zahl seit Beginn der Statistik 1995. Im Vergleich zum Vorjahr waren es 1.896 junge Menschen mehr. Im Fünf-Jahres-Vergleich beträgt das Plus 9.870. Damit wurden von 10.000 Kindern und Jugendlichen 2013 statistisch 32 in Obhut genommen. Fünf Jahre zuvor waren es nur 23.

Je länger die Kinder im Heim bleiben, desto mehr verdienen die Träger

Einige der geschilderten Fälle nähren den Verdacht, dass die Heimunterbringung mit zweifelhaften Gutachten immer weiter verlängert worden ist, damit weiter Geld fließt. Ein Heimleiter räumt vor der Kamera ein, dass er gar keine Ausbildung als Kinder- und Jugendtherapeut absolviert habe, obwohl er sich als solcher ausgegeben und psychologische Gutachten erstellt hat. Auf dieser Basis entscheiden Gerichte über das Schicksal von Kindern.

Für die Heimunterbringung von Wakya überwies das Jugendamt jährlich rund 65.000 Euro an den Träger. Auch dieses können Sie der Dokumentation entnehmen.

Auch erfahren wir, dass jährlich insgesamt 4,4 Milliarden Steuergelder in die „stationäre Unterbringung von Kindern” fließen.

Heinz Buschkowsky, langjähriger Bezirksbürgermeister von Berlin-Neukölln, sagt in der Dokumentation:  „Der Träger hat immer einen Eigennutz und wird immer feststellen, dass das Angebot seiner Einrichtung genau auf diesen Fall passt – denn er muss seine Einrichtung auslasten”. Mit Zorn in der Stimme prangert er den Missstand an: „Wir reden über Milliarden, die der Staat herausreicht ohne jede faktische Kontrolle.”

Unerträglich zynisch beschreibt ein ehemaliger Jugendhilfemitarbeiter, der vor der Kamera anonym bleiben wollte, das „Geschäftsmodell”: Jugendämter „werfen Kinder auf den Markt.” Die Träger bekämen ein Angebot vom Jugendamt, einen Minderjährigen für einen bestimmten Tagessatz zu betreuen. „Es geht um Geld”.

Dominiks Fall haben wir selber mitverfolgen können. Heute ist er 18 Jahre alt, also volljährig, hat eine eigene Wohnung und eine gute Betreuung. Sein Wunsch: Etwas lernen. Eine Entschädigung hat er nie erhalten.

Was wird sich nun ändern? Ändert sich überhaupt was? Immer wieder erreichen uns Netzfrauen Schicksale die mit Jugendämtern zusammenhängen – 20 Jahre liegen zwischen der Fehlentscheidung des Familienrichters und des Jugendamtes und den aktuellen Fällen in der Dokumentation.

Und anstatt besser zu werden, scheint sich alles nur noch zu verschlimmern.

Der Markt der stationären Einrichtungen wächst und ist lukrativ. Ein einziger Platz in einem Heim kostet die Kommunen im Jahr rund 50.000 Euro. Doch ob dieses Geld wirklich zum Wohl der Kinder und Jugendlichen verwendet wird, wird kaum überprüft: Den Jugendämtern fehlt die Zeit und ihre Eltern sind dazu nicht in der Lage.

Wenn junge Menschen über Missstände in ihren Einrichtungen klagen, dann wird ihnen wenig Gehör geschenkt. So gerät das Heer der freien Jugendhilfeträger – darunter Privatunternehmer, Verbände, gemeinnützige Vereine – selten ins Blickfeld der Öffentlichkeit. Doch nicht allen geht es allein um das Wohl der ihnen anvertrauten 140.000 Kinder und Jugendlichen. Längst ist die Jugendhilfe auch ein großes Geschäft geworden.

Quelle: Mit freundlicher Genehmigung von Netzfrau Doro Schreier

Grafikquelle: Oben – Netzfrauen.org

Weiterführende Links:

Wenn Jugendämter versagen – Die kleine Chantal starb an Methadon-Vergiftung – Obhut von drogensüchtigen Pflegeeltern

Obdachlose Jugendliche – Tausende Kinder in einem Wohlstandsland auf der Straße – wie kann das sein?

“Verlorene” Kindheit – wenn kleine Kinder zu Pflegekräften werden

Gewalt gegen Frauen – auch hier in Europa!

Lesen Sie auch:

  1. Obdachlose Jugendliche – Tausende Kinder in einem Wohlstandsland auf der Straße – wie kann das sein?

  2. Wenn Jugendämter versagen – Die kleine Chantal starb an Methadon-Vergiftung – Obhut von drogensüchtigen Pflegeeltern

  3. Familie contra Zeitgeist?

  4. Mensch – We are all human beings

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Hier auch noch einmal ein Rückblick auf die Heime der Haasenburg:

Das Ende der Haasenburg

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Der Forscher und sein Bakterium

Erstellt von DL-Redaktion am 25. Februar 2015

„De facto existieren gegen alle Antibiotika Resistenzen“, sagt Stephan Sieber. Eine globale Gefahr. Sieber ist einem Wirkmechanismus auf der Spur, der die tödlichen Keime außer Kraft setzt. Noch ist das Projekt in einem frühen Stadium

AUS GARCHING HEIKE HAARHOFF

Staphylococcus aureus ist ein Bazillus, den man seinem ärgsten Feind nicht wünscht. Er siedelt bevorzugt auf den Nasenschleimhäuten oder am Mund, und in der Regel, das ist das Tückische, tut er dies, einem Schläfer gleich, lautlos, diskret, unbemerkt, oft über Monate, manchmal über Jahre. Staphylococcus aureus harrt aus, denn seine Stunde wird kommen: Dann, wenn die Immunabwehr des Menschen, den er längst besiedelt hat, schwach wird, etwa weil er krank ist, schlägt er zu: mit Wundinfektionen, Lungenentzündung, Blutvergiftung.

Garching bei München, die Chemielabors der Technischen Universität liegen nur wenige hundert Meter entfernt vom Atomei, Deutschlands erstem Forschungsreaktor, bis heute Inbegriff für Innovation. Draußen scheint die Februarsonne, und drinnen im Labor zwischen Chromatografiesäulen, Lösungsmitteldestillen und Inkubatoren öffnet Stephan Sieber, 38 Jahre, seit 2009 Professor für organische Chemie, einen Kühlschrank. Sieber, Jeans, Dreitagebart, Hygienehandschuhe, holt eine Petrischale heraus. Darin: eine gelb-golden schimmernde Zellkultur, Staphylococcus aureus auf Nährboden, täuschende Harmlosigkeit. Sieber, ein Mann von mehr als zwei Metern Größe, blickt ehrfürchtig auf die Keimkolonie in seinen Händen. Er sagt: „Wir waren schon so weit.“

Quelle: TAZ >>>>> weiterlesen

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Fotoquelle: Wikipedia – Urheber Sage Ross

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Die da oben, wir da unten

Erstellt von DL-Redaktion am 24. Februar 2015

Schieflage Hartz IV, geringe Löhne, zu niedrige Steuern für Reiche: Die Ungleichheit wächst immer weiter. Warum ist es so schwer, Gerechtigkeit herzustellen? Eine Ursachenforschung

Robert Misik

Mit der Umverteilung von unten nach oben muss endlich Schluss sein – diese Forderung erhebt dieser Tage nicht etwa Sahra Wagenknecht in einer Talkshow oder ein Gewerkschaftsführer in einer Betriebsversammlung, sondern die OECD, die Wirtschaftsorganisation der führenden Industriestaaten. „Unsere Analyse zeigt, dass wir nur auf starkes und dauerhaftes Wachstum zählen können, wenn wir der hohen und weiter wachsenden Ungleichheit etwas entgegensetzen“, sagt OECD-Generalsekretär José Ángel Gurría. „Der Kampf gegen Ungleichheit muss in das Zentrum der politischen Debatte rücken.“

In der schleichenden Umverteilung von unten nach oben ist die Einführung von Hartz IV vor zehn Jahren nur ein Mosaikstein, wenn auch ein ziemlich großer. Eine OECD-Studie hat gerade gezeigt, dass die obersten zehn Prozent in Deutschland heute sieben Mal so viel verdienen wie die untersten zehn Prozent. Vor 30 Jahren betrug das Verhältnis noch eins zu fünf. Die ungleiche Verteilung kostet Deutschland ökonomisches Potenzial. Wäre sie gerechter, könnte das Bruttoinlandsprodukt um sechs Prozent höher ausfallen. Denn Ungleichheit ist ökonomisch schädlich, weil sie die Konsumnachfrage dämpft und die Chancen der Unterprivilegierten hemmt.

Quelle: Der Freitag >>>>> weiterlesen

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Fotoquelle: Wikipedia – Urheber Dirk Ingo Franke

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Möbelhaus

Erstellt von DL-Redaktion am 22. Februar 2015

Er ist jetzt Robert Kisch

WÜRDE Er war Starjournalist. Dann wurde er Einrichtungsberater. Jetzt trägt er einen anderen Namen, weil er darüber ein Buch geschrieben hat. „Möbelhaus“ bringt die Antisolidarisierung der deutschen Gesellschaft auf den Punkt. Eine Begegnung

VON PETER UNFRIED

Herr …? „Keine Namen, bitte“, sagt er hastig, nachdem er die Filiale einer Café-Kette neben einem Hauptbahnhof betreten hat. Auch keine Städtenamen. Keine Personenbeschreibung. Ihn auf keinen Fall mit dem echten Namen ansprechen, der ihn zur journalistischen Marke gemacht hat. Er ist jetzt „Robert Kisch“. Er hat ein Buch über sein neues Leben als Möbelverkäufer geschrieben. Und er will nicht, dass sein Möbelhaus ihm nachweisen kann, dass er das war. „Tatsachenroman“ hat der Verlag sicherheitshalber auf den Titel geschrieben. Erfunden sei nichts, sagt Kisch. „Alles ist so. Leider.“

„Möbelhaus“ ist ein wichtiges Buch; nicht weil es literarische Grenzen sprengt, nicht weil es als Sachbuch undercover die Ausbeutung in einem Unternehmen oder einer Branche aufdeckt, sondern viel besser: weil es anhand einer einfachen Geschichte einen blinden Fleck der Gesellschaft beschreibt und dabei ihre kulturelle und moralische Verwahrlosung. Und die Schuldfrage nicht einfach an den Kapitalismus auslagert – obwohl der Reflex naheliegt. „Es gibt nicht den einen Bösen“, sagt Kisch.

Quelle: TAZ >>>>> weiterlesen

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Grafikquelle: Wikipedia – Urheber Pava

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Der Pillendreh

Erstellt von DL-Redaktion am 20. Februar 2015

Im Innern des Pharmakonzerns Sanofi

von Quentin Ravelli

Bis ich herausgefunden habe, dass ich überwacht werde und dass die genau wissen, was ich verschreibe!“, empört sich eine Ärztin aus einem schicken Pariser Stadtteil. „Eine Pharmavertreterin sagte irgendwann zu mir: ,Sie verordnen nicht gerade viel!‘ Da hab ich mich gefragt: Woher weiß die das? Ich war ja komplett ahnungslos.“

Wie viele ihrer Kollegen ist sie schockiert über die Kontrolle, hinter der die Marketingabteilungen von Pharmakonzernen stecken. Und die strotzen nur so vor Einfallsreichtum, wenn es darum geht, Marktanteile zu steigern. Dazu gehört auch, die Anwendungsgebiete von Arzneimitteln zu verändern, um neue Kunden zu gewinnen. So geschehen bei Sanofi, dem viertgrößten Pharmakonzern der Welt (33 Milliarden Euro Umsatz im Jahr 2013) und Frankreichs höchstbewertetem Unternehmen.

Pyostacine aus dem Hause Sanofi, das manche Ärzte auch als den „Rolls Royce unter den Hautantibiotika“ bezeichnen, wurde lange nur gegen dermatologische Erkrankungen eingesetzt, bevor es in ein Medikament für die Atemwege umgewandelt wurde. Seither wird das Antibiotikum bei Bronchitis und Lungenentzündungen verabreicht.

Diese breite Anwendung hat, wie Mediziner und Gesundheitsbehörden vermuten, zur Entwicklung und Ausbreitung von antibiotikaresistenten Bakterien beigetragen, die inzwischen für weltweit jährlich 700 000 Todesfälle verantwortlich gemacht werden.

Um die Vielschichtigkeit medizinischer Produkte zu verstehen, haben wir den Weg dieses einen Medikaments verfolgt, vom Versuchslabor über die Produktionsstätte des Wirkstoffs bis hin zu den Vertretern.

Auf jeder dieser Etappen erhält das Medikament einen anderen Namen: Während die Biologen vom Bakterium Streptomyces pristinae spiralis und die Chemiker von Pristinamycin sprechen, preisen die Pharmareferenten Ärzten gegenüber die Vorzüge von „Pyo“ an. Die Arbeiter wiederum nennen das Mittelchen liebevoll „Pristina“ oder gar „Tierchen“. Auf dieser Reise wird die Diskrepanz zwischen den Bedürfnissen der Patienten und den Profiten der Industrie immer deutlicher.

Der neue Hauptsitz von Sanofi France, eine elegante Kombination aus Alt- und Neubau im Herzen von Paris, soll Transparenz und Respekt gegenüber den Patienten ausstrahlen. Im dritten Stock befindet sich die Marketingabteilung. Hier arbeiten die Leute, die seit den 1990er Jahren damit beschäftigt sind, Pyostacine als Atemwegsmedikament auf dem Markt zu etablieren. Mit sichtbarem Erfolg: Zwischen 2002 und 2010 schnellten die Verkaufszahlen für die Behandlung von Atemwegsentzündungen um 112 Prozent in die Höhe, während für Hauterkrankungen lediglich 32,6 Prozent mehr Pyostacine verabreicht wurde.

Dieses Wachstum ist nicht etwa auf eine dramatische Zunahme der Krankheitsfälle zurückzuführen, sondern auf eine ganz spezielle Verkaufsstrategie. Schließlich werden für Atemwegserkrankungen viel öfter Rezepte ausgestellt als für Hautinfektionen. „Es hat sich herausgestellt, dass Pyostacine supergut gegen Erreger funktioniert, die Bronchien, Lunge und Nasennebenhöhlen befallen. Daher haben wir es in diese Richtung weiterentwickelt“, erklärt ein Mediziner von Sanofi.

Quelle: le monde diplomatique >>>>> weiterlesen

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Fotoquelle: Wikipedia – Urheber Ragesoss

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CETA: Blaupause der Deregulierung

Erstellt von DL-Redaktion am 18. Februar 2015

von Thomas Fritz

Im Zuge einer Charme-Offensive veröffentlichte die EU-Kommission Anfang des Jahres einige Dokumente zu den Verhandlungen des Freihandelsabkommens TTIP. Zwar ist zu begrüßen, dass die Kommission einen Teil ihrer Karten offenlegt. Zugleich aber sagen die Dokumente recht wenig darüber aus, wie das Abkommen zwischen der EU und den USA am Ende aussehen wird, denn nur ein Teil von ihnen enthält Entwürfe des Vertragstextes.

Eine genauere Vorstellung erlaubt hingegen das EU-Freihandelsabkommen mit Kanada CETA (Comprehensive Economic and Trade Agreement), das in vielerlei Hinsicht als Blaupause für das geplante Abkommen mit den USA gilt.[1] Die 2009 begonnenen Verhandlungen mit Kanada sind bereits weitgehend abgeschlossen, doch wurde das Abkommen bisher noch nicht ratifiziert. Nachdem die „Tagesschau“ den durchgesickerten Vertragstext im August 2014 veröffentlichte, zog die EU-Kommission im September nach und machte ihn auf ihrer Webseite zugänglich. Der konsolidierte Vertragstext bestätigt die schlimmsten Befürchtungen: So sieht dieser nicht nur die undemokratischen Investor-Staat-Schiedsverfahren vor, sondern könnte zudem zu massiven Rückschritten in der Klima- und Gentechnikpolitik sowie bei den Arbeitsrechten führen.

Investor-Staat-Schiedsverfahren

Quelle: Blätter >>>>> weiterlesen

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Fotoquelle: Wikipedia – Urheber World Developement Movment

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Lüften wir hier Günnis Geheimnis?

Erstellt von IE am 16. Februar 2015

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Gerade rechtzeitig noch zum diesjährigen Karneval glauben wir dem Geheimnis, welches um das Verschwinden von Günni aus Köln, von Ihm selbst gemacht wird, auf die Spur gekommen zu sein. So lesen wir heute über einen Kölner mit Namen Petermann welcher angeblich auf tragische Weise in der Stadt gestorben sei, glauben aber das Diesem, mit der Hilfe Linker Anarchisten, die Flucht nach Oberhausen gelungen ist.

Vieles was wir in den unten verlinkten Artikel lesen können, lässt nicht nur Schemenhaft eine tiefe innere Verbindung dieser beiden Persönlichkeiten vermuten. Erinnern wir uns doch nur allzu genau an die Wurfgeschosse mit welchen Günni auf seinen Touren durch NRW verbal auf seine Widersacher warf, um diese mundtot zu stellen. Eine Verhaltensweise übrigens welche nach einer solch langen Gefangenschaft durchaus verständlich wäre.

Wissen wir doch heute das fast alles Kopfgesteuert ist und für Diesen die Enge und Einsamkeit in einer Zelle furchtbare Auswirkungen nach sich ziehen kann, welche sich dann in Tobsuchtsanfällen  mit Beißattacken auf seinen Namensvetter Gunther äußerten.

Auch wissen Kenner der Szene zu berichten dass, wie in den Artikel beschrieben, auch Günni mit seiner ständigen Begleiterin recht wenig anzufangen wusste. Wie sagten diese doch so schön: „Zu dumm – zum, zum“. Aber wir wissen ja auch aus KFZ Vergleichen das die Fahrgestelle in den verschiedensten Situationen durchaus recht unterschiedlich reagieren.

Nein, wir vergleichen hier keine Menschen mit Affen, sondern machen nur auf Gemeinsamkeiten aufmerksam, wobei wir auch die Gesichtsbehaarung nicht unerwähnt lassen dürfen. Wäre es doch auch theoretisch möglich ein Kind zum Affen zu verkleiden um so eine neue Attraktion für einen Zoo zu schaffen. Die Kölner zeigten sich im Erfinden neuer Geschäftsideen schon immer sehr kreativ.

Und auch unser Günni selber, macht er sich nicht fast tagtäglich selber zum Affen mit allen seinen unausgegorenen, unpolitisch, dilettantischen Vorschlägen und Ideen? Einfälle wie die Kuh Ausfälle sagt man in der Landwirtschaft dazu und mit aktiver Politik hat das Stellen immer neuer Forderungen welche später nicht eingehalten werden können, recht wenig gemeinsam.

Da wäre es an und für sich an der Zeit den politischen Abschied einzureichen. Dann erging es im vielleicht später wie Petermann und an den Hauswänden in Köln und Bottrop wären Sätze zu lesen wie: „Günnes mach noch einmal den Tünnes“ oder „Günni Dear – ich will ein Kind von Dir“.

Mit erhobener Linker

KARNEVAL In Erinnerung an den Kölner Schimpansen Petermann

Unangefochtener Star des Kölner Karnevals war einst ein kleiner Schimpanse, der 1949, zusammen mit seiner Mutter, irgendwo in Afrika eingefangen und nach Europa verschifft worden war. Während die Mutter noch vor der Ankunft starb, wurde der Kleine, zunächst Pittermännchen und später Petermann genannt, im Kölner Zoo vom damaligen Direktor Werner Zahn „von Hand“ aufgezogen. Bald schon musste er andressierte Kunststücke vorführen oder stundenlang im Kassenhäuschen sitzen und Eintrittskarten ausgeben. Im Jahr 1952 trat er, ausstaffiert mit Frack und Zylinder, erstmalig im Fernsehen auf.

Über Jahre hinweg steckte man ihn zur Karnevalszeit in eine bunte Gardeuniform und reichte ihn von einer Prunksitzung zur nächsten; gelegentlich musste er zum Gaudium der Jecken auch eine Livree oder ein rosa Tutu tragen. Wie er den Trubel, die Blitzlichter, das Herumgezerre an ihm verkraftete, kümmerte niemanden.

Quelle: TAZ >>>>> weiterlesen

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Fotoquelle: Wikipedia – Namensnennung: Bundesarchiv, Bild 102-09185 / CC-BY-SA

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Selbstlenkende Gesellschaft

Erstellt von DL-Redaktion am 14. Februar 2015

SCHLAGLOCH VON MATHIAS GREFFRATH

Dobrindts Vision der schönen neuen Automatenwelt ist alt – und unheimlich

Selbstlenkende Pkws und Laster? Absurd. Wer will das schon? So die Stimmen am abendlichen Tisch. Aber ich werde keine Wette gegen die Prognose des Auto-und-Internet-Ministers Dobrindt wagen, dass in zehn Jahren autonome Autos über teilprivatisierte Autobahnen brausen. Denn erstens kommt es dümmer, und zweitens, als man denkt. Vor allem aber schneller.

Vor fünfzehn Jahren las ich zwei Bücher von Bill Gates. Das erste hieß „The Road Ahead“. Da ging es um PCs, die mich so gut kennen, dass sie mir automatisch alle Bücher, CDs oder Filme anbieten, die zu mir passen; um Stadtpläne, die mir sagen, ob die Toiletten in der Lieblingspizzeria sauber sind, und ob irgendwo in der Stadt eine Single-Frau wohnt, die meine Vorliebe für nächtliches Schachspielen teilt; um Autos, die mir nahelegen, jetzt gleich rechts abzubiegen; um Smart Homes mit Fernsehern, die merken, wie mir die Werbung gefällt. Ich fand das komisch – eine Fehleinschätzung.

„Digitales Wirtschaftswunder“

Quelle: TAZ >>>>> weiterlesen

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Fotoquelle: Wikipedia – Urheber Jakub Hałun

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Von wegen Naturprodukt

Erstellt von DL-Redaktion am 12. Februar 2015

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Genbaumwolle als globale Massenware

von Annette Jensen

Fast jeder Mensch trägt sie direkt auf der Haut – Tag und Nacht. Rund 40 Prozent der Textilien sind heute aus Baumwolle, bei Kleidung liegt der Anteil noch höher. Dass wir uns Teile der Pflanze aus der Familie der Malvengewächse aber manchmal auch einverleiben, zum Beispiel wenn wir fettige Pommes essen oder das Frühstücksbrötchen mit Margarine bestreichen, ist weniger bekannt. Auch in Geldscheinen sind die robusten Fasern verarbeitet, weil ihnen Feuchtigkeit und Dreck wenig anhaben können.

Auf etwa 2,5 Prozent der weltweiten Ackerflächen wächst Baumwolle. Obwohl die Büsche zehn Jahre alt werden können, dominieren heute Saisonpflanzen. Von der Aussaat bis zur Ernte brauchen die sonnenhungrigen Sträucher etwa 200 Tage – und in dieser Zeit darf es keinen Frost geben.

Deshalb liegen fast alle Anbaugebiete zwischen dem 37. nördlichen und 30. südlichen Breitengrad. Außerdem benötigt die Pflanze insbesondere in der Frühphase viel Wasser, während Regen kurz vor der Ernte fatale Folgen für die Faserbäusche hat. Deshalb findet der Baumwollanbau heutzutage oft in sehr trockenen Regionen mit künstlicher Bewässerung statt.

Bis zu 1 500 Liter Wasser pro Jahr und Quadratmeter werden dabei eingesetzt, weshalb manches schlichte T-Shirt weit mehr als 50 Badewannen voll Wasser als unsichtbaren ökologischen Rucksack mit sich herumschleppt. Das Statistische Bundesamt hat ausgerechnet, dass die hierzulande verkauften Baumwollprodukte mehr Frischwasser verbrauchen, als in deutschen Haushalten fürs Baden, Kochen und Waschen aus den Hähnen fließt. Weltweit gehen 6 Prozent des Süßwassers für den Baumwollanbau drauf.

Das prominenteste Opfer dieser Praxis ist der Aralsee, einst viertgrößtes Binnengewässer der Welt, dessen östlicher Teil im Sommer 2014 erstmals komplett trockenfiel. Vor dem Zweiten Weltkrieg hatte Stalin die Bauern in Kasachstan und Usbekistan gezwungen, ihre Obst- und Weinbauplantagen in riesige Baumwollfelder umzuwandeln. Versorgt wurden die Monokulturen durch ein aus den Zuflüssen des Aralsees gespeistes Bewässerungssystem. Die dramatische Schrumpfung des Sees begann aber erst nach dem Bau des weltweit größten Bewässerungskanals, der Millionen Kubikmeter nach Turkmenistan leitet, die auch dort den Baumwollanbau ermöglichen.

Als das Sowjetreich zusammenbrach, war der Aralsee um zwei Drittel geschrumpft, doch die ökologische Katastrophe in der zentralasiatischen Region nahm kein Ende. Inzwischen ist das Erdreich extrem versalzen, was den Wasserbedarf beim Baumwollanbau noch einmal enorm verstärkt, weil die Kristalle vor der Aussaat aus dem Boden ausgewaschen werden müssen.

Darüber hinaus ist der Baumwollanbau mit einem enormen Pestizid- und Mineraldüngereinsatz verbunden: Über 10 Prozent der Agrochemikalien kommen hier zum Einsatz. Konventionell arbeitende Betriebe spritzen die Pflanzen bis zu 25-mal im Jahr, weil sich Insekten in den Monokulturen und dem feuchtheißen Klima ansonsten rasant vermehren würden. Vor der Ernte mit Großmaschinen werden die Büsche vielerorts künstlich entlaubt. Nicht selten stehen die Arbeiter im Giftnebel. Die Weltgesundheitsorganisation geht davon aus, dass jährlich etwa 20 000 Menschen an den Folgen des Chemikalieneinsatzes auf den Feldern sterben.

Mitte der 1980er Jahre fanden in den USA die ersten Freilandversuche mit gentechnisch veränderter Baumwolle statt, seit 1996 ist Genbaumwolle dort offiziell zugelassen. Die Manipulationen am Erbgut machen die Pflanzen nicht nur unempfindlicher gegen Hitze und Salz, sondern führen auch dazu, dass sie selbst Abwehrstoffe gegen Wanzen und Baumwollkapselwürmer bilden. Der US-Agrarmulti Monsanto hat das Saatgut genetisch außerdem so verändert, dass die Pflanzen resistent gegen Glyphosat sind. So überstehen die Baumwollsträucher – anders als sogenannte Unkräuter – die Dusche mit dem ebenfalls von Monsanto hergestellten Breitbandherbizid „Roundup“.

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Fotoquelle: Wikipedia – Urheber David Nance, USDA ARS

Dieses Bild ist gemeinfrei (public domain)

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Fremdenhatz

Erstellt von DL-Redaktion am 11. Februar 2015

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JAGD Waschbären und Grauhörnchen sind unerwünschte Einwanderer. Die Strafe für ihren Grenzübertritt lautet oft Tod. Warum?

AUS KLOCKSIN UND MÜNCHEN MARIA ROSSBAUER

Der Wind weht günstig, als Volker Koch wieder hinauszieht, um die Fremden zu jagen. Langsam stapft er durch den Matsch, vorsichtig, kein Zweig darf knacken. Dann bleibt er stehen. Ein Blick in den dunklen Wald. Dort, auf der feuchten Erde zwischen Schilf und Moor, könnte einer sein. Aus dieser Richtung kommt ein leichter Wind. Das ist gut, denn so riecht der Eindringling den Jäger nicht. „Wenn er uns riecht“, sagt Volker Koch, „ist er gleich weg.“

Und wenn er wegläuft, könnte man ihn nicht strecken, wie Koch das nennt, und nicht danach im Waldboden vergraben. Dann würde der Fremde wieder durch die Dörfer an der Müritz in Mecklenburg-Vorpommern ziehen, würde Mülltonnen umwerfen, Obst klauen, Reet aus den Dächern der Häuser reißen und Vögeln die Eier wegfressen. Darum gibt es für Koch nur eine Möglichkeit: erschießen. „Leider“, sagt er.

Denn eigentlich findet er die Tiere niedlich.

Volker Koch jagt Waschbären. Eine Menge Menschen sind der Meinung, Jäger wie Koch müssten noch viel mehr Waschbären erschießen. Und alle anderen Tiere, die so sind, wie die pelzigen Räuber aus Nordamerika: Unerwünschte, Dahergelaufene, Fremde.

Der Waschbär ist das, was Biologen eine invasive Art nennen. Ein Migrant der Natur. Einer, der einst von Menschen hergeschleppt wurde, sich nun neben den einheimischen Tieren und Pflanzen wohlfühlt und vermehrt. Ein Unheilstifter.

Die Vertreter dieser Parallelgesellschaften bringen Krankheiten, warnen Ökologen und Naturschützer, sie schaden Natur und Landwirtschaft, sie verdrängen heimische Arten, sie haben unkontrolliert Sex mit unseren Tieren. Der Bund für Umwelt- und Naturschutz zählt Milliardenschäden auf, die die Invasiven in Europa verursachen, der Präsident des Naturschutzbundes spricht von „ökologischen Zeitbomben“, der Spiegel von „Öko-Aliens“, im Internetlexikon Wikipedia steht das Stichwort „Biologische Invasion.“

Deutschland wird angegriffen. Und Deutschland schlägt zurück.

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Der Arbeitsmarkt

Erstellt von DL-Redaktion am 8. Februar 2015

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Unter Druck

QUALIFIZIERT Wer „Promotion“ englisch ausspricht, macht aus dem Doktortitel eine Verkaufsaktivität. Unsere promovierte Autorin wäre mit 1.100 Euro im Monat sehr glücklich

VON STEFANIE SCHMIDT

August 2013, Berlin. Ich komme von einem Bewerbungsgespräch nach Hause und möchte mich aus dem Fenster werfen. Vorher war ich in einem Museum und kam mit einem Angestellten ins Gespräch. Gibt es hier Jobs als Touristenführer?, fragte ich. Kultur, Geschichte – das habe ich studiert. Nein, nicht, meint er, aber eine Stelle in der Presse sei frei, nur laufe genau an dem Tag die Bewerbungsfrist aus. Ich klopfte an der Tür des Personalbüros, „herein“, es war die Stimme einer Frau, ich nahm Platz und sie kein Blatt vor den Mund.

„Wir brauchen so jemanden wie Sie nicht“, sagte sie. „Sehen Sie, das würde uns beide nicht glücklich machen. Sie säßen auf einem unterbezahlten Job, den andere mit mehr Elan ausüben würden, und wir bleiben auf Ihnen sitzen. Lassen Sie uns doch nur mal spaßeshalber schauen, was Sie bei uns so verdienen würden“, die Dame mit der halboffenen Bluse haute emsig in die Tasten. „Sie sind“, es folgte ein schnelles Mustern meiner Person, die Suche nach dem Ring am Finger, „nicht?“, ein Zögern „nicht verheiratet“, half ich aus, „ich bin ledig und habe keinen Partner“. „Gut, also Lohnsteuerklasse 1“, sie tippte weiter. „Sie bekommen auf dieser Stelle – habe ich erwähnt, dass es nur 75 Prozent sind? Nein? Also, Sie bekommen brutto 1.700 Euro verbleiben bei … (Gemurmel) … und ohne … (Gemurmel) … etwa … (Gemurmel) … 1.100 Euro.“ Sie schaute hoch. „Sie sind sich nicht mehr wert?“

Ich möchte anfangen zu weinen.

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Entwicklungshilfe made in Germany

Erstellt von DL-Redaktion am 7. Februar 2015

Markttag in Segou – Mali

Nachhaltige Zerstörung

Eine staatliche Entwicklungsbank soll kleinen Unternehmen in Entwicklungsländern helfen. Mit dem Geld werden zwielichtige Investoren gefördert

VON CHRISTIAN JAKOB

Für den Agrarinvestor Modibo Keita war es ein Bombengeschäft: Pacht und Pachtoptionen auf insgesamt 27.000 Hektar fruchtbares, bewässertes Land, nutzbar für 30 Jahre – umsonst. Nur für das aus dem Fluss Niger gepumpte Wasser für seine neuen Felder sollte der Agrarunternehmer bezahlen. Mit weiteren Kosten mochte die malische Regierung den Unternehmer nicht belasten – schließlich sollte er in der Region Segou, drei Autostunden östlich der Hauptstadt Bamako, Arbeitsplätze schaffen. Die von der malischen Regierung geheim gehaltenen Verträge liegen der taz vor. Keita möge lediglich „prioritär lokale Arbeitskräfte nutzen“, heißt es darin. Am 31. Mai 2010 unterschrieb Malis damaliger Agrar-Staatsekretär Abou Sow den Acker-Deal mit Keitas Firma Moulin Moderne du Mali.

Ein Teil der Flächen, die die Regierung da in die Hände eines Großgrundbesitzers vergab, wurde von kleinen Bauern bewirtschaftet. Zwei Dörfer sollten ihre Äcker hergeben. Ein klassisches Landraub-Geschäft, wie es in vielen Ländern in Afrika, Asien und Lateinamerika abläuft – bis auf einen Umstand: An diesem ist mittelbar der deutsche Staat beteiligt. Wie das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) kürzlich einräumte, bekam Keita zwei Kredite von der malischen Agrarentwicklungsbank Banque Nationale de Développement Agricole (BNDA). Die gehört zu 21 Prozent der Deutschen Investitions- und Entwicklungsgesellschaft mbH (DEG), die wiederum eine 100-prozentige Tochter der staatlichen deutschen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) ist.

Der offizielle Auftrag der 1962 gegründeten DEG lautet, private Unternehmen in Entwicklungsländern zu fördern. Die als gemeinnützig geltende DEG ist von der Steuerpflicht befreit. Sie verteilt jährlich Kredite in Höhe von etwa 1,5 Milliarden Euro, ihre Bilanzsumme liegt bei rund 7 Milliarden. Ein Drittel ihrer Investitionen fließt in Beteiligungen an Banken in Entwicklungsländern – so wie in Mali.

Schlägertrupps geschickt

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Die Paten von Rom

Erstellt von DL-Redaktion am 5. Februar 2015

Al Capone car:  You can see bullet holes on the door

Korrupte Geschäfte mit der Versorgung von Flüchtlingen

von Stefano Liberti

Mit den Flüchtlingen lässt sich mehr Geld machen als mit dem Drogenhandel.“ Mit diesem Satz beschrieb Salvatore Buzzi, Vorsitzender der Genossenschaft „29. Juni“1, in einem abgehörten Telefongespräch, worum es bei den Ermittlungen namens „Mafia capitale“ (Hauptstadtmafia) geht. Die Untersuchung, die derzeit die Regierungspaläste der Stadt Rom erschüttert, hat ein gigantisches Netzwerk systematischer Korruption aufgedeckt, in dem mit sozialen Diensten, insbesondere mit den Auffangstrukturen für Flüchtlinge, im großen Stil Geld verdient wurde.

Mitgemacht haben anscheinend alle: die linken wie rechten Stadtregierungen, die nacheinander das Zepter in der Hand hatten, Geschäftemacher aus den unterschiedlichsten kriminellen Milieus sowie Handlager und Vermittler zwischen Politik und Unterwelt: Zu Letzterer gehören der genannte Salvatore Buzzi, 1980 wegen Mordes und Betrugs zu 25 Jahren Haft verurteilt und 1992 von Staatspräsident Oscar Luigi Scalfaro begnadigt, sowie der neofaschistische Exterrorist Massimo Carminati, der als Boss der Bande den Ehrentitel „König von Rom“ verliehen bekam.

Die Hierarchien sind flach, die Organisation ist weit verzweigt. „Es ist eine Mafia neuen Typs“, sagt Staatsanwalt Giuseppe Pignatone, der die Ermittlungen leitet. „Es handelt sich nicht um eine ,cupola‘, um eine Kuppel über Rom, die von oben alles unter Kontrolle hat. Die Organisation hat nicht die Macht, die ganze Hauptstadt in Schach zu halten, sondern investiert in etliche mafiöse Unternehmen im Stadtgebiet. Sie hat keine militärische Struktur, sondern ist wie eine Holding in mehrere Geschäftsfelder gegliedert.“

Einzelne Personen, die über exklusiven Zugang zu den Schaltstellen der Stadtverwaltung und zum Innenministerium verfügen, haben im Lauf der letzten Jahre eine Reihe von kommunalen, sozialen Dienstleistern unter ihre Kontrolle gebracht, darunter mindestens zwei Hühnchen, die wahrhaft goldene Eier legen: die Asylbewerberheime und die Lager für die Roma. Die Summen, um die es dabei geht, sind stattlich: Die Genossenschaft, der Buzzi vorsitzt und die für mehrere Aufnahmelager zuständig ist, hat für 2013 einen Umsatz von 58,8 Millionen Euro ausgewiesen: „Mit Ausländern und Zigeunern haben wir 40 Millionen gemacht“, prahlte Buzzi in einem weiteren abgehörten Telefonat.

Quelle: Le Monde diplomatique >>>>> weiterlesen

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BERLINALE: The Sound of Revolution

Erstellt von Uli Gellermann am 30. Januar 2015

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Inuit-Rock gegen Dänen-Kolonialismus

Autor: U. Gellermann

Rationalgalerie

Datum: 29. Januar 2015

Wer sie hört, die Lieder der Gruppe Sumé, der mag kaum glauben, dass die Sprache der Grönländer nur drei Vokale kennt: Melodisch klingt es aus den Tonboxen, den Beatles näher als den Stones, doch die Balladen der ersten grönländischen Rockband Sumé sind sehr eigenständig. Auch und gerade weil sie in Kalaallisut gesungen werden, jener Sprache der Grönländer, die in den Jahrhunderten der dänischen Kolonialisierung beinahe verloren gegangen wäre wenn, ja wenn nicht viele junge Grönländer Anfang der 70er Jahre begonnen hätten ihre eigene Kultur wieder zu entdecken. Unter ihnen und ganz vorne dran die Jungs von Sumé, von denen der Film „The Sound of Revolution“ im BERLINALE-Panorama handelt.

Den Fans von Sumé sind im Film von Inuk Silis Høegh noch die Schauer der Erregung anzuhören, wenn sie sich erinnern: „Zum ersten Mal hörten wir von der Bühne Lieder in unserer Sprache, ob das wohl erlaubt war?“ Die nun älter gewordenen Fans wissen noch gut um jene Zeit, in der die eigene Sprache als minderwertig galt, ähnlich minderwertig wie die Grönländer von den Dänen begriffen wurden. Wer als Inuit formale Bildung haben wollte, der musste von seiner 4.000 Kilometer weit entfernten Insel nach Dänemark, musste die dänische Sprache beherrschen, um weiterhin von den Dänen beherrscht zu werden. „Es ist Zeit, um wieder als Inuit und nicht wie im Westen zu leben“, so lautet eine Zeile von Sumé in ihrem Song „Nunaqarfiit“ auf ihrer ersten, 1973 erschienenen Platte, die auf dem Cover einen Inuit-Jäger zeigt, der einen dänischen Händler tötet.

Über den Handel beherrschten die Dänen Grönland. Dänische Polizei ist bis heute auf der Insel stationiert. Und natürlich lag die Ausbeutung der Rohstoffe in dänischer Hand. Zum Beispiel mit dem Kohlebergwerk Qullissat, dem Sumé ein melancholisches Lied gewidmet hat und dem der Filmemacher trübsinnige Bilder eines verlassenen Ortes spendiert: Als der Abbau der Kohle beendet wurde, als es unter der Arbeiterschaft erste Bestrebungen gab, eine Arbeiter-Vertretung und -Partei zu gründen, wurden die Bewohner des Ortes weit entfernt in gesichtlose Plattenbauten umgesiedelt. Es war nicht die erste Umsiedlung auf Grönland: Als in den 50ern die Thule Air Base, ein Stützpunkt der US Air Force, gebaut wurde, haben die dänischen Autoritäten die ursprünglichen Bewohner gezwungen, 100 Kilometer Luftlinie weiter zu ziehen – gegen eine schäbige Entschädigungs-Summe.

Es sind die alten Bilder, von denen der Film wesentlich lebt: Bilder der Band in Diskos, aber auch auf Demonstrationen und Kundgebungen im dokumentarischen Schwarz-Weiß, auf denen die Selbstständigkeit Grönlands gefordert wird. Und bei denen auch immer mal ein Plakat mit der Forderung „Raus aus der NATO“ zu sehen ist, denn Grönland ist über Dänemark Zwangsmitglied in diesem Militärpakt. Der antimilitaristische Aspekt der damaligen Bewegung ist sicher auch jener Wasserstoffbombe zu verdanken, die 1968 aus einem amerikanischen B-52-Bomber ins grönländische Eismeer fiel, und die bis heute nicht geborgen ist.

Rund 20 Prozent der grönländischen Bevölkerung erwarben 1973 die erste Platte der Band Sumé, die – vom Komponisten, Texter und Gitarristen Malik Høegh und dem Sänger und Komponisten Per Berthelsen gegründet – zu einem wesentlichen Bestandteil der kulturellen Identität der Grönländer wurde. Wenn der Film heute grönländische Wohnzimmer besucht, sind die drei Platten von Sumé sofort in den Regalen zu finden, und wenn sich die Scheibe auf den Plattentellern dreht, schaut die Kamera in feuchte Augen. Außerhalb Grönlands und Dänemarks blieb die Gruppe weitgehend unbekannt. Nur einmal trat sie jenseits von Skandinavien auf, „in Ost-Berlin“, wie einer aus der Band sich heute erinnert. Die Hauptstadt der DDR gibt es nicht mehr, die Band gibt es manchmal wieder. Denn, so sagt Malik Høegh, es gibt noch viel zu tun. Der Weg zu einem wirklich souveränen Grönland – noch immer ein Teil des dänischen Königreichs – ist weit.

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Die Opferfalle

Erstellt von DL-Redaktion am 17. Januar 2015

Cristal Mosque in Kuala Terengganu-Malaysia

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SCHLAGLOCH VON SARAH ELTANTAWI

Zu Fehlern in der Dschihadismusdebatte unter Muslimen

In der „muslimischen Welt“ gibt es ein gängiges Narrativ, und das geht so: Der Aufstieg des Westens begann im 18. Jahrhundert und dauert seitdem an. Dank der industriellen Revolution konnte er andere Länder kolonialisieren, und auch der Zerfall des Osmanischen Reiches zum Ende des Ersten Weltkrieges spielte ihm in die Hände.

Wir sollten diese Erzählung akzeptieren. Die Geschichte wird nun einmal vom Sieger geschrieben. Und so kann es auch nicht überraschen, dass die Bewertung von Gewalt im Westen häufig selektiv ausfällt. Angriffe auf Bürger durch nichtstaatliche Akteure werden als „Terrorismus“ gelabelt, indessen Tausende oder auch Hunderttausende Tote durch die USA und ihre Alliierten wenn nicht gerechtfertigt, dann doch geschönt werden. In diesem Schema gibt es kein „zu viel“ an „vergeltender“ Gewalt gegenüber „Terroristen“, und keine Aggression würde den Westen je selbst zum Terroristen machen. Überhaupt sieht der Westen sich niemals selbst als ein Aggressor in den Konflikten mit der muslimischen Welt. Diese Unausgewogenheit wird von vielen westlichen Analysten mit der westlichen Überlegenheit hinsichtlich Kultur, Religion oder der Gesetzeslage gerechtfertigt.

Kriminelle sind Kriminelle

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Staatliche Spitzel

Erstellt von DL-Redaktion am 15. Januar 2015

„Mein Leben wurde zum Gegenstand

einer staatlichen Invasion“

SPITZEL Er schlief in ihrem Bett, nutzte ihren Computer, kannte ihre Gedanken – und spionierte sie und ihre Freunde aus. Lange wollte die politische Aktivistin darüber nicht öffentlich reden. Jetzt tut sie es

INTERVIEW MARTIN KAUL

Vor vier Jahren wurden in Großbritannien eine Reihe von Polizeispitzeln spektakulär enttarnt. Es war ein stattlicher Skandal, vieles davon ist bis heute nicht aufgeklärt. Jahrelang spionierten die Polizisten Aktivistengruppen in ganz Europa aus. Sie wohnten in alternativen Hausprojekten und gingen mit Aktivistinnen ins Bett. Einige betroffene Frauen gehen inzwischen juristisch gegen die zuständige London Metropolitan Police vor, darunter auch die heute 36-jährige „Lily“. Ihr früherer Partner – Klarname: Mark Kennedy – trat als Agent Provocateur auf und soll zahlreiche Straftaten begangen haben. In einem Interview räumte er im Jahr 2011 ein, er habe Polizeibehörden in 22 europäischen Ländern zugearbeitet. Lily erfuhr erst 2010, dass es sich bei ihrer „Beziehung“ um einen Polizeieinsatz gehandelt hatte. Ihren echten Namen möchte die Britin nicht veröffentlicht wissen.

taz: Lily, ich möchte mit Ihnen über etwas sehr Persönliches reden.

Lily: Ich weiß.

Danke. Woher kennen Sie Mark Kennedy?

Ich habe von 2003 bis 2005 eine Liebesbeziehung mit einem Mark Stone geführt. Damals lebte ich in Nottingham und war als Aktivistin an den Vorbereitungen zu den Protesten gegen den G-8-Gipfel beteiligt, der 2005 in Gleneagles stattfand. Wir zogen gemeinsam in ein Hausprojekt, später waren wir noch viele Jahre eng befreundet. Dass Mark Stone in Wahrheit Mark Kennedy hieß und ein bezahlter Undercover-Polizist der Metropolitan Police in London war, erfuhr ich erst Jahre später. Im Jahr 2010.

Wie haben Sie das erfahren?

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Der Preis des Überlebens

Erstellt von DL-Redaktion am 14. Januar 2015

World Hepatitis Day Malaysia

THERAPIE Es gibt ein Medikament, das Millionen Menschen von Hepatitis C heilen könnte. Doch viele bekommen es nicht. Zu teuer, sagen die Kassen

VON HEIKE HAARHOFF UND SASKIA HÖDL

Eines Tages, das Jahr 2012 ging gerade zu Ende, lag die Hoffnung plötzlich in Andreas Bemeleits elektronischem Postkasten. Ein Fachmagazin aus den USA berichtete über eine Therapie für seine Krankheit – erfolgreich in mehr als 90 Prozent der Fälle. Bemeleit, 52 Jahre alt, lässt einen Google-Dienst nach Neuigkeiten zu Hepatitis C suchen, der Infektion, die sein Leben immer stärker bedroht, je länger er an ihr leidet. Er hatte immer wieder von neuen Medikamenten gehört. Aber dieser Text im New England Journal of Medicine war anders. Er versprach viel mehr, als all die kleinen früheren Durchbrüche. Bemeleit konnte auf einmal auf Heilung hoffen.

Es gebe einen neuen Wirkstoff, stand in dem Artikel. Sein Name sei Sofosbuvir. Bemeleit hatte bisher auf eine Therapie gegen die Hepatitis C verzichtet, denn das gängige Medikament Interferon bekämpft das Virus nicht nur. Es kann einem Depressionen bringen, den Schlaf rauben, den Magen ruinieren, die Haare ausfallen und einen abmagern lassen. Die Ärzte bezweifelten, dass Bemeleit so eine Therapie überleben würde.

Der neue Stoff, Sofosbuvir, hatte angeblich kaum Nebenwirkungen.

„Ich dachte, so etwas gibt es ja gar nicht“, sagt Bemeleit heute, wenn er sich daran erinnert.
Im Januar 2014 kommt der Wirkstoff auf den deutschen Markt. Er steckt in einem Medikament, das Sovaldi heißt, und nach Meinung seines Arztes perfekt für Andreas Bemeleit geeignet wäre. Nur: Der Arzt verschreibt es ihm nicht.

Sovaldi ist nicht nur ein Medikament und eine Hoffnung für Millionen Menschen, die mit Hepatitis C infiziert sind. Sovaldi ist auch eine Zumutung, eine Grenzüberschreitung, die die Gesundheitssysteme der Welt herausfordert. Eine einzige Tablette kostet in Deutschland um die 700 Euro.

Wie viel kann ein einzelnes Medikament wert sein? Darüber streiten, seit Sovaldi auf dem Mark ist, Krankenkassen, Gesundheitspolitiker, Wissenschaftler und der Hersteller: die Firma Gilead aus Foster City, Kalifornien. Mehrere europäische Regierungen haben sich eingeschaltet.

Wie viel ist eine Gesellschaft bereit zu zahlen, dafür, dass sich ein Menschenleben verlängert?

In Deutschland verhandeln zurzeit die Pharmafirma Gilead und die Krankenkassen über den künftigen Preis von Sovaldi. Nur für das erste Jahr dürfen Pharmafirmen ihn selbst festlegen. Am 17. Januar endet die Verhandlungsfrist. Einigen sich die Partner nicht, könnte es sogar passieren, dass Sovaldi, das Medikament, das etwa 300.000 Hepatitis-C-Patienten in Deutschland Heilung verspricht, wieder vom Markt genommen wird.

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Fotoquelle: Wikipedia – Author FF2011

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Wie geht es uns,

Erstellt von DL-Redaktion am 12. Januar 2015

Herr Küppersbusch?

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Bayerns Nebelmaschinist, der Vorname Kevin bei Borussia und „Charlie“ Lucke

taz: Herr Küppersbusch, was war schlecht in der vergangenen Woche?

Friedrich Küppersbusch: Hm. Was nicht?

Was wird besser in dieser?

Besonnenheit.

Israel verwehrt der palästinensischen Autonomiebehörde rund eine Millionen Euro Steuergelder als Antwort auf Palästinas Beitritt zum Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag. Spinnen die?

Israel befürchtet, dort auf internationaler Bühne beschuldigt zu werden – und missachtet die Chance, dass nun die Autonomiebehörde selbst sich auch dem Urteil unterwirft. Kann man mal so machen. Immerhin haben weder Israel noch die USA das zugrunde liegende „Rom-Statut“ unterzeichnet und sehen sich außerhalb der Zuständigkeit des Gerichtshofes. Es ist also ein taktischer Zug der Palästinenser; man performt Zweistaatlichkeit, ohne sie zu haben und um sie zu erreichen.

Horst Seehofer behauptet schon wieder, dass er 2018 seine politischen Ämter niederlegen will. Sollen wir das glauben?

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Fotoquelle: Wikipedia – Urheber Auréola

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Die EU sucht neue Einnahmequellen

Erstellt von IE am 6. Januar 2015

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Ein herrliches Beispiel für die Unsinnigkeit vieler Verordnungen und Abmachungen auf allen politischen Ebenen. Sicher auch anwendbar später auf TTIP oder CETA. Gebe den Politikern Macht und sie zeigen uns ihren großen Sachverstand. So auch in den hier geschilderten Fall. Von den Parteien als Abnicker in Positionen geschoben regeln sie nach der Krümmung der Gurken und die äußere Form der Tomaten auch alles weitere. Solche Spaßmacher bekämen in der freien Wirtschaft keinen Fuß an die Erde. Aber das passt schon zu unseren politischen Inlandsgrößen. Die zerschlagen auch noch das letzte Porzellan.

Schön: „Niemand möchte Lavendelöl verbieten“! Kommt uns sehr bekannt vor: „Niemand möchte eine Mauer errichten!“ Geschichte scheint sich immer zu wiederholen. Das ist Politik, oder dass was die Experten als solche bezeichnen.

Vom Heilmittel zum Gift

PROVENCE Seit Jahrhunderten wird rund um den Mont Ventoux Lavendel angebaut. Eine neue Bestimmung der EU-Chemikalienverordnung (Reach) gefährdet diese Tradition

AUS VAISON-LA-ROMAINE RUDOLF BALMER

Viel wächst nicht in 600 bis 800 Metern Höhe auf den trockenen Hängen um den Mont Ventoux in der Provence. Doch in den Sommermonaten Juli und August entfaltet sich, so weit das Auge reicht, eine violettfarbene und duftende Pracht. Allein für diese Augenweide nehmen die Touristen gern die beschwerlich kurvenreiche Fahrt von Vaison-la-Romaine in Kauf. Keiner von ihnen verlässt nach einem Zwischenhalt das Bergdorf Sault ohne ein paar Duftsäckchen für den Wäscheschrank oder anderen Lavendel-Mitbringseln.

Die Vorstellung, dass diese Felder demnächst verwildern oder in Weidelandschaft verwandelt werden könnte, schockiert viele Besucher. Auf einigen Feldern mit den langen niedrigen Reihen der buschförmigen Lavendelpflanzen stehen bereits Schilder mit der Aufschrift: „Lavendel in Gefahr!“ Ungläubig schütteln die Besucher den Kopf, wenn man ihnen erklärt, dass eine neue Bestimmung der EU-Chemikalienverordnung (Reach) das wirtschaftliche Ende eines Jahrhunderte alten Lavendelanbaus und vor allem der traditionellen Herstellung von Lavendelöl zur Folge haben kann. Betroffen wären auch die Souvenirläden und Restaurants, die vom Lavendeltourismus leben.

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„Niemand möchte Lavendelöl verbieten“

REAKTION Der traditionelle Anbau ist nicht gefährdet, meint der Chemikalienexperte Christoph Schulte. Er hält die Aufregung für übertrieben. Lavendelproduzenten könnten sich Kosten teilen

taz: Herr Schulte, in schwarzen Jeans stecken Farbstoffe, die Allergien auslösen können, in Viskosekleidern Formaldehyd, das Tumore wuchern lässt. Warum knöpfen sich die Chemikalienprüfer ausgerechnet Lavendelöl vor?

Christoph Schulte: Was heißt hier vorknöpfen? Alle, die in Europa Chemikalien herstellen oder importieren, müssen diese registrieren. Die registrierungspflichtigen Unternehmen schicken dafür an die europäische Chemikalienagentur in Helsinki bestimmte Studien, die zum Beispiel zeigen müssen, dass das Öl keine allergische Reaktionen der Haut auslöst. Und beweisen, dass es biologisch abbaubar ist. Das sind Grunddaten, die für jede Chemikalie vorhanden sein sollen.

Am Ende geht es aber darum, gefährliche Stoffe zu verbieten. Lavendel wird seit Jahrtausenden verwendet, die Essenz gilt als schlaffördernd. Der Geruch vertreibt Motten. Nie ist etwas passiert. Jetzt steht es unter Verdacht?

Quelle: TAZ >>>>> weiterlesen

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Fotoquelle: Wikipedia – Author Robert Brink

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Das neue Jahr ist das alte

Erstellt von Uli Gellermann am 5. Januar 2015

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TISA macht Wahlen endgültig überflüssig

Autor: U. Gellermann

Rationalgalerie

Datum: 05. Januar 2015

Irgendwo sitzen sie, die bleichen Büro-Fratzen und die dunklen Profit-Erfüllungsgehilfen. Ihre lächelnden TV-Masken haben sie in den schwarzen Aktenkoffern verstaut. Ihr blechernes Demokratie- und Freiheitsgeschwätz ist für den abendlichen Fernseh-Betrieb reserviert. Namenlos, bar jeder Verantwortung und Kontrolle basteln sie seit langem an TISA (Trade in Services Agreement), einem Abkommen über den Handel mit Dienstleistungen. Wie schon beim TTIP, dem Abkommen über die Auslieferung europäischer Rechte an die Konzerne der USA, sind es erneut feige Funktionäre, die mit TISA Reste der EU-Demokratie wohlfeil verscherbeln: Für einen Posten hier, für ein amerikanisches Wohlwollen da. Und sie haben gute Gründe ihre Namen nicht preiszugeben: Man könnte sie zur Verantwortung ziehen, für das Schreddern ihrer Amtseide, für ihr Rumtrampeln auf Verfassungen.

Rund 50 Länder, unter Ihnen wie immer die USA und die EU, lassen hinter fest verschlossenen Türen zum Beispiel über den Bestand kommunalen Eigentums verhandeln: Es soll faktisch abgeschafft werden. Ob Krankenhäuser, Verkehrsbetriebe oder Wasserwerke, alles soll nach TISA radikal dem Markt unterworfen sein. Und wenn städtische Betriebe einmal privatisiert worden sind, will das TISA-Monster eine Rekommunalisierung gesetzlich verbieten. Wo immer in den Geheimpapieren von elektronisch erfassten Daten die Rede ist, taucht das giftige Wort „Liberalisierung“ auf. Es gibt, im Vergleich mit den USA, in der EU immer noch ein paar staatliche Regeln zum Datentransfer: Weg damit. Die Konzerne brauchen den freien Zugriff auf alles, was ihnen Verkauf und Marketing erleichtert. Dass die kommunalen Banken und Sparkassen, letzte Bastionen städtischer Einflussnahme auf den Finanzsektor, abgeschafft werden sollen, versteht sich. Und auch die gesetzlichen Regelungen für Berufe wie Anwälte, Architekten oder Ingenieure stören die Markfetischisten sehr: Letzte Spuren von Staatlichkeit sind Hindernisse für den Profit.

In der Neujahrsrede der Kanzlerin aller Kanzlerinnen tauchte das Wort TISA natürlich nicht auf. Nur unter den „Herausforderungen“, die es laut Merkel zu „meistern“ gilt, gibt es einen kleinen Hinweis: „Der Welthandel, bei dem es darum geht, große Wettbewerbschancen zu nutzen“ zählt zu den Drohungen, die von ihrer Kleinmädchen-Stimme verharmlost werden. Und so hat sie denn mal wieder den Ton angegeben, den Schweige-Ton, die Grabes-Stille, die Sprach-Losigkeit deutscher Medien. Zuletzt meldete die TAGESSCHAU im Juni, dass sich die anonyme TISA-Runde seit dem Jahr 2013 regelmäßig in der australischen UN-Botschaft in Genf träfe. Im Oktober des vergangenen Jahre ließ die ZEIT den slowenischen Philosophen Slavoj Žižek mal kurz zu Wort kommen. Zu TISA wusste er zu sagen: „Unablässig mit aufgezwungenen „freien Wahlen“ bombardiert und zu Entscheidungen gezwungen, für die es uns an der rechten Qualifikation und Information fehlt, erleben wir unsere Freiheit zunehmend als das, was sie in Wirklichkeit ist: als eine Last, die uns die Entscheidung für politischen Wandel unmöglich macht.“

Ausgehebelt sind die Parlamente, in denen vorgeblich die Freiheit verwaltet wird. Eine lächerliche Fassaden-Demokratie macht sich in Talk-Shows breit. Die Bundestags-Inszenierungen bieten zunehmend schlechteres Theater. Denn erst wenn der Vorhang gefallen ist, tagen in den Hinterzimmern der Macht die eigentlichen Entscheidungsrunden. Und die angeblich freie Presse kennt keine Namen, nennt keine Namen. Wer genau ist das, der die Interessen der Menschen in der australischen Botschaft verkauft? Was zahlt man ihm dafür? Wo wohnt er? Wann können wir ihn besuchen? Das wissen wir nicht, sagt uns die Chefredaktion. Wir sind gerade mit dem Ukraine-Krieg beschäftigt. Wir müssen uns um den Nord-Irak kümmern. Wir feiern zur Zeit das Ende der Afghanistan-Mission. Zwar haben wir die Afghanen nicht erfolgreich missioniert, und so richtig ist kein Ende abzusehen, aber wir feiern schon mal. – Am Rand des deutschen Sprachgebietes, stimmte der Bezirkstag Oberbayern jüngst gegen das Freihandelsabkommen TISA. Noch weiter südlich, im österreichischen Leondingen, stellte der Gemeinderat fest: „Mit den Freihandelsabkommen TTIP, CETA und TiSa werden Städte und Gemeinden eingeschränkt, Dienstleistungen, die im allgemeinen Interesse liegen und zu denen alle Bürgerinnen und Bürger möglichst freien Zugang haben sollten, selbst zu erbringen oder in Eigenregie zu vergeben.“ Wächst die Einsicht vom Rand zur Mitte?

Das neue Jahr ist das alte: Das Kapital-Gefängnis bekommt nicht einmal einen neuen Anstrich, geschweige, dass die Türen geöffnet werden würden. Freiheit? Dieses Wort gilt nur für den Profit.

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Die Generation E

Erstellt von IE am 4. Januar 2015

Die große Wanderung von Süd nach Nord

Mehr als eine halbe Millionen junge Menschen haben in den vergangenen Jahren Südeuropa in Richtung Norden verlassen. Von Portugal, Spanien, Italien und Griechenland zogen die oft gut ausgebildeten Auswanderer in Länder wie Großbritannien oder Deutschland, nach London oder Berlin. Den Behörden fällt es schwer, diese Wanderungen zu verfolgen – und darauf zu reagieren. Um diese Lücken zu füllen, unterstützt CORRECT!V ein Team südeuropäischer Journalisten bei einem grenzüberschreitenden Projekt. Die jungen Reporter aus Portugal, Spanien, Italien und Griechenland haben einen Fragebogen kreiert und ins Netz gestellt, den schon jetzt etwa 2000 junge Migranten beantwortet haben. Wir erzählen die Geschichten von acht dieser Menschen.


Reisefreiheit, günstige Verkehrsmittel, das Erasmus-Austauschprogramm und neue Kommunikationsformen haben den Horizont junger Europäer erweitert. Die Wirtschaftskrise tat ihr übriges. Seit 2008 haben hunderttausende Menschen ihre südeuropäischen Heimatländer verlassen. Was dieser “brain drain” für Südeuropa bedeutet, ist bislang kaum abzusehen.

Allein in Portugal sind in den vergangenen vier Jahren 200.000 junge Leute zwischen 20 und 40 ausgewandert. Die Zahl der jährlichen Emigranten lag zuletzt so hoch wie nie zuvor. Bei einer ähnlich hohen Auswanderungsrate hätte Deutschland in derselben Zeit etwa 1,6 Millionen junge Menschen verloren.

Auch aus Italien und Spanien sind in den vergangenen Jahren weit mehr als 100.000 junge Erwachsene in den Norden gewandert. Nur das statistische Amt in Griechenland erfasst keine offiziellen Zahlen.

IN WELCHE LÄNDER WANDERT DER SÜDEN ?

Die Wanderungsbewegungen innerhalb Europas sind schwierig zu fassen. Das kollaborative Crowdsourcing-Projekt “Generation E” sammelt nun diese Süd-Nord-Geschichten und fragt dabei auch, warum junge Leute ihre Länder verlassen oder ob sie jemals zurückkehren wollen.

Den Antworten zufolge registriert sich gerade einmal jeder zweite Auswanderer bei den offiziellen Stellen. Demnach wären hunderttausende Migranten in den vergangenen Jahren nicht erfasst worden.

Dafür gibt es zahlreiche Gründe. “Ein großes Problem für Leute, die Italien verlassen und sich offiziell registrieren: sie verlieren ihre Gesundheitsversorgung in Italien”, schreibt das Observatorium für Italiener in Berlin. Der spanische Soziologe Amparo González bestätigt das. “Um bessere Daten zu bekommen, sollten Migranten positiv motiviert werden, nicht wie in Spanien. Wenn Menschen sich dort nach drei Monaten im Ausland registrieren, können sie ihren Hausarzt nicht mehr aufsuchen.”

Die südeuropäischen Auswanderer verlassen ihre Länder dabei nicht nur wegen der hohen Arbeitslosigkeit. Viele Italiener geben im Fragebogen von Generation E an, dass sie ihren Horizont erweitern und ihren personlichen Ehrgeiz ausleben wollen. Andere verlassen ihr Land zum Studierenoder der Liebe wegen. Einige Experten schätzen, dass der Anteil der gut ausgebildeten Migranten in den vergangenen Jahren stark gestiegen ist.

Weder der frühere, noch der aktuelle EU-Kommissar für Bildung und Kultur haben Fragen zur Welle junger Süd-Nord-Auswanderer beantwortet.

Die jungen Europa-Migranten hängen an ihren Heimatländern. Auf die Frage, ob sie eines Tages zurückgehen werden, antworteten sie am häufigsten: “Ich hoffe doch.” Die meisten glauben aber, dass dies erst in zehn oder mehr Jahren sein wird.

Die Geschichten der bislang fast 2000 beteiligten Auswanderer zeigen: Viele haben am Erasmus-Programm teilgenommen, dem Europäischen Studentenaustausch. Diejenigen, die ein oder zwei Semester im Ausland verbracht haben, scheinen sich eher als Europäer fühlen und verteilen sich quer über den Kontinent.

Fragebogen

Das Projekt sammelt in Zusammenarbeit mit dem gemeinnützigen Recherchebüro CORRECT!V weitere Geschichten. Den Fragebogen gibt es in sechs verschiedenen Sprachen unter generatione.eu. Das Projekt wurde unterstützt vom JournalismFund.

–> HIER GEHT ES ZUM FRAGEBOGEN

Acht dieser Auswanderer, die nach Deutschland gewandert sind, haben uns ihre persönliche Geschichte erzählt. Sie arbeiten jetzt in Deutschland als Wissenschaftler, Entwickler, Künstler oder als Architektin.

Anna Elefsinioti

Als Anna 2007 von Griechenland nach Deutschland kam, hatte sie bereits einen Master-Abschluss in Biologie. “Die Krise war damals viel eher in der griechischen Wissenschaft angekommen als in der griechischen Wirtschaft”, sagt Anna auf die Frage, warum sie sich entschied zu gehen. Anna wollte unbedingt eine Doktorarbeit schreiben und die drohende Armut in Griechenland führte sie ins Ausland. Schon in den sechs Jahren, in denen sie studierte, hatte sie große finanzielle Schwierigkeiten. Aber das Geld war nicht der einzige Grund.


“Für Wissenschaftler ist es wirklich toll, in einer bekannten Universität zu arbeiten und mit vielen anderen Wissenschaftlern in Kontakt zu kommen”, sagt Anna. “Deutschland bot damals die besten Optionen. In meinem Spezialgebiet ist eine Doktorandenstelle mit einem Gehalt verknüpft und es gibt keine Studiengebühren.” Heute lebt und arbeitet Anna als Bio-Wissenschaftlerin in Berlin.

Nach Deutschland zu kommen war für Anna damals kein Problem. “Ich kam kurz vor der Krise in Griechenland und wurde als Wissenschaftlerin mit einem Doktoranden-Stipendium natürlich willkommen geheißen.” Anna richtete sich schnell ein Konto ein und schaute sich nach einer Unterkunft um – das wäre ohne ihr Stipendium schwieriger geworden. “Das Vorurteil, dass ich ein Grieche bin, der seine Miete nicht bezahlt, habe ich nicht gespürt. Das kam erst ein paar Jahre später.”

Die blöden Sprüche kamen erst, sagt Anna, als die griechische Krise regelmäßig in den Nachrichten auftauchte. “Als die Krise kam, habe ich einen Wechsel in der Einstellung der Leute erlebt. Nicht bei Freunden oder Kollegen, aber bei Leuten, die ich auf der Straße oder im Bus getroffen haben”, sagt Anna. Für Menschen aus Griechenland habe niemand mehr nette Kommentare übrig gehabt. Die deutschen Medien, sagt Anna, hätten damals einen großen Teil zu dieser Feindlichkeit beigetragen.

“Die Leute wurden überzeugt, dass die Griechen über ihre Verhältnisse gelebt hatten und dass jetzt, wenn sie Hilfe brauchen, die Deutschen dafür bezahlen müssen.” Anna erinnert sich an einen Vorfall in 2011, als sie und eine Freundin ihre Hunde spazieren führten. “Wir trafen eine Frau, die auch mit ihrem Hund im Park unterwegs war und wir fingen entspannt an, uns zu unterhalten. Sie fragte uns, wo wir herkommen und als wir Griechenland sagten, antwortete sie: ‘Oh, das tut mir leid. Ich habe leider grad überhaupt kein Geld dabei, das ich Ihnen geben könnte.’ Das war ziemlich schockierend.”

Die Finanzkrise war für Anna kein abstraktes Problem. Die Probleme betrafen auch ihre Familie. Nachdem ihre Mutter und ihre Schwester in Athen ihre Jobs verloren, folgten die beiden 2012 nach Berlin. Weil Anna bereits in Deutschland arbeitete, lief die Integration für die beiden deutlich einfacher ab. “Für meine Familie war es einfacher als für andere Migranten zu der Zeit. Dank meiner Bürgschaft hatten Sie schnell eine Unterkunft. Jetzt arbeiten beide und ich glaube sie sind glücklich.”

In welche Länder wandern die meisten jungen Griechen aus?

Anna hat Heimweh. Sie gibt zu, dass sie Athen vermisst, die Leute, das tägliche Leben in Griechenland, ihre Freunde. “Ich vermisse unsere langen Kaffee-Treffen und Gespräche. Ich glaube, dass Griechen politischer sind. Und ich vermisse unseren Humor.” Sie weiß, dass es in der jetzigen wirtschaftlichen Lage schwierig ist, zurückzugehen. Anna sagt, sie genießt die Sicherheit, die ihr ein guter Job gibt, das entspannte Leben in einer wunderschönen Stadt und die Stabilität, die ihr der deutsche Staat geben kann.

“Deutsche sind auch nur Menschen. Es ist einfach so, dass der Staat Dir hier eine Sicherheit gibt, die wir in Griechenland niemals hatten.” Wenn Anna nicht nach Athen zurück kann, möchte sie weiter in Berlin leben. Aber das hängt von ihrem Job ab. “Die Arbeitsbedingungen ändern sich auch in Deutschland. Arbeitsverträge sind nicht immer unbefristet”, sagt Anna. “Wo ich in fünf Jahren sein werde? Das kann ich nicht sagen.”

Daniel Ramirez (33)

Schon nach einer Woche in Deutschland war Daniel klar, dass sein neues zu Hause nicht im Ansatz so ist, wie er und alle seine Freunde es sich in Spanien vorgestellt hatten. Der Software-Entwickler war gerade erst von Andalusien nach München gezogen, um dort mit seiner Freundin zu wohnen. Er spazierte durch die Münchner U-Bahn. “Auf einmal sah ich einen alten Mann, 70 Jahre betimmt, mit einem Blaumann. Er fegte die Treppen. All meine Vorstellungen zerplatzten.” War es das, was Daniel in Deutschland erwartete? Schlecht bezahlte Arbeit, unter schlechten Bedingungen, bis ins hohe Alter?


Daniel ist einer der vielen Auswanderer aus Südeuropa, aus Portugal, Spanien, Italien und Griechenland, die auf der Suche nach einer weniger düsteren Zukunft in den Norden ziehen. In den vergangenen Jahren verließen immer mehr Spanier ihr Land, vor allem Richtung Deutschland. Daniel kam genau in dieser Phase, in 2012.

“Meine Freundin zog ein paar Jahre vorher hierher, ohne Arbeit. Total verrückt – aber sie fand einen Job, als sie hier war. Von ihrem Gehalt konnten wir beide leben”, sagt ein noch immer überraschter Daniel. In Spanien wäre es kaum möglich, sagt Daniel, dass beide Partner von nur einem Gehalt leben können.

In Daniels Heimatland stehen Auswanderer seit 2011 im Fokus. Damals hatte Spanien das erste Mal mehr Aus- als Einwanderer. Einige sehen das positiv. Der Arbeitsminister bezeichnete die Auswanderungswelle als “Arbeitsmobilität”. Andere haben dagegen Angst vor einem “brain drain” und davor, dass Spanien langfristig seine Zukunft verliert. “Es geht ums Überleben – und um Mut. Da wo ich herkomme, da sind wir alle sehr eng mit unserem Land verbunden. Aber das Land wiegt am Ende weniger schwer als das Brot, das fehlt.”

In welche Länder wandern die meisten jungen Spanier aus?

Daniel bemerkt im Münchner Alltag regelmäßig Diskriminierung gegen südeuropäische Einwanderer – besonders, wenn Sprachbarrieren oder soziale Unterschiede dazukommen. “Wenn Du mit einem Uni-Abschluss und einem Job aus dem Süden kommst, dann hast Du keine Probleme. Wenn Du aber ein dunkelhäutiger Grieche bist, der nur die Zeitung ausliefert, wirst Du auf mehr Idioten treffen, als Du Dir vorstellen kannst”, sagt Daniel. “Das Problem ist das gleiche wie in Spanien. Die Diskriminierung richtet sich nicht grundsätzlich gegen Einwanderer. Die Frage ist, ob der Einwanderer reich ist oder arm.”

Diogo Oliveira e Silva (31)

Die Geschichte des portugiesischen Mathematikers Diogo Oliveira e Silva ist die eines Kosmopoliten, eines hochqualifizierten Migranten, der weit weg von zu Hause – auf verschiedenen Kontinenten – inspirierende Forschungserfahrung und persönliche Begegnungen gesammelt hat.


In Bonn kam der 31-jährige Diogo vor zwei Jahren an. Seine Wanderung begann viel früher. Schon als junger Student wusste Diogo, dass dort draußen in der weiten Welt noch viel mehr auf ihn wartete. 2005 war Diogo das erste Mal an der Technischen Universität Berlin gewesen, ein Jahr zuvor auch an der Unabhängigen Universität Moskau. Diogo studierte Mathe, Deutsch und Russisch.

Als Diogo 2006 mit seinem Studium an der Uni in Porto durch war und einen Doktor dranhängen wollte, schaute er sich “ein paar lokale Möglichkeiten” in Portugal an, entschied sich aber schließlich für die USA. “Die Meinung von Kollegen und Professoren war klar: Einige ausländischer Universitäten würden mir ein Weltklasse-Umfeld geben, dass es so in Portugal einfach nicht gibt”, sagt Diogo. “Alle waren sich einig, dass ich nach solch einer Erfahrung ein deutlicher besserer Kandidat wäre, um später voll einzusteigen im portugiesischen Uni-System.”

Es folgten sechs Jahre im kalifornischen Berkeley mit einer Serie von “aufregenden Abenteuern, mathematisch und auch sonst”. 2012 war aus dem portugiesische Mathematik-Studenten Doktor Diogo geworden. Und der wollte zurück nach Europa. Das Problem: “Auf meinen Reisen nach Europa ist mir klar geworden, dass sich die Situation verändert hatte und die Finanzkrise wirklich überall war.” Diogo glaubte trotzdem noch immer an Europa und wollte seinem Heimatkontinent eine zweite Chance geben.

“Würde ich es mögen? Würde ich mich immer noch zu Hause fühlen? Das waren Fragen, die ich mich hätte fragen sollen, bevor ich im Spätsommer 2012 zurück nach Europa kam. Aber ich hatte keine Zeit, mir diese Fragen zu stellen.”

Diogo wurde eingeladen, am Hausdorff Center for Mathematics an der Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn zu arbeiten. In einer Stadt, die er als “Paradies für Mathematiker” beschreibt.

“Jetzt unterrichte ich zum ersten mal auf deutsch. Die Arbeit an der Uni ist aufregend und herausfordernd.” Diogo reist viel für seinen Job, innerhalb Europas. Im vergangenen Jahr hielt er einen Vortrag pro Monat in Mathematik-Instituten auf dem ganzen Kontinent. “Ich konnte mir wissenschaftliche Bedingungen in elf verschiedenen Ländern ansehen und vergleichen.”

Diogo ist begeistert von Deutschland, “ein Land, in dem vieles richtig gut läuft und der Lebensstandard sehr hoch ist.” Für Einwanderer sei es aber extrem wichtig, die Sprache zu lernen, um tiefer ins soziale Netz eindringen zu können. Diogo gefällt, dass Deutschland in der Mitte Europas liegt und er so den ganzen Kontinent bereisen kann, Portugal eingeschlossen.

In welche Länder wandern die meisten jungen Portugiesen aus?

Zwei Jahre nach seinem Umzug nach Bonn versucht Diogo die Fragen zu beantworten, die er sich 2012 aus Zeitmangel nicht gestellt hat. “Auch wenn die Winter hart sind und es zu viele Streiks im öffentlichen Personenverkehr gibt, gefällt mir der europäische Lebensstil sehr gut.  Und ich fühle mich hier auch nach wie vor zu Hause.”

Natürlich sind Diogo die Probleme bewusst, durch die Europa in den vergangenen Jahren gehen musste. Aber er geht davon aus, dass es besser wird. Er drückt Portugals Wirtschaft die Daumen und hoffe, dass das Land bald ein besseres wissenschaftliches Umfeld und vernünftige Arbeitsbedingungen anbieten kann. “Sobald dieser Tag kommt, packe ich meine Sachen und gehe zurück nach Hause.”

Elena Martinez (40)

Für Elena lief alles gut. Ihr Land verließ sie, um ihrem Partner zu folgen. In Deutschland fand sie schnell einen Job. Nun lebt sie glücklich in Berlin. Elena ist spanisch, ihr Mann ist aus Holland und ihr gemeinsames Kind ist Berliner. “Jedes Mal, wenn ich in den Park gehe, treffe ich Eltern aus verschiedenen Ländern”, sagt Elena.


Die meisten von Elenas Freunden sind Ausländer. Europäische Pärchen. Elena arbeitet als Architektin in Berlin und betreut von dort ein Bauprojekt in Spanien. Architekten sind eine der Berufsgruppen, die von der 2008 geplatzten Immobilienblase in Spanien am stärksten betroffen sind. Eine Studie der spanischen Architektengewerkschaft zeigte im vergangenen Jahr, dass weniger als ein Viertel aller spanischen Architekten ein monatliches Einkommen von 1000 Euro erreichen. Offiziellen Statistiken zufolge sind 30 Prozent der spanischen Architekten arbeitslos.

Elena sagt, dass sie etwa ein Jahr lang als Verbindungsfrau zwischen einer deutschen und einer spanischen Architekturfirma gearbeitet hat. “Wenn wir uns mit den Kollegen von der anderen Seite unterhalten haben, dachten alle, dass hier in Deustchland alles immer perfekt läuft. Aber das ist nur ein Mythos.” Nicht alles ist so, wie es von Spanien aus scheint und Deutschland ist nicht das europäische Dorado, sagt Elena.

“Deutschland versteht es sehr gut, sich nach außen hin zu verkaufen”, sagt Elena. “Wir haben einen großen Minderwertigkeitskomplex gegenüber Deutschland. Die Deutschen dagegen haben einen großen Überlegenheitskomplex.”

In welche Länder wandern die meisten jungen Spanier aus?

Dutzende Auswanderer, die ihre Geschichte für das Projekt Generation E erzählt haben, berichteten von Diskriminierung gegen Südeuropäer. So auch Elena. “Grundsätzlich werden wir immer noch als faul und ineffizient angesehen”, sagt Elena. “Und die Deutschen fühlen sich allem überlegen, was nicht deutsch ist. Das ist genau so, wie wir uns in Spanien gegenüber den Einwanderern aus Südamerika verhalten haben.”

Giolika Poulopoulou (25)

Wann Giolika das erste Mal darüber nachdachte, Griechenland zu verlassen? Als sie 2011 auf einmal arbeitslos war. Giolika füllte die Formulare der griechischen Arbeitsargentur aus – ohne wirkliche Aussicht auf irgendeine Arbeit. Damals hatte sie bereits einen Abschluss der Aristoteles Universität in der Tasche, als Grundschullehrerin.


Doch Giolika war nicht nur arbeitslos, sie wollte auch unbedingt weiterstudieren. Und zwar in einem Bereich, den es in Griechenland so kaum gibt. Giolika schaute sich in ganz Europa um, ehe ihre Bewerbung der Berliner Universität der Künste gefiel. Jetzt studiert Giolika mit Hilfe eines Stipendiums, im Moment steckt sie im letzten Jahr ihres Master-Studiums in Theater-Pädagogik.

Giolika sagt, von ihren Kommilitonen, alles Kunst-Studenten, habe sie sich zum Glück keine Beleidigungen gefallen lassen müssen – so wie es ihr andere Einwanderer berichtet haben. “Meine Kommilitonen hatte nicht wirklich Ahnung, was in Griechenland ablief. Im Alltag hatte ich deshalb kein minderwertiges Gefühl wegen der griechischen Krise und all der Armut.”

Giolika erinnert sich aber auch an Situationen, in denen sie sich wegen ihrer Herkunft unwohl fühlte. Zum Beispiel, als sie in Berlin ein Zimmer zur Miete suchte. “Bei einer Bewerbung haben sie mich gefragt, ob ich denn überhaupt das Geld hätte, um meine nächste Monatsmiete zu zahlen. Ich dachte erst, das wäre ein Witz.” Ein anderes Beispiel: “In der Metro, griechisch sprechend. Wenn dich dann jemand anstarrt, der wie ein Neonazi aussieht, ist das ein Grund, Angst zu bekommen.”

Giolika hat aber auch jede Menge Spaß in Berlin. “In Griechenland fragt mich jeder, ob ich schon Angela Merkel gesehen habe. Und hier fragt mich jeder, ob ich den ganzen Tag nur Souvlaki und Mousaka esse. Aber sie meinen es witzig.”

Als Giolika nach Berlin kam, waren soziale Unruhen in Griechenland an der Tagesordnung. Für ihre neuen Freunde in Deutschland ist das dagegen neu, sie finden Giolikas Leben in Griechenland extrem interessant and fragen sie über alles aus.

In welche Länder wandern die meisten jungen Griechen aus?

Der größte Unterschied zu Griechenland im Berliner Alltag? Die Effizienz der deutschen Behörden. Die Unterstützung für Arbeitslose zum Beispiel bewundert Giolika. “Klar musst Du viele Formulare ausfüllen, aber wenigstens lohnt sich hier die ganze Arbeit am Ende auch.”

Giolika hat Heimweh und wird sehr emotional, wenn sie über Griechenland spricht. “Ich vermisse die Sonne. Das ist wirklich ein großes Problem für mich. Den ganzen letzten Monat war es nur grau hier, die ganze Zeit.” Sie vermisst die Mentalität ihrer Landsleute, ihren Optimismus und den Glauben daran, dass sich alles am Ende zum Besten wendet. Und zweifelt dann selbst: Giolika glaubt, dass sogar ihre Leute in Griechenland durch die Krise ihre Mentalität verloren haben. “Ich glaube dass Griechenland im Moment in einer Mischung aus Melancholie und Verweigerung feststeckt.”

Ludovica Bello (27)

Ludovica Bello kommt aus einer kleinen Stadt im Norden Italiens, aus der Nähe von Padua, genauer aus Battaglia Terme. Heute singt die 27-Jährige am Nationaltheater Mannheim. Als Absolventin des Conservatorio di Venezia startete Bello ihre Gesangskarriere in Italien bis ihr Chef auf einmal aufhörte, sie für ihre Auftritte zu bezahlen. “Da war ich auf einmal nicht nur Opfer eines Betrugs, ich musste auch noch auf die ineffiziente italienische Justiz vertrauen. Ich habe mich wirklich ohnmächtig gefühlt und das hat mich zu der Entscheidung gebracht, auszuwandern”, sagt Ludovica.


Doch der Betrug war nicht Ludovicas einziges Problem. “In Italien ist es mittlerweile quasi unmöglich, Künstler zu sein. Das liegt an den Haushaltskürzungen.” Das Budget des italienischen Kulturministeriums ist tatsächlich in etwas mehr als einem Jahrzehnt von 2,7 auf 1,5 Milliarden Euro zurückgegangen. Viele Künstler tun sich nun schwer, von ihrer Kunst zu leben.

Ludovica ist sich sicher, dass sie nicht wieder zurück nach Italien gehen wird, außer vielleicht für Urlaube, so wie es ja auch viele Deutsche tun. “Oder um alt zu werden”, fügt sie hinzu, mit einem melancholischen Lächeln. Sie hat dieselben nostalgischen Gefühle wie viele andere südeuropäische Auswanderer, die es nach Nordeuropa gezogen hat. “Auch wenn es mir hier in Mannheim wirklich sehr gut geht, vermisse ich mein Essen, die Landschaft meiner Heimat, meine Familie.”

“Ich habe Italien 2010 verlassen mit der Idee, möglichst bald zurückzugehen”, sagt Ludovica. “Aber mittlerweile bin ich Mitglied der internationalen Familie des Nationaltheaters Mannheim.” So wie viele andere Italiener in Deutschland bezeichnet Ludovica Italien immer noch als “la casa”, aber dankbar ist sie ihrem Land für nichts. “Außer für die Schulen, auf die ich gehen durfte – inklusive des sehr guten Konversatoriums.”

Ludovica ist ein gutes Beispiel für den “brain drain”, unter dem südeuropäische Länder immer stärker leiden. Südeuropa investiert Milliarden Euro in die Ausbildung junger Bürger – nur um die besten Studenten an andere Länder zu verlieren, sobald sie ihren Abschluss haben.

In welche Länder wandern die meisten jungen Italiener aus?

Ludovica selbst ist glücklich. “Ich habe immer von Deutschland geträumt, seit der Schule hatte ich immer eine spezielle Verbindung mit der deutschen Sprache und Kultur.” Auf Rassismus angesprochen antwortet Ludovica klar und direkt: “Italien ist viel rassistischer als Deutschland, weil Deutschland viel stärker an Ausländer gewöhnt ist. Das sieht man an ganz einfachen Dingen. In der Stadt oder in öffentlichen Verkehrsmitteln wo Türken, Kurden, Israelis, Palästinenser, Spanier, Polen oder Afrikaer keine Probleme miteinander haben.”

Ludovica findet es super, dass viele junge Deutsche ein Jahr ins Ausland gehen, wenn sie mit der Schule fertig sind. Das sei vorbildlich.  “Diese Tradition gibt es in Südeuropa so nicht. Bei uns schnürt das enge Familienmodell die jungen Leute häufig ein.”

In Mannheim lebt Ludovica mit ihrem Ehemann, Emanuele, der auch Sänger ist. “Deutschland heißt jeden mit offenen Armen willkommen”, sagt Ludovica. “Anders als wir Italiener scheint Deutschland aus seiner Vergangenheit gelernt zu haben. Und das merkt man im Alltag.”

Maria de Vaconcelos (33)

“Bitte lebn” – Das Graffiti ganz oben am “Bonjour Tristesse”-Gebäude in Berlin-Kreuzberg, gebaut von der portugiesischen Architektin Siza Vieira, es könnte das Motto sein von tausenden Portugiesen, die seit dem Beginn der Finanzkrise nach Deutschland ausgewandert sind. Unter ihnen ist Maria de Vasconcelos, eine 33-Jährige Künstlerin. Im September 2013 kam Maria mit ihrem Partner und ihrem dreijährigen Sohn nach Berlin.


“Wir wollten unser Kind nicht an einem Ort erziehen, an dem wir nicht wussten, ob wir überleben würden.” Als freie Künstlerin musste Maria jahrelang um genügend Geld kämpfen. “Das Ganze wurde unerträglich. Und bevor für uns alles zusammenbrach, sind wir lieber hierher gekommen”, sagt Maria. Sie klagt über die fehlende soziale Absicherung in Portugal, vor allem für Freiberufler. “Wenn Du krank wirst, ist das Dein Problem. Wenn Du keine Arbeit hast, ist das Dein Problem. Wenn Du ein Kind hast, ist das einfach nur Dein Problem. Hier in Deutschland ist das ganz anders.”

Sich an einen Ort zu gewöhnen, an dem “alles anders” ist, war nicht einfach für Maria, wie sie ein Dutzend Mal wiederholt. “Es ist nicht einfach, wenn Du fast ohne Geld in einem Land ankommst.” Vor allem, wenn man noch nach einem Platz zum Leben sucht und Leute ihre Wohnungen nicht an Mieter ohne Job vergeben wollen. “Da ich die Sprache nicht spreche, steht zwischen mir und der Welt drumherum eine riesige Mauer. Jetzt lerne ich. Aber nein, ankommen ist niemals leicht.”

Am Ende hat aber alles geklappt. Marias Familie hat nun eine Unterkunft, einen Kindergarten für das Kind und auch Jobs. Maria ist als Schauspielerin ihr eigener Chef. Ihr in Deutschland geborener Mann Paulo arbeitet im Bereich erneuerbare Energien.

In welche Länder wandern die meisten jungen Portugiesen aus?

Die Familie ist glücklich in Berlin, einem besonderen Ort, wie Maria hinzufügt. Hier kämen die Menschen immer zusammen, “wenn sie sich unfair behandelt fühlen”. Das hat Maria so in Portugal nicht erlebt. “Durch die Krise sind die Leute enger zusammengerückt, aber sie sind immer noch sehr isoliert mit ihren Problemen. Hier kämpfen die Menschen. Ich mag es, an einem Ort zu sein, an dem die Menschen noch eine Stimme haben.”

Denkt Maria an Portugal, seufzt sie voller Heimweh. “Ich vermisse mein Land. Aber ich weiß nicht, ob es das, was ich vermisse, überhaupt noch gibt.” Sie würde gern zurück gehen, “weil es wunderschön ist, tolles Wetter, großartiges Essen, hübsche Menschen” – aber im Moment hat sie keine Wahl. Vielleicht geht es zurück, wenn sie kein Geld mehr verdienen muss. “Genau das ist nämlich das Problem in Portugal.”

Tommaso Magistrali (37)

Tommaso ist aus der Nähe von Mailand nach Erkrath bei Düsseldorf gezogen, schon vor sieben Jahren. “Langsam wird es Ernst”, sagt der 37-Jährige mit einem für Italiener typischen ironischen Grinsen. Tommasos Geschichte hat mit dem typischen Stereotyp des verzweifelten, arbeitslosen Einwanderers nichts gemein.


“Die Krise hatte keinen Einfluss auf meine Entscheidung, nicht im Geringsten. Als ich Italien verließ, hatte ich einen Jura-Abschluss und einen gut bezahlten Job”, sagt Tommaso. “Und Mélanie, meine französisch-deutsche Frau, hat für ein Luxus-Hotel im Zentrum von Mailand gearbeitet.”

Als die beiden hörten, dass es in Erkrath ein Fachwerkhaus zu verkaufen gibt, “da haben Mélanie und ich beschlossen, dass das der Moment ist, unser Leben zu verändern.” Das Paar renovierte das Haus und eröffnete das “B&B Gästehaus Wannemühle”. “Meine Frau kümmert sich um das B&B, aber ich helfe ihr morgens und abends, wenn ich zurück bin von meinem Job in der Logistik-Abteilung eines Software-Unternehmens.”

Das Französisch-Deutsch-Italienische Paar hat nicht nur das alte Haus restauriert, sondern vor kurzem auch einen deutschen Mitarbeiter eingestellt. Wenn es weiter so gut läuft, sollen bald mehr dazu kommen.

Tommasos Familie ist europäisch. Die beiden Töchter, Chloé und Mathis, gehen auf eine deutsche Schule. “Sie sprechen schon Italienisch, Französisch und Deutsch. Englisch wird für sie kein Problem sein”, sagt Tommaso mit einem stolzen Lächeln.

“Ich fühle mich europäisch, wir alle fühlen uns europäisch. Mein Land zu verlassen hat mich ganz neu denken lassen. Und dass ich mit meiner Familie viel reise, finde ich sehr positiv.”

Natürlich gibt es trotzdem kulturelle Unterschiede. Wenn Italiener berühmt sind für ihre Tendenz, Regeln zu missachten, sind Deutsche der genaue Gegensatz: ohne Regeln sind sie verloren. “Wenn Deutsche unvorbereitet sind, bekommen sie häufig Panik. Wir Italiener dagegen sind perfekt trainiert, mit irren Situationen klarzukommen”, sagt Tommaso und lacht.

In welche Länder wandern die meisten jungen Italiener aus?

Tommaso ist ein fröhlicher Mensch. Nur in Gespräch über die italienische Politik wird er ungemütlich. “Wenn es eines gibt, dass mich wirklich nervt, dann sind das Leute, die mich auf Berlusconi ansprechen.” Tommasos Stimme klingt verbittert. “Wenn ich sieben Jahre lang in Deutschland lebe und immer noch nicht finde, dass ich die deutsche Politik oder Geschichte kommentieren darf – wie könnt ihr dann Italien kommentieren?” Diese Antwort funktioniert normalerweise sehr gut, sagt Tommaso, wieder mit seinem typisch italienischen Grinsen.

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Quelle:  Correktiv

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Das müsst ihr unter euch regeln

Erstellt von DL-Redaktion am 4. Januar 2015

Unser Autor hat keine Lust, mit Pegida-Demonstranten zu diskutieren. Wenn er zu Hause in Berlin ist, will er sich lieber von der Diktatur in Ägypten erholen. Und den Schnee genießen

VON KHALID EL KAOUTIT

Was hältst du eigentlich von dem ganzen Pegida-Kram?“, fragte mich letztens mein türkischer Hotdog-Verkäufer in Berlin-Mitte. Ich war nach drei Monaten Aufenthalt in Ägypten, wo ich seit mittlerweile einem Jahr lebe und arbeite, wieder in Berlin und die Pegida-Proteste hatte ich nur aus der Ferne verfolgt. Anfangs war ich überrascht und ratlos. Überfordert von der Dummheit und dem Hass.

Wenn ich die Pegida-Demonstranten reden hörte, bekam ich eine Gänsehaut, denn ich erkannte sofort einige Parallelen zu dem, was in Ägypten immer wieder gesagt wird. Dort entsteht gerade eine Diktatur, die mit allen Mitteln die Macht an sich reißen und jeden Traum von Freiheit, Demokratie, Gleichberechtigung, sozialer Gerechtigkeit, Trennung von Staat und Religion töten will. All diese Träume, die mit den Umbrüchen von 2011 – dem arabischen Frühling – in greifbarer Nähe zu sein schienen.

Pegida-Sound

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Fotoquelle: Wikipedia – Author Wzwz

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Die Liane des Todes

Erstellt von DL-Redaktion am 2. Januar 2015

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Drogenentzug

Nur in den Wäldern des Amazonas lässt sich nachvollziehen, wie die Schamanen ihre Heilkunst von den Pflanzen lernen. Gut die Hälfte der Patienten schafft es, ohne Drogen zu leben. Konventionelle Therapien haben bei lediglich 20 Prozent Erfolg

In Lima haben die jungen Männer Kokain geschnupft und pasta básica geraucht. In der Entziehungsklinik Takiwasi im peruanischen Amazonas heilen sie ihre Sucht mit den Pflanzen der Schamanen. Der französische Arzt Jacques Mabit zeigt ihnen einen Weg aus der Sucht und nutzt dafür den psychoaktiven Ayahuasca-Trank, die Liane des Todes, wie die Indígena Ayahuasca nennen

AUS Tarapoto ULRIKE FOKKEN

Zum Essen für seine Abschiedsfeier hatte sich Casey Bananen, Yucca und Salat gewünscht. Nun gibt es doch wieder nur Linsen, Reis, Huhn. Neun Monate und vier Tage hat er fast jeden Tag Linsen und Reis von dem Edelstahlteller mit seinem Namen in weißer Schrift gegessen. Auf einen Tag kommt es nicht an, sagt Casey.

Aber auf die Worte seiner Freunde in der Entziehungsklinik Takiwasi im peruanischen Amazonasgebiet kommt es an. An sie wird er denken, wenn er in den USA sein Leben mit 29 Jahren noch einmal beginnt. „Du bist gleichzeitig das Kunstwerk und der Künstler“, gibt ihm Enzo mit auf den Weg. Er entwirft aus dem Stehgreif Bilder, die so bunt klingen wie die Rufe der Vögel aus dem Wald des Amazonas. „Dein Leben hast du dir erschaffen“, sagt Enzo zu Casey und könnte dabei ebenso über sich selbst sprechen. Noch vor acht Monaten lebte Enzo in den Straßen von Lima. Sein Hirn und seine Seele zerstörte er sich da schon ein paar Jahre lang mit pasta básica, dem Kokainsulfat aus den Drogenküchen des Dschungels. Ein Schokoriegel großes Stück Kokainbasispaste kostet in Lima nicht mehr als fünf Soles, halb soviel wie ein günstiges Mittagessen.

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Fotoquelle: Wikipedia – Urheber CostaPPPR

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Schindel will Busse ohne Ticket

Erstellt von IE am 31. Dezember 2014

Alle Jahre wieder heißt ein uraltes Weihnachtslied und die Messe ward praktisch gelesen als ein Linker den Stein der Weisen in das sich zum Jahresende beruhigte Wasser warf und es wieder zum aufspritzen brachte: „Busse ohne Fahrscheine braucht Saarbrücken“ !

Harald Schindel, Linker „Sozialdezernent“ aus Saarbrücken holte diese sich in schöner Regelmäßigkeit wiederholende Forderung aus seiner untersten Schreibtischschublade nach oben. Sagt manch einer nun, Harald Schindel – welch ein Schwindel? Im gleichen Moment zieht er aber auch schon wieder die Handbremse in dem er einräumt das seine Forderung keine „Schnapsidee“ sei. Wie beruhigend und wer hätte denn wohl auch an derartiges gedacht. Es ist aber trotzdem schön wenn es einem in den Mund gelegt wird. Saarländer denken in solchen Fällen, wie mir immer wieder vermittelt wird, eher an eine Rotwein Idee aus einen ganz bestimmten Keller.

Aber wer hat von all diesen Segnungen nicht schon einmal geträumt? Einkaufen ohne Geld. Musikinstrumente für alle Kinder, Urlaubsreisen in alle Welt, besonders für Kinder wie ehemals die Landverschickung. Kiptrix in Berlin warten ja wöchentlich mit neuen Forderungen auf um den BürgerInnen einen „Real existierenden Sozialismus“ schmackhaft zu machen. Jetzt sind die Wellen also auch an die Ufer der Saar angeschlagen.

Jaaaaaaaaaaa und entsprechende Experten aus der Partei DIE LINKE sollen für das nächste Jahr geladen werden, um den saarländischen Bürgern diese „Wein“ Idee zu versüßen. Entweder mit Zucker oder Süßstoff. Spätestens jetzt fängt natürlich jeder SaarländerIn zu grübeln an, wer denn solch ein Experte sein könnte. Sind die Experten der Partei nicht ausschließlich damit ausgelastet den Steinzeitkommunismus wieder einmal neu zu erfinden und laufen so zwischen Karl Marx und Rosa Luxemburg im Kreis umher?

Wobei noch nicht einmal deren Vorstellungen innerhalb der Partei entsprochen werden kann. Diese Leute sollen nun also erklären dass ein Euro nur einmal ausgegeben werden kann und auch 100 Cent Stücke keinen Mehrwert bringen. Das ein Bus vorne einfach und hinten für gewöhnlich Zwillings bereift ist?

Es ist schon interessant zu lesen wozu so ein Sozialdezernent denn eigentlich benötigt wird. In Berlin wurde so eine Positionen auch schon einmal als Resterampe bezeichnet.

Trotz alledem wünschen wir aber allen Lesern einen „Guten Rutsch“. Auch, oder besonders ohne Bus.

Schindel will Busse ohne Fahrscheine

Saarbrücker Sozialdezernent (Linke) unternimmt Vorstoß

– Bislang kaum Unterstützer

Bus fahren, ohne einen Fahrschein zu lösen – das soll im Großraum Saarbrücken möglich sein. Das fordert jedenfalls der Linken-Politiker und Saarbrücker Sozialdezernent Harald Schindel. Im Kommunalwahlkampf im Frühjahr hatte Schindel – wie die Piratenpartei auf Landesebene auch – den fahrscheinlosen öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) zum Thema gemacht.

Quelle: Saarbrücker-Zeitung >>>>> weiterlesen

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Fotoquelle: Wikipedia – Urheber Photo Dharma from Penang, Malaysia

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Verdächtige Ladung

Erstellt von DL-Redaktion am 27. Dezember 2014

Mülldeponie Agbogbloshie bei Accra, Ghana

Wie unser giftiger Elektroschrott verbotenerweise in der Welt verteilt wird

von Cosima Dannoritzer

Wer über die Müllkippe von Agbogbloshie geht, hört es bei jedem Schritt unter seinen Füßen knacken. Dieser Teil von Accra, der Hauptstadt Ghanas, ist mit Elektroschrott bedeckt, so weit das Auge reicht: kaputte Tastaturen, die verrostete Unterseite eines Bügeleisens, Bleiglasscherben, zerschlagener Bildröhren. Darunter ist die Erde schwarz verbrannt, beißender Rauch liegt über der geisterhaften Szenerie. Im Fluss, der hier fließt, leben keine Fische mehr; die Möwen, die auf den im Wasser liegenden vergilbten Computergehäusen hocken, halten vergeblich Ausschau nach Nahrung.

Die Industrieländer produzieren pro Jahr zwischen 20 und 50 Millionen Tonnen Elektroschrott. Wenn Wirtschaft und Konsum wachsen, wachsen auch die Müllberge. Wie chronischer Ausschlag breiten sich diese Müllkippen in der ganzen Welt aus – in Afrika, Asien, Osteuropa und zunehmend auch Südamerika.

Das frühere Fischerdorf Agbogbloshie ist heute ein Slum. Kinder werfen Knäuel alter Kabel ins Feuer, um das Plastik vom Kupfer abzuschmelzen, das sich noch verkaufen lässt. Die Flammen werden mit Schaumstoff aus alten Kühlschränken genährt, der Fluorchlorkohlenwasserstoff enthält – dieses klimaschädliche Gas mischt sich so mit anderen Chemikalien zu einem giftigen Cocktail, den die Bewohner des Stadtteils mit jedem Atemzug aufnehmen.

Die Lötverbindungen, das Bildschirmglas und die Platinen der Geräte enthalten Blei, das Nieren und Gehirn schädigt. Das Kadmium aus Schaltern und Laptop-Batterien sammelt sich im Körper an, schädigt die Knochen und verursacht Krebs. Elektronische Geräte enthalten mehrere hundert Chemikalien, denen die Kinder von Agbogbloshie ausgesetzt sind. Viele klagen über Atembeschwerden und Fieber, haben Konzentrationsstörungen und sind auffallend klein für ihr Alter.

Interessanterweise tragen die ausrangierten Geräte oft noch Inventaraufkleber, die ihre früheren Besitzer verraten. Hier liegt Elektroschrott von Schulen, Stadtverwaltungen, Krankenhäusern und Polizeiwachen in aller Welt, vom britischen Verteidigungsministerium und von der US-Armee.

Der Export von Elektroschrott in Entwicklungs- und Schwellenländer ist illegal. Das wurde in der Basler Konvention von 1989 festgeschrieben, die inzwischen von 190 Ländern unterzeichnet wurde. Haiti und die USA, der weltweit größte Produzent von Elektromüll, haben das Abkommen allerdings nie ratifiziert.

Im Januar 2003 hat die Europäische Union, ausgehend von der Basler Konvention, die sogenannte EU-Elektroaltgeräte-Richtlinie (WEEE, Waste Electrical and Electronic Equipment) verabschiedet. Darin steht nicht nur, dass europäischer Schrott in Europa recycelt werden muss und nicht exportiert werden darf, sondern auch, dass die Geräte möglichst umweltfreundlich und leicht zerlegbar hergestellt werden sollten.

Wer sich in Europa ein neues elektronisches Gerät kauft, bezahlt das Recycling gleich mit. Die Verbraucher haben also, wenn sie ihr Gerät entsorgen müssen oder wollen, einen Anspruch darauf, es kostenlos bei einem Wertstoffhof oder Recycler abzugeben. Mit der Recycling-Abgabe, die europaweit jährlich 4 Milliarden Euro einbringt, wird ein System moderner Anlagen unterhalten, in denen diese Altgeräte umweltfreundlich und ohne gesundheitliche Risiken zerlegt und wertvolle Stoffe wie etwa Kupfer wiedergewonnen werden. Doch viele Betreiber klagen, dass sie bei Weitem nicht ausgelastet seien.

Quelle: Le Monde diplomatique >>>>> weiterlesen

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Fotoquelle: Wikipedia – Author Lantus

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Dr. Google rät

Erstellt von DL-Redaktion am 21. Dezember 2014

Glockenspiel am Rathhaus Hann. Münden Dr. Eisenbart

Dr. Google rät

SELBSTDIAGNOSE Sich im Internet über Krankheiten zu informieren gilt als böse. Trotzdem machen es alle. Und das ist auch gesund so

VON MARIA ROSSBAUER

Die Haut juckt, nachts vor allem und nach dem Duschen. Sie ist rot und irgendwie rau, und mit dem Winter nimmt das zu. Was tun? Die meisten Menschen machen erst mal eins: Sie googeln.

Sie tippen vielleicht „Haut“ und „jucken“ oder „Haut“ und „trocken“ ein, scrollen über die ekligen Bilder von Ekzemen und Hautpickel hinweg und landen auf einer Seite, die das Thema behandelt.

Während dieser Recherche wird das schlechte Gewissen des Googlers immer größer. Denn obwohl es wirklich alle tun, haben alle auch schon hundertmal gehört, dass man Krankheiten nicht googeln dürfe, weil man immer einem Eintrag begegnen würde, der in etwa so laute: „Das hatte meine Schwester auch, und drei Tage später war sie tot.“ Man muss solche Foren natürlich nicht lesen, genauso wenig, wie man an solche Aussagen glauben muss. Natürlich können die vielen Informationen verunsichern. Doch nicht alle Menschen, die nach Krankheiten googeln, sind gleich Cyberchonder. Und nicht Google macht sie dazu, genauso wenig, wie Computerspiele Menschen zu Mördern machen.

Quelle: TAZ >>>>> weiterlesen

Selbst ist der Versuch

EIGENBEHANDLUNG Dem Stuhlgang lauschen, den Schlaf überwachen, dem Hirn Stromschläge verpassen – immer mehr Menschen therapieren und optimieren sich selbst. Dabei folgen sie dem bewährten Trial-and-Error-Prinzip. Eine Auswahl beliebter Methoden

VON MARIA ROSSBAUER UND ALEXANDRA STOBER

Menschen, die ihrem Gehirn Stromschläge verpassen, die ihrer Kacke lauschen und jeden kleinsten ihrer Schritte aufzeichnen, wirken auf den ersten Blick wie Spinner. Es sind Menschen, die ihren Körper detailliert untersuchen oder sich um dessen Verbesserung bemühen. Aber Selbstversuche sind so alt wie die Menschen selbst.

Damals vor ein paar Millionen Jahren schob der Mensch Pflanzen, Früchte und Kräuter in sich hinein, jagte kleine und große Tiere und lutschte an Sand herum. Manches war gesundheitlich so suboptimal, dass der Tester starb und die dafür verantwortlich gemachten Kräuter oder Früchte von Experimentbeobachtern gemieden wurden.

Quelle: TAZ >>>>> weiterlesen

STROMTHERAPIE

Leistungssteigerung durch Nervenkribbeln

SELBSTÜBERWACHUNG

Nicht ohne meinen Schrittzähler

STUHLANALYSE

Das Geräusch ist entscheidend

ERGBUTANALYSE

Öffentliche Chromosomenbeschau

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Fotoquelle: Wikipedia – Author Axel Hindemith

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Gabriels Profitexperten

Erstellt von DL-Redaktion am 19. Dezember 2014

Das fleischgewordene Kapital der SPD in der Schröder-Spur

Oder: Wer stoppt die Profitgier der SPD ?

ÖPP Sigmar Gabriel will Banken und Versicherungen Milliardenprofite verschaffen. Dafür hat er eine Kommission einberufen. Diese soll helfen, die Infrastruktur in Deutschland zu privatisieren

VON KAI SCHLIETER

Sigmar Gabriel ist nicht für seinen Großmut bekannt. Ungewohnt klang daher die Offerte des Wirtschaftsministers und SPD-Vorsitzenden, als er sagte, er wolle den „Lebensversicherungskonzernen attraktive Angebote machen, sich an der Finanzierung der öffentlichen Infrastruktur zu beteiligen“. Nur zwei Wochen später – Ende August 2014 – stellte er eine Expertenkommission zur „Stärkung von Investitionen“ vor, in der nun auch die Vorstände der Ergo-Versicherung und der Allianz SE sitzen.

Sigmar Gabriel möchte private Investoren für die Infrastruktur in Deutschland gewinnen. Auf die Versicherungen schielt er, weil die Konzerne rund 1,4 Billionen Euro horten und die Zinsen so niedrig sind, dass sie nach Anlageobjekten gieren. Auf der anderen Seite können sich Bund, Länder und Kommunen kaum noch Straßen, Tunnel oder Schwimmbäder leisten. Zu viel Geld hier und zu wenig dort: Die Schuldenbremse, also das Verbot von Einnahmen aus Krediten, wirkt wie ein Katalysator für Privatisierungen.

Dabei sind die Kooperationen von Staat und Privatwirtschaft – Öffentlich-Private Partnerschaften (ÖPP) – verrufen. Denn die Steuerzahler müssen für die Gewinne, die Banken und Versicherungen bei diesen Partnerschaften erwarten, teuer bezahlen. Das kritisiert auch der Bundesrechnungshof seit Jahren. Stets bewerteten die Prüfer die ÖPP-Projekte ähnlich: viel teurer, als wenn der Staat das in Eigenregie machen würde. Besonders der jüngste Bericht ärgert jene, die mit dem Staat Geschäfte machen wollen: 1,9 Milliarden Euro teurer sind die Bundesfernstraßen, die in einer „Partnerschaft“ mit privaten Konsortien gebaut und betrieben werden. „Der Bundesrechnungshof ist der Auffassung, dass die bisherigen ÖPP-Projekte unwirtschaftlich sind.“

Quelle: TAZ >>>>> weiterlesen

„Das wird alles teurer werden“

HANS EICHEL Der ehemalige SPD-Finanzminister kritisiert Öffentlich-Private Partnerschaften (ÖPP) als Verschwendung von Steuergeldern. Die Kommission seines Parteichefs hält er für ein ÖPP-Projekt

INTERVIEW EVA BERGER UND KAI SCHLIETER

taz: Herr Eichel, Sigmar Gabriel möchte Versicherungskonzerne bei der Finanzierung der Infrastruktur beteiligen. Würden Sie das als eine Form von Öffentlich-Privater Partnerschaft bezeichnen?

Hans Eichel: Ja sicher. Aber ist das sinnvoll? Denn wir lösen dann die Probleme der Lebensversicherungsgesellschaften über die Finanzierung der Infrastruktur. Wenn wir die Infrastruktur direkt finanzierten, wäre das wesentlich günstiger, denn der Bundesfinanzminister bekommt zur Zeit für 0,8 Prozent oder weniger eine 10-jährige Anleihe. Der Staat kann sich Geld viel billiger leihen.

Außerdem wollen die Konzerne sicher nicht zum Wohle der Allgemeinheit bei der Infrastruktur einsteigen.

Quelle: TAZ >>>>> weiterlesen

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Fotoquelle: Wikipedia – Urheber Sven-Sebastian Sajak

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Neutralisieren, ausschalten, eliminieren

Erstellt von Uli Gellermann am 18. Dezember 2014

Die Zukunft des Islam im PEGIDA-Zuschnitt

Autor: U. Gellermann

Ratianalgalerie

Datum: 18. Dezember 2014

„200 Dschihadisten neutralisiert“, erzählt der französische Verteidigungsminister Jean-Ives Le Drian jüngst einer Öffentlichkeit, die schon weiß, dass Dschihadisten Terroristen sind und dass die wiederum Islamisten sind und wo der Islamist ist, da kann der Islam, denkt sich der gewöhnliche Bundesbürger, nicht weit sein. Das schöne Wort „neutralisieren“, gern mit ausschalten oder eliminieren übersetzt, kommt aus dem James-Bond-Wörterbuch: Es klingt nach Mann gegen Mann, nach Abenteuer und trockenen Martinis. Dass es sich um heraushängende Gedärme handelt, um spritzende Gehirnmasse und abgerissene Gliedmassen, wenn „neutralisiert“ wird, wer mag das schon wissen in einer Welt der Gewissheiten von Gut und Böse.

„In Deutschland sympathisiert fast jeder zweite Bundesbürger mit Demonstranten, die gegen die Terrormiliz ‚Islamischer Staat‘ und die ‚Islamisierung des Abendlandes‘ auf die Straße gehen“, weiß die angeblich intellektuelle ZEIT zu berichten und tischt dem erschrockenen Leser eine selbst hergestellte Neuigkeit auf: Jetzt geht es auf den Dresdener Straßen, behauptet die ZEIT in ihrer Umfrage, also auch um den Kampf gegen den IS. Auch wenn die PEGADISTEN sich bisher eigentlich auf das Abendland beschränkten, da die ZEIT die beiden Kämpfe in ihrer Umfrage miteinander verklammert, liegt sie voll im Trend. Der Islam, na schön, der radikale Islam, muss bekämpft werden wo er auftritt. Abendland, Morgenland, es geht, wie immer, um Menschenrechte.

Leute wie der Außenminister Frank-Walter Steinmeier sind es, die solche Trends herstellen. Sollen doch bald Bundeswehrsoldaten in den Irak und weil sich Steinmeier nicht ganz sicher ist, ob denn auch wirklich alle SPD-Bundestagsabgeordnete diesem Einsatz (auch Operation genannt, Mission oder Mandat, aber keinesfalls „Krieg“) zustimmen werden, schreibt er denen einen Brief, in dem er eine „Bitte der irakischen Regierung nach Unterstützung“ erwähnt, der man sich nicht „verschließen“ könne. Der Befreiung der Sprache vom Sinn geht immer und gern die Entleerung des Gehirns voraus: Wer ist die „irakische“ Regierung? Sie wurde unter Kriegsrecht gewählt und ist letztlich das Produkt eines Krieges, den die USA gegen den Irak geführt haben, und der ein zerstörtes, zerrüttetes, zermürbtes Land hinterlassen hat. Saddam wurde „neutralisiert“, Mission Accomplished, es ist vollbracht, Land kaputt, Auftrag erledigt.

Nun sollen auch die Deutschen – so will es eine Regierung, die ob der Pegadisten Sorge heuchelt – in den Irak und heizt so die allgemeine Islamophobie mit einem „Einsatz“ an. Seit mehr als zehn Jahren ziehen deutsche Soldaten in den von den USA ausgerufenen „Krieg gegen den Terror“. Und zumeist wird den Gegnern in diesem Krieg das Etikett des Islam angeklebt. Doch der Westen, in dessen Zwangsjacke deutsche Regierungen gern und begeistert stecken, macht mehr als ankleben. Er produziert geradezu islamistische Terroristen: Von den afghanischen Taliban, die dem Westen ein guter Partner im Kampf gegen die Sowjetunion waren, über die Zerstörung Libyens, die Terror-Banden aller Art hervorbrachte, die mit dem Islam wedeln um ihren Raubzügen eine religiöse Maske aufzusetzen, bis hin zum Versuch eines Regime-Changes in Syrien, der dem „Islamischen Staat“ fast so viel Geld, Waffen und Personal zuführte wie der Irak-Krieg.

Die Politikwissenschaftlerin Gesine Schwan, sie wollte mal Bundspräsidentin werden, sagte vor ein paar Tagen bei Günther Jauch: „Was früher das Judentum war, ist heute der Islam.“ Sofort meldet sich in der WELT der Pawlowsche Terrier Henryk M. Broder und beißt wild um sich: „Gibt es irgendwo einen jüdischen Staat, in dem Dieben die Hände abgehackt, Ehebrecherinnen gesteinigt und Homosexuelle aufgehängt werden?“ Das ist der eklige Schaum vor dem Mund, der sich in Deutschland Staatsraison nennen darf und dem keiner die Frage entgegenhält ob es irgendwo einen arabischen Staat gibt der in wenigen Tagen 500 Kinder umgebracht hat, wie das die israelische Armee in Gaza so tapfer leistete.

„Die Angst vor radikalen Islamisten treibt laut der Umfrage eine Vielzahl der Menschen in Deutschland um. 73 Prozent der Bundesbürger gaben an, Sorge zu haben, dass der radikale Islam an Bedeutung gewinnt“, schreibt die ZEIT und schämt sich nicht. Denn die ZEIT, eines der vielen deutschen Pro-Irak-Krieg-Medien, ist an der Herstellung radikaler Islamisten führend beteiligt. Wie die vielen anderen Zeitungen und Sender, die sich bis heute nicht bei ihren Konsumenten für ihre Zustimmung zum Afghanistan-, Libyen- und Syrienkrieg entschuldigt haben. Sie alle sind PEGIDA.


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Islamischer Staat oder: Der falsche Fokus

Erstellt von DL-Redaktion am 16. Dezember 2014

von Andrea Fischer-Tahir und Karin Mlodoch

Die Massaker des „Islamischen Staats“ (IS) an den Jesiden und der Kampf um die syrisch-kurdische Grenzstadt Kobani haben in Deutschland zu einem breiten Konsens für die militärische Unterstützung „der Kurden“ geführt.

Die Bilder verzweifelter Christen und Jesiden und der als Verteidiger abendländischer Werte angesehenen Peschmerga dienten der Bundesregierung, die selbstverständlich auch ihre Wirtschaftsinteressen in der ressourcenreichen Region im Auge hat, als Legitimation für den Beschluss zu Waffenlieferungen. Damit gelang ihr ohne nennenswerten gesellschaftlichen Widerstand ein Paradigmenwechsel in der Außenpolitik, der weitreichende Konsequenzen haben wird.

Auch Teilen einer bisher hinsichtlich des IS sprach- und hilflosen Linken boten die Live-Berichte von der „Entscheidungsschlacht“ um Kobani und die Bilder der dort kämpfenden Frauen und Männer der kurdischen PYD und PKK die Möglichkeit zur Identifikation und Handlung, von Solidaritätsdemonstrationen bis hin zu Geldsammlungen für Waffen.

Ein einsamer Kampf der Kurden?

Beides verschmilzt in der Erzählung vom „einsamen Kampf der Kurden“ gegen den IS-Vormarsch. Zusammen mit den apokalyptischen Bildern grenzenlos brutaler IS-Kämpfer scheint diese die Forderungen nach militärischen Interventionen ebenso zu rechtfertigen wie Plädoyers, im Kampf gegen den IS einen „modus operandi mit dem Regime von Damaskus“ zu finden.

In den Hintergrund tritt dabei, dass das Assad-Regime – mit dem die kurdische PYD seit 2011 eine Art Stillhaltevereinbarung hat – maßgeblich für das Erstarken des IS in Syrien verantwortlich ist. Syrische Regierungstruppen intensivieren derzeit ihre Belagerung und Bombardierung rebellischer Städte. Und obwohl die Freie Syrische Armee (FSA) ebenso wie die irakisch-kurdischen Peschmerga Unterstützung ins belagerte Kobani sandten, zögert der Westen mit Verweis auf die destabilisierende Wirkung ihres Anti-Assad-Kampfes, FSA-Kämpfer zu unterstützen. Diese westliche Ungleichgewichtung bei der Auswahl als schützens- und unterstützungswert erachteter Gruppen sorgt bei regimekritischen Syrern für Bitterkeit.

Ein Klima der Rechtlosigkeit

Quelle: Blätter >>>>> weiterlesen

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Fotoquelle: Wikipedia – Urheber Dûrzan cîrano

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Jesus weint schon

Erstellt von DL-Redaktion am 13. Dezember 2014

Band: Erdmöbel

Wie feiert man selbstbestimmte Weihnachten – ohne Kinderaugen, Ironie oder Larmoyanz? Die Antwort ist: Erdmöbel

von Peter Unfried

Erst aßen wir Leberkäse mit Kartoffelsalat, dann sangen wir „Stille Nacht“, und als ich es kaum noch aushielt, brachte mir das Christkind ein Trikot von Günter Netzer. Da war ich im Himmel. Wenige Jahre später sprang ich kurz nach der Bescherung auf, um mich mit den Jungs zum ironischen Distanzbesäufnis zu treffen. Dann zeterte ich ein Jahrzehnt über den Konsumwahnsinn und suhlte mich in Fluchtfantasien. Dann sah ich Weihnachten durch die Augen meiner Kinder. Sie leuchteten wirklich, und das war gut.

Aber was tun, wenn die Großkinder jetzt nach der Bescherung wegrennen? Noch immer habe ich kein intellektuell erarbeitetes Modell eines selbstbestimmten, erwachsenen Weihnachtens.

Und nun höre ich „Geschenk“, das neue Weihnachtsalbum der Kölner Band Erdmöbel. „Ding ding dong (Jesus weint schon)“, „Fräulein Frost“, „Lametta“, „Der letzte deutsche Schnee“: Hits, Hits, Hits. Vor allem: Das ist weder Traditionsimitation noch die übliche Konsumdosis Konsumkritik. Es ist auch nicht ironische Distanzierung. Die solitäre Kunst dieser Band besteht darin, knapp neben den tradierten Wegen von Rock und Pop im Hörer Stimmungen entstehen zu lassen, die man sich selbst nicht zugetraut hätte und die man nicht kannte, weil sie nicht auf die Vergangenheit verweisen, sondern neu sind. Konkret: Ich kriege beim Zuhören Lust auf Weihnachten. Was ist da passiert?

Ich rufe Markus Berges an, den Sänger und Lyriker von Erdmöbel, und frage ihn, was er da wieder gemacht hat. Er lacht. „Das ist das, woran wir arbeiten: ein möglichst starkes emotionales Erlebnis und gleichzeitig ein fragendes Gefühl.“

Quelle: TAZ >>>>> weiterlesen

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[youtube GGUoFWbRX0I]

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Fotoquelle: Wikipedia – Author Elke Wetzig (User:Elya)

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Politik – Das infame Spiel mit den diskriminierenden Begriffen

Erstellt von Gerd Heming am 13. Dezember 2014

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In einer neoliberalen Epoche, in der die Konkurrenz schärfer geworden ist, wird Leistungsfähigkeit und körperliche Gesundheit zum Non-plus-Ultra erklärt. Hart muss der Menschen sein – zäh wie Leder! Es zeigt sich hier ein allgemeines wirtschaftspolitisches Prinzip, das den Deutschen nicht unbekannt ist, und das von einem überwiegenden Teil der Gesellschaftsmitglieder erneut als erstrebenswert betrachtet und zum alleinigen Kult erhoben wird. Dass diese Ideale, bezieht man sie  auf die Gesamtgesellschaft,falsch sind und infam, wird nicht mehr erkannt. Insbesondere Menschen, denen ein gewisses Maß echter humaner Bildung fehlt, lassen sich leicht dazu verführen, die Denkweisen des Neoliberalismus als leitende Denkweisen für sich zu verinnerlichen. Wer nicht mithält, wer nicht mithalten will oder nicht mithalten kann,  ist out. Diskriminierung zieht auf diese Weise schleichend in unsere Rechtsordnung. Menschen werden kategorisiert.

Wo aber Diskriminierung sich in das Rechtssystem eingeschlichen hat, kommt es zu schweren Menschenrechtsverletzungen. Wo Diskriminierung verankert ist in der Rechtsordnung, wird es gefährlich für den Zusammenhalt der Gesellschaft, der allein auf Gerechtigkeit beruht. Wo politische Diskriminierung zu schweren Menschenrechtsverletzungen führt, haben wir es mit politischer Verfolgung zu tun – gleich in welchem Land. – Deshalb höchste Alarmstufe vor Politikern und Akadämlichen.

Neuerdings gehört, was die Frage anbelangt, nämlich was der Mensch sein muss, auch das richtige Alter dazu, denn es ist ja ebenfalls eine neue Kategorie. Und aktuell ist es der „bedürftige“ alte Mensch. In England kriegen 80jährige keine Beipass-Operation, keine künstlichen Hüftgelenke, werden vom Dialyseapparat abgeschaltet, es sei denn, sie haben genügend privaten Reichtum angehäuft,  um lebensnotwendige medizinische Behandlungen aus der eigenen Tasche bezahlen zu können.  Wir sind heute in Deutschland genau so weit. Für bestimmte Leute werden die Lebensrisiken privatisiert. Leute, die älter sind als 80, sollen gefälligst Krücken verwenden. Auch solches Denken beginnt schleichend. Die Mehr-Klassen-Medizin schreibt das warnende Menetekel mit blutiger Schrift in die Hirne unserer  Gesellschaft.

Wer älter ist als 75, der sollte keine lebenserhaltenden Medikamente mehr bekommen. Alles unter Kostengesichtspunkten., kein Zweifel, aber wir können sehen, wo wir hinkommen mit der Kategorisierung von Menschen. Wenn die Leute Pech hatten oder das Pech haben, dass sie zur falschen Klasse, Rasse, Nation, Religion, zum falschen Geschlecht, zum falschen Alter gehören, dann werden oder wurden sie liquidiert, vergast, gesteinigt, zu Tode gefoltert, in die Luft gesprengt oder sonst wie umgebracht.  Die falschen Menschenbilder waren und sind die Ursachen für die schwersten Verbrechen, die die Menschen je begangen haben. Aber auch waren sie Ursache für die schwerwiegendsten politischen Fehlentscheidungen, die die Menschen erleben mussten. Und deswegen ist die Frage nach dem richtigen Menschenbild die entscheidende Frage. Das richtige Menschenbild! Nun, das richtige Menschenbild kann, nach den Erfahrungen, die die Deutschen mit den anderen kategorisierenden Menschenbildern gemacht haben, kein Abklatsch dieser falschen Menschenbilder sein!  Es ist die apriori Erkenntnis aus dieser Erfahrung. Der Mensch wie er geht und steht ist der eigentliche Mensch. Unabhängig davon, ob er jung oder alt ist, Mann oder Frau, krank oder gesund, und unabhängig davon, ob jemand Deutscher ist oder Ausländer, Christ oder Jude, Weißer oder Schwarzer. Mit diesem Menschenbild müssen sich zivilisierte Nationen, müssen vor allem auch die Deutschen sich unterscheiden von den diskriminierenden Menschenbildern der Nazis, der Kommunisten, der Nationalisten, der Fundamentalisten, weil sie sonst den Anspruch für eine rechtsstaatliche Demokratie verlieren.

(Copyright Gerd Heming) Verfasser)

Bund der Pflegeversicherten e.V. /alter-aktiv-bdpv
Gerd Heming (Vors.)
Münster, Dezember 2014

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Fotoquelle: Wikipedia
Source     It’s all about love
Author     Candida Performa

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130.00 Flüchtlinge

Erstellt von DL-Redaktion am 11. Dezember 2014

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„Wir bleiben hier“, sagt Hadjija Abdulaye. Vor neun Monaten floh sie mit ihrer Familie nach Kamerun. Bis heute werden sie von Hilfsorganisationen versorgt, doch deren Gelder werden knapp

AUS GBITI, TIMANGOLO UND YAOUNDÉ CHRISTIAN JAKOB

Lieutenant Founda hat ihn gewarnt, er warnt alle, die an seinem Wachposten vorbeilaufen, die Uferböschung hinab, das kleine Holzboot besteigen und zurückfahren in den Krieg. Der Soldat steht an dem namenlosen braunen Grenzfluss, es riecht nach Schlamm und totem Fisch. Jetzt, am Mittag, brennt die Sonne auf Gbiti, einen Flecken im äußersten Osten Kameruns, und Founda schwitzt unter seinem grünen Barett. Über ihm weht die Fahne Kameruns, auf der anderen Seite wehen nur ein paar zum Trocknen aufgehängte Hosen. Mehr als ein Jahr ist es her, dass dort, in der Zentralafrikanischen Republik (ZAR), der Bürgerkrieg eskaliert und das Land im Chaos versunken ist. Es ist einer der wohl kompliziertesten Konflikte Afrikas, aber für Founda ist die Sache ganz einfach: „Da sind die Christen, und wenn die Moslems wieder dorthin gehen, dann bringen die sie um“, sagt er und deutet mit dem Kopf auf die Gestalten am anderen Ufer.

Etwa 130.000 Menschen haben sich in den letzten elf Monaten nach Kamerun gerettet. Es waren vor allem Fulbe, muslimische Hirten. Sie flohen vor der Anti-Balaka-Miliz, die gegen die muslimischen Séléka-Rebellen kämpfte, aber auch alle anderen Muslime ermordet hat, die ihr in die Hände fielen. Den Fulbe sind ihre langhornigen Zebu-Rinder Vermögen und Statussymbol. Doch auf der Flucht mussten sie fast alles aufgeben. Immer wieder gehen jetzt einzelne Fulbe zurück, in der Hoffnung, verbliebenes Vieh in den entvölkerten Dörfern zu finden. So wie der Mann, der kürzlich Foundas Warnung ignorierte. Am 16. November kam sein abgeschnittener Kopf mit dem Boot über den Grenzfluss zurück. Es war eine Botschaft der Anti-Balaka an die Flüchtlinge: Kommt ja nicht wieder.

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Fotoquelle: Wikipedia – Urheber Julien Harneis

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Ökonomie der Flucht

Erstellt von DL-Redaktion am 9. Dezember 2014

ASYL Deutschland könnte Millionen von Syrern aufnehmen, ohne dass die Wirtschaft leidet. Das zeigen der Mauerfall und die Aussiedler

von Ulrike Herrmann

Was passiert, wenn man plötzlich zwei Billionen Euro ausgegeben muss? Die Deutschen wissen es: nichts Schlimmes. Sie haben eine Wiedervereinigung überstanden, die sehr teuer war, ohne dass ihre Wirtschaft kollabiert wäre.

Der Beitritt der DDR war ein beispielloses historisches Experiment: Plötzlich musste Westdeutschland 16 Millionen Ostdeutsche zusätzlich versorgen – und ein abgewirtschaftetes Land renovieren. Doch trotz der gigantischen Kosten von zwei Billionen Euro steht Deutschland besser da als seine Nachbarn. Die deutsche Staatsverschuldung beträgt knapp 80 Prozent der Wirtschaftsleistung – doch Frankreich und Großbritannien kommen auf eine Verschuldung von über 90 Prozent, obwohl sie keine teure Wiedervereinigung stemmen mussten.

Kapitalismus macht’s möglich

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Fotoquelle: Wikipedia – Urheber Voice of America News: Scott Bobb reports from Azaz, Syria

Dieses Werk ist in den Vereinigten Staaten gemeinfrei, da es von Mitarbeitern der US-amerikanischen Bundesregierung oder einem seiner Organe in Ausübung seiner dienstlichen Pflichten erstellt wurde.

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Allmacht des Staates – Drei Schüsse, ein Leben

Erstellt von DL-Redaktion am 6. Dezember 2014

GEWALT Ein junger Mann wird bei einem Polizeieinsatz fast erschossen. Anschließend versucht die Justiz alles, um ihn in die Psychiatrie einweisen zu lassen

AUS HEINSBERG KAI SCHLIETER

Am Abend des 10. September 2013 berührt der Mechaniker Martin P. die Notruf-Fläche seines Smartphones. Zwei Stunden später liegt er mit drei Schüssen in Brustkorb und Bauch in einer Klinik.

Eigentlich wollte P. einen Arzt in sein Haus nach Heinsberg rufen. Stattdessen kommen Polizisten. Er habe Panik verspürt, deswegen habe er die „Notruf“-Funktion betätigt, erklärt P. den Anruf viel später – nachdem er aus dem künstlichen Koma erwacht ist.

Um 21:47:25 Uhr nimmt ein Hauptkommissar der Leitstelle in Heinsberg den Anruf entgegen. Was passiert sei, fragte der Beamte, der sich mit „Polizei-Notruf“ meldet. Martin P. teilt dem Mann mit, er brauche Hilfe. Er habe Mist gebaut, es sei ein Notfall. So steht es im polizeilichen Wortlautprotokoll, das die taz.am wochenende einsehen konnte.

Ob es eine verletzte Person gebe?, erkundigte sich der Polizist. Ja, sagt Martin P. Und ja: Er sei selbst diese verletzte Person. Was er getan habe? Da bricht das Gespräch ab.

Der Hauptkommissar könnte dann, nach dem Anruf, den entscheidenden Fehler begangen haben. Er telefoniert mit dem Kollegen der Wache West in Heinsberg. Neben Martin P. gebe es eine weitere verletzte Person, habe er gesagt. So werden das zumindest die am Einsatz beteiligten Beamten später darstellen.

Gegen 22 Uhr klingeln die vier Polizisten an der Haustür von Martin P. Der öffnet die Tür und schließt sie sofort wieder. Auf die Beamten wirkt er ängstlich. Sie gehen von einer weiteren verletzten Person aus, die sich vielleicht sogar in Lebensgefahr befindet. Sie rufen: Polizei! Martin P. Öffnet.

Nach Recherchen der taz soll sich aus Sicht der Polizisten nun Folgendes abgespielt haben: Furchterfüllt, mit weit aufgerissenen Augen, soll P. ausgesehen haben. Es sei etwas geschehen, habe er gesagt. Zwei der vier Beamten reden mit ihm. Die anderen beginnen, nach der zweiten Person im Haus zu suchen.

Martin P. will durch den Flur davonlaufen, doch die beiden anderen Polizisten kommen ihm entgegen. Sie versuchen, ihn aufzuhalten. Er ruft um Hilfe, immer wieder. Die Beamten versuchen, ihn zu beruhigen.

P. will durch das Fenster im Wohnzimmer fliehen. Doch die Rollläden sind verschlossen.

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Fotoquelle: Wikipedia – Künstler Hieronymus Bosch (etwa 1450–1516) Auf die Infoboxvorlage des Erstellers verlinken wikidata:Q130531

StandortMuseo del Prado Link zurück zur Museums Infobox-Vorlage wikidata:Q160112

Dieses Werk ist gemeinfrei, weil seine urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist.

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Toleranz ist was für Luschen!

Erstellt von DL-Redaktion am 29. November 2014

Von Robert Misik

Der Papst hat also jetzt im Europaparlament gesprochen. Der ist ja ein netter Kerl und allgemein angesehen, auch weil er seinem verstaubten Verein den Muff von zweitausend Jahren wegpusten will. Sogar bei Linken ist der Herr Papst durchaus beliebt, wenngleich manche Abgeordnete beinahe den Saal verlassen hätten, als er „gegen das Töten eines Kindes vor der Geburt“ – vulgo Schwangerschaftsabbruch – wetterte.

Sonst hat sich aber kaum jemand aufgeregt. Aber ist das nicht ein Skandal, dass der Frontmann der mächtigen Institution Katholische Kirche in einem Parlament seine Agenda trommeln darf? Denn die Kirche „mahnt“ ja nicht nur, sie greift auch sonst wie mächtig ins Geschehen ein, und will am Ende auch die Gesetze wieder zu ihren Gunsten verändern.

Natürlich kann man sagen, dass ein Papst durchaus die Meinung vertreten darf, dass er Schwangerschaftsabbrüche falsch findet. Schließlich herrscht doch Meinungsfreiheit! Nun lässt sich einwenden, dass es sich bei einer Papstrede nie nur um die Meinungsäußerung einer Person handelt, sondern dass aus ihm immer auch die Institution spricht – also Macht, möge diese Macht auch in unseren Breiten ziemlich erodiert sein. Trotzdem muss man die Meinung des Papstes eben auch tolerieren.

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Fotoquelle: Wikipedia – Author Hans-Peter

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Sie kamen in der Nacht

Erstellt von DL-Redaktion am 28. November 2014

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„Ich war ein Kind. Ein Kind, verdammt!“

Minire Neziri ist in Deutschland geboren und aufgewachsen. Dann kam ein Montag im Juni 2005. Minire wurde abgeschoben. Für die damals 14-Jährige brach eine Welt zusammen. Heute ist Minire Neziri 23 Jahre alt. Sie hat einen Text über diesen schrecklichen Tag im Juni verfasst und uns gebeten ihn zu veröffentlichen. Das tun wir hier in voller Länge.

Quelle: PRO  ASYL

Von Minire Neziri

Juni 2005. Ein schöner, warmer Monat. Ein Monat, wie jeder andere auch. Aber für uns auch ein Monat voller Angst. Angst, dass es passiert. Dass wir zurückmüssen. Zurück in ein Land, das ich nur vom Hörensagen kannte, denn das Licht der Welt hatte ich in Deutschland erblickt. Es war ein Montag. Ich hatte mich nach der Schule mit meiner besten Freundin zu einer Fahrradtour verabredet. Wir fuhren den langen Weg bis zum großen Einkaufszentrum, schlenderten eine Weile durch die Klamottenabteilung und besuchten anschließend eine andere gute Freundin. Wir sprachen über Mädchenkram, aßen Eis und amüsierten uns. Dann sagte meine beste Freundin plötzlich: „Ich glaub ich sterbe, wenn du irgendwann abgeschoben wirst.“

Also schliefen wir zu Hause. Zum letzten Mal.

Witzig, dass es nur ein paar Stunden später tatsächlich passierte. Ironie des Schicksals. Ich lache heute noch drüber. Am Abend saß ich zu Hause mit meiner Familie und sah fern. Schon seit einer Weile übernachteten wir Dienstags immer bei einem Onkel, da man hörte, dass die Abschiebungen immer Mittwochs und Freitags, in den frühen Morgenstunden stattfanden. Aber es war Montag. Also schliefen wir zu Hause. Zum letzten Mal.

Meine große Schwester lebte seit einer Weile mit ihrem sieben Monate alten Sohn bei uns, besaß aber zwei Straße weiter eine eigene Wohnung. Und in genau dieser Wohnung schlief mein Vater seit einigen Wochen. Paranoid? Nein, eher nicht. Man ist nicht paranoid, wenn jede Nacht das passieren kann, vor dem man so große Angst hat.

Mitten in der Nacht wurde ich aus dem Schlaf gerissen.

Mitten in der Nacht wurde ich aus dem Schlaf gerissen. Meine Mama rüttelte an meinem Arm. Überall war das Licht an und sie weinte. Ich verstand nichts. ‚Steh auf, wir müssen gehen‘, sagte sie. Verwirrt stand ich auf und sah im Flur vier Polizisten stehen. Meine Schwestern weinten. Mein Bruder weinte. Meine Mutter weinte. Auch mein Neffe kreischte herum. Ein hektisches Durcheinander. Ein ähnlicher Wirrwarr fand in meinem Kopf statt. Wo mein Vater sei, fragten sie meine Mutter. Bei seinen Brüdern, log sie. Wir sollten zwei Koffer packen und mitkommen. Sie würden uns auch ohne Papa mitnehmen. Ich hatte mich angezogen und saß mit meinem Neffen auf dem Bett. Die Beamten folgten uns auf Schritt und Tritt. Geschrei, Weinen, Geschrei. Die Nachbarsfamilie, ebenfalls aus dem Kosovo, stürmte herein. Noch mehr Tränen. Und dann folgten schließlich auch meine.

Mein Bruder rief seinen besten Freund an. Der Junge stand kurze Zeit später völlig fassungslos vor unserer Wohnungstür. Er war mitten in der Nacht vom Nachbarort hierher gerannt und die wollten ihn allen Ernstes nicht reinlassen. Ein kurzes Gerangel vor der Tür folgte. Flüche auf Albanisch. Geschrei. Letztendlich ließen sie ihn doch durch. Er fiel meinem Bruder weinend um den Hals. Eine feste, brüderliche, verzweifelte Umarmung. Zwei Albaner, die sich heulend im Arm liegen – sieht man auch nicht alle Tage. Einer der Beamten wischte sich dabei unauffällig über die Augen, er weinte. Koffer waren gepackt. Abfahrbereit.

Tut zwar nicht zur Sache, aber ich weine grade schon wieder.

Ich weiß noch, was ich angezogen hatte. Einen rosa Blazer und eine rote Hose. Klingt nach Geschmacksverwirrung, aber damals war es echt Mode. Das waren neue Sachen gewesen und nun trug ich sie zur Beerdigung meines Lebens. Ein großer Polizeikombi stand am Straßenrand. Wir stiegen ein. Meine Mama, mein siebzehnjähriger Bruder, meine fünfzehnjährige Schwester, und ich, vierzehn zu dem Zeitpunkt. Meine älteste Schwester stand weinend neben dem Wagen. Sie hielt die kleine Hand meines Neffen an die Autoscheibe. Sie besaß eine Aufenthaltserlaubnis und durfte zurückbleiben.

Es flossen so viele Tränen. Tut zwar nicht zur Sache, aber ich weine grade schon wieder. In so schmerzhafte Erinnerungen zu wühlen ist manchmal echt anstrengend. Wie auch immer. Wir winkten den anderen zum Abschied und hinterließen einen ganzen Tränenfluss.

Oder sollte ich Zelle sagen?

Die Fahrt führte uns zuerst nach Heilbronn. Dort wurden wir in ein Gebäude gebracht. Überall standen Uniformierte. Eine Beamtin schloss eine Tür auf. Schlichte Stahlbänke, die rechts und links an den weißen Wänden befestigt waren, erwarteten uns da. Stahlbänke, auf denen schon ein paar andere Platz gefunden hatten. Im Laufe der Nacht wurden immer mehr Leute herein geführt.

Ich saß neben Mama, lehnte meinen Kopf auf ihre Schulter und ließ meinen Blick durch den Raum schweifen. Ein Baby weinte. Die Mutter hielt es an die Brust, wiegte dabei ihren Körper vor und zurück, während ihr Tränen über das Gesicht liefen. Ihr Ehemann kümmerte sich um die anderen beiden Kinder. Daneben saß ein junger Mann. 20 Jahre alt – Höchstens. Die Ellenbogen auf die Knien gestützt, hatte er das Gesicht in den Händen vergraben. Und dann war da noch ein glatzköpfiger Mann. Ich schätzte ihn auf Mitte dreißig. Er weinte nicht. Er brüllte. Und wie er brüllte! Er schien vor Wut zu kochen und hämmerte immer wieder gegen die Stahltür. Irgendwann gab er auf und fing an, im Raum auf und ab zu laufen. Oder sollte ich Zelle sagen?

Auf dem Bild sind meine Wangen gerötet, vor Scham und Demütigung.

Irgendwann öffnete sich die Tür. Einzeln wurden wir mitgenommen. Ich weiß noch, wie Mama mir hinterher rief, ich solle keine Angst haben. Eine Frau führte mich in ein Zimmer, wo eine andere bereits wartete. Dort wurden mir die Fingerabdrücke abgenommen. Dann sagte sie, ich solle mich ausziehen. Bitte was? ‚Ja, Ja, ausziehen sollte ich mich.‘ Zitternd legte ich meine Kleidung ab, bis ich nur noch in Unterwäsche da stand. ‚Die bitte auch weg‘, sagte die Frau. Welch eine Erniedrigung! Ich fing an zu weinen. Daraufhin winkte die andere Frau ab und sagte, ich solle mich wieder anziehen. Ein Foto wurde gemacht. Ich habe das noch immer irgendwo zwischen meinen Dokumenten. Auf dem Bild sind meine Wangen gerötet, vor Scham und Demütigung. Meine Augen sind rot unterlaufen und meine Haare stehen zu allen Seiten ab. Ich wurde wieder zu den anderen gebracht, die Tür fiel hinter mir krachend ins Schloss. Ich war damals noch zu jung um alles zu verstehen. Heute weiß ich, dass wir wie Schwerverbrecher behandelt worden sind.

Ich glaubte ihr nicht. Bis ich die Schürfwunden an ihren Knien sah.

Die Reise ging weiter. Ab nach Baden-Baden. Wir wurden zum Flughafen gebracht, gingen durch die Sicherheitskontrolle und setzten uns dann in den Abflugbereich. Wir waren viele, so viele! Manche liefen hektisch hin und her, andere saßen einfach nur still da. Mama sprach mit einer Frau, die ihr erzählte, wie man sie an den Haaren gepackt und aus der Wohnung geschleift hatte. Sie gestikulierte wild mit ihren Händen herum und ich dachte, sie würde Märchen erzählen. Ich glaubte ihr nicht. Bis ich die Schürfwunden an ihren Knien sah. Das getrocknete Blut, das ihr am Bein klebte, sprach Bände. Die Klage einer anderen Frau, hallte in der gesamten Halle wieder. ‚Wo sollen wir denn hin?‘, schrie sie. ‚Wir haben doch alles im Krieg verloren!‘

Mein Kopf schien platzen zu wollen. Wir bekamen ein Käsebrot und etwas zu trinken. Das Warten wurde unerträglich. Nach ein paar Stunden war es schließlich soweit. Mit zwei Bussen wurden wir bis zum Flugzeug gebracht. Ich war weder nervös noch ängstlich, obwohl ich noch nie zuvor geflogen war. Ich war einfach nur leer. Ich saß am Fenster und sah in die endlosen Wolken. Mir war das Ausmaß der Ereignisse dieses Tages noch gar nicht richtig bewusst. Ich freute mich sogar auf meine Cousinen und Cousins, die ich noch nie getroffen hatte. Ich freute mich auf meine Oma und auf meinen großen Bruder, der zwei Jahre vor uns abgeschoben worden war.

Mein erstes Getränk im Kosovo

Gute zwei Stunden später betrat ich zum ersten Mal in meinem Leben, kosovarischen Boden. Erschöpft, von einer langen schlaflosen Nacht und einem anstrengenden Tag, aber mit einem Lächeln im Gesicht, fielen wir wenig später meinem großen Bruder um den Hals. Während der Fahrt bis nach Hause – das neue Zuhause – starrte ich ununterbrochen aus dem Fenster.

Kaputte Straßen. Bettelnde Kinder am Straßenrand. Zerstörte, ausgebrannte Häuser. Mir wurde übel. Lange Autofahrten hatten mir schon immer zugesetzt, und jetzt wurde ich auch noch durch die Löcher in der Fahrbahn ständig hoch und runter katapultiert. Mein Bruder hielt an und kaufte uns an einem Kiosk etwas zu trinken. „Multi Sola“ – mein erstes Getränk im Kosovo.

Nach über zwei Stunden, kamen wir schließlich in Pej an. Wir fuhren ein Stück aus der Stadt hinaus, zu unserem Dorf. Felder, Wiesen, Gebüsche. Ungelogen, mein erster Gedanke war: ‚Wie im Dschungel.‘ Den Rest fasse ich mal kurz zusammen. Die ersten Tage waren schön. Wir wohnten vorerst alle zusammen. 17 Leute, das kann ganz schön anstrengend sein, vor allem dann, wenn man nur eine Toilette hat. Mein Papa kam eine Woche später, mit dem LKW und unserem Hab und Gut, nach. Der Sommer war ebenfalls schön. Viele Verwandte aus Deutschland kamen zu Besuch. Hochzeiten wurden gefeiert, ganz traditionell. Doch dann waren sie alle wieder weg und ich blieb zurück.

Aus dem einzigen Leben, das ich kannte.

Mein erster Schultag sollte auch mein letzter sein. Ich rannte mitten in der Pause einfach nach Hause und schrie heulend, dass ich dort nie wieder hingehen würde. Leicht übertrieben, ja. Aber versucht euch einfach mal in meine Lage zu versetzten. Ihr geht in ein Gebäude, das eine Schule sein soll. Ihr seht kaputte Stühle, kaputte Tische, kaputte Fenster, eine schief hängende Tafel. Keine Garderobe, keine Schränke, keine Pinnwand. Ihr fragt euren Sitznachbarn, wofür denn dieser komische Holzhofen da sei und er erzählt euch, dass damit im Winter geheizt wird.

Das war zu viel für mein vierzehnjähriges Herz. Mit vierzehn war man damals noch nicht so reif wie die heutige Generation. Ich war ein Kind. Ein Kind, verdammt! Ein Kind, das von heute auf Morgen aus seinem vertrauten Leben gerissen worden war. Aus dem einzigen Leben, das ich kannte. Der Alltag schlich sich ein. Ich war immer ein sportliches Mädchen gewesen, spielte Fußball und Volleyball und war ständig aktiv. Und hier? Hier hieß es: „Lass das. Mädchen spielen nicht Fußball, das ist peinlich.“ Ich verbrachte die meiste Zeit vor dem Fernseher, zog mir Telenovelas rein und wurde ein fauler Mensch.

Dass ich nur eine von vielen bin, tröstet mich nicht

Das ist doch kein Leben. Ich lebe nicht. Ich vegetiere vor mich hin. Seit Jahren. Auch heute noch. Ich befinde mich vor einem Scherbenhaufen. Versteht mich nicht falsch. Ich liebe dieses Land. Ich liebe meine Heimat, mein Vaterland. Ich liebe die frische Landluft, die netten Landsleute, unsere Traditionen, unsere Kultur, unseren Zusammenhalt. Ich liebe unsere Musik und unsere Sprache. Aber ich hasse die Stromausfälle. Ich hasse die Korruption und diese verdammte Perspektivlosigkeit, die die jüngere Generation ins Ausland zieht.

Mir wurde alles genommen. Mein Leben, meine Freunde, meine Zukunft. Vielleicht wäre aus mir keine Politikerin oder Ärztin geworden. Aber ich hätte meinen Realschulabschluss gemacht und hätte weiter gesehen. Ich hatte Träume und Ziele, die in weiter Ferne gerückt und letztendlich wie eine Seifenblase geplatzt sind. Das ist unfair. Das ist unmenschlich. Auch, dass ich nur eine von vielen bin, tröstet mich nicht. Im Gegenteil. Die Gewissheit, dass es da draußen Leute gibt, die ein ähnliches Schicksal teilen, macht mich wütend. So wütend! Ich will mein altes Leben zurück. Das Leben, das mir gestohlen wurde!

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Fotoquelle: PRO Asyl/privat

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Linke Faschisten für das Land?

Erstellt von IE am 26. November 2014

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Der folgende Artikel ist schon eine Woche alt. Genau gesagt ist er am letzten Mittwoch erschienen und auch in einen Kommentar von unserem Leser „Bremer“ verlinkt worden. Aber wie das so ist, Wahrheiten kann man an und für sich ruhig öfter lesen, denn Diese sind viel zu wichtig als dass wir sie aus unseren Köpfen verlieren dürfen, da sie auf das ganz große Dilemma der heutigen Politik aufmerksam machen.

Früher, war eine Regierung beliebig auszutauschen, denn die Unterschiede zwischen den Parteien waren für Jedermann/frau ziemlich eindeutig sichtbar! Heute, spielen wir die Rollen doch einmal durch: Merkel austauschbar durch ???????????? aus der Opposition, Frau – Mann ? Alteisen mit Schrott ? Beides rostet still vor sich hin.

CDU gegen Linke? Der Weg der CDU ist bekannt, schmeckt mir ganz und gar nicht, dagegen besteht  die große  Gefahr dass sich die Linke noch im Vorgarten von Oskar Lafontaine auf die Suche nach einen Ausgang verlaufen wird. Immerhin und wie auch immer haben wir doch eine relativ große Freiheit genossen, nach den Kriegen. Der Linken dagegen gelingt es nicht einmal in Frieden mit ihren Kritikern zu leben, obwohl – nähere Verwandte sind doch an und für sich nicht in Sichtweite – oder?

Kann sich irgendjemand vorstellen was das ein durcheinander auf den Geflügelhof dieser Republik geben würde wenn neben den Verwandten dann auch noch Fremde, vielleicht sogar Gegner der Linken dort auftauchen würden? Große schwergewichtige Puten welche den unscheinbaren Artverwandten Hühnern die Hummer wegfressen wollen? Die dann benötigten Waffen könnten gar nicht schnell genug nachgeliefert werden um dort ein Gemetzel zu veranstalten.

Der Kannibalismus hat doch heute in der Linken fast den Sozialismus und Kommunismus auf die Seite gedrängt. Reicht es doch vielen Mandatsträgern nicht aus, nur von Ihren Diäten aus Bundes oder Landtag  leben zu müssen. Nein sie fressen den Kleinen aus der eigenen Familie nicht nur die Bezüge aus den Parteiposten weg, sie wollen alles, sind unersättlich in ihrer Gier und brauchen fremdes Hirn um die Deutungshoheit nur für sich beanspruchen zu können.

Jetzt, innerhalb der eigenen Sippschaft fällt das Außenstehenden noch nicht so auf. Ein paar rote Fähnchen oder Fäuste mehr oder weniger -egal, es bleiben noch genügend Idioten für den totalen Sieg übrig. Bricht aber erst einmal die Mitte oder rechte Masse der Bevölkerung weg, ist die Demokratie im Arsch? Kein Gegner, keine Opposition – eine rote Diktatur. Die größte aller nur denkbaren Katastrophen welche der Menschheit passieren könnte. Der Endsieg der – DIE LINKE ?

Quatsch mit roter Soße

Nirgendwo tummeln sich so viele Irre wie bei der Linken

Über Geld, Geschlechtskrankheiten und die Partei, die man wählt, soll man bekanntlich nicht reden. Aber gut, probieren wir es trotzdem: Für diesen Artikel bekomme ich etwa siebzig Euro, Geschlechtskrankheiten habe ich nicht und mein staatsbürgerliches Kreuz mache ich, seit ich wählen darf, immer bei der Linken oder Linkspartei oder PDS oder wie sie sonst gerade heißt. Doch mit Letzterem ist jetzt Schluss.

Nicht, dass der Wahl-O-Mat der Bundeszentrale für politische Bildung mir die Partei nicht nach wie vor ans Herz legen würde, aber dabei wird ja auch sträflicherweise nicht erfragt, wie wichtig einem die geistige Gesundheit der Kandidaten ist. Von Gregor Gysi höchstselbst stammt das hübsche Bonmot, dass es in jeder Partei fünf bis zehn Prozent Irre gebe – doch wohl in keiner anderen Bundestagspartei haben es so viele politische Blindgänger, Hornochsen und Sektierer ins Parlament geschafft. Vor allem, wenn vom „linken Flügel“ die Rede ist, will man als Linker am liebsten gar nicht mehr links sein.

Dafür muss man nicht erst jenes unwürdige Schauspiel bemühen, bei dem zwei ausländische Journalisten unter Anwesenheit der Abgeordneten Groth, Höger, Hänsel und Haydt dem Fraktionsvorsitzenden Gysi auflauerten und ihn bis auf die Toilette verfolgten. Die Anzeichen, dass es sich bei der Linken um eine Partei gewordene Klapsmühle handelt, mehren sich seit Jahren – wobei einigen Mandatsträgern offenbar schon das Wort „Frieden“ genügt, damit der Restverstand willig die Waffen streckt.

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Ebola: Das Scheitern der Weltgemeinschaft

Erstellt von DL-Redaktion am 25. November 2014

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von Tine Hanrieder

Mit bereits mehr als 4000 Todesfällen, einer unbekannten Dunkelziffer und einer nahezu ungehinderten Weiterverbreitung in Westafrika übertrifft die derzeitige Ebola-Epidemie alle bisherigen Ausbrüche des seit 1976 bekannten Virus. Das Center for Disease Control (CDC) in Atlanta schätzt, dass bis kommenden Januar im „optimistischen“ Fall 11 000 bis 27 000, schlimmstenfalls gar 537 000 bis 1,7 Millionen Menschen dem Virus zum Opfer fallen werden. Die zahlreichen „Sekundärtoten“, die aufgrund der zusammenbrechenden Gesundheitssysteme an Krankheiten wie Malaria oder Durchfallinfektionen sterben, sind dabei noch nicht mitgezählt.

Diese Prognosen lassen keinen Zweifel: Ebola ist eine Katastrophe, die sich immer weiter zuspitzt. Die Epidemie hat das gesamte Gesundheitssystem in den betroffenen Ländern aus den Angeln gehoben. Meist mangelt es schon an Handschuhen und Schutzkleidung, selbst sauberes Wasser ist knapp. In den Städten herrschen Angst und Chaos, an vielen Orten kommt die Wirtschaft weitgehend zum Erliegen. Trotz dieser alarmierenden Zustände finden Rufe nach mehr medizinischer, humanitärer und ja, auch militärischer Unterstützung noch immer kaum Gehör.
Fehlende Expertise bei der WHO

Dass die Weltgemeinschaft bei der Ebola-Krise versagt hat, ist nicht von der Hand zu weisen. Im Zentrum der Kritik stehen die zögerliche Reaktion der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das schleppende Anlaufen der internationalen Hilfe.

Während die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen schon im Frühjahr warnte, die Seuche sei außer Kontrolle, rief die WHO erst Anfang August den internationalen Gesundheitsnotstand aus – zu spät, um die Ausbreitung des Virus noch unter Kontrolle zu bringen. Dabei erhielt die WHO den ersten Bericht über Fälle von Ebola in Guinea bereits Ende März.

Quelle: Blätter >>>>> weiterlesen

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Fotoquelle: Wikipedia – Urheber CDC/ Dr. Lyle Conrad

Als ein Werk der US-amerikanischen Bundesregierung ist dieses Werk in den Vereinigten Staaten gemeinfrei.

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Einer gegen Ebola

Erstellt von DL-Redaktion am 16. November 2014

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VIRUS Alle Welt sucht einen Impfstoff gegen Ebola. Den aussichtsreichsten Kandidaten fand ein deutscher Forscher – zufällig, aus einer Langeweile heraus

VON HEIKE HAARHOFF

Der Mann, von dessen Entdeckung das Leben von Millionen Menschen in Westafrika abhängen könnte, sitzt in Hamilton, einem 4.300-Einwohner-Ort in den Rocky Mountains. Dort, im Bundesstaat Montana, betreibt die Gesundheitsbehörde der USA ihr Nationales Institut für Allergien und Infektionskrankheiten, eine Seuchenbehörde wie das deutsche Robert-Koch-Institut. Heinz Feldmann ist hier der Chefvirologe. Es wird Nachmittag bei ihm, als er ans Telefon geht. Er sagt: „Natürlich gab es Warnungen vor Ebola. Von uns. Und von anderen.“

Er rollt das R ein wenig, manche Fachbegriffe fallen ihm auf Deutsch gar nicht mehr ein. Vor bald zwei Jahrzehnten hat Feldmann, 55 Jahre, seine Heimat, den Forschungsstandort Deutschland, verlassen, weil es dort keine Festanstellung gab für einen wie ihn. Einen Wissenschaftsnerd, Vordiplom in Biologie, zweites medizinisches Staatsexamen. Schon damals, seit einem Studienaufenthalt am Center for Disease Control in Atlanta, USA, beschäftigte ihn die Frage, wie hochinfektiöse Viren funktionieren. Lassa, Ebola, Marburg. Viren, mit denen kaum ein Mensch etwas zu tun haben will. Weil sie Krankheiten auslösen, die einen das Gruseln lehren. Weil sie den Tod bringen, und weil sie bislang wenig aufzuhalten vermag: keine Therapie, kein Medikament, kein Impfstoff.

Quelle: TAZ >>>>> weiterlesen

Grafikquelle: Wikipedia : Urheber CDC  – Dieses Werk ist in den Vereinigten Staaten gemeinfrei

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Bahnanlagen sabotiert!

Erstellt von IE am 10. November 2014

An Ihren Taten sollte man sich messen lassen und weniger an den Namen Ihrer Parteien oder Institutionen. Was wir hier lesen ist ein Bekenntnisschreiben zur Ausübung von Gewalt. Ich betonen ausdrücklich – „Linker Gewalt“. Vielleicht ein Anlass ab heute nicht mehr zwischen „Links“ und „Rechts“ zu unterscheiden sondern einfach das Wort Gewalt zu nutzen?

Hier in diesen Fall haben wir es mit einer vorsätzlichen Zerstörung von Allgemeingut zu tun und wir von DL lehnen  diese Art des Meinungsaustausch grundsätzlich ab. Egal von wem auch immer sie ausgehen mag. Aussagen von Politikern egal welcher Couleur sind uns bislang nicht bekannt.

Bahnanlagen sabotiert!

Verfasst von: Autonome Gruppen. Verfasst am: 08.11.2014 – 10:05. Geschehen am: Samstag, 08. November 2014. Kommentare: 53

In der Nacht auf dem 8. November haben wir an mehreren Orten das Streckennetz der deutschen Bahn sabotiert, mit dem Ziel dieses zu stören und dem Konzern wirtschaftlichen Schaden zuzufügen. Unbeteiligte wurden durch unsere Aktion nicht gefährdet.

Das Verhältnis militanter Umweltaktist_innen zu DB ist unseres Erachtens der Öffentlichkeit bekannt und in der Vergangenheit hinlänglich durch Genoss_innen begründet worden. Gleiches gilt wohl für den sogenannten „Atomausstieg“. Daher sparen wir uns heute den investigativen Teil und kommen gleich zum Punkt:

Wir gedenken mit dieser Aktion dem französischen anti-Atom Aktivisten Sebastién Briat, der vor 10 Jahren am 7. November 2004 beim Versuch einen Castortransport von la Hague nach Gorleben mit einer Ankettaktion zu blockieren von einer Lok erfasst wurde und starb.

Sebasiéns Entscheidung Widerstand zu leisten war richtig, mutig und konsequent; sein Tod hingegen vollkommen sinnlos. Eine die Bewegung die das Leben liebt und bereit ist dafür zu kämpfen, braucht keine Held_innen und Märthyrer_innen. Sebastién starb nicht für seine Überzeugung, er wurde gewaltsam aus dem Leben gerissen. Ein vermeidbarer „Unfall“, verschuldet von den politisch und wirtschaftlich verantwortlichen und Ihrer bezahlten Söldnerbanden. Genau so billigend in Kauf genommen, wir der potentielle Tod von Millionen den täglich der „Normalbetrieb“ des atomaren Wahnsinns bedeutet.

Der Kampf gegen die Zerstörung unserer Lebensgrundlagen wird weitergehen. Egal ob gegen Herrschafts- und Vernichtungstechnologie, den kapitalistischen Raubbau an unseren Planeten, oder sinnlose Bauprojekte wie dem internationalen Großflughafen bei Nantes (ZAD), oder den Staudammbau in Südfrankreich, wo vorletzte Woche bei Auseinandersetzungen am Bauzaun der Aktivist Rémi  Fraisse von einer Polizeigranate getötet wurde. So sind wir mit dem Herzen auch bei denen, deren Trauer und Wut über den gewaltsamen Tod Rémis dieser Tage auf den Straßen Frankreichs explodiert!

Für die Freiheit und das Leben!

Unser Widerstand kennt keine Grenzen!

Notre Résistance ne connait pas de frontière!

Quelle: linksunten.indymedia.org

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Fotoquelle: Wikpedia

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Unschätzbare ISIS

Erstellt von Rationalgalerie am 24. Oktober 2014

Obama hatte sie bisher unterschätzt

Autor: Wolfgang Blaschka

Rationalgalerie

Datum: 23. Oktober 2014

US-Präsident Barack Obama hat ein Problem: Sein Nahostkriegs-Puzzle gerät parziell aus den Fugen. Die Fronten purzeln durcheinander, die Allianzen bröckeln. Der NATO-Partner Türkei treibt seine eigene schmutzige Politik gegen die Kurden, um sich de facto auf Seiten des Islamischen Gottesstaats zu positionieren, der nach kemalistisch säkularem Staatsverständnis eigentlich nicht mehr sein soll. Ist das noch zu glauben: Rückt der „südöstliche Eckpfeiler“ von den „westlichen Werten“ ab, um abtrünnig auf eigene Rechnung seine längst überwunden geglaubten osmanischen Ambitionen mit Annexionen von Teilen Syriens zu verfolgen? Ist diese Art verdeckter „Ost-Erweiterung“ noch hilfreich für die NATO? Soll die ISIS etwa integriert oder bekämpft werden? Irgendwann stößt das komplexe Verbündungsgewirr des Imperiums an Grenzen. Nun wird umdisponiert.

Mit einem lapidaren Satz wird die bisherige Päppelungspolitik gegenüber den Anti-Assad-Kräften über den Haufen geworfen: „Wir haben die ISIS unterschätzt“. Soso! Damit ist der Offenbarungseid der US-Außenpolitik eines Jahrzehnts auch schon abgetan. Nicht der Rede wert, es kann ja mal passieren, dass man sich verrechnet hat. Ein Kalifat passt also doch nicht so recht in die erlauchte Runde der „westlichen Staatengemeinschaft“. Aha! Jetzt muss die aus dem Ruder gelaufene Terror-Truppe aber mit Stumpf und Stiel ausgerupft werden. So ist es Usus mit ISIS, so war es die Gepflogenheit mit den Taliban. Terror und Gegenterror geben sich im fliegenden Wechsel die Klinke in die Hand. Wer oder was gestern noch als „nützlich“ erschien im außenpolitischen Kalkül, wird heute als gefährlich erkannt. Als wäre das nicht von vornherein absehbar gewesen.

Im selben Atemzug wird eine weltweite Allianz „gegen den Terror“ (gegen wen denn sonst?!) beschworen, ausgerechnet mit den Staaten zusammen, aus denen die ISIS bisher finanziert wurde. Katar und Saudi-Arabien bombardieren nun plötzlich die Ziehsöhne ihrer reichen Scheichs, Seite an Seite mit der US-Air Force. Der Emir von Katar gibt sich religiös desinteressiert, dafür handelsmäßig aufgeschlossen. Eine formelle Vereinbarung mit dem bösen Iran gibt es zwar nicht, doch sähe man es nicht ungern, wenn der nun auch auf Seiten der schiitischen Irak-Regierung mithelfen würde, die Kalifat-Kämpfer zurückzuschlagen.

Hin und wieder geht eine Ladung daneben, was soll’s: Einmal treffen die US-Kampfpiloten versehentlich kurdische Kämpfer statt IS-Stellungen, ein andermal gelangt irrtümlich eine Ladung Granaten beim Fallschirmabwurf an die falsche Adresse. Aber doch nur eine von 28 Kisten! Echt ein Versehen. Ob die IS diese für die Kurden bestimmten Waffen tatsächlich in Besitz genommen haben, weiß Pentagon-Sprecher John Kirby nicht. „Die kurze Antwort lautet: Wir wissen es nicht“. Die IS weiß es besser und präsentiert stolz eine geöffnete Kiste mit Mörsergranaten aus der gar nicht mehr erwarteten hilfreichen Fallschirmladung.

Noch am Montag hatte das Zentralkommando in Florida mitgeteilt, dass eine herrenlose Kiste auf freiem Feld gesichtet und aus der Luft beschossen worden sei, um zu verhindern, dass sie in „falsche Hände“ geriete. Anscheinend wurde halt doch daneben getroffen. Oder es stand noch die alte Adresse drauf. Immerhin, die Neuauflage der „Lufbrücke“ hat ihre propagandistische Erfolgsquote erzielt. Nun weiß alle Welt, dass die USA doch nur selbstlos helfen wollen, wie und wohin gezielt auch immer. Damit scheint das imperiale Weltbild wieder im Lot: Der „Anti“-Terrorkrieg darf weiter gehen bis zur totalen Erschöpfung. Der Krieg ernährt den Krieg, Fehlschüsse und Fehlschlüsse inklusive. Kurden, Jesiden und Christen werden als Spielbälle geopfert.

Es geht doch nichts über eine handfeste Terrorgefahr, vor der die Welt erzittert, und welche die eigenen Waffenarsenale als gerechtfertigt, als noch längst nicht ausreichend erscheinen lässt. Der IS-Terror hat sich aus der Zerschlagung des Irak im syrischen Bürgerkrieg entwickelt und ist nicht zuletzt Ausdruck der Unzufriedenheit mit den Ergebnissen des Regime Change, den die US-geführte „Koalition der Willigen“ 2003 gewaltsam herbeigeführt hat. Die ehemals tonangebende Minderheit der Sunniten will sich zu großen Teilen nicht damit abfinden, unter einer schiitisch dominierten Regierung von US-Gnaden zu leben. Selbst entlassene Staatsbeamte und säkular gesinnte Saddam-Offiziere stellen sich in den Sold des IS. Es ist also mehr eine soziale Frage denn eine religiöse, wer sich wann warum wem anschließt. Ausgelöst wurde die große Umsortierung der Präferenzen und Loyalitäten durch den Irakkrieg der USA, der als „Rache für Nine-Eleven“ ausgegeben wurde, womit allerdings weder Irak noch Afghanistan ursächlich zu tun hatten.

Weit mehr dagegen die reaktionären Regimes auf der arabischen Halbinsel, engste Verbündete der USA, waffentechnisch versorgt auch aus Deutschland. Die unschätzbare Allianz mit den wahabitischen Herrschern war in den Augen des Westens gar nicht zu überschätzen. Sie galt als „Stabilitätsfaktor“. War und ist doch Saudi-Arabien mit Abstand der weltweit größte Erdöllieferant, gefolgt damals noch vom Irak. Ob dort Frauen Auto fahren dürfen, interessierte da nicht einmal zweitrangig.

Der Krieg gegen Irak schien der Bush-II-Administration unabdingbar, ihn von der Idee abzubringen, seinen Erdölhandel vom US-Dollar abzukoppeln. Pläne dazu gab es u.a. mit Venezuela. Darum musste der Irak ausgeschaltet werden in den Augen der USA. Außerdem bot er ein bequemes Sprungbrett gegen Iran. Das Ergebnis war vorhersehbar: Statt dem Irak wurde nun der Iran zur vorherrschenden Regionalmacht, seit 1980 Erb- und Erzfeind aller US-Administrationen. Damals hatten sie Iraks Saddam Hussein noch zu einen achtjährigen Krieg gegen Iran ermuntert und ausgestattet. Da galt er noch als „guter“ Diktator. Ihre Lüge von dessen Massenvernichtungswaffen konnte bei soviel Militärgerät einigermaßen glaubhaft erscheinen, hofften sie. Bewahrheitet hat sich jedoch nur der absehbare Zerfall des Irak. Auch gut. Hauptsache Chaos, das Eintritts-Billett für jegliche Intervention. Zu etwas muss der gigantische Militärapparat ja herhalten, wenn er schon nicht weiß, was genau er anrichtet. Die politische Führung sollte es wissen, und hat es wohl gewusst und bewusst einkalkuliert, dass der Irak zerbricht.

Das nächste Feld auf dem „Schachbrett“ des Nahen und Mittleren Ostens war Libyen, damals das reichste Land Afrikas und umso „gefährlicher“ für den Hegemonial-Anspruch der westlichen Weltherrschafts-Strategen, als Gaddafi deutlich mehr Unabhängigkeit des Schwarzen Kontinents von IWF und Weltbank anstrebte. Er gründete sogar eine eigene afrikanische Entwicklungsbank. Mit Muhamar Gaddfi war das Geschäft besonders unkalkulierbar; zwischendurch „musste“ man Tripolis bombardieren, doch schätzte man seine Dienste in Sachen Flüchtlingsabwehr vor Europa. Viele Schwarzafrikaner blieben als „Gastarbeiter“ in dem aufstrebenden Land hängen. Doch blieb die Eigenwilligkeit Gaddafis nicht zu unterschätzen. Man wägte und wog, befand ihn für fällig und ließ ihn fallen. Seitdem die Cyrenaiker aus Bengasi über Tripolis das Sagen haben, versinkt Libyen im Chaos. Der ehemals prosperierende Erdölexport-Staat wurde zu einem einzigen Waffenbasar und zum offenen Rekrutierungsfeld für Bürgerkriegs-Söldner, sei es für Nord-Mali, sei es nach Syrien.

Das war die nächste Station: Die Regierung Assad stürzen, nicht zuletzt um den russischen Mittelmeehafen zu schließen. Denn letztlich geht es auch um die Einkreisungspolitik gegenüber Moskau. Die wird derzeit in der Ukraine vorangetrieben und ausgefochten. Dazu scheint jedes Mittel Recht, und sei es die Sharia. Die „Rebellen“ im syrischen Bürgerkrieg bekamen alle erdenkliche Unterstützung von der CIA und aus den Golf-Staaten, um Syriens laizistische Minderheitenpolitik zu zerschlagen. Von Waffen-Lieferungen bis hin zum Bombardierungs-Angebot von außen. Das konnte durch Putins Initiative gerade noch verhindert werden mit dem Chemiewaffen-Vernichtungs-Programm. Nun ist es soweit zu völkerrechtswidrigen Luftschlägen, die damals nicht möglich waren, aber heute als Hilfe für die bedrängten Kurden in Kobane verkauft werden können. Immerhin wird bombardiert, ohne Damaskus gefragt zu haben. Egal, da gibt man sich mobil und flexibel. Wer gestern noch die ISIS finanzierte, muss heute den IS bombardieren. Das gehört zur imperialistischen Selbstherrlichkeit: „Der Herr hat’s gegeben, der Herr hat’s genommen“. Fast wie im Mittelalter. Passt doch zur Gegend, denken sich die Damen und Herren im Pentagon.

Merke: Es kann von heute auf morgen alles ganz anders aussehen als gedacht. Nichts bleibt wie es ist. Darin liegt auch eine Hoffnung, dass selbst verlässlichste Transatlantiker ins Grübeln kommen könnten, ob sie ihre bedingungslose Bündnistreue zu den USA nicht auf den Prüfstand stellen sollten, nachdem sie die unterstellte Weitsicht der US-Politik grob überschätzt haben. Auch Ebola wurde sträflich unterschätzt. Ebenso wie die Geduld und die Leidensbereitschaft der Menschen weltweit überschätzt wird. Die Herrschaften sollten den sich anstauenden Zorn über die postkoloniale Arroganz des Westens nicht geringschätzen. Denn er mündet irgendwann zwangsweise in die Überlegung: Brauchen wir das? Die ganze Kriegspolitik des Westens ein einziger großer Irrtum? Oder finstere Absicht!? In beiden Fällen eine fatal falsche Rechnung. Sie bleibt noch eine Weile offen, doch irgendwann ist Zahltag. Wir werden alle dafür haften müssen, sofern wir sie weiterhin sorglos auflaufen lassen, diese Rechnung. Sie wird mit jedem Massaker höher und teurer. Die Nahostpolitik der NATO steckt fest in der Sackgasse.

Vielleicht sollte die Bundeswehr noch schnell ihre Patriot-Raketen abziehen aus der wankenden Türkei, bevor diese aus der NATO ausgeschlossen wird und Hilfskalif Erdogan sie eventuell der ISIS anheimfallen ließe als Morgengabe. Schlimmstenfalls könnten sie nur im Weg stehen, falls Ankara demnächst zur westlichen Ordnung bombardiert werden müsste. Wie gesagt, die Grenzen der „Wertegemeinschaft“ verschwimmen derzeit etwas. Die Werte werden bereits in unterschiedlichen Währungen gehalten und gehandelt. Die doppelbödige Falschmünzerei der türkischen Regierung könnte zum internen Sprengstoff werden für die Nordatlantische Terrororganisation. Die stand schon kurz vorm „Bündnisfall“ wegen eines von Ankara geplanten fingierten „Überfalls“ auf ihr Territorium durch Assad-Truppen aus Syrien. Dann hätte sich die NATO gegen Damaskus wenden müssen, und der IS wäre der lachende Dritte gewesen. Die Mordallianz im informellen Bunde mit den Händeabhackern, das hätte dann aber doch niemand wirklich gewollt. Der perfide Plan wurde gerade noch rechtzeitig fallengelassen. So knapp stand es schon. Für die Jesiden stand es kurz vorm Völkermord, erkannte die UNO.

Aber was ist die Alternative? Muss man denn nicht …? Nein. Muss „man“ nicht! Die anmaßende „Einmischung“ war es doch gerade, die das jetzige erschreckende Ergebnis hervorbrachte. Statt einfach weiter aufzumischen, könnte man ja zumindest mal dafür sorgen, dass der IS keinerlei Unterstützung mehr erfährt, weder aus Arabien noch aus NATO-Staaten. Und dass die Kurden in ihrem Befreiungskampf nicht länger kriminalisiert werden! Solange „die Misere“ weiterhin wirres Zeug labert, nämlich dass die PKK dasselbe sei wie der IS, ist natürlich kaum zu denken, dass deutsche Außenpolitik zu etwas anderem taugte als zu maßloser Selbstüberschätzung bei gezielter Orientierungslosigkeit. Da müsste sie sich halt mal endlich zurückhalten und besser „nichts“ tun anstatt immer und immer noch einmal das Falsche. Aber anscheinend passt die Panik vor dem Islamischen Staat so gut in die NATO-Strategie, dass man ihn gar nicht überschätzen konnte. Da hat man ihn doch lieber „unterschätzt“.

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Fotoquelle: Wikipedia – Urheber Bernd Schwabe in Hannover

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Wie geht es uns,

Erstellt von DL-Redaktion am 20. Oktober 2014

Herr Küppersbusch?

Waffen für die Fußgängerzone, Gemeinschaftskunde fällt Montag aus und in Essen isst man „Hindenburger“

taz: Herr Küppersbusch, was war schlecht in der vergangenen Woche?

Friedrich Küppersbusch: Der Jugendkanal von ARD und ZDF muss zur Strafe ohne Fernsehen ins Bett.

Und was wird besser in dieser?

Über das trojanische Pferd Jugendkanal dürfen ARD und ZDF endlich ein genuines Internetangebot produzieren.

Sowohl Grüne also auch Linke fordern „Waffen für Kobani“. Verkehrte Welt?

Noch ein Paradox. Die Bundeswehr besteht zu über 90 % aus Männern, die kämpfenden Truppenteile Heer, Marine und Luftwaffe zu über 95 %. Schon spooky, wie nun Frau Göring-Eckardt, Frau von der Leyen und Frau Merkel diskutieren, in welche Gemetzel sie die Jungs schicken wollen. Vielleicht spricht das für eine baldige und hälftige Frauenquote beim Bund: Man könnte hoffen, dass weder die Soldatinnen noch die Gesellschaft um sie herum so leichtfertig mit Leben umgingen.

Quelle: TAZ >>>>> weiterlesen

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Fotoquelle: Wikipedia – Urheber Auréola

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Wir sind demokratischer als gedacht

Erstellt von DL-Redaktion am 19. Oktober 2014

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Die Neuen Sozialen Bewegungen haben ein neues,

paradoxes Subjekt hervorgebracht

von Isolde Charim

Die Grünen haben sich kürzlich bei ihrem Freiheitskongress in Berlin der Frage gestellt, ob sie zu einer Verbotspartei geworden sind, und konnten zu keiner Einigung kommen. Der deutsche Politologe Ingolfur Blühdorn, der in Großbritannien lehrt, hätte da weiterhelfen können. Mit seiner These nämlich, die Neuen Sozialen Bewegungen – worunter er im Wesentlichen die Umweltbewegung der 1970er Jahre versteht, die ja in den Grünen mündete – hätten das brüchige Ideal der Demokratie, das autonome, vernünftige und ethische Subjekt revitalisiert und breitenwirksam durchgesetzt.

Es ist eine originelle und plausible These, dass die Grünen eine Art zweite (stille) bürgerliche Revolution vollzogen hätten – und damit auch erfolgreich waren. Ihr Nimbus als Verbotspartei würde dann genau daher rühren – aus ihrer Verpflichtung auf eine Verantwortungsethik. Und wenn dieser Nimbus heute veraltet wirkt und sich gegen sie richtet, dann ist das die paradoxe Folge ihres Erfolgs: Denn erst dieser brachte das neue postbürgerliche, das postgrüne oder, wie Blühdorn es nennt, das postdemokratische Subjekt hervor.

Quelle: TAZ >>>>> weiterlesen

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Was bedeutet Pazifismus?

Erstellt von DL-Redaktion am 17. Oktober 2014

KOBANI Friedenspolitik war immer höchst umkämpft. Doch bis heute gibt es keine Alternative zur notfalls bewaffneten Friedenssicherung durch die UN.

Von Albrecht von Lucke

Endlich wird diese Debatte geführt. Denn hinter der hitzigen Auseinandersetzung in Parteien, Kirche und Gesellschaft um die richtige Reaktion auf das Morden des Islamischen Staates steht die Frage: Was ist heute Friedenspolitik? Und: Was bedeutet Pazifismus?

Besonders scharf und exemplarisch ist der Streit in der Linkspartei. Die sogenannten Reformer um Stefan Liebich und Dietmar Bartsch plädieren für ein Mandat der Vereinten Nationen, um die Eroberung Kobanis doch noch zu stoppen. Dem hält die Fraktion um Lafontaine und Wagenknecht entgegen: Wer einen UN-Militäreinsatz befürwortet, ginge den Lügen der US-Propaganda auf den Leim und versuche, die friedenspolitischen Positionen der Linken zu schleifen. Frieden muss gestiftet werden.

Wie im 30-jährigen Krieg

Beide Seiten reklamieren für sich, die Partei des Friedens zu vertreten – und stehen damit in „guter“ Tradition: Denn von Beginn an war die Idee des Pazifismus hochgradig umkämpft.

Quelle: TAZ >>>>> weiterlesen

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Fotoquelle: Wikipedia – Author Buroll

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Der Wert weißen Lebens

Erstellt von DL-Redaktion am 16. Oktober 2014

SCHLAGLOCH VON CHARLOTTE WIEDEMANN

Über zwei Sorten Tote, Exekutionen und Empathie

Es gibt kein unwertes Leben; das sagt sich leicht. Doch wird der Wert eines Lebens ganz unterschiedlich bemessen. Offensichtlich wird dies spätestens, wenn es um den Wert eines Toten geht.

Im alten Siam (heute Thailand) war dieser Wert präzise bezifferbar. Die Richter beurteilten Mord ebenso wie Körperverletzung nach einer Tabelle von Würdepunkten: Das Leben eines Rikschafahrers war weniger wert als der kleine Finger eines Prinzen. In einigen islamischen Ländern können die Angehörigen eines Mordopfers von der Täterseite als Entschädigung ein sogenanntes Blutgeld verlangen; eine tote Frau ist dann weniger wert als ein toter Mann.

Ein Toter in Köln, 1.000 in Afrika

All dies erscheint uns natürlich monströs. Bei uns bestimmen die Nachrichten den Wert der Toten. Jeder Neuling im Mediengewerbe hört irgendwann diese Regel: Ein Toter in Köln ist wie zehn Tote in England oder hundert Tote in Brasilien oder 1.000 Tote in Afrika. Die Regel hat Varianten: bei Indern möglicherweise eine Null mehr als bei Brasilianern, und was Afrika betrifft, können ohnehin nur Höchstzahlen die Mauer aus Gleichgültigkeit leise erschüttern.

Quelle: TAZ >>>>> weiterlesen

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Fotoquelle: Wikipedia – Singapore city street walkers

Urheber Timo Sippala.
Genehmigung
(Weiternutzung dieser Datei)
CC-BY-SA-2.5.

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Ebola – lasst Euch nicht verrückt machen !

Erstellt von IE am 15. Oktober 2014

Fiebermessung vor Ort

„Ein gewisses Restrisiko gehört dazu“

ANSTECKUNG Vereinzelte Ebolafälle kann es auch in Deutschland geben – aber keine Epidemie, sagt Tropenmediziner August Stich

INTERVIEW HEIKE HAARHOFF

taz: Herr Stich, in den USA – mit einem der besten Gesundheitssysteme der Welt – hat sich ein Pfleger in der Klinik mit Ebola infiziert. In Spanien ist eine Pflegerin erkrankt, auch in Deutschland werden Ebolapatienten aus Westafrika therapiert, einer ist gerade in Leipzig gestorben. Der Bundesgesundheitsminister hält eine Ebolainfektion hierzulande weiterhin für unwahrscheinlich.
Eine naive Hoffnung zur Beruhigung der Bevölkerung?

August Stich: Es gibt nie eine 100-prozentige Sicherheit, aber mit guter Ausrüstung und entsprechendem Training des Personals ist die Restgefahr äußerst gering. Und selbst wenn es einzelne Sekundärinfektionen gäbe, werden wir einen Ausbruch mit der Dynamik, wie wir sie zurzeit in Westafrika erleben, bei uns nicht haben.

Was macht Sie so sicher?

Wir haben sieben hoch spezialisierte Behandlungszentren in Deutschland mit sehr gut ausgebildeten Ärzten und Pflegern und Laborpersonal. Sie verfügen über eine maximale Schutzausrüstung und trainieren regelmäßig die Abläufe auf den Sonderisolierstationen

Quelle: TAZ >>>>> weiterlesen

Westafrika:

Über 100 Tote am Tag, es droht der soziale Kollaps

FOLGEN Angesichts der Ausbreitung von Ebola in Liberia, Sierra Leone und Guinea gerät die komplette Wirtschaft aus den Fugen. Und die Sterberate steigt

Die Ebolaepidemie schreitet unaufhaltsam voran: 4.447 Tote in Liberia, Sierra Leone und Guinea zählte die Weltgesundheitsorganisation WHO am Dienstagnachmittag – über 400 mehr als in ihrer letzten Erhebung vom vergangenen Freitag. Die UN-Ebola-Mission Unmeer meldete am Dienstag 4.151 Ebolatote in den drei westafrikanischen Ländern; diese Zahlen beziehen sich auf den 9. Oktober.

Klar ist: Es gibt mittlerweile über 100 Ebolatote am Tag. Und die internationale Nothilfe? „Zu langsam, zu wenig, zu spät“, fasste Donald Kaberuka, Präsident der Afrikanischen Entwicklungsbank (AfDB) auf einem UN-Krisengipfel vergangene Woche zusammen.

Quelle: TAZ >>>>> weiterlesen

Wer schwarz ist, hat Ebola

STIGMA Mit der Zahl der Ebola-Opfer wächst die Hysterie – und der Rassismus, der nun angesichts der befürchteten Epidemie offen zutage tritt

VON MALTE GÖBEL

„Ebola, Ebola!“, riefen Zuschauer beim der Spielvereinigung Erkenschwick, als ein Spieler des gegnerischen TuS Ennepetal neu aufs Feld kam. Die Hautfarbe von Charles Atsina: schwarz. So berichtet es die Westdeutsche Allgemeine Zeitung in ihrer Ausgabe vom 30. September. Rassistische Ausfälle gibt es im Amateurfußball immer wieder, wenn ein Spieler nicht weißer Hautfarbe ist – bislang meist in Form von Affenlauten oder Bananenschwenken. Die Verkürzung auf „Ebola“ ist neu. Und macht leider die Runde.

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Fotoquelle: Wikipedia – Urheber CDC Global

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Wie geht es uns,

Erstellt von DL-Redaktion am 13. Oktober 2014

Herr Küppersbusch?

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Kim Jong Un taugt vor allem zum Dynastiemaskottchen, die grüne Partei noch lange nicht als neue Freiheits-FDP

taz: Herr Küppersbusch, was war schlecht in der vergangenen Woche?

Friedrich Küppersbusch: Putin lässt 13.000 Soldaten aus dem Grenzgebiet der Ukraine abziehen.

Und was wird besser in dieser?

Jetzt dauert das wieder Tage, bis das hiesige Politfeuilleton raushat, warum das besonders mies und aggressiv ist.

Bundeskanzlerin Merkel könne nicht mit Messer und Gabel essen, soll Helmut Kohl gesagt haben. Autor Heribert Schwan zitierte diese und weitere Aussagen des Exkanzlers, obwohl Kohl sie nicht autorisiert hat. Recht so?

Gorbatschow sei „Experte für Public Relations“, wie auch Goebbels einer gewesen sei; Rita Süssmuth ein „Auslaufmodell“ – zu vitaleren Zeiten hatte Kohl ein paar Hitsingles noch selbst ausgekoppelt. So verwundern Ton und Gestus des Restes nun nicht: Hier spricht ein Mensch, der die Welt in Untergebene und Feinde teilt. Bismarck gewinnt in seinen hinterlassenen Briefen, Wilhelm II. steuerte mit seinen Memoiren Belege erschütternder Schäbigkeit bei. Und Kohl kann einem herzlich wumpe sein; er stand halt in der Gegend rum, als der Ball zur Wiedervereinigung vor seinen Fuß plumpste. Viele fleißige WDR-Mitarbeiter beeindruckt, dass ein Vorgesetzter 600 Stunden in Oggersheim auf dem Sofa verbrachte und dafür nun privat noch mal die Hand aufhalten darf. Mein lieber Schwan.

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Fotoquelle: Wikipedia – Urheber Auréola

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Verquere Brigaden

Erstellt von DL-Redaktion am 12. Oktober 2014

von Marco d’Eramo

TERROR Die IS-Freiwilligen aus dem Westen nehmen eine alte Tradition auf – vom griechischen Freiheitskampf bis zum Spanischen Bürgerkrieg

Stellt sich im Westen wirklich niemand ernsthaft die Frage, warum so viele junge Menschen aus Europa, Kanada, Australien, ja sogar aus China sich auf den Weg nach Syrien und in den Irak machen, um in den Reihen des sogenannten Islamischen Staats (IS) und anderer islamistischer Milizen zu kämpfen?

Zuletzt hat die New York Times eine beeindruckende Grafik über die Herkunft der westlichen Freiwilligen erstellt. Die Zahlen sind dabei nur bedingt aussagekräftig und teils widersprüchlich: Jedenfalls wird die Präsenz ausländischer Milizionäre in Syrien und Irak auf 17.000 geschätzt (die Unsicherheit entsteht, weil mal nur der Irak oder nur Syrien, mal ausschließlich IS oder alle Organisationen, die dort kämpfen, gelistet werden).

Die größten Kontingente kommen natürlich aus Tschetschenien und dem Nordkaukasus (ca. 9.000), aus der Türkei (1.000) und aus dem Kosovo (400) – also aus Ländern, in denen der Islam dominiert; aber 1.900 kommen eben auch aus Westeuropa (davon 700 allein aus Frankreich, 340 aus Großbritannien, 60 aus Irland), um die 100 aus den USA und zwischen 50 und 100 aus dem fernen Australien.

Résistance als Terroristen

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Zwischen Solidarität und Schickeria

Erstellt von IE am 11. Oktober 2014

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Das große Ereignis des gestrigen Tages war zweifellos die Verleihung des Friedensnobelpreises an die erst 17 jährige pakistanische Menschenrechtlerin Malala Yousafzai. Zusammen mit ihr wurde der indische Kinderrechtsaktivist Kailash Satyarthi ausgezeichnet. Endlich also wieder einmal  würdige Preisträger wobei dieser Preis mit Sicherheit aufgewertet werden könnte, würde man die Verleihungen an Obama und die EU rückgängig machen, da Beide sich wohl eher durch das führen von Kriegen auszeichnen.

Politiker sollten grundsätzlich bei der Verleihung solcher Art Preise absolute Ausnahmen bleiben, da gerade Sie nichts anderes als Ihre Pflicht erfüllen, wofür diese dann noch allzu großzügig von den Steuerzahlern bezahlt werden. Ich habe noch nie gehört das ein Arbeitnehmer für das pünktliche erscheinen an seinen Arbeitsplatz besonders honoriert worden wäre. Politikern sollten wir das gratulieren überlassen, da ist dann auch mehr Presse anwesend.

Überhaupt, ist es nicht auffällig dass der diesjährige Preis für den Kampf um Kinder und deren Bildung vergeben wurde? Vielleicht das erste Mal in der Geschichte dieser Friedenspreisverleihung, einen Preis für die Zukunft der Menschheit? Dieser geht dann auch noch an Personen in Länder wie Pakistan und Indien. Zwei Nationen welche zumindest bis vor kurzen noch als Entwicklungsländer angesehen  und dementsprechend mit Entwicklungsgeldern unterstützt wurden. Die Preise wurden, folgen wir der Empathie unserer Regierung, -an Hartz 4 Empfänger vergeben.

Müsste diese Tatsache nicht die Schamröte in die Gesichter von Groß kotzen wie Obama, Merkel und Co. treiben, welche trotz allen Reichtum nicht Willens sind, hier voran zu gehen. Nein sie sind noch nicht einmal in der Lage in den Ihnen anvertrauten Ländern für bestmögliche Bildung zu sorgen, da die eigenen Interessen, wie Diäten Erhöhungen für Sie wichtiger sind.

So erleben wir jetzt ein Ereignis welches sich von Beginn der Menschheit in schöner Regelmäßigkeit wiederholt. Wenn sich der „Kleine“ nicht selber hilft, der „Große“ hilft ihm schon gar nicht. Das war zu Zeiten vor 2000 Jahren nicht anders als heute. Die Reichen wurden immer Reicher solange Sie nicht gestört wurden. So habe ich in meinen ganzen Leben, auf allen Reisen, immer mit der Bevölkerung lebend, nie einen Menschen kennengelernt welcher von der Entwicklungshilfe profitierte. Im Gegenteil ich habe auf Basaren oder in Geschäften gesehen wie hier gesammelte Dinge entsprechend teuer verkauft wurden.

Wo bleiben sie denn eigentlich die sich selber als Spezialisten bezeichnenden Linken, in der Partei der Kümmerer? Die selbsternannten Experten für Kurden, Türken, Ukrainer, oder wer und wo auch immer. Experten für Dinge welche von der Basis möglichst weit entfernt, und von diesen dann entsprechend unkontrollierbar und gut fremd bezahlt durchgeführt werden. Wir hören und lesen ihre tagtäglich vorgebrachten Forderungen, aber Erfolge? Die ziehen Sie sich mit haarsträubenden Argumenten heran. So wurde selbst der von Beginn der Partei an geforderte Mindestlohn von der SPD und CDU eingeführt. Die Gewerkschaftler wandern ob dieser Unfähigkeit inzwischen wieder ab und die Arbeiter wählen die AfD.

Gut so, denn eine Partei welche es als ihre einzige Aufgabe ansieht politische Mitbewerber zu beschimpfen zeigt damit eindeutig ihr fehlendes politisches Verständnis. Nehmt Euch ein Beispiel an Malala welche mit 14 Jahren schon mehr an Solidarität gegenüber Ihre  Mitmenschen aufbrachte als die Meisten von Euch in Euren nutzlosen Leben je aufbringen werden. Dieses Mädchen setzte ihr Leben dort für andere ein wo ihr nur dumme Sprüche verbreiten könnt. Kipptrix und Co. schämt Euch. So werdet Ihr nie einen Friedenspreis erringen. Aber das wollt Ihr ja auch nicht – Euch reicht das Geld und die Dummheit.

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Fotoquellen: Wikipedia

Kailash Satyarthi — Author Leandro Uchoas

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Malala Yousafzai at Girl Summit 2014 –Author Russell Watkins/Department for International

Development.

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unten

Fotoquelle: Blogsport

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Einmal Deutschland und zurück

Erstellt von IE am 7. Oktober 2014

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„Ich wusste vorher auch nicht, dass das geht“, sagt Bernadette Mönnich. Sie hat alle Hebel in Bewegung gesetzt, damit die Familie ihres irakischen Pflegesohns zu ihnen kommen konnte. Die Geschichte einer gelungenen Integration und beherzten Handelns

AUS LOHNE JANNIS HAGMAN Text

Die irakische Flagge steht auf dem Gemälde vom letzten Abendmahl. Er hat sie selbst gebastelt, schwarz, rot und weiß, und zwischen die grünen Sterne „Allahu Akbar“ geschrieben, Gott ist groß. Auf dem Gemälde darunter: Jesus im Kreis der Apostel, im Nahen Osten, lange bevor es die Nationalstaaten gab, die nun wieder zu zerfallen drohen.

Er läuft die Treppe hinauf in den ersten Stock, holt den Laptop aus seinem Zimmer und klickt sich durch Fotos seiner Familie, Aufnahmen aus dem Nordirak, aus Dohuk, die Eltern im Heimatdorf Faidah, Bilder von dem Haus, in dem nun niemand mehr wohnt. Die Wände waren rosafarben gestrichen, Matratzen für seine vier Geschwister stapelten sich in der Zimmerecke. Ein Foto zeigt die Dorfkirche. Zerstört.

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Fotoquelle: Wikipedia – Urheber Collective

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Schacher um Eintrittskarten

Erstellt von IE am 2. Oktober 2014

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ARMUTSMIGRATION Es muss Obergrenzen geben dürfen, wenn gleichzeitig Möglichkeiten der wirtschaftlichen Integration geschaffen werden

von Barbara Dribbusch

Eine Szene in einem Straßencafé in Berlin-Kreuzberg. Ein ärmlich wirkender älterer Mann, den man optisch der Gruppe der Roma zuordnen könnte, geht an einer Krücke zwischen den Gästen umher und bettelt mit einem Pappbecher. „Die Krücke ist bestimmt geliehen, alles nur Show“, flüstert ein Gast und gibt nichts. Einige gucken starr vor sich hin. Die anderen zücken ihr Portemonnaie. Es folgt eine Debatte über Roma, die mit Bettelei angeblich mehr verdienten als mit Arbeit in ihrem Herkunftsland.

Angst vor der Erpressung

Die Szene ist typisch für die Misere des linksalternativen Milieus, der Armutsmigration zu begegnen: Es herrscht eine merkwürdige Mischung aus Mitgefühl, schlechtem Gewissen und der Angst, verarscht zu werden.

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Fotoquelle: Wikipedia

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Namensnennung: Foto: Jonn Leffmann

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Der Sprung ins kalte Wasser

Erstellt von IE am 1. Oktober 2014

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BÜRGERBETEILIGUNG

Gerlinde Schermer vom Berliner Wassertisch erzählt

VON GABRIELE GOETTLE

Frau Schermer wohnt in einem ruhig gelegenen, unauffälligen Reihenhaus im Bezirk Tempelhof. Die Straße mit den bunt blühenden kleinen Vorgärten wirkt etwas verschlafen und bieder. Frau Schermer jedoch verkörpert das ganze Gegenteil. Sie ist eine leidenschaftliche Aufrührerin, die sich mit enormer Eloquenz, Energie und voller Selbstbewusstsein in die politischen Prozesse einmischt. Sie empfängt mich freundlich.

Auf meine Bitte hin, einfach mal zu erzählen von sich und ihrer politischen Arbeit, beginnt sie: „Ich bin aufgewachsen in der DDR, mein Vater war selbstständig mit einem kleinen Fuhrunternehmen. Die Leute sind zu uns gekommen und haben ihre Sachen bestellt. Die haben geklingelt und standen sozusagen in der Wohnküche. Da wurde dann natürlich auch geschwatzt über die Dinge des täglichen Lebens. Ich saß am Tisch und habe meine Hausaufgaben gemacht. Das heißt, ich habe sehr früh schon mitbekommen, wie Erwachsene miteinander umgehen, von ihren Sorgen erzählen, über Politik reden. Da gab es natürlich ganz erhebliche Abweichungen von der offiziellen politischen Linie, von dem, was in der Zeitung steht oder in der Schule erzählt wurde.

So habe ich eigentlich gelernt, mir eine eigene Meinung zu bilden. Später, nach der Wende, ich war um die dreißig, habe ich mich entschlossen, mich selbstständig zu machen. Ich wollte, ehrlich gesagt, wieder so etwas haben wie früher in unserer Wohnküche, und das habe ich mir durch meinen Beruf, den ich zu Hause ausüben kann, geschaffen. Durch die Selbstständigkeit.

Endlich Veränderung

Quelle: TAZ >>>>> weiterlesen

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Fotoquelle: Wikipedia – Urheber האתר הרשמי של קליפורניה

Dieses Werk ist in den Vereinigten Staaten gemeinfrei

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Die koloniale Falle

Erstellt von IE am 30. September 2014

AFROBEAT VON DOMINIC JOHNSON Ebola und das Echo der kolonialen Tropenmedizin in Afrika

Als die Franzosen in Afrika ihre Kolonien eroberten, standen Ärzte an vorderster Front. „An den verpesteten Küsten des Atlantik“, so dozierte der französische Marinearzt Jean-Baptiste Mahé 1875, träfen Europäer schutzlos auf „die fürchterliche Sphinx der Malaria, das delirierende Phantom der Typhus, das fahle und eisige Gespenst der Cholera, die gelbe Maske des schwarzen Erbrechens“. Denn „aus der Erde und den Wassern steigt vergifteter Atem“.

Die ersten kolonialen Gesundheitsdienste entstanden als Sondereinheiten des Militärs, um krankheitsbedingte Kampfunfähigkeit zu minimieren. „Schickt mir vier Ärzte, und ihr braucht vier Kompanien weniger“, kabelte der Kolonialarzt Hubert Lyautey 1901 aus den Fiebersümpfen Madagaskars nach Hause. Ab 1912 organisierte Lyautey als französischer Gouverneur von Marokko die Unterwerfung des Landes als Gesundheitsfeldzug, gemäß der Formel: „Keine Tatsache ist gründlicher belegt als die Wirksamkeit der Rolle des Arztes als Agent der Attraktion und der Befriedung.“

Quelle: TAZ >>>>> weiterlesen

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Fotoquelle: Wikipedia – Urheber CDC/ Dr. Lyle Conrad / Ausbruch 1976 Zaire

Als ein Werk der US-amerikanischen Bundesregierung ist dieses Werk in den Vereinigten Staaten gemeinfrei.

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Der Exodus der Rüstungs-Industrie

Erstellt von Uli Gellermann am 25. September 2014

Bei der Flucht bitte die Lobbyisten mitnehmen

Autor: U. Gellermann

Rationalgalerie

Datum: 25. September 2014

Schwer klingen die ersten Takte des Trauermarsches von Frédéric Chopin auf. Ein langer Zug von Panzern schleppt sich die Autobahn entlang. Auf Tieflagern folgen Geschütze, Flugzeuge, Maschinengewehre. Am Ende der schier endlosen Kolonne, auf großen Lastkraftwagen, Maschinen aller Art: Die Deutsche Rüstungsindustrie verlässt das Land. Am Autobahnrand Menschen in Dreiteilern, Trauerflore am Arm, Hüte in der Hand: Lobbyisten und Politiker zollen dem Auszug der Mordbranche ihren Respekt. Überall im Land ist halbmast geflaggt. So wird es sein, folgte man den Worten von Armin Papperger. Der Chef des Rüstungsverbandes (BDSV) hatte jüngst in der SÜDDEUTSCHEN damit gedroht, die Waffenindustrie würde Deutschland verlassen, wenn der Export weiterhin erschwert und die Abnahme von Rüstungsgütern in Deutschland nicht verbessert werden könne.

Dabei hatte es für die internationale Rüstungsindustrie nach der Ausrufung des Krieges gegen den Terror so gut angefangen: Fast überall auf der Welt stieg der Umsatz in Mordmaschinen. Deutschland erklomm den Platz drei der Rüstungs-Export-Nationen. Die Zahl der unerklärten Kriege wie im Grenzgebiet von Pakistan zu Afghanistan, der Bürgerkriege wie in vielen Teilen Afrikas und Regime-Change-Kriege wie in Libyen wuchs stetig. Dann plötzlich, aus einem Himmel voller Granatwerfer und Kanonen, das Verbot Siegmar Gabriels ein „Gefechsübungszentrum“ nach Russland zu liefern. Die Russen standen im Verdacht in diesem 135 Millionen teuren Zentrum den Krieg gegen die Ukraine zu üben, mit simulierender Lasertechnik. Zwar wäre in diesem Zentrum keiner zu Tode gekommen, so wie die Menschen in der Ost-Ukraine nach dem Bombardement durch Regierungstruppen. Aber den Russen ist eben alles zuzutrauen.

Doch die Firma Rheinmetall, vormals „Reichswerke Hermann Göring“, hatte schon vor dem Verbot der Lieferung nach Russland einen vorgeblich neuen Weg des Rüstungs-Exports gefunden: Man liefert demnächst, begleitet vom Wohlwollen der Kanzlerin, eine ordentliche neue Panzerfabrik nach Algerien. Dort können dann, schön nah an den afrikanischen Kriegsschauplätzen für 30 Millionen Euro prima Panzer montiert werden. Auch Ägypten ist an solch einer Fabrik interessiert, um „Islamisten im Sinai“ zu bekämpfen. So hat jeder seinen Feind und die Waffenindustrie kann direkt vor Ort die Liquidationsgeräte herstellen. Wozu Exportregeln, wenn es um internationale Geschäfte geht.

Waffen sind neutral, sagt die Industrie und hat in gewissem Maße recht. Die Waffen, die den Taliban im Kampf gegen die Sowjetunion geliefert wurden, werden heute gegen die USA benutzt. Die Waffen, die von internationalen Rüstungskonzernen an die libyschen Streitkräfte zur Gaddafi-Zeit verkauft wurden, sollten etwas später gegen die Kräfte des internationalen Militäreinsatzes unter Führung der USA verwendet, um danach vom CIA in den syrischen Bürgerkrieg transportiert zu werden. Heute sind sie bei den Truppen des „Islamischen Staat“ gegen Verbündete der USA im Einsatz. Es ist im wahrsten Sinne ein stabiler Blutkreislauf, der allerdings nur die Gesundung der Rüstungsindustrie sichert. Viele andere sterben daran.

Manchmal sitzt man beisammen, die deutschen Waffenschieber und die Politik. Zum Beispiel jüngst beim „Zweiten Caféhaus-Gespräch“ des Rüstungsverbandes in Berlin, um über den Schutz „Kritischer Infrastrukturen“ zu sprechen. Neben dem Mann von Airbus findet sich dann Nina Warken von der CDU. Die ist in jenem Parlamentsgremium, das die Unverletzlichkeit der Wohnung schützen soll. Da kann nur jede Waffe recht sein. Auch der Gerold Reichenbach, SPD, war dabei. Der ist im Bundestagsausschuss für humanitäre Hilfe. Die muss notfalls eben mit Panzern durchgesetzt werden. Irene Mihalic von den GRÜNEN vertrat den Ausschuss für Innere Sicherheit: Die wird letztlich nur von der Waffen-Industrie gesichert. Wem die Anwesenheit von Prof. Dr. Emil Reisinger (Dekan der medizinischen Fakultät der Universität Rostock) Rätsel aufgibt, der sei daran erinnert, dass Reisinger für Tropenmedizin zuständig ist. Wer weiß, wohin es unsere tapferen Soldaten auf dem Weg der deutschen Verantwortung noch verschlägt.

Noch während die Takte des Trauermarsches in den deutschen Himmel wabern rätselt das Land über den Ort des Exodus: Luxemburg, der niedrigen Steuern wegen? Frankreich, der geringen Export-Bremsen wegen? Nach Usbekistan, wo die Diktatur des Islom Karimov seit 1991 für stabile Verhältnisse sorgt und der mit 13 Millionen jährlich alimentierte Bundeswehr-Stützpunkt Termiz eine solide Infrastruktur sichert? Oder doch lieber gleich nach Saudi Arabien, einem Großabnehmer deutscher Rüstungsgüter, wo regelmäßig öffentliche Enthauptungen für ein unerreicht hermetisches Klima der Sicherheit sorgen? Fragen über Fragen, die von einer kleinen Bitte begleitet werden: Nehmt die Warkens, die Reichenbachs und die Mihalics mit, jene Schicht von Politikern, die von Sicherheit reden und damit nur die unerschütterliche Selbstsicherheit ihres kleinen Horizontes meinen.


Fotoquelle: Wikipedia – Urheber Pappenheim

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Weltgipfel im Wiesn-Wahn

Erstellt von Rationalgalerie am 23. September 2014

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The „Original Bavarian Gemutlic-kite“

Autor: Wolfgang Blaschka

Rationalgalerie

Datum: 22. September 2014

Große Ereignisse werfen lange Schatten voraus. In und um Schloss Elmau reißen sie die Straßen zur Verlegung von Breitband-Kabeln auf, bauen neue und teeren einen Hubschrauber-Landplatz auf die grüne Wiese. Da fällt auch der eine oder andere Baum. Für genau zwei Tage, damit sich dort die G7-Platzhirsche der Welt treffen können mitten im Naturschutzgebiet. Danach wird alles rückgebaut, so wurde verdruckst versprochen. Da können Münchner nur süffisant lächeln: Das haben sie jedes Jahr, eigentlich die ganze Zeit über: Aufgerissene Straßen, großräumige Versiegelung des Bodens, Gentrifizierung, allerdings noch kaum Helikopter-Ports auf den Dächern ihrer schnieken Lofts. Der Gipfel des Internationalismus: 7 Millionen Mass Bier in zwei Wochen, schlecht eingeschenkt. Bei 7 Milliarden Erdenbewohnern also immerhin ein Milli-Liter für jeden Menschen. Die einen saufen halt für die andern mit. Seit Monaten wird aufgebaut, gewerkelt und gezimmert, gebohrt und geschraubt, gehobelt und gefräst, gemalt und lackiert, damit nur alles rechtzeitg fertig wird zum Einzug der Festwirte auf Kutschen mit Trachtenumzug und sechsspännigen Brauereiwägen. Die Politprominenz winkt dabei nicht weniger beifallheischend. Sowas verlangt Opfer.

Das erste Wiesn-Opfer im Vorfeld war eine Kuh. Ihr winkte der Schlachthof, da büxte sie aus. Erst rannte sie in Panik durch eine Lücke im Gatter, dann trottete sie gemächlich über Kreuzungen zielsicher auf die nahe Theresienwiese zu, schließlich galoppierte sie einmal drumherum, als wollte sie sich die Karussells und Achterbahnen im Aufbau genauer beäugen. Irgendwann begegnete sie einer Joggerin, die entgegengesetzt die Festwiese umrundete, und ging auf sie los, trampelte angeblich sogar auf ihr herum, sodass die für einige Tage ins Krankenhaus musste. Die dumme Kuh hatte anscheinend nicht realisiert, dass man ihr auch „in Freiheit“ nach dem Leben trachtete, und wohl auch das Polizeifahrzeug nicht beachtet, aus dessen offenem Fenster sie mit einer Maschinenpistolen-Salve zur Strecke gebracht wurde, von 25 Kugeln durchsiebt nun allerdings unverzehrbar. Am Tatort stellten tierliebende Menschen ein Lichtlein auf mit einer Stoffkuh über der selbst gebastelten Beileids-Bekundung, und tauften sie post mortem auf „Bavaria“, in deren Schatten ihre Blutlache weggespült worden war. Ein Trauerspiel schon vorab.

Nicht ganz so tödlich traf das Schicksal das zweite Wies´n-Opfer: Claudia Roth von den Grünen. Ihre Betroffenheit galt vor allem ihr selbst und dem unerbittlichen Ältestenrats-Beschluss, diesmal nur einheimische Politiker aus dem Landkreis in die Ratsbox einzuladen. Claudia hatte in Augsburg kandidiert, war aber bisher immer dabei. Mit ihrer Vorliebe für quietschbunt dralle Dirndln stahl sie den andern Damen jedesmal die Schau. Nun sind die rot-grünen Zeiten in München vorbei, die Fürsprache des grünen Bürgermeisters Hep Monatzeder fällt flach, und Reiter ist nicht Ude. Gegen die Ratsältesten käme er auch gar nicht an. Also muss Claudia fortan schmollend ihre Kulleraugen rollen und draußen bleiben. Kein schönes Oktoberfest für sie. Aber egal.

O`zapft is´ zur Wiesn mit vier Hammerschlägen in den Hirschen (200-Liter-Fass, d. Ü.), das erste Fass im Nu geleert: Himmel und Hölle in einem. Im Hofbräu-Zelt hängt sogar der legendäre Dienstmann Aloysius übergroß schwebend in den Wolken, und wartet auf göttliche Eingebungen an die bayerische Staatsregierung, eventuell etwas anderes als Maut für Ausländer und Mütterrente für Einheimische. Aloysius, der im langweiligen katholischen Jenseits-Himmel beim dreimal täglich Hosianna-Rufen das lätscherte Manna verweigert und nach süffigem Bier lechzt, wird je später der Abend desto üppiger mit überschwänglich hochgeworfenen BHs und Slips garniert, in ultimativer Selbstentäußerung, als kollektive Demonstration kompletter Frauenbefreiung. Nur eine Frage von Jahrhunderten, bis da droben die erste Burka hängt.

Draußen an der Pissrinne in der glitschigen Männertoilette babylonisches Sprachengewirr, sofern die Artikulation über Rülpsen und Röcheln noch hinauskommt. Meist sind es „Kiwis“ und „Aussis“ (Neuseeländer und Australier), die sich beim Kotzen treffen, manchmal knapp aneinander vorbei. Obwohl die Italiener die zahlenmäßig stärkste Touristengruppe stellen (manche campieren die gesamten 14 Tage im Wohnmobil, mit „Vorglühen“ ab 6 Uhr morgens und „Nachreihern“ bis 5.55 Uhr, sind die Erstgenannten am auffälligsten verkleidet und am offenkundigsten blau. Die Japaner sind nicht so zahlreich, aber zahlkräftig; wenn sie ihre anfängliche Zurückhaltung der Aufwärmphase überwunden haben, geraten sie außer Rand und Band, tanzen wie alle andern auf den Tischen und geben sich die Hacke bis kurz vor´m Harakiri. Chinesen und Südkoreaner umarmen sich, stellvertretend für die nicht anwesenden Nordkoreaner, zum Bruderkuss. Nebenan streiten sich Österreicher mit Slowenen, wer die nächste Mass zahlt. Für ethnologische Studien ist die Wiesn ein weites Feld. Wenn es nicht die deutschen Dumpfdödel aus dem hohen Norden im Billigdirndl für 49.90 und die bayerischen Bierblödel aus dem Oberland gäbe, die mit der Lederhose schon geboren sind, und sie deshalb nur zu gewissen Verrichtungen ausziehen und dreckstarrend neben´s Bett stellen zum Durchlüften, wäre die Versuchung groß, sich in völkerkundlichen Untersuchungen über Nichtdeutsche zu verlieren.

So aber ist klar: Das sind zumindest zur Hälfte (Wahl-)Münchner, also Nachbarn, Bekannte, Geschäftspartner und Parkzettel-Aufschreiber von nebenan. Auf der Wiesn gehen sie auf im Völkergemisch der ebenso Verkleideten. Soziale Unterschiede werden übertüncht, Nationalitäten verschwimmen, je mehr „Prosits“ das Stimmungsgebrodel gen Zelthimmel steigen lassen. Die gefragtesten Musikkapellen spielen ungefragt die meisten Prosits; da rinnen auf einen Tusch 25 Hektoliter Gerstensaft in die gröhlenden Kehlen oder knapp daneben. Da tatschen sich wildfremde Menschen unterschiedlichster Provenienz an die unsäglichsten Körperstellen, umarmen sich Richter und Haftentlassener ohne sich wieder zu (er)kennen im Suff, gießen sich halbleer gezutzelte Bierlachen in die Ausschnitte, stoßen an, stoßen auf und stoßen hin und wieder um sich, dass es eine Gaudi sondersgleichen ist. Am Rande des Wiesn-Wahns bleiben bewusstlose Bierleichen, Vergewaltigungs-Opfer, allerhand Verletzte und Verirrte auf der Strecke, und jedesmal massenhaft Fundstücke liegen vom Gebiss bis zur Unterhose. Gsuffa!

Klassenversöhnung, Völkerverbrüderung und bacchantischer Exszess auf ganzer Linie, kurz vor´m Kommunismus also. Einzig Profis und Unerprobte lassen sich noch unterscheiden, je nach dem, wie vollgesabbert ihre Kostümierung ist. Um halb elf ist gnadenlos Schluss mit Lustig, doch in manchen Zelten wird weitergeschunkelt bis eins. Alles eine Frage der Konzession und der Kondition. Ein Riesengeschäft ist es allemal. Ein Einfamilenhaus oder eine neue Luxuslimousine springen schon heraus für einen Wirt, wenn er richtig kalkuliert und zuverlässige Schankkellner angestellt hat. Selbst die Bedienungen können nach der zweiwöchigen Plackerei mit knapp fünfstelligem Verdienst in Urlaub fahren, wenn sie immer schön gelächelt haben und zwölf Krüge auf einmal packen konnten. Ganz abgesehen vom Tourismusgewerbe insgesamt. Manche Münchner räumen extra ihre Wohnungen und vermieten zu horrenden Preisen ein, zwei Zimmerchen. Abzüglich der Kosten für die Aufräumarbeiten bleibt da gut und gern ein Vierteljahr mietfreies Wohnen übrig. Was im mietpreisterrorisierten München kein Pappenstiel ist.

Es gibt also Gewinner und Verlierer, Täter und Opfer bei diesem Großereignis, wie fast überall im Leben. Doch nur selten werden kollektiv zu begehende Verbrechen gegen die Menschlichkeit verabredet wie nächstes Jahr voraussichtlich in der Oberland-Idylle von Elmau. Kein Gerede von Bombardements und Rüstungs-Exporten in Kriegsgebiete, allenfalls ein paar abschätzige Bemerkungen über die ISIS-Spielverderber, die sowas niemals zulassen würden. Auch wenn man selber nicht mehr rauchen darf im Zelt. Während draußen auf dem Turmpodest der Löwe brüllt, ballert die Festbeleuchtung die Tera-Lux in den nächtlichen Himmel über der Stadt, die jeden Alien aus dem All blenden würden. Ein paar Häuser weiter tagt indes die zweite bundesweite Aktionskonferenz zur Vorbereitung der Proteste gegen den G7-Gipfel nächstes Jahr im Werdenfelser Land. Das Bündnis konstituiert sich ausgerechnet an diesem Wochenende im EineWeltHaus, in aller Nüchternheit. Elmau, wir kommen! Allemal besser so: Liaba Masskriag ois Weltkriag! Oder, wie wir Lateiner zu sagen pflegen: Lieber Masskrüge als Weltkrieg!


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Das Böse in uns

Erstellt von IE am 21. September 2014

VON JULIA  LEY

Der Islamische Staat IS hat mich gepackt. Die Brutalität, die Abgebrühtheit, das Morden, die Gleichzeitigkeit von vermeintlichem Mittelalter und modernem YouTube-Pop, das alles ist auf schreckliche Weise faszinierend. Weil es so wahnsinnig wirkt, so unberechenbar, so entfesselt.

Ich will das Grauen verstehen. Jahrelang habe ich mich im Studium mit dem Islam und dem Nahen Osten befasst. Ich müsste doch etwas sagen können, das über die klischeehaften, reißerischen Reaktionen von Politikern und Medien hinausgeht, die vom „Kalifat des Schreckens“ oder der „Isis-Bestie“ sprechen.

Vielleicht mischt sich in mein Unverständnis auch eine Art irrationaler Wut. Seit Jahren stelle ich mich gegen antimuslimische Vorurteile, versuche Freunden zu erklären, warum vieles im Nahen Osten so ganz anders ist, als man es aus dem Fernsehen kennt. Versuche zu erklären, dass der Islamismus zwar brutal und verquer ist, man ihn aber aus der Geschichte der Region heraus erklären kann. Und was ich auch immer sage: Dass die allermeisten Muslime nichts damit zu tun haben, sondern darin eine Perversion ihrer Religion sehen.

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Schottland vor der Gretchenfrage

Erstellt von IE am 18. September 2014

von Matthias Eickhoff

„Soll Schottland ein unabhängiges Land sein?“ Über diese folgenreiche Frage wird am 18. September in einem historischen Referendum im Norden Großbritanniens abgestimmt. Damit steht nicht nur die Zukunft Schottlands zur Wahl, zugleich fällt auch eine Richtungsentscheidung über den Fortbestand des Vereinigten Königreichs – mit erheblichen Auswirkungen auch für die EU.

Seit im Jahr 2007 die Schottische Nationalpartei (SNP) im Regionalparlament von Edinburgh die Regierungsgeschäfte übernahm, steuert Schottland auf das Unabhängigkeitsreferendum zu. Die Zustimmung zu einer staatlichen Eigenständigkeit hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen: Waren jahrzehntelang nur rund 25 bis 35 Prozent der insgesamt 5,3 Millionen Schotten für die Unabhängigkeit, so pendelte der Zustimmungswert in den Monaten vor dem Referendum zwischen 40 und 47 Prozent.

Zwar wird es für einen Erfolg der Unabhängigkeitsbefürworter wohl nicht reichen. In den Umfragen der letzten Monate liegen sie konstant hinter den Unabhängigkeitsgegnern – primär eine Allianz aus Labour, Tories und Liberalen. Doch völlig ausgeschlossen ist ein Sieg der Befürworter nicht, da viele Wähler erst im letzten Moment endgültig entscheiden werden. Und allein dass es zu dem Referendum kommt, ist eine kleine Sensation, denn ein solches oder eine SNP-Regierung galten lange als undenkbar.

Doch der Trend in Richtung Unabhängigkeit ist eindeutig: Noch 1979 ignorierte Margaret Thatcher ein knappes „Ja“ in einem Referendum für eine vergleichsweise schwache schottische Regionalversammlung. Die Ignoranz hatte langfristige Konsequenzen: 20 Jahre später stimmte eine große Mehrheit der Schotten für ein vergleichsweise einflussreiches Regionalparlament. Damals, 1999, galt die SNP noch nicht als stark genug für eine Regierungsbeteiligung, doch bereits acht Jahre später kam sie zunächst als Minderheitsregierung in Edinburgh an die Macht; 2011 wurde sie für ihre Politik mit der absoluten Mehrheit belohnt.

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Nichts ist gefährlicher als die Wahrheit

Erstellt von Gerd Heming am 13. September 2014

Was wollte uns Anna Planken von der ARD in der Nacht zum Mittwoch, dem 04. September 2014, zur Einführung der Sendung „Nachtmagazin“ sagen?

Wir wissen es nicht.

Sie sprach zwar von Vernunft und von Logik und verwies dabei auf Putin, aber was nun die Logik als Logik ist, das blieb bei ihr ein Rätsel – und die Logik, bezogen auf Putin, ebenfalls. Logik als Logik besagt ohnehin nichts, denn auch der Satz: „Wenn der Maikäfer fliegt, dann fliegt er“ besitzt Logik, sagt aber nichts weiter aus, als eben, dass ein Maikäfer fliegt, wenn er fliegt. Wir kennen so was vom Kindergarten her: Wenn Fliegen fliegen, fliegen Fliegen.

Nun ist es so, dass Medienleute wohl eine eigene Logik besitzen. Denn sie leben in Sphären, die dem Normalversteher – und selbst dem Putinversteher – nicht zugänglich sind. Vielleicht gehören Medienleute ja zu der Gruppe der „besonders Einsichtigen“. Aber müssen wir nicht, wenn jemand sich als „besonders einsichtig“ bezeichnet aufhorchen, hellhörig werden? Denn selbstverständlich meinen sie damit, sie selbst seien die anerkannten Experten. Welche Arroganz, welche Dummheit, welche Fehleinschätzung.

Der ordentliche Professor an der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich, Michael Hampe, meint dazu: „Die Konsequenz anerkannter Experten in Sachen Vernünftigkeit oder Moral ist, dass Menschen, die in Expertenkulturen aufwachsen, sich angewöhnen, allein auf das Urteil dieser Experten zu vertrauen und deshalb nicht in der Lage sind, sich eigenständig zu koordinieren und zu orientieren. Ein soziales System, das Experten der Vernünftigkeit braucht, ist nicht demokratisch, sondern es ist ein System im Zeichen des platonischen Philosophenkönigs“.

Die Frage, die sich daraus ergibt, ist: Verstehen Medienleute eigentlich, was Demokratie bedeutet? Sind sie nicht vielmehr längst in ein gedankliches System geraten, das es ihnen unmöglich macht, sich „eigenständig zu koordinieren und zu orientieren“, was ja die Voraussetzung für Demokratie ist? Es scheint so, ihr öffentliches Auftreten und die Berichterstattungen über den Sozialabbau 2003 ff, während der Finanzkrisen von 2008 ff und über die verschiedenen kämpferischen Auseinandersetzungen in den vergangenen Monaten lässt das vermuten.

Demokratische Medien sind in bestimmten Situationen um keinen Deut qualifizierter und unabhängiger als Medien unter Diktaturen. Die „demokratischen“ amerikanischen Medien zu Beginn und während des Irakkrieges 2003 und ihre Unfähigkeit die wahnhaften Lügen des George W. Bush aufzuzeigen und zu durchschauen, sind ein hinreichender Beleg dafür. Die „besonders Einsichtigen“ sind nicht einsichtig. Schlimmer noch: Denn eine so verstandene „besondere Einsichtigkeit“ führt in Welt- und Lebensblindheit und damit in totale Uneinsichtigkeit. Die „besonders Einsichtigen“ werden schließlich zu „absolut Uneinsichtigen“ Kein Wunder dass die Medien die Zeichen der Zeit nicht verstehen. Und auch den Normalversteher verstehen sie nicht, denn der gehört ihrer Meinung nach eben nicht zu den „besonders Einsichtigen“. Welche Arroganz, welche Dummheit, welcher Mangel an Urteilskraft! Für den Normalversteher ist es in jeder Hinsicht – aber wirklich in jeder Hinsicht – besser, wenn er sich, wie einst Odysseus, die Ohren mit Wachs verstopfen würde.

Was die älteren Menschen von bestimmten Medien zu erwarten haben, machte vor einiger Zeit das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) deutlich, als es Menschen über 69 von einer seiner fragwürdigen Sendungen ausschloss. Dass solches Tun offene Diskriminierung gegenüber den Alten ist und somit möglicherweise einen strafrechtlich relevanten Tatbestand erfüllt, sei hier nur am Rande erwähnt.

Was beweist das?

Nun, das beweist, dass wir es bei Nachrichtensprechern und Moderatoren (männlich und weiblich) mit arroganten und selbstverliebten Sippschaften zu tun haben, die jenseits von Gut und Böse ohne Verstand umher geistern, mit Lebensblindheit geschlagen sind und uns trotz ihrer Blindheit die Welt erklären wollen. „Die Massen“, so der Paderborner Philosoph Hans Ebeling, „haben durch technische Intervention, nämlich sogenannte Informationssysteme, tatsächlich nur Systeme der Desinformationen, global (sit venia verbo) einen Verblödungsgrad erreicht, den die Religionen niemals bewerkstelligen konnten“.

Dass die Medien von Geistlosigkeit, von irregeleiteten Geistern und von Kleingeistern beherrscht werden, ist nicht wirklich neu.

Die heutigen Medien leben im Reich der Schminke, der gefärbten Haare, der Blendung und der luxuriös ausgestatteten Studios. Wenn sie doch nur die Verzierungen abreißen würden!

Aber sie schminken die Schminke nicht ab. Sie blenden weiter. Sie moderieren Sendungen länger als dem Zuschauer lieb sein kann. Die Schminke ist ein Symbol dafür, was die Nachrichtensprecher und –sprecherinnen wirklich sind: Sie ist ein Symbol für das, was sie wirklich geworden sind, Oberfläche, bloße Oberfläche. Und dies wiederum ist ein Symbol für die Qualität unserer elektronischen Nachrichtendienste. Wir besitzen ein magisches Werkzeug, genannt Fernsehen. Ein Werkzeug aus Licht und Ton. Ein Instrument, dass uns helfen könnte die am Besten informierte Gesellschaft zu sein. Freie und aufgeklärte Bürgerinnen und Bürger. Stattdessen bringen sie Sendungen wie Nachrichten in Schlagzeilen. Sie bringen nette Moderatoren und Moderatorinnen und hohles Geplauder. Sie servieren uns Kriege und Katastrophen wie die Zwischengänge einer Mahlzeit. Sie schnüffeln, sie tratschen, sie verführen. Nachrichten in Schlagzeilen aber sind nicht nur eine nationale Schande, sie sind ein nationales Elend geworden. Es fehlt ihnen an Zivilcourage.

Sie lächeln uns zu, aber sie können die eigene Verblödung hinter dem Lächeln nicht verbergen. Flachheiten. Eine Briefmarke ist für sie ein unüberwindbares Bergmassiv. Sie verdienen bestens, sie sind saturiert – und wer ihnen widerspricht, wer die Wahrheit beim Namen nennt, wird diskreditiert. Sie verdienen uns nicht – wir verdienen besseres.

Ein guter Reporter bringt die Fakten, ein großer Reporter versteht ihre Bedeutung, sie jedoch verstehen nichts.

Nachrichten sind unerwartet. Sie sind hart und wirklich. Und sie sind verdammt kompliziert.

Gerd Heming (Vors.)

Münster, September 2014

Bund der Pflegeversicherten e.V.

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Fotoquelle: Wikipedia
Source     It’s all about love
Author     Candida Performa

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„So funktioniert ein freier Markt“

Erstellt von IE am 12. September 2014

[youtube _8W0qRGFTcA]

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FEDERFÜHREND US-Staatssekretärin Catherine Novelli über das TTIP-Abkommen, Genfood-Verkauf in Europa und Schutz für Investoren

INTERVIEW ULRIKE HERRMANN UND BERNHARD PÖTTER

taz: Frau Novelli, warum betrachtet die US-Regierung Europa, als wären wir Venezuela?

Catherine Novelli: Das tun wir nicht. Die EU ist unser engster und größter Handelspartner mit hohen Verbraucherstandards. Unsere Volkswirtschaften sind sehr eng verflochten.

Wozu brauchen wir dann Investorenschutzklauseln in einem Freihandelsabkommen wie TTIP?Die EU und die USA sind Rechtsstaaten. Wenn sich Firmen ungerecht behandelt fühlen, können sie vor reguläre Gerichte ziehen.

Das können sie natürlich. Aber wir wollen ein Abkommen, das so umfassend wie möglich ist. Dazu gehören auch außergerichtliche Schiedsgerichte, wo Unternehmen gegen Staaten klagen können. Wir haben hier die Gelegenheit, einen „Goldstandard“ zu setzen, der dem Rest der Welt zeigt, was die richtigen Parameter für ein Handels- und Investitionsabkommen sind. Interessanterweise war es ja gerade Deutschland, das diese Schiedsgerichte erfunden hat. Wir haben das von euch!

Wir denken heute, dass das ein Fehler war.

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Antisemitismus-Verbale Brutalität

Erstellt von IE am 11. September 2014

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UNWISSEN – Juden sind keine Deutschen und Deutsche Leidtragende – Beobachtungen aus einer Politikstunde zum Thema Antisemitismus an einer Berufsschule in einer westdeutschen Kreisstadt.

VON STEFAN MOES

Ist der Lehrer der Einzige, der nichts hört? Er sitzt am Pult und lässt sich nichts anmerken. Es kommt mir vor, als beugten sich meine Mitschüler besonders tief über ihre Zeichenbretter. Wir sind Tischlerlehrlinge im dritten Lehrjahr. Zwei in der hinteren Bank ereifern sich halblaut: „Arschgefickte Juden … sind an allem schuld.“

„Jude“ ist ein gebräuchliches Schimpfwort an der Berufsschule in Westdeutschland. Ein 19-Jähriger erklärt mir, Juden seien Wucherer. Sie trieben Menschen in den Ruin.

Ich staune, wie offen im Unterricht Bemerkungen fallen wie „Schufa, alles Juden“. Als einmal ein Schüler ruft: „Aldi gehört den Juden“, reagiert der Lehrer: „Dazu könnte ich jetzt etwas sagen. Aber?“ Er lässt es. Ich bin Mitte fünfzig, fast so alt wie er. Und rund fünfunddreißig Jahre älter als meine Mitschüler.

Inzwischen hetzen die beiden Hinterbänkler weiter gegen „Drecksjuden“. Ein Mitschüler warnt sie leise: Wegen so etwas sei er schon mal fast von der Schule geflogen. Erst als ich die beiden laut anspreche – „Man muss nicht jeden Dreck, den man im Kopf hat, rauslassen!“ -, schweigen sie.

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Fotoquelle: Wikipedia – Urheber Benjamin Dahlhoff / Gedenkort Schlachthoframpe am Wiesbadener Bahnhof.

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Der Kampf unseres Lebens

Erstellt von IE am 7. September 2014

Machen wir Halt: 
Der Kampf unseres Lebens

von Naomi Klein

Diese Geschichte handelt von miserablem Timing. Eine der verstörendsten Auswirkungen, die der Klimawandel schon heute zeitigt, bezeichnen Ökologen als mismatch oder mistiming. Gemeint ist der Prozess, in dem Tierarten aufgrund der Erderwärmung den Anschluss an die Entwicklung lebenswichtiger Nahrungsquellen verlieren, und zwar insbesondere während der Brutperioden. In diesen kann es zu rapiden Populationsverlusten kommen, wenn die Tiere nicht genug Futter finden.

Das Zugverhalten vieler Singvogelarten hat sich über Jahrtausende so entwickelt, dass die Jungtiere exakt dann schlüpfen, wenn Nahrungsquellen besonders üppig sprudeln und den Eltern genügend Futter – Raupen beispielsweise – für ihre hungrigen Jungen bieten. Doch weil der Frühling heute oft zeitiger einsetzt, schlüpfen auch die Schmetterlinge früher, weshalb Raupen in manchen Gegenden ausgerechnet dann weniger reichlich vorkommen, wenn die Vogelküken schlüpfen. Das aber bringt eine Reihe bedrohlicher Folgen für die Gesundheit und die Zahl der Nachkommen mit sich.

Ähnlich ergeht es den Rentieren in Westgrönland. Wenn sie die Gebiete erreichen, in denen die weiblichen Tiere üblicherweise kalben, finden sie heute nicht mehr genügend jener Futterpflanzen, auf die sie sich seit Jahrtausenden verlassen. Denn diese wachsen und vergehen wegen der ansteigenden Temperaturen früher. Deshalb müssen die Renkühe in der Schwangerschaft, bei der Milchproduktion und Versorgung ihres Nachwuchses, mit weniger Energie auskommen. Diese Inkongruenz wird mit einem starken Geburtenrückgang und deutlich verringerten Überlebensraten in Verbindung gebracht. Wissenschaftler untersuchen derzeit bei Dutzenden von Tierarten, bei arktischen Küstenseeschwalben (Sterna paradisaea) ebenso wie bei Trauerschnäppern (Ficedula hypoleuca), das Auftreten klimabedingter Unzeitigkeiten. Doch eine wichtige Spezies entgeht ihrer Aufmerksamkeit gänzlich: Der Homo sapiens, also wir selbst. Auch wir leiden in Sachen Klima unter einem schrecklichen mistiming, wenngleich eher in kulturgeschichtlicher als in biologischer Hinsicht. Unser Problem besteht darin, dass die Klimakrise uns ausgerechnet an dem Punkt der Geschichte ereilte, an dem die politische und gesellschaftliche Konstellation für die Lösung eines Problems dieser Art und Größenordnung geradezu einmalig ungünstig aussah – nämlich am äußersten Zipfel der partygestimmten 1980er Jahre. Damals rief man gerade den neoliberalen Kreuzzug zur Ausbreitung des deregulierten Kapitalismus über den ganzen Erdball aus. Nun stellt der Klimawandel aber ein Kollektivproblem dar, das kollektives Handeln erfordert, und zwar in Größenordnungen, welche die Menschheit so noch nie wirklich zu bewältigen hatte. Doch ins Bewusstsein der breiten Öffentlichkeit trat das Problem ausgerechnet mitten in einem Kulturkampf, in dem schon die Idee der Kollektivität als solche erbittert bekämpft wurde.

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Fotoquelle: Wikipedia – Author Mediatus

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Idylle in Tüten

Erstellt von IE am 5. September 2014

Ein Bauer im Münsterland hat es geschafft, ein altes Prinzip zu einem modernen Geschäftskonzept zu machen: die Milch vom Hof

AUS MÜNSTER KRISTIANA LUDWIG

Die Kuh und Leonhard Große Kintrup blicken sich in die Augen, sie hebt ein Vorderbein und senkt es wieder. Die Kuh will, dass er geht. Große Kintrup ist ein großer Mann, schmale Augen, graue Schläfen, er ist Bauer, Sohn und Enkel von Bauern – Generationen vor ihm haben auf diesem Hof, am Stadtrand von Münster, Rinder gehalten. Jetzt drückt sich Leonhard Große Kintrup hinter eine Steinmauer im Stall und versteckt sich. Wenn die Kuh allein sein möchte, will er nicht stören.

Auf seinem Milchhof im Münsterland versorgen Leonhard Große Kintrup und seine zwei Stallarbeiter rund 200 Tiere. In diesem Betrieb entstehen konventionelle Produkte, ein Ökolabel hat er nicht. Das liegt am Futter. Doch die Lebensbedingungen der Kühe sind in Große Kintrups Stall außergewöhnlich – sie sind Teil des Geschäftsmodells. Wer Milch von diesem Hof holt, kauft keine Massenware.

Regen prasselt in harten Tropfen auf den Asphalt vor dem Stall und auf die Weide dahinter. Drinnen kann ihn Große Kintrup rauschen hören. Dieses Gebäude hat keine Wände, die Kühe mögen es kalt. „Im Winter muss sich der Bauer eben eine Jacke anziehen“, sagt er. Die Plattform ragt wie eine Empore in den Stall hinein, hoch über den Rücken der Tiere. Der Bauer erreicht sie über eine Holztreppe – genau wie sein Publikum.

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Siehe auch:

Von der Hand in den Mund

Die Saat ist aufgegangen

Die staatliche Enteignung

Das Acker-Imperium

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Fotoquelle: Wikipedia – Urheber MbdortmundMünster, Prinzipalmarkt

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Moral kann wehtun

Erstellt von IE am 30. August 2014

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VON FRANK BROSOW

Was moralisch geboten oder verantwortbar ist, das muss jeder für sich selber entscheiden.“ So beantwortet Markus Kaim im ZDF-Mittagsmagazin vom 21. 08. 2014 die Frage nach der moralischen Dimension von Waffenlieferungen in Spannungsgebiete. Die Botschaft ist klar: Ein Sicherheitsexperte der Stiftung Wissenschaft und Politik äußert sich nicht öffentlich zum Thema Moral, das augenscheinlich nichts mit Sicherheit, Wissenschaft oder Politik zu tun hat.

Erst auf den zweiten Blick fällt auf, dass der Experte genau das tut, was er vermeiden will: sich zu einem Thema äußern, das jenseits seiner Expertise liegt. Moral, so lernen wir en passant, ist Privatsache; journalistische Fragen nach einer objektiven moralischen Bewertung realpolitischer Entscheidungen sind Ausdruck einer sympathischen, jedoch unaufgeklärten Naivität, auf die der wissenschaftliche Experte durch freundliche Zurückweisung reagiert.

Diesen Umgang mit Moral sind wir gewohnt. Von den Medien beschworen, von Politikern, Ökonomen und Wissenschaftlern hinter geschliffener Rhetorik belächelt, einzig von Moralisten und Traditionalisten inhaltlich verteidigt und von allen gleichermaßen instrumentalisiert, wird der Begriff „Moral“ heute als Musterbeispiel für Unwissenschaftlichkeit gebraucht.

Quelle: TAZ >>>>> weiterlesen

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Fotoquelle: Wikipedia – Author George Cruikshank (1792–1878) Link back to Creator infobox template wikidata:Q360466 s:en:Author:George Cruikshank

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Von der Hand in den Mund

Erstellt von IE am 26. August 2014

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Politische Theorie und gelebte Praxis

Eine große alternative Landkommune wollten sie werden nach der Wende – heute gehen die Vorstellungen der Bewohner des sächsischen Lebensguts Pommritz weit auseinander. Was heißt denn ein gutes Leben?

AUS POMMRITZ THOMAS GERLACH

Am Morgen erzählt Katrin Altwein, der Verein Neue Lebensformen habe sich vor Kurzem noch einmal an Kurt Biedenkopf gewandt. Immerhin hatte der sächsische Ministerpräsident 1992 mit dem Philosophen Rudolf Bahro das Projekt Lebensgut Pommritz angeschoben, hatte veranlasst, dass das Land Sachsen dem Verein das Gutshaus in der Oberlausitz und 80 Hektar Land überließ, um kurz nach der Wende in der DDR eine Utopie zu verwirklichen: ein Leben im Einklang mit der Natur. Es ging um nachhaltiges Wirtschaften, um dörfliches Leben im 21. Jahrhundert. „Sinngemäß hat Biedenkopf geantwortet: Ihr schafft das schon.“ Es ist still im Gutshaus. Sie dreht einen Schlüssel in der Hand. Von dem 84-jährigen Biedenkopf wird keine Hilfe mehr kommen. Von Bahro sowieso nicht. Der ist 1997 gestorben.

Licht fällt durch das Fenster ins karge Wohnzimmer. Katrin Altwein hat sich mit ihren damals drei Kindern 2005 für Pommritz entschieden. Die Krankenschwester wollte raus aus Dresden, ihren Kindern ein anderes Leben bieten. Eigentlich ist das Lebensgut auf einem guten Weg, versichert sie.

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Siehe auch:

Die Saat ist aufgegangen

Die staatliche Enteignung

Das Acker-Imperium

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Fotoquelle: Wikipedia – Urheber Cd design85

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Lausitz: 7500 gegen Kohle

Erstellt von IE am 25. August 2014

[youtube eIbnOgKobS4]

Da hat Greenpeace ja richtig was auf die Beine gestellt. Am Samstag den 23. 08. 14 in der Brandenburger – Lausitz.  Belohnt wurden die Initiatoren dieser internationalen Menschenkette durch die Teilnahme von mehr als 7500 Menschen, welche sich der Aktion gegen die Ausweitung des Braunkohle Tagebau anschlossen und damit eine echte Energiewende forderten.

Eine schon skurril anmutende Situation dass die Parteien trotz der bevorstehenden Landtagswahlen keine Flagge vor Ort zeigen wollten. Bis auf die Piraten und die Grünen welche mit der Parteichefin Simone Peter und dem Fraktionsvorsitzenden Anton Hofreiter erschienen, glänzten die Anderen durch Abwesenheit. Sie setzten damit Zeichen für den Erhalt von Arbeitsplätzen, auch wenn die Welt hinter den Rücken der Schaffenden zusammenfällt. Ja, sicher noch nicht innerhalb der nächsten Wahlperiode.

Vor vier Jahren noch, vor den letzten Landtagswahlen hatte DIE LINKE gegen einen Ausbau des Tagebau argumentiert und versucht so Wählerstimmen für sich zu sammeln. Nun haben sie wohl die Fronten gewechselt und stimmen der weiteren Verschmutzung der Umwelt vor haltlos zu. Sie hielten dagegen ihr Sommerfest nahezu zeitgleich in Potsdam ab und bekamen prompt Besuch von einer Greenpeace Abordnung welche „Sommerfest statt Kohleprotest“ skandierte.

Sie zogen es also vor ein bierseliges Fest mit Wein, Weib und Gesang abzuhalten. Aber so sind sie nun einmal die politischen Funktionäre unserer Parteien: Erst kommt das eigene Saufen und das große Fressen. Die Arbeit wird besser einer unbezahlten Basis und den außerparlamentarischen Organisationen überlassen.  So war dann auch das erscheinen von Kipping und Golze auf diesen Sommerfest angesagt. Auf das der Fresssack nicht leer werde. Selbstverständlich kündigte auch die Stasi, oder dass was noch davon auf die Resterampe gesetzt wurde, Thomas Nord sein Kommen an. Sozialistische Versorgungsmentalität also, – in der LINKEN.

So etwas braucht und will keiner in diesem Land !!

7500 gegen Kohle

Ein Artikel von Henriette Lüth

Tausende demonstrierten am Samstag in der Lausitz mit einer internationalen Menschenkette gegen Braunkohle.

Mehr als 7.500 Menschen aus über 20 Ländern haben Hand in Hand gegen weitere Braunkohletagebaue und für eine echte Energiewende demonstriert. Sie bildeten eine grenzüberschreitende, acht Kilometer lange Menschenkette zwischen den Ortschaften Kerkwitz in Deutschland und Grabice in Polen. Beiden, wie auch weiteren Orten, droht die Abbaggerung für geplante Tagebaue.

Menschen aus ganz Europa gegen neue Braunkohleprojekte

Die Grenzquerung erfolgte in Groß Gastrose, wo lokale Feuerwehrleute in den Grenzfluss Neiße wateten und somit für eine geschlossene Kette sorgten. „Es ist überwältigend, dass mehr als 7.500 Menschen aus ganz Europa heute mit uns für eine lebenswerte Zukunft ohne neue Braunkohletagebaue demonstriert haben. Das gibt uns Mut und Kraft für die kommenden Jahre. Wir geben nicht auf, bis die Politik einsieht, dass es eine gesellschaftliche Mehrheit gegen neue Braunkohleprojekte gibt“, so Thomas Burchardt, Mitinitiator der Menschenkette und Sprecher des Bündnisses Klinger Runde.

Diskussion über Rolle der Kohle gewinnt an Schärfe

Nachdem der Kohleboom der vergangenen Jahre Deutschlands CO2-Ausstoß zuletzt wieder steigen ließ, gewinnt die Diskussion über die Rolle der Kohle im deutschen Energiemix in diesem Herbst an Schärfe. Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) hat in den Eckpfeilern ihres Klimaschutz-Sofortprogramms deutlich gemacht, dass ein Großteil der nötigen CO2-Einsparungen aus dem Kraftwerksbereich kommen muss. Doch Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) schützt die Betreiber der Kohlekraftwerke und Tagebaue durch Industrierabatte.

„Wenn die Bundesregierung nicht jede Glaubwürdigkeit im Klimaschutz verspielen will, dann muss sie alle weiteren Braunkohlegruben stoppen. Wenn die Politiker nicht endlich handeln, dann war die Menschenkette erst der Anfang des wachsenden Kohlewiderstands“, so Anike Peters, Kohleexpertin von Greenpeace Deutschland.

Erneuerbare würden in Polen 100.000 Arbeitsplätze schaffen

Auch in Polen wächst der Widerstand gegen die katastrophalen Folgen der Braunkohle. Noch immer deckt das Land gut 90 Prozent seines Energiebedarfs mit Kohlekraftwerken. Dabei hat eine Greenpeace-Studie gezeigt, dass das Land bis zum Jahr 2030 die Hälfte seines heutigen Kohlebedarfs durch Erneuerbare Energien ersetzen kann. Ein solcher Ausbau der Erneuerbaren würde zudem mehr als 100.000 neue Arbeitsplätze schaffen. „Viele Polen akzeptieren nicht länger, dass die Regierung das Land an die Kohle fesselt, statt die Erneuerbaren Energien auszubauen. Die Menschenkette hat diesen Menschen heute eine Stimme gegeben“, so Anna Dziadek, Sprecherin der polnischen Bürgerinitiative Stowarzyszenie Nie Kopalniodkrywkowej.

Umweltschutz kennt keine Grenzen

Über den Protest gegen Braunkohle hinaus hat die Menschenkette noch eine zusätzliche, symbolische Bedeutung: Auf den Tag genau vor 75 Jahren unterzeichneten die deutschen und sowjetischen Außenminister den Hitler-Stalin-Pakt und damit die Aufteilung Polens. Neun Tage später folgte der deutsche Überfall auf Polen, der Beginn des Zweiten Weltkriegs. Heute haben Tausende Polen und Deutsche gemeinsam und friedlich, Hand in Hand, für den Erhalt ihrer Heimat und für eine lebenswerte Zukunft demonstriert – ein starkes Symbol für friedliche Nachbarschaft zwischen Polen und Deutschland. „Der Schutz unserer Umwelt kennt keine Grenzen. Nur gemeinsam können wir unseren Planeten bewahren“, so Dziadek.

Die Menschenkette wurde initiiert und koordiniert von der Klinger Runde, Greenpeace, BUND, Campact, den Naturfreunden Deutschlands, der Klima-Allianz Deutschland, Berliner Energietisch, Anti-Atom Berlin, dem Arbeitskreis Öffentlichkeitsarbeit der Agenda 21 Gemeinde Schenkendöbern  und der polnischen Bürgerinitiative Stowarzyszenie Nie

Quelle: Greenpeace

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„So arbeitet die Justiz“

Erstellt von IE am 21. August 2014

FEHLURTEILE Nach dem Mollath-Prozess: Verteidiger Gerhard Strate spricht über das schwierige Verhältnis zu seinem Mandanten, den Zynismus der Richter und über Anwälte mit Pokerface

INTERVIEW LISA SCHNELL, MARTIN REEH

taz: Herr Strate, wie viele Mollaths sitzen noch in den deutschen Psychiatrien?

Gerhard Strate: Wahrscheinlich einige. Das liegt an der heutigen Vormachtstellung der Psychiatrie in der Gesellschaft. Aber das kann ich nur vermuten, konkrete Fälle kann ich nicht nennen.

Sie haben in den letzten eineinhalb Jahren mehrere Hundert Briefe von Menschen bekommen, die sich ebenfalls für unschuldig verfolgt halten …

„Bei mir ist es noch zehnmal so schlimm“, hieß es da zum Teil. Das Problem ist: Wenn man Mollath verteidigt, kann man die anderen Fälle nicht gleichzeitig bearbeiten. Der Prozess hat mich bestimmt 1.400 Arbeitsstunden und 50.000 Euro gekostet. Wir haben die Briefe aber alle sorgfältig aufbewahrt, kein einziger wurde weggeworfen.

Wie unterscheiden Sie eingebildeten Psychiatrieopfer von echten?

Quelle: TAZ >>>>> weiterlesen

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Fotoquelle: Wikipedia – Urheber JG-NF (http://www.flickr.com/photos/68082922@N06/)

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Das große US-Gefängnis

Erstellt von Uli Gellermann am 21. August 2014

Niederschiessen, Niederknüppeln, Wegsperren, Umbringen

Autor: U. Gellermann

Rationalgalerie

Datum: 20. August 2014

Ein Problem? fragt die US-Administration und fackelt nicht lange. Ist das Problem im Ausland, dann wird es weggebombt. Ist es im Inland, dann kommt die Nationalgarde. Und wer sich die Polizisten anschaut, der kann sie häufig nicht mehr von der Armee unterscheiden: Scharfschützen im Tarnanzug, die Augen unter dem Stahlhelm zu verbergen sind längst üblich, auch Panzer sind bei der Polizei zu entdecken seit das „Heimatschutz-Ministerium“ Rüstungsgüter im Wert von 35 Milliarden Dollar großzügig an Bundes- und Ortspolizei verteilt hat. Ausgemusterte schwer gepanzerte Fahrzeuge, die in Afghanistan oder Irak eingesetzt wurden, fanden ihren Weg von der Armee zu Polizei im eigenen Land. Kein Wunder, dass in diesen Tagen der UN-Generalsekretär Ban Ki-moon die amerikanischen Behörden mahnt, das Demonstrationsrecht zu achten: Der Kampf gegen die eigene Bevölkerung wird immer militanter. Zum Beispiel in Ferguson.

Mal wieder wurde in den USA, in Ferguson Missouri, ein Farbiger erschossen, nur weil er farbig war. Und wer gedacht hatte, mit dem tendenziell farbigen US-Präsidenten hätte sich der Rassismus in Nordamerika erledigt, der irrt. Auch die Annahme, die USA sei ein Staat der Freiheit, in deutschen Medien und auf Regierungsbänken heftig beteuert, kann mit einem halbwegs gründlichen Blick auf das amerikanische Gefängnis-System schnell ins Reich der Legende verwiesen werden: In keinem Land der Welt gibt es so viele Gefangene wie in den USA. Und in keinem Land der Welt werden sie so gründlich nach der Hautfarbe ausgesucht wie im Land der Freunde von Frau Merkel.

Natürlich kann man in den USA auch ganz normal über die Straße gehen. Aber man sollte lieber nicht farbig sein. Denn die in den Vereinigten Staaten landesweit übliche stop-and-frisk-Strategie – wer einem Polizisten verdächtig erscheint, kann angehalten, untersucht und mal schnell verhaftet werden – trifft zu 80 Prozent Latinos und Afroamerikaner. Und nicht selten kommen die Verhafteten nur sehr spät oder nie wieder raus. Die USA haben noch vor China und Russland weltweit den höchsten Anteil von Gefangenen an der Gesamtbevölkerung. Weit mehr als zwei Millionen Menschen sind in den USA inhaftiert. Das entspricht einem Prozent der erwachsenen Bevölkerung und ist Weltrekord. Auch wenn die Mehrheit der US-Bürger europäisch also „weißen“ Ursprungs ist, sind in den Gefängnissen etwa zwei Drittel der Gefangenen „People Of Color“ – überwiegend Afroamerikaner, etwa 42 Prozent, weitere 16 Prozent sind Hispanics und etwa fünf Prozent asiatischen Ursprungs. Längst ist dieser alltägliche Rassismus Gewohnheit geworden.

Gewohnheit geworden ist auch die wachsende Zahl privater Gefängnisse: Im Jahr 2010 haben private Gefängnisse in den USA etwa 3 Milliarden Dollar verdient und kräftig für die Wahlkämpfe gespendet. Unter ihnen ist die „Corrections Corporation of America (CCA)“ . Führend in der Knast-Branche hat das Unternehmen in 2010 1,67 Milliarden US-Dollar umgesetzt, betreibt mehr als 60 Anstalten in den USA mit 75.000 Insassen und über 17.000 Mitarbeitern. Natürlich werden die Aktien solch profitabler Betriebe an der Börse gehandelt. Wie die Papiere ihrer Kunden – unter ihnen sind IBM, Motorola, Compaq, Texas Instruments, Honeywell, Microsoft und Boeing – denn die Gefängnisindustrie verdient nicht nur an der staatlichen Zuwendung sondern auch an der Sklavenarbeit hinter Gittern. Dass die Praxis der im Strafrecht der USA verankerten „three-strikes laws“ – Bestimmungen, die einem Straftäter nach dem dritten Vergehen automatisch „lebenslänglich“ eintragen – den Profit erhöht, versteht sich. Denn auch die Dauer der Haft, seit 1998 hat sich die Zahl der über 60-jährigen Häftlinge landesweit verdoppelt, sichert langfristig Umsatz und Gewinn. Auch mit Greisen hinter Gittern ist gut Geldverdienen.

Selbst wenn es dem beschlossenen Ende zugeht – wenn die zum Tode Verurteilten vergiftet, erhängt oder gegrillt werden – haben die Schwarzen eine klare Mehrheit: Zur Zeit sitzen mehr als 3.200 Männer und Frauen in den Todeszellen. Fast 42 Prozent der zum Tode Verurteilten sind Afroamerikaner, bei einem Bevölkerungsanteil von nur 12,8 Prozent. „Ich bin bekannt für meine Ironie,“ notierte einst der Dramatiker George Bernhard Shaw, „aber auf den Gedanken, im Hafen von New York eine Freiheitsstatue zu errichten, wäre selbst ich nicht gekommen“. Die Ironie der Geschichte ist längst zum Zynismus geronnen: Die Führung des größten Gefängnisses der Welt schwafelt ständig über Demokratie und Freiheit. Über die Freiheit Anderer in anderen Ländern versteht sich. Von Afghanistan bis hin zur Ukraine. Und während deutschen Eliten diese Heuchelei nachplappern, werden Menschen in den USA jeden Tag niedergeschossen, niederknüppelt, weggesperrt und umgebracht weil sie die falsche Hautfarbe haben.


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Für eine Demokratie ohne Barrieren

Erstellt von IE am 17. August 2014

Inklusion – die neue deutsche Einheit

von Heribert Prantl

Menschen mit Behinderungen und Beeinträchtigungen: In den Debatten darüber, wie die Gesellschaft mit ihnen umgehen soll, gehen die Begriffe ziemlich durcheinander. Einmal ist von Integration, dann von Inklusion Rede. Manchmal werden diese Begriffe synonym gebraucht, dann wieder wird von Inklusion als einer Steigerungsform, als einer anspruchsvollen Form der Integration geredet.

Schauen wir uns den lateinischen Ursprung der beiden Wörter an, sagt dieser schon einiges über ihre Bedeutung aus: „Integrare“ heißt zusammenschließen, aber auch wiederherstellen. „Inclusio“ bedeutet dagegen den Einschluss, die Zugehörigkeit. In der Sonderpädagogik versteht man unter Integration die Wiedereingliederung der Kinder, die bisher ausgegliedert waren, in die Regelklassen. Der Begriff der „Inklusion“ geht darüber hinaus. Inklusion heißt Zugang verschaffen, heißt Abbau von Barrieren. Diese Zugänglichkeit meint jedoch nicht nur die zu Gebäuden und zu Verkehrsmitteln für Menschen mit Behinderung. Es geht bei der Inklusion nicht nur um bautechnische Fragen; Inklusion ist ein gesellschaftspolitisches Prinzip. Inklusion ist das Gegenteil von Exklusion. Eine Exklusionsgesellschaft, eine Ausschlussgesellschaft also, wäre eine undemokratische Gesellschaft. Inklusion ist also, genau genommen, gelebte Demokratie.

Inklusion meint die Zugänglichkeit der Gesellschaft insgesamt, sie meint Teilhabe an Arbeit und Leben, am Arbeitsleben und am Freizeitleben. Inklusion bedeutet nicht nur Dasein und Geduldetsein; sie bedeutet Anerkennung, Respekt und Wertschätzung. Inklusion – das ist also ein gewaltiger Anspruch, das ist ein großes, ein hochgestecktes Ziel, von dessen Realisierung wir noch immer weit entfernt sind. Inklusion ist eine Realvision.

Das Wort „Inklusion“ macht deutlich, dass bloße räumliche Wiedereingliederung nicht reicht. Die bloße Anwesenheit eines Kindes mit Behinderung Beeinträchtigung in einer Regelklasse bewirkt nicht viel; vielleicht bewirkt sie oft sogar das Gegenteil von dem, was man sich erhofft: Wenn nämlich nicht mehr passiert als räumliche Eingliederung, wenn es keine gezielte Förderung, wenn es keine kluge Einzelfallpädagogik gibt – dann ist solche Integration leere Präsentation, die womöglich nur Demotivation und Resignation mit sich bringt.

Quelle: Blätter >>>>> weiterlesen

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Fotoquelle: Wikipedia – Author Lukáš Malý

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Das Dorf der Krebskranken

Erstellt von IE am 16. August 2014

Gasbohrungen belasten die Umwelt. Ist es Zufall, dass in Söhlingen viele Krebsfälle auftreten? Erst jetzt handeln Firma und Behörden

AUS SÖHLINGEN INGO ARZT

Ein Satz reicht aus, und das Leben von Anja Kremer entgleist. Vor ein paar Wochen sitzt sie bei ihrer Frauenärztin, etwas ist in ihrer linken Brust, etwas Hartes, sie hat es selbst ertastet. Die Ärztin untersucht Anja Kremer mit Ultraschall, und während sie konzentriert auf den Monitor blickt, hält die Ärztin inne und sagt ernst: „Da ist etwas.“ Das war der Satz. Kremer ist 44 Jahre alt, stellvertretende Marktleiterin in einem Supermarkt, ein taffes Arbeitstier, sagt sie über sich und jetzt: Brustkrebs.

Sie wirkt trotzdem unwirklich fröhlich, wie sie das in der Küche ihres Hauses erzählt, das in diesem Fall eine wichtige Rolle spielt: Es steht in Söhlingen, einem Ortsteil der Gemeinde Hemslingen, Landkreis Rotenburg, Niedersachsen. Das Dorf ist umringt von Erdgasförderstellen. Z 1, Z 11 oder Z 5 heißen sie, durchnummeriert verbergen sie sich in der Landschaft, eingezäunte Betonflächen mit Tanks, Rohren, Baracken, Pipelines knapp unter der Erdoberfläche. Niedersachsen ist die Erdgaskammer Deutschlands. Allein im Landkreis Rotenburg befinden sich über 100 dieser Förderstellen. „Wie kann es sein, dass in Söhlingen alles totgeschwiegen wird?“, fragt Kremer.

Aufsicht verschlampt

Quelle: TAZ >>>>> weiterlesen

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Fotoquelle: Wikipedia – Urheber Chmee2

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Datenfluss aus dem Badezimmer

Erstellt von IE am 8. August 2014

Über die Umwandlung des Privatlebens

in Vermögenswerte

von Evgeny Morozov

Vor Kurzem brachte Oral-B, eine Tochterfirma des US-Konsumgüterkonzerns Procter & Gamble, eine Smartguide-Zahnbürste für das „vernetzte Badezimmer“ auf den Markt. Die Zahnbürste kommuniziert mit dem Smartphone, wo eine entsprechende App den Fortschritt der verschiedenen Reinigungsaufgaben überwacht (Haben Sie Zahnseide benutzt? Ihre Zunge gebürstet? Gründlich gespült?) und durch Bildchen auf dem Display die Mundpartien kennzeichnet, die weiterer Aufmerksamkeit bedürfen. Aber wichtiger noch, die Zahnbürste „zeichnet die Daten über Ihre Zahnreinigungsaktivitäten auf, damit Sie diese selbst kontrollieren und mit Ihren professionellen Zahnpflegern besprechen können“. Was genau mit diesen Daten passiert – ob sie den „professionellen Zahnpflegern“ oder der Krankenversicherung mitgeteilt werden, bei Ihnen zu Hause bleiben oder zu den anderen Daten hinzugefügt werden, die Facebook und Google bereits über Sie besitzen – ist eine zunehmend kontrovers diskutierte Frage.

Die plötzliche Erkenntnis, dass Daten, die Alltagsgeräte wie eine „smarte“ Zahnbürste oder die „intelligente“ Toilette sammeln, zu Geld gemacht werden können, hat den Widerstand gegen die Datensammelwut von Facebook, Google und Co geweckt. Die populistische Forderung lautet: Die großen Datenmonopolisten zerschlagen und durch Kleinunternehmer ersetzen! Jeder von uns soll als freischaffender Datenmakler sein eigenes Datenportfolio verwalten – wir verkaufen den Zugang zu unserem Genom, wenn eine Pharmafirma Interesse zeigt, oder veräußern unser Bewegungsprofil für einen Rabatt im Restaurant um die Ecke.

Quelle: Le Monde diplomatique >>>>> weiterlesen

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Fotoquelle: Wikipedia – Author Michael Sander / Denkmal für den Erfinder der Zahnbürste in Bad Tennstedt (Thüringen).

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Ebola in Westafrika

Erstellt von IE am 7. August 2014

Guinea, Liberia und Sierra Leone haben Schulen und

Grenzengeschlossen. Militär ist im Einsatz.

Stoppt das die Krankheit?

„Wir brauchen Personal, Autos, Sprit und Mut“

EPIDEMIE Der Kampf gegen Ebola wäre zu gewinnen – aber es fehlt an Unterstützung für die Helfer, sagt der Arzt Maximilian Gertler

INTERVIEW MANFRED KRIENER

taz: Herr Gertler, Sie waren in der Stadt Guéckédou im Süden Guineas im Einsatz gegen Ebola. Wie groß war Ihre Angst, sich anzustecken?

Maximilian Gertler: Angst müssen vor allem die Menschen haben, die dort leben, die unwissend sind und mit plötzlichen Todesfällen in ihrem Dorf oder in der eigenen Familie konfrontiert sind. Wir kennen die Infektionswege und wir haben bei vielen Ausbrüchen der Vergangenheit wertvolle Erfahrungen gesammelt.

Wie wichtig ist die internationale Hilfe durch Ärzte, Experten der WHO und Epidemiologen wie Ihnen?

Diese Epidemie ist vor allem deshalb so groß geworden, weil die ersten Reaktionen viel zu zögerlich waren. Es hätte von Anfang an stärkere internationale Anstrengungen gebraucht. Bis heute haben die Gesundheitsbehörden vor Ort, vor allem in Liberia und Sierra Leone, lange nicht die Unterstützung, die sie brauchen.

Wie sieht denn der Abwehrkampf gegen Ebola im Alltag aus?

Quelle: TAZ >>>>> weiterlesen

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Fotoquelle: Wikipedia

Author
  • Photo Credit:
  • Content Providers(s): CDC/Dr. Lyle Conrad
Permission
PD-USGov-HHS-CDC

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Das Acker-Imperium

Erstellt von IE am 5. August 2014

Das Acker-Imperium

Die KTG Agrar SE bewirtschaftet satellitengesteuert 30.000 Hektar in Ostdeutschland, so viel Land wie kein anderer Konzern

AUS ORANIENBURG GABRIELA M. KELLER

Es war einmal ein Bauer, der hatte kein Land. Er wuchs auf einem Hof in Bayern auf, die Eltern bauten Spargel und Erdbeeren an. Doch den Hof erbte der ältere Bruder. Da zog er aus, sein Glück zu suchen.

Heute ist Siegfried Hofreiter Herr über den größten Landwirtschaftskonzern Deutschlands, die KTG Agrar, ein Imperium mit 23 Standorten, 775 Mitarbeitern und mehr als 40.000 Hektar, davon rund 32.000 in Ostdeutschland und auch noch 8.000 in Litauen.

Dazwischen liegen rund 30 Jahre und eine Geschichte, die eng verknüpft ist mit dem rasanten Wandel der Landwirtschaft in Ostdeutschland.

Der Bauer lebt in einem Haus, das aussieht wie von der bayrischen Alm nach Brandenburg teleportiert, Holzbalkone, Giebeldach, Heckenrosen. Es steht mitten auf dem Gelände des Standorts Oranienburg. Gegenüber erhebt sich ein Verwaltungsbau; weiter hinten liegen neue, saubere Maschinen- und Lagerhallen zwischen Erdbeerfeldern verstreut.

Quelle: TAZ >>>>> weiterlesen

Siehe auch:

Die Saat ist aufgegangen

Die staatliche Enteignung

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Fotoquelle: Wikipedia – Urheber Cd design85

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Petition nach Art. 45 C

Erstellt von Gerd Heming am 30. Juli 2014

Petition nach Art. 45 c des Grundgesetzes der

Bundesrepublik Deutschland

Sehr geehrter Herr Bundesminister Hermann Gröhe,

bitte setzen Sie sich mit uns, dem Bund der Pflegeversicherten, für ein gesundes und selbstbestimmtes Leben aller Menschen mit erhöhtem Pflegebedarf in der häuslichen, ambulanten und stationären Pflege ein. Um dies zu erreichen, fordern wir einen grundlegenden Wechsel in der medikamentösen Versorgung der pflegebedürftigen Menschen, weil  in vielen Fällen die Gabe von pharmazeutisch erzeugten Medikamenten das Leben der Menschen nicht verbessert, sondern verschlechtert. Wir verweisen dies bezüglich u.a. auf die Ausführungen von Prof. Dr. Stefan Görres, Universität Bremen, Fachbereich 11, Pflegewissenschaften, in seinem Aufsatz „Die gesundheitliche Versorgung im Alter“ (1997) hin, der wie folgt formuliert: Die medikamentöse Versorgung „wird aus geriatrischer Sicht kritisch betrachtet. Beispiele für durch Arzneimittel verstärkte oder verursachte Erkrankungen und Komplikationen sind:

–         Verwirrtheitszustände
–         Depressionen
–         Bewegungs-und Gangstörungen
–         Stürze
–         anhaltende Verstopfung

Diese Auswirkungen gefährden die Unabhängigkeit älterer Menschen und fördern Unselbständigkeit, Pflegebedürftigkeit und die unnötige Einweisung in stationäre Einrichtungen (‚W. Kruse, 1993).“

Wir, der Bund der Pflegeversicherten, orientieren uns bei unserer Forderung an die wissenschaftlich fundierten Erfahrungen, insbesondere in Israel, wie sie unter der Überschrift „Marihuana in Altenheimen“ dokumentiert sind (Prof. RuthGallily, Hadassa-Krankenhaus bei Jerusalem).

In der Dokumentation heißt es: „In der Geriatrie haben wir viele Patienten mit chronischen Krankheiten, die seit Jahren starke Medikamente mit heftigen Nebenwirkungen nahmen. Der große Vorteil: Medizinisches Cannabis hat fast keine Nebenwirkungen. Es ermöglicht dem Körper zu gesunden, anstatt gegen die Medikamente erst mal ankämpfen zu müssen.“ Weiter heißt es dort: „Medizinisches Cannabis kann eingesetzt werden bei Entzündungen jeder Art und gegen Arthritis, HIV, Parkinson, MS, Krebs, Psychotraumata und vieles mehr.“

Wir, der Bund der Pflegeversicherten, fordern daher eine Änderung in der Denkhaltung der mit gesundheitlichen und pflegerischen Fragen professionell beschäftigten Personen und Personengruppen. Denn Marihuana oder Cannabis ist keine Droge, sondern ein Heilmittel.

Immer wieder wird in Deutschland das Märchen verbreitet, Cannabis, Haschisch,Marihuana, Hanf und Co seien gefährlich. Aber Cannabis und Co sind Heilmittel. Es ist gelinde gesagt bemerkenswert, dass uns dieses Heilmittel unablässig als gefährliche Droge dargestellt wird. Das ist nur zu verstehen, wenn man sich klar macht, dass sehr einflussreichen Interessengruppen jedes Mittel recht ist, den Ruf  dieser einzigartigen pflanzlichen Medizin zu zerstören.

Vor 80 Jahren gab es Cannabis als Tinktur in jeder Apotheke – rezeptfrei. Medikamente wie Aspirin, Codein, Cortison etc. lösten ab 1926 dieses Allheilmittel für den kleinen Mann aus Profitgier ab. Zum Wohle der Arzneimittelindustrie. Damals setzte man sogar noch einen oben drauf, indem man selbst den Faserhanf ablöste, um die von Dypont entwickelte Kunstfaser auf den Markt zubringen.

Die Pharmaindustrie hat folglich kein Interesse, dass sich Cannabis als Medikament durchsetzt. Man kann eine Pflanze nämlich nicht so ohne Weiteres patentieren lassen.

In der Dokumentation heißt es weiter: „Cannabis und selbst die synthetische Gewinnung von DBD sind wahnsinnig billig.“

Die Pharmaindustrie will uns (den Bürgern, den Ärzten und Patienten) aber lieber Cortison und viele andere stinkteure Medikamente verkaufen.  Mächtige Lobbyistengruppensorgen deshalb dafür, dass über unsere Politiker, über  viele sogenannte Experten aus allen Bereichen des Gesundheitswesen und über die meisten Bürgerinnen und Bürger der Schleier der Lüge gebreitet wird und gebreitet bleibt.

Die Anpflanzung und Herstellung von medizinischem Cannabis muss allserdings durch öffentlich-rechtliche Institutionen bewerkstelligt und organisiert werden. Wie auch die gesamte Kontrolle darüber in öffentlich-rechtlicher Hand zu bleiben hat. Keinesfalls darf sie in die Hand privater Profiteure geraten. Beispiel Dronabinol: Dieses pflanzliche Produkt, besteht auf der Grundlage von Cannabis. Es kostet wenige Cent. Wenn aber die Apotheken es als Medizin auf den Markt bringen, haben sich die Kosten dafür verzehntausendfacht. Deshalb sollte auch hier dem Beispiel in Israel gefolgt werden.

Wie auch immer.  Selbst in Deutschland  wird Cannabis als Medikament immer populärer. –  Es ist daher an der Zeit, dass das Heilmittel Cannabis auch in Deutschland jedem Bürger je nach Bedarf und kontrolliert zugängig gemacht wird. Zum Wohle der vielen Patienten mit chronischen Krankheiten, die seit Jahren starke Medikamente mit heftigen Nebenwirkungen nehmen. Denn einer der unschlagbaren Vorteile von medizinischem Cannabis ist, dass es fast keine Nebenwirkungen hat. Es ermöglicht dem Körper zu gesunden, anstatt gegen die chemisch erzeugten Medikamente erst mal ankämpfen zu müssen. In vielen Kliniken und in allen deutschen Altenheimen wird dann das frohe Bewusstsein gelingender Lebensqualität die jetzige depressive Dunkelheit vertreiben. Außerdem werden die Kosten für gesundheitlich Maßnahmen drastisch sinken.

Das Synonym „DROGE“ist ein weitläufiger Sammel-Begriff, für alle Substanzen, welche aus bestimmtenPflanzen/teilen extrahiert werden können – so auch ätherische Oele usw.. Das ist alltäglich. Aber wollen wir deshalb etwa eine Drogerie oder eine Apotheke zu einem Fall für  den Staatsanwalt machen?

Der Siegeszug von Cannabis als Medikament wird nicht aufzuhalten sein! Selbst dann wird er nicht aufzuhalten sein, wenn mächtige Interessengruppen alles tun werden, um die Köpfe der Menschen zu vernebeln. Denn leider ist es in unserer Gesellschaft vielfach so, dass Menschen an ihrem eigenen Unheil in einer Weise verbissen festhalten, als ginge es um ihr Seelenheil. Man muss für sie nicht eine Anleitung zum Unglücklichsein schreiben, sie leiten sich selbst dazu an.

Mit freundlichen Grüssen
Bund der Pflegeversicherten e.V.
Gerd Heming (Vors.)

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Fotoquelle: Wikipedia
Source     It’s all about love
Author     Candida Performa

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Die staatliche Enteignung

Erstellt von IE am 24. Juli 2014

Ein Ökobauernpaar soll von seinen Flächen herunter. So vereinbaren es das Landwirtschaftsministerium Sachsen-Anhalt und der Treuhand-Nachfolger BVVG. Anatomie einer Zerstörung.

AUS GÖBEL KAI SCHLIETER

Der Zigarillo klemmt in seinem Mundwinkel, als sei er angewachsen. Rauchen gehört zum letzten Luxus, den sich Dieter Saul gestattet. Er öffnet das Gatter, nicht mehr benutzte Gerätschaften stehen im Schlamm.

Der Traum vom eigenen Betrieb, von Unabhängigkeit und freiem Leben fällt in Göbel in Sachsen-Anhalt in sich zusammen. Der Stall ist so marode, dass ein Wildschwein eindringen konnte, um die Sau zu besteigen. Nun befüllt Cosima Saul, eine kräftige Bäuerin mit Arbeitshänden, die Tröge für die jungen Wild-Hausschwein-Mischlinge.

Von ihren 500 Kühen leben 400 in Mecklenburg-Vorpommern „in Pension“, wie sie sagt. Eigenes Land, das die Tiere ernähren könnte, besitzen die Sauls nicht mehr. Enteignet vom Staat, sagt Cosima Saul. Die Geschichte wiederhole sich. Sie bezieht sich auf die Kollektivierung der Landwirtschaft in der DDR. Cosima Saul stammt aus Finsterwalde in Südbrandenburg, Landwirtschaft studierte sie an der Humboldt-Uni in Ost-Berlin.

Die Wiederholung der Geschichte begann an jenem Tag im Mai 2004, als der Brief der Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH (BVVG) eintraf.

Zu Dumpingpreisen

Die BVVG: Ein Nachfolgeunternehmen der Treuhand, nach der Wende gegründet, um die Wald- und Ackerflächen der DDR zu privatisieren. Tausende Hektar verscherbelte die Firma zu Dumpingpreisen an Ex-LPG-Vorsitzende. Experten sprechen heute von einem Subventionsbetrug in zweistelliger Milliardenhöhe.

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Siehe auch:

Die Saat ist aufgegangen

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Auch linke Esel brauchen Esel

Erstellt von IE am 23. Juli 2014

Folgendes lesen wir in letzter Zeit immer öfter in der Presse. Es wird über Gerichtsurteile gesprochen – geschrieben welche noch nicht rechtskräftig sind, da die Möglichkeit eines Widerspruch noch offen ist. Was mit anderen Worten bedeutet dass viele zwar alles wissen, dieses Wissen aber noch nicht offen teilen möchten, sondern eine Karenzzeit einhalten wollen.

Sehr vor schnell darum auch die Bekanntgabe im Fall des Eselhengst, der jetzt vor dem Verwaltungsgericht in Trier entschieden wurde. Leider ist in diesen Zeitungsartikel der Name des Esels nicht angegeben, so das die Möglichkeit  verhindert wird, diesen hier direkt mit Name und eventuell auch mit Titel zu verewigen. Vielleicht war dieses aber auch so beabsichtigt, als persönliche Schutzmaßnahme, denn wer möchte als Esel schon Weltberühmtheit erlangen? Es liegt uns auch fern nun Menschen mit Tiere zu vergleichen – obwohl viele Menschen vielfach wesentlich  eseliger als Dieselben sind.

Vor dem Verwaltungsgericht wurde nun festgestellt das auch ein Eselhengst Anspruch auf Gesellschaft hat. Also eventuell auch Anspruch auf den Eintritt in eine Partei geltend machen könnte? Wobei Trier ja an und für sich ein Vorort von Köln ist, zumindest wenn wir dieses einmal aus den Augen der Kath. Kirche betrachten und Köln als heimliche Hauptstadt von NRW sehen, einem Land in dem ja bekanntlich in Deutschland die meisten Esel herumlaufen. Na, zumindest in der Linken. Aber o.k. im Saarland gibt es die auch.

In NRW wurde vor wenigen Wochen ein neuer Landesvorstand der Linken gewählt, im Alten waren wohl nicht genügend Antisemiten versammelt. Die 100 Tage währende  politische Schonfrist hat gerade begonnen und der neue Vorsitzende seine Befähigung für dieses Amt noch nicht einmal im Ansatz nachweisen können und schon geht das Theater los. Wir bekommen so den Eindruck das gerade DIE LINKE NRW auf einen solchen Vorsitzenden schon lange gewartet hat. Für Israel Proteste von einem Boot aus wäre es zur Zeit für gut bezahlte Politiker ja auch viel zu gefährlich.

Vom sicheren Heimatboden aus, gut bewacht von kapitalistischen Sicherheitskräften und bewaffnet mit Schlips und Kragen lässt es sich doch als Staatsangestellter viel einfacher Krakelen und setzt sich noch nicht einmal dem Genussverlust der Pension aus. Denn hier ist möglich was in den von ihnen verherrlichten  Ländern immer unter Strafe gestellt wurde und noch wird.  Das weiß sogar ein Linker Lehrer (da er etwas weiß, heute mit eh geschrieben).

Auch bleibt er nicht alleine, sondern hat viele weitere mit Tunnelblick um sich versammelt. Der Nächste sitzt so auch nur einen Steinwurf weiter, in der Nachbarstadt Bottrop. Auch Günni hat ja eine Verbindung zu Köln und eventuell auch etwas mit dem Urteil des Verwaltungsgericht in Trier gemeinsam?

Aber die Esel zumindest, werden von einem Veterinär betreut und ein Amt trägt für die sozialen Kontakte Sorge. Notfall durch eine Kastration um eine höhere Sozialverträglichkeit herbeizuführen.

Urteil in Trier: Esel braucht Esel gegen Einsamkeit

Ein Esel braucht Gesellschaft von Artgenossen und sollte grundsätzlich nicht alleine gehalten werden. Das hat jetzt das Verwaltungsgericht Trier entschieden.

Ein Tierhalter von der Mosel muss Gesellschaft für seinen Eselhengst suchen. Das Verwaltungsgericht Trier hat die entsprechende Anordnung des zuständigen Veterinärs bestätigt und die dagegen gerichte Klage abgewiesen (Az.: 6 K 1531/13.TR). Der betroffene Kläger ist seit mehreren Jahren Halter eines Eselhengstes.

Quelle: Saarbrücker-Zeitung >>>>> weiterlesen

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Ein paar Klicks im Netz

Erstellt von IE am 19. Juli 2014

Ein paar Klicks im Netz. Fertig. Drin

Hallo, hallo – niemand mehr da ?

Ach Herrlich dieser Kommentar. Ich bin so frei, da ich keinen Verein angehöre – noch nicht einmal einem Schachclub. Jeder Leser dieses Kommentar ist also Mitglied von wenigstens zehn Vereinen, im Land der Vereinsweltmeister. Viel Spaß beim Lesen und immer bitte an die These denken:

Wer dazugehören will, muss sich verbiegen !!

VON PHILIPP MAUSSHARDT

Ich leide an einem merkwürdigen Tick. Ich nenne ihn „Chamäleonitis“. Rede ich mit jemandem, der anders spricht als ich, verändert sich auch bei mir die Farbe der Sprache. Telefoniere ich mit meinem armenischen Freund Benjamin, der seit Jahrzehnten in Deutschland lebt, dem Deutschen aber bis heute nur gebrochen huldigt, dann fallen auch von mir Sätze wie: „Ich morgen kommen, nein, du nix zum Essen vorbereiten.“ Das ist, zugegeben, schlimm. Reise ich in die Schweiz, fange ich kurz nach Schaffhausen an, gurgelhafte Zischlaute auszustoßen. „Grrrüezi“, rufe ich dann laut vor mich hin. Sobald ich einem echten Schweizer begegne, antworte ich ihm auf Schwyzerdütsch – oder was ich dafür halte. Während meiner Jahre in Köln beherrschte ich bald schon den Singsang der Rheinländer so gut, dass mancher mich „fir ene Kölsche Jung“ hielt.

Oft allerdings führt Chamäleonitis zu Irritationen. Die Menschen glauben, ich wolle mich über sie lustig machen.

Dabei ist alles ganz anders: Mein Tick entstammt diesem tiefen Bedürfnis, dazugehören zu wollen.

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Leben mit dem Rollstuhl

Erstellt von IE am 7. Juli 2014

Ach, da war ja noch etwas

WETTRENNEN Öffentliche Verkehrsmittel sind die Pest – vor allem wenn man im Rollstuhl sitzt und ständig jemand oder etwas im Weg oder nicht zur Stelle ist. U-Bahn-Fahren in Berlin mit unserer Autorin

VON JUDYTA SMYKOWSKI

Montag, 9.01 Uhr: U-Bahnhof Amrumer Straße, U 9 Richtung Rathaus Steglitz – bis zur Haltestelle Kurfürstendamm. Auf dem Weg zur Universität der Künste Berlin.

Ich steure den Aufzug an. Es riecht nach Cannabis, eine fast schon willkommene Alternative zu dem sonstigen Geruchsgemisch aus Urin, Schweiß und sonstigen menschlichen Ausdünstungen. Ich steige in den zweiten Fahrstuhl zum Gleis und sehe, dass er hinter mir abgesperrt wird. „Super“, denke ich. Vielleicht wird jetzt eine Grundreinigung durchgeführt. Nötig hätte es der Fahrstuhl allemal.

9.17 Uhr: Ankunft U-Bahnhof Kurfürstendamm.

Eine Station früher als all meine Kommilitonen muss ich aussteigen, da an der nächsten Haltestelle, an der die Universität liegt, U-Bahnhof Spichernstraße, kein Fahrstuhl vorhanden ist. Einen Kilometer jeden Morgen und Nachmittag extra. Um auf den Kurfürstendamm zu kommen, muss ich zwei Aufzüge nehmen. Zwei Aufzüge sind es in den meisten U-Bahn-Stationen. Wenn einer von ihnen kaputt ist, dann kann ich das Anfahren der Station vergessen.

Quelle: TAZ >>>>> weiterlesen

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Wer hilft wem

Erstellt von IE am 21. Juni 2014

Wer hilft wem
Afrika braucht seine eigene Entwicklung

 von Hakima Abbas

Als bei den Vereinten Nationen die Regierungsvertreter den nächsten internationalen Entwicklungsplan für die Zeit nach 2015 aushandelten, erschien ein Bericht von Oxfam International und machte darauf aufmerksam, dass die 85 reichsten Menschen der Welt so viel besitzen wie die Hälfte der Weltbevölkerung.  Massive wirtschaftliche Ungleichheit ist weltweit zum Normalzustand geworden. Sie ist nicht nur an den Einkommen ablesbar, sondern auch am Konsum (von den weltweiten Konsumausgaben entfällt weniger als 1 Prozent auf die ärmste Milliarde der Weltbevölkerung, während die reichste Milliarde auf 72 Prozent kommt sowie am Zugang zu Gesundheit, Wasser, Nahrung und Energie. Diese extreme und anhaltende Ungleichheit besteht nicht nur zwischen dem globalen Norden und dem afrikanischen Kontinent, sondern in zunehmendem Maße auch innerhalb der afrikanischen Länder.

In den vergangenen fünfzig Jahren mussten wir uns immer wieder dasselbe Mantra anhören: Afrika ist reich an Ressourcen, die Volkswirtschaften des Kontinents wachsen entgegen dem weltweiten Trend, und wenn Afrika seine Bodenschätze und sonstigen natürlichen Ressourcen vernünftig nutzt, kann es seine Bevölkerung aus der Armut herausführen. Nach Angaben der Afrikanischen Union lagern in Afrika 38 Prozent der weltweiten Uranvorkommen, 42 Prozent des Goldes, 73 Prozent des Platins und 88 Prozent der Diamanten. Andere Quellen verweisen außerdem auf über 80 Prozent der bekannten Coltanvorkommen, 57 Prozent des Kobalts, 39 Prozent des Mangans, 31 Prozent der Phosphate und 9 Prozent der weltweiten Bauxitreserven. Dennoch liegen 32 der 48 Länder, die von den Vereinten Nationen als am wenigsten entwickelt eingestuft werden, auf dem afrikanischen Kontinent. Und die meisten von ihnen sind reich an Bodenschätzen.

Afrikas Anteil an den globalen Exporten hat im Lauf der letzten Jahrzehnte nicht etwa Fahrt aufgenommen, sondern ist dramatisch gesunken, von 7,3 Prozent im Jahr 1948 auf 2 Prozent im Jahr 2009. Der African Economic Outlook Report stellt fest: „Afrikas Wirtschaftswachstum wird von den 4,8 Prozent im Jahr 2013 auf voraussichtlich 5,3 Prozent im Jahr 2014 steigen.“ Der Bericht zeigt, dass dieses Wachstum jedoch mit unzureichender Armutsbekämpfung, anhaltender Arbeitslosigkeit, wachsender Einkommensungleichheit und in manchen Ländern mit einer Verschlechterung in den Bereichen Bildung und Gesundheit einhergeht. „Afrikas Landwirtschaft, seine Bodenschätze und seine Energievorkommen könnten“, so das Fazit des Berichts, „das ökonomische Wachstum des Kontinents ankurbeln und den Weg für einen Durchbruch in der Humanentwicklung ebnen.“ Aber warum tritt diese Veränderung nicht ein?

Um diese Frage zu beantworten, müssen wir zunächst herausfinden, was für ein Konzept hinter dem Begriff Entwicklung steht und welche Ziele damit verbunden sind. Entwicklung – das suggeriert Fortschritt, Verbesserung und die Erfüllung der menschlichen Sehnsucht nach körperlichem, seelischem, gesellschaftlichem und intellektuellem Wohlergehen.

Quelle: Le Monde diplomatique >>>>> weiterlesen

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Namensnennung: Christopher T Cooper

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Linke: Geld oder Braunkohle

Erstellt von IE am 3. Juni 2014

Jetzt auch offener Linker Streit über Braunkohle

Auf die eindeutige Zusicherung der Linken Brandenburg den heutigen Plänen zum Braunkohle Abbau zustimmen zu wollen konnte es nur eine Antwort von Greenpeace geben. Sie sagten den zuvor vereinbarten „Runden Tisch“ mit der Linkspartei für heute ab, da ein ergebnisoffenes Gespräch nicht mehr möglich ist. „So ein Schmierentheater machen wir nicht mit“ erklärte der Energie-Experte von Greenpeace Karsten Smid zu dieser Entscheidung.

So verliert die Partei langsam aber sicher nicht nur die Wähler sondern auch die Sympathien der APO. Sie isolieren sich durch ihr politisches Versagen in der Gesellschaft wobei der Riexinger laut heutiger TAZ wieder einmal den Niexinger macht und Greenpeace einen „kalkulierten Eklat“ unterstellt, eine typische Reaktion der Linken. Schuld sind prinzipiell – immer die Anderen. Mit solch politischen Nullen ist nun wirklich kein Staat zu machen.

Da hilft dann auch ein Brief  (wieder Einer)  der stellvertretenden Parteivorsitzenden an die Brandenburger „Parteifreunde“ nicht mehr viel, welche wohl durch die Eurozeichen in ihren Augen zu sehr geblendet wurden. Politik gleich Geld und Macht steht auch in der Linken einsam an der Spitze des politischen Denken.

Linke-Vorstand fordert Nein zum Tagebau

Die Linke-Parteispitze auf Bundesebene macht im Streit um neue Braunkohletagebaue und aus Sorge um die Glaubwürdigkeit der Linken nun doch offen Front gegen ihre Landespartei in Brandenburg.

 Die vier Vize-Vorsitzenden der Bundespartei fordern mit Rückdeckung der Parteichefs Katja Kipping und Bernd Riexinger in einem Brief an die Linken-Minister in Brandenburg, dass die für Dienstag angesetzte Entscheidung im Kabinett von Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) über den Braunkohleplan für den neuen Tagebau Welzow-Süd II verschoben werden muss oder dass die Minister notfalls den Beschluss ablehnen müssen. Die Parteiführung will damit erreichen, dass „in dieser Legislaturperiode von der Landesregierung keine Entscheidung mehr zu diesem Tagebau getroffen wird“, wie es in dem Brief heißt, der den PNN vorliegt. Darin weisen die Vize-Parteichefs darauf hin, „dass die Auswirkungen einer solchen Entscheidung bundespolitisch von hoher Relevanz sind – sowohl klima- und energiepolitisch als auch für die Glaubwürdigkeit Linker Politik“. Offiziell vermied die Linke-Bundeschefin Kipping am Montag bei einem Treffen mit Brandenburgs Vize-Regierungschef Helmuth Markov in Potsdam jede offene Kritik an ihren Genossen in Brandenburg. Beide sagten, die Linke wolle bis 2040 aus der Kohleverstromung aussteigen. „Ich hätte es auch gern schneller“, sagte Kipping. „Aber ich muss auch sehen, dass es mit einer SPD auch in Brandenburg nicht schneller geht.“

Quelle: PPP >>>>> weiterlesen

Fotoquelle: Wikipedia – Author SPBer

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Die Saat ist aufgegangen

Erstellt von IE am 31. Mai 2014

Die Saat ist aufgegangen

25 Jahre nach der Wende müsste die DDR Geschichte sein. Auf den Äckern aber existiert sie noch. Die Profiteure: treue Genossen, die sich das Land sicherten

Autor: KAI SCHLIETER

Noch zehn Stunden nach dem Unfall bargen Einsatzkräfte Leichen aus den Autowracks. Ein Sandsturm hatte im April 2011 zu einer Massenkarambolage auf der A19, kurz vor Rostock geführt. Acht Menschen starben, 150 waren in den Unfall verwickelt. Orkanböen waren am Morgen über die weitläufigen Äcker im Nordosten Mecklenburg-Vorpommerns geweht. Für die Autofahrer fühlte es sich an, als wären sie von klarer Sicht ins Dunkle gefahren. Etwas zugespitzt könnte man sagen: Der Unfall auf der Autobahn hat mit der SED zu tun – und mit Helmut Kohl.

Vielleicht hätten Hecken zwischen den Feldern die Verwehung verhindern können, aber in erster Linie sind es die riesigen Flächen, die es dem Wind leicht machten. Ein agrarpolitisches Erbe der SED-Diktatur, das im Prinzip auf die Güter der preußischen Junker, den ostelbischen Adel zurückgeht. Dass diese Kontinuität bis heute trägt, daran hat auch der Kanzler der Einheit entscheidend mitgewirkt. Und alte Seilschaften sorgten dafür, dass auch im Jahr 25 nach der Wende die Eliten der DDR von den riesigen Ländereien profitieren: die ehemaligen Chefs der Großbauernhöfe der DDR, der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften, im DDR-Jargon abgekürzt als LPG.

 Den Chefs gelang es nach 1989, sich die wertvollen Ackerflächen dauerhaft zu sichern. Zu Preisen, die nicht mal der Hälfte des Marktwerts entsprachen – eine staatliche Milliardensubvention auf Kosten der Steuerzahler.

 Einer, der davon erzählen kann, wohnt in Rukieten, einem Dorf in Mecklenburg-Vorpommern. Am Ende eines Feldwegs, umgeben von weiten Grünflächen, steht sein Hof. Jörg Gerke lebt hier, seit zwei Jahrzehnten. Wessi, Niedersachse, Ökobauer, Kritiker der herrschenden Agrarverhältnisse. Ein kantiger Typ, manche werfen ihm vor, dass er auf dem AfD-nahen Blog freiewelt.net schreibt. „Ich lasse mich parteipolitisch nicht diskreditieren“, sagt er dazu. Ihm geht es um die Äcker in Ostdeutschland.

 1994 kaufte er 150 Hektar und baute einen Öko-Landwirtschaftsbetrieb auf. Mittlerweile bewirtschaftet er mit seinem Sohn rund 300 Hektar. Riesig im Vergleich zu den Höfen im Westen, die im Durchschnitt 55,8 Hektar groß sind, aber klein im Vergleich zu seinem Nachbarn, dem 3.000 Hektar gehören.

 Roggen, Hafer und anderes Getreide baut er an, hält eine Fleischrinderherde mit 100 Tieren, die von ihrem Stall auf die Weide zum Grasen trotten. Gerke ist habilitierter Landwirt, aktiv in der alternativen Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft e. V. Doch er ahnte damals nichts von dem, was er heute „ostdeutsches Agrarkartell“ nennt. Er ist überzeugt, dass ein Teil der DDR noch real existiert, im Jahr 2014.

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Fotoquelle: Wikipedia – Urheber Cd design85

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Tempelhofer Freiheit für alle

Erstellt von IE am 25. Mai 2014

Tempelhofer Freiheit für alle

VON ELISABETH MEYER-RENSCHHAUSEN

Letzten Sommer haben Tausende in Istanbul gegen die Bebauung des Geziparks und die Erdogan-Regierung demonstriert. „Her yer Taksim, her yer direnis!“ – Überall ist Taksim, überall ist Widerstand. In Berlin wiederum wird am Sonntag nicht nur über die Zusammensetzung des EU-Parlaments abgestimmt, sondern auch darüber, ob der ehemalige Flughafen Tempelhof bebaut werden darf. „Tempelhofer Freiheit“ werden die etwa 350 Hektar Land mitten in der Stadt genannt. Und in Venedig, dieser Lagune aus Stein, halten Studenten und Studentinnen seit diesem April einen ehemals verschlossenen, verwilderten Garten im Stadtteil Dorsoduro besetzt, der zur Universität gehört. Sie haben ihn wieder für alle geöffnet. Die Uni will ihn verkaufen, ein Hotel soll dort gebaut werden. „Siamo tutte/i #invendibili!“ – Wir sind alle unverkäuflich, steht auf ihren Transparenten. Drei Orte, ein Thema: der Protest gegen den Ausverkauf von öffentlichem Land.

Um die Volksabstimmung über die Nichtbebauung des Tempelhofer Felds überhaupt möglich zu machen, haben vorab mehr als 185.000 BerlinerInnen sie eingefordert. Sie verstehen die weite Wiese als Gemeingut, als Allmende, als Land also, das allen gehört und das nicht an Investoren verkauft werden soll. Spazieren gehen, Spielen, Joggen, Grillen – alles ist möglich auf der riesigen Fläche. Feldlerchen brüten auf dem Gelände, und Anwohnende haben Gemeinschaftsgärten gegründet, wo alles in Kistenbeeten gezogen wird. Jeder kann mitmachen. Zumindest so fast. Denn auch für eine Allmende-Nutzung gibt es Regeln.

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Fotoquelle: Wikipedia – Urheber A.fiedler

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Die Kraftwerks Sozialisierung?

Erstellt von IE am 17. Mai 2014

34,3 Milliarden Euro Rücklagen

BILANZ Die Atomindustrie will dem Staat ihre Kraftwerke übertragen. Wie soll der die Sozialisierung der Verluste verhindern? Die werden immer höher

VON BERNHARD PÖTTER

Die Ministerin erinnerte an die Rechtslage: „Die uneingeschränkte Verantwortung“ für den geordneten Rückzug der deutschen Atomindustrie liege bei den Stromkonzernen, erklärte am Beginn der Woche Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD). Kurz zuvor waren Pläne bekannt geworden, dass die deutschen Energiekonzerne ihr Atomgeschäft in eine öffentliche Stiftung unter Führung des Bundes übergeben wollen. Hendricks mahnte, die Unternehmen hätten „uneingeschränkt sämtliche Kosten der Stilllegung, des Rückbaus sowie der Endlagerung zu tragen“.

Das ist ein frommer Wunsch. Denn der Ausstieg aus der Atomenergie wird den deutschen Steuerzahler mit zweistelligen Milliardensummen belasten. Und er wird wahrscheinlich deutlich teurer als bislang gedacht. Genaue Zahlenangaben zu diesem Fass ohne Boden haben weder die Unternehmen noch die Behörden. Aber bereits die vorhandenen Daten zeigen nach taz-Recherchen, dass die Kosten weit über den bisherigen Schätzungen liegen. Die Szenarien erinnern an die Finanzkrise: Von einer „Bad Bank“ ist die Rede, Entscheidungen werden ohne handfeste Informationen getroffen – und auf ein paar Milliarden mehr oder weniger kommt es nicht so an.

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Fotoquelle: Wikipedia – Urheber Presse03 – KW Würgassen

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