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RENTENANGST

Byebye, Marion Mädel!

Erstellt von DL-Redaktion am Sonntag 2. Januar 2011

Austrittserklärung aus der Partei DIE LINKE

File:Die Linke Grundrecht Grundeinkommen BGE Berlin 2013.jpg

Sie streiten für ihr Recht – schon innerhalb ihrer Partei gibt es keinerlei Rechte

Margit Marion Mädel
37671 Höxter
31.12.2010
Einschreiben und per mail

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Landesgeschäftsstelle
DIE LINKE.
dem Landesvorstand NRW
Corneliusstr. 108
40215 Düsseldorf

Offener Brief an die Partei DIE LINKE. Landesvorstand NRW

Austrittserklärung aus der Partei DIE LINKE.

Hiermit erkläre ich meinen Austritt aus der Partei DIE LINKE. mit sofortiger Wirkung.

Ich habe mich blenden lassen von einer neuen, jungen Partei, welche sich zum Ziel gesetzt hatte, *HARTZ IV muss weg!* und man wolle dem Sozialkahlschlag stoppen und den Menschen ihre Würde zurück geben…

Mein Interesse lag und liegt immer daran, Politik mit dem Menschen für den Menschen zu gestalten, insbesondere stehe ich seit August 2004 gegen die menschenunwürdigsten Hartz IV Gesetze und unterstützte die soziale Protestbewegung in Deutschland viele Jahre als Koordinierungsmitglied für OWL im Aktionsbündnis Sozialproteste bis 2009. Es wuchs eine Zusammenarbeit mit dem Erwerbslosenforum Deutschland und dem Verein Tacheles aus Wuppertal und vielen sozialen Bündnissen deutschlandweit. In diesen sozialen Bewegungen wurden all die Jahre die Forderungen auf die Straße getragen, welche ich später im Programm DIE LINKE. wieder fand.

Ich erkannte bereits 2005, dass es den Menschen in unserem Lande nichts bringt zu debattieren, diskutieren, Pamphlete zu verfassen welche keiner hören will und selbst für den Protest kann man schwerlich mobilisieren.

So kam mir die Idee ein unabhängiges, überparteiliches und freifinanziertes Soziales Zentrum zu gründen, denn die Menschen brauchten neue Anlaufstellen zur Beratung mit all den undurchschaubaren Hartz IV Gesetzen und deren Schikane und Willkür. Vorerst als Selbsthilfegruppe eignete ich mir alles Wissen an, was man für eine gute Beratungsstelle benötigte. Januar 2007 gründeten wir dann den Verein Soziales Zentrum Höxter e.V. welches mittlerweile einen guten Namen über unsere Kreisgrenzen hinaus hat. Täglich setzen wir uns für die Menschen ein, welche in unserer Gesellschaft ausgegrenzt werden. ( Hartz IV Beratung, Jugendlichen ohne Ausbildung, Alleinerziehenden, Senioren und kranken Menschen, Menschen mit Behinderungen).

In der Zeit des Widerstandes blieb es nicht aus, dass ich immer wieder an Veranstaltungen der WASG und auch später der Partei DIE LINKE. (in denen mein Ehemann ab 2005 Mitglied ist) teilnehmen konnte und wir unterstützten über die ganzen Jahre diese Parteien. Man schmückte sich gern mit uns und unserer Arbeit in den Protestbewegungen und was wir in unserem Zentrum leisteten.

Im Mai 2009 trat ich in die Partei DIE LINKE. ein um aktiv an den politischen Zielen mitwirken zu können.

Zu Anfang gelang dies auch, aber dann ging es in unserem Kreis um Posten für Stadt und Kreistagsabgeordnete, wie auch für den Bundestag, Landtag und den Landesvorstand.

Bei all den Veranstaltungen erlebte ich, wie Menschen, gemobbt, diffamiert, denunziert, beleidigt und ausgegrenzt wurden. Als wir Unterstützung vom Landesvorstand erbaten, blieb diese aus und ich erkannte ja später, dass es in diesen Riegen genau so brutal zu geht wie bei Wahlen.

Meine Sprecherratstätigkeit für die LAG Selbstbestimmte Behindertenpolitik lege ich hiermit auch nieder und trete aus der LAG SBP NRW und der BAG SBP ebenfalls aus.

Dabei wollten wir doch anders sein als all jene Parteien die den Bezug zu dem Bürger und Wähler doch schon lange verloren haben.

Ich bin eigentlich eine Kämpferin und gebe selten auf, aber, wenn man beginnt sich zu schämen was eigene Genossen in unseren Reihen von sich geben, dann wird es Zeit zu gehen.

Hier ist nicht mein Platz und ich möchte keine Zeit mehr sinnlos verschwenden für eine Partei welche im Begriff ist, sich selber zu zerlegen und bei der Wort und Tat nicht übereinstimmen.

Eines liegt mir noch sehr am Herzen:

So, werdet Ihr den Weg in eine neue solidarische Gesellschaft nie erreichen, aber ich werde meinen Weg weiterhin fortsetzen für dieses große Ziel und viele Menschen werden sich anschließen, weil sie längst erkannt haben, dass keine Partei dieses Ziel erreichen wird, denn das können nur die Menschen!

Mit solidarischen Grüßen

Margit Marion Mädel

Anlage bei Briefpost: Mitgliederausweis von Margit Marion Mädel, der Partei DIE LINKE.

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Anmerkungen der Redaktion:

Mit diesen Austritten aus der Partei in der letzten Zeit – und es werden noch viele, viele folgen – verliert die Partei nicht nur zahlende Mitglieder, sondern genau die Menschen, welche für eine Idee wertvolle und kreative Arbeit leisten. In diesem Sinne nicht die Mitläufer, sondern Kämpferinnen und Kämpfer, welche sich nicht nur auf Kosten der MitgenossenInnen die Taschen füllen wollen.

Zum besseren Verständnis hier noch einmal das Video, auf dem der Ehemann von Marion im Rollstuhl sitzend eine Rede auf einen Parteitag in NRW halten wollte. Dieses Beispiel zeigt in der brutalstmöglichen Offenheit, dass in dieser Partei nur Forderungen gestellt werden. Noch nicht einmal auf Parteitagen wird es Behinderten ermöglicht, das Rednerpult barrierenlos zu erreichen. Vielleicht wird Rollstuhlfahrern in der Partei in NRW demnächst folgende Frage gestellt: Zu welcher Strömung gehörst du denn? Antwort: Ich gehöre keiner Strömung an. Antwort des Verantwortlichen: Wenn du nicht der SL angehörst, trage deinen Rollstuhl selber. Politisch verantwortlich für die Durchführung von Parteitagen ist immer der Landesgeschäftsführer. IE

[youtube NVclac1FGBo]

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Grafikquelle  : This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 Generic license.

Source Die Linke

Author stanjourdan from Paris, France

7 Kommentare zu “Byebye, Marion Mädel!”

  1. Bundesdemokrat sagt:

    Willkommen im Club.

  2. Jörg Riss sagt:

    IE )?): „Zum besseren Verständnis hier noch einmal das Video, auf dem der Ehemann von Marion im Rollstuhl sitzend eine Rede auf einen Parteitag in NRW halten wollte.“

    Der Herr hat eine Rede gehalten (an der er nicht behindert wurde) und wurde von Anwesenden auf die Bühne getragen.Ich sah da keine Behinderung.

  3. Ingo Engbert sagt:

    2.) dann erkundige dich einmal was das Wort „barrierenlos“ für Behinderte bedeutet!

  4. Bundesdemokrat sagt:

    @2: Das kann doch wohl nicht wahr sein. Mal zur Nachhilfe: Barrielos bedeutet ohne die Hilfe Anderer ALLE Tätigkeiten und Bedürfnisse des täglichen Lebens zu bewältigen. Und nicht von anderen Leuten getragen werden um ungehindert eine Rede zu halten. Du solltest dich mal mit Behinderten oder deren Organisationsvertretern unterhalten und dich umfassend informieren. Wir kennen genug Einschränkungen im täglichen Ablauf. Freies reden gehört nicht dazu.

  5. Jörg Riss sagt:

    Ich weiß schon, was „barrierelos“ bedeutet. Aber es gibt bei Großveranstlaungen sehr selten eine Bühne zur ebener Erde – möglichst noch mit einem eingebauten Fahrstuhl (ein Podium ist in der Regel per se eine Erhöhung). Nicht überall kann aus technischen Gründen eine Rampe aufgebaut werden. Es ging um eine Person, die sich in einem Rollstuhl befand. Diese Person kam mit solidarischer Hilfe der dort Anwesenden recvht schnell auf die Bühne. Ich hatte nicht den Eindruck, die betreffende Person sei darüber ungkücklich gewesen.Ich selbst habe schon auf vielen anderen Veranstaltungen beobachtet, wo RollstuhlfahrerInnen auf ein Podium hochgehoben wurden (in einem Fall konnte ich selbst tatkräftig mit anpacken)- das klappte immer sehr gut. Auch in alten Bussen und Züge wird es oftmals ncoh so praktiziert. Zumindest für diese Personen gab es keine (unüberwindlichen) Barrieren. Ansonsten stimme ich zu, dass man bei Großveranstaltungen möglichst auf eine „Barrierefreiheit“ bewußt achten sollte.

  6. Gabriel van Helsing sagt:

    Ist doch toll, dass man jetzt zu der Bezeichnung einen gemeinsamen Nenner gefundet hat.

    Es heißt nicht Barrierelos, sondern seit den achziger Jahren Barrierefrei.

    Es geht auch nicht so sehr um die Barrierefreiheit am Körper, sondern mehr um die Barrierefreiheit in den Köpfen.

    Obwohl die Konvention schon seit Jahren von der UNO ratifiziert wurde, hat es unsere Bundesrepublik erst seit 2 Jahren geschafft, diese in Deutscher Sprache zu übersetzen. Deutschland selbst hat diese Charta erst seit ca. 3 Jahren unterschrieben. Da waren Dritte Weltstaaten schneller.

    Auch im Deutschen Bundestag ist nicht alles Barrierefrei. Einer der größten Wiedersacher ist der Prominenteste Behinderte. In Regierungsverantwortung. Auch bei dem ist noch nicht alles im Kopf angekommen.

    Leider wird auch in der Partei Die LINKE, die Barrierefreiheit, stiefmütterlich gehandelt.

  7. Dieter Carstensen sagt:

    Lieber Jörg Riss,

    Sie nehmen nur das Video wahr. Daher kann ich Ihnen Ihre Einschätzung nicht einmal verübeln, auch wenn ich alleine schon beim Betrachten des Videos zu einem ganz anderen Ergebnis käme.

    Da ich häufig mit Thomas (dem durch einen Arbeitsunfall mit dem Rollstuhl gehandicapten Mann in dem Video) und seiner Frau Margit Marion telefoniere, möchte ich Ihnen aber widersprechen:

    Beide haben die Auswahl des Tagungsortes als persönliche Diskrimierung empfunden, da es einfach von Ignoranz und Unkenntnis der Bedürfnisse gehandicapter Menschen zeigte und das bei einer Partei, die sich „sozial“ gibt.

    Es ist genau diese Gedankenlosigkeit, welche Gehandicapte an einer gleichberechtigten Teilhabe am Leben ausschliesst.

    Als Sozialarbeiter habe ich viele Seminare und Tagungen organisiert.

    Meine erste Frage bei Auswahl der Räumlichkeiten war immer: „Ist alles auch behindertengerecht?“, also Eingang, WC’s etc.!

    Selbst der Bundestag ist behindertengerecht, wie sollte sonst Wolfgang Schäuble an das Mikro gelangen, mit seinem Rollstuhl? Glauben Sie, er würde sich tragen lassen wollen?

    Ein Freund von mir ist für die SPD Behindertenobmann der Stadt Bayreuth. Er sitzt in einem schweren Elektrorollstuhl und bei einer Veranstaltung, wo er die Hauptrede zur Behindertenpolitik halten sollte, hatte man die Veranstaltung in der ersten Stock gebucht, es gab nur eine Treppe, keinen Aufzug, nichts!

    Er ist frustriert wieder nachhause gefahren, ohne seine Rede halten zu können und war zu recht stocksauer über so viel Gedankenlosigkeit.

    Was wäre denn gewesen, lieber Herr Riss, wenn mein Freund Max, mit seinem Elektrorollstuhl und dem etwas kräftigeren Körpergewicht, bedingt durch seine Erkrankung, auf dem Die Linke Parteitag aufgetaucht wäre?

    Tragen können hätte niemand ihn mit seinem Rollstuhl!

    Und das führt Ihre Argumente ad absurdum.

    Sie versuchen etwas zu rechtfertigen, wofür es keinerlei Entschuldigung gibt:

    Nämlich den gedankenlosen Umgang mit gehandicapten Menschen in dieser Gesellschaft. Sozial sein, links sein, mitmenschlich sein fängt im Kleinen alltäglichen Handeln an, nicht mit grossen Sprüchen!

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