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Bloß kein Retro-Merz!

Erstellt von DL-Redaktion am Samstag 15. Dezember 2018

AfD und die Krise der Union

Eine Kolumne von

Ginge es Deutschland besser mit einem Friedrich Merz an der Spitze einer Regierung? Union wieder nach rechts rücken, Krise weg? Wer so denkt, trifft eine fatale Fehldiagnose über die Ursachen für das Erstarken politischer Extreme.

Macht er jetzt weiter? Oder ist er einfach beleidigt? Seit Tagen kommt das Land nicht zur Ruhe über der Frage, ob nun der Friedrich Merz nach seiner Niederlage beim Parteichef-Hakeln wieder etwas mit Fleiß und Wirtschaft macht. Oder doch irgendwie in der Politik bleibt – was zumindest der Wolfgang Schäuble vom Schwarznull-Intriganten-Stadl prima fände: Weil es, ganz schön schlau, die „politischen Ränder“ schwächen würde, wenn Freund Merz endlich wieder ordentlich konservative Politik einbringt – und die AfD-Wähler dann gar nicht mehr wissen, warum sie AfD wählen sollten.

Klingt genial und ist als Befund derzeit gängig. Dabei könnte das Kalkül auch auf einer ziemlich dramatischen Fehlannahme beruhen – und Friedrich Merz‘ etwas abgehangenes Orakeln über Fleiß und Ordnung gar nichts an den eigentlichen Ursachen dafür ändern, dass es politisch gerade drüber und drunter geht. Denn das tut’s ja nicht nur im Land der bösen Angela. Könnte sogar sein, dass Merz mit seinen Wirtschaftsfloskeln aus der Vergangenheit diese Krise nur verschlimmern und der AfD helfen würde.

Die derzeit noch übliche Erklärung geht so: Weil Frau Merkel irgendwie grün-sozialistische Politik macht, wurden die armen Konservativen obdachlos. Und als dann der Herbst 2015 mit all den Flüchtlingen kam – und Angela auch noch Mutter Teresa gespielt hat -, sind eben die Wähler zur AfD. Rums. Lösung: Union wieder nach rechts rücken. Merz. Krise weg.

Verlust an Vertrauen

Nun mag im Befund ein Stück Wahrheit stecken. Fragt sich nur, warum dann die SPD noch stärker kriselt. Was ja hieße, dass SPD-Wähler zu AfD (oder Linken) gewechselt sein müssten, weil die Union zu viel SPD-Politik macht. Hä? Gaga. Die Frage ist auch, warum es gerade in allen möglichen (meist) westlichen Ländern politisch so fundamental kriselt. Die alten Mitte-Vertreter sind ja nicht nur in Deutschland politisch implodiert, sondern auch in Frankreich, Italien, den USA, Großbritannien und so weiter. Und: Weder in den USA, noch in Frankreich gab es einen Herbst 2015; und es gibt auch keine zweite italienische oder britische Angela Merkel, die dort eine konservative Partei sozialdemokratisiert hat.

Waren in den letzten Jahren nicht einfach zu viele falsche Propheten politisch unterwegs ? Hier unsere Quizfrage der letzten Jahre : „Was auf dem Foto ist nicht echt? Sind es die Zähne, die Titel oder ist es der Anwalt?“

Alles Zufall? Quatsch. Es gibt zunehmend Belege dafür, dass es (andere) gemeinsame Ursachen haben muss, wenn derzeit fast alle drei Monate irgendwo anders das Politsystem zu wackeln beginnt – ob via Brexit, Trump, römische Populisten, französische Gelbwesten oder AfD. Und dass das eher an Dingen liegt, die wirtschaftlich und sozial in den vergangenen Jahrzehnten schiefgelaufen sind. Und zu einem Verlust an Vertrauen darin geführt haben, dass die Politiker noch im Griff haben, was Finanzmärkte und andere Phänomene einer entglittenen Globalisierung so anstellen.

Lösungen für die, die ohnehin schon gutgestellt sind

Quelle    :         Spiegel-online         >>>>>         weiterlesen

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Grafikquellen          :

Oben     —         Friedrich Merz (2004)

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