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Alles ist vergiftet

Erstellt von DL-Redaktion am Samstag 11. Oktober 2008

Alles ist vergiftet

Die Finanzkrise zeigt, dass es eine Flucht vor der Gemeinschaft nicht gibt

KOMMENTAR VON ULRIKE HERRMANN

Ulrike Herrmann ist wirtschaftspolitische Korrespondentin der taz.

Es sieht aus wie ein Massensterben ohne eindeutigen Erreger. Viele Banken sind tot. Aber was genau sie eigentlich niedergestreckt hat, das ist noch immer unklar. An einer Liste der Symptome fehlt es nicht, sie werden immer wieder gern aufgezählt. Das fängt bei den Ramschhypotheken in den USA an, geht über die Finanzmathematik, die äußerst seltsame Wertpapierprodukte ermöglicht hat, und endet irgendwann bei den Steueroasen. Dazwischen kann man noch Hedgefonds, Ratingagenturen, gierige Manager und eine laxe Aufsicht kritisieren. Jede dieser Anormalitäten sollte dringend behandelt werden. Trotzdem ist die Beschreibung der Symptome noch keine Diagnose.

Was also hat die ganze Finanzwelt „vergiftet“, wie es die beliebte Metapher von den „toxischen Papieren“ nahelegt? Diese Frage stellt sich umso dringlicher, als sich der eigentliche materielle Schaden bisher in Grenzen hält. Offensichtlich hat schon eine Mini-Infektion genügt, um die Märkte weltweit kollabieren zu lassen. So hat der Internationale Währungsfonds in dieser Woche geschätzt, dass durch die Finanzkrise insgesamt rund 1,4 Billionen Dollar abgeschrieben werden müssen. Und selbst der oberste Pessimist der Analystenbranche, der US-Ökonom Nouriel Roubini alias „Mr Doom“, rechnet langfristig nur mit rund zwei Billionen. Das klingt nach waaaahnsinnig viel Geld – tatsächlich ist es eher wenig. Ökonomen haben vorgerechnet, dass vergangene Finanzkrisen zu weit größeren Verlusten führten, wenn man die Abschreibungen mit der Wertschöpfung der betroffenen Volkswirtschaften abgleicht. Dann sind die derzeitigen Turbulenzen geradezu billig: Unter den 78 Bankkrisen, die es seit 1970 gab, rangiert der aktuelle Crash weit hinten – irgendwo auf den Plätzen 68 bis 70.

Quelle : TAZ >>>>> weiterlesen:

http://www.taz.de/1/debatte/kommentar/artikel/1/alles-ist-vergiftet

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