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Archiv für September 16th, 2020

Schuldabwehr als Spektakel

Erstellt von DL-Redaktion am 16. September 2020

Gab es im Nationalsozialismus überhaupt deutsche Täter?

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Ein Schlagloch von Charlotte Wiedemann

Wenn sich Demonstranten als verfolgte Juden verkleiden, ist das nur ein Symptom.

Ist es mit Verschwörungsmythen zu erklären, wenn sich im Land der Shoah Impfgegner gelbe Judensterne anheften? Solche Deutungen umschiffen etwas Wesentliches – weil es dem offiziellen Selbstbild des geläuterten Landes zu sehr widerspricht: Die Deutschen haben wenig Bewusstsein für die eigene Täterschaft im Nationalsozialismus.Ein furchtbarer Satz, er schreibt sich nicht leicht. Aber es ist an der Zeit zu untersuchen, warum sich eine Minderheit so sicher fühlt, wenn sie Symbole auf die Straße trägt, die mit Bezugnahme auf deutsche Verbrechen eine Opferidentität halluzinieren und reklamieren.

Es war ein Erinnerungsort in Erfurt, der mich angeregt hat, neu über Täterschaft nachzudenken. Wo die Wilhelm-Busch-Straße den Nonnenrain kreuzt, wurden einst die Verbrennungsöfen für Auschwitz konstruiert. In großen Lettern steht heute an der Fassade des einstigen Verwaltungsgebäudes: „Stets gern für Sie beschäftigt …“ Mit dieser Grußformel unterzeichnete die Firma Topf & Söhne ihre Briefe an die Waffen-SS im Lager.

Ein Familienunternehmen; seine Inhaber waren weder fanatische Nazis noch handelten sie unter Zwang. Es war nicht zuletzt die technische Herausforderung, in Auschwitz immer größere Mengen von Leichen zu beseitigen, die den Ehrgeiz der Firmen-Ingenieure anstachelte. Als Arbeitgeber waren die Gebrüder Topf anständig und liberal, beschäftigten sogar Kommunisten und andere Verfolgte. Aber nichts hinderte sie, zum Dienstleister der Endlösung zu werden.

Eine Täterschaft im Gewand bürgerlicher Normalität (übrigens nie geahndet), unideologisch, ohne besondere individuelle Bösartigkeit. Diese mausgraue Täterschaft, verbreiteter als die grelle, ist im Licht der Jahre verblasst, als hätte es sie nie gegeben. Verschwunden aus der eigenen Familie; kaum ein heutiger Deutscher vermag sich dort einen Täter, eine Täterin vorzustellen. Umfragen zeigen auch, wie verbreitet die Ansicht ist, die Masse der Deutschen sei frei von Schuld gewesen, nur eine kleine Riege von „Verbrechern“ habe den Judenmord auf dem Gewissen.

Fast wortgleich hatte es Konrad Adenauer 1951 in einer Bundestagsrede formuliert: Die „überwältigende Mehrheit der Deutschen“ habe die Verbrechen gegen Juden verabscheut und viele hätten keine Gefahr gescheut, ihren jüdischen Mitbürgern zu helfen. Heute glaubt ein Drittel der Deutschen, in der eigenen Familie hätte es solche Helfer gegeben (Historiker sehen deren Anteil bei 0,3 Prozent), und jeder Zweite findet unter seinen Vorfahren Opfer.

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Wenn sich Demonstranten Judensterne und gestreifte Häftlingskleidung anlegen und Anne Frank für sich vereinnahmen, inszenieren sie Schuldabwehr und Täter-Opfer-Umkehr auf großer Bühne. Das Spektakel spiegelt im Extremen, was als Haltung gegenüber der eigenen Geschichte auf stillere Weise weit verbreitet ist. Die sogenannte rechtsoffene Minderheit nur als Negation der löblichen Gedächtniskultur einer Mehrheit zu sehen ist deshalb zu einfach.

Am Rande einer Kundgebung erklärte mir ein Beteiligter: Sein Großvater sei im KZ umgekommen; gerade deshalb kämpfe er nun gegen die neue Diktatur. Ich war zunächst sprachlos, aber es war der Opferstatus des Großvaters, der diesem Narrativ eine innere Logik verlieh. Das ist furchtbar wirr, aber ist es wirklich so viel wirrer als die Normalität eines weitgehend täterfreien Erinnerns im Land der Shoah?

Quelle      :         TAZ        >>>>>         weiterlesen

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Grafikquellen         :

Oben      ––        The Liberation of Bergen-belsen Concentration Camp, April 1945 Dr Fritz Klein, the camp doctor, standing in a mass grave at Belsen. Klein, who was born in Austro-Hungary, was an early member of the Nazi Party and joined the SS in 1943. He worked in Auschwitz-Birkenau for a year from December 1943 where he assisted in the selection of prisoners to be sent to the gas chambers. After a brief period at Neungamme, Klein moved to Belsen in January 1945. Klein was subsequently convicted of two counts of war crimes and executed in December 1945.

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Amerikanischer Faschismus:

Erstellt von DL-Redaktion am 16. September 2020

Vom Ku-Klux-Klan zu Trump

In Kampfmontur und gepanzerten Fahrzeugen donnert seit Wochen vielerorts in Amerika eine militarisierte Polizei in friedliche Demonstranten. Schon zu Beginn der Black-Lives-Matter-Proteste stieg der Präsident aus einem Bunker unter dem Weißen Haus und ließ seine Bürger mit Tränengas einnebeln, um zu einer Kirche zu gelangen, die er niemals besucht hatte, während er eine Bibel hielt, die er niemals gelesen hatte. Vielen kommt da eine berühmte Wendung in den Sinn, die oft fälschlich dem Roman „Das ist bei uns nicht möglich“ von Sinclair Lewis aus dem Jahr 1935 zugeschrieben wird: „Wenn der Faschismus nach Amerika kommt, wird er sich in die Fahne hüllen und ein Kreuz tragen.“ Da Lewis’ Roman unter den vielen Warnungen vor einem amerikanischen Faschismus aus der Zwischenkriegszeit am besten im Gedächtnis geblieben ist, wird ihm diese Mahnung neuerdings zugerechnet. Aber die Worte stammen nicht von ihm.

Vielmehr wurde das Diktum wahrscheinlich von James Waterman Wise geprägt, dem Sohn des bedeutenden amerikanischen Rabbis Stephen Wise. Er gehörte zu den vielen Stimmen, die seinerzeit die Amerikaner drängten, den Faschismus als eine ernste innere Bedrohung anzuerkennen. „Das Amerika von Macht und Reichtum“, warnte Wise, ist „ein Amerika, das den Faschismus braucht“. Der amerikanische Faschismus könne aus „patriotischen Vereinigungen wie der American Legion und den Daughters of the American Revolution [hervorgehen …] und eingehüllt in die amerikanische Flagge oder eine Zeitung des Hearst-Verlages zu uns kommen“. In einer anderen Rede formulierte er es etwas anders: Der amerikanische Faschismus wäre wohl „eingehüllt in die amerikanische Flagge und würde als Appell für die Freiheit und die Bewahrung der Verfassung angekündigt“.

Ein amerikanischer Faschismus würde definitionsgemäß amerikanische Symbole und amerikanische Slogans verwenden. „Erwarten Sie nicht, dass die das Hakenkreuz hochhalten“, warnte Wise, „oder irgendeine der populären Formen des Faschismus“ aus Europa einsetzen. Denn ultranationalistisch wie der Faschismus nun mal ist, versucht er, sich zu normalisieren, indem er auf vertraute nationale Gebräuche zurückgreift und darauf beharrt, bloß politisches Business as usual zu betreiben. So erklärte 1934 der Führer der spanischen faschistischen Falange, José Antonio Primo de Rivera, jeder Faschismus müsse lokal und einheimisch sein: „Italien und Deutschland […] wandten sich wieder ihrer eigenen Authentizität zu, und wenn wir ebenso verfahren, wird die Authentizität, die wir finden, ebenfalls die unsere sein: Es wird nicht die von Deutschland oder Italien sein, und daher werden wir, wenn wir die Leistung der Italiener oder Deutschen nachvollziehen, spanischer sein, als wir es jemals waren. […] Im Faschismus lassen sich, wie in Bewegungen aller Zeitalter, unter den lokalen Charakteristiken bestimmte Konstanten finden. […] Wir brauchen ein totales Gefühl für das Erforderliche: ein totales Gefühl für das Vaterland, das Leben, die Geschichte.“

Dennoch hat sich Samuel Moyn jüngst dagegen ausgesprochen, Trumps Politik mit dem Faschismus zu vergleichen, da seine Regierung „Ziele verfolgt, die tief in der amerikanischen Geschichte verwurzelt sind. Es bedarf keiner Analogie zu Hitler oder dem Faschismus, um diese Ergebnisse zu erklären.“ Das aber setzt voraus, dass der Faschismus nicht selbst tief verwurzelt in der amerikanischen Geschichte sei. Die Annahme, dass alles einheimisch Amerikanische nicht auch faschistisch sein könnte, ist fragwürdig – um nicht zu sagen: exzeptionalistisch. Damit bestreitet man die Frage nach dem amerikanischen Faschismus nicht, sondern wirft sie eher auf. Faschismus-Experten wie Robert O. Paxton, Roger Griffin und Stanley G. Payne argumentieren seit langem, dass der Faschismus seinen Anhängern niemals fremd erscheinen könne. Seine Behauptung, für „das Volk“ zu sprechen und die nationale Größe wiederherzustellen, bedeutet, dass jede Version des Faschismus ihre eigene lokale Identität haben muss. Wer glaubt, eine nationalistische Bewegung sei nicht faschistisch, weil sie einheimisch sei, versteht überhaupt nicht, worum es geht.

Historisch gesehen waren faschistische Bewegungen zudem von Opportunismus geprägt, einer Bereitschaft, nahezu alles zu sagen, was sie an die Macht bringt. Dadurch werden die Definitionen noch unklarer. Es hat sich als unmöglich herausgestellt, den Kern, das unteilbare faschistische Atom, zu identifizieren. Uns bleibt nur, was Umberto Eco die „Verschwommenheit“ des Faschismus nannte und andere als dessen „unklare und synthetische Doktrinen“ beschrieben haben. Es gibt gute Argumente gegen den Versuch, mithilfe einer Taxonomie so etwas wie ein „faschistisches Minimum“ zu etablieren, ganz so, als könne eine Checkliste den Faschismus qualitativ von anderen autoritären Diktaturen unterscheiden. Einige halten Antisemitismus für einen Lackmustest, andere Völkermord. Zählt Kolonialismus? Das bejahten Aimé Césaire, C.L.R. James und Hannah Arendt – neben vielen anderen bedeutenden Denkern, die die ersten Faschismen durchlebten – und argumentierten, der europäische Faschismus bringe über weiße Körper, was koloniale und Sklaverei-Systeme in der Heimsuchung schwarzer und brauner Körper perfektioniert hatten.

Laut Robert O. Paxtons einflussreicher Argumentation bestimmt sich der Faschismus über seine Praxis. Dennoch teilen dessen jeweilige Ausprägungen erkennbar einige auffällige Züge miteinander, darunter die Nostalgie nach einer reineren, mystischen, oft ländlichen Vergangenheit; Kulte der Tradition und kulturellen Erneuerung; paramilitärische Gruppen; die Delegitimierung politischer Gegner und die Dämonisierung von Kritikern; die Verallgemeinerung von einigen Gruppen als authentisch national, während alle anderen Gruppen entmenschlicht werden; Intellektuellenfeindlichkeit und Angriffe auf die freie Presse; Anti-Modernismus; fetischisierte patriarchale Maskulinität; sowie ein verzweifeltes Opfergefühl und kollektiver Groll. Faschistische Mythologien enthalten oft eine Vorstellung von Säuberung, eine ausschließende Verteidigung gegen ethnische oder kulturelle „Verunreinigung“ und damit verbundene eugenische Vorlieben für bestimmte „Blutlinien“. Der Faschismus macht Identität zur Waffe, erhebt das „Herrenvolk“ und setzt alle anderen herab.

»Hitler lernt von Amerika«

Die Amerikaner der Zwischenkriegszeit konnten nicht vorhersehen, was in Europa geschehen würde, waren sich aber dennoch einer Sache sehr bewusst, die wir heute aus den Augen verloren haben: Jeder Faschismus ist definitionsgemäß einheimisch. „Der Faschismus muss ein Eigengewächs sein“, mahnte ein amerikanischer Redner 1937, „den Worten Benito Mussolinis folgend, dass der Faschismus nicht importiert werden kann“, sondern „besonders an unser nationales Leben angepasst werden muss“. Logischerweise würde daher „das Anti-Neger-Programm“ einen „sehr plausiblen Schlachtruf für amerikanische Faschisten“ bilden, so wie der Antisemitismus für die Deutschen. Andere erkannten, dass die tiefen Wurzeln des antisemitischen evangelikalen Christentums einem amerikanischen Faschismus ähnlich plausible Schlachtrufe bieten würden. Bald darauf erlaubten der Patriotismus der Kriegszeit und der Triumph der Alliierten es den Amerikanern, den Faschismus als fremde und eindeutig europäische Pathologie zu betrachten. Aber „der Mann zu Pferde“, der Despot, der reaktionäre populistische Energien für seinen Aufstieg zur Macht nutzen konnte, verkörperte ein Gespenst in der amerikanischen Politik, und zwar schon mindestens seit der Präsidentschaft von Andrew Jackson in den 1830er Jahren.

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Einer der letzten, und schrecklichsten, Lynchmorde in Amerika ereignete sich im Oktober 1934 im Florida Panhandle, wo sich eine Menge von 5000 Menschen versammelte, um mitanzusehen, was Stunden zuvor in der Lokalpresse angekündigt worden war. Die Folterer verbrannten Claude Neals Haut, kastrierten ihn und stopften ihm seine Genitalien in den Mund. Dann zwangen sie ihn zu sagen, dass er den Geschmack genieße. Nachdem man ihn schließlich hinter einem Wagen zu Tode geschleift hatte, urinierte die Menge auf seinen verstümmelten Körper, bevor man ihn am Gerichtsgebäude von Marianna aufhängte. Die deutsche Presse, die gerne Kapital aus amerikanischen Lynchmorden schlug, verbreitete Fotos von Neal, dessen schrecklichen Tod sie mit „scharfen Kommentaren dahingehend versahen, dass Amerika vor seiner eigenen Haustür kehren solle“, bevor es andere Regierungen für den Umgang mit ihren Bürgern tadele. „‚Stoppt das Lynchen von Negern‘, lautet der Nazi-Konter gegenüber amerikanischen Kritikern“, titelte der „Courier“ aus Pittsburgh über einem Bericht, der sich mit den deutschen Darstellungen der rassistischen Gewalt in Amerika befasste.

Der „Courier“ war eine von vielen afroamerikanischen Zeitungen, die nicht nur Affinitäten zwischen Nazi-Deutschland und dem Amerika der Jim-Crow-Ära[1] sahen, sondern auch kausalen Verbindungen nachspürten: „Hitler lernt von Amerika“, erklärte der „Courier“ 1933. Die Zeitung berichtete, dass die Universitäten im Dritten Reich ihre Ideen erklärtermaßen von „den amerikanischen Wegbereitern Madison Grant und Lothrop Stoddard“[2] bezogen und dass der „ethnische Irrsinn“ in Amerika Nazi-Deutschland „ein Modell für die Unterdrückung und Verfolgung seiner eigenen Minderheiten“ liefere. Die afroamerikanische „Age“ aus New York fragte sich ganz ähnlich, ob Hitler „unter Anleitung“ der Führer des Ku-Klux-Klans gelernt habe, vielleicht als „untergeordneter Kleagle[3] oder etwas in der Art“.

Die Nazis selbst sahen eine klare Verwandtschaft. Jüngste Forschungen haben gezeigt, dass sich Hitler systematisch auf amerikanische Rassengesetze stützte, als er die Nürnberger Gesetze entwarf. Das Dritte Reich warb im Jim-Crow-Süden auch aktiv um Unterstützer, obschon die politischen Führer des weißen Südens sich größtenteils nicht revanchierten. Aber die Beziehung zwischen beiden Systemen war zu jener Zeit vollkommen offensichtlich, auf beiden Seiten des Atlantiks. Ein Nazi-Generalkonsul in Kalifornien versuchte sogar, den Klan zu kaufen, um einen amerikanischen Putsch zu planen. Doch sein Preis war zu niedrig – wenn der Klan eines war, dann geldgierig. Als die Geschichte 1939 ans Tageslicht kam, nannten Journalisten einen weiteren Grund: Der Klan konnte es sich nicht leisten, ausländisch zu erscheinen. „Um wirkungsvoll zu sein“, musste er seine nativistische Agenda „im Namen des Amerikanismus“ verfolgen.

Der KKK als Vorgeschmack auf den europäischen Faschismus

Im Jahr 1935 organisierten Afroamerikaner im ganzen Land Massenproteste gegen Mussolinis Massaker an Äthiopiern. „Der amerikanische Faschismus hat schon Neger“, erklärte der jamaikanisch-amerikanische Journalist und Historiker Joel Augustus Rogers. Der schwarze Dichter Langston Hughes stimmte zu: „Gebt Franco eine Kapuze und er wäre ein Mitglied des Ku-Klux-Klans, ein Kleagle. Faschismus ist das, was der Ku-Klux-Klan errichten wird, wenn er sich mit der Liberty League[4] verbindet und Maschinengewehre und Flugzeuge statt ein paar Meter Seil benutzt.“ „In Amerika muss man Negern nicht erklären, was der Faschismus in der Praxis bedeutet“, sagte Hughes bei anderer Gelegenheit: „Wir wissen das.“

Im selben Jahr veröffentlichte W.E.B. Du Bois „Black Reconstruction in America“. Dieses Grundlagenwerk der afroamerikanischen kritischen Geschichtsschreibung erschien inmitten des Tumults, den die Verfolgung der Scottsboro Nine[5] ausgelöst hatte. Kurz darauf gewann der afroamerikanische Leichtathlet Jesse Owens bei den Olympischen Spielen von 1936 in Berlin vier Mal Gold – was ebenso als Streich gegen Hitler wie als Ermahnung an das Jim-Crow-Amerika gesehen wurde. Es ist also alles andere als ein Zufall, dass Du Bois in seiner Studie mehr als einmal andeutet, der White Supremacism, die Idee von der weißen Vorherrschaft, des Jim-Crow-Amerika könne in der Tat als „Faschismus“ betrachtet werden. Ein halbes Jahrhundert später formulierte Amiri Baraka diesen Gedanken von Du Bois in einem wenig beachteten, aber bemerkenswerten Essay explizit aus. Er argumentierte, das Ende der Reconstruction-Periode 1877 habe „Afroamerika in den Faschismus geworfen. Es gibt keinen anderen Begriff dafür. Der Sturz demokratisch gewählter Regierungen und die Herrschaft durch unmittelbaren Terror, durch die am meisten reaktionären Elemente des Finanzkapitals […] Durchgeführt mit Mord, Einschüchterung und Raub, durch die erste Sturmabteilung – erneut der Hitlersche Prototyp – den Ku-Klux-Klan, der direkt vom nördlichen Kapital finanziert wurde.“ Die weiße amerikanische Geschichtsschreibung benötigte ein weiteres gutes Jahrzehnt, um das Argument aufzugreifen: 2004 beobachtete Paxton in „Anatomie des Faschismus“, dass einiges dafür spräche, den ersten Ku-Klux-Klan in den Südstaaten nach dem Bürgerkrieg als die erste faschistische Bewegung der Welt zu begreifen: „[Der erste KKK] war eine alternative zivile Instanz, die parallel zum rechtmäßigen Staat bestand, der in den Augen der Klan-Gründer nicht länger die legitimen Interessen ihrer Gemeinschaft vertrat. Mit seiner Uniform (weiße Robe und Kapuze), ebenso wie mit seinen Einschüchterungstechniken und seiner Überzeugung, dass Gewalt im Namen des Schicksals seiner Gruppe gerechtfertigt sei, war die erste Version des Klans im besiegten amerikanischen Süden wohl eine bemerkenswerte Vorschau darauf, wie faschistische Bewegungen im Europa der Zwischenkriegszeit funktionieren würden.“

Nachdem der KKK 1915 wiederbelebt wurde, machte er schon Mitte der 1920er Jahre nicht weniger als fünf Millionen Mitglieder geltend – damit kam in Amerika auf drei oder vier weiße protestantische Männer je ein Klansman. Als Mussolini 1921 auf die Weltbühne platzte, erkannten viele Amerikaner im ganzen Land sein Projekt sofort wieder, weil Zeitungen von Montana bis Florida ihren Lesern erklärten, dass „die ‚Fascisti‘ als der Ku-Klux-Klan bekannt sein könnten“ und dass „der Klan […] den Fascisti von Amerika entspricht“. Vergleiche zwischen dem heimischen Klan und dem italienischen Faschismus waren in der amerikanischen Presse bald allgegenwärtig. Und die Ähnlichkeit war nicht oberflächlich.

Farbhemden und Sturmtruppler: US-Faschismus der Zwischenkriegszeit

Unter den Makeln von Korruption und Sexskandalen zerfiel der zweite Klan in den späten 1920er Jahren, doch einige seiner ehemaligen Führer schnitten bald ihre blutgetränkten Tücher ab, um den neuen politischen Moden zu entsprechen. Die Mehrheit der amerikanischen faschistischen Gruppen der Zwischenkriegszeit, von denen sich mehr als nur eine selbst als faschistisch bezeichnete, gründeten sich nicht als Zweige des Nazismus, sondern als Ableger des Klans. Ihr christlicher Nationalismus ließ sich nicht von ihrem Antisemitismus trennen, führte aber auch zu einem Sektierertum, das die Bildung stärkerer Allianzen verhindert haben dürfte.

Viele dieser Gruppen teilten die Vorliebe ihrer europäischen Pendants für Uniformen aus „farbigen Hemden“, um eine organisierte Kraft und militaristische Macht zu behaupten, um einzuschüchtern und auszuschließen. Dazu zählten der Order of Black Shirts aus Atlanta; die White Shirts, militante „Feldzügler für Wirtschaftsfreiheit“, gegründet von George W. Christians, der einen Zahnbürsten-Schnurrbart und eine flatternde Hitler-Locke kultivierte; die Gray Shirts, die sich offiziell The Pioneer Home Protective Association nannten und im ländlichen Teil New Yorks gegründet wurden; die Khaki Shirts (auch: US Fascists); die Silver Shirts, die William Dudly Pelley nach Vorbild von Hitlers „Elite-Nazi-Korps“ schuf; und die Dress Shirts. Ende 1934 machten sich amerikanische Journalisten über diese wachsende Liste lustig. „Grauhemden machen Amerika zur Nr. 1 unter den Hemd-Nationen“, lautete eine sarkastische Schlagzeile. Im Artikel hieß es, solange andere Länder nicht zu schummeln begönnen, indem sie Farben kombinierten, „wird man uns unmöglich über-hemden können“.

Ku Klux Klan Suomi.jpg

Andere jedoch nahmen die Bedrohung ernster. James Waterman Wise erklärte wiederholt, „die verschiedenen Farbhemdenorden – die ganze Kurzwarenbrigade, die Gruppenvorurteile bespielt“ würde in den Vereinigten Staaten „die Saat des Faschismus säen“. Die Black Legion beispielsweise war ein Ableger des Klans, der im Mittleren Westen gedieh. Ihr Führer sprach davon, Washington in einem revolutionären Staatsstreich einzunehmen, nannte den New Deal eine jüdische Verschwörung, „um die Nichtjuden auszuhungern“, und trat dafür ein, die amerikanischen Juden zu vernichten, indem man an Jom Kippur Giftgas in die Synagogen leitete. Ein weit verbreiteter Leitartikel warnte 1936, jeder, der sich frage, „wie der Faschismus in diesem Land aussehen würde“, solle sich die Black Legion ansehen, mit ihrem „Geruch nach Hitlerismus“, ihrem „anti-katholischen, anti-jüdischen, Anti-Neger- und Anti-Arbeiter-Programm, ihren Peitschen, Knüppeln und Gewehren, ihrer dreisten Missachtung von Recht und Gesetz und den rechtsstaatlichen Verfahren der Demokratie“. Und weiter: „Das sind die Haltungen und die Ausstattung des Faschismus.“

Die kurzlebige Organisation Friends of the Hitler Movement wandelte sich 1933 schnell in die akzeptablere Friends of New Germany, bevor aus ihr der Bund hervorging. Er organisierte mehrere Massenkundgebungen im New Yorker Madison Square Garden, darunter 1939 die „Massendemonstration für wahren Amerikanismus“. Dort wurde ein gigantisches Banner von George Washington von Hakenkreuzen flankiert und zwölfhundert „Sturmtruppler“ standen in den Gangreihen und zeigten den Hitlergruß; Bildmaterial von der Kundgebung wurde 2019 restauriert und zum Kurzfilm „A Night at the Garden“ verarbeitet. 1940 machte der Bund 100 000 Mitglieder geltend und hatte Sommercamps im ländlichen New York, in New Jersey und auf Long Island etabliert, in denen er die amerikanische Nazi-Jugend ausbildete. Der Bund-Propagandist Gerhard Kunze berichtete damals, „das Hakenkreuz ist nicht ausländisch, sondern hundertprozentig amerikanisch. Die Indianer haben es immer benutzt.“ Das Emblem einer anderen Gruppe, The American National-Socialist Party, war „ein amerikanischer Indianer, der den Arm zum Gruß ausgestreckt hat, vor dem Hintergrund eines schwarzen Hakenkreuzes“. Diese Gruppe gab zu, den Nazismus einbürgern zu wollen, indem sie eine Blutsverwandtschaft mit amerikanischer Symbolik suchte.

Dann gab es noch Father Coughlin. „Ich nehme die Straße des Faschismus“, sagte er 1936, bevor er die Christian Front bildete, deren Mitglieder sich selbst als „Braunhemden“ bezeichneten. Sein giftig antisemitisches Radioprogramm, das regelmäßig Behauptungen aus den erfundenen „Protokollen der Weisen von Zion“ verbreitete, erreichte zu Hochzeiten nahezu 30 Millionen Amerikaner – so viel wie kein anderes Radioprogramm weltweit zu dieser Zeit. Diese Hörer schalteten Ende 1938 ein, als Coughlin die Gewalt der Reichspogromnacht rechtfertigte, da sie „Vergeltung“ an den Juden übe, die angeblich 20 Millionen Christen ermordet hätten und Milliarden Dollar an „christlichem Eigentum“ zerstört hätten. Der Nazismus, sagte er, sei ein natürlicher „Verteidigungsmechanismus” gegen den von jüdischen Bankiers finanzierten Kommunismus. Coughlins Wochenzeitung „Social Justice“, die zu Hochzeiten eine Auflage von 200 000 Stück hatte, wurde damals vom „Life“-Magazin als die wohl meistgelesene Stimme der „Nazipropaganda in Amerika“ bezeichnet.

Quelle         :          Blätter        >>>>>          weiterlesen

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Grafikquellen        :

Oben      —       Photographer’s description: „1986, Auburn, Alabama, I was on my way to Atlanta with my girlfriend and before we got a half block we saw this. This was my corner. This was where I used to walk to get ice cream when I was a little boy, I couldn’t believe what I was seeing, I told my girlfriend to pull over and I got out and confronted them, My girlfriend stood up and took this photo through the sunroof. These are my political views. This is America and it is for everybody.“

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2.) von Oben      —        Kkk parade 1925 npcc14030u

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Unten        —          Finnish Ku Klux Klan guy at Lahti.

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Mut zum Alleingang

Erstellt von DL-Redaktion am 16. September 2020

Deutschlands Flüchtlingspolitik

Das Bild zeigt einige notdürftig zusammengezimmerte Hütten, einen Graben mit Müll sowie einige im Lager lebende Menschen.

Ein Kommentar von Maximilian Popp

2015 dürfe sich nicht wiederholen, heißt es quer durch alle politischen Lager. Warum eigentlich nicht? Wollen wir ein Volk der Empathielosen und Engherzigen sein?

Die Migration ist so umstritten wie kaum ein anderes Politikfeld. In einem Punkt jedoch sind sich fast alle Lager einig: 2015 dürfe sich nicht wiederholen, heißt es von der CDU über die SPD bis hin zur Linken. Der Sommer, in dem mehrere Hunderttausend Flüchtlinge nach Deutschland kamen, wird heute vor allem mit Begriffen wie „Kontrollverlust“ oder „Staatsversagen“ assoziiert.

Es ist ein Erfolg der Rechten, diese Interpretation durchgesetzt zu haben. Es müsste nicht so sein.

2015 könnte auch als ein Moment verstanden werden, in dem viele Bürgerinnen und Bürger in Deutschland über sich hinausgewachsen sind, in dem sie sich entschieden, empathisch zu sein statt engherzig, ein Moment, der das Land, das kann man fünf Jahre später durchaus so festhalten, offener und vielfältiger gemacht hat.

Moria ist zu einem Symbol geworden

Stattdessen ist 2015 zu einem Instrument für all jene geworden, die Migration ohnehin schon immer verhindern wollten. Mit dem Mantra, 2015 dürfe sich nicht wiederholen, haben Regierungen in Europa Repressionen durchgesetzt, die lange Zeit undenkbar schienen.

Italien hat seine Häfen für Seenotretter geschlossen. In Libyen bezahlen die Europäer Milizen, die Migrantinnen und Migranten in Haftanstalten zu Tode foltern. Ungarn schottet sich mit einem Zaun gegen Schutzsuchende ab, Flüchtlinge, die das Land trotzdem erreichen, werden ausgehungert.

Dies ist das eigentliche Drama des Jahres 2015: dass sich die Europäer entschieden haben, Geflüchteten gegenüber offen zu begegnen, nur um den Kontinent danach umso härter abzuschotten.

Das Lager Moria auf der griechischen Insel Lesbos ist zum Symbol für diese Entwicklung geworden. Über Jahre hinweg wurden dort Schutzsuchende entrechtet, gedemütigt, entmenschlicht. Es ist traurig, dass sich die Europäer erst nach dem Brand vom 8. September für Moria zu interessieren begannen. Noch trauriger ist, dass sich an dem Elend auf Lesbos auch nach dieser Katastrophe kaum etwas ändern wird.

Zwar fordern Bürgerinnen und Bürger in verschiedenen europäischen Städten ihre Regierungen auf, Flüchtlinge aus Lesbos aufzunehmen. Die EU-Staaten aber setzen weiter auf Abschreckung. Moria soll, so will es die EU, möglichst schnell wieder aufgebaut werden, dann womöglich als Gefängnis. In der Zwischenzeit sollen die Flüchtlinge in einem provisorischen Zeltlager unterkommen.

20151030 Syrians and Iraq refugees arrive at Skala Sykamias Lesvos Greece 2.jpg

In Griechenland, in Ungarn oder in Österreich muss diese Politik nicht mehr groß gerechtfertigt werden. Dort hat man sich nach Jahren des Rechtsrucks an Schikanen gegen Geflüchtete gewöhnt. In Deutschland begegnet die Bundesregierung Kritikern, die mehr Engagement einfordern, mit dem Hinweis, der deutscher Alleingang habe sich 2015 als Irrweg herausgestellt. Was es brauche, sei eine europäische Lösung.

Wer auf eine europäische Lösung pocht, will keine Lösung

Es ist ein wohlfeiles Argument. Wer auf eine europäische Lösung pocht, will in Wahrheit überhaupt keine Lösung, denn längst ist klar, dass sich die 27 EU-Staaten niemals auf eine gemeinsame Asylpolitik einigen werden.

Quelle      :          Spiegel-online       >>>>>         weiterlesen

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Grafikquellen        :

Oben      —        Alltagsszene im Flüchtlingslager Moria (2020)

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Unten         —       Syrian and Iraqi refugees arrive from Turkey to Skala Sykamias, Lesbos island, Greece. Volunteers (life rescue team – with yellow-red clothes) from the Spanish NGO Proactiva Open Arms help the refugees.

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Ja – aber nur mit Corona

Erstellt von DL-Redaktion am 16. September 2020

Wollt ihr den finalen Krieg?

Quelle       :   Scharf-Links

Von Franz Witsch

Wenn es die weltweite Krise um das Corona-Virus herum nicht gäbe – die Chinesen hätten das Virus erfinden müssen, gehen sie doch im Verhältnis zu westlichen Industrie-Nationen, v.a. zu Deutschland, zur EU insgesamt und zu den USA, ökonomisch gestärkt mit dieser Krise um, bzw. aus derselben hervor: Neueren Schätzungen zufolge gehe man in diesem Jahr für China “von zwei bis drei Prozent Ganzjahreswachstum aus (…) und für das Folgejahr” sei “mit einem Wachstum von 9,21% zu rechnen”; Chinas verarbeitender Sektor expandierte “im vergangenen Monat erneut mit dem höchsten Tempo seit 2011, dank eines starken Anstiegs sowohl der Produktion als auch der Auftragseingänge.” Dabei profitiere laut Handelsblatt “kein Land bislang so vom Aufstieg Chinas zur Wirtschaftsmacht” wie Deutschland. (vgl. HaBltKN-01)[1], ein nicht unerheblicher ökonomischer Vorteil, den Politiker wie Norbert Röttgen (CDU) sowie Grüne und FDP fahrlässig aufs Spiel setzen, weil der große Bruder USA es so will.

Dazu möchte ich sagen: wer unter kapitalistischen Produktionsbedingungen Wirtschaftspolitik betreibt, sollte es “richtig” machen. Das Gegenteil passiert auf zweierlei Weise: Um (1.) einen nachhaltigen ökonomischen Abstieg zu befestigen, machen alle im Bundestag vertretenen Parteien die Corona-Krise hierzulande und EU-weit zu einer Never-ending-story; ungeachtet dessen, dass Mortalität und Hospitalisierung wegen des Corona-Virus’ zurück gehen (vgl. Mdr-01). Dabei deuten insbesondere in Schweden die Indizien darauf hin, dass Covid-19 wahrscheinlich weniger gefährlich ist als befürchtet (vgl. Tp-03). Dass dem so ist, dämmert mittlerweile sogar, zumindest vereinzelt, der Mainstream-Presse (vgl. AuSte), während unser selbsternannter Impfpapst von einem Durchbruch der Impftechnologie gegen Covid-19 überzeugt ist und davon träumt, die ganze Welt impfen zu können:

“Gates rechnet Anfang des kommenden Jahres mit einem Durchbruch in der Impfstoffforschung. ‚Ich erwarte, dass mit etwas Glück im ersten Quartal drei oder sogar vier davon zugelassen werden‘, sagt der Microsoft-Gründer der Bild-Zeitung. Die Herausforderung sei dann, das Mittel in Massen zu produzieren. ‚Um den Impfstoff sieben Milliarden Menschen zur Verfügung zu stellen, brauchen wir fast 14 Milliarden Dosen. Das wurde zuvor noch nie gemacht‘, so Gates” (vgl. TOn01).

Der Skandal besteht darin, die Welt gegen einen Virus impfen zu lassen, obwohl ernst zu nehmende Stimmen wie Prof. Hockertz das für gefährlich halten (vgl. Hckz), zumal das Corona-Virus wie schon andere Viren, die Atemwegserkrankungen auslösen (Grippe, Influenza), ihre Oberflächeneigenschaften unentwegt ändernd. Will Impf-Experte Gates hier sieben Milliarden Menschen jedes Jahr aufs Neue impfen lassen? Weil er das Virus für gefährlich hält?

Wobei das Corona-Virus möglicherweise nicht gefährlicher ist als ein normales Grippe- oder Influenza-Virus. Das zeigt uns Schweden. Dort hat es von Anfang an einen vergleichsweise milden Lock-Down gegeben hat, sodass Wirtschaft und öffentliches Leben beinahe weiter wie gehabt liefen, während es auf uns bei sinkenden Sterberaten weiterhin aus allen Kanälen herabschallt: man dürfe sich nicht zu früh in Sicherheit wiegen.[2] Nicht dass wir uns vorsichtig und rücksichtsvoll verhalten sollten, ist der Skandal, sondern dass die Probleme um eine mögliche Gefährlichkeit des Virus’ in der veröffentlichen Meinung extrem einseitig, ja geradezu gleichgeschaltet diskutiert wird.

Und während wir hier noch Bill-Gates-Like diskutieren, ist im viel autoritäreren China die Corona-Krise praktisch ausgestanden. Nicht genug, dass deshalb die USA und Europäer wegen Corona ökonomisch geradezu zwangsläufig Federn lassen, kommt (2.) hinzu, dass Russland und China politisch und ökonomisch immer enger kooperieren, mittlerweile zu einem großen Eurasischen Wirtschaftsraum [3] zusammengewachsen sind. Sie würden längerfristig diesen Raum mit der EU ja gern zu einem noch größeren Wirtschaftsraum erweitern, wenn die USA dies nicht inzwischen verbissen und vielleicht sogar erfolgreich verhindern würden. Vielleicht dass die USA merken oder spüren, dass sie sich seit einigen Jahren ökonomisch in der Defensive befinden, auch weil nicht sie, sondern in Zukunft China von den nahezu unerschöpflichen Ressourcen Russlands profitieren werden sowie Russland von chinesischen Industrietechnologien.

Um dem zu begegnen, markieren die USA “Halbstarken” gegen jede kapitalistische Vernunft, indem sie seit mehr als zehn Jahren immer offener auf militärisches Säbelrasseln direkt an den Grenzen zu Russland setzen. Dafür haben sie Russland mit aller Gewalt als großen Feind aufgebaut, einfach weil sie einen Feind brauchen, um zum einen das militärische Verteidigungsbündnis am Leben zu erhalten und zum anderen die militärische Muskelspielerei zusammen mit einem wachsenden militärisch-industriellen Komplex als rational erscheinen zu lassen, zumal schließlich und ganz generell in einer Zeit, in der der Kapitalismus seinen Zenit längst überschritten hat, “das konzentrierte Kapital ebenso verzweifelt wie skrupellos nach Renditemöglichkeiten sucht” (vgl. Tp-04) und zwar auf der Basis von Unsinnsproduktionen (u.a. Rüstung und Kriege), die keinen einzigen Menschen ernähren, mithin keinen (Mehr-) Wert produzieren, und deshalb dazu angetan sind, den ökonomischen Abstieg noch zu beschleunigen, wenn der Frieden in der Welt denn tatsächlich ausbrechen würde. Das möge der Feind verhüten.

In diesem Zusammenhang hat Europa nichts anderes zu tun, als den USA in diesen ihren Feindbildern zu folgen, ab in einen neuen Kalten Krieg, obwohl der ganz schnell zu einen Heißen Krieg werden könnte, wenn die Gegner sich an den russischen Grenzen in immer kürzeren Abständen atomwaffenstarrend gegenüberstehen – mit immer kürzeren Antwortzeiten.

Und damit sich auf dem Weg hin zu einer wachsenden Konfrontation ja nichts ändert, darf Nordstream-2 auf keinen Fall zu Ende gebaut werden. Denn natürlich geht einem Heißen Krieg, das lehrt uns die Geschichte, zwangsläufig ein Wirtschaftskrieg, ein auf Feindschaft basierender Protektionismus, voraus, den man in den USA mittlerweile parteiübergreifend – selbst gegen treueste Bündnispartner, siehe Nordstream-2 – will.

Nordstream.png

Den Wirtschaftskrieg gegen China und Russland wollen die USA mit Europa – indes zu Lasten Europas – gewinnen. Deshalb soll insbesondere Deutschland sich gegenüber Russland und China ökonomisch entkoppeln, eine Tendenz, die die USA verstärkt verfolgt seit der Finanzkrise 2008/2009 zur Anheizung eines neuen Kalten Krieges (mit allzu intensiven ökonomischen Abhängigkeiten nicht vereinbar), nicht zuletzt um bei Bedarf sich zuspitzende innere soziale und ökonomische Krisen nach außen zu entsorgen. Das passiert vornehmlich aus ökonomischer Schwäche heraus, zu der sich zwangsläufig soziale Spannungen gesellen, die sich weniger nach innen, dafür gezielt nach außen entladen sollen. Dafür der äußere Feind. Eine Binsenwahrheit, welche als Nachricht immer noch unterwegs ist, wenn sie die Gehirne der Politik samt der ihr angeschlossenen veröffentlichten Meinung denn jemals erreicht.

Vielleicht stellt man sich ja auch nur dumm. Das könnte allerdings auf Dauer dazu führen, dass die Gehirne unserer Eliten in der Tat ausdünnen, dabei einst Gelerntes in Vergessenheit gerät, so die Tatsache, dass sich die Europäer einen atomwaffenstarrenden Feind an ihrer Grenze viel weniger leisten können als die USA, die von Russland und China viel weiter entfernt sind und sich deshalb in trügerischer Sicherheit wähnen. Auch dazu gehört eine gehörige Portion Verblödung.

Vor allem aber können sich die Europäer, allen voran Deutschland als Zahlungsmeister der EU, nicht leisten, sich für einen Kalten Krieg nachhaltig entindustrialisieren zu lassen. Darauf arbeiten vollkommen kopflos und extrem verbissen CDU / CSU, Grüne und FDP hin, allen voran Norbert Röttgen (Kandidat für den CDU-Bundesvorsitz), als wollten sie die Beziehungen zu Russland und China, und damit zukünftige Wachstumsmärkte (im Kapitalismus extrem wichtig), tatsächlich nachhaltig zerstören. Dafür ist ein Nordstream-2-Baustopp ein ganz wichtiger Testlauf, mit dem sich unsere Kalten Krieger ganz sicher nicht zufrieden geben werden. Damit dieser gelingt, instrumentalisieren sie den versuchten Giftmord auf den russischen Oppositionspolitiker Nawalny (vgl. GfP-01Tp-01, ergänzend Tp05) – um den Kalten Krieg moralisch in einem “guten” Licht erscheinen zu lassen. Und damit alle Welt glaubt, dass Norbert Röttgen ein guter Mensch ist, setzt er sich vehement für die Flüchtlinge in Griechenland ein (O-Ton sinngemäß: wir können es uns leisten, 5000 Flüchtlinge zu uns kommen zu lassen).

Verlogener geht’ nimmer. Man will offensichtlich mit allen Mitteln, auch Rührseligkeiten gehören dazu, eine Verständigung mit China und Russland verunmöglichen. Dass das für die Welt irgendwann tödlich enden könnte, liegt auf der Hand, interessiert unsere Kalten Krieger freilich nicht die Bohne. Dafür verdienen sie massive Kritik, und zwar unabhängig davon wie das politische System in Russland oder China zu bewerten ist. Auch unabhängig davon, was man von Putin und Lukaschenko (Belarus) hält. Beide Politiker sind Autokraten, die im Zweifel über Leichen gehen oder diese zumindest billigend in Kauf nehmen, vielleicht auch weil sie ihre Geheim- und Sicherheitsdienste gewähren lassen; zumal vor allem die Geheimdienste sich als Staat im Staat längst verselbständigt haben, eine Entwicklung, wie wir sie auch im Westen vorfinden. Auch dort haben Geheimdienste, einschließlich der BND, was die Aufklärung der NSU-Verbrechen betrifft, jede Menge Leichen im Keller (vgl. Tp-02) [4].

Man sollte indes nicht unter den Teppich kehren, dass Politiker wie Lukaschenko oder Putin, um ihre Macht zu sichern, auch zu militärischen Mitteln nach außen wie ggf. nach innen greifen, nach außen z.B. im Zusammenhang mit dem Syrienkrieg oder der Krim-Annexion, freilich viel defensiver als es die USA zusammen mit den Europäern praktizieren. Russland weiß, dass es mit dem Rücken zur Wand steht – anders als die USA, die den Halbstarken markieren. Um sich zu behaupten, setzen sie ihre Geheimdienste skrupellos ein. Mord und Totschlag gehören zu ihrem Alltagsgeschäft, auch beim BND, gleichgültig, ob mit oder ohne Wissen jeweils verantwortlicher Regierungen, deren Politiker samt ihren Experten und Beratern ziemlich verlogen nicht genau wissen wollen, was ihre Geheimdienste so machen, beispielsweise Bundes- und Landesregierungen im Hinblick auf die Verbrechen des NSU, an denen V-Leute des BND, so steht zu vermuten, beteiligt sind, vielleicht sogar beweiskräftig, wenn fünf Zeugen nicht unter mysteriösen Umständen zu Tode gekommen wären, stets bevor sie hätten aussagen sollen (vgl. Tp-02).

Vor diesem Hintergrund ist zu fragen, wer gerade jetzt ein elementares Interesse hat, den versuchten Giftmord an Nawalny für politische Zwecke zu instrumentalisieren – mit dem Ziel die Gaspipeline Nordstream-2 kurz vor ihrer Fertigstellung zu verhindern, um die ökonomischen Beziehungen zwischen Ost und West nicht weiter zu vertiefen. Das könnte den Frieden etwas sicherer machen. Genau das will man, ob nun aus Dummheit oder nicht, offensichtlich nicht: Frieden. Den braucht eher Putin. Weil er in der Tat nach innen mit dem Rücken zur Wand stehen könnte – nicht weil es Nawalny gibt, sondern auch gegen ewig Gestrige im eigenen Land, die mehr noch als der politisch vergleichsweise rationale Putin irrationalen Großmachtträumen anhängen. Putin mag ein Autokrat sein, der notfalls über Leichen geht; doch gibt es weit gefährlichere Kräfte in seinem Apparat, gegen die er nur ankommt, wenn er vor allem ökonomische Erfolge vorweisen kann. Die bleiben immer mehr aus; deshalb die Verständigung mit China, deshalb die Anwendung von Gewalt nach innen. Um diese zu reduzieren (nur ganz verrückte Autokraten wollen Gewalt nach innen um ihrer selbst willen) will Putin mit den Europäern und den Chinesen einen großen Eurasischen Wirtschaftsraum schaffen; ein mit China bildet sich mittlerweile merklich heraus.

Und er will den Eurasischen Wirtschaftsraum gewiss nicht ausdrücklich gegen die USA etablieren. Die USA sind es, die mit allem Mitteln einen um die EU vergrößerten Eurasischen Wirtschaftsraum verhindern wollen. Und muten mit dieser Politik der EU-Wirtschaft zu, dass sie ein Handelsvolumen von mehr als 200 Milliarden Euro, Tendenz steigend, in den Sand setzen, sollten sie ihre Wirtschaftsbeziehungen zu Russland und China aufgeben oder doch spürbar ausdünnen. “Für die deutsche Wirtschaft steht im Falle einer Verschärfung der bilateralen Krise zwischen Berlin und Peking viel auf dem Spiel. Denn kein Land hat bislang so vom Aufstieg Chinas zur Wirtschaftsmacht profitiert wie Deutschland. China liegt inzwischen auf Platz drei deutscher Exportzielländer, nach den USA und nach Frankreich” (vgl. HaBlt).

Es wäre dies ein Verlust, den die Europäer nicht ohne spürbaren ökonomischen Schaden werden verkraften können und die Wirtschaftsbeziehungen zu den USA werden diesen Schaden kaum kompensieren können. Kann es sein, dass Norbert Röttgen (CDU) inkompetent genug ist, genau dies nicht zu sehen? Darüber, dass die Grünen ökonomischen Verstand vermissen lassen, wundert sich niemand. Verwunderlich ist allerdings der moralisch motivierte Eigensinn gegen alle wirtschaftspolitische Vernunft in CDU/CSU und FDP allemal, zumal dies noch eine Steilvorlage für die AfD ist zur Stärkung ihres Wählerpotentials.

CDU/CSU und FDP arbeiten zusammen mit den USA mit ihrer Politik einer ökonomischen Entflechtung zwischen Ost und West ganz offensichtlich auf einen neuen Kalten Krieg hin, gegen den sich die SPD bei weitem nicht genug auflehnt, der sich ganz schnell in einen heißen Krieg verwandeln könnte. Das macht für die Europäer eine Verständigung mit Russland und China zwingend. Der Giftmordversuch an Nawalny darf eine solche Verständigung niemals in Frage stellen. Das wäre ökonomischer und politischer Selbstmord. Und Europa und Deutschland in seiner Mitte machten sich damit zum Schlachtfeld eines möglichen heißen Krieges, der, wenn die Spannungen auf die Spitze getrieben werden, auch aus Versehen ausbrechen könnte. Will man das? Will man den finalen Krieg?

Anmerkungen:

[1] In (KN-01) heißt es ähnlich wie in (HaBlt): “Mit einem Umsatzanteil von 15 Prozent, knapp 200 Milliarden Euro, ist China nach Berechnungen des Handelsblatts für die 30 größten deutschen börsennotierten Unternehmen nach den USA der zweitwichtigste Auslandsmarkt. Die Dax-Konzerne unterhalten in China knapp 700 Tochtergesellschaften. Daten von Chinas Allgemeiner Zollverwaltung, zeigen, dass die Exporte des Landes im vergangenen Monat um 7,2 Prozent gestiegen sind. Der Wert liegt weit über den Erwartungen von Analysten.”

[2] Dass das Corona sehr wahrscheinlich weniger gefährlich ist als angenommen, kommt mittlerweile auch bei einigen Leitmedien an, jedenfalls bei Stefan Aus in der “Welt am Sonntag” (vgl. AuSte). Er hat sich mit den Sterberaten der letzten fünf Jahre beschäftigt: Betrachte man die Todesfälle im 1. Halbjahr in den Jahren 2016 bis 2020, liege das Corona-Horrorjahr den im Essay aufgeführten Statistiken zufolge “deutlich hinter den bisher kaum als Horrorjahre wahrgenommenen Grippe-Wintern 2017 und 2018.” Hinsichtlich der schwedischen Zahlen falle zwar auf, “dass in Schweden die Gesamtzahl der Verstorbenen im ersten Halbjahr 2020 tatsächlich auf Platz eins der vergangenen fünf Jahre liegt.” Dennoch liege die schwedische Sterberate “deutlich unter der deutschen von 0,58 Prozent – wobei die Sterberate in Schweden in allen Jahren unter der Deutschlands liegt.” Selbst im tödlichsten Monat April liege “Schweden mit 10.362 Fällen bei fast genau 0,1 Prozent der Bevölkerung. In diesem Monat hatte Deutschland mit 83.605 Sterbefällen fast genau dieselbe Todesrate wie Schweden” und das “ohne harten Lockdown.” Zudem lege das schwedische Beispiel nahe: “Die Sterbezahlen wären in Deutschland voraussichtlich auch dann nicht anders ausgefallen, wenn weniger radikale Maßnahmen gegen die Pandemie getroffen worden wären.” Es sei “eher davon auszugehen, dass durch die Maßnahmen (Lockdown, …) teilweise andere Menschen gestorben sind als in den Vorjahren. Die Regierung hat also eine Umverteilung der Sterblichkeit vorgenommen.” Einen Lockdown gebe es halt “nicht zum Nulltarif – das hat sich inzwischen offenbar auch bis nach Berlin durchgesprochen.”

[3] Der Eurasische Wirtschaftsraum setzt sich bislang ohne EU und China aus Russland, Belarus, Kasachstan, Armenien und Kirgistan zusammen. China gehört allerdings “praktisch” schon hinzu.

[4] Für Filmemacher und Buchautor Hans-Rüdiger Minow sind “Giftanschläge, Entführungen und politisch motivierte Serienmorde in Deutschland […] nicht neu. Sie gehörten zum Alltag der Nachkriegszeit: Terrorunternehmen gegen die Infrastruktur der DDR, gesteuert von einer sozialdemokratisch verkleideten Untergrundorganisation (‚Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit‘) mit Sitz im amerikanischen Sektor von Berlin kalkulierten Todesopfer ein; mit Kidnapping in den Reihen der antikommunistischen Organisatoren und Auftragsmorden in der BRD schlugen östliche Geheimdienste zurück – bis in die 1980er Jahre” (vgl. Gfp-02)

Quellen:

AuSte: Stefan Aust: … denn sie wissen nicht, was sie tun. Ein Essay zur Corona-Pandemie. Welt am Sonntag Nr. 36, vom 06.09.2020.

EscPe: Pepe Escobar: Endgültige eurasische Allianz ist näher als Sie denken. Antikrieg.com vom 31.08.2020.

www.antikrieg.com/aktuell/2020_09_03_endgueltige.htm

GfP-01: Der Fall Nawalny: Berlin zieht Abbruch der Arbeiten an Nord Stream 2 in Betracht, drängt Paris zur Aufgabe einer eigenständigen Russlandpolitik.

German-foreign-policy vom 07.09.2020
https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/8372/

GfP-02: Im Untergrundkrieg gegen Russland und China. Ein Kommentar von Hans-Rüdiger Minow. German-foreign-policy vom 08.09.2020
https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/8373/

HaBlt: Bundesregierung richtet Chinapolitik neu aus: Berlin will die ökonomische Abhängigkeit von der Volksrepublik verringern. Ökonomen warnen davor, eine Entflechtung anzustreben. Handelsblatt.com vom 02.09.2020. Von Moritz Koch, Dr. Jens Münchrath, Torsten Riecke, Ulf Sommer
https://www.handelsblatt.com/politik/international/kurswechsel-bei-den-handelsbeziehungen-bundesregierung-richtet-chinapolitik-neu-aus/26148282.html?ticket=ST-3833462-1Wgth0xgKlwVQRHqRJnS-ap2

Hckz: Prof. Stefan Hockertz zur Corona-RNA-Impfung.

https://www.youtube.com/watch?v=oRhHOgFCZbk

Zwei ergänzende Links:

(1) Dr. Stefan Hockertz – Wir impfen gesunde Menschen – Tödlicher Impfwahn
https://www.presse.online/2020/07/20/dr-stefan-hockertz-wir-impfen-gesunde-menschen-toedlicher-impfwahn/

(2) Impfstoff-Nebenwirkung ADE: Ein Schreckgespenst für die Corona-Impfung.
Faz.net vom 09.09.2020. Von Joachim Müller-Jung.
https://www.faz.net/aktuell/wissen/impfstoff-nebenwirkung-ade-ein-schrecken-fuer-die-corona-impfung-16944897.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2

KN-01: Das Exportzielland China und seine globale Kooperation. KN vom 09.09. 2020. Von Willy Sabautzki / isw München
https://kritisches-netzwerk.de/forum/das-exportzielland-china-und-seine-globale-kooperation
Ergänzend:
KN-02
: Nord Stream 2: abhängig von Russland? Wie können wir Russengas überflüssig machen? KN vom 11.09.2020. Von Franz Garnreiter / isw München
https://kritisches-netzwerk.de/forum/nord-stream-2-abhaengig-von-russland-wie-koennen-wir-russengas-ueberfluessig-machen

Mdr-01: Corona: Mehr Infektionen – weniger schwere Verläufe.
Ist Corona harmloser geworden? MDR.de vom 31.08.2020.
https://www.mdr.de/wissen/corona-mehr-infizierte-mildere-erkrankungen-100.html

TOn01: Kampf gegen Corona: Gates: “Gibt Leute, die sagen, ich sei dafür verantwortlich”. t-online, dpa vom15.09.2020
https://www.t-online.de/nachrichten/panorama/id_88574360/corona-hoffnung-bill-gates-anfang-2021-duerfte-es-vier-impfstoffe-geben.html

Tp-01: Gift-Anschlag auf Nawalny: Forderungen nach Stopp von Nord Stream-2. Telepolis vom 05.09. 2020. Von Thomas Pany.
https://heise.de/-4886215

Tp-02: “Nawalny” hat viele Namen und Gesichter

Telepolis vom 08.09. 2020. Von Wolf Wetzel.
https://heise.de/-4888547

TP-03: Wie schlimm ist Covid wirklich? Telepolis vom 13.08.2020. Von Sebastian Rushworth.
https://heise.de/-4868723

Tp-04: Wirtschaften mit Plan – aber richtig. Telepolis vom 13.09.2020.
Von Ludger Eversmann. https://heise.de/-4892541
Tp-05: Hintergründe zu Nowitschok und Giftanschlägen auf russische Oppositionelle. Telepolis vom 07.09.2020. Von Florian Rötzer.
https://heise.de/-4886335

Wlt-01: Fall Alexej Nawalny: Wagenknecht warnt vor „Heuchelei“ in Nord-Stream-2-Debatte. Welt.de vom 07.09.2020.
https://www.welt.de/politik/deutschland/article215134252/Nord-Stream-2-Sahra-Wagenknecht-warnt-vor-Heuchelei.html 

Urheberrecht

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Grafikquellen           :

Oben        —      Fahrradprotest der Initiative #LeaveNoOneBehind in Berlin
Leonhard Lenz – Eigenes Werk
Critical Mass Fahrraddemonstration unter dem Motto LeaveNoOneBehind für die Evakuierung der Geflüchteten aus den Lagern auf den griechischen Inseln vom Antonplatz zum Neptunbrunnen am Roten Rathaus in Berlin am 26. April 2020.
•CC0
•File:LeaveNoOneBehind protest Berlin 2020-04-26 Antonplatz Neptunbrunnen 21.jpg
•Erstellt: 26. April 2020

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2.) von Oben       —     Map of the proposed Nord Stream and connecting pipelines.

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Die Suche nach der Zeit

Erstellt von DL-Redaktion am 16. September 2020

Am Ende gewinnt immer der Protestantismus

Protest bij snelle kweekreactor Kalkar ( West Duitsland ) aktievoerders met op d, Bestanddeelnr 253-8576.jpg

Von Markus Joch

Auf der Suche nach der Zeit, als selbst Kühe die rote Gefahr spürten, ständig die Ermordung durch die Baader-Meinhof-Bande drohte und ein „Schneller Brüter“ in Kalkar den Fortschritt antreiben sollte: „Dorfroman“ von Christoph Peters.

Das Kernkraftwerk Kalkar zählt zu den sympathischen, weil gescheiterten Projekten der deutschen Atom-Ära. Trotz massiver Proteste seit 1973 errichtet, ging es nie ans Netz; explodierende Kosten und die spätestens nach dem GAU von Tschernobyl kippende politische Stimmung ließen es 1991 als Investitionsruine enden. Dass der Widerstand gegen die Wiederaufbereitungsanlage im oberpfälzischen Wackersdorf durch den Tod von Franz Josef Strauß letztlich erfolgreich war, würdigte vor zwei Jahren ein Film von Oliver Haffner, den Kampf gegen den „Schnellen Brüter“ am Niederrhein verewigt jetzt der „Dorfroman“ von Christoph Peters.

Beides sind Arbeiten mit klarem Gegenwartsbezug. Ob beabsichtigt oder nicht, sie schärfen uns ein, dass der Klimaprotest seine Vorläuferin in der Antiatomkraftbewegung der siebziger und achtziger Jahre hat, und werfen damit ein vorteilhaftes Licht auf jene Generation, die damals die meisten Aktivist:innen stellte, heute aber übel beleumundet ist. Die Boomer sollen so schlimm sein? Haffner und Peters erinnern an okaye Boomer.

Dennoch trennen Film und Buch Welten, nicht nur medial. Wo „Wackersdorf“ letztlich Renitenz und Zusammenhalt einer ländlichen Region feierte – gegen ein Außen, die bauwütige bayerische Staatsregierung –, kreist „Dorfroman“ um die Entzweiung einer technokratisch belagerten Provinz.

Peters, der 1966 geborene und heute in Berlin lebende Autor, bekannt vor allem durch seine famosen deutsch-japanischen Geschichten, wuchs in Kalkar-Hönnepel auf, genau zu der Zeit, als in dem Landstrich mit Ackerbau und Viehzucht der „Brüter“ hochgezogen wurde. Er erzählt, was er erlebte: Wie ein sozialliberal abgesegnetes Unternehmen die stabil geglaubte Dorfgemeinschaft spaltete, als sei sie Plutonium 239. Plötzlich kauft ein Bauer, langjähriger Kunde des Vaters, Maschinen bei der Konkurrenz, zerbricht selbst Mutters Kaffeeklatsch. Dann geht der Riss zwischen Gegnern und Befürwortern des AKWs auch noch durch Peters’ eigene Familie. Gibt es vergleichbare Literatur aus Wackers-, Brok- oder Mörfelden-Walldorf? Die Innenansicht eines Standorts dürfte neu sein; umso besser, dass Peters sie verdreifacht. Ausgangspunkt ist eine Fahrt des Ich-Erzählers aus der Hauptstadt nach Hülkendonck (Orts- und Personennamen werden dezent verfremdet), wo die Eltern immer noch leben. Beide sind über 80, er schon leicht dement, lange werden sie nicht mehr unbetreut wohnen können.

Gestern und Heute

Den beunruhigenden Gegenwartsstrang verschränkt Peters mit zwei Vergangenheitsebenen. Mitte der siebziger Jahre ist der Erzähler im Grundschulalter und völlig eins mit dem tiefkatholischen Elternhaus, teilt mit ihm auch den Glauben an den Fortschrittsgaranten „Brüter“, die Weisheit der Experten. 1981/82 aber begehrt das 15-jährige Ich auf, schließt sich den verrufensten AKW-Gegnern an, einer Scheunenkommune auf dem Gelände von Bauer Praats. „Wir sind die Leute, vor denen uns unsere Eltern immer gewarnt haben!“ als Roman.

Zumal Peters mit dem Seitenwechsel seine eigene Emanzipationsgeschichte erzählt, hätte sie schnell in Schwarz-Weiß-Malerei abgleiten können: Demonstranten gut, brave Katholiken schlecht. Stattdessen gelingt ihm Balancekunst, lässt er einen grundvernünftigen, wenn auch lilabehosten Protest wiederaufleben, ohne aufs Herkunftsmilieu herabzuschauen.

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Wo Uniformierte gehen und stehen – sollten die dafür verantwortlichen Politiker-Innen  einmal in sich gehen!

Im Gegenteil. Es bereitet ihm diebisches Vergnügen, die Welt eines siebenjährigen Katholikenjungen pur wiederzugeben, bloß nicht „aufgeklärt“ dazwischenzuquatschen. Eine Welt, in die manchmal Exotisches dringt („am Strafraum lauert Allan Simonsen, der Däne“), in der Evangelische eher nicht in den Himmel kommen, ständig die Ermordung durch die Baader-Meinhof-Bande droht und selbst Rinder die kommunistische Gefahr bemerken. Am amüsant Reaktionären bleiben die Reminiszenzen aber nicht kleben.

Vielmehr leistet Peters die differenzierte Beschreibung, die man von einem politischen Roman erwarten darf. Ambivalent gezeichnet ist schon die Mutter, eine Religionslehrerin, die SPD-Kanzler Brandt für einen sowjetischen Spion hält, sich aber über die Geschlechtertrennung in den Kirchenbänken hinwegsetzt. Die findet, dass es Frauen nicht steht, wenn sie rauchen, aber dem Pastor den Kommunionsunterricht aus der Hand nimmt. Nennen wir’s Mikrorevolte.

Selbst der Vater taugt nicht recht zu dem Finsterling, den sein Teenagersohn aus ihm macht – auch wenn er als Kirchenvorstand für den Verkauf des Gemeindelands an die Brütergesellschaft mitverantwortlich war. Die Gründe seines Votums sind nun mal unskandalös, der Monteur für Landmaschinen spricht für viele Handwerker im Ort: „Es gibt keine Kanalisation, keine Straßenlaternen, und wenn man nicht von den Buren abhängig sein will, muss man fünfzehn, zwanzig Kilometer fahren, um eine Arbeit zu finden.“ Dass der wirtschaftliche Aufschwung durchs Kraftwerk ein Strohfeuer bleibt, erfahren auch der Erzähler und wir erst im Nachhinein; „Dorfroman“ verzichtet auf Besserwisserei. Also ein versöhnlicher Blick auf den Herkunftskomplex? Nicht ganz. Peters’ merkliche Verachtung, noch Dekaden später, gilt der katholischen Amtskirche. Dass dieser Verein beim Landverkauf vor keinem Winkelzug zurückschreckte und beim Kassieren die Vernunft im Munde führte, hätte im Grunde schon gereicht, den Heranwachsenden in die Arme der Reformation zu treiben.

Quelle      :       TAZ          >>>>>      weiterlesen

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Grafikquellen        :

Oben      —      Protestaktion Anti-Atomdorf am Kernkraftwerk Kalkar.

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DL – Tagesticker 16.09.2020

Erstellt von DL-Redaktion am 16. September 2020

Direkt eingeflogen mit unseren Hubschrappschrap

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Wie eine Regierung die Corona Krise für sich Nutzbringend verkaufen kann :  „Erst werden die Menschen wie das Vieh eingesperrt, damit man diese später leichter abfüttern kann.“ Satte Menschen geben sich mit weniger zufrieden und Hartz 4 kann bleiben. Es soll sogar Parteien in der  Oppositionen geben, welche das gar nicht realisieren !!

2020 bekommen deutlich mehr Familien Kinderzuschlag

1.) Starke-Familien-Gesetz

Viel mehr Kinder als bisher werden 2020 laut Bundesregierung den sogenannten Kinderzuschlag bekommen. Grund ist ein neues Gesetz, das Familien mit wenig Einkommen besser unterstützen soll. Deutlich mehr Familien werden nach Einschätzung von Bundesfamilienministerin Franziska Giffey im neuen Jahr vom sogenannten Kinderzuschlag profitieren. Laut Angaben der SPD-Politikerin könnte 750.000 Kindern geholfen werden. „Das wäre mehr als eine Verdopplung im Vergleich zu heute“, sagte Giffey. Kinderzuschlag bekommen Familien mit niedrigem Einkommen, das nur knapp über Hartz-IV-Niveau liegt. Elternpaare mit gemeinsam mindestens 900 Euro brutto und Alleinerziehende mit einem Bruttobetrag ab 600 Euro gehören zum Empfängerkreis. Der Zuschlag wird bis zu einer individuell berechneten Höchstverdienstgrenze gezahlt. Abhängig von der Bedürftigkeit gibt es maximal 185 Euro pro Kind und Monat. Der Betrag wird gemeinsam mit dem Kindergeld überwiesen. Durch gesetzliche Neuregelungen desStarke-Familien-Gesetzes, das zum 1. Januar in Kraft tritt, wird die bisher geltende harte obere Einkommensgrenze abgeschafft und durch ein gleitendes Berechnungsmodell ersetzt.

Spiegel-online

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Gregor Gysi bezeichnete in einen Interview ein paar Tage zuvor ein Abstimmungsverhalten als Teil der lebenden Demokratie. Wo Menschen aufgrund von politischen Unfähigkeiten sterben, hört bei mir jede Ideologie auf.

Aufnahme von Geflüchteten aus Moria

2.) „Aus der Luft gegriffene Zahlen“

1553 Geflüchtete aus Moria sollen nach Deutschland einreisen dürfen – ein schwieriger Kompromiss zwischen Union und SPD. Am Tag nach der Entscheidung gibt es Kritik – auch aus den eigenen Reihen. Die FDP wirft der Koalition Willkür vor. Die Entscheidung der Großen Koalition, 1553 Geflüchtete aus dem abgebrannten Lager Moria auf der griechischen Insel Lesbos aufzunehmen, ist auf geteiltes Echo gestoßen. Die Einigung zwischen Union und SPD sieht vor, Familien mit Kindern aufzunehmen, die in Griechenland bereits ihr Anerkennungsverfahren als Flüchtlinge abgeschlossen haben. In den Reihen beider Koalitionspartner gibt es Stimmen, die den Kompromiss anzweifeln. „Falsche Signale“. So warnte der Wirtschaftsrat der CDU, die Aufnahme von Flüchtlingen aus griechischen Lagern könne „falsche Signale“ senden. Generalsekretär Wolfgang Steiger sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe, humanitäre Hilfe sei sehr wichtig, müsse aber – wie von Griechenland selbst gewünscht – „vor Ort auf den Inseln und als gesamteuropäische Lösung“ erfolgen. Es dürfe kein „Aufbruchsignal an Millionen Menschen in der Türkei“ gesendet werden.Der CDU-Innenexperte Armin Schuster hingegen verteidigte die Einigung der Koalition. Mit ihr setze die Union „ihren Weg einer Balance zwischen Humanität und Ordnung“ konsequent fort. Für die Union habe Priorität, dass sich eine Situation wie 2015 nicht wiederholen dürfe und man seine europäischen Partner nicht vor den Kopf stoße, sagte Schuster dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Tagesschau

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Wo nicht gearbeitet wird, werden keine Siege zu feiern sein ! Wer keine Gedanken in der Politik entwickeln kann, sollte besser zu Hause bleiben.

 Sozial, öko oder beides zusammen

3.) Linkspartei bricht in NRW ein

Die Linke sucht nach den Kommunalwahlen in NRW nach einem Profil als Partei für Klimagerechtigkeit. Denn bei jungen Wähler:innen kam sie kaum an. Schlechtes Klima in der Linkspartei: Nach dem mauen Abschneiden bei den Kommunalwahlen in Nordrhein-Westfalen steht das Thema in der Partei erneut auf der Tagesordnung. „Wir machen beim Thema Klimagerechtigkeit zu wenig“, sagt die Landessprecherin Inge Höger der taz. „Es gibt immer wieder Genoss:innen, die sagen, wir müssen uns auf die soziale Frage konzentrieren.“ Dabei sei beides wichtig, so Höger: Der Kampf gegen den Klimawandel und soziale Gerechtigkeit. Sie erwarte beim Landesparteitag am nächsten Wochenende harte Diskussionen. Die Themen Umwelt, Klima und Verkehr waren die bestimmenden bei den NRW-Kommunalwahlen am vergangenen Wochenende. Für die Linkspartei gingen diese enttäuschend aus. Bei Stammwähler:innen hatte die Partei verloren und bei jungen Wähler:innen kaum gepunktet. Nur 6 Prozent der 16 bis 24-jährigen gaben der Partei ihre Stimme, die Grünen heimsten dagegen jede dritte Stimme der U24-Wähler:innen ein. Mit insgesamt 3,8 Prozent blieb die Linkspartei fast einen Prozentpunkt unter den Ergebnissen von 2014 und hat die Fünf-Prozent-Hürde anders als bei der Landtagswahl 2017 nicht nur knapp verfehlt. Ein Grund für das miese Abschneiden, auf den Jules El-Khatib vom Landesvorstand verweist, ist die spärliche Verankerung vor Ort. Lediglich 8.700 von 8 Millionen Einwohner:innen NRWs sind Mitglieder der Linken. „Wir müssen uns jetzt um den Parteiaufbau in der Fläche kümmern“, schlussfolgert El-Khatib. Doch auch er erwartet Diskussionen über das Profil der Partei und die Frage, wie man Klima und soziale Gerechtigkeit stärker zusammenbringen könne. Mit Gerhard Schröder fürs Klima?

TAZ-online

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Ist der Mangel an Zeit nicht genau der Grund, warum ein solches Projekt nicht früher in der Planung war ? Die Probleme sind  seit BASTA Schröder bekannt ! Aber da kommt dann die Politik einmal mehr  mit ihren schmutzigen Spiel des Weges,  wo eine Krähe der Anderen keine Augen aushackt.  Wir sollten den stillen Hinweis, als Teil des Planspiel für einer neue Gro-Ko erkennen. 

Arbeitsmarkt

4.) SPD-Prestigeprojekt droht zu scheitern

Die Sozialdemokraten wollen gegen befristete Arbeitsverträge vorgehen. Doch für die geplante Regulierung wird die Zeit knapp. Es ist eine Herzensangelegenheit der SPD gewesen, die Verringerung der sachgrundlosen Befristung in den Koalitionsvertrag hineinzuverhandeln. Nun aber gibt es Hinweise darauf, dass es mit einer strengeren Regulierung in dieser Legislaturperiode womöglich nichts mehr wird. Die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Beate Müller-Gemmeke, hat die Bundesregierung nämlich gefragt, wann ein Gesetzentwurf in Sachen Befristung vorgelegt werde. Die Antwort des Bundesarbeitsministeriums, die der Süddeutschen Zeitung vorliegt, fiel schmallippig aus: Derzeit stünden die Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie und ihren Auswirkungen im Fokus, schrieb Staatssekretärin Annette Kramme. Andere vereinbarte Vorhaben „im allgemeinen Befristungsrecht“ müssten hinter diesen Maßnahmen angestellt werden. Das Ende der Legislaturperiode aber rückt immer näher, was das Projekt zunehmend unwahrscheinlich macht. Dass es nicht wirklich vorangeht, zeigt auch eine Vorhabenliste des Ministeriums, die der Süddeutsche Zeitung ebenfalls vorliegt. Darin sind eine ganze Reihe Vorhaben mit ihrem Bearbeitungsstand oder dem geplanten Zeitrahmen aufgelistet. Sie alle sind mit einem Schraubenschlüsselsymbol versehen. Das soll „in Arbeit“ bedeuten. Die sachgrundlose Befristung gehört jedoch nicht zu dieser Gruppe, sie taucht erst weiter unten in der Vorhabenliste auf, ohne Schraubenschlüssel – und vor allem ohne Zeitplan.

Sueddeutsche-Zeitung

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Und warum kommt ein solcher Schwachkopf  jetzt mit einer solchen Polemik ? Sollten ihm die zahlenden Mitglieder davon laufen, da er zu sehr nach den Vorteilen aus den Betrieben schielt? Eine Ehrlichkeit gegenüber  sich selber würde schon vieles  ändern ?

DGB: Stand der Einheit

5.) Tarifbindung im Osten ist zu niedrig

 Angesichts weiterhin höchst unterschiedlicher Löhne im Westen und Osten Deutschlands fordert der DGB den Gesetzgeber zum Handeln auf. »Der Gesetzgeber könnte es zum Beispiel erleichtern, Tarifverträge für allgemein verbindlich zu erklären. Auch könnte er vorschreiben, dass nur noch solche Unternehmen bei der öffentlichen Auftragsvergabe zum Zug kommen, die auch Tariflöhne zahlen. Das ist in vielen Bundesländern bereits der Fall, aber leider noch nicht in allen«, sagte DGB-Chef Reiner Hoffmann der »Neuen Osnabrücker Zeitung« Die Bundesregierung berichtet am Mittwoch über 30 Jahre deutsche Einheit. Diese sei grundsätzlich eine Erfolgsgeschichte, aber eine mit Schattenseiten, sagte Hoffmann. Er beklagte, »dass Menschen in Ostdeutschland deutlich längere Arbeitszeiten haben und deutlich geringere Löhne«. Das vertrage sich nicht mit der angestrebten Gleichwertigkeit der Lebensbedingungen in Deutschland.

ND

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Und dafür ist gerade der CSU Barde die Rechte Person ? Tragen nicht viele Mitglieder das Kreutz auf ihren Stirnen fest getackert ? Einmal mehr akzeptiert die Regierung einen Teufel zum austreiben des Beelzebub ? So lassen sich auch die „Experten“ immer mehr zu Witzfiguren der Politiker deklassieren !

Seehofer beruft „Expertenkreis“ gegen Islamfeindlichkeit

6.) Reaktion auf Anschlag in Hanau

Rund die Hälfte der Deutschen nimmt den Islam als Bedrohung wahr. Ein neues Gremium soll Strategien gegen die grassierende Muslimfeindlichkeit erarbeiten. Es gibt die spektakulären Verbrechen. Den Terroranschlag des Norwegers Anders Breivik im Sommer 2011 etwa, der 77 Menschen ermordete, als Akt gegen eine vermeintliche „islamische Kolonisation“. Der Angriff auf eine Moschee im kanadischen Quebec im Jahr 2017. Das Attentat in der neuseeländischen Stadt Christchurch im vergangenen Jahr, als ein Rechtsextremist zwei Moscheen stürmte und 50 Gläubige erschoss. Oder die Anschläge in der hessischen Stadt Hanau im Februar, als neun Menschen in und vor zwei Shishabars erschossen wurden. Laut Generalbundesanwalt lägen „gravierende Indizien für einen rassistischen Hintergrund“ vor. Und es gibt die weniger spektakulären, alltäglichen Fälle. Sachbeschädigungen, Körperverletzungen, Beleidigungen. Der Schweinekopf vor einer Moschee, die Drohungen gegen den Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, das Abreißen von Kopftüchern auf offener Straße. Im Jahr 2019 wurden in Deutschland nach Angaben der Bundesregierung 871 Übergriffe auf Muslime gemeldet, 33 Muslime wurden dabei verletzt, zwei aus islamfeindlichen Motiven getötet. Allerdings werden islamfeindliche Straftaten überhaupt erst seit 2017 gesondert erfasst. Deswegen lassen sich langfristige Trends noch nicht exakt diagnostizieren.

Tagesspiegel

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7.) Auf dem Trockenen

Dunkle Wolken haben sich über Artern zusammengebraut. Doch Bürgermeister Torsten Blümel findet in der gelungenen Metapher keinen Trost. Die thüringische Kleinstadt gilt laut Messdaten des Deutschen Wetterdienstes als trockenster Ort Deutschlands. Von den einst blühenden Landschaften zeugen nur noch drei verkümmerte Sukkulenten auf dem Fenstersims in Blümels Büro. Ein wenig Linderung verschafft sich der Verwaltungschef durch ein in der Rathauskantine stibitztes Erfrischungsstäbchen, das er in der Mitte durchbeißt und sich dessen Inhalt über seinen qualmenden Schädel schüttet. Trotz des unaufhaltsamen Klimawandels will Blümel den Kopf nicht in den Wüstensand stecken. Zwar sind die Soli-Milliarden längst irgendwo versickert. Dank der Hilfsorganisation „World Vision“ konnte im dritten Dürrejahr in Folge durch Spendengelder aus Afrika zumindest ein neuer Brunnen gebohrt werden. Blümel schenkt sich einen selbstgebrannten Dörrobstler ein. Der gute Tropfen plitscht ins Glas und verliert sich auf dem Boden des Pinnekens. Noch bevor der Ortsvorsteher damit seine spröden Lippen benetzen kann, ist er bereits verdunstet. Angestoßen hätte mit ihm ohnehin niemand. „Alles Ex-Alkis hier“, jammert der gebürtige Ossi. Sein Appel an die Bundesregierung ist unmissverständlich: „Lassen Sie uns im dryßigsten Jubiläumsjahr der Wiedervereinigung in Artern endlich im Regen stehen!“

Titanic

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Den Morgengruß an gleicher Stelle – schreibt jeden Tag
„Der freche Bengel“

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