DEMOKRATISCH – LINKS

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RENTENANGST

Archiv für Mai 15th, 2020

Berliner Stadtgespräch

Erstellt von DL-Redaktion am 15. Mai 2020

Nun auch noch Sido

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Von  Juri Sternburg

Stars auf Verschwörungskurs. Nun nascht auch Rapper Sido von der Verschwörungssuppe. Das ist komisch und tragisch. Die Linke darf es sich nicht bequem machen.

Wie ein Meteroitenhagel prasselt es derzeit auf uns ein. Beinahe täglich sind neue Einschläge zu vermelden, offenbaren mehr oder minder relevante Prominente ihre kruden Thesen.

Ob Xavier Naidoo, der offenbar an die QAnon-Verschwörung glaubt, nach der Tausende Kinder gefangen gehalten werden, um aus ihrem Blut ein Verjüngungselixier für „die Eliten“ herzustellen; oder der vegane Koch Atilla Hildmann, der Bill Gates für einen pädophilen Eugeniker hält – sie alle machen derzeit vermehrt auf sich aufmerksam.

In ihrem Fahrwasser verkünden dann auch Stars und Sternchen wie Til Schweiger, Tanzlehrer Detlev D! Soost oder die Influencerin Senna Gammour ihren teilweise millionenfachen Followern, was sie so denken. Beziehungsweise was ihnen von gescheiterten Journalisten und Holocaustrelativierern wie Ken Jebsen vorgekaut wurde.

Der nächste, der sich aktuell durch Geschwurbel outete, ist der Rapper Sido. Nun mag der ein oder andere sich in seiner prinzipiellen Ablehnung gegenüber der deutschen Rapszene bestätigt sehen oder deren Akteuren generell nicht viel Intellekt unterstellen: Aber das greift erstens zu kurz und ist zweitens falsch. Denn erstens ist Sido nicht dumm und zweitens ist er mit seinen Aussagen noch ein ganzes Stück weit entfernt von den akuten Wahnvorstellungen eines Xavier Naidoo.

Man weiß es nicht

Dennoch lässt er sich im Video-Interview dazu hinreißen, von der antisemitischen Rothschild-Theorie und geheimen Mächten zu faseln. Auf die Aussage seines Gegenübers, dass in den USA Tausende Menschen an dem Coronavirus sterben, antwortet er nur verschwörerisch: „Das hast du gehört. Aber wir wissen es ja nicht. Ich guck keine Nachrichten mehr.“ Dann spricht er sich für „alternative Medien“ aus, die Mainstream-Medien seien „unterwandert“.

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Das ist auf der einen Seite einfach sehr amüsant, weil Sido seit Jahren als Jury-Mitglied in jeder beschissenen Mainstream-TV-Show sitzt, die nicht bei drei auf den Bäumen ist, und einen baugleichen Radiohit mit irgendwelchen angepassten Pop-Sternchen nach dem nächsten rausballert. Aber es ist auch sehr besorgniserregend. Und zwar weil Sido durchaus in der Lage ist, differenziert zu denken und sich in der Vergangenheit zuweilen offen links gezeigt hat.

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Oben      —       Sido

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Pandemie Kriegstagebücher

Erstellt von DL-Redaktion am 15. Mai 2020

Die Narrenschiffe

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Quelle         :         untergrund-blättle    CH.

Vorwort und Übersetzung von Sebastian Lotzer

Bereits Anfang April publizierte der israelische Militärwissenschaftler und Mathematiker Isaac Ben-Israel das Ergebnis seiner Untersuchung der Verläufe der Infektionsraten von Covid 19.

Er untersuchte 25 Länder auf verschiedenen Kontinenten und kam zu dem Schluss, dass die Infektionskurve in allen Ländern, völlig unabhängig von den ergriffenen Massnahmen, also massiver Ausnahmezustand, Lockdown wie in Israel, Frankreich, Italien, oder moderatere Massnahmen wie z.B. in Schweden, auf die gleiche Art und Weise verlief. 1)

Lehnen wir uns einen Moment zurück, nehmen wir uns einen Moment der Auszeit von dem Fieberwahn, der die Welt ergriffen hat und gestatten wir uns einmal davon auszugehen, dass diese These die Realität abbildet. Wogegen im Moment nichts spricht, aber wir wollen uns hier nicht in den Glaubenskrieg (siehe auch unten) begeben, der derzeit tobt. Was würde daraus folgen. Zuerst einmal wäre es nötig zu verstehen, warum dies der Fall ist.

So wie es nötig ist zu verstehen, warum es in Norditalien so viele Tote gegeben hat oder warum es bisher in Schweden so viele Tote in den Alten- und Pflegeheimen gegeben hat, obwohl hier eine “moderatere Eindämmungsstrategie” durchaus vielversprechend zu sein scheint. (Dabei werden wir auf die katastrophalen Fehlentscheidungen von politisch Verantwortlichen, beschissene Arbeitsverhältnisse, insbesondere in der Pflege, auf Umweltverschmutzung und eine auf Gewinnmaximierung orientierte Gesundheitspolitik, sowie Phänomene in Bezug auf eine Schwächung der Immunabwehr infolge der gesellschaftlich geschürten Panik stossen. Für Italien sei hier stellvertretend auf den Text von Stefania Consigliere und Cristina Zavaroni verwiesen, eine Ahnung von den Bedingungen in Schweden vermittelt ein Artikel in der taz.) Verkürzt gesagt sprechen wir von den Folgen von Kapitalismus und Armut. Also das, was mittlerweile ein Allgemeinplatz in der linken Kritik an den derzeitigen Geschehnissen im Zusammenhang mit dem grassierenden Virus ist.

Doch da es eine radikale linke, eine wirklich emanzipatorische Erzählung der gegenwärtigen Entwicklung nicht gibt, fast alle und sämtliche Experten den Staat und seine Institutionen repräsentieren, wird die Beantwortung der Fragestellung, was die Ursache des von Isaac Ben-Israel geschilderten Phänomen sein könnte, wohl nie oder erst in ferner Zukunft erfolgen. Zu vernichtend könnte das Urteil ausfallen. Zu sehr würde es die herrschenden Eliten nackt da stehen lassen. In der positivsten Beurteilung würde man ihnen eine allumfassende Unfähigkeit assistieren, etwas böswilliger und wohl auch angemessener, würde man davon ausgehen, dass der grassierende Virus eine Möglichkeit darstellte, in der Formierung der allgegenwärtigen Kontrollgesellschaft eine revolutionären Sprung zu wagen. Ob dies strategisch geplant oder im Sinne einer Eigendynamik passierte ist dabei zweitrangig, ja geradezu evident.

Nun, da wir uns also zurück gelehnt haben und uns den Gedanken gestattet haben, das sämtliche Massnahmen zur Eindämmung des Virus herzlich wenig beigetragen haben, etwas, was im Übrigen auch schon die WHO im letzten Jahr voraussah, als sie selber feststellte, dass lediglich Handhygiene und Maskentragen (in Institutionen des Gesundheitssystems) sich in der Vergangenheit als wirklich wirksam erwiesen haben, sehen wir die Welt, bzw., dass was sich in ihr abspielt, vielleicht in einem anderem Licht.

Wenn wir also davon ausgehen, dass die politische Klasse nicht weltweit völlig verblödet ist (auch wenn einige führende Repräsentanten nicht unbedingt für diese Grundannahme sprechen) und wenn wir ganz undogmatisch davon ausgehen, dass die Wahrheit nicht immer im Absoluten liegt, sondern sich meistens in den zahlreichen Graubereichen ansiedelt, es also durchaus Sinn gemacht hat, z.B. auf Parties in engen, überfüllten Räumen und dergleichen zu verzichten, bleibt immer noch die drängende Frage, nach dem Warum. Also warum weltweit überwiegend nach dem gleichem Muster reagiert worden ist. (Wobei dies ja nicht unbedingt abzusehen war, weder GB noch die USA schienen anfangs gewillt, auf die Pandemie Politik der Achse Rom-Paris-Berlin einzuschwenken.)

Eine der falschen Grundannahmen der Linken über ihren Gegner ist dessen Befähigung zu planvollem Handeln. Erstens wird dieser dadurch überhöht und scheinbar übermächtig (während der “Imperialismus ein Papiertiger sein” kann, siehe Vietnam), zweitens gerät die Linke dadurch in das Fahrwasser verschwörungstheoretischer Ansätze (die keineswegs ein Privileg von Impfgegnern und Co sind), früher war dies die trilaterale Kommission, später Planungs-und Debatte Treffen wie Davos.

Was sich aber wirklich in der derzeitigen Politik der Eliten im Umgang mit Covid 19 ausdrückt, ist erstens ihre zunehmende Unfähigkeit zu langfristigen strategischen Handeln und zweitens der vollkommene Verlust an visionären Perspektiven. Selbst angesichts der unbestreitbaren katastrophalen Folgen des menschengemachten Klimawandels ist es nicht möglich angemessene Massnahmen zu ergreifen, während wir gerade erleben, dass angesichts einer Bedrohung, die wesentlich weniger gefährlich ist (auch für den Erhalt der derzeitigen Wirtschaftsordnung), radikalste Massnahmen ergriffen werden, deren Folgen ökonomisch in keinem Verhältnis zu dem realen Szenario stehen. Zweitens erleben wir eine Politik im Panikmodus, der aus meiner Sicht aus der Aussichtslosigkeit der Lage selbst entsteht, oder anders gesagt, aus der vorrevolutionären Phase, in der wir leben.

Alles tendiert seit um die 10 Jahre dahin. Noch nie seit dem Ende des zweiten Weltkrieges gab es so viele Unruhen und Aufstände wie in der letzten Dekade. Der Witz an der Sache ist, dass die Linke, als jene Kraft, die sich selbst als quasi naturgegebene Avantgarde im revolutionären Prozess sieht, mit all diesen Aufständen wenig bis garnichts zu tun hatte, diese sogar, wie z.B. die Bewegung der Gilets Jaunes, sich aus dem historischen Scheitern der Linken generierten. Stand Mitte April haben wir in den USA so viele Arbeitslose wie seit den 20igern, der grossen Depression, nicht mehr.

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Trump steuert nicht nur den Kurs des “schnellen Öffnens”, weil er skrupellos ist und über Leichen geht, sondern weil dies unabdingbar ist, sonst dürften sich die USA bei aller militärischen Potenz wirtschaftlich bald auf dem Niveau wiederfinden, wo sogenannte Schwellenländer wie Brasilien oder Indien sich von 20-30 Jahren befunden haben. Will heissen, es kommen soziale Verwerfungen auf uns zu, die es so in den letzten Jahrzehnten nicht gegeben hat. (Dagegen war die Bankenkrise, bei der hierzulande viele Linke schon das nahe Ende des Kapitalismus prophezeiten, ein Witz). Wie gesagt eine vorrevolutionäre Situation, die aber auch, dies als geschichtliche Erfahrung, eine reaktionäre, faschistische Massenbewegung gebären kann. Das Pendel schlägt aus, so oder so.

Dies alles nur als kurze, völlig unvollständige Skizzierung dessen, wo wir uns m.E, nach befinden, und wie es dort aussieht, denn vor lauter Panik haben sich die meisten einfach im affektiven Nebel verrannt. Es geht schon lange nicht mehr um Covid 19, sondern darum, wie die Nachkriegsordnung aussehe könnte. Und dass wir uns in einem Krieg befinden, daran hat die herrschende Elite keinen Zweifel gelassen. Es folgt eine Übersetzung eines aktuellen Textes des von mir sehr geschätzten Giorgio Agamben. Die Übersetzung erfolgte aus der Version die auf Quodlibet erschien. Wie immer bitte ich um Nachsicht hinsichtlich der Qualität der Übersetzung.

Medizin als Religion

Giorgio Agamben

Dass die Wissenschaft zur der Religion unserer Zeit geworden ist, dass woran die Menschen glauben, ist seit langem offensichtlich. Im modernen Westen haben drei grosse Glaubenssysteme koexistiert und existieren zum Teil immer noch nebeneinander: Christentum, Kapitalismus und Wissenschaft. In der Geschichte der Moderne haben sich diese drei „Religionen“ notwendigerweise mehrmals miteinander verflochten, sind von Zeit zu Zeit in Konflikte geraten und haben sich dann auf verschiedene Weise versöhnt, bis sie nach und nach zu einer Art friedlicher, geordneter Koexistenz, wenn nicht gar zu einer echten Zusammenarbeit im Namen gemeinsamer Interessen gelangten.

Die neue Feststellung ist, dass zwischen der Wissenschaft und den beiden anderen Religionen ein untergründiger und unerbittlicher Konflikt neu entbrannt ist, ohne dass wir uns dessen bewusst sind, dessen siegreiches Ende für die Wissenschaft heute vor unseren Augen liegt und in beispielloser Weise alle Aspekte unserer Existenz bestimmt. Bei diesem Konflikt geht es nicht, wie in der Vergangenheit, um Theorie und allgemeine Prinzipien, sondern sozusagen um die kulturelle Praxis. Tatsächlich kennt die Wissenschaft, wie jede Religion, verschiedene Formen und Ebenen, durch die sie ihre eigene Struktur organisiert und ordnet: Die Ausarbeitung eines subtilen und strengen Dogmas entspricht in der Praxis einer extrem weiten und kapillaren kultischen Sphäre, die mit dem zusammenfällt, was wir Technologie nennen.

Es überrascht nicht, dass der Protagonist dieses neuen Religionskrieges derjenige Teil der Wissenschaft ist, in dem der Dogmatismus weniger streng und der pragmatische Aspekt stärker ist: die Medizin, deren unmittelbarer Gegenstand der lebende Körper des Menschen ist. Versuchen wir, die wesentlichen Merkmale dieses siegreichen Glaubens festzulegen, mit denen wir zunehmend zu rechnen haben werden.

1) Das erste Merkmal ist, dass die Medizin, wie der Kapitalismus, keine spezielle Dogmatisierung braucht, sondern ihre grundlegenden Konzepte lediglich der Biologie entlehnt. Im Gegensatz zur Biologie artikuliert sie diese Konzepte jedoch in einem gnostisch-manichäischen Sinn, d.h. nach einer erbitterten dualistischen Opposition. Es gibt einen Gott oder ein bösartiges Prinzip, nämlich die Krankheit, deren spezifische Erreger Bakterien und Viren sind, und einen Gott oder ein segensreiches Prinzip, das nicht Gesundheit, sondern Heilung ist, dessen kultische Erreger Ärzte und Therapie sind.

Wie in jedem gnostischen Glauben sind die beiden Prinzipien klar voneinander getrennt, aber in der Praxis können sie sich gegenseitig beeinflussen, und das segensreiche Prinzip und der Arzt, der es vertritt, können Fehler machen und unbewusst mit ihrem Feind zusammenarbeiten, ohne dass dies in irgendeiner Weise die Realität des Dualismus und die Notwendigkeit der Anbetung, durch die das segensreiche Prinzip seinen Kampf kämpft, entkräftet. Und es ist bezeichnend, dass die Theologen, die die Strategie festlegen müssen, die Vertreter einer Wissenschaft sind, der Virologie, die keinen eigenen Platz hat, sondern an der Grenze zwischen Biologie und Medizin stattfindet.

2) Wenn diese religiöse Praxis bisher, wie jede Liturgie, episodisch und zeitlich begrenzt war, so ist das unerwartete Phänomen, dessen Zeuge wir sind, dass sie dauerhaft und allgegenwärtig geworden ist. Es geht nicht mehr darum, Medikamente einzunehmen oder sich bei Bedarf einer ärztlichen Untersuchung oder Operation zu unterziehen: Das ganze Leben des Menschen muss zu jeder Zeit zum Ort einer ununterbrochenen kultischen Feier werden. Der Feind, das Virus, ist immer präsent und muss unerbittlich und ohne möglichen Aufschub bekämpft werden.

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Auch die christliche Religion kannte solche totalitären Tendenzen, aber sie betrafen nur wenige Personen – vor allem Mönche -, die sich dafür entschieden, ihre gesamte Existenz unter das Banner des „unaufhörlichen Betens“ zu stellen. Die Medizin als Religion greift dieses Paulus-Gebot auf und hebt es gleichzeitig auf: Wo früher die Mönche in Klöstern zusammenkamen, um gemeinsam zu beten, muss der Gottesdienst jetzt eifrig, aber getrennt und auf Distanz praktiziert werden.

3) Die religiöse Praxis ist nicht mehr freiwillig und ohne Zwang, sie ist nicht nur noch den Sanktionen einer spirituellen Ordnung ausgesetzt, sondern muss normativ verpflichtend gemacht werden. Die Kollusion zwischen Religion und profaner Macht ist sicher nicht neu; neu ist jedoch, dass es nicht mehr, wie es bei den Ketzereien der Fall war, um das Bekenntnis zu Dogmen geht, sondern ausschliesslich um die Feier des Gottesdienstes.

Die weltliche Macht muss dafür sorgen, dass die Liturgie der Medizin- Religion, die jetzt mit dem ganzen Leben zusammenfällt, in der Praxis genauestens eingehalten wird. Dass es sich hier um eine religiöse Praxis und nicht um ein rationales wissenschaftliches Bedürfnis handelt, ist sofort offensichtlich. Die bei weitem häufigste Todesursache in unserem Land sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen, und es ist bekannt, dass diese reduziert werden könnten, wenn eine gesündere Lebensform praktiziert und eine bestimmte Ernährungsweise eingehalten würde.

Aber kein Arzt hätte je gedacht, dass diese Lebens- und Ernährungsform, die er den Patienten empfahl, Gegenstand einer gesetzlichen Regelung werden würde, die ex lege verordnet, was man essen und wie man leben sollte, und die die gesamte Existenz in eine Gesundheitspflicht verwandelt. Genau dies ist geschehen, und zumindest im Moment haben die Menschen es so akzeptiert, als sei es nicht weiter von Bedeutung, dass sie ihre Freizügigkeit, ihre Arbeit, ihre Freundschaften, ihre Liebe, ihre sozialen Beziehungen, ihre religiösen und politischen Überzeugungen aufgeben würden.

Hier wird ausgelotet, wie die beiden anderen Religionen des Westens, die Religion Christi und die Religion des Geldes, ihren Primat scheinbar kampflos an Medizin und Wissenschaft abgetreten haben. Die Kirche hat ihre Prinzipien schlicht und einfach zurückgewiesen und vergessen, dass der Heilige, dessen Namen der jetzige Pontifex angenommen hat, Leprakranke umarmt hat, dass eines der Werke der Barmherzigkeit darin bestand, die Kranken zu besuchen, dass die Sakramente nur in Gegenwart gespendet werden konnen. Der Kapitalismus seinerseits nahm, wenn auch mit einigen Protesten, Produktivitätsverluste in Kauf, die er nie zu verantworten gewagt hatte, wahrscheinlich in der Hoffnung, später mit der neuen Religion, die in diesem Punkt kompromissbereit zu sein scheint, zu einer Einigung zu kommen.

4) Die Medizin-Religion hat die eschatologische Instanz, die sie vom christlichen Glauben fallen gelassen hatte, vorbehaltlos eingeholt. Bereits der Kapitalismus, der das theologische Paradigma der Erlösung säkularisierte, hatte die Idee eines Endes der Zeit eliminiert und durch einen Zustand permanenter Krise ohne Erlösung oder Ende ersetzt. Die Krise ist ursprünglich ein medizinischer Begriff, der im hippokratischen Korpus den Moment bezeichnete, in dem der Arzt entschied, ob der Patient die Krankheit überleben würde. Theologen haben den Begriff übernommen, um auf das Jüngste Gericht hinzuweisen, das am letzten Tag stattfindet.

Wenn man sich den Ausnahmezustand ansieht, den wir erleben, würde man sagen, dass die medizinische Religion die fortwährende Krise des Kapitalismus mit der christlichen Vorstellung von einer letzten Zeit verbindet, von einer Eschaton, in der die extreme Entscheidung immer im Gange ist und das Ende sowohl überstürzt als auch aufgeschoben wird, in einem unaufhörlichen Versuch, sie zu regieren, ohne sie jedoch jemals ein für allemal zu lösen. Es ist die Religion einer Welt, die am sich Ende fühlt und doch nicht wie der hippokratische Arzt entscheiden kann, ob sie überleben oder sterben wird.

5) Wie der Kapitalismus und im Gegensatz zum Christentum bietet die Medizin-Religion keine Heils- und Erlösungsperspektive. Im Gegenteil, die Heilung, auf die sie abzielt, kann nur vorübergehend sein, da der böse Gott, der Virus, nicht ein für allemal beseitigt werden kann, im Gegenteil, er verändert sich ständig und nimmt neue, vermutlich riskantere Formen an. Die Epidemie, wie die Etymologie des Begriffs suggeriert (demos ist im Griechischen das Volk als politischer Körper und polemos epidemios ist bei Homer der Name des Bürgerkriegs), ist zunächst einmal ein politischer Begriff, der im Begriff ist, zur neuen Grundlage der Weltpolitik – oder Nichtpolitik – zu werden. Es ist in der Tat möglich, dass die Epidemie, die wir erleben, die Verwirklichung des Welt-Bürgerkriegs ist, der nach Ansicht der sorgfältigsten Politologen an die Stelle der traditionellen Weltkriege getreten ist. Alle Nationen und alle Völker befinden sich nun permanent im Krieg mit sich selbst, denn der unsichtbare und schwer fassbare Feind, gegen den sie kämpfen, ist in uns.

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Wie es im Laufe der Geschichte schon oft geschehen ist, werden die Philosophen erneut in Konflikt mit der Religion geraten müssen, die nicht mehr das Christentum ist, sondern die Wissenschaft oder der Teil davon, der die Form einer Religion angenommen hat. Ich weiss nicht, ob die Brände wieder aufflammen und Bücher auf den Index gesetzt werden, aber sicherlich wird der Gedanke derjenigen, die weiterhin nach der Wahrheit suchen und die vorherrschende Lüge ablehnen, wie es bereits vor unseren Augen geschieht, ausgeschlossen und beschuldigt werden für die Verbreitung von Nachrichten (Nachrichten, nicht Ideen, denn die Nachrichten sind wichtiger als die Realität!).

Wie in allen realen oder simulierten Notsituationen werden wir auch diesmal wieder erleben, wie ignorante Menschen Philosophen verleumden, Schurken, die versuchen, von dem Unglück zu profitieren, das sie selbst verursacht haben. All dies ist bereits geschehen und wird auch weiterhin geschehen, aber diejenigen, die für die Wahrheit aussagen, werden nicht aufhören, dies zu tun, denn niemand kann für den Zeugen aussagen.

Anmerkungen:

1) Seine Ergebnisse wurden am 19. Apri auch auf englisch präsentiert, in der WELT findet sich eine kurze Zusammenfassung am 7. Mai.

Soweit nicht anders angegeben und keine Quellenangabe (Name einer Organisation oder Internet-Adresse) vorhanden ist, gilt für die Texte auf dieser Webseite eine Copyleft (Public Domain) Lizenz.

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Grafikquellen         :

Oben             —       Narrenschiff, Ölbild Thomas Bühler. Beschreibung des Bilds durch das Presse- und Informationsamt Osnabrück

Thomas BühlerArchiv des Künstlers

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2. von Oben        —      200328-N-UP035-1110 NORFOLK, Va. (March 28, 2020) Adm. Christopher W. Grady, Commander, U.S. Fleet Forces Command and U.S. Naval Forces Northern Command (right) and Vice Adm. Andrew “Woody” Lewis, Commander, U.S. 2nd Fleet greet President Donald J. Trump at Naval Station Norfolk, March 28 during his visit to see off the Military Sealift Command hospital ship USNS Comfort (T-AH-20). Comfort is preparing to deploy in support of the nation’s COVID-19 response efforts and will serve as a referral hospital for non-COVID-19 patients currently admitted to shore-based hospitals. This allows shore-based hospitals to focus their efforts on COVID-19 cases. One of the Department of Defense’s missions is Defense Support of Civil Authorities. DoD is supporting the Federal Emergency Management Agency, the lead federal agency, as well as state, local and public health authorities in helping protect the health and safety of the American people. (U.S. Navy photo by Chief Mass Communication Specialist Mike DiMestico/Released)

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3.) von Oben       —      CDC champions a One Health approach, encouraging collaborative efforts to achieve the best health for people, animals, and the environment. Photo credit: Awadh Mohammed Ba Saleh

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Unten     —           Image of Saint Corona on the altar of St. Corona am Wechsel parish church, Lower Austria

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Die neue Rechte:

Erstellt von DL-Redaktion am 15. Mai 2020

Corona als Tag X

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von Martina Renner, Sebastian Wehrhahn

n der Coronakrise haben Verschwörungsmythen Konjunktur. Davon profitiert vor allem die extreme Rechte, warnen die Bundestagsabgeordnete Martina Renner und ihr wissenschaftlicher Mitarbeiter Sebastian Wehrhahn. Die Gefahr rechter Terroranschläge nehme deutlich zu.

Am 31. März 2020 beschloss der 44jährige Lokomotivführer Eduardo Moreno, ein Zeichen zu setzen. Gezielt ließ er einen von ihm geführten Güterzug entgleisen, um das im Hafen von Los Angeles liegende Hospital-Schiff USNS Mercy zu zerstören, das die Krankenhäuser der Stadt während der Corona-Pandemie entlasten soll. Morenos Zug durchbrach mehrere Sperren, kam jedoch vor dem Schiff zum Stehen. Der Zugführer wollte „die Menschen aufwecken“, ihm kam das Schiff „verdächtig“ vor – es würde, so glaubt er, nicht dem vorgegebenen Zweck dienen.[1] Näheres zu Morenos ideologischem Hintergrund und Motiven ist bislang nicht bekannt. Verwundern würde es allerdings nicht, wenn sich Moreno auf Verschwörungstheorien der extrem rechten QAnon-Szene[2] beziehen würde. In diesen Kreisen kursiert die Erzählung, die derzeitigen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie würden allein dazu dienen, tausende Kinder zu befreien, die von einer korrupten, satanischen und pädophilen Elite in unterirdischen Gefängnissen gefangen gehalten werden.[3] In einer Variante der Geschichte sollen die Krankenhausschiffe vor Los Angeles und New York die Täter in das US-amerikanische Lager Guantánamo auf Kuba transportieren,[4] in einer anderen Version sollen die befreiten Kinder auf diesen Schiffen versorgt werden.

Nur wenige Tage zuvor wurde der 36jährige Timothy Wilson in Belton, Missouri von Bundespolizisten des FBI bei einem missglückten Festnahmeversuch erschossen. Wilson plante einen Autobombenanschlag auf ein Krankenhaus. Bisherigen Erkenntnissen zufolge wollte der polizeibekannte Rassist die öffentliche Ordnung destabilisieren: durch einen Anschlag auf ein Ziel, das sowohl eine wichtige infrastrukturelle als auch eine starke symbolische Bedeutung hat.

Beide Vorfälle stehen exemplarisch dafür, dass die Pandemie und der durch sie begründete Ausnahmezustand rechtsextreme Kreise aktiviert hat und ein terroristisches Potential freisetzt: Sowohl das US-amerikanische Southern Poverty Law Center als auch die britische Kampagne „Hope not Hate“ – die als zivilgesellschaftliche Institutionen rechte Bewegungen wie Diskurse beobachten und einordnen – weisen aktuell auf Versuche der extremen Rechten hin, die Pandemie politisch zu instrumentalisieren.[5] Hierzulande warnt mittlerweile sogar das Bundesinnenministerium vor einer steigenden Gefahr rechter Anschläge.[6]

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»Der bevorstehende ›Volkstod‹ – den die ›Elite‹ mit dem vermeintlichen ›großen Austausch‹ verfolge – könne nur durch äußerste Brutalität aufgehalten werden.«

Dass die extreme Rechte versucht, aus der Pandemie und der sie begleitenden gesellschaftlichen und individuellen Verunsicherung Kapital zu schlagen, ist aus zwei Gründen wenig verwunderlich. Zum einen versucht sie prinzipiell, die tatsächliche oder vermeintliche politische Instabilität von Krisensituationen dazu zu nutzen, all das anzugreifen, was ihr ohnehin verhasst ist: Minderheiten, Frauen, Linke und nicht zuletzt demokratische und rechtsstaatliche Institutionen als solche. Zum anderen nehmen Ausnahmezustand und Apokalypse schon immer einen zentralen Platz im ideologischen Kosmos der Rechten ein. Der drohende Untergang bietet ein Szenario, das die Alternativlosigkeit des eigenen Handelns und die Bedingungslosigkeit in der Wahl der Mittel belegen soll. Es ist immer fünf vor zwölf und der bevorstehende „Volkstod“ – den die „Elite“ mit dem vermeintlichen „großen Austausch“ durch die Aufnahme flüchtender Menschen verfolge – könne nur durch äußerste Brutalität aufgehalten werden.

Auf genau solche Szenarien haben sich hierzulande Netzwerke vorbereitet, zu denen unter anderem Angehörige von Bundeswehr und Polizei gehören, wie in den vergangenen Jahren Recherchen insbesondere der „tageszeitung“ offenbart haben.[7] Noch immer ermittelt die Bundesanwaltschaft in diesem Zusammenhang gegen den Soldaten Franco A. wegen der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat: Dieser wollte, so die Anklage, als vermeintlicher syrischer Flüchtling einen Anschlag verüben, um eine gesellschaftliche Eskalation auszulösen.

Über einen Messengerdienst war A. wiederum verbunden mit anderen Männern – unter anderem ein Polizist und ein Anwalt – aus Mecklenburg-Vorpommern, gegen die die Generalbundesanwaltschaft ebenfalls ermittelt. Ihnen wird vorgeworfen, in Vorbereitung auf einen Tag X, also einen gesellschaftlichen Krisen- oder Unruhezustand, Listen politischer Gegner*innen angelegt und deren Entführung und Ermordung geplant zu haben. Die beiden waren Teil des sogenannten Nordkreuz-Netzwerkes, in dem rassistische Szenarien für den Tag X diskutiert wurden und das Waffen, Munition, Treibstoff und Vorräte in Depots versteckt haben soll. Mitglieder dieses Netzwerkes waren auch (zum Teil ehemalige) SEK-Polizisten, die über Jahre zehntausende Schuss Munition entwendet und gehortet hatten. Zum Netzwerk zählt ebenfalls ein ehemaliger Elitesoldat des Kommando Spezialkräfte (KSK).

Ein Naturereignis wenn Bürger-Innen gegen einer Allparteienregierung auf die Straßen gehen ?

Allerdings vernachlässigen die derzeitigen Ermittlungen auf fatale Weise den Netzwerkcharakter der Struktur. Nur gegen drei Beteiligte ermittelt die Bundesanwaltschaft, gegen zwei weitere wurde lediglich vor Landgerichten verhandelt.[8] In keinem einzigen Fall wird wegen Bildung einer terroristischen Vereinigung ermittelt, die Verfahren werden völlig ungenügend aufeinander bezogen. Das führt dazu, dass das Netzwerk unterbelichtet bleibt und damit viele seiner Mitglieder. Das aber dürfte es dem Netzwerk möglich machen, aktiv und gefährlich zu bleiben. So ist davon auszugehen, dass viele Waffen- und Munitionsdepots bislang unentdeckt geblieben sind und somit noch immer der Kontrolle durch rechtsextreme Soldaten oder Polizisten unterliegen. Alarmierend ist nicht zuletzt, dass im Nordkreuz-Netzwerk auch die Frage diskutiert wurde, welche Uniformträger im Krisenfall ungehindert eventuelle Absperrungen passieren könnten. Denn dieses Wissen könnte in der aktuellen Krisensituation mögliche Anschläge erleichtern.

»Etliche Verschwörungsmythen sind anschlussfähig für die Rechte, weil sie einem klassischen antisemitischen Muster entsprechen.«

Befördert werden solche Eskalationsstrategien von der aktuellen gesellschaftlichen Verunsicherung. Sie bietet einen idealen Nährboden, auf dem vielfältige Verschwörungsmythen gedeihen. Dabei sind diese nicht nur in der extremen Rechten vorzufinden, selbst wenn viele dort ihren Ursprung haben. Auch die derzeitige ungewisse Situation, der noch junge Forschungsstand zum Coronavirus und die sich je nach neuer Wissenslage ändernden Ratschläge der Virologen und Epidemiologen tragen dazu bei, dass Verschwörungsmythen populär werden. So kursieren beispielsweise Behauptungen islamischer Geistlicher, das Virus sei eine Strafe Gottes für den Umgang Chinas mit den Uiguren.[9] Andere Stimmen behaupten, die Covid-19 zugeschriebenen Symptome gingen eigentlich auf den Ausbau des 5G-Netzes zurück:[10] In den Niederlanden verübten unbekannte Täter Mitte April Anschläge auf 5G-Masten. Die Sicherheitsbehörden gehen von einem Zusammenhang mit der Coronakrise aus.[11]

Quelle       :         Blätter         >>>>>        weiterlesen

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Grafikquellen      :

Oben        ––        Bundesparteitag Die Linke 2018 in Leipzig

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2.)  von Oben            —           Gustav-Adolf-Kirche in Affolterbach, einem Ortsteil von Wald-Michelbach (Kreis Bergstraße, Hessen, Deutschland)

Author 4028mdk09

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Die Linke verpennt Chance

Erstellt von DL-Redaktion am 15. Mai 2020

Pflegefiasko ist auch Polit-Fiasko

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Leere Reden ohne Scham.

Quelle      :        Scharf  —  Links

Von Hannes Sies

Am „Tag der Pflege“ überboten sich Lobhudler und Fensterklatscher einmal mehr. Wer aber hatte immer schon für bessere Pflege gekämpft? Für höhere Löhne, fundiertere Ausbildung, bessere Personalschlüssel? Die Linke. Wem wurde es in den Medien und in Konsequenz an der Wahlurne kaum gedankt: Der Linken. Die ignorante, zynische Haltung gegenüber dem Pflegenotstand in Deutschland wurde einer breiten Mehrheit von snobistischen Journalisten als Teil ihrer „Neuen urbanen Mittelklasse“ aufgedrückt. Die Linke wurde als ewiggestrige, angeblich linksextreme Sozialhuber abgekanzelt, während „seriöse Politik“ sich lieber um systemrelevante Bankster, Medienkonzerne und Industrielle kümmerte.

Jetzt wissen wir: Wirklich systemrelevant ist das Gesundheitswesen. Wer plakatierte 2019 im Hamburger Wahlkampf als einzige Partei für Stärkung der Pflege? Die Linke. Wer schafft es derzeit nicht, sich öffentlich damit zu präsentieren? Die Führung der Linken. Wo sind die Hamburger Linkspartei-Wahlplakate mit dem Slogan „Pflege braucht Qualität braucht Pflege“ (nicht, dass der sonderlich zündend gewesen wäre) und dem roten Aufkleber: „Wir forderten das alles schon VOR CORONA“? „Ohne unseren mühseligen Widerstand hätte die neoliberale Einheitsfront von SPD-Union-Grüngelb-AfD die Krankenhäuser ganz kaputt gespart, die Pflegelöhne auf Schuhputzerniveau gedrückt und eure Kassenbeiträge gänzlich der Pharmaindustrie in den Rachen geworfen.“

Stattdessen spielt sich in Talkshows, etwa bei Anne Will, der FDP-Bonze Kubicki als Kritiker auf und verbreitet seinen neoliberalen Dünnsinn. Ohne dass ihn jemand auf FDP-Parolen wie „Schlanker Staat“, „Privatisierung und Kostendämpfung im Gesundheitswesen“, „Steuersenkung für Spitzenverdiener“ und ähnliches anspricht. Die Neoliberalenfront unter Führung von FDP und Grünen (von denen stammt das ÖPP-Gesetz zur Privatisierung öffentlicher Dienste), unter gierigem Lachen der Union und gemimtem Zähneknirschen der SPD haben die Misere zu verantworten: Pflegeschlüssel in Deutschland so mies wie in Italien -eine Pflegekraft auf 13 Patienten (in den Niederlanden und der Schweiz sind es nur acht Patienten!). Miese Bezahlung, kaputtgesparte Ausbildung, massive Nachwuchsproblem -wen wunderts?- und daher Anwerbe-Programm für Krankenschwestern vom Balkan (wo sie jetzt fehlen).

Jetzt kommt ein knausriger „Pflegebonus“ von einmalig 1000,- Euro für Vollzeitkräfte, 600,- für Azubis, 334,- für Pflegehelferinnen -das soll genug sein? Sicher nicht. Die Pflege ist im Gesundheitswesen schlecht vertreten, ihr gewerkschaftlicher Organisationsgrad ist mangelhaft (dank stramm antikommunistischer Medien-Berieselung seitens Mainstream-Journaille?). Pharmabonzen, Kassen, eine gierig expandierende Gesundheitsindustrie, selbst die Ärzteverbände haben in diesem neoliberal deregulierten „Selbstverwaltungssystem“ weit mehr Macht und Einfluss. Das alles muss sich ändern. Aber ohne eine aktive Linke wird es bei Symbolpolitik, Almosen und Fensterklatschern bleiben. Was kann die Politik tun? Arbeitsrechte reaktivieren, die im neoliberalen Rechteausverkauf von schwarzgelben und rotgrünen Neoliberalen geschleift wurden; Unionbuster-Kanzleien verbieten, die Arbeitgebern mit unfairen bis kriminellen Methoden als zivile Söldner dienen -gegen Betriebräte und Gewerkschaften; Steuern dort holen, wo Multimilliarden-Profite einkassiert werden, statt immer nur von „uns allen“ -die explodierenden Großvermögen und Spitzeneinkommen fallen nicht vom Himmel: Sie werden aus uns herausgeschunden, meist steuerfrei von Parasiten mit karibischen Schwarzgeldkonten. Ein Corona-Lastenausgleich von 30% auf alle Geldvermögen über eine Million wäre ein Anfang. Und eine gerechte Glättung all der „Steuervermeidung“, die unser Gemeinwesen arm gemacht hat -ermöglicht durch eine korrupte Politik, die sich von den Steuervermeidern alimentieren ließ.

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Oben         —       Wolfgang Schäuble während der Plenarsitzung des Deutschen Bundestages am 26. Juni 2019 in Berlin.

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Das Finanzkasino Schland

Erstellt von DL-Redaktion am 15. Mai 2020

Schulden statt Spekulation

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Von Ulrike Herrmann

Corona wird die Finanzmärkte verändern. Es hilft, zu verstehen, wie Steuern, Zinsen, Aktien, Immobilien und Staatsschulden zusammenhängen.

ie Coronakrise ist noch nicht vorbei, da wird bereits sorgenvoll gefragt: Wie sollen die Schulden zurückgezahlt werden, die Deutschland anhäuft? Die Steuerschätzer kamen am Donnerstag zu dem Ergebnis, dass dem Staat in diesem Jahr 100 Milliarden Euro fehlen dürften. Gleichzeitig steigen aber die Ausgaben. Zudem ist unklar, ob alle Betriebe ihre Corona-Notkredite zurückzahlen können, und ein gigantisches Konjunkturpaket soll es auch noch geben. Es wäre keine Überraschung, wenn die Coronakrise 1 Billion Euro kosten würde. Diese enormen Staatsschulden machen schwindelig.

Kanzlerin Merkel hat sich nun im Bundestag relativ klar positioniert. Am Mittwoch erklärte sie: „Stand heute sind keinerlei Erhöhungen von Abgaben und Steuern geplant.“ Allerdings ließ sie eine Hintertür offen. Niemand sei „Zukunftsvorherseher“.

Wie immer man zu Steuern steht – es würde tatsächlich wenig bringen, sie zu erhöhen, um die Coronaschulden abzutragen. Beispiel Vermögensteuer: Es wäre zweifellos gerecht, wenn die Reichen mehr dazu beitragen würden, das Gemeinwesen zu finanzieren. Trotzdem würde eine Vermögensteuer wahrscheinlich „nur“ 10 Milliarden Euro im Jahr in die staatlichen Kassen spülen. Es könnte also bis zu hundert Jahre dauern, die Coronaschulden abzuzahlen.

Natürlich könnte man auch die Erbschaftssteuer erhöhen, den Spitzensteuersatz bei der Einkommensteuer anheben und die Steuerflucht bekämpfen, was vielleicht weitere 40 Milliarden Euro pro Jahr einspielen würde. Diese Zusatzeinnahmen wären hilfreich – etwa um die Pflegekräfte besser zu bezahlen. Aber auch dieses Steuerplus würde niemals reichen, um die Coronaschulden nennenswert abzutragen.

Weltweit verfolgen die Staaten daher eine andere Strategie, um ihre Schulden abzubauen. Sie werden nicht zurückgezahlt – sondern verlieren an Bedeutung. Der Trick heißt „finanzielle Repression“. Wenn die Zinsen weitaus niedriger liegen als das nominale Wachstum, schwinden die Schulden von selbst, weil sie im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung immer kleiner werden.

Die Zeit nach der Finanzkrise 2008 war ein Beispiel dafür: Damals stiegen die Staatsschulden weltweit rasant an, weil Banken und Wirtschaft gerettet werden mussten. Diese Last war für die Länder finanziell aber mühelos tragbar, weil gleichzeitig die Zinsen gen null sanken.

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Die AfD skandalisiert die Niedrigzinsen gern als „Enteignung der Sparer“. Dabei schwingt stets mit, dass die „Kleinsparer“ am meisten leiden würden. Das ist Unsinn. Die Kleinsparer, der Name sagt es, verfügen nicht über die nötigen Geldsummen, um erhebliche Zinserträge zu erwirtschaften. Die untere Hälfte der Deutschen kommt auf nur 1,3 Prozent des Volksvermögens. Die meisten besitzen fast gar nichts, und selbst die reichste Person in dieser Gruppe der ärmeren 50 Prozent hat ganze 26.000 Euro.

So banal es ist: Niedrige Zinsen sind nur für Menschen lästig, die über nennenswerte Spareinlagen verfügen. Es trifft die Wohlhabenden. Die AfD geriert sich zwar als Partei der „Kleinsparer“, wenn sie sich für hohe Zinsen einsetzt, aber in Wahrheit würden die Kleinsparer mit ihren Steuern die Renditen der Reichen finanzieren. Es wäre eine Umverteilung von unten nach oben.

Quelle           :         TA Z          >>>>>           weiterlesen

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Oben          —        Adventure of the Seas Casino Royale

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DL – Tagesticker 15.05.2020

Erstellt von DL-Redaktion am 15. Mai 2020

Direkt eingeflogen mit unseren Hubschrappschrap

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War das nicht ein Satz aus der Gestapo: “ Je weniger unter der Uniform – je größer muss das Aufgebot wirken ? Hat Herrmann vielleicht seinen Freund unter den Protestierenden entdeckt ? Herrmann wurde doch auch als aufgehender Sauerteig in den 50 ger Jahren von Tür zu Tür gereicht.

Bayern Anti-Corona-Demos:

1.) Bayerns Polizei setzt auf Großaufgebote

Die Bilder des völlig überfüllten Marienplatzes in München inmitten der Corona-Krise haben vielen Menschen Angst gemacht. Für die Demos am Wochenende setzt Bayerns Polizei daher auf eine neue Strategie. München (dpa/lby) – Nach den Erfahrungen am vergangenen Wochenende verstärkt Bayerns Polizei bei den anstehenden Demonstrationen gegen die Corona-Beschränkungen seine Präsenz massiv. „Allein am Samstag setzen wir alle zur Verfügung stehenden Einsatzzüge der Bayerischen Bereitschaftspolizei für die zu erwartenden Versammlungslagen sowie zur Überwachung der Infektionsschutzmaßnahmen ein“, sagte Innenminister Joachim Herrmann (CSU) in München. Das seien 30 Einsatzzüge, also rund 900 Polizisten der Bereitschaftspolizei, die zusätzlich zu den eigenen Kräften und Einsatzzügen der Präsidien bereit stünden. Auch am Freitag und am Sonntag gebe es ein starkes Polizeiaufgebot.

ntv

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Die ARD und ihr Finanzierer. Ist hiermit schon die Behauptung entkräftet das  viele Politiker-Innen Lügen, da sie kurze Beine haben ? 

Heinsberg-Studie:

2.) ARD trickste, um Laschet Lügen vorzuwerfen

Das ARD-Politmagazin „Kontraste“ wirft NRW-Landeschef Armin Laschet vor, im Zusammenhang mit der Heinsberg-Studie gelogen zu haben. Doch stimmt das überhaupt? FOCUS-Online-Recherchen legen nahe, dass das Politmagazin trickste, um Laschet als Lügner darzustellen. Und da war er wieder, der Skandal: Armin Laschet, NRW-Ministerpräsident, soll nicht bei der Wahrheit geblieben sein. Dies zumindest legt ein Bericht des TV-Magazins „Kontraste“ der ARD nahe. Demnach soll der Kandidat für den CDU-Parteivorsitz falsche Angaben im Zusammenhang mit der Coronavirus-Studie des Bonner Epidemiologen Professor Hendrik Streeck gemacht haben. Die Untersuchung, durchgeführt im einstigen Infektions-Hotspot Heinsberg nahe Aachen, diente dem Landesvater als Basis, um sein Exit-Programm voranzutreiben.

Focus

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Noch nie wurde über den Fußball so viel geschrieben und geredet, obwohl bei den Politikern lange alle Luft aus den Köpfen entwichen ist. Aber heißt es nicht auch . „Je größer der Hohlraum, je lauter die Trommel ?

Bunte Ligen:

3.) Fußball ohne DFB

In den alternativen Ligen geht man anders mit der Krise um. Auf SpielerInnen und Gesundheit wird geachtet. Bringt Corona dem bunten Fußball Zulauf? Die Bunte Liga Regensburg hat gerade auf Saisonabbruch entschieden. „Wir haben eine Verantwortung für die Gesundheit der SpielerInnen und ihrer Familien“, sagt Claudia Bernhard, Gründungsmitglied und erste Vorsitzende der alternativen Liga mit derzeit 700 Mitgliedern aus 45 Nationen. Sätze, die man aus der DFL nicht hört. „Ich verstehe, dass viele Gelder wegfallen, aber warum müssen die Profivereine das auf dem Rücken der FußballerInnen austragen? Sie hätten die SpielerInnen fragen müssen: Wollt ihr spielen, könnt ihr?“ Bernhard sagt: „Unsere Organisationsform ist näher am Menschen, weil man ihn miteinbezieht.“ Weil man ihn fragt.

TAZ

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Wir sollten nicht damit beginnen die politisch Verantwortlichen Deutschen Versager nach Kriegsende aufzuzählen. Wir sollten die Hoffnungen noch nicht aufgeben und auf baldige Besserung hoffen. Vielleicht scheidet ja Corona das -Kraut vom Un-.?

 Wie eine Seuche den Untergang des römischen Imperiums einleitete

4.) Antoninische Pest

Fünf „gute“ Kaiser führten Rom in eine Blütezeit, bis eine Seuche aus China das Reich verwüstete. Rom verlor mehr als ein Drittel der Bewohner. Das Imperium überstand die Pest – aber schwer geschwächt.

Krankheiten, Seuchen und Tod waren die Bürger des römischen Imperiums gewohnt. Doch eine Krankheit wie die Antoninische Pest, die 165 n. Chr. ausbrach, hatte das Imperium zuvor noch nicht gesehen. In den Jahrzehnten davor war Rom zu nie da gewesener Größe emporgestiegen, nach der Pest begann der Zerfall der römischen Macht – auch wenn der Niedergang immer wieder für kurze Zeit gestoppt werden konnte.

Blütezeit der Adoptivkaiser

Stern-online  

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Wenn die CDU mit der SPD Ferkelt bleiben nur die eigenen Taschen voll.

Streit um Grundrente:

5.) Eine Slapsticknummer

Beim Clinch um die Grundrente hat sich die SPD mal wieder verheddert. Die Union sollte über ihren Schatten springen. Die SPD hat in der Rolle als Merkels Juniorpartner lange stets handwerklich routinierte Arbeit abgeliefert, aber man wusste nie so genau, wofür sie brennt. Bei der Grundrente ist es genau umgekehrt: Arbeits- und Sozialminister Hubert Heil und Finanzminister Olaf Scholz wollen die Grundrente unbedingt. Und damit hat die SPD ja recht. Der Aufschlag für ehemalige Geringverdiener ist zwar zu klein, das Verfahren zu bürokratisch und, wie immer bei der Rente, nur so ungefähr gerecht. Entscheidend aber ist, dass die Grundrente die anrollende Altersarmut abzumildern hilft.

TAZ

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Ist dieses nicht genau das Thema ? „Die Natur schlägt zurück!“

Lockdown in Afrika

„Ich sorge mich ständig um unser Überleben, aber nicht wegen des Coronavirus“

Viele Menschen in Afrika arbeiten als Tagelöhner und in Gelegenheitsjobs. Die Krise raubt ihnen diese Möglichkeit. Straßenverkäuferinnen aus Ghana erzählen, wie der Lockdown sie an den Rand des Hungers bringt. Afrika hat den niedrigsten Wert an registrierten Corona-Fallzahlen weltweit. Mitte Mai sind gut 49.000 bekannte Infektionen festgestellt – im Vergleich zu allein mehr als 1,7 Millionen in Europa. Noch immer ist nicht abschließend zu sagen, warum der afrikanische Kontinent im weltweiten Vergleich der Coronavirus-Infektionen bisher glimpflich davon gekommen ist. Es hat vermutlich auch damit zu tun, dass ein Großteil der Bevölkerung keine Reisen ins Ausland unternehmen kann und so zu Beginn der Krise lediglich wenige, reichere Menschen oder ausländische Besucher und Handelspartner betroffen waren.
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Laschet kündigt weitere Lockerung an:

7.) „Können bald endlich wieder aufhören, nach dem Toilettengang die Hände zu waschen“

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet hat heute auf dem Weg in eine verantwortungsvolle Normalität neue Lockerungen angekündigt. So können Bewohner des Bundeslandes ab Montag wieder darauf verzichten, sich nach dem Toilettengang die Hände zu waschen. „Wir sind jetzt an dem Punkt angelangt, an dem wir endlich wieder darauf verzichten können, uns nach dem Toilettengang die Hände zu waschen“, verkündete Laschet stolz. Dies sei unabhängig von der Größe des Geschäfts. „Man kann also wieder bedenkenlos nach der Verrichtung der Notdurft einen kurzen geringschätzigen Blick in Richtung Waschbecken werfen und einfach vorbeigehen.“

Postillon

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Anregungen nehmen wir gerne entgegen

Treu unserem Motto: Es gibt keine schlechte Presse, sondern nur unkritische Leser

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Grafikquellen        :

Oben     —    DL / privat – Wikimedia  Commons – cc-by-sa-3-0

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