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Archiv für Mai 10th, 2020

die steile corona these

Erstellt von DL-Redaktion am 10. Mai 2020

Die Immunarroganten sind die neuen Superheld*innen

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Von Sebastian Erb

Es ist ein neuer Typ Mensch entstanden, an den wir uns gewöhnen müssen. Noch gibt es von ihm nicht allzu viele Exemplare, aber es werden täglich mehr: die Corona-Überlebenden. Diese Menschen bringen große Herausforderungen mit sich. Und sie sind eine Riesenchance.

Seit fast zwei Monaten erleben wir in Deutschland nun die Coronapandemie, und sie wird uns wohl noch weit länger beschäftigen, als die Locker-Laschets dieses Landes uns glauben lassen wollen. Denn bevor es einen Impfstoff oder ein wirksames Medikament gegen Covid-19 gibt, ist das Virus nicht unter Kontrolle.

Was erst so langsam klar wird: Wir werden auch eine Zeit mit einer Zweiteilung der Gesellschaft erleben, die es in dieser Form noch nicht gab.

Auf der einen Seite ist da die große Masse an Menschen, die sich nicht anstecken soll, die deshalb Abstand halten, Maske tragen, Hände waschen, Menschenansammlungen meiden soll. Und da sind auf der anderen Seite diejenigen Menschen, die das Coronavirus schon erwischt hat und die die Krankheit überstanden haben. 141.700 Personen sind das bislang in Deutschland, das ist die offizielle Zahl. In Wahrheit sind es noch viel mehr, denn viele haben die Krankheit ohne oder mit wenigen Symptomen durchgemacht.

Die meisten stecken die Infektion auch ziemlich gut weg, wenn auch die Gefahr besteht, dass sie langfristig körperliche Schäden davontragen, die man jetzt vielleicht noch gar nicht kennt. Die Menschen sind geheilt. Damit sind sie immun gegen das Coronavirus, zumindest für eine Weile. Ob das nur ein paar Monate sind oder eher Jahre, hat die Wissenschaft noch nicht endgültig herausgefunden. Eine Zeit lang jedenfalls können sich bereits Erkrankte nicht mehr infizieren – und auch keine anderen Personen anstecken.

Trifft man diese beneidenswerten Menschen, kann man bemerken, dass sie ein bisschen selbstbewusster durch die Gegend laufen als andere, mit Abstand nur als symbolischer Pflicht. Man kann ein scheues Lächeln beobachten, das ihnen übers Gesicht huscht. Es will sagen: Hah, du kannst mir nichts. Du Virus. Du Mensch. Du Welt. Ich Superheld.

Dieser erlebte Sieg über Corona – wer will es diesen Menschen verübeln, dass sie sich als Sie­ge­r*in­nen fühlen – kann sich dann aber in Richtung einer Immunarroganz bewegen. Habt euch doch nicht so. Ich habe es auch überlebt. Und will jetzt wieder mein normales Leben.

Das private Leuchten im Gesicht ist das eine. Der gesellschaftliche und rechtliche Umgang mit mutmaßlich Corona-Immunen etwas ganz anderes. Wir erleben seit März heftige Einschränkungen der Grundrechte, die es in der Geschichte der Bundesrepublik in dieser Härte noch nie gegeben hat. Diese sind im Großen und Ganzen auch gerechtfertigt, weil das Virus eben kein Feind ist, den man auf die Schnelle anders besiegen oder mit dem man irgendwie verhandeln könnte.

Viele der Einschränkungen gibt es, weil die Menschen das Virus verbreiten. Und das tun die Corona-Immunen eben nicht. Darf man auch ihnen also überhaupt die Grundrechte verwehren? Darüber diskutieren Jurist*innen, und bald werden wir alle uns stärker damit beschäftigen müssen.

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Nur Kamele lassen sich ohne Maulkorb impfen ?

Reisen, Tanzen, Sauna. Dürften Corona-Immune nun plötzlich mehr als andere, wäre das allen anderen in jedem Fall schwer zu vermitteln, weil: Was wären das für Vorbilder? Und es gäbe keine Gleichbehandlung. Aber Moment: Heißt Gleichbehandlung wirklich, dass man alle gleich schlecht behandelt, wenn es vernünftigerweise auch anders zu regeln wäre? Wohl kaum.

Es geht dabei nicht nur um das private Wohlbefinden, sondern auch um die in diesen Zeiten offenkundig noch viel wichtigere wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Landes. Einen immunen Krankenpfleger kann ein Krankenhaus natürlich besser einsetzen als einen, dem jederzeit die Ansteckung droht. Eine immune Handelsvertreterin kann sich natürlich viel besser und sicherer durch Deutschland und die Welt bewegen.

Quelle       :           TAZ          >>>>>           weiterlesen

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Grafikquellen        :

Oben       —          Posing

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Unten     —        CDC champions a One Health approach, encouraging collaborative efforts to achieve the best health for people, animals, and the environment. Photo credit: Awadh Mohammed Ba Saleh

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Pandemie Kriegstagebücher

Erstellt von DL-Redaktion am 10. Mai 2020

Eine Neurosenlehre der Corona-Krise

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Quelle        :    untergrund-blättle  CH.

Vorwort und Übersetzung von Sebastian Lotzer

Die Lockerungsdebatte, die Lockerungsorgie, die zweite und dritte Welle, unvermeidlich. Risiko, Warnung, aus dem Off Mielke: “Aber ich liebe Euch doch alle”.

Es macht keinen Sinn, mit Fakten zu argumentieren, denn diese sind dieser Tage vage. Und wo alles vage wird, wankt auch das Schiff in stürmischer See, aber Captain, mein Captain, der Blick zum Horizont geworfen, wer stahl mir mein Bein. Starbuck zaudert, zögert, erwägt die finale Handlung, verwirft, alles ist verloren.

Diese Zivilisation ist dem Untergang geweiht. Daran gibt es nichts zu diskutieren, zu relativieren. Das, was kommen wird, kann tausend Mal blutiger, schrecklicher sein, als das was wir derzeit erleben. Bis an die Zähne bewaffnet wird das Regime im Todeskampf um sich schlagen, die atomare Apokalypse war kein Hirngespinst, sondern eine historische Möglichkeit, die nur den Umständen geschuldet, sich als überflüssig erwiesen hat. Es geht nicht um einen Virus, darum ist es nie gegangen, es geht darum, was durch den Virus an die Oberfläche dringt, an verborgenen, verdrängten, abgespaltenen Affekten, und wie diese Affekte die Gesellschaft formen und benutzt werden. Verstehen, begreifen, kämpfen. Freedom just another world for nothing left to lose.

Eine weitere Übersetzung von der Website des Wu Ming Kollektivs aus Bologna (für die grobschlächtige Übersetzung aus dem Italienischen bitte ich um Nachsicht):

Vor Angst krank zu werden. Der „Nocebo-Effekt“ des #stareincasa und des Corona Virus

Von Stefania Consigliere und Cristina Zavaroni “Es ist zweieinhalb Monate her, dass die Zeitungen über den ersten italienischen Coronavirus-Tod berichteten und damit die lange Abfolge von Schlagzeilen unterbrachen, die Renzi und Regierungsstreitigkeiten gewidmet waren. „Virus, der Norden in Angst“, donnerte am 22. Februar über die Titelseite der Repubblica. Von diesem Moment an haben die italienischen Medien mit ihren vereinheitlichten Netzwerken und die Rhetorik der Machthaber nie aufgehört, diese Angst zu verstärken, sie in Terror zu verwandeln und vor allem ihr Unheil hinzuzufügen. Wir haben lange über die Auswirkungen und den Zweck dieser Manipulation unserer Phobien nachgedacht, aber wir haben uns noch nicht genügend mit der Hypothese befasst, dass diese Ängste – gut verständlich angesichts einer Pandemie – wiederum zu einer Krankheit geworden sind, zu einer Krankheit, die Covid 19 verstärkt hat, die Immunabwehr der Bevölkerung schwächt und die Ansteckung ernster macht. In mehreren Kommentaren zu den Beiträgen dieser Wochen ist die Idee aufgetaucht, dass die Armee auf der Straße, der Ton der Minister, die Auswahl und Präsentation der Daten, die Homepage der Zeitungen, dazu beigetragen haben, uns – buchstäblich – vor Angst krank zu machen. Dieser Artikel, der speziell für Giap verfasst wurde, behandelt das Thema aus der Sicht der medizinischen Anthropologie und der wissenschaftlichen Untersuchung des Placebo-Effekts und seines Gegenstücks: des Nocebo-Effekts.” (Vorwort Wu Ming Kollektiv)

0. Covid-19 als Bildverarbeitungsmaschine

Das lehrt uns seit Jahren die beste Philosophie unserer Zeit: Die große Trennung zwischen Natur und Kultur, zwischen dem Reich der Objektivität und dem Reich des Begehrens, ist nur ein modernes Konstrukt. Im Reich der Aufdeckung und der großen Daten haben wir sie zu unserem Schaden (wieder) entdeckt: neutrale Fakten gibt es nicht; keine Daten sind einfach „gegeben“, alle Daten sind das Ergebnis einer Beobachtungswahl, einer Interpretation, einer Absicht, einer Politik. Es gibt keine Vision der Welt, die nicht das Ergebnis einer Einigung über das Aussehen, die Einstellungen, die bewussten und unbewussten Entscheidungen einer Gemeinschaft ist; und es gibt keine Kultur, die von einer Gruppe geteilt wird, die nicht mit Vereinfachungen operiert, weil, wie die Naturwissenschaften lehren, das Reale zu komplex ist, um es aus einer einzigen Perspektive zu erfassen.

Solange diese Vereinfachungen nicht übertrieben sind, bleibt diese Welt lebenswert; wenn sie es werden und nicht mehr in der Lage sind, den Auswirkungen der Erfahrung „standzuhalten“, kommt man zu dem, was Ernesto de Martino die „kulturelle Apokalypse“ nannte, einem Aufschwung des Realen, der das gemeinsame Bild stört und die Stabilität dieser Welt gefährdet. Dabei offenbart sich nicht das Reale in seiner ursprünglichen Objektivität, sondern eine Art „erkenntnistheoretische Dunkelheit“, in der es notwendig ist, mit antiken Instrumenten nach Sicht zu navigieren.

Das ist es, was wir im Ausnahmezustand von Covid-19 beobachten können, eine echte “ Bildverarbeitungsmaschine „, die in der Lage ist, uns aus dem Schlaf unserer Überzeugungen zu reißen und uns wieder vor die Komplexität der Realität zu stellen. In der größten Pandemiekrise der Nachkriegszeit haben wir keine verlässlichen Daten, weder über die Zahl der Infizierten, noch über die Zahl der Toten, noch über die Auswirkungen der verschiedenen Eindämmungsmaßnahmen, noch darüber, was die nahe Zukunft bringt.

Vorhersehbar, unter solchen Umständen, eine Art „Nostalgie für das Einfache“, der Versuch, ein komplexes Universum auf der Grundlage einiger weniger elementarer Hypothesen zu erklären. Verschwörung und paranoide Lesarten finden hier ihre Wurzel, ebenso wie die Verweise auf die Wissenschaft – also auf den Szientismus – von raffinierten Intellektuellen, die sich bis gestern als kritische Denker ausgaben. Hic Rhodus, hic skips: Heute muss mehr denn je bekräftigt werden, dass die Realität enorm komplex ist und – teilweise – nur durch komplexes Denken erfasst werden kann. Um diesen Knoten herum werden die Möglichkeiten eines intelligenten Ausstiegs aus der Krise durchgespielt; und auf der anderen Seite war die Vereinfachung der Komplexität immer eine reaktionäre Operation der Herrschaft über das Gewissen.

Hervorragende kritische Analysen der aktuellen Pandemie, der Eindämmungspolitik und ihrer sozialen Auswirkungen sind bereits im Internet verfügbar, und wir verweisen auf sie für eine Beschreibung des kritischen Bereichs, in dem wir uns bewegen, von den in diesem Blog veröffentlichten Beiträgen bis hin zu den Interventionen von Roberto Beneduce und dem Collectif Malgré Tout. Das Bild, das diese Texte zeichnen, ist zu Recht unvollständig, nicht linear, mit einem einzigen Blick schwer zusammenzuhalten und nicht sehr anfällig für Reduktionismus. Sie stellt eine Verflechtung von Kausalfaktoren dar, von denen keiner für sich allein ausreicht, um den Tatsachen Rechnung zu tragen: mikrobiologische Forschung über das Virus, epidemiologische Daten, Eindämmungspolitiken, nationale Politiken, die Auseinandersetzung zwischen Kapital und Lohnarbeit, die Verwirrung der Bevölkerung, die Auswirkungen von vierzig Jahren Neoliberalismus auf die Strukturen des öffentlichen Gesundheitswesens und im weiteren Sinne auf die biologischen und ökologischen Ketten auf weltweiter Ebene, den Grad der Umweltverschmutzung, administrative und politische Entscheidungen.

Hier möchten wir nur eine Nebenhypothese hinzufügen, die den Rahmen zwar nicht wesentlich verändert, ihn aber in heterodoxer Richtung vertieft. Einige der Leckerbissen, die wir auf den Teller legen werden, sind bitter: Bevor wir sie präsentieren, schlagen wir vier Passagen vor, die den theoretischen Kontext umreißen, in dem die Hypothese Gestalt annimmt und sie begründet. Wir wissen, dass wir dabei die Leser um Aufmerksamkeit bitten, die in Zeiten der Aufregung und des Ausnahmezustands, wie wir sie gerade erleben, schwierig ist, aber unerlässlich, um in der Komplexität zu bleiben.

1. Erster Durchgang. Eilmeldung aus den Biowissenschaften

Wir beide arbeiten seit vielen Jahren auf dem Gebiet des Zusammenwirkens von medizinischer Anthropologie, Ethnologie, Ethnopsychologie und klinischer Geopolitik, und wir verwenden bei der Lektüre der Phänomene die anthropologische Theorie, nach der der Mensch die Frucht seiner Geschichte ist. Um Himmels willen nichts Neues; aber nach siebzig Jahren genetischen, biologischen und ökologischen Reduktionismus und neoliberaler Betonung des Individuums (Erinnern Sie sich: „So etwas wie Gesellschaft gibt es nicht“?) sind die Perspektiven, die sich eröffnen, wenn man den Menschen als Produkt seiner Zeit und der Umstände, die er durchlebt hat, betrachtet, wirklich befreiend.

Dies ist nicht nur Wunschdenken als Humanisten: Die gesamte genetische, evolutionäre und sozio-ökologische Forschung der letzten zwanzig Jahre bewegt sich in diese Richtung und zeigt, dass nicht nur der Mensch, sondern alle Lebewesen viel komplexere Gebilde sind, als wir bis vor kurzem dachten. Sie ergeben sich nicht aus der Entwicklung eines vordefinierten Programms auf der Ebene der Gene, sondern sind das Ergebnis einer kontinuierlichen und sehr tiefen Interaktion mit der Umwelt, der Landschaft, den Artgenossen, den anderen Lebewesen.

Im Falle des Menschen bedeutet dies, dass der kulturelle Zeit-Raum, in dem wir Gestalt annehmen, uns nach bestimmten Regeln formt, nicht nur in dem, was wir denken, sondern sogar innerhalb der Zellen, in einem Prozess echter biokultureller Gestaltung. Anders ausgedrückt, ist es die wissenschaftliche Forschung selbst, die in diesen Jahren die alte kartesianische Trennung zwischen einem materiellen, mechanischen und objektiven Körper und einer immateriellen Psyche in Frage stellt: Auf jeder Ebene nehmen die menschlichen Subjekte ihre Welt in sich auf. Ihre Widerstandsfähigkeit hängt daher von einer gewissen Kongruenz mit ihrer Welt ab, und Übergänge erfordern Zeit, Sensibilität und Intelligenz.

2. Zweiter Schritt. Zwischen medizinischer Anthropologie und ethnologischer Psychiatrie

Zwischen den 1960er und 1980er Jahren, parallel zur letzten großen Saison der politischen Kämpfe, erlebte die medizinische Anthropologie eine großartige Blütezeit. Geboren, um traditionelle therapeutische Systeme zu studieren, und taktisch eingesetzt, um „anderen“ – nicht westlichen oder, wenn Sie es vorziehen, kolonialisierten Menschen – die Überlegenheit unserer Medizin begreiflich zu machen, kam sie am Ende ihres Weges dazu, die Bio-Medizin als ein traditionelles therapeutisches System (das der industriellen Moderne) zu interpretieren, und erarbeitete verfeinerte erkenntnistheoretische Rahmenwerke, um Gesundheit, Krankheiten, die Konstruktion von Nosologien, semeiotische Praktiken, Wirksamkeit, Compliance usw. auf komplexe Weise zu lesen.

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Zunächst einmal wurde festgestellt, dass die Idee und die Art und Weise der Gesundheit variabel sind und direkt von der Weltanschauung abhängen, in der sie ihren Platz finden. Nicht überall wird Gesundheit als “ Ruhe der Organe “ oder als „ein Zustand des physischen, psychischen und mentalen Wohlbefindens“ verstanden: Andere menschliche Welten verstehen sie als Gleichgewicht oder als Fluss oder als die richtige Position in Bezug auf die kosmischen Achsen oder sogar als gute Beziehungen.

In der Zwischenzeit stellte die transkulturelle Psychiatrie, und noch entschiedener die ethnologische Psychiatrie, die diagnostischen Handbücher der Psychiater in Frage und stellte die Theorie auf, dass jede menschliche Gruppe auf eine bestimmte Art und Weise verrückt wird, entweder indem sie psychisches Leiden auf unterschiedliche Weise gestaltet oder ganz bestimmte und anderswo unbekannte Krisenpfade prädisponiert. In ähnlicher Weise hat die medizinische Anthropologie die Hypothese aufgestellt, dass jede Kultur nicht nur das Ideal der Gesundheit prägt, sondern auch die Wege und Pfade, auf denen es möglich ist, krank zu werden.

So kommen wir zum ersten schwierigen Bissen: In einem konzeptionellen, anthropologisch gefühlten Rahmen ist nicht einmal Krankheit etwas Gegebenes und Allgemeingültiges, auch sie ist das Produkt einer Geschichte, in der verschiedene Faktoren auf komplexe Weise zusammenwirken. Die Beziehung zwischen Mensch und Umwelt; das Klima; die Art der verfügbaren Nahrungsmittel; die Verteilung von Macht und Ressourcen; die Beziehung zu Leben und Tod; hygienische und rituelle Praktiken; die Definition von Gesundheit und die Techniken zu ihrer Aufrechterhaltung; die Beschreibung von Krankheiten; die Techniken der Heilung: all dies und vieles mehr beeinflusst die Art und Weise, wie wir krank werden und die Möglichkeiten der Heilung.

3. Schritt drei. Kosmovision, Buffet, Placebo, Nocebo.

1983 veröffentlichten Robert Hahn und Arthur Kleinman in der renommierten Zeitschrift Medical Anthropology Quarterly einen kurzen Artikel über die Auswirkungen des Glaubens. In der Rückbesinnung auf „ethnologische“ Phänomene, die auch innerhalb unserer eigenen Grenzen zu erkennen begannen (Glaubensheilungen, Placebo-/Nocebus-Effekt, symbolische Wirksamkeit usw.), öffnen sich die Autoren ohne Umschweife:

„Überzeugungen töten; Überzeugungen heilen. Was eine Person innerhalb einer Gesellschaft glaubt, spielt eine bedeutende Rolle sowohl bei der Entstehung von Krankheit als auch als Heilmittel“

In den folgenden Jahrzehnten wird Kleinman zu einer der höchsten Autoritäten in der transkulturellen Psychiatrie werden, und Hahn, Koordinator eines Zentrums für Krankheitsbekämpfung und -prävention, wird seine Forschung über die schädliche Wirkung vertiefen. Das Erscheinungsjahr bezieht sich auf die letzten Überbleibsel einer Zeit, in der auch in der wissenschaftlichen Forschung heterodoxe Hypothesen verfolgt werden konnten:

„Das Ausmaß dieser Überzeugungen als Ursache von Krankheiten und als Heilmittel ist das gleiche wie bei Mikroorganismen und Medikamenten: Unter bestimmten Bedingungen des Wirtsorganismus und der Umwelt hängen Pathologie oder Heilung stark von der Überzeugung ab“.

Ihre These wird gestützt durch ethnologische Literatur, durch eigene Beobachtungen und durch den Reichtum des theoretischen Hintergrunds, der im Westen aus zwei Jahrzehnten Kämpfen, Widerstand und Experimenten entstanden ist. In der Folge werden sich die Forschungen, Daten und Experimente zum Placebo-Effekt vervielfachen und die Hypothesen der beiden Autoren im Wesentlichen bestätigen, aber die öffentlichen Interpretationen werden immer sehr vorsichtig bleiben, als ob es bei der gleichen Möglichkeit des Placebo-/Nocebo-Effekts etwas gäbe, das zu skandalös wäre, um es laut auszusprechen.

Tatsächlich gibt es uralte Missverständnisse zu entschlüsseln. Die erste hängt von unserer ideologischen Neigung zum Extremismus ab: Die Unterstützung der Wirksamkeit des Immateriellen bedeutet nicht, die Wirksamkeit des Materiellen zu leugnen:

„Es ist unwahrscheinlich, dass der Glaube an die therapeutischen Vorzüge von Arsen in massiven Dosen diese Chemikalie in ein Heilmittel verwandeln wird; nichtsdestotrotz schlagen wir vor – obwohl wir nicht versuchen werden, dies zu beweisen -, dass ein solcher Glaube seine toxische Wirkung verringern würde. Ebenso kann der fehlende Glaube an Antibiotika deren Wirksamkeit vermindern, und das Vertrauen oder die Skepsis gegenüber „pharmakologisch unbedenklichen“ Praktiken oder Materialien kann ihre Wirkung in die erwartete Richtung lenken“

Das zweite Missverständnis rührt von der Unveränderlichkeit des kartesianischen Modells her, d.h. von der Trennung zwischen Psyche und Materie: In diesem Dualismus ist der Placebo/Nocebus-Effekt „magisch“ im schlechteren Sinne des „magischen Gedankens“, des Plagiats oder des Aberglaubens („wenn ich denke, ich werde gesund, werde ich gesund), („wenn eine schwarze Katze meine Straße überquert, wird das Auto ins Schleudern kommen“).

Auf der anderen Seite erfordert das anthropologische Paradigma der bio-kulturellen Gestaltung eine nicht-kartesianische Ontologie:

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„Menschliche Ereignisse sind nicht nur geistig oder körperlich, daher kann man nicht fragen, wie geistige Ereignisse körperliche Ereignisse verursachen und umgekehrt. Wenn überhaupt, dann haben alle menschlichen Ereignisse physische und mentale Aspekte (und andere Aspekte: chemische, physiologische, bewusste, unbewusste usw.). Der Geist ist einbezogen, der Körper ist bewusst. Umgekehrt, wenn wir von „psychischen Zuständen“ sprechen (Überzeugungen oder Erwartungen, Hoffnung oder Angst), gibt es physiologische Korrelate dieser Zustände“

Die Grundannahmen einer Gemeinschaft werden zu Körper, Zellen, Physiologie, Neurologie; nicht von abstrakten Wahrheiten oder körperlosen Gedanken, die wir leben und sterben, sondern von unserer intimen, radikalen Kongruenz zu einer Welt.

4. Schritt vier. Der Nocebo Wirbel.

Die vierte Position beginnt mit einem langen Artikel von Robert Hahn über den Nocebo-Effekt, der 1999 veröffentlicht wurde, und endet mit dem berühmten Artikel von Walter Cannon über Todesfälle durch Schock, der 1942 veröffentlicht wurde.

Nachdem er die Nocebo-Hypothese als die Tatsache definiert hat, dass „die Erwartung der Krankheit die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass die erwartete Krankheit eintritt“, geht Hahn zu einer Durchsicht der verfügbaren wissenschaftlichen Literatur über und illustriert verschiedene Formen des Nocebo-Effekts, von denen wir hier nur eine Zusammenfassung mit einigen Beispielen vorstellen.

Zunächst einmal ist da die Entwicklung der erwarteten negativen Symptome. In einem Experiment wird einer Gruppe von Studenten gesagt, dass die Verabreichung eines Elektroschocks Kopfschmerzen verursacht; obwohl der Schock nicht physisch angewendet wird, berichten 70% von ihnen in den folgenden Stunden das erwartete Symptom. Bestimmte Allergien und vorzeitige Übelkeit bei Chemotherapie-Patienten können auf eine solche Wirkung zurückgeführt werden. Die symptomatische Entwicklung kann auch durch Beobachtung der Reaktionen anderer entstehen: In diesem Fall spricht man von einer soziokulturellen Krankheit – ein Beispiel für eine leichte Ausprägung: Der „Lufthauch“ ist eine ethnospezifische italienische Krankheit, die jenseits der Alpen unbekannt ist und über die die Franzosen viel lachen.

Wenn bestimmte Ereignisse oder Mitteilungen ausbleiben, beeinflussen Überzeugungen das Ergebnis: Die Angst, von einer Herzerkrankung betroffen zu sein, erhöht das Risiko eines ischämischen Anfalls; ebenso erhöhen depressive Zustände – d.h. ein allgemeines Gefühl der Impotenz – die Wahrscheinlichkeit, an den Folgen ischämischer Ereignisse zu sterben, was beweist, dass der Nocebo-Effekt keineswegs eine psychologische “ Konstruktion “ ist und seine Auswirkungen völlig real sind. Die so genannten „Voodoo-Todesfälle“, die als Folge der Induktion eines allgegenwärtigen Terrorzustandes auftreten, zeugen hinreichend von den tragisch realen Auswirkungen des Phänomens.

Der Autor befasst sich dann mit Episoden von kollektiver Panik, in denen ganze Gruppen von Menschen Symptome entwickeln, deren organische Ursachen zweifelhaft oder nachweislich nicht vorhanden sind – zum Beispiel im Zusammenhang mit einem in der Luft wahrgenommenen seltsamen Geruch, der auf die Verbreitung giftiger Substanzen zurückzuführen ist, oder auf Insektenstiche, die normalerweise harmlos sind. In diesen Fällen ist die Entwicklung von Symptomen sozusagen „choral“: Wenn sich der Alarm ausbreitet, manifestieren sich die erwarteten Anzeichen bei einem hohen Prozentsatz der Betroffenen.

Daher kann ausgeschlossen werden, dass der Nocebo Effekt nur psychoemotional anfällige oder zu Krisen neigende Personen betrifft: Er kann generell bei einer ganzen Population auftreten, die einem als riskant empfundenen oder beschriebenen Umstand ausgesetzt ist. Die vergleichende Analyse dieser Art von Episoden hebt mehrere bemerkenswerte Tatsachen hervor: Sie treten in der Regel an Orten auf, an denen Menschen in großer Zahl zusammenkommen (Schulen, Fabriken, Städte); sie betreffen hauptsächlich die schwächsten oder prekärsten sozioökonomischen Schichten; und sie nehmen in Zeiten stärkerer sozialer und wirtschaftlicher Belastung zu. Die soziale Strukturierung spielt daher eine Schlüsselrolle bei der Verbreitung und Gefährlichkeit von Ereignissen.

Diese Reflexion kann auf einen der kritischsten und heikelsten Bereiche der menschlichen Existenz ausgedehnt werden:

„Das Nocebo-Phänomen ist ein Nebeneffekt der menschlichen Kultur. Sie legt nahe, dass die ethnomedizinischen Kategorien einer bestimmten Gesellschaft nicht nur die Krankheitszustände beschreiben, von denen man annimmt, dass sie existieren, sondern dass sie solche Zustände auch induzieren können, indem sie die Erwartung wecken, dass sie auftreten werden. […] Auf diese Weise kann ein kulturelles System, von dem gewöhnlich angenommen wird, dass es der Funktion der Heilung dient, auch eine paradoxe Nebenwirkung haben und genau die Krankheiten hervorrufen, die es zu verhindern oder zu heilen sucht“

Tatsächlich sprechen wir in der medizinischen Anthropologie und Ethno-Psychiatrie von der patho-plastischen Funktion und der pathogenetischen Funktion von Kulturen.

Die erste ist sozusagen die Sonnenseite des bio-kulturellen Gestaltungsprozesses: die kollektive Fähigkeit, Krankheiten Gestalt zu geben und die Krise nicht in der Katastrophe der Sinnlosigkeit zu belassen.

Die zweite ist die Schattenseite: Jede Formgebung ist zwangsläufig auch eine Induktion. Letztendlich bedeutet dies, dass es keine Möglichkeit gibt, den Nocebo-Effekt zu vermeiden, der aus genau der Bewegung entsteht, die die Therapie ermöglicht, im Schattenbereich der kulturellen und imaginären Strukturierung, wo Mehrdeutigkeit die Regel ist. Dennoch gibt es eine Art und Weise und einen Weg, die Mehrdeutigkeit, die Krankheit, Therapie, Diagnose, Heilung, Placebo und Nocebo verbindet, zu überwinden: Es ist zum Beispiel möglich, dass die Kulturen, in denen die Existenz dieser Verflechtung zugelassen und beobachtet wird, besser in der Lage sind, ihre Auswirkungen einzudämmen.

Wie viele spätere Autoren weist auch Hahn auf Cannons berühmte Hypothese hin und bestätigt sie in Jahren des Weltkonflikts: Wut und Angst können zum Zusammenbruch des neurovegetativen Gleichgewichts führen, der so schwerwiegend sein kann, dass er lebenswichtige Funktionen lähmt und zum Tod führt. Dies gilt für die so genannten „Voodoo-Todesfälle“, die von Ethnologen seit langem beschrieben werden, aber auch für viele Beobachtungen, die von Ärzten an den Kriegsfronten gemacht wurden: Der Terror der Ereignisse und der lang anhaltende Stress der Kriegssituation kann auch ohne organische Verletzungen tödliche Folgen haben.

5. Vom Zirkus und guten Familienvätern

Die aktuelle Coronavirus-Pandemie kann nur jemanden in Frage stellen, der mit medizinischer Anthropologie zu tun hat. Genauer gesagt scheint es uns unausweichlich, eine komplexe Reflexion über die unterschiedliche Entwicklung von Infektiosität und Mortalität in den verschiedenen betroffenen Nationen und, im Falle Italiens, in den verschiedenen Regionen zu führen. Wenn man davon ausgeht, dass zuverlässige epidemiologische Hypothesen nur dann möglich sein werden, wenn (und falls) eine realistische und international vergleichbare Berechnung der Zahlen erreicht wird, zeigt der italienische Fall – und insbesondere der gewaltige Fall der Lombardei – eine spezifische Phänomenologie, in die man sich besser einarbeiten sollte.

Damit sind wir bei der ätiologischen Hypothese angelangt, die wir der Erklärung der Ereignisse hinzufügen möchten. Wir sprechen es von Anfang an aus, damit es im weiteren Verlauf des Arguments im Auge behalten werden kann: Es ist möglich, dass die Bewältigung der Krise an der Schnittstelle zwischen nationaler und lokaler Politik und den Kommunikationsstrategien der öffentlichen Institutionen und der großen Medien das Sterberisiko durch Covid-19 auch – und wir betonen: auch – die Auslösung von Angst, Panik und Paranoia in der Bevölkerung erhöht hat.

Beginnen wir mit einer zusammenfassenden Analyse der Medienberichterstattung über die Epidemie. Es lohnt sich nicht, auf der Dynamik der großen Medien zu insistieren: Auf dem freien Informationsmarkt gewinnt, wer es schafft, Aufmerksamkeit zu erregen und dann zu behalten, und es ist bekannt, dass Angst ein ausgezeichneter Aufhänger ist. In Italien war die Medienberichterstattung über Covid-19 von Anfang an unverhältnismäßig, hektisch und alarmierend.

Zu Beginn gab es eine exklusive und zwanghafte Annäherung an dieses eine Thema. Einige werden sich an die katastrophale Distanz erinnern, die in den ersten beiden Märzwochen zwischen dem, was in italienischen Zeitungen gelesen wurde, und dem, was von französischen, englischen und deutschen Zeitungen vorgeschlagen wurde – eine Diskrepanz, die in beiden Richtungen Ängste auslöste: die der Italiener im Ausland, die eine Minimierung des Problems durch die Gastgeberländer vermuteten, und die der Italiener in Italien, die eine Übertreibung des Problems durch unsere Regierung vermuteten. Zu diesem Zeitpunkt leisteten die Berühmtheiten der Informationsgesellschaft ihren vollen Beitrag, übertriebene Panikmache und Verleugnung beschäftigten die gesamte öffentliche Szene, und der Preis für die Sichtbarkeit ging an diejenigen, die am lautesten schrien, indem sie Beleidigungen statt Argumente verwendeten.

Unmittelbar danach, zeitgleich mit der raschen Abfolge der DPCMs, drangen Bilder von Ärzten in Raumanzügen, die aus Hollywood-B-Filmen zu stammen schienen, in die Bildschirme ein, während die Zählung der Toten und Infizierten zu einem makabren täglichen Ritual wurde. Nach der ersten Verwirrung nahm die Kommunikation eine kriegerische Rhetorik an, gespickt mit Erinnerungen an die apokalyptische Bildsprache, die jahrzehntelang im gesellschaftlichen Unbewussten lag.

Anstatt über die Situation zu informieren – d.h. das Bekannte aufzudecken, das Unbekannte zuzugeben und die verschiedenen Wahlmöglichkeiten zu erörtern – hat die Kriegsrhetorik das gesellschaftliche Unbewusste um die außerordentlichen Bedürfnisse verdichtet, die der Kampf gegen einen unsichtbaren, allgegenwärtigen und sehr gefährlichen Feind ohne Rücksicht auf Verluste mit sich bringt.

Die italienische Politik ihrerseits hat sich sowohl auf regionaler als auch auf nationaler Ebene in den üblichen paternalistischen und opportunistischen Formen ausgedrückt: zum Beispiel in Entscheidungen über die Nutzung von Strukturen; in der Entscheidung, keine Abstriche zu machen (oder dies doch zu tun); in widersprüchlichen Anordnungen über die Verwendung von Masken. Anstatt die verschiedenen Zuständigkeiten des öffentlichen Sektors zu koordinieren, um die Krise so effizient und so wenig traumatisch wie möglich zu bewältigen, haben die Entscheidungen der Regionen und der Regierung heftige Auswirkungen auf die Einsatzmöglichkeiten der Ärzte und des Gesundheitspersonals, die ihre Interventionen entsprechend den politischen Bequemlichkeiten und den wahltaktischen Bedürfnissen einer Gruppe „starker Männer“ einsetzen…

In die gleiche Richtung ging auch die Einführung von Eindämmungsmaßnahmen, die im Vergleich zu denen anderer Nationen besonders ärgerlich sind. Unbeschadet der Notwendigkeit, die Ansteckung zu verlangsamen, und der Schwierigkeit, in Situationen epistemologischer Dunkelheit zwischen dem, was wirksam ist, und dem, was nicht wirksam ist, zu unterscheiden, sind die italienischen Bestimmungen bis zum Absurden gegangen: Verbot des gemeinsamen Ausgehens für diejenigen, die im selben Haus wohnen; Verbot, allein in Parks oder im Wald spazieren zu gehen; Verbot, sich im Freien aufzuhalten; Verbot, Kinder ausgehen zu lassen; Verbot, außerhalb der Wohngegend einkaufen zu gehen; Verbot, an den Strand zu gehen. Diese Absurditäten von zweifelhafter verfassungsrechtlicher Gültigkeit, die die Zuneigungen und familiären Netzwerke kriminalisierten und die territorialen Realitäten der Solidarität, die das Überleben der schwächsten und am stärksten marginalisierten Gruppen garantierten, in den Hintergrund drängten. Und das konnte folglich nur durchgesetzt werden, indem man die Kontrolleure zum Missbrauch ermächtigte.

In ähnlicher Weise können einige der vorgeschlagenen und weithin vermittelten Maßnahmen – die Straßen mit Ammoniak zu waschen, Lebensmittel tagelang vor der Tür zu lassen, die Kleidung zu desinfizieren, in der man ausgeht – nur in einem wahnsinnigen und entsetzlich anmaßenden Projekt zur Desinfektion der Welt vernünftig klingen.

Die Presse wiederum zog es vor, zu warnen und zu bestärken, statt kritisch zu erklären und zu diskutieren. Wie von Osservamedia Sardegna festgestellt, „angesichts der sehr strengen Einschränkungen der kollektiven Freiheit, die den Maßnahmen zur Eindämmung der Epidemie auferlegt wurden, wurden die wissenschaftlichen Gründe für die Maßnahmen nur angeschnitten oder schlecht erklärt, was eine zwanghafte Wiederholung der zu befolgenden Anweisungen begünstigt, so wie es ein Erwachsener mit einem Kind tun würde. Dieser paternalistische Ansatz, dem die elementarsten demokratischen Grundlagen gänzlich fehlen, wird von den legitimen Akteuren vor Ort in dieser Zeit weiterhin propagiert, um über den Notstand zu sprechen: Experten, Politiker und Kommentatoren, und hat in seiner gesellschaftlichen Ausbreitung über digitale Plattformen hysterische Massenanstürme angenommen“.

Bis hin zu denen, die, wie Barbara D’Urso, Publikum gefunden haben, indem sie Menschenjagden mit Drohnen gezeigt und die Öffentlichkeit dazu angestiftet haben, Emotionen aus dem Ku Klux Klan zu wecken.

Hier finden wir einen weiteren bitteren Bissen, nämlich die politischen Emotionen, die Art und Weise, wie der öffentliche Diskurs dem, was wir gegenüber Gruppen „anderer“ empfinden, Gestalt, Inhalt und Dauer verleiht: Ausländer, Migranten, Angehörige anderer sozialer Schichten, Menschen, die ethnischen oder rassischen Gruppen angehören, Bürger feindlicher Nationen usw. Im Zusammenhang mit der Covid-19-Epidemie hat uns die italienische Informationsgesellschaft nicht nur gezeigt, wie wir uns hätten verhalten sollen, sondern auch, was wir hätten fühlen sollen, und Emotionen, Hass und Polarisierungen erzeugt, deren Auswirkungen wir in ihrem ganzen Ausmaß erst am Ende des Ausnahmezustands erfassen werden.

6. Das Ende der Welt in Moll

Besondere Aufmerksamkeit verdient die soziale Distanzierung, die per Gesetz den Kontakt mit anderen verbietet, und das Verbot, Riten jeglicher Art zu feiern.

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Verschiedenste psychologische, ethologische und endokrinologische Forschungen weisen darauf hin, dass der Mangel an Körperkontakt bei Neugeborenen Syndrome auslöst, die von Depressionen über Zwergwuchs bis hin zum Tod in den schwersten Fällen reichen; und dass die emotionale und physiologische Regulation unseres Seins von der Gesamtheit unserer Beziehungen abhängt. Und es ist bekannt, dass die völlige Isolation schon immer eine Foltermethode in Gefängnissen war. Auch wenn wir zugeben, dass die Fähigkeit der Erwachsenen, sich selbst festzuhalten, viel tetragonaler ist als die der Neugeborenen, so muss man sich doch fragen, welche psychischen und physischen Auswirkungen eine ganze Bevölkerung, die einem einheitlichen Regime der Isolation unterworfen ist, erleiden kann.

Öffentliche Riten – Graduierungen, Hochzeiten, Taufen, Beerdigungen – wurden tout court verboten, selbst wenn sie in kleinen Kreisen sicher hätten durchgeführt werden können. Besonders tragisch war, wie andere betonten, die Kombination aus der totalen Isolation der Patienten von Covid-19 in Krankenhäusern und dem Verbot, sich von ihnen nach ihrem Tod zu verabschieden. Es gibt keinen eindeutigen medizinischen Grund für eine solch grausame Herrschaft, sondern nur eine politische Entscheidung, die von der Notwendigkeit diktiert wird, zu viel zu tun, nachdem zu wenig getan worden war. Wenn wir nun die italienische Situation auf den Hintergrund der anthropologischen Literatur projizieren, müssen wir zugeben, dass dies eine so ernste Situation ist, dass sie die Stabilität einer Welt gefährdet – wie es in der Tat in der Lombardei geschah.

Die von de Martino beschriebene kulturelle Apokalypse kommt dann, wenn es für eine menschliche Gruppe als Ganzes weder möglich ist, die bisherigen Institutionen aufrechtzuerhalten, noch neue zu erfinden – die wichtigsten Institutionen sind jene, die die kritischen Momente der Existenz regeln: Geburt, Tod, Status-Passagen. Wenn die Bräuche durch Dekrete überschrieben werden, wenn die Institutionen des menschlichen Lebens (diejenigen, die uns menschlich machen: siehe erster Teil dieses Artikels) einer plötzlichen Annullierung unterworfen werden, dann ist das Ergebnis die Krise der individuellen und kollektiven Präsenz.

Gerade weil es sich um sehr schwerwiegende Maßnahmen handelt, hätte man die soziale Distanzierung und die Aussetzung der Riten ganz anders behandeln müssen: Es ging darum, die Maßnahmen möglichst wenig traumatisch zu gestalten, die in jedem Fall eine destrukturierende Wirkung haben. Damit dies möglich ist, müssten die Italiener jedoch den Status von Erwachsenen erhalten, die in der Lage sind, Risiken einzuschätzen und ein vernünftiges Verhalten an den Tag zu legen – eine Hypothese, die nach allem, was man hört, nicht die der Regierung ist.

7. Beklemmung. Motive des Terrors.

Der vorhersehbare Effekt dieser Totalisierung des öffentlichen Diskurses war in erster Linie eine kognitive Lähmung, eine beängstigende Situation, die daran erinnert, was unter Umständen geschieht, die speziell konstruiert wurden, um Subjekte durch die Dissoziation von Worten und Dingen, Sprache und Welt zu entmenschlichen. Unmittelbar danach kam das Bedürfnis nach Sicherheit und das emotionale Bedürfnis, sich an eine gemeinsame Interpretation von Fakten und kollektives Handeln zu halten. Sehr menschliche Bedürfnisse in Zeiten der Ungewissheit, die jedoch (außer in Bereichen, die noch in der Minorität sind) keine kritischen Einsichten und innovativen Ansätze hervorgebracht haben und auf die stattdessen eine besonders abstoßende Form der nationalen Einheit aufgepfropft wurde, die jammernd, tröstend und applaudierend wirkt und die die berühmte Definition von Brecht durchaus verdient.

Eine umfangreiche psychosoziale Literatur untersucht diese Phänomene; im italienischen Fall äußert sie sich u.a. in der Denunziation von Nachbarn und der weit verbreiteten Verwendung von Masken als öffentliches Zeugnis für das Festhalten an einer sozialen Inszenierung, die beruhigt und es erlaubt, sich auf der rechten Seite der Barriere zu positionieren, die ehrliche und willfährige Bürger von den schuldig Gesalbten trennt.

Die Ergebnisse dieses nationalen Klimas haben weniger mit den intellektuellen Positionen von Einzelpersonen zu tun als mit einem weit verbreiteten medienvermittelten Gefühl. Unbeschadet nicht nur der Feinfühligkeit, sondern auch der Notwendigkeit, sich zu beschützen und andere zu schützen (insbesondere im Falle der am meisten gefährdeten Personen), stellt sich eine andere Frage: Wie bereits in den schlimmsten Jahrzehnten des zwanzigsten Jahrhunderts gesehen, verschwindet die Möglichkeit der kritischen Distanz, die Ratlosigkeit ist bereits Verrat.

Es ist eine weit verbreitete Beobachtung, dass selbst in den politisch aufmerksamsten Kreisen von kritischen Beobachtungen über Pandemieereignisse Abstand genommen werden muss, um keine Verurteilung, Zusammenstöße oder Brüche zu riskieren. Diese kriegerische Polarisierung ist zusammen mit dem emotionalen Bedürfnis, sich an die Logik der Gefangenschaft zu halten, ein Symptom.

Inmitten all dessen beherrscht der Terror des Virus die Gedanken und Bewegungen. Terror und nicht Angst: Wie de Martino schrieb, geht zwischen der Angst, die eine überlegte Handlung auslöst, und dem Terror derer, die von einem fixen Gedanken beherrscht werden, eine Form psychischer Entfremdung einher. Und hier liegt der springende Punkt: Diese Entfremdung ist kein Zufall, sondern das Ergebnis politischer und kommunikativer Entscheidungen; sie ist das Ergebnis eines regelrechten terroristischen Kampfes.

Der vorgeschriebene paternalistische und polizeiliche Weg – #iorestoacasa, Applaus am Fenster, im Notfall denkt man nicht, aber man handelt, man hat keine Wahl, man verzichtet auf alle Rechte, bekommt einen Passierschein, akzeptiert jede Kontrolle durch die Polizei, lässt sich verfolgen – ist ein meisterhafter Weg für den Totalitarismus des Denkens. Darüber hinaus erzeugt sie einen besonders perversen emotional-kognitiven Teufelskreis: Nicht nur derjenige, der die Regeln bricht, wird bestraft, sondern er riskiert, für die unmittelbaren Folgen seiner eigenen Geste zu sterben und sterben zu lassen. Eine „Strafkolonie“, die die Feder eines neuen Kafka erfordern würde.

Wir wiederholen es noch einmal: In diesem Artikel wird weder die Gefährlichkeit des Covid-19 in Frage gestellt, noch die Notwendigkeit außerordentlicher Eindämmungsmaßnahmen, insbesondere angesichts des schlechten Gesundheitssystems. Es geht um die Gefährlichkeit der Ausübung von Terror durch diejenigen, die mit der Verwaltung öffentlicher Angelegenheiten und Informationen betraut sind.

Bemerkenswert ist bei all dem auch, wie die Manipulation von Informationen einen Skandal bei jedem Todesfall auslöst, der direkt auf ein Scheitern der therapeutischen Handlung zurückzuführen ist (wie es gerade bei Covid-19 der Fall ist, zumindest in den Fällen, die durch den Einsatz eines Testes als solche erkannt werden sollten), während sie die Zahl der indirekten Todesfälle aufgrund von sozio-ökologischen Faktoren völlig im Schatten lässt – zum Beispiel jene, die auf die Umweltverschmutzung zurückzuführen sind, die in Italien laut Greenpeace etwa 56.000 pro Jahr beträgt.

Es ist der Triumph der Abschottung des Individuums in sich selbst und der Atomisierung: Was der Welt und dem Leben Sinn gibt, liegt nicht in der Beziehung zu anderen und mit anderen, im Teilen einer gemeinsamen Umgebung, im con-divenire, sondern wird ausschließlich in der Innerlichkeit der Subjekte angesiedelt.

Die Angst vor dem Anderen, vor Kontakt, vor Ansteckung, die sich bereits in einem großen Teil der Bevölkerung ausbreitete und sich in rassistischen und manchmal faschistischen Formen äußerte, findet so ihren vollen und legitimen Ausdruck nicht mehr in Bezug auf eine bestimmte menschliche Gruppe, sondern in Bezug auf alle anderen. Es ist eine Art „totaler Rassismus“, der jeden und alles von der Möglichkeit einer menschlich vernünftigen Beziehung ausschließt: In bestimmten Gegenden Italiens tragen Kinder chirurgische Masken, die völlig nutzlos sind, um im Garten spielen zu gehen.

Hier finden wir die totalitäre Schließung eines perversen und sehr gefährlichen Kreislaufs: Je größer die Angst vor dem anderen und das zwanghafte Bedürfnis, sich vor der Bloßstellung zu schützen, desto mehr qualifiziert man sich als guter und gehorsamer Bürger. Das ist der Teufelskreis und der psychopathologische Kreislauf, in dem sich viele heute eingemauert wiederfinden.

8. Vom Terror zum erhöhten Sterberisiko

Die strukturelle Gewalt der Sozialsysteme verursacht Krankheit und Tod: Die Tatsache ist so bekannt, dass sie das Beharren darauf nicht berücksichtigt. An diesem Punkt kann jedoch eine andere Frage gestellt werden: Ist es möglich, dass absurde, mit Gewalt erzwungene Eindämmungsentscheidungen, die Legitimierung von Paranoia und die Induktion von Terror psychophysiologische Zustände auslösen, die die Symptomatik verschlimmern und zu einer größeren Schwere des pathologischen Phänomens prädisponieren, sowohl in der Bevölkerung im Allgemeinen als auch vor allem in dem Teil der Bevölkerung, der bereits struktureller Gewalt ausgesetzt ist?

Die oben vorgestellte Forschung erlaubt zumindest die Formulierung der Frage. Auch wenn das Virus unter einem bestimmten Gesichtspunkt „niemandem ins Gesicht schaut“, sind weder die Morbidität noch die Mortalität durch das Coronavirus gleichmäßig unter den Nationen und sozialen Schichten verteilt. Es ist nicht schwer anzunehmen, dass die befürchtete Schwere der Covid-19-Infektion und die Hoffnungen auf ihren Verlauf bei denjenigen, die unter ohnehin schon prekären wirtschaftlichen und existenziellen Bedingungen leben, noch schlimmer sind; und dass die Schwierigkeit des Zugangs zu Behandlungen (sowohl im Krankenhaus als auch im Quartier) ein erheblicher erschwerender Faktor ist.

Im Falle Italiens kann man die Hypothese aufstellen, dass die Härte der Eindämmungspolitik und die Wahl der Medienkommunikation eine Rolle bei der Auslösung eines psychologischen Angst- und Panikzustands gespielt haben, mit den entsprechenden Auswirkungen auf das Immunsystem und der Möglichkeit einer Reaktion auf das Virus.

Der Fall der Lombardei scheint dies auf tragischste Weise zu verdeutlichen. Auch hier gibt es keine Vereinfachungen: Auf einem relativ kleinen Gebiet und in relativ kurzer Zeit hat sich eine exorbitante Anzahl von Ereignissen und Risikofaktoren konzentriert, die nur in ihrer Gesamtheit etwas „erklären“.

Der erste Faktor ist die höchste Bevölkerungsdichte Italiens gemeinsam mit der von Campania, wobei Lazio mit großem Abstand an dritter Stelle steht. Dann gibt es dort die höchste Dichte von Unternehmen und Industrien auf dem Staatsgebiet, begleitet von der üblichen Neigung der Arbeitgeber, mit den Lohnabhängigen Rechnungen zu begleichen. Ein entscheidendes Element ist durch die sehr hohe Verschmutzung der Poebene und ihre nachteiligen Auswirkungen auf das Atmungssystem und die allgemeine Gesundheit gegeben. Hinzu kommt das Gesundheitsmodell der Region Lombardei, das auf der Privatisierung von Dienstleistungen und dem Profit der Gesundheit beruht: bis gestern als tugendhaftes Beispiel für den Export besungen, erwies es sich bis zum Beweis der Tatsachen nicht nur als unzulänglich, sondern als ernsthaft verfehlt.

Um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, ging eine Regionalregierung innerhalb weniger Tage von der Leugnung des Problems (das Fußballspiel Atalanta-Valencia, die Verzögerung bei der Schließung des Produktionssektors) zur Panik über (die Verwendung von RSAs als Eindämmungsmittel für die Infizierten, der ungeschickte Versuch, sich per Dekret selbst zu beseitigen).

Nun, welche Reaktion, wenn nicht Panik, können wir von einer Bevölkerung erwarten, die riskanten Entscheidungen ausgesetzt ist, dem Zusammenbruch ihres eigenen Gesundheitssystems, unerbittlich getrieben von der apokalyptischen Rhetorik der Medien, genau in dem Moment, in dem so grundlegende Gesten für den psychischen und kollektiven Reichtum wie Familienbeziehungen, Straßengespräche und die rituelle Verabschiedung der Toten verboten sind?

Man könnte dann die Hypothese aufstellen, dass die Ursache der – wenn auch nur geringfügigen- Erhöhung der Mortalität in der Lombardei die Angst und Furcht derjenigen war, die sich in einer schrecklichen Krise wie der Coronavirus-Pandemie befanden und allein, unter einer Verschränkung von struktureller Gewalt, mit dem Zusammenbruch des Gesundheitssystems, vagen und/oder lästigen Vorschriften, Bevormundung und Medienterror zurechtkommen mussten; ein Zustand der Besorgnis, der durch den Fortgang der lombardischen Affäre selbst – d.h. durch die ersten katastrophalen Ergebnisse der Regionalpolitik – noch verschlimmert wurde.

Um diesen Verdacht in etwas Minimalwissenschaftliches zu übersetzen, wäre eine vergleichende Studie über die Morbidität/Mortalität des Virus in verschiedenen Ländern in Bezug auf die Eindämmungspolitik und den Kommunikationsstil der wichtigsten Medien erforderlich – eine Studie, die erst in einigen Monaten und nur dann möglich sein wird, wenn eine Form von Konsens über die Berechnung der Todesfälle erreicht wird. Sollte sich diese Hypothese jedoch auch nur teilweise bestätigen, dann sollten die rhetorischen Eskalationen, die wir erlebt haben, die Ausnutzung der Angst zu spektakulären Zwecken und die kommunikativen Strategien der „starken Männer“ mit der ganzen Strenge betrachtet werden, die für folgenreiche Gesten gilt.

Die Gesellschaft des Spektakels ist eine Form der integralen Erfassung der Subjekte, die sie zwingt, entlang von Linien zu leben und zu sterben, die bisher der öffentlichen Reflexion entzogen waren. Emotionale Manipulationen im Hinblick auf Aktien oder Stimmabgabe sind keine unschuldigen Tricks, sondern echte Angriffe auf die Integrität der exponierten Subjekte. Ihre Auswirkungen sollten daher zu den vielen bereits offenkundigen politischen Verantwortlichkeiten hinzugefügt werden, neben denen für die Zerstörung der öffentlichen Gesundheit und der Umwelt in der Poebene.

9. Die Möglichkeit des Vertrauens aufbauen

Zu Beginn der Abriegelung schrieb Giorgio Agamben, dass das Management dieser Krise Aspekte aufweist, die auf beunruhigende Weise an die Gespenster des Totalitarismus erinnern. Der moralische Lynchmord, der folgte, war eine echte pädagogische Warnung für diejenigen, die die gleichen Ängste haben: Es ist besser, sie für sich zu behalten… Es ist hier also nicht angebracht, Worte zu verschwenden oder sie leichtfertig einzusetzen. Im Moment ist es unmöglich festzustellen, ob es sich bei den Beschränkungen, denen wir unterliegen, nur um solche handelt, die – wie wir alle natürlich hoffen – vorübergehend nützlich sind, um das Virus einzudämmen, oder ob sie der Beginn eines Absturzes unseres Lebens in extreme Formen der Isolation und Kontrolle sind. Wir werden es in den kommenden Monaten herausfinden. Die Prägung der Kommunikation, die Härte der Normen, die Schwierigkeit, einen kritischen Diskurs öffentlich zu artikulieren, und die Vermehrung der Gespenster im sozialen Unbewussten lassen nichts Gutes ahnen.

Aber schon jetzt ist absehbar, dass wir, wenn die Herde wirklich totalitär ist, uns ihr nur widersetzen können, wenn wir aus der Lähmung des induzierten Terrors herauskommen, wenn wir uns weigern, die gesamte Existenz – die von Natur aus abenteuerlich und mit Risiken verbunden ist – gegen eine vollkommen gesäuberte Wüste einzutauschen und wenn wir mit neuen Formen der Sozialität und des Handelns experimentieren. Man riskiert einmal mehr die Barbarei eines Kampfes, der sich um die mehr oder weniger große Angst vor dem Tod abspielt – aber es könnte noch eine andere Möglichkeit geben.

Mit diesen Worten beendete Hahn seinen Artikel von 1999: br>
„Das Placebo-Nocebo-Phänomen legt nahe, dass es gesünder sein könnte, sich auf die Seite des Optimismus zu schlagen“

Es ist die Richtung, die von den besten kritischen Intellektuellen unserer Zeit vorgeschlagen wird: Im Gegensatz zur kartesischen Ontologie ist die entscheidende Zutat in den heikelsten Prozessen: (Wachstum, Heilung, Gruppenbildung, kollektive Beratungen usw.; das Placebo-Nocebus-Phänomen) Vertrauen, die Möglichkeit des Vertrauens. Und da Vertrauen nicht von Natur aus gegeben ist, muss es aufgebaut, ermöglicht werden. Es ist nicht leicht, nach vierzig Jahren Neoliberalismus – und damit von Entscheidungen von oben nach unten, vom Sozialdarwinismus, von der Abstumpfung der Phantasie, von den Ausnahmezuständen, von infernalischen Alternativen – aber die beste Chance, die wir haben, ist die Reaktivierung von Intelligenz, Sensibilität, Mut und freudigen Leidenschaften.

Um dies zu erreichen, müssen wir aus der Gefangenschaft der „kapitalistischen Hexenkunst“ herauskommen und anfangen, uns andere kurz-, mittel- und langfristige Perspektiven vorzustellen. Man könnte citoyenhaft beginnen, indem man vorsieht, dass diejenigen, die eine besondere Macht haben, sich ihrer Entscheidungen bewusst und für das, was sie kommunizieren und metakommunizieren, verantwortlich sind; dass therapeutisches Handeln sowohl von protokollarischen Prozeduren als auch von der Notwendigkeit befreit wird, sich auf rechtlicher Ebene verteidigen zu müssen, und so zur Auseinandersetzung mit den politischen Aspekten der Gesundheit zurückkehren kann; dass die relationale Dimension der Themen ihre ganze Relevanz zurückerhält.

Diejenigen, die vom Entsetzen der anderen gedeihen, die Sänger trauriger Leidenschaften und all die starken kleinen Männer sollten mit dem Gelächter begrüßt werden, das sie verdienen. Aber es ist klar, dass gerade die Möglichkeit, sich in diese Richtung zu bewegen, ein weniger vergiftetes Imaginäres zu bewohnen, auch ein globales Umdenken über soziale Strukturen, über unsere Beziehung zu anderen lebenden und nicht lebenden Menschen und darüber, was es bedeutet, gut zu leben, erfordert. Das Wagnis um die Belastbarkeit unseres Seins, um ein gewisses Glück trotz des Risikos, um die Möglichkeit eines guten Lebens, begleitet von einem guten Tod, ist der Ausweg aus dem psychischen und physischen Gefängnis, in dem uns der Terror des Virus einzusperren droht.

Anmerkungen:

Die Fußnoten des Textes habe ich der Übersichtlichkeit weggelassen. Sie finden sich im Original. Ebenso verzichtete ich auf eine Erklärung der einzelnen Begrifflichkeiten, denn wo soll man da anfangen, was ist vorauszusetzen? An dieser Stelle nochmals meine Entschuldigung für diese doch sprachlich grobe Übersetzungsarbeit, meine Kenntnis der italienischen Sprache ist eher nur rudimentär, schön wäre es, wenn dieser wirklich wichtige Text noch einmal professionell übersetzt werden würde, bis dahin muss diese Version wichtige, überfällige Diskussionen beleben. Im Übrigen verwehre ich mich auf das Entschiedenste dagegen, dass meine Übersetzung- und Textarbeit von den Protagonisten diverser Querfront Fraktionierungen benutzt wird.

Soweit nicht anders angegeben und keine Quellenangabe (Name einer Organisation oder Internet-Adresse) vorhanden ist, gilt für die Texte auf dieser Webseite eine Copyleft (Public Domain) Lizenz.

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Grafikquellen      :

Oben        —         Campodarsego, piazza Europa: il tabellone elettronico informativo con indicazioni sullepidemia di COVID-19.

Author Threecharlie

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2. von Oben      —          200328-N-UP035-1110 NORFOLK, Va. (March 28, 2020) Adm. Christopher W. Grady, Commander, U.S. Fleet Forces Command and U.S. Naval Forces Northern Command (right) and Vice Adm. Andrew “Woody” Lewis, Commander, U.S. 2nd Fleet greet President Donald J. Trump at Naval Station Norfolk, March 28 during his visit to see off the Military Sealift Command hospital ship USNS Comfort (T-AH-20). Comfort is preparing to deploy in support of the nation’s COVID-19 response efforts and will serve as a referral hospital for non-COVID-19 patients currently admitted to shore-based hospitals. This allows shore-based hospitals to focus their efforts on COVID-19 cases. One of the Department of Defense’s missions is Defense Support of Civil Authorities. DoD is supporting the Federal Emergency Management Agency, the lead federal agency, as well as state, local and public health authorities in helping protect the health and safety of the American people. (U.S. Navy photo by Chief Mass Communication Specialist Mike DiMestico/Released)

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3.) von Oben     —             Flyer

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4.) von Oben      —        Eingezäunte Schafherde mit Schäfer auf der Dreiborner Hochfläche im Nationalpark Eifel.

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Unten       —            Satirische spanische Darstellung Ende September 1918: der Soldado de Nápoles liest in der Zeitung vom gutartigen Charakter der Krankheit und gleichzeitig, dass der Platz auf den Friedhöfen ausgeht

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NSU und Loveparade

Erstellt von DL-Redaktion am 10. Mai 2020

Was Gerichte können – und was nicht

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Eine Kolumne von Thomas Fischer

Die schriftlichen Urteilsgründe im NSU-Verfahren liegen vor, das Loveparade-Verfahren wurde eingestellt. Für viele zweimal Anlass, mangelhafte „Aufarbeitung“ zu beklagen. Zu Recht?

Zwei Verfahrensereignisse der Strafjustiz haben die deutsche Nachrichtenlage in der vergangenen Woche etwas belebt, sodass die heutige Kolumne sich mit ihnen statt mit dem Rätsel befasst, warum nach sechs Wochen Untergangsklagen über das Ende des Föderalismus nun die Entscheidungen der Länder zur Vorbereitung des wichtigsten Muttertags aller Zeiten als „neue Spaltung“ bejammert werden.

Es geht stattdessen heute – wieder am alten Kolumnenplatz – um die Fertigstellung der schriftlichen Urteilsgründe im NSU-Verfahren durch das OLG München und die Einstellung des Loveparade-Verfahrens durch das Landgericht Duisburg. Das erste hat zunächst nur eine innerprozessuale Bedeutung, das zweite war eine verfahrensbeendende Sachentscheidung. Einen erheblichen Aufregungsfaktor hatten beide, und die dem „Justizversagen“ schon fast entwöhnte öffentliche Meinung wälzte sich vom Lager des virologischen Dauerversagens und begann danach zu suchen, wo sich die entscheidenden Fehler in den Strafprozessen finden lassen könnten.

3022 Seiten

3022 Seiten Urteil! Ein gewaltiges Werk, in über 90 Wochen seit der Verkündung in die Welt gebracht zur „Aufarbeitung“ der rechtsterroristischen Verbrechensserie des sogenannten NSU und seiner Spießgesellen. Bisher kennen es nur wenige, und das wird sich auch kaum durchgreifend ändern, wenn die Urteilsgründe nicht mehr nur in journalistischen Kreisen zirkulieren, sondern anonymisiert und neu formatiert in die Öffentlichkeiten und Datenbanken gelangt sind. Für einen erheblichen Teil der Bürger würden 3200 Seiten eine schwer zu bewältigende Leseaufgabe darstellen – vom Interesse am Inhalt einmal ganz zu schweigen.

Denn Urteilsgründe nach dem Maß des § 267 StPO sind weder das, was sich Laien unter einem spannenden Krimi vorstellen, noch ein Schwall von gefühligen Empörungsformeln und vernichtenden Schmähungen der Verurteilten. Sie folgen vielmehr ziemlich strengen formalen Regeln und haben ganz spezielle Aufgaben, von denen nicht die wichtigste ist, der breiten Öffentlichkeit einmal mitzuteilen, was überhaupt passiert ist. Auch viele Verurteilte lesen die Urteilsgründe nicht genau; sie interessieren sich nicht für prozessuale Einzelheiten oder dogmatische Filigranarbeit, sondern dafür, „was hinten rauskommt“.

Schriftliche Urteilsgründe werden in der deutschen Strafprozessordnung im Wesentlichen für das Verfahren selbst geschrieben: Für professionell Beteiligte, für das Rechtsmittelgericht, in gewisser Weise auch für das urteilende Gericht selbst, das sich – nachdem das Urteil ja längst gesprochen ist! – erstmals in systematischer, sprachlich fixierter Form dazu äußern muss, auf welchem Weg und aufgrund welcher Argumente es zu seiner Entscheidung gelangt ist. In dieser Funktion liegen Stärken und Schwächen zugleich.

Denn die Richter sind „unabhängig“, die Beweiswürdigung ist „frei“, und die Strafe wird „auf der Grundlage der Schuld“ unter „Abwägung der Umstände“ zugemessen. Das sind große Spielräume, aber keine Einladungen zu Willkür, logikfreier Gefühlsjustiz oder eitler Selbstverwirklichung. Das geltende Recht, aber vor allem auch die Denk- und Argumentationsstrukturen der allgemeinen öffentlichen Kommunikation verlangen, dass Urteile auf Gründe gestützt werden, die „vermittelbar“ sind, also auf rational akzeptablen Argumenten beruhen. Strafurteile können nicht damit begründet werden, der Richter habe eine „Eingebung“ oder einen Traum gehabt, der Angeklagte habe den Bösen Blick oder sieben ehrbare Gutachter hätten bei ihrem Seelenheil geschworen, sie hielten ihn für schuldig.

Ob Verurteilungen oder Freisprüche auf akzeptablen Argumenten beruhen, prüft das Revisionsgericht. Nicht weniger, aber auch nicht mehr. Die Richter in Karlsruhe wissen es nicht „besser“ als die in München oder Frankfurt, die die Beschuldigten, Zeugen und Sachverständigen gehört und die Beweise erhoben haben. Aufgabe des Rechtsmittelgerichts ist nicht, „keinen Schuldigen laufen zu lassen“ oder die Wahrheit besonders gut zu ermitteln, sondern nur zu prüfen, ob das Urteil „Rechtsfehler“ aufweist oder nicht. Das tut das Revisionsgericht im Wesentlichen allein anhand der schriftlichen Urteilsgründe. Dafür werden sie geschrieben.

Ob ein Urteil kurz oder lang ist, spielt keinerlei Rolle; es wird mit der Anzahl der Seiten weder besser noch schlechter. Jedes schriftliche Urteil muss bestimmte, gesetzlich vorgegebene Teile enthalten: Den Sachverhalt, den das Erstgericht in der Hauptverhandlung festgestellt hat, die Beweisergebnisse und Erwägungen, aufgrund derer es zu diesen Feststellungen gelangt ist, die rechtliche Einordnung der festgestellten Tatsachen, Ausführungen zu den Rechtsfolgen. Dieser grundsätzliche Aufbau ist immer gleich, der konkrete Inhalt kann selbstverständlich extrem unterschiedlich sein. Umfangreiche oder komplizierte Vorgänge erfordern breite Darstellungen, einfache Sachverhalte nicht.

Urteilsgründe sind keine literarischen Kunstprodukte. Sie müssen nicht „schön“ sein, auch nicht spannend, anrührend, einfallsreich oder lustig. Und sie haben gewiss nicht die Aufgabe, Ansprüchen von Verfahrensbeteiligten oder gar der „interessierten Öffentlichkeit“ nach emotionaler Betreuung, Tröstung, Offenbarung zu genügen oder Geschichtsschreibung zu simulieren. Deshalb ist es eher befremdlich, dass anlässlich der Fertigstellung der schriftlichen Gründe im NSU-Verfahren die schon nach der Urteilsverkündung dramatisierten Vorwürfe wieder aufgegriffen wurden, das Gericht habe sich nicht genügend emotional mit dem Leid von Tatopfern und vor allem (?) mit dem von Hinterbliebenen der getöteten Menschen befasst.

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Die schmutzige Hände der Politik, welche den Staat verfilzen, lassen sich selbst in der Corona-Krise nicht mehr sauber waschen.

Es gibt Gerichte, die so etwas machen, und es gibt Vorsitzende von Strafkammern oder Strafsenaten, die mündliche Urteilsverkündungen für rechtspolitische Grundsatzerklärungen, persönliche Schmähungen, emotionalisierte Kommentierungen des Prozessgeschehens oder moralische Statements nutzen. Ob man das mag, ist Geschmackssache; manchen erscheint es als Botschaft menschlichen Mitgefühls, anderen als peinliche Selbstdarstellung. Man muss sich nur darüber klar sein, dass es keine Bedeutung hat. Der Vorsitzende eines Kollegialgerichts ist nicht der „Vorgesetzte“ der anderen Richter, sondern eine gleichberechtigte Stimme von fünf. Er hat zu verkünden, was die Mehrheit als Ergebnis beschlossen hat, und zwar auch dann, wenn er selbst in der Beratung ganz anderer Ansicht war. Was er zur „Mitteilung des wesentlichen Inhalts“ (§ 268 StPO) sonst noch sagt, ist seine Sache; es ist in der Regel nicht abgesprochen und muss keineswegs die Meinung der übrigen sein. Schon das sollte zur Zurückhaltung beim Vorsitzenden selbst Anlass geben, aber vor allem auch bei der öffentlichen Interpretation. Man muss sich klarmachen: Im Extremfall sitzen vier weitere Richter schweigend daneben, denen so mancher „bedeutend“ gesprochene Satz des Vorsitzenden peinlich ist. Das ist nicht die Regel, kommt aber vor.

Quelle         :           Spiegel-online            >>>>>         weiterlesen

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Grafikquellen          :

Oben     —        Loveparade 2010

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2.) von Oben      —         Thomas Fischer auf der re:publica 2016

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Unten     —      Posing

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Die Hubertus-Gabe:

Erstellt von DL-Redaktion am 10. Mai 2020

 Homeschooling auf Darlehnsbasis“

Bautzen Großwelka - Sauriergarten - Homo erectus 03 ies.jpg

Quelle       :         Scharf  —  Links

Von Karolin Korthals

Einem nackten Mann greift man nicht in die Tasche, besagt eine Redensart.

Der Brief des sozialdemokratischen Sozialministers vom 4. Mai 2020 offenbart die Ausnahme von der Regel:

[…] vielen Dank für Ihre Nachricht an den Bundesminister für Arbeit und Soziales, …. Momentan erreichen uns vermehrt Anfragen, ob die Ausstattung von Kindern aus einkommensschwachen Familien mit Computern wegen der Unterrichtung zu Hause geplant sei. […] Im Regelfall sind jedoch bereits die Bedarfe für Kommunikationsmittel berücksichtigt. In diesem Fall müssen die Leistungsempfänger die Mittel für die Anschaffung eines Computers ansparen. […] Bleiben Sie gesund und passen Sie in den kommenden Wochen gut aufeinander auf….

Was ist von einem Sozialminister zu halten, der den Bittbrief der Mönchengladbacher Familie so höhnisch beantwortet? Für die drei Schulkinder klingt das nicht nach dem alten Lied von der Solidarität und der Schutzmacht der kleinen Leute. Die Eltern halten die Idee des Ministers, sich das Geld für die Schulbildung vom Mund abzusparen, für einen schlechten Witz und das unmoralische Bildungsangebot: „Homeschooling auf Darlehnsbasis“ für skrupellos. Die Offenbarung des Ministers macht der Familie deutlich wie unwichtig Kinder sind, die es in der Schule ohnehin schwer haben.

Die Mönchengladbacher Familie hatte sich am 14. April 2020 an Hubertus Heil und Karl-Josef Laumann gewandt und schrieb: „Wir halten es für unglaublich und beunruhigend, dass es kaum Aufsehen erregt, wenn Kindern aus armen Familien das digitalen Homeschooling verwehrt wird, während Kinder aus wohlhabenden Familien die Hausaufgaben im eigenen Homeoffice bearbeiten.“

Im Interview mit den NachDenkSeiten kritisierte der Vater die Sozialblamage: „Homeschooling ist für meine Söhne zu einem Wettbewerb des Unmöglichen geworden“.

Auch der Erwerbslosen- und Sozialhilfeverein Tacheles aus Wuppertal macht auf die Lage von armen Familien während der Covid-19-Pandemie aufmerksam und schlägt in der Kampagne „Schulcomputer sofort“ vor, dass jeder Haushalt 350 Euro Zuschuss für einen Laptop und 100 Euro für Drucker und Papier erhält. Auf der Homepage des Vereins heißt es: In den Regelbedarfen für Kinder und Jugendliche sind 2020 für 0-6Jährige 76 Cent, für 6-14Jährige noch 55 Cent, für 14-18Jährige „stolze“ 23 Cent und für volljährige im Elternhaus lebende Erwachsene 88 Cent für Bildung enthalten.

Sie sahen auch schon besser aus – Herr Lehrer !

Die Linke Bundestagsfraktion fordert im Antrag vom 05.05.2020 / Drucksache 19/18945: „Damit alle Schulkinder, die gegenwärtig zuhause unterrichtet werden müssen, an den digitalen Lern-Angeboten von Schulen teilnehmen können, sind Computer notwendig. Das Recht auf Bildung muss für alle Kinder gewährleistet sein; dies erfordert einen Zuschuss für den Erwerb von technischer Ausrüstung.“

Der Schock sitzt tief bei der Mönchengladbacher Familie, da selbst die primitivsten Voraussetzungen für jede noch so kleine Verbesserung verweigert werden. Das Corona-Schuljahr ist sozusagen ein Kollateralschaden, den die Familie hinnehmen muss. Schon im Sommer gab es Hilferufe, die Familie musste das Düsseldorfer Sozialgericht um Beistand bitten, in einem Eilverfahren wurde das Jobcenter Mönchengladbach verpflichtet, die Kosten für die Beschaffung von Schulbüchern für das Schuljahr 2019/2020 zu erstatten (Beschluss v. 5.08.2019 – S 35 AS 3046/19 ER). Seit Jahren kämpft die Familie für die Erstattung der Schülerfahrtkosten, es scheint ein Bildungskampf gegen die Windmühlen zu sein.

Urheberrecht
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Grafikquellen     :

Oben    —       Jagdszene: Homo erectus im alten Teil („Sauriergarten Großwelka“) des Saurierparks in Bautzen-Kleinwelka

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Unten         —                Satirische spanische Darstellung Ende September 1918: der Soldado de Nápoles liest in der Zeitung vom gutartigen Charakter der Krankheit und gleichzeitig, dass der Platz auf den Friedhöfen ausgeht

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Schaum vor der Maske

Erstellt von DL-Redaktion am 10. Mai 2020

Unmut gegen Corona-Maßnahmen

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Sie Ferkel – wann haben sie ihre Maske das letzte Mal gewaschen ?

Von Doris Akrap

Die Coronabeschränkungen sind nicht immer durchdacht. Aber eine Diktatur ist nicht in Sicht – nur die Vernebelung des „gesunden Menschenverstands“.

Der gesunde Menschenverstand (GMV) ist ein Werkzeug, das vergleichsweise gerecht unter den Menschen verteilt ist. Blöderweise ist der GMV aber ein Werkzeug, das sich für Ausnahmesituationen wie die Covid-Pandemie nur begrenzt eignet. Obwohl niemand wirklich wissen konnte, ob es irgendwas bringt, wurde verboten, Freunde, Familie oder Unbekannte zu treffen, in die Schule, in den Park oder auf ein Bier vor die Türe zu gehen, einfach zu machen, worauf man Lust hat.

Nur angesichts der Zahlen und Bilder aus China und Italien sprach einem der GMV ins Gewissen: „Na gut, so was muss ja nicht unbedingt sein. Dann bleib halt zu Haus.“ Nicht unwahrscheinlich, dass der Beweis nie erbracht werden wird, ob das Stillstellen der gesamten Welt wirklich nötig gewesen ist. Es gibt nur viele Indizien, die dafür sprechen.

Dass man in einer superfragilen Situation wie dieser kurz mal Atemnot kriegte oder einem die Tränen kamen, ist völlig normal. Dass Leute, die die DDR oder Schlimmeres erlebt haben, angesichts von Kampfbegriffen wie „Durchseuchung“, „Ausgangssperre“ oder „unsichtbarer Feind“, angesichts der Einschränkungen von Grundrechten und Toilettenpapier- und Hefemangel sich an gruselige Zeiten erinnert fühlten: normal. Dass man sich im Westen an Hollywoodfilme wie „Das siebente Siegel“, „Outbreak“ oder „Contagion“ erinnert fühlte: normal. Dass der GMV jetzt sagt: „Hätte das wirklich sein müssen? Wegen ein paar tausend Toten Millionen Menschen in die Pleite zu schicken?“: normal.

Aber fragen Sie Ihren GMV mal, was denn die Alternative gewesen wäre. Sicher, die überstürzt aufgestellten Ausnahmeregelungen waren so grobschlächtig, dass die Polizei erst mal mit Interpretationsarbeiten beschäftigt war, was den Eindruck verstärkte, hier wisse die eine Hand nicht, wem sie die andere waschen soll.

Schafherde mit Schäfer.jpg

Ein/e  Schäfer-In und zwei Hunde reichen für ein Deutsches Volk !

Wäre aber etwas gewonnen gewesen, wenn die Regierung gesagt hätte: „Wir wissen es im Moment leider auch nicht so ganz genau und brauchen noch ’ne Weile, sorry! Wir melden uns, sobald wir mehr sagen können. Bitte haben Sie Geduld und Verständnis dafür, dass in der Zwischenzeit erst mal ein paar Leute über den Jordan gehen werden, bevor wir rausgefunden haben, was zu tun ist.“

Sehr wahrscheinlich hätte das diejenigen, die sich jetzt „für dumm verkauft“, „verarscht“, „bevormundet“ und von einer Diktatur regiert fühlen, noch viel weniger abgehalten von ihrer abgrundtiefen Verachtung der freien Presse und einer offenen Gesellschaft. Das nämlich würde bedeuten, sich für sein Weltbild aus allen zur Verfügung stehenden Farben aus dem bunten Wasserfarbmalkasten zu bedienen und nicht nur auf die zwei Tuben mit Schwarz und Weiß zu drücken.

Quelle         :           TAZ          >>>>>        weiterlesen

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Grafikquellen     :

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DL – Tagesticker 10.05.2020

Erstellt von DL-Redaktion am 10. Mai 2020

Direkt eingeflogen mit unseren Hubschrappschrap

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Die Religionen sind genau die Brandstifter welche die Politik animieren. Die Fanatiker brauchen und finden sowohl die Kirchen als auch die Politiker-Innen in IHREN Parteien. Dort küssen sie sich auch die Ärsche in trauter Gegenseitigkeit. Herrlich: „Gleich und Gleiches gesellt sich gern!

Vatikan: Kirchlicher

1.) Aufruf mit Verschwörungstheorien

Der konservative Kardinal Müller unterschreibt mit anderen Geistlichen einen Text, der seltsame Thesen zu Covid-19 verbreitet. So warnt er vor der „Schaffung einer Weltregierung, die sich jeder Kontrolle entzieht“. Die Unterzeichner beklagen, dass „unter dem Vorwand der Covid-19-Epidemie“ Bürgerrechte wie das Recht auf Religionsfreiheit und freie Meinungsäußerung eingeschränkt würden. Im Stile von Verschwörungstheoretikern unken sie von Kräften, die daran interessiert seien, in der Bevölkerung Panik zu erzeugen, um damit „dauerhaft Formen inakzeptabler Freiheitsbegrenzung und der damit verbundenen Kontrolle über Personen und der Verfolgung all ihrer Bewegungen“ durchzusetzen. Dies sei der Auftakt zur „Schaffung einer Weltregierung, die sich jeder Kontrolle entzieht“. Zudem warnen sie – ohne Belege zu nennen – davor, sich „mit Impfstoffen behandeln zu lassen, zu deren Herstellung Material von abgetriebenen Föten verwendet“ werde.

Sueddeutsche-Zeitung

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Das ist doch genau das Bild welches von den Politikern erwartet wird. Der „Deutsche-Michel“ wie er lebt und reagiert ! Nicht Rechts – nicht Links , von hinten stinkts. Würde ein Hund vorne stehen, würde auch dieser gewählt. Wie viele Male ist es schon passiert ?

Deutschlandtrend

2.) Mitteldeutsche Reaktionen auf Söders Umfragehoch

Die Corona-Krise beschert der Union ein neues Umfragehoch. Nach dem historischen Tief von rund 25 Prozent Ende 2019, haben sich die Christdemokraten nun wieder zu fast 40 Prozent aufgeschwungen. Und einer profitiert von den Höhenflügen ganz besonders: Der bayerische Ministerpräsident von der CSU, Markus Söder. Dem Deutschlandtrend zufolge findet die Mehrheit der Befragten, er wäre ein guter Kanzlerkandidat für die Union. Was halten mitteldeutsche CDU-Politiker davon?  Wenn man Parteipolitiker in Zeiten wie diesen nach Personalien fragt, dann ist die Antwort fast absehbar: Das ist nicht der Moment für solche Debatten. So auch im Fall von Markus Söder, den sich viele Deutsche als Kanzlerkandidaten der Union vorstellen können. Dem aktuellen ARD-Deutschlandtrend zufolge sagen 53 Prozent der Befragten, der CSU-Mann wäre eine gute Wahl fürs Kanzleramt. Sollten die Christdemokraten also auf den Kollegen aus Bayern setzen?

Mitteldeutscher-Rundfunk

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Tobt ein Söldner der Politiker vor Wut, kann dieses doch nur als positives Zeichen für die Gesellschaft gewertet werden. Ist er doch nicht mehr oder weniger, als ein zu hoch bezahlter Knecht der Macht ? Haben wir alle nicht schon gelesen: „Ein kleiner Wicht, ein kleiner Wicht – das ist ein arger Wüterich?“

Coronavirus NRW: Demo in Köln –

3.) Polizeipräsident tobt vor Wut

Das Coronavirus bestimmt den Alltag in NRW. Knapp 34.000 Menschen sind bisher positiv auf das Virus getestet worden. Aber: Etwa 29.000 sollen bereits wieder gesund sein. Mehr als 1.350 Menschen sind nach einer Infektion gestorben. Langsam aber sicher wird zu einer Normalität in NRW zurückgekehrt: Zoos, Friseure und Museen sind wieder geöffnet. Seit dem 7. Mai gelten weitere Lockerungen, beispielsweise für Spielplätze, Sport, Schulen. Auch für Gaststätten ändert sich nun einiges.

Kölner Stadt-Anzeiger

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Wie anders als durch stetige Verschiebungen hätte sich ein Land wie Polen, zwischen Russland und Deutschland eingeklemmt, denn über Wasser halten können ? Dem stetigen Korruptionen von Außen, nur Tatenlos zuzusehen,  hätte auch nicht geholfen. In Polen macht es wohl die Masse der Kandidaten – wir sehen in Schland nur die Asche ?

Präsidentschaftswahlen in Polen

4.) Wahlverschiebung für den Machterhalt

Eigentlich sollten heute in Polen die Präsidentschaftswahlen stattfinden. Seit Mittwochabend ist jedoch klar, dass diese nicht durchgeführt werden. Entschieden haben dies Jarosław Kaczyński und Jarosław Gowin, um ihr nationalkonservatives Bündnis zu retten. Was am Mittwoch ab 20.30 Uhr im polnischen Staatsfernsehen TVP ausgestrahlt wurde, war wohl nicht nur ein Novum in der polnischen, sondern auch in der europäischen Geschichte. Das TV-Duell von zehn Präsidentschaftskandidaten, bei dem weder diese noch die Wähler wussten, ob die für diesen Sonntag geplante Präsidentschaftswahl überhaupt stattfinden wird.

Cicero

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Nichts genaues weiß man nicht ? Als  Einäugigen unter den Blinden. Aus dem Leben von politischen Söldnertruppen ?

RKI beendet Pressekonferenzen :

5.) Ein völlig verkehrtes Signal

Das Robert-Koch-Institut will seltener vor die Presse treten. Man muss kein Verschwörungstheoretiker sein, um das für falsch zu halten. Es war ein gewohntes Bild in den Nachrichten der letzten Wochen: Lothar Wieler, der Präsident des Robert-Koch-Instituts, oder auch sein Stellvertreter Lars Schaade kommentieren die aktuellen Corona-Zahlen und bewerten die politischen Vorschläge dazu. Doch damit ist jetzt erst mal Schluss: Das RKI stellt seine regelmäßigen Pressekonferenzen, die zuletzt zweimal pro Woche stattfanden, bis auf Weiteres ein. Als Hauptgrund nannte Schaade am Donnerstag, dass die Zahl der Neuinfektionen deutlich zurückgegangen sei.

TAZ

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Wäre es eine schlechte Idee alle unsere versagenden Politiker-Innen ab zuschieben? Madrid und Malle gäben schon eine Richtung vor! Dort könnten unsere Fremdkörper endlich auch Sprachen lernen um sich in Europa entsprechend  bewegen zu können. Ein Tausch: Frische Luft gegen Stinker.

Madrid und „Malle“ meckern

6.) Umstrittene Corona-Lockerungen in Spanien

Der Corona-Hotspot Spanien erzielt Erfolge im Kampf gegen das Virus. Das halbe Land darf daher am Montag die Ausgangsbeschränkungen lockern. Doch die Deeskalation macht nicht alle froh. Auf Mallorca wird geschimpft und um Hilfe gefleht – auch Richtung Deutschland. In halb Spanien werden am Montag die Ausgangsbeschränkungen in der Corona-Pandemie gelockert. Die Entscheidung der linken Zentralregierung sorgt indes nicht nur in jenen Regionen für Unmut, die vorerst noch nicht in den Genuss der Lockerungen kommen.

noz

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TITANIC Urlaubsservice:

7.) Wohin in den großen Ferien?

Reiseziele, die noch attraktiver sind als Balkonien:

  • die Terrasskana
  • Kellorca
  • die Küch d’Azur
  • Lloret de Mama
  • die Neckaribik
  • Edekantalya
  • die Kölner Dom Rep.
  • Zwickau

Titanic

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Anregungen nehmen wir gerne entgegen

Treu unserem Motto: Es gibt keine schlechte Presse, sondern nur unkritische Leser

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Grafikquellen        :

Oben     —    DL / privat – Wikimedia  Commons – cc-by-sa-3-0

 

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