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Archiv für April 5th, 2020

Rücksichtslose Kampfjogger

Erstellt von DL-Redaktion am 5. April 2020

Lasst mich durch, ich bin schnell!

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Von Ulrich Gutmair

Die im Laufen dargestellte Fitness ist ein Statement. Der Kampfjogger ist der SUV unter den Fußgängern.

Die Frau ist vollkommen außer Puste. Sie trägt die bunte Funktionskleidung der Läuferinnen. Breitbeinig steht sie da, wobei der Ausdruck „stehen“ in die Irre führen könnte, denn ihre Hände hat sie auf ihre Knie gestemmt. Ihr Atem geht stoßweise. Offensichtlich ist sie die Treppen hochgerannt, die aufs Dach des Hochbunkers im Berliner Volkspark Humboldt­hain führen, wo einst 16-Jährige im Himmel über der Stadt nach alliierten Bomberflugzeugen Ausschau hielten, um sie abzuschießen.

Die Frau hat es bis ans Ende der Treppe geschafft. Sie steht nicht mitten im Weg, aber den einen Schritt zur Seite, der für alle anderen freie Bahn mit 1,50 Meter Sicherheitsabstand bedeuten würde, den hat sie nicht mehr gemacht.

Für Passanten, die nach unten wollen, gibt es nun vier Möglichkeiten: 1. Nase zu und durch. 2. Abwarten und Mitleid spüren (nein, keine Empathie, das ist nicht nur nicht dasselbe, sondern was ganz anderes, das führt hier jetzt aber zu weit). 3. Einen anderen Weg nehmen. 4. Locker bleiben und auf jene Infektiologen vertrauen, die den nicht unbegründeten Verdacht äußern, dass unsere Gesellschaft ohnehin längst in einem viel höheren Maß als angenommen durchinfiziert ist.

Immerhin ist es möglich, sich angesichts der schwer atmenden, aber an Ort und Stelle verharrenden Läuferin zu entscheiden, was man nun lieber tun möchte. Anders verhält es sich mit Kampfjoggern, die, haben sie sich erst einmal in Bewegung gesetzt, in den Parks und auf den Gehwegen den idealen Vektor ihres Laufs unbeirrt verfolgen. Sie schauen beim Laufen nicht nach links und nicht nach rechts. Wie raketengetriebene Wunderwaffen ziehen sie ihre Bahn durch die Welt. Wenn sie eng an Spaziergängern vorbeirauschen, spüren diese den Windhauch einer überlegenen Lebensform. Ausweichen ist fast unmöglich. Wir müssen diese Läufer erdulden wie eine Strafe Gottes. Sie sind die SUVs unter den Fußgängern.

Optimiere dich selbst, lautet der biopolitische Imperativ

Anthropologisch gesehen ist der Mensch ein Läufer. Ganze Theorien der Menschwerdung befassen sich mit unserer Fähigkeit, viel zu schwitzen. Unser Vorfahr Homo erectus, so lautet die These von Daniel E. Lieberman, hetzte sein Abendessen in den Hitzetod. Der Passant ist zwar kein Beutetier des Kampfjoggers, aber er fühlt sich so.

Vor über 40 Jahren, als die postmoderne Laufbewegung begann, hatte das Laufen noch einen anarchistischen Touch. Es erscheint wenig erstaunlich, dass das Joggen in den neoliberalen 1980ern seinen Aufschwung nahm, auch in den durchgetanzten 1990ern nicht außer Mode geriet und als „Laufen“ nun so populär wie nie ist. Heute hat Laufen aber den Charakter einer Pflichtübung. Bleib gesund, halt dich fit, optimiere dich selbst, lautet der biopolitische Imperativ, der uns allerorten entgegenschallt. Oder, wie es der Weltrekord-Marathonläufer Eliud Kipchoge formuliert hat: „Nur die Disziplinierten sind im Leben frei. Undiszi­plinierte sind Sklaven von Stimmungen und Leidenschaft.“

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An dieser Stelle ist es aus Gründen der Differenziertheit angezeigt, den Kampfjogger von anderen Läufertypen zu unterscheiden. Dazu zählen die mal leicht übergewichtigen, mal nur nicht besonders athletischen Jogger, die eher langsam unterwegs sind. Oft machen sie kleine Schritte. Man sieht ihnen an, dass sie das Laufen nicht betreiben, um über sich hinauszuwachsen. Weder sammeln sie Daten über Körper und Route, noch besitzen sie irgendeinen Ehrgeiz, die eigenen Rekorde oder gar die anderer zu brechen.

Quelle           :         TAZ            >>>>>         weiterlesen

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Grafikquellen     :

Oben         —        Häjyt kokouslenkillä

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  Unten       —            Jimmy Carter jogging

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Greta + Corona – Mitschnitte

Erstellt von DL-Redaktion am 5. April 2020

Die Offenlegung der Gespräche der beiden Planet-Piraten

Quelle         :       untergrund-blättle     CH.

Von  Eckhard Mieder

Nach mir vorliegenden Dokumenten (Telefon-Mitschnitte) hatten sich Greta (Thunberg) und Corona (Virus) Ende des Jahres 2019 zusammengefunden und beinahe einen perfiden Plan ausgeheckt.

Perfid ist er im Grunde nicht; beide zeigten sich entschlossen, aus der versauten, versifften, suizidalen Welt eine saubere, solidarische, kreaturenschonende Welt spriessen zu lassen. Das war (und ist), wie ich meine eine lobenswerte Absicht. Aber wie es so ist, mit dem Guten, das gewollt wird: Was daraus wird, weiss niemand. Im Folgenden gebe ich einige der Mitschnitte an die Öffentlichkeit. Ich bin mir bewusst, dass die Offenlegung der Gespräche der beiden Planet-Piraten für Diskussionen sorgen kann. Möglicherweise werde ich verächtlich gemacht, verspottet, mein Verstand wird in Frage gestellt. Was soll ich machen? Die Wahrheit verschweigen?

24. Dezember 2019 (Greta in Familie unterm Weihnachtsbaum; Corona in China unterwegs, Nähe Wuhan)

Greta: Hej! Vem där?
Corona: Äh … Sprachen sind nicht mein Ding.
Greta: Wer bist du?
Corona: Wer bin ich; ja wer bin ich?
Greta: Einen Namen wirst du doch haben.
Corona: Corona. Corona Virus.
Greta: Schöner Name.
Corona: Deinen finde ich schöner: Greta Thunberg.
Greta: (verlegen) Manche hassen meinen Namen. Weil sie mich hassen.
Corona: Wiederum lieben dich viele. Habe ich gehört.
Greta: Und warum, Corona, rufst du grad heute an?
Corona: Heute? Was ist heute anders als gestern oder vor hundert Jahren?
Greta: Weihnachten jedenfalls. Juldagen! Das Fest der Liebe, und wir denken an Jesus Christus. Und wir beten und wünschen allen Menschen alles Gute. Auch der Natur. God jul!
Corona: Ähm. Mh. (hüstelt) Grad fällt mir dazu nichts ein.
Greta: Corona? Bist du noch da?

10. Januar 2020 (Freitag. Corona in Ischgl; Greta sitzt mit dem Schild SKÖLSTREJK FÖR KLIMATET auf einer Strasse in Stockholm.)

Corona: Greta?
Greta: Hej, Corona. Gut übers Jahr gekommen?
Corona: Exzellent. Unerkannt. Ich bin ein echter Bringer!
Greta: Was machst du so?
Corona: Ansteckende Sachen.
Greta: So Anstecker? Kleine Abzeichen, Buttons, Broschen?
Corona: (kichert) Herzchen! Was du für ein Herzchen bist!
Greta: Das mag ich nicht.
Corona: Was magst du nicht?
Greta: So ranschmieren. So rumpoussieren. Nein, ingen! How dare you!
Corona: O, das wollte ich nicht. Glaube mir, es ist nicht meine Art, jemandem … wie soll ich sagen … um den Bart zu gehen. Ach, wieder falsch! Einen Bart hast du sowieso nicht …
Greta: Es war mir schon beim ersten Gespräch aufgefallen, dass du dich nicht klar ausdrückst. Was also willst du?
Corona: (konzentriert) Wir beide könnten die Welt verändern.
Greta: Wo steckst du grad?
Corona: Italien? Österreich?
Greta: Wow!
Corona: Mir ist’s ehrlich egal.
Greta: Was hast du vor, Corona?
Corona: Ooch. Mal in die Berge, Skifahren? Oder – das soll toll sein – auf einem Kreuzfahrtschiff durch die Karibik! Party machen! Nach New York wollte ich auch immer schon. Oder – soll ich dich besuchen? Greta: Machst du mich grad an?
Corona: Nein! Ingen!
Greta: (lacht) Doch schon ein bisschen Schwedisch.
Corona: Ich hab’s mir nur gemerkt.
Greta: Du bist ein echter Globetrotter!
Corona: Du doch auch?
Greta: Ich glaube, ich würde dich gern mal treffen. Mal schauen.
Corona: Das wird schwierig, Greta.
Greta: Aber …

20. März 2020 (Greta sitzt in einem Komitee, das über die Existenz des Planeten Erde berät; Corona befindet sich in einem Park; im Hintergrund wird gerapt, es sind die Geräusche einer Berliner Corona-Party.)

Greta: Hej! Vem där?
Corona: Corona. Ich.
Greta: (kokett-erbost) Du bist ein echter Typ! Wir sagen: snubbe.
Corona: (lacht) Klingt wie Schnupfen.
Greta: In welcher Sprache?
Corona: Deutsch, glaube ich.
Greta: Mal im Ernst: Du bist echt gut unterwegs! Niemand auf dieser Welt, der grad nicht von dir erzählt! Jesus liegt im Ranking auf dem vierzehnten Platz! Elvis Presley zusammen mit Marylin Monroe knapp dahinter! Selbst Trump, auch so ein snubbe …
Corona: Von dem habe ich gehört. So Bluthochdruck. Ich schätze, die Leber- Werte sind nicht die besten. Ich möchte nicht so aussehen, wie der immer guckt.
Greta: Der Typ ist mir egal! Der ist sowieso galen! Aber du … Du veränderst die Welt!
Corona: Deshalb melde ich mich heute, Greta. Kannst du dir vorstellen, mit mir zusammen zu arbeiten?
Greta: Bisschen schwer. Ich will, dass wir Menschen aufhören, den Planeten zu zerstören. Du willst die Menschen auf diesem Planeten zerstören. Ich hab inzwischen eine Menge von dir gehört.
Corona: Aber – nun ja.
Greta: Es gibt da was.
Corona: Es gibt da was? Was?
Greta: Ich find’s raffiniert, was du machst. Effizient. Ich weiss, was ich bisher angerichtet habe. Aber was habe ich erreicht?
Corona: Ich finde toll, was du erreicht hast? Ich hab von dir auch schon eine Menge gehört.
Greta: Was denn? Alles, was ich erreicht habe, ist: Die ganze Welt findet gut, dass sich die ganze Welt ändern soll. Grüne Kacke! Konzerne, Banken und Politiker, Nonnen und Huren und Witwen und Mörder – und wir, die Jugend, und die, unsere Eltern, alle finden sich zusammen und summen: We are the world … Was für eine Maskerade! Was für ein Karneval! Midsommarkväll und Mardi Gras zusammen! Aber was tun sie? Und wer ist der Champion? Der wahre? Du!

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Corona: Oh. Das ist mir jetzt peinlich.

Greta: Hej, du trittst auf, und der ganze Haufen zuckt und bewegt sich! Weil: Sie haben Schiss, wenn’s ihnen an die Lunge geht! Obwohl es ihnen längst an die Lunge geht! Aber das buchen sie ab! Aber wenn du kommst – wow, da fassen sie sich an die Nase, an die Kehle, da kriegen sie alle einen Husten und schreien nach Tests und nach was weiss ich noch alles … Corona: Greta. Ich will nicht, dass du mich zum Retter der Erde idealisierst.
Greta: (wie in trance) … und dann feiern sie sich! Alles wird gut, wenn wieder alles gut ist! Solidarität! Die Menschen rücken zusammen! Die Natur hat sich erholt. Sie schreiben’s schon in den Zeitungen: Dieses Jahr wird, Über- raschung, Überraschung! das Klimaziel erreicht! Weil kaum Autos fahren, kaum Flugzeuge fliegen. Weil der Konsum-Wahnsinn kurz innegehalten hat. Und das hast alles du, Corona, erreicht! Du är en hjälte! Du bist ein Held!
Corona: Wie gesagt, das ist mir peinlich …
Greta: Hej, Corona!
Stille Greta: Ein windiger Bursche!

24. April 2020 (Corona sitzt in New York, im Hintergrund sind Polizeisirenen zu hören; Greta sitzt in den Schären vor Stockholm und angelt.)

Corona: Hej, Greta. Hab ich immer noch die Nase vorn?
Greta: Aber sowas von. Hej, die Medien sind voll von dir! Weil die Welt voll von dir ist! Die Menschen sind verrückt, deinetwegen … Hej! Skit!
Corona: Was ist passiert?
Greta: Ich hatte einen Fisch am Haken. Er hat sich losgerissen.
Corona: Der Haken?
Greta: (müdes Lachen) Hahaha!
Corona: Es tut mir Leid. Das mit dem Fisch. Und dass ich dich aus der Öffentlichkeit verdrängt habe.
Greta: Muss dir nicht leid tun. Ehrlich nicht!
Corona: Ärligt talat inte!
Greta: Oha! Dein Schwedisch wird immer besser. Ärligt, mir ist es Recht so. Ist wie Ferien für mich. Endlich bin ich mal von Radar. Alle reden über dich, als gäbe es kein Morgen. Alles andere, Kriege, Klima, Artensterben – pardauz, als gäbe es das nicht!
Corona: Die Menschen sind galen.
Greta: (lacht) Galen und roliga!
Corona: Aber ich werde bald wieder verschwinden. Und für dich geht der Stress weiter.
Greta: Hej, jetzt hab ich ihn!
Corona: Einen Fisch?
Greta: Hübscher Hecht. Den brate ich mir heute Abend. Was hast du gesagt?Du verschwindest bald?
Corona: Aber ich komme wieder!
Greta: Ich verlass mich drauf.
Corona: Wir treffen uns dann?
Greta: Ich mag dich. Ob ich dich treffen will, weiss nicht genau. Aber deine Stimme mag ich.
Corona: Ich mag dich auch. Sehr, Greta.
Greta: Adjö!
Corona: Quia nunc vale!

Nachspruch

Ich bin ein altmodischer Mann, der gern seine Biere trinkt, seit 30 Jahren eine Ehe führt und Fan des Fussballklubs 1. FC Union Berlin ist. Meine Rente ist nicht der Rede wert; ich komme hin.

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Nichts liegt mir ferner, als Unruhe in die Welt zu bringen, die ich vor etwa 50 Jahren sehr, sehr gern verändert hätte. Damals, als ich ein wilder Knabe war, wollte ich a) den real existierenden Sozialismus zu einem wirklich real existierenden Sozialismus machen und b) den Kapitalismus revolutionär abschaffen. Beides ist nicht gelungen.

In Betracht meines Lebens hinter und des Lebens vor mir, schliesse ich nicht aus, dass Greta und Corona etwas fertig bringen, was mir nie gelungen ist. Ich glaube zwar nicht daran, ich bin misanthropisch geworden. Doch die Welt ist voller Verrücktheiten, und an Narren ist sie voll. Sie ist eine Wundertüte, sie ist ein universales Überraschungs-Ei. Skal!

Soweit nicht anders angegeben und keine Quellenangabe (Name einer Organisation oder Internet-Adresse) vorhanden ist, gilt für die Texte auf dieser Webseite eine Copyleft (Public Domain) Lizenz.

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Grafikquellen        :

Oben        —       Washington D. C. (September 2019)

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Der Corona-Schock

Erstellt von DL-Redaktion am 5. April 2020

Die finale Entzauberung der Globalisierung

Die Trottel sind allein im Haus – denn niemand geht dort Ein noch Aus.

von Ulrich Menzel

Im das Jahr 1320 brach die Pest in derselben zentralchinesischen Provinz Hubei aus, die heute mit ihrer Hauptstadt Wuhan als Ursprungsregion des Coronavirus gilt. Und bei allen historischen Unterschieden gibt es doch verblüffende Parallelen bei Verlauf und Konsequenzen beider Seuchen. Damals dauerte es noch 25 bis 30 Jahre, bis die Pest die chinesische Küste mit den Häfen für den Überseehandel und den Endstationen des zentralasiatischen Karawanenhandels erreicht hatte, der über die Routen der Seidenstraße China mit Europa verband. Von dort ging es dann jedoch ganz schnell: Innerhalb eines Jahres wütete die Seuche in Tana am Asowschen Meer, dem Endpunkt der zentralasiatischen Route, und in Aleppo, dem Endpunkt der Route durch Persien. Nicht länger dauerte es auf der maritimen Route durch das Südchinesische Meer, den Golf von Bengalen, das Arabische Meer und weiter durch das Rote Meer zum Nildelta oder den Persischen Golf und den Euphrat aufwärts zur syrischen Küste. Dort warteten bereits die italienischen Galeeren darauf, die kostbaren Waren der Karawanen an Bord zu nehmen und in Europa zu verteilen. 1348 hatte die Pest Italien mit voller Wucht erfasst.[1]

Die Konsequenzen für Politik, Gesellschaft und Wirtschaft waren katastrophal. Neben dem Massensterben der Bevölkerung entlang der Routen und Umschlagplätze des Fernhandels kam es zum Kollaps des ersten Weltwirtschaftssystems, in dem Oberitalien und die Niederlande nur die ferne westliche Peripherie bildeten. Dieses System hatte sich hundert Jahre zuvor unter dem schützenden Dach der Pax Mongolica gebildet, die den Steppengürtel von China bis in die ungarische Taiga überwölbte. Die Folgen dieses Kollapses waren gewaltig: eine langanhaltende wirtschaftliche Stagnation, die Erinnerung an den schwarzen Tod, der sich tief ins kollektive europäische Gedächtnis einnistete und durch Pestsäulen und Passionsspiele bis heute wachgehalten wird, und der Zusammenbruch des Mongolenreiches.

Die Globalisierung vor der Globalisierung – das erste Weltsystem vor Beginn der europäischen Welteroberung – zerbrach innerhalb kürzester Zeit und wurde von einer langen Fragmentierung der Welt abgelöst. Es dauerte bis zum Beginn des 15. Jahrhunderts, bis die Flottenexpeditionen der frühen Ming das System vom östlichen Ende der Welt her restaurierten, und sogar noch weitere 70 Jahre, bis die Portugiesen den Seeweg nach Indien gefunden und im Becken des Indiks den „Estado da India“ als neuen Ordnungsrahmen errichtetet hatten. Vasco da Gamas erste Reise ins indische Calicut (1498) und die erste Reise des Kolumbus (1492), der Indien auf der Westroute erreichen wollte und die „neue Welt“ entdeckte, markieren aus europäischer Sicht den Beginn der Globalisierung.[2]

Globalisierung besteht in der Intensivierung und Beschleunigung grenzüberschreitender Transaktionen (aus Handel, Finanzen, Menschen, Informationen und sogar Epidemien), die sich gleichzeitig räumlich ausdehnen. Kürzer gefasst, besteht dieser Vorgang also in der Kompression von Raum und Zeit. Corona ist in diesem Sinne die Intensivierung und Beschleunigung einer grenzüberschreitenden Seuche wie der Pest. Globalisierung ist aber, wie gerade das Coronavirus zeigt, kein Selbstläufer, der nur des technischen Fortschritts im Bereich von Transport und Kommunikation bedarf, der diese Transaktionen immer schneller macht und immer weiter vermehrt. Vielmehr bedarf die Globalisierung auch eines institutionellen Rahmens, der zentrale internationale öffentliche Güter garantiert: wirtschaftliche Stabilität und politische Sicherheit. Heute nennt man das Global Governance. Diese Güter können durch internationale Verträge und Organisationen auf kooperative Weise oder durch eine Führungsmacht bereitgestellt werden, an deren Leistungen alle anderen als Freerider partizipieren.[3] Für diesen institutionellen Rahmen sorgten zuerst die Mongolen im Verbund mit den Italienern, später die Ming, dann die Portugiesen und Spanier, bis sie von den Niederländern, Briten und zuletzt den USA abgelöst wurden.

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Master of Desaster

Globalisierung verlangt aber noch mehr, nämlich eine große Erzählung, die erklärt, warum dieser Prozess normativ gut und für alle Teilnehmer von Vorteil ist. Nur so sind die relevanten Akteure überhaupt bereit, den politischen Willen und die Kosten für den Rahmen aufzubringen, dessen Regeln zu etablieren und gegebenenfalls auch gegen Widerstände durchzusetzen.

Der eigentliche Prophet der Globalisierung war David Ricardo, der 1817 sein berühmtes Theorem der komparativen Kosten entwickelte.[4] Seine Begründung, warum überhaupt internationaler Handel stattfindet – und warum er stattfinden soll –, lautete: Alle, die an der internationalen Arbeitsteilung teilhaben, ziehen daraus einen Vorteil, nämlich die Einsparung von Kosten. Aus diesem Argument resultieren beispielsweise die heutigen grenzüberschreitenden Lieferketten. Damit diese Kostenvorteile allerdings wahrgenommen werden können, muss Freihandel herrschen. Jedes Handelshemmnis, ob durch Zölle oder nichttarifärer Art, ist abzuräumen. Damit lieferte Ricardo gegenüber dem bis dato herrschenden Merkantilismus ein neues Paradigma. Er begründete damit nicht nur, warum ein internationales Geflecht von Freihandelsverträgen geboten ist, sondern warum es sogar legitim ist, Länder mit Gewalt für den Handel zu öffnen. Ricardo hatte prominente Vorläufer, die mit an der großen Erzählung gearbeitet haben, etwa den Niederländer Hugo Grotius als Protagonist des Prinzips Freiheit der Meere.[5]

Damit die große Erzählung in der Tradition von Grotius und Ricardo, auf die sich der Neoliberalismus heute beruft, wirkungsmächtig wird, bedarf es allerdings der Interpreten und Multiplikatoren, die Überzeugungsarbeit leisten, und der Politiker, die die Macht haben, die Idee des Liberalismus durchzusetzen. Nur so kann Globalisierung an Fahrt aufnehmen. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts haben die Briten diese Rolle übernommen, indem sie ein miteinander verknüpftes System von bilateralen Handelsverträgen geschlossen und Länder wie China seit 1842 mit den Mitteln der „Kanonenbootpolitik“ für Handel und Investitionen geöffnet haben. Japan folgte 1854 auf amerikanischen Druck. Damit begann der wirtschaftliche Wiederaufstieg Chinas und Japans, den ihr selbstgewählter Isolationismus zuvor verhindert hatte. Die Globalisierung beschleunigte sich erheblich. Ein frühes Opfer war paradoxerweise Großbritannien selbst, als es Ende des Jahrhunderts industriell von Deutschland überholt wurde und trotz der „Großen Depression“ beim Freihandel verblieb. Da die große Erzählung die britische Politik fest im Griff behielt, nahm der erste British Decline seinen Lauf.

Vor dem Ersten Weltkrieg: Globalisierung auf dem Höhepunkt

Am Vorabend des Ersten Weltkriegs hatte die Globalisierung dank Dampfschifffahrt und Eisenbahn einen neuen Gipfel erreicht. Doch in der Zwischenkriegszeit war Großbritannien zu schwach und die isolationistisch orientierten USA noch nicht bereit, die liberale Führungsrolle zu übernehmen. Daher konnte die Weltwirtschaftskrise ab 1929 lange nicht gemeistert werden. Dies war wiederum gleichbedeutend mit einer radikalen Wende in Richtung Deglobalisierung, die durch den Zweiten Weltkrieg noch verstärkt wurde. Erst mit der Bretton Woods-Konferenz von 1947 nahmen die USA das Heft in die Hand. Die Gründung von Weltbank, IMF und WTO mit ihren immer neuen Zollsenkungsrunden und die Ausweitung ihrer Zuständigkeit auf Dienstleitungen, Kapitalverkehr und Auslandsinvestitionen sorgten dafür, dass das ricardianische Denken zurückkehrte und die Globalisierung wieder zulegte. Ab den 1990er Jahren, als der Neoliberalismus mit dem Ende der kommunistischen Hemisphäre hegemonial wurde, setzten schließlich all jene, die die Globalisierung nicht per se ablehnten, sondern nur die Auswüchse eines ungehemmten Marktradikalismus, auf Global Governance. Die Globalisierung sollte mit Hilfe von internationalen Organisationen, Abkommen und Normen eingehegt werden. Zumindest in Europa schien dieser Ansatz auch lange Zeit erfolgreich zu sein, obwohl die EU mit dem europäischen Binnenmarkt und dem Schengener Abkommen zum Schwungrad einer innereuropäischen Globalisierung mutierte.

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Hier erkaufen sich  die Politiker ihr Wissen ?
Für eine Hand voll Dollar gibt es Panik mit Gedonner ?

Das innenpolitische Pendant zu Globalisierung und Global Governance bildet die Idee des Kosmopolitismus. Sie ist attraktiv für die überdurchschnittlich Verdienenden, Gebildeten, Weitgereisten und Fremdsprachenkundigen, also jene, die für Freizügigkeit, Freihandel und freien Kapitalverkehr sowie für Multikulturalismus und universalistische Werte eintreten. Aber auch der einfache Bürger hat die Annehmlichkeiten der Globalisierung längst schätzen gelernt: billige Textilien und Unterhaltungselektronik, ganzjährig exotische Früchte, Urlaubsreisen nicht nur nach Rimini und Mallorca, sondern in die ganze Welt, keine Kontrollen im Schengenraum, Fußballer aus der ganzen Welt, um den Heimatverein fit zu machen für die Champions League, und nicht zuletzt Arbeitsmigranten, die die körperlich schwere oder schlecht bezahlte Arbeit übernehmen.

Quelle        :          Blätter         >>>>>           weiterlesen

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Grafikquellen      :

Oben        —        Kanzleramtsgebäude in Berlin

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Vom Wissen zum Schaffen

Erstellt von DL-Redaktion am 5. April 2020

Denn die ’Fakten’ sprechen für sich:

Es sollte immer berichtet werden was wir gesehen haben und nicht was wie sehen möchten.

Quelle         :      Scharf  —  Links

Eine Zusammenstellung von Dr. Nikolaus Götz

Zahlendifferenzen bei der Berichterstattung zur Coronainfektion (Covid-19) oder wie „wir“ von den Medien manipuliert werden….(Auf dem Zweiten sind sie blind!)

Samstag, 4.4.2020

Aus der Wissenschaft:

Deutschland: Robert Koch Institut: Stand 4. 4. 2020 Uhrzeit: 10.10 Uhr

Infizierte: 85 778 ;Verstorbene : 1158;     Genesene: ca. 21.400 (2.4. 2020)

USA: John Hopkins Universität: 4. 4. 2020 (6.43 nachmittags)

Infizierte: 92 150;       Verstorbene: 1330;   Genesene: keine Angabe

Politische Manipulatoren:

ZDF: 19. 00 Uhr: Hauptnachrichten: im Blick ’Corona’

Infizierte: 92 150        Verstorbene: 1330      Genesene: 26 400 (oder schon mehr)

Bericht: Der Globus im Griff des Virus: „Die Welt steht still!“, meint das ZDF! Und:

ZDF jetzt in Panik um New York, da dort mehr Verstorbene als in ganz Deutschland!

„Angst weht durch die Stadt….“

Riss im Deutsch-französischen Verhältnis: Saarbrückens Oberbürgermeister Uwe Conradt warnt und Versöhnungsgespräch auf der d-f. Grenzbrücke bei Grossrosseln/Saar

China gedenkt der am Corona-Virus Verstorbenen (Coronavirus-Berichtszeit: 16 Min.

Nachrichtenlänge insgesamt: 20 Minuten

ARD 20. 00 Uhr: Hauptnachrichten: im Blick ’Corona’

Infizierte: 86 000 ;      Verstorbene : 1158   Genesene: keine Angabe

Bericht: Probleme bei der Kreditgebung an dt. Firmen durch die Banken

Freiwilligendienste tauschen/Wissenschaftler fordern einen Ausstieg aus dem dtsch.

’Shut-Down’/ konkreter Weg soll jedoch die Politik finden, verstärkte Kontrolle des dt. Kontaktverbotes durch die Polizei z.B. im ‚Englischen Garten’ von München

Frankreich hat die Kontrollen durch die Polizei verstärkt, Franzosen benötigen schriftliche Ausgangsbescheinigung

in Flüchtlingslager in Griechenland Coronavirus festgestellt

China 3326 Tote: nationale Schweigeminuten für die Toten der Coronavirus-Krise

Coronavirus-Berichtszeit bis zu den Lottozahlen: 13 Minuten;

Quellen: zur individuellen Überprüfung:

Robert Koch Institut: www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/ Situations-berichte/ 2020-04-02-de.pdf?__blob=publicationFile/

www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Fallzahlen.html

USA: John Hopkins Universität: coronavirus.jhu.edu/map.html

ARD: www.tagesschau.de/sendung/tagesschau/index.html

ZDF: www.zdf.de/nachrichten

Freitag, 3 April 2020:

Aus der Wissenschaft:

Deutschland: Robert Koch Institut: Stand 3. 4. 2020 Uhrzeit: 8.30 Uhr

Infizierte: 79 696 ;      Verstorbene : 1017                 Genesene: ca. 21.400 (2. 4. 2020)

USA: John Hopkins Universität: 3. 4. 2020 (ohne Zeitangabe)

Infizierte: 89 451;       Verstorbene: 1208;                 Genesene: keine Angabe

Politische Manipulatoren:

ZDF: 19. 00 Uhr: Hauptnachrichten: im Blick ’Corona’

Keine neuen konkreten Zahlenangaben; Verweis auf die Zahlen der John Hopkins-Uni

Hauptbericht: Abflachung der Ansteckungskurve in Deutschland; trotzdem: die Ausgangsbeschränkung bleibt weiterhin! Und viel Geschwätz!

Eigener Italienbericht: Krematorien überfordert! Selbstloses gegenseitiges Helfen der lieben Italiener untereinander…“ach wie gut ist es in Deutschland….“

Eigener Chinabericht: immer mehr und viele ’Unkranke’! (So ein Ärger!)

ARD 20. 00 Uhr: Hauptnachrichten: im Blick ’Corona’

Infizierte: rund 80 000;          Verstorbene:1017 ;                 Genesene: keine Angabe

Bericht: Die Reproduktionsrate des C-Virus ist gefallen: jedoch kein Datum für die Aufhebung der Ausgangssperren; laut dem Direktor des RKI Prof. Dr. L.H. Wieler ist es dafür noch zu früh! Seine Ratschläge: Bahn/Busse sollten wieder verstärkt fahren; Gesichtsmaske tragen; nicht zum Eigenschutz, sondern zum Schutz seiner Nächsten; Dt. Forschung entwickelt ’Antikörpertests’ zur nachträglichen Überprüfung einer C-Virus Erkrankung

Weitere Infos:

Schulen: Möglichkeit der Wiederaufnahme nach Ostern; Datum noch nicht sicher

Bundesinnenminister Horst Seehofer plant weiteres Einreiseverbot!

USA: die Coronakrise wird schlimmer und weitet sich aus; jetzt: 2900 Tote;

Arbeitslosenquote in den USA bei 4,4%; jetzt schon 10 Mill. Arbeitslose, Tendenz steigend

Zugunglück bei Basel/Sänger Bill Rivers ist tot/ Rüdiger Nehberg ist verstorben

 Quellen: zur individuellen Überprüfung:

Robert Koch Institut: www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/ Situations-berichte/ 2020-04-02-de.pdf?__blob=publicationFile/ www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Fallzahlen.html

USA: John Hopkins Universität: coronavirus.jhu.edu/map.html

ARD: www.tagesschau.de/sendung/tagesschau/index.html

ZDF: www.zdf.de/nachrichten

Urheberrecht
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Grafikquelle      :

Antje-Brunnen in Hamburg-Poppenbüttel des Bildhauers Frijo Müller-Belecke

 


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Pressefreiheit in Ägypten:

Erstellt von DL-Redaktion am 5. April 2020

Höchst unerwünscht

File:Kairo BW 1.jpg

Blick auf Kairo

Aus Kairo Elisa Tomaselli

Trotz Unterdrückung der Presse in Ägypten konnte das Nachrichtenportal „Mada Masr“ weiter arbeiten. Bis es über den Sohn des Präsidenten berichtete.

Doqi, ein Stadtbezirk im Großraum Kairo: Drei kleine Militärposten, wie sie in der ganzen Stadt zu finden sind, säumen hier eine Seitenstraße. Eine ältere Frau mit vio­let­tem Kopftuch und weiter Robe fragt vorsichtig: „Mada Masr?“ Sie zeigt auf die schwarze, verschnörkelte Tür. Diese trennt das unscheinbar wirkende Gebäude vom Straßenlärm Kairos. Es ist Ende Januar.

Im sechsten Stock hängt ein schlichtes Schild rechts neben der Tür – „Mada Masr“, einmal in lateinischen, einmal in arabischen Schriftzeichen –, außerdem eine kleine Glocke. Diese Glocke läutete am 25. November Sturm. Niemand hätte es geahnt, aber wer jeden Tag diese Türschwelle übertritt, muss mit allem rechnen. So sagen es die Menschen, die hier arbeiten.

Sie sind das, was von der unabhängigen Presse in Ägypten übrig geblieben ist. Im Jahre 2013 gegründet, arbeiten heute 35 Journalisten und Journalistinnen für das Nachrichtenportal Mada Masr, auf Deutsch „Die Weite Ägyptens“. Angesichts der um sich greifenden Repression gegen unerwünschten investigativen Journalismus scheinen die, die hier tätig sind, selbst darüber erstaunt, dass sie ihre Arbeit bislang ungehindert ausführen konnten. Das hat sich Ende November 2019 geändert, als sie in den Augen des Regimes von General Abdel Fattah al-Sisi eine rote Linie überschritten.

Am Tag des Besuchs ist von den Geschehnissen nichts zu spüren. Der Redaktionsraum ist an diesem Nachmittag mit etwa zehn Redakteuren gefüllt. Rechts davon führt eine Tür zum Raucherbalkon; dort sitzt ein Mann, gekleidet in eine hellbraune dicke Weste. Er hat seinen Laptop vor sich, der Kaffee hat sich im Glas gesetzt, er zieht an seiner Zigarette.

Der schmächtige Mann namens Shady Zalat mag, so sagt er, diesen Platz hier. Er habe den Eingang des Gebäudes gut im Blick, alle paar Minuten späht er über die hüfthohe Mauer hinunter. Zu tun hat das mit jenem Tag, als der 37-Jährige im Morgengrauen aus seinem Haus abgeführt wurde. Nicht wissend, ob er zurückkehren können würde.

Eine sensible Geschichte

Am 20. November gegen Nachmittag wurde in der Redaktion noch gescherzt. Seitdem Mada Masr den subtilen Angriffen des Regimes ausgesetzt ist, pflegen sie hier einen gewissen Galgenhumor. Jede Geschichte könnte für die Al-Sisi-Administration das Fass zum Überlaufen bringen. An diesem Tag veröffentlichten sie einen Bericht über Mahmoud al-Sisi, einen der Söhne des Präsidenten. „Es war die sensibelste Geschichte, die wir jemals brachten“, erzählt Shadys Kollege Mohamed Hamama. Die Verfasser will er deshalb nicht nennen.

Sensibel, so sagt Hamama, war sie nicht etwa, weil es die bedeutsamste Geschichte war. Was sie so heikel machte, war ihre persönliche Dimension. Mahmoud al-Sisi war als hoher Beamter im ägyptischen Geheimdienst tätig. Weil er die mediale Kontroverse während der kurzen Protestwelle im September 2019 nicht im Griff gehabt habe – dem ägyptischen Geheimdienst (GIS) sollen etliche Zeitungen und Fernsehkanäle gehören –, werde er in die ägyptische Botschaft nach Moskau versetzt, so der Bericht. Andernfalls könnte er dem Image seines Vaters schaden.

„Die Geschichte war solide“, sagt Hamama. Vier Quellen bestätigten die Information; zwei aus dem Geheimdienst. Ein Freund wandte sich kurze Zeit später besorgt an Hamama. „Das werden sie euch nicht durchgehen lassen. Darauf müssen sie reagieren.“ Er sollte recht behalten.

Vier Tage nach der Veröffentlichung versammelte sich die Redaktion um 13 Uhr. Es war ein außerordentliches Treffen. 30 Stunden zuvor wurde im Morgengrauen an die Tür von Shady Zalat geklopft. Die Beamten erklärten seiner Frau, er werde ins Sicherheitsquartier in Gizeh gebracht. Dort kam er allerdings nie an. Oft, so sagt es ­Hamama, habe sich die Redaktion eine Situation wie diese ausgemalt, denn „wer für das Nachrichtenportal arbeitet, setzt sich der Möglichkeit aus, dass so etwas nun mal passieren kann“.

Gefährlich für Journalist:innen

Repressive Gesetze und Schikanen seitens der Regierung ist man bei Mada Masr seit dem Militärputsch gegen den Muslimbruder Mursi im Jahr 2013 gewohnt. Nachdem TV-Kanäle und Zeitungen zusehends von staatlichen Institutionen aufgekauft und hernach gleichgeschaltet wurden – Reporter ohne Grenzen führt Ägypten auf Platz 163 von 180 in der Rangliste der Pressefreiheit –, wurde auch die Lage von Journalisten im Lande gefährlicher. Mittlerweile sitzen 24 Journalisten und vier Blogger in Haft, viele wissen nicht einmal, was ihnen vorgeworfen wird.

Abgeschaltet wurde Mada Masr zwar nicht, auf die Website gelangt man seit 2017 trotzdem nicht. Sie wurde gesperrt und ist seither nur via Facebook oder mittels technischer Hilfsmittel wie VPN oder sogenannter Mirrorsites abrufbar. „Wir sind sogar vor Gericht gegangen, um zu sehen, wer uns blockiert hat“, sagt Mohamed Hamama. Gebracht hat das allerdings nichts, bis heute haben sie keine Antworten.

Quelle      :        TAZ            >>>>>          weiterlesen

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Grafikquelle :      Kairo, gesehen vom Minarett der Ibn Tulun Moschee

Author Berthold Werner

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DL – Tagesticker 05.04.2020

Erstellt von DL-Redaktion am 5. April 2020

Direkt eingeflogen mit unseren Hubschrappschrap

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Achtung – Aufgewacht heißt noch lange nicht – Aufgestanden ! Dazu werden sich die letzten Hinterbänkler der Partei-Mafiosi wohl noch etwas mehr Zeit lassen. Ein Minister wurde noch nicht als Opfer der Corona-Krise gemeldet ! Die waren alle schon zuvor entkernt worden.

Mittelmeer:

1.) UN fordert neue EU-Mission zur Seenotrettung von Flüchtlingen

Menschen in Seenot lasse man nicht alleine, mahnt der Chef des UN-Flüchtlingshilfswerks in Deutschland. Wie die Migranten verteilt werden, müsse erneut vereinbart werden. Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR fordert neue Anstrengungen der Europäischen Union zur Rettung von Migranten aus dem Mittelmeer. „Es ist ein uraltes, unpolitisches Prinzip, dass man Menschen in Seenot nicht allein lässt“, sagte der Vertreter des UNHCR in Deutschland, Frank Remus. Es brauche deshalb eine neue EU-Mission, die auch die Rettung von Migranten vorsehe.

Zeit-online

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Ist das nicht eine normale Folge, wenn sich die komplette Opposition des Bundestages den ihnen zustehenden Aufgaben verweigert? Wo bleiben die Widersprüche zur massiven Freiheitsberaubung durch eine unmündige Regierung ? Unter Wagenknecht kam nichts – heute kommt gar nichts mehr!

Welche Parteien profitieren?

2.) Berliner CDU erfährt in der Corona-Krise mehr Zuspruch

Eine Civey-Umfrage sieht die Berliner FDP nur noch knapp über fünf Prozent – auch Grüne und Linke sinken in der Wählergunst. Seit Anfang März, als in Berlin die ersten Coronafälle bekannt wurden, hat sich auch die politische Landschaft verändert. Die Berliner CDU profitiert deutlich vom Aufschwung der Union im Bund, deren Krisenmanagement von den Wählern offenbar stark honoriert wird. Nach einer Umfrage des Instituts Civey für den Tagesspiegel erhöhten sich die Umfragewerte der Landes-CDU im „Corona-Monat“ März von 16,1 auf 20,0 Prozent. Das ist zwar nur halb so viel wie CDU/CSU auf Bundesebene dazugewinnen konnten – aber immerhin. Grüne und Linke verloren dagegen Stimmen. Im Vergleich der Umfrage-Stichtage 1. März und 1. April sanken die Berliner Grünen in der Wählergunst um 1,5 Prozent, liegen mit 23,5 Prozent aber trotzdem noch klar vor den anderen Parteien.

Tagesspiegel

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Feiert sie jetzt in Oberammergau, in der Rolle der Maria Magdalena die Fortsetzung der Auferstehungsgeschichte : „Wie es mir gelang mit Jesus zu den Katarern in Süd-Frankreich zu flüchten !“ So durchlebte denn eine Jede ihre Enthaltsamkeit in der persönlichen Quarantäne?

Corona-Krise

3.) Merkel nach Corona-Quarantäne: Erleben Ostern wie nie zuvor

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat alle Bürger aufgefordert, sich auch an Ostern und in den Ferien an die Kontaktbeschränkungen zur Eindämmung der Corona-Epidemie zu halten. Die CDU-Politikerin sagte am Freitag in ihrem wöchentlichen Podcast, sie könne noch keine Stichtage für ein Ende der Anordnungen nennen. Dies wäre in der jetzigen Situation auch unverantwortlich. Sie versicherte aber, dass die Bundesregierung und sie persönlich alles in ihrer Macht Stehende tun, um die Maßnahmen möglichst bald zurückfahren zu können. Derzeit stiegen aber die Infizierten-Zahlen noch zu stark an. Es stimme zwar, dass jüngste Zahlen des Robert-Koch-Instituts ein wenig Hoffnung machten. „Aber es ist definitiv viel zu früh, um darin einen sicheren Trend zu erkennen.“

PNP

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Da ich nur ca. zehn Personen persönlich kenne, – im Saarland aber mehr als 31 Menschen leben – sind vermutlich viele verzogen, – wegen Lafo, seiner Karre und die Krampe ?

Gesundheit

4.) 1410 Corona-Infizierte im Saarland: 21 Tote

Die Zahl der bestätigten mit dem Coronavirus-Infizierten ist im Saarland auf 1410 gestiegen – und die Zahl der Todesfälle auf 21. Das teilte das Gesundheitsministerium am Samstagabend in Saarbrücken mit (Stand: 18.00 Uhr). Damit gab es 92 Infizierte und einen Todesfall mehr als am Freitag. Von den positiv bestätigten Fällen seit dem ersten Auftreten des Virus im Saarland gelten den Angaben zufolge insgesamt 144 Personen inzwischen als geheilt. Von den an dem Virus erkrankten Menschen werden derzeit 160 stationär behandelt – 47 davon intensivmedizinisch.

Focus

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Wer ist denn von Schwarz-Gelb einer Epidemie zu Opfer gefallen ? Aber eine schöne Beerdigung sollte er schon haben zumindest wenn er Lindner heißt !

Schwarz-Gelb plant NRW-Epidemie-Gesetz:

5.) Experten äußern Kritik

Angesichts der rasanten Ausbreitung des Coronavirus will die schwarz-gelbe Koalition ein NRW-Epidemie-Gesetz verabschieden. Die Opposition stoppte das. Deswegen äußern Experten Bedenken. Das von der schwarz-gelben Landesregierung geplante Epidemie-Gesetz für NRW ist bei Experten auch auf Kritik und Skepsis gestoßen. In Stellungnahmen für eine Anhörung im Gesundheitsausschuss des Landtags am kommenden Montag (6. April) äußerten Vertreter von Pflegern, Ärzten, Gewerkschaften und Kommunen sowie Rechtswissenschaftler Bedenken.

Dorstener-Zeitung

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Gestern, am späten Nachmittag erhielt ich die Nachricht das in Afrika in mehreren Ländern Corona-Schutzimpfungen an Menschen Probeweise durchgeführt werden! Die Weißen arbeiten wie immer sehr gründlich.

Coronavirus:

6.) Afrika steht allein am Abgrund

Während der Rest der Welt mit sich selbst beschäftigt ist, wartet Afrika auf die Katastrophe. Noch lässt sich das Schlimmste verhindern, doch der Kontinent braucht die Hilfe der internationalen Gemeinschaft. Es klingt wie ein Witz. Auf Postern, Zetteln und per Internet werden Millionen Afrikaner gerade dazu aufgerufen, die Ausgangssperre zu beachten, doch bitte mindestens zwei Meter Abstand zu halten zu ihren Mitmenschen und sich mindestens alle 20 Minuten die Hände zu waschen. Viele lesen die Nachrichten in den engen Gassen ihrer Slums oder in den kleinen Blechhütten, in denen sie zu sechst oder auch zu acht leben. Sie sehen die Poster auf dem Weg zu den wenigen Wasserhähnen, die es in ihren Slums gibt und vor denen sie in einer Schlange anstehen müssen. Sie denken sich, das ist doch ein Witz. Manche sagen es laut: Das ergibt keinen Sinn. Wir werden sterben wie die Fliegen.

Sueddeutsche-Zeitung

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„Zehntausende Menschen sterben in überfüllten Kliniken, weil sie nicht verstehen,“

7.) dass das Coronavirus völlig harmlos ist

 Er gilt als Deutschlands umstrittenster Arzt: Wolfgang Wodarg behauptet seit Beginn der Corona-Pandemie unermüdlich, dass die Reaktionen von Politik und Wissenschaft auf das Coronavirus überzogen sei. Wie gefährlich die Hysterie inzwischen sei, zeige sich seiner Meinung nach besonders beim Blick in Länder wie Italien, Spanien oder die USA. „In diesen Ländern sterben gerade zehntausende Menschen in völlig überlasteten Kliniken, weil sie nicht verstehen, dass das Coronavirus völlig harmlos ist“, erklärt Wodarg gegenüber dem Postillon. „Diese Menschen müssten nicht sterben, wenn sie meine Videos ansehen würden und aus meinen klugen Erklärungen lernen würden, dass das Coronavirus ungefährlich ist. Ihre Lungen hören aus Unwissenheit auf zu funktionieren. Die Gesundheitssysteme eines Landes nach dem anderen kollabieren, weil niemand erkennt, dass da eigentlich gar nichts los ist.“

Postillon

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Anregungen nehmen wir gerne entgegen

Treu unserem Motto: Es gibt keine schlechte Presse, sondern nur unkritische Leser

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Grafikquellen        :

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