DEMOKRATISCH – LINKS

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RENTENANGST

Archiv für März 12th, 2020

Linke muss gehört werden

Erstellt von DL-Redaktion am 12. März 2020

„Wir müssen so sprechen, dass uns alle verstehen“

2019-04-12 Amira Mohamed Ali MdB by Olaf Kosinsky-0330.jpg

Das Interview mit Frau Muhmad Ali

führten Anna Lehmann und Stefan Reinecke

Amira Mohamed Ali ist seit 2017 Berufspolitikerin und schon Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag. Die Oldenburgerin findet, dass ihre GenossInnen sich mehr Gedanken machen sollten, wie sie Menschen erreichen.

taz: Frau Mohamed Ali, Sie haben in Hamburg die Gelehrtenschule des Johanneums besucht und dort Latein und Altgriechisch gelernt …

Amira Mohamed Ali: Wir mussten beide Sprachen belegen. Aber Altgriechisch habe ich abgewählt, sobald ich konnte.

Und später haben Sie Jura studiert und als Juristin gearbeitet. Alles in allem: ein bürgerlicher Lebenslauf. Warum sind Sie 2015 ausgerechnet in die Linkspartei eingetreten?

Ich komme aus einem SPD-Haushalt. 1998, als ich zum ersten Mal stimmen durfte, habe ich Gerhard Schröder gewählt, weil ich dachte: Jetzt kommt ein linker Aufbruch. Aber die Agendapolitik hat mich enttäuscht. Als die Linke gegründet wurde, war mir klar, das ist meine Partei. Die Linke ist die einzige Partei, die ernsthaft soziale Politik macht.

Die Linke war die Anti-Hartz-IV-Partei. Heute ist nicht mehr ganz klar, wofür die Linke denn eigentlich steht. Sie selbst haben das bei der Strategiekonferenz in Kassel jüngst so kon­sta­tiert.

Ja, wir sollten unsere Botschaften klarer vermitteln. Wir verwenden zu viel Zeit darauf, zu definieren, was wir wollen, und zu wenig darauf, wie wir es erreichen und vermitteln.

Braucht es eine prägnantere Sprache? Die Linke soll nicht mehr prekäre Arbeit kritisieren, sondern sagen: Keine Scheißjobs?

Besser wäre es, von schlecht bezahlter, unsicherer Arbeit zu reden. Eine Freundin von mir ist Lehrerin – selbst sie wusste nicht, was prekäre Arbeit bedeutet. Manche Begriffe, die uns selbstverständlich erscheinen, sind es für viele Menschen nicht. Wir müssen so sprechen, dass alle uns verstehen.

Sehen Sie das jetzt schärfer, weil Sie erst seit Kurzem professionelle Politikerin sind?

Das kann sein. Ich habe, ehrlich gesagt, bei einigen parteiinternen Debatten manchmal selbst Schwierigkeiten, die Begriffe des linken internen Diskurses zu verstehen. In unserer Partei gibt es teilweise eine zu komplizierte Sprache, die ausgrenzt. Einige trauen sich dann nicht mitzureden, weil sie fürchten, in den Debatten nicht mithalten zu können. Das sollte sich ändern.

In ihrem Wahlkreis Oldenburg-Ammerland und seitdem Sie 2017 im Bundestag sind, haben Sie sich eher mit grünen Themen befasst: Tierwohl, Landwirtschaft und der Blaualgenplage etwa. Warum sind Sie nicht zu den Grünen gegangen?

Ich habe ja gerade erklärt, dass es die sozialen Fragen waren, die mich zur Linken gebracht haben, und da kommt für mich keine andere Partei infrage. Es waren auch die Grünen, die damals mit der SPD die Agenda 2010 eingeführt haben. Für mich waren die Grünen immer zu beliebig. Sie würden auch im Bund mit CDU und FDP koalieren. Im Parlament habe ich teilweise aber ein positiveres Bild von den Grünen gewonnen.

Tatsächlich. Weshalb?

Im Agrarausschuss habe ich sehr engagierte Grüne kennengelernt, mit denen ich inhaltlich oft auf einer Linie bin. Wir stimmen regelmäßig gegenseitig unseren Anträgen zu.

Welche Schnittmengen gibt es zwischen Grünen und Linkspartei?

Wir wollen beide zum Beispiel den Klimawandel aufhalten und von der industriellen Massentierhaltung wegkommen. Allerdings geht es den Grünen nicht darum, das System an sich zu ändern, das kapitalistische Wirtschaftssystem, das auf Profit um jeden Preis ausgerichtet ist. Das halte ich für falsch, denn das ist dringend notwendig.

Sind die Grünen denn ein Bündnispartner für die Linke?

Potenziell ja, so wie auch die SPD. Aber in einem möglichen Bündnis muss ein echter Politikwechsel erkennbar sein. Über die Schrittlänge können wir reden, aber die Richtung muss stimmen. Und: SPD und Grüne müssen sich von der Agenda abwenden.

Die Sozialdemokraten haben doch schon jetzt eine Kernforderung der Linkspartei übernommen – 12 Euro Mindestlohn.

Aber das reicht noch nicht. Auch wenn die neuen Parteivorsitzenden der SPD etwas Hoffnung wecken. In einer Regierung müssten wir das Leben der Menschen erkennbar verbessern. Also höhere Löhne, keine Leiharbeit mehr, sichere Arbeitsplätze, statt befristete Beschäftigungen – um ein paar Beispiele zu nennen.

Parteitages der Partei DIE LINKE 2019, Bonn.2.jpg

Da laufen Sie bei der SPD halb offene Türen ein.

Ich hoffe das. Ich hoffe, dass die SPD zu ihren sozialdemokratischen Wurzeln zurückfindet. Über den Niedergang der SPD habe ich mich nie gefreut.

Sind Grüne und SPD überhaupt offen für Rot-Rot-Grün?

Ich erlebe da eine grundsätzliche Offenheit.

Wo muss die Linkspartei sich bewegen, um für Grüne und SPD regierungsfähig zu sein?

Was meinen Sie genau?

Etwa die Außenpolitik.

In der Außenpolitik müssen wir bei unseren Zielen bleiben: keine Aufrüstung, keine Kriegseinsätze.

Meinen Sie Kriegs- oder Auslandseinsätze?

Unser Erfurter Parteiprogramm lehnt Kriegseinsätze klar ab und will die Bundeswehr aus allen Auslandseinsätzen zurückzuholen.

Die Bundeswehr ist derzeit an elf Auslandseinsätzen beteiligt, deren Mandate jedes Jahr im Parlament verlängert werden. Wäre eine komplette Beendigung der Auslandseinsätze eine Bedingung für eine Regierungsbeteiligung der Linken?

Quelle         :          TAZ          >>>>>          weiterlesen

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Grafikquellen       :

Oben       —       Amira Mohamed Ali, Mitglied des Deutschen Bundestages, während einer Plenarsitzung am 11. April 2019 in Berlin.

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Unten         —        Parteitag der Linkspartei in Bonn. 2. Tagung des 6. Parteitages der Partei DIE LINKE, 22. und 23. Februar 2019, Bonn.

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Freiheit für Öcalan

Erstellt von DL-Redaktion am 12. März 2020

Die Karawane der Wahrheitssuchenden

File:Gezi parkı 2013-06-08 (40).jpg

Quelle   :       untergrund-blättle  CH.

Von Kerem Schamberger – kritisch-lesen.de

Internationale Initiative ›Freiheit für Öcalan – Frieden in Kurdistan‹ : Das freie Leben aufbauen. In einem kollektiv herausgegebenen Sammelband antworten TheoretikerInnen aus der ganzen Welt auf die Schriften Abdullah Öcalans.

Die Schriften Abdullah Öcalans verbreiten sich trotz Verbot und Zensur. In einem Sammelband wird ihm nun erstmals geantwortet: „Das freie Leben aufbauen – Dialoge mit Abdullah Öcalan“ ist im Unrast Verlag erschienen. Intellektuelle aus der ganzen Welt beschäftigen sich mit den Thesen des PKK-Gründers und Theoretikers Öcalan und antworten aus ihrer jeweils eigenen Perspektive. Mit dabei sind Immanuel Wallerstein, Antonio Negri, David Graeber, Radha D´Souza, Arnaldo Otegi, Fabian Scheidler, Muriel González Athenas, Norman Paech, Michael Panser und viele mehr.

Die Publikationsaktivitäten der Internationalen Initiative „Freiheit für Öcalan – Frieden in Kurdistan“ laufen damit in hohem Tempo weiter. 2017 erschien mit „Zivilisation und Wahrheit“ Band I des Manifests der demokratischen Zivilisation. Damals noch im Mesopotamien Verlag, der mittlerweile verboten und dessen Buchbestand seit fast zwei Jahren beschlagnahmt ist. Im März 2019 wurde Band II veröffentlicht, „Die kapitalistische Zivilisation“ (Rezension in Ausgabe #51). Diesmal wird im Unrast Verlag publiziert, der zusammen mit den Verlagen Mandelbaum (Österreich) sowie Edition 8 (Schweiz) und einer Reihe von Einzelpersonen im Herbst 2019 die „Edition Mezopotamya“ herausgebracht hat, in der sich die meisten Bücher des verbotenen Mesopotamien-Verlags wiederfinden. Die Zensur von Innenminister Horst Seehofer wurde damit erfolgreich unterlaufen. Im Oktober 2019 erschienen nun zudem die „Dialoge“, die deutlich machen, dass sich Menschen weltweit mit den Thesen Öcalans auseinandersetzen.

Über die Gefängnismauern hinaus

Die Bücher des Theoretikers und Gründers der Arbeiterpartei Kurdistans stellen eine holistische Gesellschaftsanalyse dar, die nicht nur im Regal verstauben, sondern Wirkung entfalten soll. Eine Theorie des Handelns, die in Rojava bereits ihre Blüten trägt (und deshalb starken Attacken ausgesetzt ist, wie der derzeitige türkische Angriffskrieg auf die Region zeigt). Doch: Eine jede gesellschaftliche Grosstheorie lebt vom intellektuellen Austausch und Diskussion.

Nur so kann sie weiterentwickelt und Fehler korrigiert werden. Schwierig, in einer Situation, in der der Autor seit 20 Jahren auf einer einsamen Insel eingesperrt ist. Isoliert von der Aussenwelt, nur mit einer begrenzten Anzahl von Büchern und ohne Internetzugang. Seine Ideen konnten nur in Form von sogenannten Verteidigungsschriften als Einreichungen an den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte aus dem Gefängnis „geschmuggelt“ werden. Anschliessend wurden sie von der Internationalen Initiative aufbereitet, übersetzt und veröffentlicht. Und sie erhalten nun Antwort: 20 namhafte AutorInnen setzen sich mit dem „Demokratischen Konföderalismus“ und der historischen Gesellschaftsanalyse des kurdischen Vordenkers auseinander.

Und sie vereinen das, was Öcalan seit zwei Jahrzehnten verwehrt ist: die Verbindung von theoretischer Reflexion und Praxis. Sie alle versuchen, ihr Denken an der Realität zu überprüfen. Graeber bei Occupy Wallstreet, Paech im Bundestag für die Linkspartei, Scheidler mit seinem Medienprojekt Kontext TV, Otegi als baskischer Aktivist in den Gefängnissen Spaniens und Panser, der als Wahrheitssuchender von Deutschland in die Berge Kurdistans ging und dort am 14. Dezember 2018 bei einem türkischen Luftangriff getötet wurde.

Im Buch sind Pansers Gedanken als „Fragmente einer Philosophie der Befreiung“ wiedergegeben. Er beschäftigt sich mit dem „Spannungsfeld von Wissen, Macht und Wahrheit“ (S. 324). Ganz wichtig dabei: „Nomadisches Denken“, das Bewegung beinhaltet und die eigene Position frei von Dogmatik hält. Panser verbindet dabei den Foucaultschen Zugang zur Macht mit Öcalan: „Die Macht an sich ist nicht gut oder böse, sie beschreibt zunächst einmal die Möglichkeit eines Subjekts innerhalb eines Systems, sich zu bewegen“ (S. 325). Herrschaft hingegen ist die Konzentration von Macht, „oder präziser (…) Definitionsmacht“ (S. 326). Mit ihr werden Bedeutungsrahmen gesetzt, die akzeptiert werden müssen. Wenn nicht, folgt der Ausschluss. Allerdings, so macht der Autor deutlich: wo es Herrschaft gibt, gibt es auch Widerstand, der vor allem mit „Selbstermächtigung und der Aneignung eigener Wahrheitszugänge“ (S. 327) geführt werden müsse. Das vorliegende Buch stellt eine solche Aneignung dar.

Wer die Zukunft gewinnen will, muss die Gegenwart verändern und dafür die Geschichte kennen. Der anarchistische Professor Andrej Grubačić beschäftigt sich deshalb in seinem Debattenbeitrag mit den Ideen des Sozialisten Svetozar Marković (1846-1875), der in den letzten Monaten seines kurzen Lebens im Gefängnis einen „demokratischen Kommunalismus“ (S. 158) entwickelte und für eine Balkan-Föderation, als „eine nichtstaatliche Föderation aller Völker des Balkans“ (ebd.) plädierte. Die Anschlussfähigkeit an das Denken Öcalans liegt auf der Hand. Beide treten für „die Fragmentierung des Nationalstaats in nicht-staatliche Gemeinschaften und Gemeinden ein“ (S. 169).

File:Abdullah Öcalan.png

Die Anwältin, Professorin und Aktivistin Radha D´Souza beschäftigt sich mit dem kolonialen Erbe des Mittleren und Fernen Ostens und fragt sich, was es bedeutet, als Frau aus Südasien Öcalan zu lesen. Sowohl er als auch sie seien gezwungen, mit dem Vokabular und den DenkerInnen des Westens (etwa mit Marx, Weber, Bookchin, Foucault) zu argumentieren, um überhaupt mit potentiellen „Adressaten im Mittleren Osten oder in Südasien kommunizieren zu können“ (S. 142): „Wer würde verstehen, wenn ich von Schah Waliullahs (1703-1762) Werk über den Aufstieg und Niedergang von Imperien und seine Staatstheorien sprechen würde?“ (ebd.).

Öcalan greife hingegen eine Theorietradition des Ostens auf, indem er die westliche Trennung von Subjekt und Objekt zu überwinden versuche und „eine nicht-dualistische Herangehensweise“ vorschlage: „Konflikte und Kämpfe dürfen nicht verleugnet werden, aber dabei sollte die grundlegende Einheit der Welt ebenfalls anerkannt werden“ (S. 150). Konflikte verlaufen zudem nicht nur zwischen Arbeit und Kapital, sondern vor allem zwischen „einem repressiven Staat, der politische und ökonomische Macht in sich konzentriert, und den Kämpfen der Gemeinschaften um ihr Überleben“ (S. 146). Diese finden sich in sämtlichen Zivilisationen der letzten 5000 Jahre und bis heute sind Stränge solidarischen Zusammenlebens in den Gesellschaften vorhanden. Diese gelte es wiederzuentdecken und zu beleben – insbesondere im Osten, in dem der innere Zusammenhalt von Gemeinschaften zwar verschüttet, aber dennoch immer vorhanden sei, so D´Souza.

Jeder Beitrag der Dialoge lässt sich mit Gewinn auch für die eigenen Kämpfe lesen; etwa, wenn die Feministin Muriel González Athenas die „Naturalisierung der Zweigeschlechtlichkeit“ (S. 122) in Öcalans Denken kritisiert. Denn auch das ist Teil des Bandes: Widerspruch von AutorInnen, die sich in der Materie oder aufgrund ihres Literaturzugangs auf gewissen Feldern einfach besser auskennen als der Vordenker der kurdischen Freiheitsbewegung und seine Werke aus einer solidarisch-kollegialen Perspektive kritisieren und damit weiterentwickeln. Man kann nur hoffen, dass ihm die Dialoge schnellstmöglich in die Zelle zugestellt werden. Einen entsprechenden Antrag haben seine Anwälte bereits vor Monaten gestellt, ohne Rückmeldung der türkischen Behörden.

Am Ende der Dialoge antwortet „[a]nstelle eines Nachworts“ (S. 333) der Meister persönlich. Abdullah Öcalan dankt auf zwei kurzen Seiten den AutorInnen für ihre Mühe: „Als Wahrheitssuchende der Universalität grüsse ich Sie mit tiefem Respekt“ (S. 334). Seine Wortmeldung ist nur möglich, weil er im Juni 2019, nach acht Jahren totaler Isolation, das erste Mal wieder mit seinen AnwältInnen sprechen konnte und sie diese Nachricht von der Gefängnisinsel İmralı übermittelten. Bislang hatte Öcalan keine Möglichkeit, auf die Debattenbeiträge einzugehen, weil ihm das Buch selbst von der Gefängnisleitung noch nicht ausgehändigt wurde. Und so umreisst er kurz den Zweck seiner gesamten Arbeit: „[D]en Sozialismus aus der Perspektive des Nahen Ostens zu entwickeln“ (S. 334).

File:Demokratik İslam Kongresi, 2014.jpg

Ein grosses Ziel, das nur durch kollaborative und kollektive Wissensarbeit erreicht werden kann. Mit den „Dialogen“ ist ein erster grosser Schritt getan, um der Karawane der Wahrheitssuchenden einen möglichen Weg aufzuzeigen. Und im Jahr 2020 wird die Veröffentlichung des dritten Teils des fünfbändigen Manifests, die „Soziologie der Freiheit“ erwartet. WissenschaftlerInnen und AktivistInnen dürfen gespannt sein.

Internationale Initiative ›Freiheit für Öcalan – Frieden in Kurdistan‹ (Hg.): Das freie Leben aufbauen. Dialoge mit Abdullah Öcalan. Unrast Verlag, Münster 2019. 336 Seiten. ca. 24.00 SFr., ISBN: 978-3-89771-076-4

Dieser Artikel steht unter einer Creative Commons (CC BY-NC-ND 3.0) Lizenz.

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Grafikquellen       :

Oben      —       Gezi parkı

Author Burak Su
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2.) von Oben      —        Abdullah Öcalan, founder of the PKK.

Source Archive of the International Initiative „Freedom for Abdullah Ocalan – Peace in Kurdistan“
Author Halil Uysal
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Unten           —     Abdullah Öcalan’ın çağrısıyla 10-11 Mayıs 2014 tarihlerinde gerçekleşen ilk Demokratik İslam Kongresi’nden bir kare.   / 11 May 2014

Source http://www.amerikaninsesi.com/content/ocalandan-demokratik-islam-acilimi/1912275.html
Author Xecican Farqin
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Corona und soziale Medien

Erstellt von DL-Redaktion am 12. März 2020

TikTok-Tänze retten plötzlich Menschenleben

Eine Kolumne von Sascha Lobo

Huch, hier gibt es ja doch Empathie, Solidarität und Menschlichkeit? In der Coronakrise finden soziale Medien ihre Rolle als informationelles Immunsystem der Welt.

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Staatsfeind Julian Assange?

Erstellt von DL-Redaktion am 12. März 2020

WDR/NDR liefern die „ausgewogene“ Version

Reunión con Julian Assange.jpg

Quelle      :       Scharf  —  Links

Von Hannes Sies

In der ARD gelten WDR und NDR als so etwas wie halblinke Feigenblätter am stramm rechtsmittigen Stamm. Sie haben jetzt eine aktuelle Assange-Dokumenation vorgelegt, die offenbar als so wenig auf ARD-Linie bewertet wird, dass sie bislang m.W. nur Spartensender Phoenix nachts um 2:15 Uhr senden durfte. Tatsächlich werden einige Pro-Assange-Statements berücksichtigt, die man so noch nicht sah. Aber in der Hauptsache bleibt man wider besseres Wissen bei der Linie der Verleumdung, dass gegen Julian Assange ein „Vergewaltigungsverdacht“ bestünde.

Fakt ist aber: Die seit zehn Jahren vom Medienmainstream wie eine Monstranz vor jeder Meldung über Julian Assange hergetragene stigmatisierende Behauptung, gegen den WikiLeaks-Gründer bestünde ein „Vergewaltigungsverdacht“, ist widerlegt. Der UN-Sonderberichterstatter für Folter, Prof. Nils Melzer, erbrachte als neutraler und hochkompetenter Sachverständiger stichhaltige Beweise, dass die schwedische Justiz Zeugen beeinflusst und Vernehmungsprotokolle manipuliert hat, um die Verleumdung „Vergewaltigungsverdacht“ zu konstruieren.

Beweise gefälscht für Hasskampagne gegen Assange

Es wurden mithin von der schwedischen Staatsanwaltschaft Beweise gefälscht, um eine boshafte Lüge in die Welt zu setzen, mit der, so die Experten-Meinung von Prof. Melzer, eine Hetzkampagne gegen den Dissidenten Julian Assange lanciert wurde. Diesen Kern der vorliegenden Sachlage haben auch WDR und NDR in ihrer Assange-Doku weiter verschwiegen. Dabei ließ das Filmemacher-Duo Elena Kuch und Robert Holm den Experten Prof.Melzer mehrfach als Zeugen pro-Assange auftreten. Halten Kuch und Holm Melzers Darlegung zur Vergewaltigungs-Justiz-Intrige für unwichtig? Für nicht glaubwürdig genug? Oder fehlte ihnen das Rückgrat, um von der verleumderischen Hauptlinie der ARD abzuweichen? Das Allermindeste wäre doch wohl gewesen, die Erkenntnisse Prof.Melzers darzulegen, als eine von zwei Seiten der schwierigen Wahrheit.

Doch die Sendeanstalt ARD hat sich bis zuletzt (als die Fakten des Melzer-Berichts längst bekannt waren) an dieser Hetzkampagne beteiligt und Assange in ihrer 20-Uhr-Hauptausgabe der wichtigsten Nachrichtensendung Tagesschau weiter unter den konstruierten „Vergewaltigungsverdacht“ gestellt. Nils Melzer ist als Schweizer Jura-Professor langjährig anerkannter Spezialist für die wissenschaftliche Analyse von Staatsverbrechen und Unrechtsjustiz im Dienst neben der UNO auch des IRK. Auch das verschweigt das Duo in seiner Assange-Doku, welche Melzers bahnbrechende Erkenntnisse offenbar in einem Schwall ablenkender Desinformation verschwinden lassen wollte. Dabei rutschten freilich etwas mehr mutmaßlich „verbotene“ Informationen als üblich durch die natürlich, weil illegal, nicht existieren dürfende (Selbst-?) Zensur der ARD (-Mitarbeiter). Fast als Schlusswort (es folgt noch ein laues Lamento Edward Snowdens für die Pressefreiheit) darf Prof. Melzer folgende erstaunliche Worte in die Kamera sprechen:

„Es ist natürlich leichter, ein Exempel zu statuieren und alle Menschenrechte zu verletzen, wenn es eine Person betrifft, die niemand mag. Also das Image von Julian Assange zu untergraben und zu zerstören, ihn zu beflecken mit Sexualvorwürfen, mit shady-hacker-Vorwürfen, und so Halbwahrheiten zu verbreiten. Und wir absorbieren das durch die Presse und dann tolerieren und akzeptieren wir eher, dass man ihn misshandelt.“ Prof. Nils Melzer WDR/NDR-Doku

Prof.Melzer, der zuvor besagte „Sexualvorwürfe“ als auf gefälschten Beweisen basierende Verleumdung zwecks einer Hetzkampagne enthüllt hatte, meinte dies als Analyse der Medienwirkung solcher Hetzkampagnen. Da die Doku diese gefälschten Beweise jedoch verschwieg und auch zu Melzers Analyse nicht weiter Stellung nimmt, wird etwas anderes daraus: Eine zynisch die verlogene Hetze bejahende Haltung heimlicher Schadenfreude? Oder eine sich der eigenen Gleichschaltung mit zynischen Medienmachthabern bewusste rückgratlose Resignation? Oder ist es am Ende ein Hilfeschrei? Eine in den Mund Prof.Melzers gelegte heimliche Botschaft aus dem öffentlich-rechtlichen Medienknast: „Ja, genau so wie Melzer sagt, als mediale Helfershelfer der Folterschergen von Belmarsh müssen wir hier in der ARD arbeiten, bitte helft uns!“?

Moralisieren statt informieren

Die 43 Minuten vor diesen letzten beiden Minuten, die ein Bröckchen Halbwahrheit preisgaben, ritt die Doku aber auf dem konstruierten „Vergewaltigungsverdacht“ herum. Sie trichterte den Zuschauern die perfide Verleumdung sogar in einem besonders verlogen-moralisierenden Framing ein: Erst lassen die Doku-Macher den Vater von Julian Assange sagen, er hätte den Sohn doch vor dem Schweden-Trip noch gewarnt, Julian solle vorsichtig sein, dann sagen sie selbst als Stimme aus dem Off:

„Assange ist nicht vorsichtig. In Schweden hat er Sex mit zwei Frauen, offenbar ohne Kondom. Die Frauen gehen zur Polizei, wollen Assange nur zu einem HIV-Test zwingen. Die Polizei sieht aber einen Verdacht auf Vergewaltigung und sexuellen Missbrauch. Es dauert nur einen Tag und die Story vom Vergewaltiger Assange ist in der Welt. Diesen Vorwurf wird er nie wieder los.“

Warum wird er ihn nicht wieder los? Nicht zufällig weil verlogene Journalisten die Intrige verschweigen und die erlogene Verleumdung immer wieder gebetsmühlenhaft wiederholen? So auch diese Doku selbst, und das an noch zwei weiteren Stellen der Sendung. Dazu kommt: Zuvor moralisiert die WDR/NDR-Doku schon in der 10.Minute, der Vater habe ihn ja gewarnt. Botschaft: Selber schuld, Julian Assange? Die Doku klebt also am verlogenen, dämonisierenden Bild, das die Mainstream-Medien seit zehn Jahren vom WikiLeaks-Gründer propagieren, offensichtliches Ziel: Von seinen Enthüllungen über Kriegsverbrechen und Menschenrechtsverletzungen der Nato-Staaten, allen voran die USA und Großbritannien, ablenken.

Hier macht die Doku zwar ein paar Pluspunkte, zeigt das Video „Collateral Murder“, den medialen Geniestreich, mit dem WikiLeaks 2010 die gleichgeschalteten Westmedien aus ihrem Tiefschlaf weckte. Die hatten bis dahin immer nur berichtet: Wir, der Westen, sind die Guten, die anderen sind die Bösen, die Kinder schlachten. Darum müssen wir, der Westen, leider Gewalt anwenden gegen die Bösen, egal ob mit oder ohne UN-Mandat.

„Collateral Murder“ zeigte „die Guten“ nun, wie sie unter perversem Lachen Zivilisten, darunter Kinder feige abschlachteten mit dem zynischen Kommentar: „Was schleppen die auch ihren Nachwuchs auf unser Schlachtfeld“ (mitten im völkerrechtswidrig von den USA besetzten Bagdad). Für diese Wahrheit, die Assange dem Westen als Spiegel vorhielt, hassten ihn alle Vertreter der Mordmaschinerie, zu welcher sich wohl auch in der ARD einige zugehörig fühlen. Bis heute. Denn die hier besprochene Doku wird dort mit folgenden, herablassenden Worten über Julian Assange, derzeit laut Prof.Melzer selbst Folter-Opfer in Belmarsh, zynisch präsentiert:

„Die Überschriften auf seiner (Julian Assanges) Präsentation waren selbstbewusst geraten. ‚Die Welt durchschütteln‘ stand zum Beispiel darauf. Dies war der 26C3, der Chaos Comunications Congress, das europaweit größte Treffen der Hackerszene und Julian Assange mit seinem weißen, kinnlangen Haar sah eher aus wie ein Jüngelchen als wie jemand, der die Welt durchschütteln würde. Da hatte er aber bereits damit angefangen.“ ARD

https://www.daserste.de/information/reportage-dokumentation/dokus/sendung/doku-julian-assange-100.html

Durchgeschüttelt hat das neue Enthüllungsmedium WikiLeaks ja vor allem rückgratlose Tendenzberichterstatter wie jene in der ARD, die sich hier offenbar auf billigste Weise durch die Beleidigung „Jüngelchen“ rächen wollen. Ihre Rache gilt dem bedeutendsten Enthüllungs-Journalisten des 21.Jahrhaunderts, der ihre Beschönigungen Dutzender brutaler Kriege Lügen strafte. Die Doku versammelt denn auch im üblichen Stil wirr zusammen geschnippelte Statements pro- und contra-Assange.

Davide Dormino - Anything to say.jpg

Doch die Contras überwiegen und die Pros sind oft relativiert, durch Framing vergiftet und werden im Schwall der Desinformation versenkt. Natürlich darf Donald Trump wieder sein „I love WikiLeaks“ trompeten, hinterher wird (mit klammheimlicher Schadenfreude?) berichtet, Trump wollte nach seiner Wahl aber nichts mehr von Assange wissen. Snowden und WikiLeaks-Chef Hrafnsson dürfen hie und da Pro reden, aber viel deutlicher sind Hillary Clinton, CIA-Boss Pompeo und sein Terror-beauftragter Daniel Benjamin mit ihren Hasstiraden gegen Assange und WikiLeaks zu vernehmen: Ein feindlicher Geheimdienst! Spion!Feind der ganzen westlichen Welt! Man darf diese Dämonen nicht vergöttern! Usw. usf. Vor allem Terror-Mann Benjamin liefert der Doku den roten Faden, Assange sei ein Spion, wer mit dem Feuer spielt, wird verbrannt, und er wird Assange keine Träne nachweinen. Da wird der Justiz-Mord praktisch mit Parolen eingeleitet -ohne Analyse oder Widerspruch seitens der Filmemacher.

Ex-Verfassungsschutz-Boss Maaßen und Bertelsmann-WikiLeaks-“Experte“ Stark dürfen auch wiederholt ihren meist gegen Assange gerichteten Senf dazu geben: Er sei wohl von den Russen instrumentalisiert worden (Clinton-Wahlkampf-Leaks) und habe Grenzen überschritten. Auch die platte Assange-Diffamierung („Arschloch“) aus dem Boström-Interview darf in diesem tendenziösen Reigen nicht fehlen. Ecuador Präsident Moreno wettert im O-Ton gegen Assange, die Story vom Milliarden-US-Dollar-Kopfgeld für die Auslieferung beschweigen die Doku-Macher. Immerhin gibt es ein paar Häppchen für die Pressefreiheit, gegen Unrechts-Staat-Behandlung durch US-Bespitzelung und Britische Justiz, doch eher lapidar eingestreut zwischen die Diffamierungen, Verleumdungen und Verdächtigungen.

Es gehört wohl zum Kalkül der ARD, dass diese Sendung im Internet präsentiert wird, als abgemilderte Version der Hasskampagne. Die Internetnutzer wissen aus Politblogs mehr als der Tagesschau-gläubige ARD-Durchschnitts-Glotzer. Um sie Einzulullen muss man, quasi mit zusammen gebissenen Zähnen, etwas mehr von der Wahrheit über Assange präsentieren. Snowden, der mahnt, Julians Vater, der klagt, Assange eine Sekunde lang mit einem der Pressepreise vor dem Bauch, welche die ARD gewöhnlich verschweigt.

Aber mit der ganzen Wahrheit heraus rücken? Es gab nie wirklich einen Vergewaltigungsverdacht, es war eine Justiz-Intrige mit gefälschten Beweisen, es waren Fakenews einer politisch motivierten Hasskampagne gegen einen Dissidenten? Soviel Wahrhaftigkeit gelingt dem Mainstream auch hier wieder mal nicht.

WikiLeaks – Staatsfeind Julian Assange

21.02.2020 Reportage & Dokumentation ? Das Erste (43 Min WDR/NDR 2020)

https://www.ardmediathek.de/ard/player/Y3JpZDovL2Rhc2Vyc3RlLmRlL3JlcG9ydGFnZSBfIGRva3VtZW50YXRpb24gaW0gZXJzdGVuL2VlNmE3ZjBjLWVkYzYtNDM5Ny04NDMxLWJiMWUxMDk2MGU5Nw/wikileaks-staatsfeind-julian-assange

Von der Doku scheint auch eine Kurzversion zu existieren (28 Min):

https://www.dw.com/de/wikileaks-staatsfeind-julian-assange/av-52499136

Etwas weniger auf Anti-Assange-Krus scheint diese dt.-span. Produktion zu liegen:

In der Falle: Julian Assange zwischen Politik und Justiz

13.02.2020 WDR.DOK – WDR & Canal Sur (Andalucia)

Unerwartete Wende im Fall von Julian Assange: Schweden stellt die Ermittlungen gegen den WikiLeaks-Mitbegründer nach 9 Jahren ein. Die Justiz lässt den Vorwurf der Vergewaltigung fallen. Derzeit sitzt Assange in Großbritannien in Haft. Die USA fordern weiterhin seine Auslieferung. Von 2012 bis April 2019 hielt sich Assange in der ecuadorianischen Botschaft in London auf. Diese Jahre dokumentiert der Film rückblickend. Ein extrem komplexer Fall – spannend wie ein Thriller.

Video verfügbar bis: 31.03.2020 ? 15:00 Uhr

https://www.ardmediathek.de/ard/player/Y3JpZDovL3dkci5kZS9CZWl0cmFnLWFmMmNlOWFiLWU4NjgtNDQyNi1hMmUzLThlNDU3Nzk5MzdhYw/in-der-falle-julian-assange-zwischen-politik-und-Justiz

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Grafikquellen       :

Oben        —       Reino Unido (Londres), 16 de Junio del 2013. El Canciller Ricardo Patiño se reunió con Julian Assange. Foto: Xavier Granja Cedeño/Ministerio de Relaciones Exteriores.

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Unten       —     Bronze sculpture Anything To Say? and art installation by Italian Davide Dormino which was placed in Berlin’s Alexanderplatz on May Day 2015.

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Verhalten bei Konzerten

Erstellt von DL-Redaktion am 12. März 2020

Lasst uns im Konzertsaal husten

File:Philharmonie Berlin Kammermusiksaal.jpg

Kommentar von Felix Zimmermann

Zwischen den Sätzen symphonischer Werke wird gehustet, geräuspert und geknarzt – es ist ein Grauen. Warum das so ist und wie es sich ändern kann.

Chts, grrrts, ähem, schntz, hmhmähmm. Schwer zu verschriftlichen dieses Ge… – chrrr, äh-hä-hä-hämmm, hüstel. Entschuldigung, ich habe Sie gerade nicht verstanden! Also, nochmal: Schwer zu verschriftlichen, dieses Geräuspere, dieses Gehuste, diese gutturalen Laute.

Wer sie in aller Klarheit und Vielfalt hören will, der muss in einen Konzertsaal gehen, in die Berliner Philharmonie, den Gasteig in München, die Stadthalle in Wuppertal, was man halt so in der Nähe hat; das Gerotze und Gesprotze ist jetzt, in der eher kalten Jahreszeit, wenn die Menschen beschwert sind durch allerhand Erkältungsmalaisen, am stärksten zu vernehmen. Vorhanden ist es aber immer, und zwar immer genau dann, wenn die Musik schweigt, weil die Dramaturgie einer Symphonie eine Pause vorsieht zwischen den Sätzen.

Geigen sind verstummt, Flöten, Oboen, Hörner haben vorübergehend ausgehaucht, Kontrabässe ruhen, Pauken harren aus, der Dirigent sammelt sich, es ist Spannung im Saal, man will nach dem zweiten Satz von Mahlers 6., der so düster ausklingt, wissen, wie es weitergeht, atemlos sitzt man da, die Pause ist einkalkuliert, wenige Sekunden nur, aber das Publikum durchbricht die Spannung, hält nicht die Luft an, sondern schnieft, räuspert, rauscht und knarzt. Krchhhh, wrrrg, ö-hö-ö-hö, grrtz.

Es wallt in den Satzpausen etwas auf, wie ein Befreiungsschlag. Das Orchester wird daran gehindert, das wieder aufzunehmen, was kurz vorher noch war, es weiterzuführen, zu modulieren. Aus der Stille etwas Neues entstehen zu lassen. Und jedes Mal wieder denkt man sich: Warum muss das so sein, warum dieses Getöse, Gepruste, wo einfach nur Stille sein müsste?

Was man während der Musik mühsam unterdrückt, muss raus, das ist der gängige Deutungsversuch, aber er kratzt doch sehr an der Oberfläche. Denn dafür ist das Gewürge und Geschnäuze zu laut und zu kräftig, fast wie ein eigenständiger Beitrag. Das Kontrastprogramm zu dem, was vorher war.

Konzertsaalbetreiber befördern diese Interludien noch, indem sie – wie etwa, gut gemeint, in der Berliner Philharmonie – eine Sprecherstimme zu Beginn der abendlichen Symphoniekonzerte einblenden, die sonor, aber eindringlich darum bittet, „das Husten, soweit wie möglich, zu vermeiden“.

Da wird man also regelrecht unter Druck gesetzt, ein Räuspern, ein kleines Husterchen, ein Niesen zu unterdrücken, es staut sich dann erst recht etwas an. Sie legen, wie in der Elbphilharmonie, Bonbons im Foyer aus, die knisternd ausgepackt werden müssen, was allein schon stört, die in ihrer schieren Anwesenheit aber – viel schlimmer – vor dem Konzert darauf hinweisen, dass Husten etwas ganz und gar Unmögliches ist an diesem Ort zu dieser Stunde.

Die Elbphilharmonie bei Regen - panoramio.jpg

Ich! Darf! Jetzt! Hier! Auf! Keinen! Fall! Husten! Und in der Pause zwischen den Sätzen so: Krchhhts, chhhatz, ehemm, chhhtss.

Dabei gibt es in so gut wie fast allen Musikstücken, die an solchen Abenden gespielt werden, Stellen, an denen man ganz wunderbar abhusten könnte, sich räuspern oder auch schnäuzen. Wenn der Pauker loslegt, die Hörner schmettern oder die Kontrabässe brodeln, wenn dieser ganze große Apparat in Bewegung gerät, dann kann man sich die Freiheit nehmen, dem Druck im Rachen nachzugeben, niemanden wird es stören, wenn man es nicht zu offensichtlich macht.

Dass man es aber so heimlich meint nur tun zu können oder in den Satzpausen – dann aber richtig, weil man es quasi unter Zwang bis dahin unterdrückt hat und dann muss es aber auch so richtig raus, quasi schon auf Vorrat bis zur nächsten Pause –, dass eine Kollegin sich noch heute dafür schämt, dass sie einmal während eines Konzerts einen Hustenanfall bekam, all das ist Beweis dafür, dass etwas grundsätzlich falsch läuft in Konzertsälen, in der Rezeption von live gespielter klassischer Musik.

Quelle     :          TAZ        >>>>>        weiterkesen

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Grafikquelle      :

Oben        —         Kammermusiksaal der Philharmonie Berlin.

Author Manfred Brückels

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Unten       —      Die Elbphilharmonie bei Regen

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DL – Tagesticker 12.03.2020

Erstellt von DL-Redaktion am 12. März 2020

Direkt eingeflogen mit unseren Hubschrappschrap

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Ja – selbst Erdi muss die neue Deutsche Sprache noch erlernen. Es heißt jetzt nicht mehr Nazi sondern AfD ! Ansonsten sind kaum Unterschiede sichtbar. Es wird gemerkelt was das Zeug hält.

Erdogan unterstellt griechischen

1.) Behörden Nazi-Methoden

Der türkische Präsident erwartet im Flüchtlingsstreit die Erfüllung „aller Erwartungen“ seines Landes durch die Europäische Union. Im Konflikt mit der EU wegen der Migranten hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan gedroht, die Grenzen der Türkei für Flüchtlinge offen zu halten, bis Brüssel alle seine Forderungen erfüllt. „Bis alle Erwartungen der Türkei spürbar erfüllt sind, werden wir die Praxis an unseren Grenzen fortsetzen“, sagte er in einer Fernsehansprache.

Welt

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Seit wann kümmert es dem wichtigsten Land von Welt – für  wie lange Putin noch regiert ? Wir wissen nicht einmal wie und wo, wir den eigenen Müll entsorgen sollen !

Dauerpräsidentschaft bis 2036?

: 2.) 2 2222   2.) Russland ändert Verfassung für weitere Amtszeiten Putins

Kremlchef Wladimir Putin kann dank einer nun endgültig vom russischen Parlament beschlossenen Verfassungsänderung im Prinzip noch 16 Jahre bis 2036 an der Macht bleiben.  Die Staatsduma in Moskau nahm am Mittwoch in dritter und letzter Lesung die größte Verfassungsänderung in der Geschichte des Landes an. Dabei werden auch die Vollmachten des Präsidenten ausgeweitet. Deshalb soll der 67 Jahre alte Putin nach dem Willen der Abgeordneten die Chance haben, sich um den „praktisch neuen Posten“ zu bewerben. Die nächsten Präsidentenwahlen sind 2024 und 2030. Ein echter Konkurrent für Putin ist nicht in Sicht.

WZ

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Wer hält sich denn für so wichtig, als das zur Zeit noch irgend Jemand in die USA einreisen will ? „Germany first“ – so sagt Merkel schon immer, seit sie sich in der Regierung fest gesetzt hat ! Na ja zumindest noch gestern – heute hat sie ja ihr Virus – woran sie neuen Halt findet.

Coronavirus:

 3.) Trump stoppt Einreisen aus Europa

US-Präsident Donald Trump wirkt nicht gerade wie jemand, der weiß was er tut, als er seine knapp neunminütige Fernsehansprache an die Nation beginnt. Er sitzt an seinem „Resolute Desk“ im Oval Office, die Hände gefaltet, atmet schwer, verschluckt manche Silbe. Dieser Auftritt ist so gar nicht in seinem Sinne. Seit Wochen versucht er die Coronavirus-Krise kleinzureden. Noch vergangene Woche prophezeite er, die 15 damals bekannten Fälle würden bald verschwunden sein. Es sei alles doch wohl kaum schlimmer als die normale Grippe. Eine Impfung stehe schon bald zur Verfügung. Manche gingen gar noch arbeiten mit dem Coronavirus. Wozu also die Aufregung?

Suedeutsche-Zeitung

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Kein Schwein muss sich von politischen Verwaltungssäuen das Grunzen verbieten lassen !

Getöteter Feuerwehrmann in Augsburg

4.) Bloße Anwesenheit nicht strafbar

Das Verfassungsgericht hat die Untersuchungshaft für einen Augsburger beanstandet. Er war 2019 beim tödlichen Angriff auf einen Feuerwehrmann dabei. Rüffel für die bayerische Justiz: Der 17-jährige Augsburger Alessio L. saß zu Unrecht in Untersuchungshaft. Das entschied jetzt eine Kammer des Bundesverfassungsgerichts und gab L.s Verfassungsbeschwerde statt. Alessio L., der eine Lehre als Speditionskaufmann macht, war anwesend, als im Dezember ein Augsburger Feuerwehrmann aus einer Gruppe junger Männer heraus mit tödlicher Wucht geschlagen wurde. Ob L. sich dabei strafbar gemacht hat, war und ist hoch umstritten.

TAZ

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Er war Einer der Letzten einer besonderen FDP-Art. Spätestens jetzt würde er mit Genugtuung realisieren, warum er unter seinen richtigen Namen und nicht als FDP- ler beerdigt wird.

Früherer NRW-Innenminister

5.) FDP-Politiker Burkhard Hirsch gestorben 

Er galt als einer der letzten großen Vertreter des sozialliberalen Flügels der FDP. Mehrere Jahre prägte er die Politik in Nordrhein-Westfalen und auch auf Bundesebene – selbst über Parteigrenzen hinweg. Nun ist Burkhard Hirsch im Alter von 89 Jahren gestorben.  Burkhard Hirsch, einer der letzten großen FDP-Politiker aus der sozialliberalen Koalition der 1970er Jahre, ist tot. Er sei am Mittwoch im Alter von 89 Jahren gestorben, teilte das nordrhein-westfälische Innenministerium auf Anfrage mit. Hirsch, der am 29. Mai 1930 in Magdeburg geboren wurde und in Halle aufwuchs, gehörte zur „Mitteldeutschen Fraktion“ in der FDP um den Hallenser Hans-Dietrich Genscher und gebürtigen Dresdner Gerhart Baum. Vor allem Baum und Hirsch standen der Ostpolitik von SPD-Kanzler Willy Brandt sehr nahe, die unter dem Motto „Wandel durch Annäherung“ stand. Das Aus der sozialliberalen Koalition kam 1982, als sich die FDP unter Genscher und Otto Graf Lambsdorff der Union unter Helmut Kohl zuwandte.

ntv

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Und was sagt die, sich  von einen Gipfel zum Nächsten hangelnde Chef-Angestellte S/Expertin eines unterwürfigen Volkes : „Wir schaffen das“

Experte über Anti-Coronavirus-Maßnahmen

6.) „Konsequenterweise müsste man den öffentlichen Nahverkehr einstellen“

Das Stadion, der Club, die Party? Statt zu diskutieren, ab wie vielen Teilnehmern die Absage einer Veranstaltung nützt, sollte jeder selbst vernünftig handeln. Nach einigem Hin und Her hat sich Berlin nun doch entschlossen, wegen der zunehmenden Verbreitung des neuartigen Coronavirus in der Stadt Großveranstaltungen mit über 1000 Teilnehmern generell zu untersagen. Aber handelt die Stadt damit nun angemessen oder übervorsichtig, zu früh oder zu spät? „Das ist eine schwierige Sache“, sagt der Epidemiologe Gérard Krause vom Braunschweiger Helmholtzzentrum für Infektionsforschung. „Wir haben für all diese Maßnahmen keine harte Evidenz und müssen dennoch Entscheidungen treffen.“ Doch es gibt Erfahrungen, die helfen können.

Tagesspiegel

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Die Wahrheit

7.) Schizophrene Quarantäne

Donnerstag ist Gedichtetag auf der Wahrheit: Diesmal darf sich die geneigte Leserschaft an einem Poem über die Folgen der Seuchenisolation erfreuen.

Von Cornelius Oettle

Mit Scham erfüllt mich, dass ich es erwähne:

Am Anfang dachte ich, es sei Migrän

Dann wurd’s mir klar. Mir kam die erste Träne.

Ich blieb daheim. Allein wie ’ne Hyäne.

Gestrichen waren meine Urlaubspläne.

Zum Essen: Nudeln. Dazu: Sägespäne.

Am Fenster zogen bald die schlauen Schwäne

gen Afrika, vielleicht auch nur nach Däne­-

mark. Mir jedoch entfielen bald die Zähne

und auch die Haare aus! Strähne für Strähne!

Der Durchfall schoss aus mir wie ’ne Fontäne!

Es war Skorbut! Ich starb durch Quarantäne.

TAZ

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Anregungen nehmen wir gerne entgegen

Treu unserem Motto: Es gibt keine schlechte Presse, sondern nur unkritische Leser

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Grafikquelle        :      DL / privat – Wikimedia  Commons – cc-by-sa-3-0.

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