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2020 – Jahr des Feuers

Erstellt von DL-Redaktion am Freitag 1. Januar 2021

Von Sibirien bis Australien.

Von Claudia Vallentin

Während die Welt im Bann der Corona-Seuche und der US-Wahl stand, gingen weltweit Wälder in Rauch auf. Von Sibirien bis Australien. Die Feuerbilanz des Jahres

Erst Australien, dann Sibirien und schließlich Kalifornien: Im Jahr 2020 reihte sich eine extreme Feuersaison an die nächste. Australien startet nun mit ungewöhnlich heißen Temperaturen und Buschbränden auf Fraser Island in die nächste Brandperiode. Im Zuge des Klimawandels und der damit verbundenen Dürren und Hitzeperioden werden schwere Waldbrände häufiger und noch heftiger. Dazu kommt noch: Sie fachen den Klimawandel weiter an – denn wo Pflanzen in Flammen aufgehen, verbrennt Kohlenstoff. Und der gelangt als Treibhausgas Kohlenstoffdioxid (CO₂) in die Atmosphäre und verstärkt die globale Erwärmung noch mehr.

Hier brannten 2020 die Wälder

Im arktischen Sibirien, an der US-Westküste und im Regenwald Brasiliens – hier nimmt die Intensität der Brände zu.

Zwar sinken die Emissionen aus Wald- und Savannenbränden im globalen Trend seit 2003. Ein Grund zur Entwarnung ist das allerdings nicht. Verantwortlich dafür ist ein Rückgang der Feuer im tropischen Afrika, dafür aber waren andere Regionen sehr viel stärker und wiederholt von Waldbränden betroffen. Neben Kohlendioxid werden, wenn Bäume brennen, auch weitere klimaschädliche Treibhausgase wie Methan und Lachgas freigesetzt. Gleichzeitig wachsen auch neue Bäume nach, die wieder CO₂ binden und in Sauerstoff umwandeln. Ob Wälder im globalen Kohlenstoffkreislauf insgesamt mehr Kohlenstoff aufnehmen als abgeben, darüber ist sich die Wissenschaft nicht einig. Welche Bäume wachsen wo? Wie stark sind sie durch Landwirtschaft oder Holzeinschlag beeinträchtigt? Und wie schnell kann sich die Vegetation nach einem Feuer regenerieren? Zeit, sich diese Ökosysteme und ihre Klimabilanz einmal genauer anzusehen.

Das Ökosystem des Nordens ist fragil

Die Reise beginnt auf der Nordhalbkugel, hier dominieren die sogenannten borealen Nadelwälder der Taiga. Sie erstrecken sich über Nordeuropa, Sibirien, die Mongolei, Kanada und Alaska. Das größte zusammenhängende Waldgebiet der Erde gilt derzeit auch als der größte Kohlenstoffspeicher an Land. Natürliche Brände gehören in dieser Region dazu und helfen den Wälder sich zu verjüngen und den Waldboden von Totholz und Buschwuchs zu bereinigen. Seit einigen Jahren aber brennt es immer mehr.

Laut den Daten der Global Fire Emissions Database nimmt die Menge an CO₂, die bei Waldbränden in der gesamten borealen Zone freigesetzt wird, seit Jahren in der Tendenz zu. Dieser Trend könnte sich fortsetzen, denn die Arktis heizt sich als Folge des Klimawandels doppelt so schnell auf wie der Rest der Welt – die Wälder werden also unter den wärmeren und tendenziell trockeneren Bedingungen im Sommer auch in der Zukunft anfällig für großflächige Waldbrände sein. Bereits 2020 überstiegen die CO₂-Emissionen hier die Emissionen des vorherigen Extremjahres 2019.

File:Siberian wildfires ESA19649507.jpeg

Eigentlich muss das erstmal kein Problem sein: Denn wachsen in den verbrannten Zonen junge Bäume nach, können diese auch wieder Kohlenstoff binden. Sogar mehr als der ältere Bestand. „Brennt es aber immer häufiger und auf größeren Flächen, dann hat der Wald auch weniger Zeit zu regenerieren und die gleiche Menge an Kohlenstoff wieder aufzunehmen“, sagt Gitta Lasslop, Forscherin am Senckenberg Biodiversität und Klima-Forschungszentrum. Die Frage, die es in Zukunft zu beantwortet gilt, ist also: Verändert der Klimawandel dieses Ökosystem so stark, dass die Feuer ein Ausmaß erreichen, bei dem sie das System aus dem Gleichgewicht bringen?

Die borealen Wälder zeichnet noch eine Besonderheit aus: Sie wachsen zum Großteil auf Permafrostböden. Erfassen Feuer auch diese seit Jahrtausenden tiefgefrorenen Bodenschichten, tauen sie auf. Das darin eingefrorene Pflanzenmaterial verbrennt oder verrottet – wobei verhältnismäßig viel Methan frei wird, welches 25 mal klimaschädlicher ist als CO₂. Noch haben die CO₂-Emissionen aus Waldbränden in der borealen Zone nur einen Anteil von etwa zehn Prozent verglichen mit den Emissionen aller globaler Waldbrände. Weil sich dieser Teil der Erde aber so rasch erwärmt, immer trockener wird und die Permafrostböden beginnen zu tauen, ist dieses Ökosystem besonders fragil.

Wie steht es um die Regenwälder?

Vom Polarkreis an den Äquator: Die Regenwälder in der tropischen Zone gelten nach den borealen Wäldern als zweitgrößte Kohlenstoffsenke und werden deshalb auch als grüne Lunge der Erde bezeichnet. Man findet sie überwiegend im südamerikanischen Amazonas-Gebiet, in Zentralafrika und Indonesien sowie Teilen Malaysias. Aber auch hier ändert sich das Klima und der Mensch greift durch Brandrodung und Holzschlag in das ökologische Gleichgewicht ein. Vor allem im brasilianischen Regenwald brennen riesige Flächen ab, auch die Waldbrände des Jahres 2020 erreichten ein Rekordhoch.

Vor allem in Brasilien haben die Waldbrände zugenommen

Bereits jetzt aber befinden sich 40 Prozent der südamerikanischen und ein großer Teil der afrikanischen Regenwälder an einem Kipppunkt, an dem sie sowohl als Wald, als auch als Savanne existieren könnten. Denn: Ändern sich die äußeren Bedingungen, wie Temperatur und Regenmenge, findet ein schrittweiser Wechsel in ein anderes Ökosystem statt, weil es für den Regenwald zu trocken ist. „Mit dem Feuer kann so ein Wechsel auch viel schneller stattfinden,“ sagt Lasslop. Das gilt sowohl für die Brände, die an den Randbereichen von der Savanne überspringen, als auch für die Brandrodungen, wie sie unter dem brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro massiv zugenommen haben. Eine Savanne aber ist sehr viel spärlicher bewachsen und kann somit auch weniger CO₂ aufnehmen – der Überschuss bleibt in der Atmosphäre und macht die ursprüngliche Senke zu einer Quelle für Kohlenstoff. Werden die abgebrannten Flächen zu Palmöl- oder Sojaplantagen gemacht, wird das freigesetzte CO₂ ebenfalls nicht wieder komplett gebunden. Die Plantagen produzieren weniger Biomasse als der Regenwald und können demnach auch weniger CO₂ kompensieren.

Quelle    :        Zeit-online         >>>>>        weiterlesen

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Grafikquellen      :

Oben      —     Brennender Wald (Creek Fire)

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Unten       —       Himmel nahe Nowra, 21. Dezember 2019

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