DEMOKRATISCH – LINKS

                      KRITISCHE INTERNET-ZEITUNG

RENTENANGST

Archiv für September 30th, 2019

Typisch Deutsche Reflexe

Erstellt von DL-Redaktion am 30. September 2019

BDS und der Nelly-Sachs-Preis

Kamila shamsie 3280373.jpg

Kommentar von Stefan Reinecke

Die BDS-Aktivistin Shamsie bekommt den Nelly-Sachs-Preis nicht. Das ist verständlich, doch israelkritische Positionen werden zu oft diskreditiert.

In Dortmund hat eine Jury der britisch-pakistanischen Autorin Kamal Shamsie erst den Nelly-Sachs-Preis verliehen, dann wieder entzogen, weil Shamsie die Israel-Boykott-Bewegung BDS unterstützt. Das wiederum hat harschen internationalen Protest provoziert. Mehr als 200 vor allem angloamerikanische AutorInnen, darunter mehrere LiteraturnobelpreisträgerInnen, bekundeten ihre Bestürzung über die Aberkennung des Preises. Eine peinliche Affäre für die Jury.

Auf den ersten Blick fügt sich der Fall Shamsie in eine Reihe von kritikwürdigen Anti-BDS-­Aktionen. Der Bundestag hat BDS in toto für antisemitisch erklärt, was Augenmaß und Differenzierung vermissen ließ. BDS besteht in Deutschland, anders als in Irland oder Schweden, nur aus ein paar Dutzend AktivistInnen und spielt politisch keine Rolle. Zudem ist BDS eine facettenreiche Bewegung, die von christlich motivierten AktivistInnen, die sich für die Rechte der Palästinenser einsetzten, über antikolonial inspirierten Widerstand bis zu fundamentalistischen Israelgegnern reicht.

BDS ist komplexer als es scheint

In Deutschland ist man aus historischen Gründen mehr als vorsichtig mit Boykottforderungen in Richtung Israel. Das ist richtig. Trotzdem ist das Bild komplexer, als es der auf die NS-Zeit fixierte deutsche Blick erfasst. So war BDS in Palästina der Versuch, nach dem Debakel der gewaltsamen Inti­fada einen zivilen, friedlichen Weg einzuschlagen.

In der deutschen BDS-Debatte kommt dies ebenso wenig vor wie die Tatsache, dass in Israel Liberale vor einer Hexenjagd gegen BDS warnen. Sie hegen wenig Sympathien für die Boykottbewegung, sind aber alarmiert, weil sie in der professionell inszenierten Anti-BDS Kampagne des Ministeriums für strategische Angelegenheiten eine rechtsautoritäre Formatierung der Öffentlichkeit und einen Angriff auf die liberale Demokratie in Israel erkennen. Die Netanjahu-Regierung bereitet völkerrechtswidrig die Annektierung eines Teils des Westjordanlandes vor – die Anti-BDS-Aktionen der Regierung sollen Kritik an der Besatzung als illegitim diffamieren.

In Deutschland kreist die Debatte indes über das Kampfwort Antisemitismus. Das ist naheliegend, aber unterkomplex. Man dürfe, heißt es großzügig, die israelische Regierung kritisieren. Doch wer das entschlossen tut, wird schnell als anti­semitisch disqualifiziert. Die deutsche BDS-Debatte ist undifferenziert und so selbstfixiert, dass noch nicht mal auffällt, wie seltsam der BDS-Beschluss des Bundestages in anderen westlichen Demokratien wirkt.

Deutsche Ängstlichkeiten

Der Fall Shamsie scheint in dieses Muster zu passen: hier deutsche Ängstlichkeit, dort Protest von literarischen Koryphäen wie Richard Ford, A. L. Kennedy, Deborah Eisenberg, Rachel Kushner, Michael Ondaatje und Teju Cole, die allesamt nicht zu den üblichen Unterzeichnern in Sachen BDS zählen. Hat die Jury also doppelt versagt – erst weil sie wenig über Shamsie wusste, dann weil die deutschen Reflexe einschnappten?

SchönebergNellySachsPark-2.jpg

Der Fall ist schwieriger. Die deutsch-jüdische Schriftstellerin Nelly Sachs, von den Nazis ins schwedische Exil getrieben, hat so intensiv wie Paul Celan den Mord an den Juden literarisch bearbeitet und der Qual des Überlebens eine Stimme gegeben. „Wir Geretteten/ Immer noch essen an uns die Würmer der Angst“ heißt es in dem Gedicht „ Chor der Geretteten“.

Israel erschien Sachs als das Land des „Urväterstaubs“. Ob sie, wie Peter Hamm mutmaßte, fürchtete, dass in Israel aus „den Verfolgten bald Verfolger werden könnten“, wissen wir nicht. Sachs war mit Politik weniger vertraut als mit existenzieller Einsamkeit. Mag sein, dass sie die Idee Israel mehr bewunderte als deren Verwirklichung.

Quelle         :          TAZ           >>>>>            weiterlesen

—————————————————————————

Grafikquellen           :

Oben       —     reading at „The Global Soul: Imagining the Cosmopolitan“

Abgelegt unter Kultur, Mensch, Nordrhein-Westfalen, Positionen | Keine Kommentare »

Resignation oder Widerstand

Erstellt von DL-Redaktion am 30. September 2019

Wie wir durch unser Verhalten das Klima retten können

2019 CSD Kölm 127.jpg

von Jonathan Safran Foer

Am Morgen des 14. April 2018 betrat der Bürgerrechtsanwalt David Buckel einen Teil des Prospect Park in Brooklyn, in dem ich selbst Tausende Male war. Als ich in der Gegend wohnte, ging ich dort oft mit dem Hund spazieren, spielte mit meinen Kindern oder sammelte meine Gedanken. Um 5.55 Uhr morgens schickte er eine E-Mail an mehrere Nachrichtensender, in der er die Entscheidung begründete, die er kurz darauf treffen würde. Dann übergoss er sich mit Benzin und zündete sich an.

Seinem Mann und seinen Freunden zufolge war er nicht depressiv. Und er war gedanklich auch klar genug, um neben der E-Mail mindestens drei verschiedene Abschiedsbriefe zu hinterlassen, in denen er seine Tat erklärte. Der kürzeste davon war handgeschrieben: „Ich heiße David Buckel und habe mich aus Protest gerade selbst verbrannt.“

Ein zweiter Brief befand sich in einem Umschlag, der in eine Mülltüte eingewickelt in einem Einkaufswagen in der Nähe gefunden wurde. Darin stand: „Umweltverschmutzung verwüstet unseren Planeten und macht Luft, Boden, Wasser und Wetter immer lebensfeindlicher. Unsere Gegenwart wird immer verzweifelter, und für unsere Zukunft ist mehr nötig, als wir bisher getan haben.“

Buckel war Bürgerrechtsanwalt und hatte allen Grund zu glauben, dass Fortschritt mehr als nur eine Phantasie ist. Er war ein landesweit anerkannter Pionier für Schwulen- und Transgender-Rechte. Dass die Ehe zwischen Gleichgeschlechtlichen zu Buckels Lebzeiten legalisiert wurde, war nicht zuletzt seinem Einsatz zu verdanken. In einer Atmosphäre von Apathie und Resignation wirkte er hoffnungsvoll und motiviert. Jene, die seinen Selbstmord als schwarzseherischen Akt bezeichnet haben, lassen außer Acht, dass sein Tod explizit ein Protest war. Und es gibt keine Tat, die mehr auf der Überzeugung fußt, dass Dinge anders sein könnten, als der Protest. „Ehrbares Wirken zu Lebzeiten legt ehrbares Wirken im Tod nahe“, schreibt Buckel in seinem Abschiedsbrief.

Drei Monate später veröffentlichte die „New York Times“ einen Essay, „Raising my child in a doomed world“. Ein halbes Dutzend Freunde schickten ihn mir. Beim ersten Lesen fand ich ihn treffend. Geschrieben hatte ihn Roy Scranton, derselbe Autor, der auch schon zuvor „Learning how to die in the Anthropocene“ geschrieben hatte. Scranton beschreibt die intensive Gefühlsmischung bei der Geburt seines ersten Kindes: „Als meine Tochter geboren wurde, habe ich zweimal geweint.“ Zuerst kamen Freudentränen, dann Tränen der Trauer: „Meine Partnerin und ich hatten unsere Tochter in unserem Egoismus zu einem Leben auf einem dystopischen Planeten verdammt, und ich sah keine Möglichkeit, sie vor der Zukunft zu beschützen.“

Ich war dankbar, dass sich noch jemand in die Diskussion über die Krise des Planeten einmischte. Scranton ist nicht nur ein reflektierter, sondern auch ein leidenschaftlicher, gebildeter und verdammt guter Schriftsteller. Er fasste etwas in Worte, das ich als Vater oft empfunden hatte. Und es war kein Zufall, dass mir so viele Menschen seinen Essay weiterleiteten, allesamt selbst Eltern. In diesem Essay (und anderen) wendet sich Scranton der Umweltkrise mit einer philosophischen Präzision zu, die der gegenwärtigen Debatte fehlt – eine Denkweise, die wir dringend brauchen, um unsere Krise verstehen zu können. Wie David Wallace Wells in seinem Artikel „Die unbewohnbare Erde“ bemerkt: „Wir haben kaum eine sinnstiftende Religion rund um den Klimawandel entwickelt, die uns angesichts unserer möglichen Auslöschung Trost spenden oder Entschlossenheit verleihen könnte.“ Scranton beginnt, eine solche Religion zu entwickeln, aber das Problem ist, dass sie uns angesichts der Auslöschung keine Entschlossenheit verleiht – sie gibt auf. Als ich den Essay noch einmal las, war ich frustriert, ja sogar wütend. Je öfter ich ihn las, desto mehr kam er mir wie eine Art Abschiedsbrief vor.

Im Zusammenhang mit der „moralischen Haltung dazu, in einer CO2-basierten Konsumgesellschaft zu leben“, bemerkt Scranton, dass sich viele Menschen für einen verantwortungsvolleren Lebensstil aussprechen. „Nehmen Sie zum Beispiel das viel zitierte Forschungspapier des Geographen Seth Wynes und des Umweltforschers Kimberly Nicholas, in dem sie argumentieren, das Wichtigste, was der Einzelne tun könne, um seinen CO2-Ausstoß zu verringern, sei sich pflanzlich ernähren, Flugreisen vermeiden, autofrei leben und ein Kind weniger bekommen.“ Er bezieht sich dabei auf den Aufsatz „The Climate Mitigation Gap: Education and Government Recommendations Miss the Most Effective Individual Actions“, in dem dargelegt wird, dass das meiste, was zur Begrenzung des Klimawandels gelehrt und empfohlen wird, vergleichsweise unbedeutend ist. Das eigentlich Problematische an diesem Vorschlag, so Scranton weiter, seien nicht die Empfehlungen, sparsam zu sein, weniger zu fliegen oder sich vegetarisch zu ernähren, was alles gut und schön sei, sondern vielmehr das Gesellschaftsmodell, auf dem solche Empfehlungen beruhen: „die Vorstellung, wir könnten die Welt durch individuelle Verbraucherentscheidungen retten. Das können wir nicht.“ Warum nicht? Weil die Welt eine „komplexe und rekursive Dynamik“ mit „internen und externen Antriebskräften“ sei.

Ich bin mir nicht hundertprozentig sicher, was das bedeutet, aber egal wie komplex die Welt auch sein mag, es sind doch die Menschen, die recyceln, protestieren, wählen gehen, Müll aufsammeln, bei ethischen Unternehmen kaufen, Blut spenden, eingreifen, wenn jemand in Gefahr ist, sich gegen rassistische Bemerkungen wehren und den Weg für den Krankenwagen frei machen. Diese Taten dienen nicht nur dem individuellen Wohl desjenigen, der sie ausführt, sondern sind wichtig für das gesellschaftliche Wohlergehen: Verhalten wird wahrgenommen und nachgeahmt.

Millionen einzelner Entscheidungen verändern die Welt

In ihrem Buch „Die Macht sozialer Netzwerke“ bezeichnen Nicholas A. Christakis und James Fowler soziale Netzwerke als „eine Art menschlichen Überorganismus“. Was sie herausfanden, war: „Wenn ein Freund eines Freundes Ihres Freundes zunimmt, dann nehmen Sie zu. Wenn ein Freund eines Freundes Ihres Freundes mit dem Rauchen aufhört, dann hören Sie mit dem Rauchen auf. Und wenn ein Freund eines Freundes Ihres Freundes glücklich ist, dann sind Sie glücklich.“ Obwohl wir Übergewicht häufig als „Epidemie“ bezeichnen, halten wir es kaum für ansteckend. Christakis und Fowler zeigen allerdings, dass Fettleibigkeit – und dasselbe gilt für Rauchen und Nichtrauchen, sexuelles Fehlverhalten und dessen Ablehnung – genau wie Fitness ein Trend ist: „Mit Hilfe von mathematischen Modellen gelang es uns jedoch zu beweisen, dass diese Häufungen von normal- und übergewichtigen Personen kein Zufallsprodukt, sondern tatsächlich statistisch relevant sind. Nicht nur das, die Konzentration gehorchte außerdem unserem Gesetz der drei Schritte: Die Wahrscheinlichkeit, dass krankhaft übergewichtige Menschen Freunde, Freunde von Freunden und Freunde von Freunden von Freunden hatten, die ebenfalls unter Übergewicht litten, war so groß, dass es sich nicht um einen Zufall handeln konnte. Ganz ähnlich hatten normalgewichtige Personen in einem Radius von drei Schritten mit größerer Wahrscheinlichkeit normalgewichtige Personen in ihrem persönlichen Umfeld. Nach drei Schritten endete diese Konzentration.“

Es scheint also, als würden Menschen innerhalb des Netzwerks Nischen besetzen, in denen Über- und Normalgewicht eine Art regionale Norm darstellen. Wenn es um die Gesundheit geht, legt diese Studie nahe, dass individuelles Verhalten deutlich einflussreicher ist als offizielle Ernährungsempfehlungen, an die sich die meisten Amerikaner nicht halten. Während Strukturen zwar eine wichtige Rolle spielen – Nahrungswüsten, Subventionen oder ungesundes Kantinenessen –, sind die ansteckendsten Normen die, die wir selbst leben.

Wir sind nicht machtlos innerhalb unserer „komplexen, rekursiven Dynamik“ mit „internen und externen Antriebskräften“ – wir sind die Antriebskräfte. Ja, es gibt mächtige Systeme – den Kapitalismus, die industrielle Tierhaltung oder die Erdölindustrie –, die schwer zu beeinflussen sind. Ein einzelner Autofahrer kann keinen Stau verursachen. Aber ohne einzelne Autofahrer gibt es keinen Stau. Wir stecken im Verkehr fest, weil wir der Verkehr sind. Die Art und Weise, wie wir leben, was wir tun und was wir nicht tun, kann im System begründete Probleme verstärken, sie aber auch verändern: Gerichtliche Klagen von Einzelnen veränderten die Boy Scouts, die Aussagen Einzelner brachten die #MeToo-Bewegung ins Rollen, und Einzelne, die am Marsch auf Washington für Arbeit und Freiheit teilnahmen, ebneten den Weg für den Civil Rights Act von 1964 und den 1965 folgenden Voting Rights Act. Genau wie Rosa Parks dabei half, die Rassentrennung in öffentlichen Verkehrsmitteln zu beenden, und Elvis dabei half, die Kinderlähmung zu besiegen.

Scranton schreibt weiter: „[W]ir können ebenso wenig frei wählen, wie wir leben wollen, wie wir uns über die Regeln der Physik hinwegsetzen können. Wir wählen aus möglichen Optionen, nicht ex nihilo.“

Ja, unsere Handlungen unterliegen gewissen Beschränkungen, es gibt Konventionen und strukturelle Ungerechtigkeiten, die die Parameter des Möglichen festlegen. Unser freier Wille ist nicht omnipotent – wir können nicht tun, was wir wollen. Aber, wie Scranton sagt, wir können zwischen verschiedenen Optionen wählen.

Und eine unserer Optionen ist es, bei unseren Entscheidungen die Umwelt zu berücksichtigen. Man braucht sich nicht über die Regeln der Physik hinwegzusetzen – noch nicht einmal einen grünen Präsidenten zu wählen –, um von dem, was auf der Karte steht, etwas Veganes auszuwählen oder im Supermarkt pflanzliche Lebensmittel zu kaufen. Und während es ein neoliberaler Mythos sein mag, dass die Entscheidungen Einzelner grenzenlose Macht haben, ist es ein schwarzseherischer Mythos, dass sie überhaupt keinen Einfluss haben. Handeln kann sowohl auf Makro- als auch auf Mikroebene etwas bewirken, und wenn es darum geht, die Zerstörung unseres Planeten zu bremsen, ist es unmoralisch, eins von beiden abzutun oder zu sagen, man brauche es im Kleinen gar nicht zu versuchen, weil es im Großen nicht zu schaffen sei.

Ja, wir brauchen einen strukturellen Wandel – wir müssen weltweit weg von fossilen Brennstoffen und hin zu erneuerbarer Energie. Wir müssen eine Art CO2-Steuer durchsetzen, uns für eine Kennzeichnungspflicht der Umweltverträglichkeit von Produkten starkmachen, Plastik durch nachhaltige Lösungen ersetzen und fußgängerfreundliche Städte bauen. Wir brauchen Strukturen, die uns in Richtung der Entscheidungen stupsen, die wir schon jetzt treffen wollen. Wir brauchen einen ethischen Umgang des Westens mit dem globalen Süden. Wir brauchen vielleicht sogar eine politische Revolution. Für diese Veränderungen sind Umbrüche nötig, die ein Einzelner allein nicht auf den Weg bringen kann. Doch einmal abgesehen davon, dass große Revolutionen sich aus Einzelnen zusammensetzen, von Einzelnen angeführt und durch Tausende individueller Revolutionen verstärkt werden, haben wir keine Chance, unser Ziel einer Begrenzung der Umweltzerstörung zu erreichen, wenn Einzelne nicht sehr individuell für sich entscheiden, sich anders zu ernähren. Es stimmt natürlich, dass ein Einzelner, der sich ab sofort vegan ernährt, die Welt nicht verändern wird, aber genauso wahr ist, dass Millionen solcher Entscheidungen in Summe sie verändern werden.

In Bezug auf den veränderten Lebensstil, den Wynes und Nicholas vorschlagen, schreibt Scranton: „Sich [ihre] Empfehlungen zu Herzen zu nehmen, würde bedeuten, sich vom modernen Leben abzuschneiden. Es würde bedeuten, eine abgeschiedene, isolierte Existenz zu führen und jede tiefere Verbindung zur Zukunft aufzugeben. Wynes’ und Nicholas’ Argumente wirklich ernst zu nehmen, würde bedeuten, sich einzugestehen, dass die einzige wirklich moralische Reaktion auf den Klimawandel darin besteht, sich umzubringen. Es gibt einfach keine effektivere Weise, um den eigenen CO2-Fußabdruck zu verkleinern. Wenn man tot ist, verbraucht man keine Energie mehr, isst kein Fleisch mehr, verbrennt kein Benzin mehr und bekommt auch sicher keine Kinder mehr. Wer den Planeten wirklich retten will, sollte sterben.“

Das ist ein extremer Sprung. Stellen Sie sich vor, Sie nehmen vor dem Abendessen keine tierischen Produkte mehr zu sich und fliegen pro Jahr zweimal weniger. Einmal abgesehen davon, ob Ihnen das möglich wäre, klingt es nach einer „abgeschiedenen, isolierten Existenz“? Oder eher nach einer Anpassung an ein leicht gesunkenes Einkommen?

Verabschieden wir uns vom Hedonismus

Quelle         :            Blätter           >>>>>         weiterlesen

———————————————————————-

Grafikquellen         :

Oben       —         Colgne Pride 2019

————————————-

Unten           —         Hafeneinfahrt mit Imperia

Abgelegt unter Arbeitspolitik, Ernährungspolitik, International, Umwelt | Keine Kommentare »

Linker – LPT. an der Saar

Erstellt von DL-Redaktion am 30. September 2019

Thomas Lutze neuer Chef der Saar-Linken

Neujahrsempfang Linke Saarbrücken.jpg

Von dpa

Nach mehr als eineinhalb Jahren hat die Saar-Linke einen neuen Vorstand und mit Thomas Lutze einen neuen Vorsitzenden. Nach heftigen internen Auseinandersetzungen riefen viele Delegierte die Partei zu Geschlossenheit auf.

Neunkirchen – Der Bundestagsabgeordnete Thomas Lutze ist der neue Vorsitzende der Linken im Saarland. Auf einem Parteitag in Neunkirchen-Wiebelskirchen konnte sich der 50-Jährige am Sonntag bereits im ersten Wahlgang überraschend klar mit 73,6 Prozent der Delegiertenstimmen gegen zwei Mitbewerber durchsetzen. Lutze ist seit 2009 Bundestagsabgeordneter, er zog jeweils über die Landesliste ins Parlament ein. Der Maschinenbauer ist in Elsterwerda (Brandenburg) geboren, in Leipzig aufgewachsen und lebt seit 1991 im Saarland. Derzeit ist er noch Vorsitzender des Kreisverbandes Saarbrücken.

LAG Brauereikultur Treffen TL.jpg

Wie die Zeit vergeht und der Titel steht !

Als seine Stellvertreter gewählt wurden Andrea Neumann, Kreisvorsitzende in Neunkirchen sowie die Landtagsabgeordnete Barbara Spaniol und Michael Bleines, Stadtverordneter in Saarbrücken.
Damit hat die Saar-Linke nach eineinhalb Jahren Vakanz wieder einen neuen Vorstand. Lutzes Vorgänger Jochen Flackus hatte wenige Monate nach seiner Wahl im November 2017 das Amt aus gesundheitlichen Gründen niedergelegt.
Quelle        :         Allgemeine Zeitung

Kommentar auf SR 3

Saar-Linke: „Chaos nach innen und nach außen“

Ein Kommentar von Florian Mayer Die Linken im Saarland haben sich gestern zum Landesparteitag in Wiebelskirchen getroffen. Wichtigster Tagesordnungspunkt: die Wahl eines neuen Landesvorsitzenden. Der Chefposten in der Partei war seit anderthalb Jahren vakant. Thomas Lutze wird ihn nun besetzen. Er soll eine Partei, die geprägt ist von Streit und Skandalen, politisch wieder auf Kurs bringen.
Chaos. Chaos nach innen. Chaos nach außen. Anders lässt sich der Zustand der Linken an der Saar schon seit Monaten nicht mehr beschreiben. Daran hat auch der gestrige Landesparteitag nichts geändert – im Gegenteil er hat das Chaos, in dem sich Die Linke befindet, nur noch anschaulicher gemacht.
—————————————————————
Grafikquellen        :

Oben             —        Thomas Lutze auf einer Neujahrsempfangsansprache in Saarbrücken

Abgelegt unter Feuilleton, P. DIE LINKE, Saarland, Überregional | 131 Kommentare »

„friday for future“

Erstellt von DL-Redaktion am 30. September 2019

Was wir von Greta Thunberg auch über uns lernen können

Sie schafft, was den Sinn von Bewegungen ausmachen. Menschen bewegen !

Quelle        :    Scharf  —  Links

Von Franz Witsch

Es wird viel über die Klima-Aktivistin Greta Thunberg gesprochen, geschrieben, kritisiert, verunglimpft etc. Deshalb ist es vielleicht angebracht, einen mir wichtigen Aspekt im Hinblick auf ihre Person herauszustellen. Dazu möchte ich den interessierten LeserInnen Texte (Tx01, Tx02, Tx03) zur Kenntnis geben. Sie sind am Ende des Briefs unter „Quellen“ einsehbar.

Um es gleich zu sagen: Ich finde Greta Thunberg gut. Allerdings bemühe ich mich, sie nicht zu überhöhen; das hieße, in ihre Person oder ihre Aussagen einen zu großen Bedeutungsüberschuss zu projizieren. Der hätte zur Folge, ihre Existenz bzw. ihr Innenleben von der äußeren Realität („wie sie ist“) zu isolieren, sowohl im Bewusstsein (Innenleben) des Überhöhenden als auch der überhöhten Person; dies im „Modus psychischer Äquivalenz“ (vgl. K14, S. 2f).

In diesem Modus mutierte die überhöhte Person in unserer Vorstellungswelt oder im Denken zum irrealen oder imaginären Objekt, das dann ohne Bezug zur äußeren Realität fühlen, denken und sprechen würde – tatsächlich unverstehbar gefangen in „Weltlosigkeit“, wie Hannah Arendt über den Holocaust-Organisator Adolf Eichmann sagte. Sie sprach in diesem Zusammenhang von der „Banalität des Bösen“: Eichmann sei eigentlich ein Mensch wie jeder andere, nur eben überzeugt seine Pflicht gegenüber Hitler erfüllen zu müssen, weil er ihm einen Treueeid geschworen habe.

Überhöhte Personen sind eben unantastbar, jeglicher Kritik entzogen. Wie sagte Karl Krauss, gestorben 1936, nach der Machtübernahme noch gleich? Ach ja: zu Adolf Hitler fiele ihm nichts mehr ein. Unverstehbar. Etwas, was übrigens Heidegger, angelegt in seinem Werk „Sein und Zeit“ (SuZ), nicht verstanden hat, als er sich nach 1933 den Nazis andiente, um, wie er später zu seiner Rechtfertigung zu behaupten, das Schlimmste zu verhüten. Er entwickelte einen Entfremdungsbegriff, demzufolge sich der Mensch aus allen sozialen Bezügen (zunächst) verabschieden müsse (vgl. DP4, S. 126-136), um das, was Heidegger das „eigentliche Sein“ (Seyn, vgl. SaHei, S. 323f) nennt, erfahrbar zu machen.

Die eigentliche Erfahrung werde indes „zugestellt“, unerfahrbar gemacht, durch die modernen Wissenschaften (seit dem 19. Jh.), denen es allein um Sachfragen zur Beherrschung bzw. Instrumentalisierung der Natur, auch die des Menschen, gehe, und nicht darum zu erspüren, was der Mensch „eigentlich“ sei.

Dummes Zeug.. Nach meinem Dafürhalten wäre das Eigentliche die Beziehungsebene, nämlich die Fähigkeit, soziale Beziehungen „im Sinne aller“ zu gestalten; eine Fähigkeit, die in unserer Gesellschaft immer mehr abhandenkommt. Würde Heidegger dies verstanden haben, hätte er sich den Nazis nicht angedient. Recht hat er indes damit, dass der Mensch sich seine Existenz (Innenleben) zustellt, indem er sich allein um Sachfragen bemüht – ich würde, anders als Heidegger, ergänzen: unter Ausklammerung der Beziehungsebene, die bei Heidegger keine Rolle spielt, es sei denn eine negative. Etwas, was Rüdiger Safranski (in SaHei) nicht klar genug herausarbeitet, wiewohl er sich hier an Hannah Arendt hätte orientieren können, die allerdings auch, wie die meisten Philosophen heute noch, dazu neigt, Heideggers „Sein und Zeit“ von seinem Engagement für die Nazis zu trennen.

Kritikfähigkeit verweist primär auf die Beziehungsebene; diese steht über der Sachebene. Das schließt ein: (inhaltliche) Sachfragen (zur Klimaerwärmung), zu denen mir als Laie „zu wenig einfällt“, sind von sekundärer Bedeutung; mich interessiert an Greta, dass sie mit ihrem Auftritt vor der UNO die Beziehungsebene einbringt; ihre Fähigkeit Beziehungen einzugehen, die sie als Botschaft zusammen mit ihren Sachaussagen absondert. Weniger wichtig ist mir, ob ihre Aussagen (als solche) richtig oder falsch sind, namentlich ob der Klimawandel menschengemacht ist oder natürliche Ursachen hat.

Anders verhält es sich im Hinblick auf die Gestaltung des Innenlebens: Dort könnten wir uns kompetenter äußern, wenn wir es denn wirklich wollten und unser Innenleben durch Sachfragen nicht beständig zustellen würden, das Wesentliche aussparend: wie gehen wir miteinander um? Dazu gehört Mut, kämen auf der Beziehungsebene doch auch Defizite, der „Verlierer in uns“ (vgl. DP3, S. 92-99), zur Sprache kämen, mit denen wir uns nicht gern konfrontieren lassen. Ganz besonders Politiker, die es nicht zuletzt deshalb nötig haben, einem 16-jährigen Teenager die Leviten zu lesen.

Andrerseits kommen wir, wiewohl wir sie ausklammern, um die Beziehungsebene nicht herum, weil wir jeden Tag, ob wir es wollen oder nicht, mit der Notwendigkeit, Beziehungen eingehen und gestalten zu müssen, konfrontiert werden. Das passiert regelmäßig eher schlecht als recht, mehr oder weniger sozialverträglich im Hinblick auf die Entwicklung sozialen Strukturen. Darüber beschwert sich Greta vor der Weltgemeinschaft bei den Politikern, indem sie über Sachfragen redet und dabei, nun die Beziehungsebene unausgesprochen einbeziehend, ihre Tränen (Wut) kaum zu verbergen vermag. Ich finde das gut und mutig obendrein; weil sie sich Schmähungen aussetzt bei den Menschen, die sich im Inneren getroffen fühlen und diese ihre Betroffenheit rationalisieren, indem sie Greta Sachinkompetenz vorwerfen. Ärmlich.

Auf der Beziehungsebene geht es primär um Wahrhaftigkeit und Authentizität einer Person. Sie kommt bei Greta in erster Linie zum Ausdruck, wie sie spricht und welche Botschaften im unausgesprochenen „Wie“ sie nonverbal zusätzlich zum „Was“ aussendet (Bedeutungsüberschuss); indem sie mit ihrer emotional vorwurfsvollen Frage eine einzulösende Erwartungshaltung auf der Beziehungsebene transportiert, eben dadurch, dass sie Gefühle authentisch ins Spiel bringt. So gesehen könnte die Frage etwas anders vom Wortlaut her auch lauten: „Wie können Sie es wagen, die Welt mit Ihrer Beziehungsunfähigkeit zu zerstören?“

Solch eine Kritik, recht verstanden, geht tiefer als es Irrtümer in Sachfragen zur folge haben; das zeigen einige Reaktionen der Politiker, die lediglich hilflos reagieren, wenn man ihre Fähigkeit, Beziehungen zu gestalten, infrage stellt (vgl. Tx03), etwas, was sie, besonders wenn’s um sie selbst geht, feinfühlig spüren, ohne es zu sagen. Aber auch sonst reagieren viele Menschen irritiert bis aggressiv, jedenfalls nicht souverän, wenn Gefühle, die das Gesagte mit überschüssiger Bedeutung gleichsam transzendieren, ins Spiel kommen. Sie denken, dass das, was gesagt worden ist, im Zeichen identifiziert sei, als wäre das, was sie sagen, identisch mit dem, was sie meinen, wenn sie es sagen, also der Interpretation nicht zugänglich. In diesem Fall fühlen, denken und sprechen Menschen im „Modus psychischer Äquivalenz“ (vgl. Svenja Taubner in K14, S. 2f). Wäre dem tatsächlich immer so – die meisten Menschen wissen nicht, dass sie in Wirklichkeit so nicht „ticken“ –, könnten wir uns Kommunikation sparen. Sie bliebe öde, langweilig, leidenschaftslos. Immer mehr Menschen sind es ja auch: öde, langweilig, leidenschaftslos, abgeschnitten von sich selbst und ihrer Umgebung; „weltlos“, wie Hannah Arendt sagen würde.

Allen voran Politiker. Die meisten Bürger hören nicht mehr zu, ohne genauer zu wissen, warum, wenn Politiker sprechen oder diskutieren. Sie verleugnen, verdrängen, verdrehen unentwegt, selbst über das notwendige Maß ihrer Existenzsicherung hinaus; oder schauen weg, wie Greta sagt.

Wegschauen tut man nicht, indem man irrt: auf der Sachebene falsch liegt. Im Gegenteil kommt Authentizität auf der Beziehungsebene dadurch zum Ausdruck, wie man mit Irrtümern und damit auch mit einem Gegenüber umgeht, der den eigenen Irrtum identifiziert, ob man also in der Lage ist, Irrtümer produktiv zu verarbeiten, v.a. dann, wenn die Verarbeitung an die Substanz geht, die eigene Existenz (wenn auch nicht existenziell, sozusagen auf Leben und Tod) berührt. Wird sie negativ wiewohl nicht existenziell berührt, etwa Ruf oder Karriere in Mitleidenschaft gezogen, oder werden vielleicht einfach nur liebgewordene Gewohnheiten berührt, schauen Menschen dennoch nachhaltig weg. Einfach weil sie es gewohnt sind, tief verinnerlicht haben, ihr Innenleben zu tabuisieren. Dann greifen vielleicht einfache Mechanismen, die jegliche Kommunikation, bei der es „um etwas geht“, zusätzlich erschweren, sodass die Beziehungsebene massiv in Mitleidenschaft gezogen werden kann.

Auffällig vor allem bei Politikern: sie ignorierten allesamt selbst auf der Sachebene grundlegende Probleme, die uns unser Wirtschaftssystem, der Kapitalismus, auferlegt; namentlich das Problem, dass der Kapitalismus jede Menge Unsinn, z.B. Autos (für den privaten Verkehr), produziert, die zu lieben wir „gelernt“ oder verinnerlicht haben; der ferner Unsinn produziert wie Rüstung, Kriege, Plastik, Zerstörung von (Regen-) Wälder, landwirtschaftlicher Nutzfläche sowie die Zu-Betonierung der Landschaft mit Straßen für den privaten Autoverkehr.

Derartige Unsinns-Produktionen gehören unabhängig davon eingestellt, ob die dabei verwendeten Ressourcen und Energieträger Kohlendioxid (Co2) ausstoßen oder nicht, und unabhängig davon, ob ein wachsender Co2-Ausstoß unser Klima signifikant erwärmt oder nicht; sodass die Frage nach den menschengemachten Ursachen der Klimaerwärmung zwar interessant, politisch aber weniger relevant ist.

Nun ist die Wahrscheinlichkeit, dass Greta das versteht, ungleich größer, als bei einem Politiker, zumal wenn dieser etwas zu verlieren hat; ganz zu schweigen, dass er begreift, dass der wachsende Ressourcen-Verbrauch zur Produktion von Unsinn ein riesiges Problem ist, den der Kapitalismus gleichwohl braucht, um die gesamtwirtschaftliche Nachfrage hoch zu halten, besser noch stetig zu erhöhen, um Wachstum ad infinitum zu generieren, um mit Wachstum Einkommen und Sozialstaat zu sichern, selbst wenn die Spatzen es längst von den Dächern pfeifen, dass das nicht ewig so weitergehen kann; zumal Wachstum sich nachfrage- und einkommenseffektiv nur noch durch Unsinns-Produktionen stabilisieren lässt. Und die setzen im Falle wachsender Rüstungsanstrengungen Kriege voraus, wie sie überall in der Welt insbesondere vom Westen geführt oder inszeniert werden, weil dort ganz besonders hohe Einkommenseffekte zu verteidigen sind.

Um auf die Beziehungsebene zurückzukommen: die Wahrhaftigkeit einer Person kommt in Abhängigkeit davon zum Ausdruck, ob sie in der Lage ist, sich allen Fragen, die wichtig sein könnten, zu öffnen; selbst wenn sie das eigene Innenleben berühren, z.B. durch geringeres Einkommen. Mit Letzterem kommen die meisten Menschen nicht zurecht, noch ohne zu durchschauen, mit was sie tatsächlich nicht zurechtkommen (mit dem Verlierer in sich), und interessieren sich deshalb vorsichtshalber nur für einen kleinen Ausschnitt ihrer inneren und der äußeren Welt – bis hin zur völligen „Weltlosigkeit“ ihrer Person (Hannah Arendt), nämlich in Abhängigkeit davon, ob jener Ausschnitt ihre persönlichen (Karriere- oder Einkommens-) Interessen berührt oder nicht. Berührt er sie negativ, verkleinern sie den Ausschnitt, d.h. sie schauen noch ein Stück weiter weg bis zu einem Punkt, wo sie nur noch orientierungslos in der Weltgeschichte herumlaufen, um zur Knetmasse in den Händen von Rechtspopulisten zu degenerieren. Das macht sie unwahrhaftig, nicht-authentisch, mit anderen Worten („strukturell“) verlogen – noch im Vorfeld einer rechtspopulistischen Gesinnung, fällt diese doch nicht einfach vom Himmel.

Sicherlich ist nicht auszuschließen, dass der wachsende Ressourcen-Verbrauch das Weltklima über das notwendige Maß hinaus erwärmt, das zur Ernährung der Weltbevölkerung nötig ist; tatsächlich ein Nebenaspekt auf der Sachebene, die Beziehungsebene ausklammernd, wiewohl das eigentlich gar nicht geht, auf den Nebenaspekt sich aber alle Welt im Konflikt mit einem 16-jährigen Mädchen konzentriert, um von der Zerstörungswut unseres Wirtschaftssystems abzulenken, wegzuschauen, wie Greta sagt, und um dabei die eigene Person, das, was ihr Innenleben ausmacht, zuzustellen (Heidegger in „Sein und Zeit“).

Zum Schluss möchte ich einen zusätzlichen Aspekt ins Spiel bringen im Hinblick darauf, dass Greta Autistin ist (vgl. Tx02). Vor diesem Hintergrund frage ich noch einmal: Was macht Greta so authentisch? Es ist, wie gesagt, ihre Beziehungsfähigkeit und damit, wie ich meine, ihre Fähigkeit zu „wirklicher“ Empathie: Beziehungen einzugehen, zu strukturieren, zu mentalisieren, wie es in K14 (S. 2ff) heißt. Das setzt die Fähigkeit zur Empathie voraus, nicht zu verwechselt damit, Gefühle lesen und in sich generieren zu können (vgl. K14, S. 63; S. 75f, Fußnote, ferner die Besprechung eines Romans, geschrieben von einem Autisten, in MP2, S. 158 ), sodass Greta, vermutlich weil sie Autistin ist, sich sehr wahrscheinlich nicht wird irre machen lassen davon, dass man sie vor der Weltgemeinschaft hat reden lassen. Eben weil beim Autisten die Wahrscheinlichkeit zur Selbst-Überhöhung ungleich geringer ist als beim sogenannten Normalbürger. Das schließt ein, dass Autisten vermutlich viel weniger korrumpierbar sind als die meisten Politiker.

Herzliche Grüße

Franz Witsch

www.film-und-politik.de

Quellen:

DP3: Franz Witsch, Die Politisierung des Bürgers. 3. Teil: Vom Gefühl zur Moral, Norderstedt 2017, erste Aufl. 2013

DP4: Franz Witsch, Die Politisierung des Bürgers. 4. Teil: Theorie der Gefühle, Norderstedt 2015, erste Aufl. 2012

MP2: Franz Witsch, Materialien zur Politisierung des Bürgers, Band 2: Kommunikation unter Verdacht, Norderstedt 2015

Tx01: „Wie können Sie es wagen, weiter wegzuschauen?“

Telepolis vom 25.09.2019, Wolfgang Pomrehn

https://heise.de/-4539313

Tx02: Die Mär vom empathielosen Autisten

Telepolis vom 07.09.2019, von Konrad Lehmann

https://heise.de/-4501615

Tx03: Bierdeckel-Fachmann Friedrich Merz, der Klimawandel und die Verunglimpfung der Klimaaktivistin Greta Thunberg

Telepolis vom 27.09.2019, von Rainer Schreiber

https://heise.de/-4541225

K14: Franz Witsch, Mentalisieren: Anmerkungen zur Gestaltung des Innenlebens. http://www.film-und-politik.de/Politik/K14.pdf

SaHei: Rüdiger Safranski, Ein Meister aus Deutschland. Heidegger und seine Zeit, Frf./Main 2001, 9. Auflage 2015, erstmals erschienen 1994.

SuZ: Martin Heidegger, Sein und Zeit, Tübingen 2001, erstmals  erschienen 1927

Urheberrecht
Die unter www.scharf-links.de angebotenen Inhalte und Informationen stehen unter einer deutschen Creative Commons Lizenz. Diese Lizenz gestattet es jedem, zu ausschließlich nicht-kommerziellen Zwecken die Inhalte und Informationen von www.scharf-links.de zu vervielfältigen, zu verbreiten und öffentlich zugänglich zu machen. Hierbei müssen die Autoren und die Quelle genannt werden. Urhebervermerke dürfen nicht verändert werden.  Einzelheiten zur Lizenz in allgemeinverständlicher Form finden sich auf der Seite von Creative Commons http://de.creativecommons.org/was-ist-cc/.

——————————————————————————

Grafikquellen      :

Oben     —           Demonstration anlässlich des Global Climate Strike am 20. September 2019 in Sydney.

Abgelegt unter International, Kultur, Regierung, Umwelt | Keine Kommentare »

DIE * WOCHE

Erstellt von DL-Redaktion am 30. September 2019

Wie geht es uns, Herr Küppersbusch?

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/1/1b/Die-Woche.png?uselang=de

Kolumne von Friedrich Küppersbusch

Aktivismus, Wahlen und China. Spektakuläre Persönlichkeit. „How dare you?“ – Greta Thunbergs emotionale Rede spaltet die Gemüter. Das gilt auch für andere Themen in dieser Woche wie Kurz merkelt, Gabriel gibt den Kyffhäuser und die Weltmacht Bayern triumphiert.

taz: Herr Küppersbusch, was war schlecht in der vergangenen Woche?

Friedrich Küppersbusch: Google Maps warnt jetzt auch vor Naturkatastrophen.

Und was wird besser in dieser?

AfD fährt nach Karte.

Der frühere SPD-Chef Sigmar Gabriel legt sein Bundestagsmandat zum 1. November nieder. Kommt er nochmal zurück ins Hohe Haus?

Klar, das ist dünn und passt also nicht zu Gabriel: die Begründung, er könne nicht zugleich Chef der „Atlantik-Brücke“, Lehrbeauftragter und Abgeordneter sein. Er konnte SPD-Chef, Vizekanzler, Umwelt-, Wirtschafts- oder Außenminister gleichzeitig. Er kann vor allem nicht nichts tun. Das jedoch scheint in Sigmardimensionen ein einfacher Abgeordneter zu tun. Aus seiner Zeit führt die Öffnung der SPD zu R2G-Koalitionen.

Der Verzicht auf eine Kanzlerkandidatur zugunsten Martin Schulz hatte Größe. Kurz: Tolle Bilanz, wenn nicht ein gewisser Sigmar Gabriel, bollerig, ungebeten, belehrend ihm immer wieder das Image versauen würde. Zur Vorsitzwahl nicht anzutreten und dann lieber ganz hinzuschmeißen: Er zieht in den Kyffhäuser, sein Bart wächst durch den Marmortisch, und wartet, bis Deutschland ihn ruft.

Österreich hat gewählt: Siegt die Gemeinheit immer weiter?

Kurz merkelt. Eine Groko und eine Rechtsko hat er bereits überlebt – jeweils mit erheblich beschädigtem Koalitionspartner. Nun kann sich drittens eine ÖVP-Grün-Neos-Koalition ergeben. Nach Wiener Farben „Dirndl-Koalition“: türkis, grün, pink. Neben schlimm Augenkaries eine Option auf Neues in der Umwelt- und Migrationspolitik. Jedenfalls wird Kurz nicht der jüngste Altkanzler ever, sondern bleibt die teflonbeschichtete Skandalnudel an der Regierungsspitze.

Der Rechtsausschuss des Europaparlaments hat zwei umstrittene Bewerber der Kommission von Ursula von der Leyen gar nicht erst zur Anhörung zugelassen. Braucht Frau von der Leyen vielleicht ein paar externe Berater?

Quelle        :        TAZ            >>>>>          weiterlesen

———————————————————————-

Grafikquelle       :        Bearbeitung durch User:Denis_Apel – Lizenz “Creative Commons“ „Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen“

Urheber Unbekanntwikidata:Q4233718

 

Abgelegt unter Feuilleton, International, Medien | Keine Kommentare »

DL – Tagesticker 30.09.19

Erstellt von DL-Redaktion am 30. September 2019

Direkt eingeflogen mit unseren Hubschrappschrap

*************************************************

Die Wähler stimmen  den Kurzen groß – Was hat er nicht –  was Mutti  Oben hält ? – Keinen Hosenanzug !

Nach Ibiza-Affäre in Österreich :

1. ) „Kronen Zeitung“ stichelt mit Strache-Zitat gegen schlechtes FPÖ-Ergebnis

Wien Das Ibiza-Video von Heinz-Christian Strache stürzte Österreich in eine Krise. Am Sonntag bekam seine FPÖ die Quittung und stürzte in der Gunst der Wähler ab. Ausgerechnet die „Kronen Zeitung“ konnte sich einen Seitenhieb gegen die Partei nicht verkneifen. Es war nur eine Frage der Zeit, bis am Wahlabend in Österreich der unterlegenen FPÖ erneut das Ibiza-Video um die Ohren flog. Ausgerechnet die „Kronen-Zeitung“ stichelte gegen die Partei, die bei der vorgezogenen Nationalratswahl um gut zehn Prozent abgestürzt war und nur noch bei rund 16 Prozent landete. Jenes Medium, das Vizekanzler Heinz-Christian Strache der vermeintlichen russischen Oligarchin im Video, das auf Ibiza entstanden ist, schmackhaft machen wollte.

RP-online

*************************************************

Aucvh scharfe Schwerter werden langsam stumpf. Heldentaten nur per Maul ?

Ukraine-Affäre

2.) Berater sollen mehrfach versucht haben, Trumps Vorgehen zu verhindern 

US-Präsident Trump steht in der Ukraine-Affäre weiter unter Druck. Nun hat sich ein früherer Berater geäußert: Die Verschwörungstheorie, die hinter Trumps Bemühungen gesteckt habe, sei bereits „komplett entlarvt“.  Der US-Präsident ist nicht gerade dafür bekannt, dass er viel Wert auf den Rat seiner Mitarbeiter legt. Auch in der Ukraine-Affäre könnte Donald Trump die Warnungen seines Stabs ignoriert haben. Wie die „New York Times“ berichtet, soll der Präsident mehrfach aus den eigenen Reihen davor gewarnt worden sein, von der Ukraine Ermittlungen gegen den Sohn von Joe Biden erzwingen zu wollen.

Spiegel-online

*************************************************

Wo kein Dr. Lindner – geht es auch ohne Schwindler ?

Österreich-Wahl:

3.) Schwer getroffen – Unruhe in der FPÖ

Sie waren vorgewarnt. Dass die Freiheitlichen an Stimmen einbüßen würden, hatten sie erwartet. Selbst dass die Verluste größer würden als noch vor wenigen Tagen angenommen, hatten sie irgendwie eingepreist. Schon seit ein paar Tagen rechnete man bei der FPÖ damit, dass das Ergebnis knapp unter der 20-Prozent-Marke liegen dürfte – nach den sensationellen 25,97 Prozent, die sie bei der Nationalratswahl 2017 eingefahren hatten, und die sie in die Regierungskoalition mit der ÖVP getragen hatten. Allerdings weniger als 18 oder 19 Prozent? Nach den ersten Hochrechnungen, ist das Entsetzen groß. Dem vorläufigen amtlichen Endergebnis zufolge kommt die FPÖ nur auf 17,3 Prozent der Wählerstimmen.

Sueddeutsche-Zeitung

*************************************************

Warum schreibt die Presse so gerne von Prinzen und seinen Kohorten ? Er ist nicht mehr als jeder andere Nicht-Mensch auch – Nur ein kleiner mieser Politiker !

„Unvorstellbar hoher Ölpreis“

4.) Kronprinz sucht Verbündete gegen Iran

Der saudische Kronprinz fordert, dass die Weltgemeinschaft entschlossen gegen den Iran vorgeht. Als Argument nennt bin Salman den Ölpreis, der in unvorstellbare Höhen schnellen würde, wenn weitere Angriffe folgen. Ein Rezept hat er allerdings nicht. Militärische Antworten möchte er vermeiden. Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman hat die internationale Gemeinschaft vor einer weiteren Eskalation im Konflikt mit dem Iran gewarnt. „Wenn die Welt keine starken und entschlossenen Maßnahmen ergreift, um den Iran abzuschrecken, dann werden wir weitere Eskalationen sehen, die die Interessen der Welt bedrohen werden“, sagte der Kronprinz in einem vom US-Sender CBC News ausgestrahlten und von ihm auch ins Englische übersetzten Interview. „Die Ölversorgung wird unterbrochen und die Ölpreise werden auf unvorstellbar hohe Zahlen steigen, die wir in unserem Leben noch nicht gesehen haben.“

ntv

*************************************************

Ist das nicht ein Lager aus Seehofers Umgangskatalog mit Flüchtlingen ? Hatte er aber Glück nicht vor Ort gewesen zu sein, Holz galt schon immer als ein zuverlässiger Brandbeschleuniger.

Griechische Insel Lesbos  

5.) Feuer im Flüchtlingslager „Moria“ – Mutter und Kind sterben

Bei einem Feuer in zwei Flüchtlingslagern sind mindestens zwei Menschen umgekommen. Rund 30,000 Migranten sitzen derzeit auf den griechischen Inseln fest. Besonders schlimm ist die Lage im Lager „Moria“ auf Lesbos. Bei zwei Bränden im Flüchtlingslager „Moria“ und einem daneben gelegenen Zeltlager auf der griechischen Insel Lesbos sind am Sonntag eine Mutter und ihr Kind ums Leben gekommen. Im Anschluss kam es am Sonntag in dem überfüllten Auffanglager zu Unruhen. Die Brandursache war zunächst unklar, wie Beobachter der Deutschen Presse-Agentur am Abend sagten.

T-online

*************************************************

„Sicheres Herkunftsland“!  Gibt es bessere Aussagen über die Unfähigleit der Politiker Innen ? Am Deutschen Wesen wird niemand genesen !

Wahl in Afghanistan :

6.) In vielen Gebieten ist die Stimmabgabe lebensgefährlich

Wazhma Frogh ist verzweifelt. „Es war eine schreckliche Woche für Afghanistan“, schreibt die Frauenrechtlerin auf Twitter. „Wir hatten eine Hochzeit in der Familie, aber niemand wollte feiern. Jede Familie hatte einen Toten oder Verwundeten zu beklagen.“ In der vergangenen Woche sind in Afghanistan fast jeden Tag mehr als 170 Menschen getötet worden. Die für den Samstag geplante Präsidentschaftswahl täuscht eine Normalität vor, die es am Hindukusch nicht gibt. Etwa die Hälfte des Landes wird von den aufständischen Taliban kontrolliert. Und die haben gedroht, jeden zu töten, der wählen geht. In der vergangenen Woche töteten die Aufständischen bei einem Attentat auf einer Wahlkampfveranstaltung von Präsident Ashraf Ghani in der Parvan-Provinz, nördlich von Kabul, mindestens 30 Menschen. Ghani blieb unverletzt. Es war eine der wenigen Kundgebungen, die der Politiker persönlich bestritten hatte. Wegen der Gefahr von Attentaten hatte der 70-Jährige sonst zumeist über Skype oder Telefon zu einer kleinen Menge gesprochen.

Tagesspiegel

*************************************************

Sonntagsfrage:

7.) Was halten Sie davon, dass die AfD-Fraktion die meisten Fehlzeiten im Bundestag hat?

Seit der Bundestagswahl 2017 ist die AfD im deutschen Parlament präsent – oder auch nicht, denn offenbar ist die Alternative für Deutschland die Partei, deren Abgeordnete am häufigsten bei namentlichen Abstimmungen fehlen (15,2% Abwesenheitsquote). Wie finden Sie das? In dieser Woche möchte der Parlamentillon (unterstützt durch Anwesenheits-Control) von Ihnen wissen.

Postillon

*************************************************

Hinweise und Anregungen nehmen wir gerne entgegen

Treu unserem Motto: Es gibt keine schlechte Presse, sondern nur unkritische Leser

——————————————————————————————————————

Grafikquellen      :     DL / privat – Wikimedia  Commons – cc-by-sa-3-0

Abgelegt unter Allgemein | Keine Kommentare »