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RENTENANGST

Archiv für September 19th, 2019

Die Internetexplorerin

Erstellt von DL-Redaktion am 19. September 2019

Benachrichtigungen auf dem Smartphone

File:IPhone 8 silver with white rear.jpg

Von Anna Goldenberg

Wer ständig über verschiedene Kanäle Nachrichten auf seinem Handy erhält, lebt gefährlich. Denn die ständige Ablenkung macht unglücklich.

Die Forscher hatten Recht. „Es ist wahrscheinlich, dass Sie, während Sie diesen Artikel lesen, eine Benachrichtigung auf Ihrem Smartphone erhalten“, schrieben sie in die Einleitung ihrer Studie. Eine? Es waren vier. Slack, WhatsApp, nochmal Slack, E-Mail. Ding, ding, ding. Damit komme ich locker auf den Durchschnitt, der kürzlich in einem Artikel im Fachjournal Computers in Human Behavior genannt wurde: Mehr als 60 Benachrichtigungen am Tag sind üblich. Warum das ein Problem ist, wissen wir ohnehin. Wir erleben den Teufelskreis täglich selbst.

Im psychologischen Jargon zusammengefasst: Zwischen Aufgaben zu wechseln, egal wie kurz, ist anstrengend und erhöht die kognitive Belastung. Je größer sie ist, desto leichter lassen wir uns von äußeren Reizen ablenken. Dazu kommt, dass wir Belohnungen lieben, am meisten solche, die neuartig und unerwartet sind. Genau das bieten Smartphone-Benachrichtigungen. Was bringt das nächste Piepsen? Es bleibt spannend.

Man kann sich das eigene Handy wie einen mobilen Spielautomaten vorstellen. Was dabei im Hirn passiert, stellen sich Forscher*innen wie folgt vor: Die erste Benachrichtigung setzt Glückshormone frei. Beim nächsten Piepsen schüttet das Hirn dann den Botenstoff Dopamin aus, der ein Gefühl der Erwartung erzeugt. Man greift fast reflexartig zum Gerät, wenn es summt. Je öfter das geschieht, desto höher die Dopaminzufuhr. Die Rezeptoren können mit der Flut nicht mehr umgehen und werden weniger. Es reicht ein winziger Reiz und man spürt ein riesiges Verlangen.

File:Flickr - Duncan~ - Mansion House.jpg

Die Studie fand eine erstaunlich einfache Methode, die Ablenkung zu reduzieren: Was, wenn die Benachrichtigungen in erwartbaren Intervallen eintrudeln, einmal pro Stunde oder dreimal am Tag?

Angst, etwas zu verpassen

Quelle       :      TAZ        >>>>>          weiterlesen

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Grafikquellen        :

Oben        —       iPhone 8 in silver with white rear side, holding in the hand

Source _DSF9409-Edit
Author Tinh tế Photo

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Unten            —         

DescriptionFlickr – Duncan~ – Mansion House.jpg A woman using her smartphone in London in 2011.
Source Mansion House
Author Duncan Harris from Nottingham, UK

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Notizen zu Bini Adamczaks

Erstellt von DL-Redaktion am 19. September 2019

«Beziehungsweise Revolution, 1917, 1968 und kommende»

File:Ludwig Binder Haus der Geschichte Studentenrevolte 1968 2001 03 0275.0254 (17085210601).jpg

Quelle          :    untergrund-blättle ch.

Von  Jonathan Eibisch

Anleihen bei anarchistischen Denkweisen zur Kritik der gescheiterten Befreiung und die paradoxe Struktur kommunistischen beziehungstheoretischen Denkens. Anknüpfend an die Sendung von „recycling“ am 05.03. werde ich an dieser Stelle einige Zeilen darauf verwenden, Kerngedanken der geführten Diskussion zu rekapitulieren, da wir Bini Adamczaks Buch «Beziehungsweise Revolution, 1917, 1968 und kommende» für sehr lesenswert und diskussionswürdig erachten.

Neben ihrer historischen Beschäftigung, stellt sie sich der Herausforderung an Leerstellen eines aktuellen links-emanzipatorischen Projektes zu arbeiten, dabei verschiedene politische Strömungen (Feminismus, Anarchismus, Rätekommunismus, Kritische Theorie, Poststrukturalismus) in den Blick zu nehmen und neue Denkweisen zu entwickeln. Ihr Ansatz besteht darin, die revolutionären Sequenzen von 1917 und 1968 gegeneinander zu lesen und einer wechselseitigen Kritik zu unterziehen, um Revolution in als nichtrevolutionär angesehenen Zeiten, also den gegebenen Bedingungen, denkbar zu machen. Dass diese Thematik jedoch nicht lediglich eine des Nachdenkens bleiben, sondern durchaus zum Handeln inspirieren sollte, versteht sich dabei von selbst…

Zunächst ist es ein Denken von und in Paradoxien, welches sie stark macht. Sie beginnt – wie auch in ihrer anderen Schrift von 2017 Der schönste Tag im Leben des Alexander Berkman – mit einem befremdlichen Gefühl, welches sie als „Postrevolutionäre Depression“ bezeichnet. Davon ergriffen ist vor allem die jüngere Generation in der aus der Revolution hervorgegangenen Sowjetunion, die als Nachgeborene aufbegehren wollen, während die Revolution jedoch – aus staatskommunistischer – Perspektive schon gelungen zu sein schien; sich zumindest relativ stabilisiert und tatsächlich institutionalisiert hatte. Das revolutionäre Begehren, die Sehnsucht danach, die bestehenden gesellschaftlichen Verhältnisse grundsätzlich umzuwerfen und aufzuheben, wird dabei in einem Begehren nach Revolution fetischisiert und zum problematischen Selbstzweck.

Adamczak zeigt auf, dass dahinter weitere Paradoxien verborgen sind. Zunächst gestaltet sich Utopie als ambivalent, da mit ihr ein umfassendes harmonisches Ideal verbunden wurde, während gleichzeitig ein Bilderverbot bestand und die kommende Gesellschaft zu denken nicht Aufgabe der Revolutionär_innen sei, sondern lediglich die Negation des Bestehenden. Explizit formulierte dies Bakunin (S. 46). Aus den bitteren Erfahrungen mit dem Totalitarismus setzte es sich in der BRD vor allem mit der Frankfurter Schule durch. Im Anarchismus insgesamt hat es immer einen utopischen und einen anti-utopischen Strang gegeben . Beide Pole synthetisiert Adamczak in einem Verständnis von Revolution als synaptischen Konstruktionsprozess.

Im zweiten Teil betrachtet sie jene Bestrebungen, die Geschlechterverhältnisse umzuwälzen. Geschlechtsidentität wird in der Queer-Theorie selbst als eine Paradoxie verstanden, insofern es nicht lediglich feminine und maskuline Pole gäbe, welche sich in Subjekten vermittelt fänden, sondern beide als gesellschaftlich erzeugt angesehen werden. Mit dieser Paradoxie, wie auch den modernen Trennungen von Reproduktion und Produktion, von Affektualität und Emotionalität, Individuum und Gesellschaft umzugehen, hätte 1917 mit dem Fokus auf die Veränderung der ökonomischen Produktionsweise eine universelle Maskulinisierung stattgefunden, während 1968 sich vorrangig auf die subjektive Existenzweise richtete und eine differenzielle Feminisierung möglich geworden wäre. Wichtig ist, dass es sich dabei um Tendenzen handelt, die eben deswegen ihre bestimmte Richtung annahmen, weil andere von ihr durch die jeweilige Konterrevolution abgeschnitten wurden. So z.B. weitergehende Möglichkeiten individueller Entfaltung 1917 und Streikbewegungen, die auf ökonomische Fragen zielten 1968.

Als Synthese aus beiden revolutionären Versuchen, andere Geschlechterverhältnisse einzurichten, beschreibt sie eine kollektive Praxis, die nicht nur auf die Veränderung kultureller Verhältnisse, sondern ebenso auf materielle Strukturen ziele, um die Konstruktion sicherer sozialer Beziehungsweisen zu ermöglichen. Damit thematisiert sie nicht zuletzt auch verschiedene Herrschaftsverhältnisse als ineinander verwoben und gleichermassen problematisch.

Schliesslich sieht sie Relationalität der Beziehungsweisen auch als Vorschlag einer Synthese aus dem Schwerpunkt auf die Umwälzung der Totalität des Staates wie auch der Befreiung der Singularität in individuell widerständigen Praktiken an. Der Gleichheitsorientierung von 1917 und die Freiheitsorientierung von 1968 wäre dahingehend nun durch eine Orientierung auf Solidarität zu ergänzen, da solidarische Beziehungen weder als vorgängig gegeben, noch als sich automatisch in revolutionären Erneuerungen zu verwirklichen anzusehen, sondern selbst zu pflegen, zu bearbeiten und zu konstruieren sind.

In Paradoxien zu denken ist selbst ein Feld der Logik wie Margaret Cuonzo in ihrem Buch Paradoxien aufzeigt . In unserem Zusammenhang steht es vor vier wesentlichen Gefahren: (1) Die Widersprüche in denen es sich bewegt zu relativieren; (2) die Gegensätze – von der Vermittlung her gedacht – überhaupt erst bzw. auf diese Weise zu konstruieren und damit einem verkürzenden Schematismus anheim zu fallen; (3); die gemeinsame Grundlage, auf der Vermittlung und ihre Ziele gedacht werden, nicht ausreichend zu bestimmen; und (4) in seinen Schlussfolgerungen schwammig zu bleiben. Auf diese Punkte kann Adamczaks Buch hin kritisch hinterfragt werden. Doch sicherlich, wer eine Position der Vermittlung einnimmt, also eine Position, die verschiedene Positionen sieht, mitdenkt und sie gleichberechtigt zulassen möchte, weil es ihr um das potenziell Gemeinsame geht, macht sich von allen Seiten angreifbar. Dies bedeutet keineswegs beliebig oder liberal zu werden. Adamczak ist mutig, gerade weil sie dies wagt, damit wichtige Fragen neu aufwirft und Antwortversuche gibt. Hier und heute Ansätze für revolutionäre Politik zu suchen ist eine gemeinsame Aufgabe, auf die es keine leichtfertigen Antworten geben kann.

Mit der Thematisierung der Paradoxie der Utopie trifft Adamczak eine entscheidende Schwachstelle der meisten linksradikalen Ansätze und Praktiken heute. Die Extrempole der reinen Negation wie auch – wenngleich inzwischen deutlich seltener – der allseitigen harmonischen und friedlichen abstrakten Utopie, finden sich in inhaltslosen Phrasen wie der als Totalität affirmierten „Gesamtscheisse“ oder der schönen neuen Welten der Hippies, die sich nicht zu Letzt für transhumanistische Allmachtsphantasien anschlussfähig erweisen. Zum Problem werden diese zumeist enorm aufgeladenen und fetischisierten Denkfiguren, wo sie linksradikale Bestrebungen vollständig blockieren – wenn beispielsweise das individuelle (oder auch kollektive) Konsumverhalten aufgrund der allumfassenden kapitalistischen Warenform als völlig egal oder fälschlicherweise und moralisch aufgeladen als der Dreh- und Angelpunkt individualistisch missverstandener Veränderungsbestrebungen angesehen wird. Gleiches liesse sich in Bezug auf die Gestaltbarkeit von Beziehungen oder auch der Übernahme von Verantwortung sagen.

Der Revolution selbst läge Adamczak zu Folge ein fundamentales Missverständnis zu Grunde, nämlich die Annahme und das Gefühl von Verbundenheit, welches Revolutionär_innen im gemeinsamen Kampf gegen die alte Ordnung erfüllt. Im Zuge der (teilweisen) Verwirklichung einiger revolutionärer Ziele wird dabei offenbar, dass die verschiedenen Gruppierungen durchaus unterschiedliche Verständnisse haben und sich somit missverstehen. Immerhin träten die Missverständnisse dort ein, wo die Revolutionär_innen prinzipiell gemeinsame Ziele anstreben oder zumindest potenziell entwickeln könnten. Dies ist offensichtlich auch das Anliegen von Adamczak selbst, da sie sich mit Möglichkeiten von radikalen und emanzipatorischen Gesellschaftsveränderungen beschäftigt. Sie können weder in der Sackgasse individualistischer und endloser Subversion, noch im Handeln einzelner Gruppierungen oder Strömungen gelingen – und sei es noch so entschlossen und konsequent.

Es allerdings als blosses „Missverständnis“ zu verstehen, wenn vormalige Genoss_innen sich später denunzieren, wegsperren oder umbringen, halte ich für eine recht beschönigende Beschreibung der notwendigen Differenzen zwischen verschiedenen Positionen – selbst, oder vielleicht auch gerade wenn, sie sich als revolutionär verstehen. Den einzelnen Gruppierungen indirekt abzusprechen, dass sie sich aus guten Gründen und mit vollem Recht von „revolutionären“ Politikformen distanzieren, wenn diese in die Errichtung eines neuen – oft autoritäreren – Herrschaftssystems münden, oder zu behaupten, dass sie sich damit der politischen Verantwortung entziehen würden, halte ich für kritikwürdig. Denn Oppositionelle und Dissident_innen entziehen sich, weil eine Partei eben keine Verständigung mehr erzielen, sondern als führend an die Macht gelangen will.

Adamczaks Synthese-Angebot besteht in der erwähnten synaptischen Konstruktion, mit der sie Revolution ins Verhältnis mit Evolution, Utopie und Reform setzt. „Synaptisch“ sollen revolutionäre Vorgänge sein, indem sie verschiedene Strömungen, Gruppierungen und deren Praktiken – letztendlich auch deren jeweilige sozialen Milieus – miteinander verknüpfen. Möglichst freiwillig sollen die verschiedenen Projekte sich dennoch zu gemeinsamen Zielen verbinden lassen. Und die „Konstruktion“ stünde – wie erwähnt – zwischen „reiner Negation“ und „abstrakter Utopie“.

In marxistischen Diskursen wurden Evolution und Aufstand, die Denkweisen von Determinismus und Voluntarismus, also der Verschiebung sozial-ökonomischer Strukturen und bewusster Entscheidungen für unmittelbare Veränderungen gegenübergestellt, um die Frage nach dem ‚richtigen Zeitpunkt‘ für die Revolution zu erörtern. Dazu schreibt sie anderem: „In der klassischen Perspektive sind die Pole miteinander vermittelt, insofern eine bewusste Revolution erst stattfinden kann, wenn sich in der alten Gesellschaft – in ‚ihrem Schoss‘ – die neue entwickelt hat (MEW 13, 9). Dies lässt sich im Sinne von Produktivkräften verstehen, welche die ‚Fesseln‘ (MEW 4, 467) der überkommenen Produktionsverhältnisse sprengen, oder im Sinne einer Klasse, die ‚zum Totengräber‘ (MEW 4, 474) der bisher herrschenden wird, oder im Sinne von Produktionsverhältnissen und Verkehrsformen, die sich parallel zu den dominanten entwickeln, um sie schliesslich zu ersetzen. Nur die dritte Möglichkeit kann den verschiedenen Einwänden standhalten, die in der Geschichte des Marxismus gegen sie erhoben wurden“ (S. 89).

Bezeichnend ist hierbei, dass Adamczak für den deterministischen Ansatz der gesprengt werdenden ‚Fesseln‘ wie auch der voluntaristischen Herangehensweise der politisch organisierten ‚Totengräber‘ jeweils ein Zitat von Marx anführen kann, sie für die dritte Option jedoch keinen Beleg gefunden hat. Besonders verwunderlich ist dies nicht, denn es handelt sich entgegen Adamczaks Behauptung nicht um einen marxistischen Ansatz, sondern um eine Vielzahl gelebter sozialistischer Praktiken, die insbesondere von Anarchist_innen stark gemacht wurden. Genau diese alltagsweltlichen Organisationen (wie Wohnungs- und Konsumgenossenschaften, Kollektivbetriebe, Mitbestimmungsgremien, die sich auch angeeignet werden können, Vereine, Nachbarschaftsversammlungen, usw.) bilden ja die Rahmen, in welchen absichtsvoll Solidaritäten erzeugt werden können – was selbstverständlich ebenfalls bedeutet, dass sie als (politische) Formen auch mit (sozialen) Inhalten zu füllen sind.

In dieser Hinsicht zeigt sich wiederum das problematische Dogma fetischisierter Totalität wie sie Marxist_innen in vulgär-entmündigenden oder intellektuell-abstrahierenden Varianten pflegen und die zu Zynismus und Fatalismus führen. Das Aufspüren von und Nachdenken über andere Verhältnisse, die parallel zu den zweifellos dominanten staatlichen, kapitalistischen, patriarchalen, nationalen und natur-unterwerfenden der Herrschaft bestehen, wird damit grundsätzlich verhindert und als „verkürzt“ abgewehrt. Dabei stellt die marxistische Vorstellung von Totalität selbst eine Verkürzung par excellence dar – zum immerwährenden Rechthaben ist sie geeignet, nicht aber für radikale Gesellschaftsveränderung.

Nicht umsonst knüpft Adamczak daher auch an der „libertären Kritik“ von Gustav Landauer an, der Sozialismus als revolutionären Transformationsprozess – man könnte auch sagen: als konstruktive strukturelle Erneuerung – erfasst. Dabei geht es jedoch nicht darum, im Sinne bürgerlicher Politik, einfach mal „konstruktiv“ und nicht immer nur „negativ“ zu sein, nur um sich von dieser vereinnahmen und einhegen zu lassen. Vielmehr richtet sich der Fokus auf die Inhalte, Formen und Akteure des eigenen radikalen und emanzipatorischen Projektes, um über dieses ein Selbst-Bewusstsein zu erlangen. Dies soll durchaus in kritischer Distanz zum Staat geschehen, bis hin zum „Austreten“ aus ihm, um ein „neues Beginnen“ zu wagen. Die damit ausgebauten, neu entstehenden und aus ethischen Vereinbarungen heraus als erstrebenswert erachteten Beziehungen, können als solidarisch, gleichberechtigt, freiwillig, gegenseitig und respektvoll beschrieben werden.

Daneben bespricht Adamczak viele wichtige Punkte, die auf eine kluge Weise vermittelt werden. Womit sich sie plagt sind Probleme marxistisch geprägter Intellektueller. So auch, wenn sie das ‚kontrafaktische‘ Denken von Revolution als Aufgabe von Intellektuellen ansieht, welche damit die Möglichkeit und Fähigkeit zu radikaler Gesellschaftskritik am Leben erhalten sollen. Analog hatte Eric Hobsbawm – als marxistischer Historiker – anhand anarchistischer Tendenzen in der Neuen Linken den Anarchismus als Ideologie von Revolutionären in nichtrevolutionären Zeiten bestimmt . Das war 1969 – in Beschreibung jener Phase, die Adamczak wiederum im Nachgang betrachtet als „revolutionär“ ansieht. Auch darin zeigt sich, dass es äusserst schwierig ist zu benennen, was als revolutionär gilt oder eben nicht, weil es – wenig überraschend – doch recht verschiedene Auffassungen davon gibt.

In den meisten linksradikalen Zusammenhängen ist die reine Negativ-Erzählung der nichtrevolutionären Bedingungen allgegenwärtig. Anarchist_innen dagegen betonen, dass Revolution nicht intellektuell als Idee (!) konserviert werden darf, um sich der vermeintlich reinen und „radikalen“ Gesellschaftskritik zu erfreuen, sondern es sich stattdessen hier und heute zu organisieren und zu kämpfen gilt. Und dies durchaus aufgrund der herrschenden Zustände und Bedingungen. Selbstverständlich sind die gesellschaftlichen Verhältnisse adäquat und tiefgründig zu analysieren. Die alleinige Abarbeitung an diesen als verkürzt verstandener Totalität (welche das immanente Vorhandensein stets kritisch zu diskutierender Alternativen ausblendet), am politischen Feind Faschismus und/oder autoritärer Staat sowie dem Kapitalismus, verunmöglicht jedoch die Entwicklungen von Visionen. Zeitgemässe, vermittelbare und anknüpfungsfähige links-emanzipatorische Narrative als Angebote und Versuche, zu einer deutlich besseren Gesellschaft zu gelangen, können so nicht gesponnen werden.

Eben um diese Problematik kreist ja Adamczaks Meta-Reflexion und diesbezüglich entfaltet sie ihren Begriff von Beziehungsweisen. Denn jener erfasse (1) die Verbindungen von Reproduktions- und Produktionssphäre, von Mikro- und Makroebene, von Nah- und Fernbeziehungen usw.; (2) fokussiere nicht auf die Totalität des Staates oder lediglich auf die Individuen, sondern auf die Verhältnisse zwischen diesen; (3) denke Veränderung als kollektive plurale Praxis, weder als Regierung durch Staatssubjekte noch widerständiger Akte voluntaristischer Individuen, also weder als totalen Bruch noch als ewige Subversion und orientiere sich schliesslich (4) nicht nur an Gleichheit oder Freiheit, sondern rücke Solidarität ins Zentrum (S. 256).

Abschliessend zu Adamczaks Bezugnahme auf den Anarchismus: Dass sie Anarchist_innen zitiert, ihre Kritik würdigt und an einige ihrer zentralen Denkfiguren anknüpft, verweist auf die bittere Notwendigkeit der Erneuerung kritischer Theorien, gleichzeitig erfreulicherweise aber auch auf eine leichte Verschiebung des Sag- und Schreibbaren in diesem Kontext . Gerade ihre zentralen theoretischen Punkte erscheinen intuitiv als das, was Anarchist_innen propagieren und leben. (1) Das Denken solidarischer Beziehungsweisen, ihrer Gestaltbarkeit und Veränderung in-und-gegen diese Verhältnisse – eben weil es sich um Relationen handelt – ist heute ein durchweg anarchistisches Thema. Offenkundig ist jedoch auch, dass es vor allem feministische Kritiken, Praktiken und Diskussionen waren, die jenes entwickelt und vorangebracht haben . (2)

Das Denken jenes Zwischen für das Adamczak damit eintritt, gleicht ebenfalls anarchistischen Herangehensweisen. Sie entnimmt jenes allerdings stark aus den poststrukturalistischen Theorien und der Queer-Theorie. (3) Die Betrachtung von Revolution&Utopie, welche in sich paradox sind, werden oftmals fetischisiert und verworfen – und deswegen von Adamczak reaktualisiert und konkretisiert. Dies ähnelt dem, was in anarchistischen Zusammenhängen darüber gedacht wird, wo sich dieser Begriffe nicht entledigt wird, sondern ihnen vielmehr alltagspraktische Bedeutungen zukommen. Betrachtet man jedoch „linksradikale“ und „reformistische“ Argumente in Ablehnung und Befürwortung utopischer und revolutionärer Vorstellungen können diese gegeneinander gelesen und ihre mythologische, sehnsuchts-getriebene und historisch gewachsene Aufgeladenheit relativiert werden.

Somit sind es durchaus verschiedene theoretische Bezüge, aus denen Adamczak die kommunistische Beziehungstheorie entwickelt. Sie ermöglicht einen anderen Blick „auf kapitalistische Vergesellschaftung […]. Dieser beansprucht nicht, wahrer oder wesentlicher zu sein als andere Kapitalismustheorien. Er behauptet nicht, radikaler oder umfassender zu sein als andere Kapitalismuskritiken. Er verlangt allerdings danach, die Überwindung von Kapitalismus anders zu konzipieren als in Begriffen der Negation, der Reform oder der Subversion. Nicht darum, Kapitalismus besser zu verstehen, geht es, sondern darum, ihn leichter zu verändern“ (S. 248). Mit dieser Sicht wagt sie den mutigen Versuch, in den gegenwärtigen Verhältnissen auf plurale Weise Gemeinsames zu denken. Inhaltlich jedoch entspricht ihr gelungener Vorschlag in vielerlei Hinsicht einem aktualisierten und vielseitig inspirierten Anarch@-Kommunismus.

Fussnoten:

[1] Nachzuhören auf: https://www.freie-radios.net/87903. Im Gespräch waren vier Personen beteiligt.

[2] Adamczak, Bini, Beziehungsweise Revolution 1917, 1968 und kommende, Berlin 2017.

[3] Kinna, Ruth, Anarchism and the Politics of Utopia, in: L. Davis/Kinna, Ruth, Anarchism and Utopianism, Manchester 2009.

[4] Cuonzo, Margaret, Paradoxien, Wiesbaden 2015.

[5] Hobsbawm, Eric J., Was kann man noch vom Anarchismus lernen?, in: Kursbuch 19, 1969, S. 47-57; zitiert in: Oberländer, Erwin, Einleitung, in: Ders. (Hrsg.), Dokumente der Weltrevolution, Bd. 4 Anarchismus, Olten 1972, S. 21.

[6] Im Übrigen bezieht sich Adamczak keineswegs nur auf Anarchist*innen, sondern beispielsweise auf die Feministin und Kommunistin Alexandra Kollontai, dem häretischen Kommunisten Karl Korsch, auf die Kritische Theorie, den Poststrukturalismus‘ und feministischen Theoretikerinnen wie Silvia Federici.

[7] Ein anderer Strang Beziehungsdenken zu thematisieren findet sich allerdings auch bei Landauer und daran anknüpfend bei Buber, Martin, Pfade in Utopia, Heidelberg 1950, S. 217-233.

Bini Adamczak: Beziehungsweise Revolution. 1917, 1968 und kommende. Suhrkamp Verlag, Frankfurt a. M. 313 Seiten. ca. 24.00 SFr. ISBN: 9783518127216

Soweit nicht anders angegeben und keine Quellenangabe (Name einer Organisation oder Internet-Adresse) vorhanden ist, gilt für die Texte auf dieser Webseite eine Creative Commons Lizenz (CC).

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Grafikquelle  :        Studentenrevolte 1967/68, West-Berlin. / Stiftung Haus der Geschichte (CC BY-SA 2.0

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Vokabular in sozialen Medien

Erstellt von DL-Redaktion am 19. September 2019

Von „Natohure“ bis „Putinversteher“ – eine Übersetzungshilfe

Eine Kolumne von

Auf Twitter und Facebook geht es in politischen Debatten hoch her: Manche seien „hysterisch“, andere „weltfremd“, vieles „umstritten“. Lesen Sie hier, was die Wendungen wirklich bedeuten.

SUV, Grönemeyer, Interview-Abbruch, #Klimastreik, Verbotsforderungen – machen wir uns nichts vor, Social-Media-Debatten haben längst die Weltherrschaft übernommen. Die USA werden via Twitter regiert, Hassrede im Netz hat es in den deutschen Bundestag geschafft, und wenn ein drittklassiger Politiker auf Instagram ein Komma falsch setzt, fordert der Rest der Republik die sofortige Einsetzung eines Untersuchungsausschusses. Natürlich wiederum in sozialen Medien.

Hier entscheidet sich, ob eine Großdebatte bis in die Erwachsenenmedien gelangt. Aber Vorsicht! In Zeiten der Generalaufregung bedeuten viele Begriffe nicht das, was man auf den ersten Blick glaubt. Deshalb hier eine Übersetzungshilfe:

„Versachlichung der Debatte“

Die „Versachlichung der Debatte“ fordern Leute, denen keine überzeugenden Argumente einfallen. Es handelt sich um eine bedeutungslose Pose der Besonnenheit, meist, weil man der Empörung der Gegenseite nichts entgegenzusetzen hat. Das Versachlichungsprinzip besagt: Eine Debattenversachlichung fordert man nur für Themen, bei denen man nicht das geringste Interesse an Veränderung hat, es aber im Moment nicht zugeben möchte.

„Verbote“, „Politik“, „Regulierung“

Als „sinnlose Verbote“ werden alle Forderungen bezeichnet, die das eigene Handeln auch nur homöopathisch einschränken.

Wenn man von den Forderungen nicht selbst betroffen ist, nennt man sie „Politik“.

Wenn die Forderungen ein Feld betreffen, das man eh nicht leiden kann, heißt es „überfällige Regulierung“.

„Weltfremd“

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Als „weltfremd“ bezeichnet man einerseits Diskussionen über alles, was man persönlich nicht in Frage stellen möchte. Und andererseits, worüber man sich noch nie ernsthaft Gedanken gemacht hat.

„Elfenbeinturm“

„Elfenbeinturm“ ist der Vorwurf von Konservativen, dass Linke sich so verhalten würden wie sie selbst.

„Selbstentlarvung“

„Selbstentlarvung“ ist der Vorwurf von Linken, dass Konservative im Zweifel konservative Positionen vertreten.

„Natohure“

Bezeichnet Leute, die von Putin abweichende Meinungen vertreten.

„Putinversteher“

Quelle        :            Spiegel-online           >>>>>            weiterlesen

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Grafikquellen       :

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Diagnose Down-Syndrom

Erstellt von DL-Redaktion am 19. September 2019

Abtreiben oder nicht? Drei Leben mit der Entscheidung

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Birte Müller

Drei Frauen erzählen von ihren Erfahrungen mit der Diagnose Trisomie 21 – von Glück, von Liebe und Überforderung. Und von dem Gefühl, allein gelassen zu sein.

Am Donnerstag fällt in Deutschland eine Entscheidung mit weitreichenden Folgen: Der Gemeinsame Bundesausschuss bestimmt, ob Krankenkassen bald Bluttests für Schwangere zahlen, mit denen das Down-Syndrom beim Ungeborenen nachgewiesen werden kann. Bislang müssen Frauen die Kosten für diese Früherkennung selbst tragen. Soll sie zum Standard werden? Es ist das Dilemma fast aller Eltern – wollen sie vor der Geburt wissen, ob ihr Baby eine Behinderung haben wird? Und was, wenn ja? Drei Mütter berichten, wie sie entschieden haben – und wie sie damit leben.

Birte Müller ist Mutter zweier Kinder – eines mit Down-Syndrom, eines mit „Normal-Syndrom“

Es ist mehr als zwölf Jahre her, als ich mit unserem ersten Kind schwanger war. Ich war damals im wahrsten Sinne des Wortes „guter Hoffnung“. Mein Freund und ich heirateten und freuten uns auf unser neues Leben als Eltern. Wir verzichteten auf pränatale Untersuchungen, da wir uns nicht hätten vorstellen können, unser Baby wieder herzugeben.

Ich hatte keine Ängste, ein behindertes oder krankes Kind zu bekommen und ich glaube nicht, dass ich mich auf den Schock in irgendeiner Weise hätte vorbereiten können. Plötzlich war nichts mehr so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Alles schien mir anders und machte mir Angst. Aber ich bin bis heute froh, dass wir Willi im Arm halten konnten, als wir erfuhren, dass er das Down-Syndrom hat. Denn zum Glück hatten wir unseren unendlich süßen Sohn Willi, mit seinen hübschen, winzigen Händchen und mit seiner zarten Wange, an die wir uns anschmiegen konnten. Das tröstete uns über jeden Schmerz.

Leider wurde unser Sohn nur wenige Wochen nach seiner Geburt schwer krank. Das hatte nichts mit seiner Behinderung zu tun. Willi infizierte sich mit einem resistenten Krankenhauskeim. Er benötigte einen Luftröhrenschnitt und litt unter dauerhaften epileptischen Anfällen. Sein erstes Lebensjahr verbrachten wir im Krankenhaus oder wochenweise – umgeben von Intensiv-Krankenschwestern und medizinischen Apparaten – in unserer Wohnung. Bis heute habe ich keine Antwort auf die Frage: Warum gerade mein Kind?

Ich erinnere mich gut an diese schwierige Anfangszeit. Ich hatte das Gefühl, wir seien von einem anderen Planeten. Ich kannte niemanden, der erlebt hatte, was wir durchmachten. Es war mir unverständlich, dass sich die Welt normal weiterdrehte, dass die anderen Menschen zur Arbeit eilten oder im Café saßen, während mein Kind schwer behindert war und ums Überleben kämpfte. Ich konnte kaum auf die Straße gehen, weil ich das Gefühl hatte, aus allen Schaufenstern würden mich die Bilder von vor Gesundheit strotzenden Babys und ihren glücklichen Müttern anglotzen.

Meinen Mann und mich, überhaupt unsere ganze Familie, hat diese Zeit eng zusammengeschweißt. Wir weinten miteinander und konnten – trotz allem – immer noch viel lachen. Manchmal taten wir sogar beides gleichzeitig.

Ich hatte große Ängste in dieser Zeit und vergoss viele Tränen. Zusätzlich belastete mich ein schlechtes Gewissen wegen meiner Traurigkeit meinem Kind gegenüber. Ich war in eine Depression gerutscht. Vielleicht war es eine Erschöpfungsdepression, vielleicht aber auch eine „ganz normale“ Wochenbettdepression, die nicht aufgefallen war, weil es ja objektiv gesehen reichlich Gründe für Verzweiflung gab. Mir half eine medikamentöse Behandlung und langsam wuchsen wir in das Leben mit einem behinderten Sohn hinein, so wie es Eltern tun, die kein behindertes Kind haben.

Im Krankenhaus lernte ich Mütter anderer schwer kranker oder behinderter Kinder kennen. Sie verstanden meinen Schmerz und meine unendliche Liebe zu meinem Sohn. Das war mir eine große Hilfe. Ich sah, dass wir gar nicht die Einzigen waren und dass das Leben auch bei uns weiterging, obwohl ich mir das oft kaum vorstellen konnte.

„Wir führen eigentlich ein ganz normales Leben“

Was mir nie weiterhalf, waren Bücher und Ratgeber zum Thema „Unser Baby im ersten Jahr“. Wann immer ich darin las, fühlte ich mich, als würde ich versagen. Ich erfuhr darin zwar, wie wichtig das Stillen für mein Baby sei. Über Kinder mit Entwicklungsverzögerungen stand in den Büchern aber kein Wort.

Zu den Tabellen, die mir zeigten, was mein Kind alles können müsste – aber nicht konnte –, waren überhebliche Texte zu lesen: Man müsse als Mutter nur gelassen bleiben, denn die Kinder würden alle Entwicklungsschritte ganz von selbst machen. Dass für manche Kinder und Mütter aber nicht alles wie von selbst passiert und dass der kleinste Schritt dann eine große Leistung von beiden bedeutet, davon konnte ich in den Büchern nichts lesen. Ich warf sie eines Tages allesamt in den Krankenhausmülleimer.

File:Ohio Rotarians and National Guard soldiers join forces to help Kyrgyz children with disabilities 131208-F-ZB796-034.jpg

Heute liegt das alles lange hinter uns. Willi ist schon zwölf und unsere Tochter Olivia zehn Jahre alt. Wir haben uns gefreut, dass wir noch ein zweites Kind ganz ohne Komplikationen auf die Welt bringen durften. Trotzdem hat Olivia unser Leben fast genauso auf den Kopf gestellt wie Willi. Das liegt vielleicht in der Natur des Kinderbekommens. Willi ist seit vielen Jahren gesundheitlich ganz stabil, das ist ein großes Geschenk. Er ist ein glückliches, sehr lebensfrohes Kind. Im Vergleich zu anderen Kindern mit Down-Syndrom entwickelt er sich – aufgrund der schweren epileptischen Anfälle im Säuglingsalter – allerdings sehr langsam. Er kann zum Beispiel nicht sprechen oder selbstständig auf die Toilette gehen.

Trotzdem führen wir eigentlich ein ganz normales Leben. Also für uns ist es wenigstens normal. Auf andere wirken wir schon manchmal ziemlich verrückt, doch das stört mich nicht. Im Gegenteil, es hat auch etwas Befreiendes.

Das Leben ist allerdings schon oft sehr anstrengend mit einem behinderten Kind, das Blasmusik über alles liebt, oder mit einem unbehinderten, welches die Schule hasst. Das Wunderbare ist aber, dass die viele Kraft, die ich für unseren Alltag brauche, immer wieder aus der Liebe für meine Kinder selbst entspringt. Auch wenn Willi vielleicht nicht viel kann, lieben kann er von ganzem Herzen. Und welche Mutter eines pubertierenden Kindes hat das Glück, diese Liebe auch jeden Tag überschwänglich gezeigt zu bekommen?

In letzter Zeit wurde viel zum Thema Früherkennung von Kindern mit Down-Syndrom in der Schwangerschaft berichtet. Ich wundere mich dann immer, dass man über einen Bluttest herausfinden möchte, ob denn mit dem Baby „alles in Ordnung“ sei. Ich kann versichern: Menschen mit Down-Syndrom sind voll in Ordnung! Unser Leben mit Willi ist mehr als nur in Ordnung, obwohl er viel schwerer behindert ist, als es Kinder mit Trisomie 21 sonst sind. Unser Leben ist glücklich! Birte Müller

Quelle      :           Tagesspiegel            >>>>>          weiterlesen

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Author UNICEF Ukraine from Kyiv, Ukraine

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Unten     —         Army 1st Lt. Evan Howard, a deployed Ohio Army National Guardmember from Dayton, Ohio, reads a book with Daniar, a student at the Nadjeschda Children’s Rehabilitation Center in Bishkek, Kyrgyzstan, Dec. 8, 2013. Howard and other Transit Center at Manas service members spent time with children from the school after delivering boxes of donated clothes and toys as part of the Rotary Club of Akron, Ohio’s Operation Deployed for Good. (U.S. Air Force photo/Senior Airman Ross Whitley)

Author Senior Airman Ross Whitley

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Suche nach Schuldigen

Erstellt von DL-Redaktion am 19. September 2019

Der gegenwärtige Populismus will nicht die Demokratie korrigieren, sondern sie abschaffen

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Ein Schlagloch von Georg Seeßlen

Populismus oder: Warum das „Volk“ als politisches Subjekt antidemokratisch ist.

Wie der Begriff „Neoliberalismus“, so ist auch der des „Populismus“ in der Gegenwart neu besetzt worden und daher nicht mehr allein aus einer historischen Ableitung zu begreifen. In der Geschichte der Demokratisierungen und ihrer Krisen gab es zweifellos Formen des Populismus, die als notwendige Eingriffe, Korrekturen und Veränderungen wirkten, die ein der Bevölkerung vorenthaltenes Recht wiedereroberten oder die, nur zum Beispiel, auf einen sozialen Ausgleich hinauswollten. Populistisch konnte man aber immer auch jene Formen der Demokratie nennen, die nicht allein auf die demokratischen Instanzen und Institutionen setzten, sondern auch direkte Formen der Beteiligung nutzten. Populistisch etwa wäre auch ein „kumpelhafter“ und antiautoritärer Umgang miteinander, eine betont zivile und legere Beziehung zwischen Regierung und Menschen, ein bisschen so, wie es José Mujica, genannt El Pepe, in seiner Amtszeit als Präsident von Uruguay pflegte. Mit dem, was wir im Prozess des Rechtsrucks und der Faschisierung als „Populismus“ bezeichnen, hat das allerdings so gut wie gar nichts zu tun.

Der Unterschied liegt in drei bedeutenden Elementen: Der heutige Populismus versteht Politik vor allem als Show und Effekt, er stillt mediale Bedürfnisse, findet aber zu keinem schwerwiegenderen Problem eine Lösung. Der Populismus missachtet die große Warnung des weisen K’ung Fu Tzu, nach der jener gut regiert, der eine Lösung, und jener schlecht, der einen Schuldigen sucht. Einmal an die Regierung gekommen, verschleudert der Populist im besten Fall Geld, Talent und Zeit, im schlimmsten Fall wirkt er als Steigbügelhalter für Autokraten und Faschisten der härteren Sorte. Und dieser Populismus versteht das Volk durchaus „völkisch“, also nicht im Sinn der „Leute“, der Menschen, der Gesellschaft, sondern im Sinne einer nationalen, rassistischen und ideologischen Einheit. Und dieser Populismus will nicht die Demokratie korrigieren, sondern sie abschaffen.

Education for Death.jpg

Der Populismus unserer Tage setzt also ein neues politisches Subjekt absolut, das er „Volk“ nennt; es unterscheidet sich in einer Vielzahl von Eigenschaften von dem, was man als „Bevölkerung“ oder „Bürgerinnen und Bürger“ oder, schlimmstenfalls, „Wähler“ in der Demokratie bezeichnet. Einige dieser Eigenschaften liegen auf der Hand, weil sie programmatisch und militant vertreten werden: die Hinwendung zu einem faschistischen Begriff von Volk. Das Volk als mehr oder weniger imaginäres Subjekt hat immer recht, denn sein Recht (anders als das einer mündigen Staatsbürgerin, eines Citoyen) ist nicht erworben, sondern „natürlich“. Mit einem solchen politischen Subjekt ist Demokratie nicht zu machen, und jede und jeder, die damit zu tun haben, wissen es, und wer es nicht weiß und, nur zum Beispiel, die AfD als „bürgerlich“ bezeichnet, der will es nicht wissen oder kann es nicht wissen.

Quelle       :      TAZ       >>>>>          weiterlesen

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Grafikquellen       :

Oben       —       Jahrhundertschritt, Potsdam 03/2017

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Unten         —         From 1943 Disney short Education for Death.

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DL – Tagesticker 19.09.19

Erstellt von DL-Redaktion am 19. September 2019

Direkt eingeflogen mit unseren Hubschrappschrap

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Eine Entschuldigung sollte von politischen Drecksäcken nie angenommen werden. Weg auf den Müll – da gehören sie hin. Die nächsten Versager stehen Schlange. Hier auch ! So zerstören sich die geistigen Blindflieger wenigstens selber.

Justin Trudeau:

1.) Kanadas Premier entschuldigt sich für rassistische Verkleidung

Ein 18 Jahre altes Foto bringt Justin Trudeau mitten im Wahlkampf in Erklärungsnot. Es zeigt ihn während eines Kostümballs einer Privatschule mit braun geschminkter Haut. Kanadas Premierminister Justin Trudeau hat sich öffentlich dafür entschuldigt, vor 18 Jahren bei einem Kostümabend einer Privatschule mit braun geschminkter Haut aufgetreten zu sein. Thema des Abends sei „arabische Nächte“ gewesen, sagte Trudeau. Er habe mit seinem Auftritt in orientalischer Verkleidung „einen Fehler gemacht“, der ihm „zutiefst leid“ tue. Aus heutiger Sicht sehe er ein, dass seine Verkleidung rassistisch gewesen sei.

Zeit-online

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Wer einen solchen Kotzbrocken beraten will, muss schon selber auf einer sehr schmalen Spur unterwegs sein.

Sicherheitsberater O’Brien

2.) Der nächste Hardliner – rät er Trump zum Angriff auf Iran?

US-Präsident Donald Trump ernennt Robert O’Brien zum neuen Sicherheitsberater. Wie sein Vorgänger John Bolton gilt auch er als politischer Falke. Die Sache verlief wie eine Castingshow. Mal verkündete Donald Trump, er habe 15 potenzielle Kandidaten für die Nachfolge des geschassten Sicherheitsberaters John Bolton im Auge. Dann waren es wieder nur fünf. Nun steht der „Gewinner“ fest. Robert O’Brien, ein Diplomat aus dem Außenministerium, soll es nach dem Willen des Präsidenten werden. „Robert ist fantastisch“, schwärmt Trump.

Spiegel-online

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Hier sehen wir was ein Regierungswechel alles ermöglicht . Soviel an freier Intelligenz hätte die Mühle von Müller den Ösis wohl nicht zugetraut.?

Freihandel:

3.) Österreich blockiert Mercosur-Abkommen

Österreich wird das geplante und umstrittene Freihandelsabkommen der Europäischen Union mit dem südamerikanischen Staatenbund Mercosur wohl kippen. Der EU-Unterausschuss im Parlament votierte am Mittwoch gegen das Abkommen, wie österreichische Medien berichten. Damit wird die Regierung zu einem Nein zum EU-Mercosur-Abkommen auf EU-Ebene verpflichtet und dem Pakt ein Riegel vorgeschoben, denn im Rat der EU muss einstimmig entschieden werden.

Sueddeutsche-Zeitung

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Wer könnte denn auch vermuten das Schland-Behörden unkorrekt handeln ? Hitler wurde doch schon lange durch seine Enkel ersetzt.  Und die machen doch nur das, was sie bei der Bundeswehr in mehr als 12 Jahren nie gelernt haben.

Stellungnahme der Regierung

4.) Asylentscheidungen 2019 fast immer korrekt

Fast alle zuletzt überprüften positiven Asylentscheidungen waren im ersten Halbjahr 2019 korrekt. 62.000 positive Bescheide hat das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) in diesem Zeitraum überprüft, in gut 97 Prozent der Fälle wurde der Schutzbedarf bejaht. In 0,5 Prozent der Fälle hat das Bamf eine sogenannte Rücknahme veranlasst, also bei etwa 330 Personen; dies geschieht, wenn Asylbewerber falsche Angaben gemacht oder getäuscht haben. Widerrufen wurde der Schutzstatus bei gut zwei Prozent, weil sich etwa die Situation im Herkunftsland verbessert hat oder ein Abschiebungshindernis wie eine schwere Krankheit nicht mehr besteht. Diese Zahlen gehen aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion hervor, die der Süddeutschen Zeitung (Donnerstagsausgabe) vorliegt.

Focus

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So ist es in der schießenden Truppe: Auch das größte Maul will immer gestopft werden – damit es nichts ausplaudern kann.

Bundeswehrdokumente betroffen

5.) Airbus-Mitarbeiter unter Spionageverdacht

Airbus-Mitarbeiter stehen im Verdacht, sich rechtswidrig Dokumente der Bundeswehr beschafft zu haben. Die betroffenen Personen sind bereits freigestellt worden. Auch die Staatsanwaltschaft ist informiert. Für den Konzern könnte das Konsequenzen haben. Die Staatsanwaltschaft München ermittelt einem Bericht zufolge im Zusammenhang mit zwei Rüstungsprojekten wegen Spionageverdachts gegen Mitarbeiter des europäischen Flugzeugbauers Airbus. Laut einem Bericht der „Bild“-Zeitung sollen Airbus-Mitarbeiter in den Besitz geheimer Akten der Bundeswehr gekommen sein, in denen es offenbar unter anderem um die Beschaffung eines Kommunikationssystems geht. Etwa zwanzig Angestellte des Konzerns wurden dem Bericht zufolge am Dienstag umgehend freigestellt. Akten und Computer seien beschlagnahmt worden.

ntv

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Mehr als 14 Jahren Merkel – bei diesen Vorläufern so macht man jedes Land platt.

Armes Deutschland :

6.) Warum immer mehr Menschen zu den Tafeln müssen

Die Zahl der Tafelnutzer hat sich in 14 Jahren verdreifacht – dramatisch ist der Anstieg bei Senioren. Was sind die Gründe dafür? Immer mehr Menschen gehen zu den Tafeln in Deutschland, um sich Lebensmittel zu holen, die sie sich im Supermarkt nicht leisten können. Innerhalb eines Jahres ist die Zahl der regelmäßigen Kundinnen und Kunden um zehn Prozent gestiegen, teilte der Dachverband am Mittwoch mit. Aktuell kommen 1,65 Millionen Bedürftige. Besonders dramatisch sei, wie viel Rentner unter ihnen sind.

Tagesspiegel

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Spahn: „Krankenkassen zahlen weiter für wirkungslose Homöopathie, weil

7.) Scheiß drauf, sind ja nur 20 Millionen Euro“

 Krankenkassen werden wohl auch in Zukunft nachweislich unwirksame homöopathische Medikamente bezuschussen. Denn laut Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) betrage ihr Umfang gerade einmal „läppische“ 20 Millionen Euro im Jahr, weswegen man „getrost drauf scheißen“ könne.

Postillon

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Hinweise und Anregungen nehmen wir gerne entgegen

Treu unserem Motto: Es gibt keine schlechte Presse, sondern nur unkritische Leser

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Grafikquellen      :     DL / privat – Wikimedia  Commons – cc-by-sa-3-0

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