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Archiv für September 15th, 2019

Die Geschichte des SUV

Erstellt von DL-Redaktion am 15. September 2019

Design und Darwinismus

Von Arno Frank

Das SUV ist Sinnbild des Bösen – erst recht nach einem tragischen Unfall. Mit seiner aggressiven Defensivität ist es aber das Fahrzeug der Stunde.

Reden wir zunächst nicht über das SUV. Steigen wir ein in den Multipla. Dieses Modell von Fiat wurde 1998, im Jahr seiner Einführung, vom „Museum of Modern Art“ in New York ausgestellt. Als hoffnungsvolles Beispiel für ein Konzept, mit dem sich „die sozialen, ökonomischen und ökologischen Probleme der Automobilindustrie im 21. Jahrhundert“ würden lösen lassen.

Das Fahrzeug war ein Van neuen Typs. Er bot sechs Sitzplätze in zwei Reihen, eine innovative Front und einen Rundumblick, für den man normalerweise in einem Cabrio sitzen müsste. Entworfen hatte ihn Roberto Giolito, der auch für die Neuauflage des Fiat 500 im Jahr 2007 verantwortlich zeichnete. Der Multipla sah so knuffig und knuddelig aus, als hätte der Designer seine sechsjährige Tochter ans Zeichenbrett gelassen.

Hätte der Multipla eine Persönlichkeit, dann wäre sie vielleicht mit Jar Jar Binks zu vergleichen, jener bestgehassten Figur aus dem „Star Wars“-Universum. So defensiv und fröhlich, dass es für manche Betrachter schlicht nicht auszuhalten war.

Der Multipla sagt heiter: „Kommen Se rein, können Se rausgucken!“

2009 wählte der Spiegel den Multipla zu einem der „zehn hässlichsten Autos aller Zeiten“. 2011 trat die Autobild nach und kürte das Fahrzeug zum „peinlichsten Auto aller Zeiten“. Da hatte Fiat seinen historischen Flop bereits vom Markt genommen. Es hatte kaum jemand einsteigen wollen in den Multipla.

Der Darth Vader der Zulassungsstellen

Denn die Zeiten, sie waren andere geworden – zumindest anders, als die Geisteswissenschaftler vom „Museum of Modern Art“ sich das vorstellen konnten. Es hat die Automobilindustrie im 21. Jahrhundert offenbar weder soziale noch ökologische Sorgen. Und es ist das Gegenteil des Multipla, das derzeit alle ökonomischen Probleme der Industrie löst: das „Sports Utility Vehicle“, kurz SUV. Sozusagen der Darth Vader der Zulassungsstellen.

Land Rover Defender (L663) at IAA 2019 IMG 0711.jpg

Seit Toyota 1994 mit dem RAV4 an die Ziellinie ging, reißt der Erfolg dieser Fahrzeugklasse nicht ab – seit 2012 stieg die Wachstumsrate jährlich im Durchschnitt um traumhafte 12 Prozent, 2018 sogar um 18 Prozent. Der Marktanteil der SUVs liegt gegenwärtig bei knapp 30 Prozent, es ist also fast jedes dritte Auto auf deutschen Straßen ein „straßengängiger Geländewagen“ oder „geländegängiger Straßenwagen“.

Wobei man im Gelände ein SUV selten sieht. Im Gelände tut’s, wenn gerade kein Geländewagen zur Hand ist, auch ein alter Golf. Oder, für eine allradbedürftige Spezialklientel wie Förster, ein Kombi wie der Su­baru Outback. Den gibt es zwar noch, Waidmänner aber sollen nun den Subaru Forester fahren – ein SUV. Und der Nachfolger des familienfreundlichen Peugeot 5008, eines Van, ist ebenfalls – ein SUV.

Dabei ist nicht einmal ganz klar, was ein SUV eigentlich sein soll.

Rampen- und Böschungswinkel

Das Kraftfahrtbundesamt setzt zur Unterscheidung vom Geländewagen offiziell bestimmte Werte voraus. Keine Abgaswerte, sondern Rampen- und Böschungswinkel, Bodenfreiheit, Anhängelast und eine rätselhafte Wattiefe – gemeint ist die Tiefe eines Gewässers, die mit dem entsprechenden Fahrzeug noch „durchwatet“ werden kann, bevor es den Geist aufgibt.

Demnach wäre spezifikationsbedingt ein tundrataugliches Urviech wie der Lada Niva ein SUV, ein verzärtelter Großgolf wie der VW Tiguan aber ein Geländewagen. Wir sehen, das Kraftfahrtbundesamt ist keine Hilfe.

Wer heute SUV fährt, fuhr in den USA einst einen „Station Wagon“ (SW) – ein geeignetes Vehikel, um von der entlegenen Farm zum Bahnhof („Station“) zu kutschieren und dort mehrere Personen sowie deren Gepäck einzusammeln.

Der klassische „Station Wagon“ von Chevrolet oder Ford hatte in den sechziger Jahren noch gerne Holzapplikationen an der Seite, in Reminiszenz an die Kindheit des Automobils und an die Kutsche – daher auch liebevoll „Woodie“ genannt. Der Ford Bronco, 1966 errichtet auf dem Fahrwerk eines Pick-up-Trucks, war eine Art aufgebockter „Station Wagon“, sah aus wie ein Geländewagen und gilt als eines der ersten SUVs überhaupt.

Militärische Nutzfahrzeuge

Um der Sache näher zu kommen, müssen wir sie kurz verkomplizieren. Parallel zu den zivilen Familienschaukeln gab es – neben dem Van, einem kastenförmigen Lieferwagen – bereits militärische Nutzfahrzeuge, leichte Transporter von enormer Robustheit und Flexibilität. Deutschland schickte Hans mit dem VW Typ 82 („Kübelwagen“) nach Russland, die Sowjet­union ihren Igor mit dem GAZ-61 in Gegenrichtung, und für Japan knatterte Hiroto mit dem Kurogane Typ 95 durch Birma. Mit solchen Ungetümen ließen sich Wüsten erobern, Sümpfe durchpflügen, Furten durchwaten, Dschungel befahren. Weltkriege gewinnen.

Was wir heute Jeep nennen, war die US-Variante dieser Fahrzeuge, ein Willys MB. Der Name „Jeep“ entstand aus dem Kürzel „General Purpose“, GP, das die Allzweckhaftigkeit des Wagens bezeichnen sollte.

Der Hersteller ging bald bank­rott, die Leute wollten nach dem Zweiten Weltkrieg nicht länger Krieg spielen, höchstens mehrere Leute und deren Gepäck vom Bahnhof abholen. Nur der Markennamen „Jeep“ wanderte von Hand zu Hand, gehörte in den siebziger Jahren dem (inzwischen auch untergegangenen) Konzern AMC.

Das erste „Sports Utility Vehicle“

In einem Prospekt des Jeep Cherokee von 1974 taucht erstmals der Begriff „Sports Utility Vehicle“ auf. Das SUV kommt zu seinem Namen.

Wirklich interessant wird es unterdessen in England. Dort produzierte der Hersteller Rover seit 1948 ein uriges Gerät namens Land Rover, mit dem Lord Ibblewith bequem die Grenzen seiner Zuckerrohrplantagen in Rhodesien oder auf Jamaika abfahren konnte, ohne nasse Füße zu bekommen. In Ermangelung eines Empires entwickelte Rover dann 1970 den Range Rover – als bürgerliche Variante des Kolonialvehikels. Vermarktet wurde der Range Rover als Zugpferd für Pferdetransporter und als Gefährt für Jagd, Fischerei und Ausflüge nach Balmoral Castle.

In Deutschland war es das G-Modell von Mercedes-Benz, ein kantiger Unimog für Waldbesitzer mit einem „von“ im Namen und genug Geld auf dem Konto. Größter Fan dieses Ungetüms war der Schah von Persien, damals Großaktionär. Er drängte den Konzern zur Entwicklung eines solchen Fahrzeugs und orderte gleich 20.000 Stück für seine Armee.

Mag sein, dass Zuhälter heute tiefergelegte BMWs mit „Sportauspuff“ durch das Frankfurter Bahnhofsviertel jagen. Erfolgreiche Zuhälter und andere Hipster parken ihr G-Modell mit AMG-Tuning in zweiter Reihe.

Automobiler Botschafter einer Upper Class

Der Range Rover sollte zwar auch Steinschlag aushalten, Baumstämme über- und Schafherden durchqueren können. Vor allem aber sollte er in London eine gute Figur machen, quasi als automobiler Botschafter einer „upper class“, die ­eigentlich auf dem Land zu Hause ist – sonst würde sie Jaguar oder Bentley fahren, wouldn’t they? Ein Fahrzeug für die „Gentry“ also, den Adel. Hier, nicht in den USA oder Japan, liegt der Keim für die Gentrifizierung des Fahrens in den neoliberalen achtziger Jahren, der Ära von Margaret Thatcher.

Der Range Rover erzählte von Wildnis, aber er tat das in Westminster und Notting Hill – und bald auch in Montmartre oder Schwabing. Wer Range Rover fuhr, der hatte sich „draußen in der weiten Welt“ durchgesetzt und wollte das auch zeigen.

Er zeigte überdies, dass es ihm nicht ums Fahren und damit das Beherrschen von Urgewalten ging, wie das bei einem Sportwagen der Fall wäre. Mit dem Luftwiderstand einer Schrankwand und der Motorleistung eines Porsche 911 zeigte der Fahrer eines Range Rover, dass es ihm um das reine Zeigen finanzieller Potenz ging.

Geschmack, wie ihn etwa Sportwagenfreunde wie Ulf Poschardt von der Welt noch gerne beschwören, hat damit aufgehört zu existieren. Das schönste Automobil aller Zeiten, die Citroën DS, wurde vom Philosophen Roland Barthes in „Mythen des Alltag“ in Anlehnung an Jules Verne als „neue Nautilus“ besungen, als modernes Äquivalent gotischer Kathedralen im Sinne einer „überlegenen Schöpfung einer Ära“. Davon kann keine Rede mehr sein.

Ein rollender Bunker

Das SUV ist keine Kirche, es ist ein Bunker. Es ist kein U-Boot, es ist ein Panzerkreuzer. Und doch ist es eine Schöpfung unserer Ära. Was mehr über die Ära als über das SUV sagt.

Zur Landplage in Deutschland wurden die SUVs erst mit einer Verspätung von einem Vierteljahrhundert. Zunächst mussten der erwähnte Toyota RAV4 und der Kia Sportage den Boden bereiten. Doch erst der Einstieg und Erfolg der großen deutschen Hersteller bewirkte deren kaninchenhafte Vermehrung – und den oben erwähnten Marktanteil.

Dabei ist das SUV kein agrikulturelles Spezialprodukt, das sich in die Städte verirrt hat und daher aus ihnen verbannt werden müsste. Es ist für die Stadt gebaut, die Stadt und die Autobahn. Seine Herkunft aus dem Ruralen hat es höchstens in seinem Spitznamen bewahrt, „Chelsea Tractor“ in England oder, präziser, „Börsentraktor“ in Norwegen.

Quelle        :        TAZ        >>>>>         weiterlesen

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Grafikquellen          :

Oben      —    „Mainhattan“ aus der Luft

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2.) von Oben      —        Land_Rover_Defender_(L663) at IAA 2019

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Unten       —      Heckansicht

 

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9/11 und Social Media

Erstellt von DL-Redaktion am 15. September 2019

Mit zwölf Schritten in die Verschwörungsgalaxie

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Eine Kolumne von

9/11 ist die Einstiegsdroge vieler Verschwörungstheoretiker. Was mit Sinnsuche und Neugier beginnt, kann in einem bedenklichen Weltbild enden – auch wegen der Algorithmen von Diensten wie YouTube.

Heute wird 9/11 volljährig. Diesen Mittwoch vor 18 Jahren entführten islamistische Massenmörder vier Flugzeuge, lenkten zwei in die Zwillingstürme des New Yorker World Trade Centers und eines in das Pentagon in Washington. Ein viertes Flugzeug stürzte in Pennsylvania auf ein Feld.

Es ist ein in mehrfacher Hinsicht trauriges Datum. Zu allererst natürlich bezogen auf die über 3000 Opfer des Terroranschlags. Dann gab es noch die Reaktion vom damals noch schlechtesten US-Präsidenten überhaupt, George W. Bush – von der Überwachungsradikalisierung über einen Krieg mit gefälschten Begründungen bis hin zu Guantanamo. 9/11 ist in der Ära der sozialen Medien aber auch die wichtigste Einstiegsdroge für Verschwörungstheoretiker.

Verschwörungstheorien können Menschen radikalisieren, weil sie Weltbilder erzeugen, in denen Gefahr droht von einer geheimen, kleinen, supermächtigen Gruppe, gegen die man sich wehren muss. Vielleicht sogar mit allen Mitteln. Deshalb können alle Verschwörungstheorien auch antisemitisch gewendet werden, stets schwingt die kleine Gruppe der bösen Manipulatoren in der Erzählung mit.

Antisemitismusforscher Samuel Salzborn sieht mit 9/11 eine epochale Veränderung des Judenhasses, wie in seinem neuen Buch deutlich wird. 9/11 ist der vergiftete Brunnen des 21. Jahrhunderts.

Es gibt beim Verschwörungsglauben wichtige graduelle Unterschiede. In vielen westlichen Industrieländern gibt es Zahlen, nach denen zwischen 50 und 60 Prozent der Bevölkerung an mindestens eine Verschwörungstheorie glauben. Einige Fachleute gehen sogar davon aus, dass alle von uns Aspekte solcher Mythen verinnerlicht haben, ohne es zu ahnen.

Aber inzwischen lässt sich gut abschätzen, wie man nicht bloß ein paar Vermutungen mit sich herumträgt – sondern tief und zehrend in Verschwörungssphären gerät. Und warum es meist sehr schwierig und nicht selten unmöglich ist, Menschen aus solchen Sümpfen der Wirrnis zu befreien.

1. Phase – Sinnsuche

Es beginnt auffällig oft mit persönlichen Krisen. Vorne dabei Klassiker wie zerbrochene Partnerschaften, Jobverlust, Familienkonflikte, aber auch das Ende einer Lebensphase und die Unsicherheit vor einer neuen. Die Anfälligkeit für Verschwörungstheorien, so beschreibt es eine im März 2017 veröffentlichte Studie, basiert auf dem Gefühl einer sozialen Ausgeschlossenheit, im Extremfall Einsamkeit. Um sich dagegen selbst zu helfen, machen sich Menschen in dieser Phase auf Sinnsuche, ob bewusst oder unbewusst.

2. Phase – Einstieg

Diese Sinnsuche mit Krisenhintergrund muss als Zeit der intellektuellen Verletzlichkeit begriffen werden. Es handelt sich auch um die Phase im Leben von Menschen, wo sie anfälliger für Sekten oder eine Drogensucht sind. Hier spielt die Allgegenwart von Verschwörungstheorien im Netz eine Rolle: Ob bei Google, Facebook oder YouTube, unverfängliche Suchstichworte etwa nach dem Begriff „Wahrheit“ reichen aus, um zu Verschwörungsinhalten zu gelangen.

Hier entfaltet 9/11 seine Kraft, weil es ein ikonisches Weltereignis ist, das alle kennen. Der Einstieg kann auch direkt erfolgen, zum Beispiel, weil ein Bekannter einen Inhalt per WhatsApp zuschickt. Chats und Messenger spielen bei der Verbreitung entsprechender Inhalte eine wesentliche Rolle.

3. Phase – Neugier

„Die Wahrheit über 9/11“ – wer möchte die nicht kennen? Gerade, wo noch immer nicht alle Akten und Fakten auf dem Tisch liegen? Das ist zwar bei fast allen Vorgängen so, die die nationale Sicherheit von Staaten betreffen, aber die Neugier siegt hier über die Differenzierung.

Verschwörungserzählungen locken ihr Publikum mit der selten bestreitbaren Tatsache, dass man nicht alles über ein Ereignis weiß. Daraus konstruieren sie zunächst die Möglichkeit, dass in diesem Unbekannten eine verborgene Wahrheit steckt. Und sie sind, wie die Wissenschaftlerin Katharina Thalmann schreibt, einfach interessant, sogar faszinierend.

4. Phase – Zweifel

Formulierungen wie „Zweifel an der offiziellen Version“ bauen geschickt zwei Ebenen auf: eine Fassade und die vermeintlich ganz andere Wahrheit dahinter. Deshalb ist 9/11 so dankbar – hier ist kaum bestreitbar, dass die Öffentlichkeit nicht jedes Detail kennt, weil etwa zur Attacke auf das Pentagon Akten unter Verschluss sind. Hört sich dramatisch an, aber faktisch sind alle Akten einer Administration zunächst nicht öffentlich, vom Pankower Bürgeramt ebenso wie vom Verteidigungsministerium.

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Aus der Neugier und dem geweckten Zweifel erwächst der Wunsch nach Erkenntnis, und der erste Eindruck der Verschwörungsopfer ist, dass sie etwas gefunden haben könnten, was sie zuvor nicht wussten. Eine neue Welterkenntnis würde ihnen in einer Zeit der Krise gut passen. Weil aber der Mensch offenbar nur über einen gewissen Vorrat an Skepsis verfügt, wird dieser in der Auseinandersetzung mit der „offiziellen Version“ aufgebraucht – und es bleibt nichts mehr übrig für die neuen, spannenden Behauptungen.

5. Phase – Gutgläubigkeit

Hier beginnen die konkreten Verschwörungserzählungen zu wirken, denn der Mensch neigt dazu, zu glauben, was andere ihm erzählen. Ein australisches Symposion der Sozialpsychologie veröffentlicht Anfang 2019 einen Überblick über die Mechanismen dahinter. Gutgläubigkeit ist ein evolutionäres Erfolgsrezept, auch wenn wir deren Kehrseite Naivität sehr abwertend betrachten. Aber eigentlich ist Gutgläubigkeit eine soziale Fähigkeit, die es uns ermöglicht, besser und schneller in sozialen Gruppen zu agieren. Etwa, weil man eine geschilderte Bedrohung nicht erst unbedingt mühsam selbst überprüfen muss, sondern sofort gemeinsam dagegen agieren kann. Leider nutzen Verschwörungstheorien unsere positive Fähigkeit der Gutgläubigkeit aus.

Quelle       :         Spiegel-online           >>>>>           weiterlesen

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Grafikquellen        :

Oben       —         Collection of photos related to the September 11 attacks, meant to be used as the infobox image for that article on Wikipedia.

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Scientists for Future

Erstellt von DL-Redaktion am 15. September 2019

„Es macht mich traurig, wie dumm wir sind“

File:Front banner of the FridaysForFuture Demonstration 25-01-2019 Berlin 25.jpg

Interview:  mit Christoph Schneider –

-erforscht seit 25 Jahren, wie sich das Klima der Erde ändert. Lange hat niemand zugehört. Jetzt wird er selbst zum Aktivisten, ein bisschen zumindest.

Seit Jahrzehnten warnen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, dass der Mensch mit seinem Verhalten, seinen Autos, seinem Essen, seinem Urlaub das Klima der Erde verändert. Doch lange schien das niemanden zu interessieren. Bis jetzt. Seit jeden Freitag Tausende junge Menschen unter dem Motto „Fridays for Future“ auf die Straße statt in die Schule gehen, ist der Klimawandel zum Thema geworden.

Am 12. März verkündete eine Gruppe Forschender vor der Bundespressekonferenz in Berlin, dass sie die streikenden Schülerinnen unterstützt. Ihr Name: Scientists for Future. Die zugehörige Stellungnahme haben mehr als 26.000 Wissenschaftler unterzeichnet. Einer der Ersten war Christoph Schneider, Professor für Klimageografie am Geografischen Institut der Humboldt-Universität zu Berlin. Er sagt: Fridays for Future habe viel verändert, auch für ihn persönlich – aber lange noch nicht genug.

ZEIT Campus ONLINE: Herr Schneider, vor etwas mehr als einem Jahr begann Greta Thunberg mit ihrem Schulstreik für das Klima. Was haben Sie gedacht, als Sie davon erfahren haben?

Christoph Schneider: Ich habe zum ersten Mal von Greta Thunberg gehört, als sie vor der UN-Klimakonferenz in Kattowitz gesprochen hat. Ich glaube nicht, dass ich damals schon verstanden habe, welche Bedeutung das hatte. Ich fand es berührend, dass junge Menschen nicht nur auf einer Sachebene, sondern mit einer emotionalen Betroffenheit beginnen, die politische Debatte mitzugestalten.

ZEIT Campus ONLINE: Inzwischen protestieren Tausende Schülerinnen und Schüler auf der ganzen Welt mit Greta. Macht Ihnen das Hoffnung?

Schneider: Ja. Ich sehe die Möglichkeit, dass über diesen Protest ein Hebel gefunden wird, den Klimawandel in eine Bahn zu lenken, in der er die Menschheit weniger hart trifft.

ZEIT Campus ONLINE: Sie sprechen von Klimawandel, nicht etwa von Klimakrise, Klimazusammenbruch oder Klimanotstand, wie es Greta Thunberg tut. Warum?

Schneider: Weil ich als Naturwissenschaftler erst mal sehe, dass sich das Klima wandelt. Ob der Klimawandel zu einer Krise wird, ist ein politischer oder soziologischer Begriff, den ich nicht brauche. Ich versuche, objektiv zu sagen: Wir beobachten eine sehr starke Veränderung des Klimas. Die wird sich, nach allem was wir wissen, verstärkt fortsetzen. Die Auswirkungen davon sind voraussichtlich krisenhaft, sie könnten auch katastrophal werden. Aber da ich das nicht weiß, versuche ich zu vermeiden, es in Begrifflichkeiten zu fassen.

ZEIT Campus ONLINE: Sie erforschen seit Anfang der Neunzigerjahre, wie sich das Klima der Erde verändert. Erst jetzt beginnen Politik und Gesellschaft, sich dafür zu interessieren. Wie haben Sie das Vierteljahrhundert dazwischen erlebt?

Schneider: Schon 1986, in meinem ersten Semester Geografie, haben wir in der Freiburger Altstadt beim Bier über Klimawandel gesprochen. Damals war er für uns eher noch ein Anlass, um unsere Forschung zu motivieren. Es ist interessant, wie man das abspalten kann. Wir wussten natürlich genau, wie dramatisch es werden kann, wenn politisch nichts passiert, um dem entgegenzuwirken. Aber zu dem Zeitpunkt dachten wir noch, dass die Menschheit nicht so doof ist und schon rechtzeitig die entsprechenden Schlüsse ziehen wird.

ZEIT Campus ONLINE: Das ist aber jahrzehntelang nicht passiert.

Schneider: Das Kyoto-Protokoll von 1997 war für mich ein Durchbruch: Ich dachte, es gibt doch jetzt einen Konsens auf der Welt, dass wir den Klimawandel angehen. Das war eine Fehleinschätzung. Als dann die Schröder-Fischer-Regierung 2000 das Erneuerbare-Energien-Gesetz verabschiedete, sah ich darin eine Blaupause für die Welt. Das hat sich auch als Fehleinschätzung herausgestellt. Ab 2012 oder 2013 hatte ich immer mehr den Eindruck, dass auf den Folien für meine Vorlesung jedes Jahr das Gleiche steht: Es ist drängend, wir müssen jetzt schnell die Umkehr schaffen und die Emissionen global nach unten bringen. Nur den Zeithorizont muss ich jedes Mal updaten, weil es immer dringlicher wird.

ZEIT Campus ONLINE: Was macht dieses ewige Warten mit Ihnen?

Schneider: Ich bin immer noch optimistisch, dass tiefgreifender Wandel aus irgendeiner Ecke, die ich gerade nicht auf dem Schirm habe, passieren kann. Wer hätte denn vor drei Jahren gedacht, dass es Fridays for Future geben wird? Aber natürlich ist es auch frustrierend. Eine meiner Lieblingsfolien der Klimatologie-Vorlesung für die Erstsemester zeigt die Temperaturkurve von 1850 bis 2100. Meine Enkeltochter ist 2011 geboren, sie könnte den Wechsel ins 22. Jahrhundert erleben. Ich schaue mir diese Werte an und überlege: Was ist das für eine Welt? Wie sieht es da dann aus? Da kann einem schon bange werden. Ich empfinde eine tiefe Berührtheit, einen Schmerz. Es macht mich traurig, wie dumm wir sind. Kollektiv verhalten wir uns wie ein Schwarm dämlicher Goldfische.

„Unser Konsumverhalten funktioniert so nicht“

ZEIT Campus ONLINE: Die neueste Eurobarometer-Umfrage zeigt, dass sich immer mehr Menschen in Deutschland Sorgen ums Klima machen. Während 2018 noch 21 Prozent der Befragten im Klimawandel eines der beiden wichtigsten Themen sahen, mit denen die EU konfrontiert ist, waren es diesmal schon 31 Prozent. Freuen Sie sich über solche Zahlen?

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Würde Dummheit Schmerzen bereiten, müssten manche ältere Semester Tag und Nacht zittern.

Schneider: Ja, aber daraus folgt noch kein belastbares Bekenntnis zu engagierter Klimapolitik. Sagen Sie den Menschen mal, dass eine CO2-Steuer den Liter Sprit auf 2,50 Euro hochtreiben muss, damit wir den Wandel in Richtung Klimaneutralität schaffen. Dann möchte ich mal wissen, wie viele von den 31 Prozent dem noch zustimmen. Das ist das hauptsächlich Frustrierende: dass die Menschen wider besseres Wissen ihren kurzfristigen eigenen Vorteil wählen.

ZEIT Campus ONLINE: Was müssten wir bereit sein zu ändern?

Schneider: Unser Konsumverhalten funktioniert so nicht – egal, ob es um Plastikverbrauch geht, um Müll, um Fernreisen, um die Frage, wie viel Quadratmeter Wohnfläche jeder von uns haben muss. Ich sage nicht, dass wir eine Verzichtgesellschaft brauchen. Nein, wir müssen lernen, dass Lebensqualität bei dem hohen materiellen Wohlstand, den wir Deutschen haben, nicht davon abhängt, so viele Ressourcen zu verbrauchen. Ich bin überzeugt, dass der Erholungseffekt von drei Wochen Radfahren in Brandenburg mindestens so groß ist wie der Erholungseffekt von einer Fernreise auf die Malediven mit Tauchkurs. Aber das verstehen viele Menschen nicht.

ZEIT Campus ONLINE: Gerade in diesem Sommer wird doch viel über Begriffe wie Flugscham und Zugstolz diskutiert.

Schneider: Es sind nur ein paar Menschen, die es schaffen, ihr Verhalten wirklich zu ändern. Wir brauchen natürlich diese Graswurzelbewegung – dass Menschen weniger fliegen, bio und regional einkaufen, weniger Fleisch essen. Alles total wichtig. Aber das löst das Problem nicht. Es kann maximal das politische Bewusstsein schaffen und den Druck aufbauen, dass von oben die Anreize gesetzt werden, die eine breite Masse mitnehmen.

Quelle        :         Zeit-Campus           >>>>>         weiterlesen

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Grafikquellen       :

Oben       —          Fronttransparent der FridaysForFuture Demonstration am 25. Januar 2019 in Berlin.

Source Own work
Author Leonhard Lenz

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2.)     von  Oben       —        Maja Göpel (3.v.l.) bei der Vorstellung der Stellungnahme von Scientists for Future, März 2019 in Berlin

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Wo bleibt die Gesellschaft ?

Erstellt von DL-Redaktion am 15. September 2019

Wo bleiben alternative gesamtgesellschaftliche Konzepte?

File:Graffiti Party Time 01.JPG

Quelle        :     Scharf   —   Links

Von G. Karfeld

Es gibt zahllreiche verschiedene Gruppen und Initiativen die sich gegen irgend etwas aussprechen, von dem sie der Meinung sind, dass dieses Bestimmte schädlich ist, für die Gesellschaft, Umwelt und die Zukunft der Menschheit.

Gegen Atom- und Kohlekraftwerke
Antifaschismus
Gegen Umweltzerstörung
Gegen den Individualverkehr (PKW) in Städten
Gegen Krieg
Gegen Steuererhöhungen
Gegen Kapitalismus
Gegen Arbeitslosigkeit
Gegen Armut
Gegen Demokratieabbau
Gegen Sozialabbau
Gegen Massentierhaltung
Gegen Niedriglohn
Gegen die Einschränkung der Meinungsfreiheit
Gegen das Medienkartell
Gegen das Politische Kartell der etablierten Parteien ( Protestwähler)
Gegen die NATO
Gegen Grenzenlosigkeit und grenzenlose Migration.
Gegen Grenzen und Grenzen für Migration
Gegen Niedrigrenten
Gegen ausrufernde Managergehälter
Gegen Wohnungsnot

Die Liste ist bei weitem nicht vollständig. Jede einzelne Forderung ist für sich berechtigt und ihre Durchsetzung auch wünschenswert. Das schließt nicht aus dass manche Forderungen auch im direkten Widerspruch zueinander stehen, wie z.B. die Forderung nach Abbau der Grenzen und für grenzenlose Migration. Aber auch genau der Umkehrung, der Kontrolle der Grenzen und Begrenzung für Migration. Hinter letzterer Forderung stehen weite Teile der Bevölkerung ob es nun den Gegnern gefällt oder nicht. Allein diese Forderung verleiht der AfD ihre Existenz. Denn ansonsten hat diese Partei nichts zu bieten.

Wenn man diese vielfältigen Forderungen wahrnimmt entsteht der Eindruck, die Teile der Gesellschaft, die sich gegen negative Auswüchse in unserer Gesellschaft einsetzen, ich nenne sie einmal die Protestbewegung oder Antibewegung, ist sehr stark zersplittert und daher völlig wirkungslos. Außerdem dürfte sie teilweise auch von den Herrschenden gesteuert sein. Alle haben auch ein gutes Gefühl und ein gutes Gewissen, denn sie setzen sich ja alle für etwas gutes ein. Jede der Forderungen ist für sich gesehen völlig berechtigt, ich kann alle ausnahmslos unterschreiben, auch die, die, im Widerspruch zu einander stehen.

Was diese vielen Gruppen jedoch übersehen, ist, all diese Zustände die reklamiert werden sind Teil des bestehenden kapitalistischen Systems. Dieses System steht heute unter enormer Spannung. Es ist sehr Krisenanfällig und die Auswüchse die reklamiert werden dienen häufig dazu um es am Leben zu erhalten. Das heißt, es ist nicht möglich einige dieser Forderungen zu erfüllen ohne das bestehende kapitalistische System insgesamt zu gefährden. Dies läßt auch die herrschende kapitalistische Klasse nicht zu. Ein Absturz des bestehenden Systems ist auch nicht wünschenswert, denn dies würde bei der Abhängigkeit von den globalen Märkten, auch der Lebensmittelversorgung, massive Opfer erfordern. Daher wäre es sinnvoll die wichtigsten Forderungen in einem Katalog zusammen zu fassen und diesen in einem alternativen Gesellschaftsmodell dem kapitalistischen Gesellschaftsmodell entgegenzustellen. Es sollte, wenn möglich ein geordneter Übergang angestrebt werden. Dieses alternative Gesellschaftsmodell sollte dann als ganzes von allen Gruppen vertreten werden. Nur die Vereinigung des Protestes und ein geschlossenes Auftreten gegen die herrschenden Zustände haben eine Chance Veränderungen zu erzwingen.

Was bringt der Antifaschismus, wenn die Linke keine Alternative bietet?

Wer gegen Atom- und Kohlekraftwerke ist muss tragfähige alternative Energiesysteme anbieten. Windkraft und Photovoltaikanlagen alleine reichen dafür nicht aus. Sie gewähren kein stabiles Stromnetz.

Was bringt die Antikriegsbewegung, wenn der Krieg ein für die kapitalistischen Eliten unverzichtbarer Teil des bestehenden Sytems ist?

Der Antikapitalismus ist ohne das Angebot einer für weite Teile der Gesellschaft akzeptablen Alternative eine leere Worthülse.

Die Bekämpfung der Armut ist ohne dass man den wahren Ursachen dafür auf den Grund geht wirkungslos.

Wer die Umweltzerstörung stoppen will, muss dem grenzenlosen Wachstum das Teil des kapitalistischen Systems ist, Grenzen setzen.

Eine Welt ohne Grenzen und grenzenlose Migration ist wünschenswert, aber ohne das zu mindesten der Größte Teil der Länder dieser Erde annähernd gleichen Lebensstandard sowie annähernd gleiche soziale und wirtschaftliche Verhältnisse aufweisen, nicht durchsetzbar. Ohne dass dies der Fall ist kann Migration als Waffe zur Destabilisierung der Länder eingesetzt werden, deren Gesellschaft einen hohen Lebensstandard sowie höhere soziale und im Vergleich bessere wirtschaftliche Verhältnisse aufweisen. Das Endergebnis wird sonst eine Einhegung auf den niedrigsten Lebens- und Sozialstandard sein. Was vermutlich auch das Ziel der kapitalistischen Eliten ist. Manche Forderungen bedingen nun einmal auch bestimmte Verhältnisse um sie realisieren zu können. Diejenigen, die heute gegen grenzenlose Migration sind, als Rechte oder Nazis abzustempeln ist kein Ausdruck von Demokratie und Humanismus. Wenn die Linke sich einer öffentlichen Diskussion des Themas Massenmigration und ihren Folgen verweigert, ist das auch ein Zeichen von Ratlosigkeit. Es ist nachzuvollziehen dass dies kein einfaches Thema ist. Es ist aber manchmal sehr unverständlich wenn Linke über Integration reden, obwohl sie sich eigentlich darüber im klaren sein müssten, dass der Kapitalismus unfähig eine solche Anzahl an Zuwanderung zu integrieren. Das kapitalistische System nutzt die Zuwanderung über Migration um den grenzenlosen Wettbewerb zu realisieren. Es nutzt diese auch um die Gesellschaft zu spalten. So lenkt man von den eigentlichen Ursachen der Probleme, die Teil des bestehenden Systems sind, ab. Das Ziel ist die Löhne zu drücken und die Sozialsysteme wegen zu hoher Kosten abzubauen. Die Migration wird genutzt um die Gesellschaft zu verarmen. Armut grenzt aus, ist also das Gegenteil von Integration. Eine wirkliche Integration einer so hohen Anzahl von Menschen kann der Kapitalismus nicht leisten. Dies sollte eigentlich jedem Linken bewußt sein. Die zweite Seite der Medaille: Migration ist die Migrationsursache. Wenn man betrachtet aus welchen Länder die Mehrzahl der Migranten kommt, nämlich aus Lybien, Syrien, Afghanistan und Nordafrika, alles Länder in denen die NATO-Kriegsmaschinerie tätig ist. Und wenn es nicht die Kriegsmaschienerie der NATO- Länder ist, ist es ihre wirtschaftliche Tätigkeit. Sie ist oft nicht weniger zerstörerisch als ihre Kriegsmaschinerie. Das heißt die Migrations- Ursache ist im eigenen Land zu suchen. Die Profitstrategiehen der kapitalistischen Eliten erzeugen Migration dort wo sie wirtschaftliche Zerstörung anrichten und nutzen sie auch gleichzeitig, im eigenen Land, wo die Migranten ankommen. Dies muss man erkennen und auch kritisieren. Es muss also der Druck auf das bestehende kapitalistische System verstärkt werden. Nicht auf die Migranten, die in der großen Mehrzahl auch Opfer des kapitalistische System sind. Eine solche Diskussion ist überfällig. Sie würde der AfD viel politischen Wind aus den Segeln nehmen.

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Wer gegen Demokratieabbau auftritt, darf sich einer solchen Diskussion schon gar nicht verweigern.

Wer gegen Umweltzerstörung ist, muss den Wachstumszwang der dem kapitalistischen System innewohnt bekämpfen.

Der Kapitalismus ist ein System das für seine Eliten keine Grenzen anerkennt. Das Ziel ist Profit, alles was diesen begrenzt wird niedergerissen. Die Folgen sind, all die oben beschriebenen Probleme auf die, die vielen verschiedenen Gruppen aufmerksam machen. Die Ursache fast aller unserer Probleme liegt aber im bestehenden kapitalistischen System.

Ein Sprichwort sagt: Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.

Eine andere Denkweise würde auch ein anderes, ein alternatives Gesellschaftsmodell ergeben.

Urheberrecht
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Grafikquellen      :

Oben       —        Das umstrittene Graffiti an der Wand des Jugendzentrums in Uetersen

 Autor   –  Frank Schwichtenberg 

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Unten      —                 „Party im Stammheim-Kassel“

Source „Selbst fotografiert“
Author Benutzer:M.lange
Permission
(Reusing this file)
„Public Domain“

 

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Stuttgarter Illusionisten

Erstellt von DL-Redaktion am 15. September 2019

Motormoloch voller Mörder

File:Mercedes-Benz Museum 201312 07 blue hour.jpg

Von Jürgen Roth

Stuttgart ist eine einzige immobile Hölle und zugleich die deutsche Zentrale des automobilen Wahnsinns. Eine Visite im schwäbischen Dampfkessel.

Es gibt keine Widersprüche mehr. Es passt alles zusammen. Balzacs Bemerkung, dass jedes Kapitalvermögen in einem Verbrechen gründe – in einem multiplen brutalen Vergehen an den Arbeitern, am Geist und am Antlitz der Welt –, wird in hiesigen Breiten nirgendwo sinnfälliger als in einer Stadt, die man unter dem Namen Stuttgart führt. In Stuttgart ist alles haargenau so, wie es ist. Stuttgart ist, was ist. In Stuttgart, diesem süddeutschen Dampf- und Dumpfkessel, hat die radikalste Variante des Protestantismus, der Pietismus, ihr gottbefohlenes Werk der Wertschöpfung vollendet. Hier lebt nichts mehr, und zwar in vorbildlicher Weise.

Es genügt eine Stunde, die man überbrücken muss, bis der nächste Schrottzug fährt. Fraglich, wie alte Menschen, Kranke, Behinderte den Weg hinaus aus der niederträchtigen Totalbahnhofsruine finden sollen. Aber sollten sie? Sollten sie nicht vielmehr aufgeben?

Beckett hat in Stuttgart seine späten, vor Sinnlosigkeit wortlosen Fernsehdramolette inszeniert. Unser Freund Goggo Gensch war damals Assistent beim SDR und musste dafür Sorge tragen, dass dem Nobelpreisträger jeden Tag ein großer Aschenbecher und zwei Flaschen Whiskey bereitgestellt wurden. Beckett war ungemein freundlich, wenn er mal sprach, er rauchte und trank ununterbrochen und gab ab und an ein paar spärliche Regieanweisungen. Er hat alles vorausgesehen.

Stuttgart ist ein Nest voller Mörder, die alles um sich herum und zugleich sich selber umbringen, ohne es zu wissen, die an ihrem simulierten Leben voller Spitzen-SUVs und anderweitiger automobiler Kotze, an ihrer Porsche-Plage und an ihrem Daimler-Dreck ersticken, ohne es zu merken. Es käme einem Akt der Höflichkeit gleich, auf die Schilder über den verkommenen Perrons „Willkommen in der Hölle!“ und „Suizidstadt Stuttgart“ zu schreiben. Wenigstens wüsste man als alsbald fast hoffnungslos Verlorener und Erledigter dann sofort, was einem in Schwabens Motormetropole und Monstermoloch blüht.

Innerstädtisches Unheil

Hilflos und verängstigt tapsen die Schwachen und Desorientierten durch einen betonierten, mit Bauholzplatten überdachten und an beiden Seiten vom übrigen innerstädtischen Unheil abgeschirmten, endlosen provisorischen Gang. Er führt sie, sofern sie nicht vorher zusammenklappen, auf einen gnadenlos vergammelten, schäbigen Rest von öffentlichem Platz, der vollkommen zu Recht nach dem ehemaligen Stuttgarter Oberbürgermeister Arnulf Klett benannt ist.

„Der Klett wohnte auf dem Killesberg“, erzählt Peter O. Chotjewitz in seiner Autobiografie, „und hatte seinen Traum realisiert, mit dem Porsche vom Killesberg kreuzungsfrei bis ins Rathaus zu fahren. Und so sieht die Stadt heute aus. Das Autobahnsystem, das Stuttgart in tausend Stücke zerreißt, ist unter diesem Herrn Klett und seinem Porsche entstanden.“

Der Arnulf-Klett-Platz geht folgerichtig in die Kriegsbergstraße über. Aber wieso denn „Platz“? Dieser „Platz“ besteht aus einem vier- oder achtundzwanzigspurigen Highway und sonst nichts – ein materialisiertes Inferno, ein für die verrücktgewordene Moderne des verflucht-ewigen, hirnlosen, möglichst rasenden und röhrenden und krachenden Hin und Her paradigmatisches Schlachtfeld, dessen Überquerung man überlebt, um in der apotheotischen Verrottung schlechthin zu landen, auf einem Mahnmal für das, was „Stadtplanung“ geheißen wird und die kalten Herzen der Immobiliengangster vor Entzücken aus dem Takt bringt: der Königstraße.

Quelle       :        TAZ        >>>>>          weiterlesen

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Grafikquellen        :

Oben      —           Mercedes-Benz Museum in Stuttgart zur blauen Stunde.

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Unten          —            Porsche Mission E at the IAA 2015

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DL – Tagesticker 15.09.19

Erstellt von DL-Redaktion am 15. September 2019

Direkt eingeflogen mit unseren Hubschrappschrap

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Wie heißt es noch : Wenn ein Finger auf meinen Nachbarn zeigt – weisen vier Finger auf mich selbst. Sind es nicht immer die verfluchten Politiker Innen welche für Hass und Kriege sorgen ? Die Menschheit sollte gemeinsam überlegen wie die Verbrecher ausgeschaltet werden können ? Wenn nichts mehr hilft, sollten wir bei Andrea Nahles um Hilfe bitten ? Sie setzt die Fäuste richtig.

Angriff auf Saudische Ölfirmen

1.) USA machen Iran verantwortlich

Nach Drohnenangriffen in Saudi-Arabien ist die Produktion des weltgrößten Ölexporteurs teilweise lahmgelegt. Die US-Regierung gibt dem Iran die Schuld, obwohl sich Rebellen aus dem Jemen zu den Attacken bekennen.  Die Drohnenangriffe auf die größte Ölraffinerie in Saudi-Arabien verschärfen die Spannungen zwischen den USA und dem Iran. US-Außenminister Mike Pompeo machte den Iran direkt verantwortlich, obwohl sich zuvor die Huthi-Rebellen aus dem benachbarten Jemen zu den Angriffen bekannt hatten. Das gewaltige Flammenmeer in zwei Raffinerie-Komplexen des staatlichen Ölkonzerns Saudi Aramco führte nach dessen Angaben vom Sonntag zu einem drastischen Einbruch der Produktionsmenge. Pompeo schrieb am Samstag auf Twitter: „Inmitten der Rufe nach Deeskalation hat der Iran jetzt einen beispiellosen Angriff auf die Welt-Energieversorgung verübt. Es gibt keinen Beweis, dass die Angriffe vom Jemen kamen.“

ntv

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Je leerer der Sack, umso mehr Briten werden ihn später prügeln ?

Boris Johnson über sich

2.) „Je wütender Hulk wird, umso stärker wird Hulk“

Der britische Premier will das vom Parlament verabschiedete Gesetz umgehen und Ende Oktober den Brexit vollziehen. Nun hat er seinen Antrieb erklärt und sich mit der Comicfigur Hulk verglichen. Seine Partei schrumpft zugleich weiter.  Der britische Premierminister Boris Johnson hat seine Entschlossenheit unterstrichen, Großbritannien am 31. Oktober aus der EU zu führen. Er werde Wege finden, ein jüngst vom Parlament verabschiedetes Gesetz zu umgehen, sagte Johnson der „Mail on Sunday“. Und er sei „sehr zuversichtlich“ wegen eines möglichen Brexit-Abkommens mit der EU.

Welt

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Der Großteil des Deutschen Politikabschaum würde wohl eher Trump und Zuckerberg politisches Asyl geben ?

Weltweite Überwachung  

3.) Snowden sagt Facebook und Google den Kampf an

Seit Jahren verharrt Edward Snowden im Exil in Russland. Im Gespräch mit dem „Spiegel“ warnt er vor der Massenüberwachung durch Konzerne, Wahlmanipulationen – und erzählt von seinen Spionageaktionen gegen die NSA.  Whistleblower Edward Snowden fordert, die massenhafte Datensammlung weltweit zu beenden. Das sagt der 36-Jährige in einem Gespräch mit dem „Spiegel“ in Moskau. Snowden bezieht sich dabei nicht nur auf Geheimdienste, sondern auch auf Datenkonzerne wie Facebook und Google.

T-online

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Woher weiß der Trump das alles ? Sollte das „Weiße-Haus“ vielleicht in „Blut-Haus“ umbenannt werden ? Würde Mutti solch große Räder drehen, geräte Schland in schweres Gewässer?

Mutmaßlicher Al-Qaida-Anführer :

4.) Trump bestätigt Tod von Bin-Laden-Sohn Hamsa

Donald Trump hat den Tod des mutmaßlichen Anführers des Terrornetzwerks Al Qaida, Hamsa bin Laden, bestätigt. Der Sohn von Al-Qaida-Gründer Osama bin Laden soll bei einem US-geführten Anti-Terror-Einsatz „in der Region Afghanistan/Pakistan“ getötet worden sein. Zum Zeitpunkt des Todes wurden in der Mitteilung keine Angaben gemacht. Osama bin Laden galt als Drahtzieher der Anschläge vom 11. September 2001 in New York und Washington. Danach war er untergetaucht. 2011 spürte ein US-Spezialkommando den damals 54-Jährigen im pakistanischen Abbottabad auf und tötete ihn. Hamsa bin Laden soll danach eine führende Rolle bei Al Qaida eingenommen haben.

RP-online

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Und das alles obwohl die Deutsche-Schlafmütze in  China Autos verkaufte, also gar nicht vor Ort in Italien war. Unsere Androhung das sie komnmen würde, reichte wohl aus.

Italien:

5.) 82 Migranten von der „Ocean Viking“ nach Italien gebracht

Ändert die neue Regierung Italiens Flüchtlingspolitik? Zum ersten Mal in 14 Monaten wurde einem Rettungsschiff ein Hafen zugewiesen. 82 Migranten sind an Land gegangen. In Italien zeichnet sich nach dem Regierungswechsel eine neue Flüchtlingspolitik ab: 82 Migrantinnen und Migranten sind von der italienischen Küstenwache aufgenommen und an Land gebracht worden, wie die Crew des Rettungsschiffs Ocean Viking mitteilte. Bereits am Samstag hatten die Behörden in Rom dem Schiff nach tagelangem Warten einen sicheren Hafen versprochen. Es war das erste Mal seit 14 Monaten, dass Italien einem Flüchtlingsrettungsschiff einen sicheren Hafen zugewiesen hat. Die 82 Flüchtlinge sollen nach französischen Angaben nun auf fünf europäische Länder, darunter Deutschland, verteilt werden.

Zeit-online

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Dann gelänge ihnen ja viiiieeehhhhl mehr als man ihnen je zugetraut hätte ?

Mietendeckel-Debatte :

6.) Setzen die Linken den Verband der Wohnungsunternehmen unter Druck?

Der BBU kritisiert den Mietendeckel. Prompt soll die Linke mit dem Rückzug der Landesfirmen aus dem Verband gedroht haben. Das gefällt nicht allen. Im Kampf um ein neues Mietengesetz greifen Vertreter der Linkspartei und des linken Flügels der Grünen zu harten Bandagen. Sowohl in aller Öffentlichkeit als auch hinter den Kulissen. Nach Informationen des Tagesspiegels soll es zu mehreren „intensiven Gesprächen“ mit einzelnen Vertretern der Wohnungswirtschaft gekommen sein, in der diese unter Druck gesetzt worden sein sollen. So zumindest der Vorwurf. Vonseiten der Wohnungswirtschaft ist deshalb von einem „mangelnden Verständnis von Pluralismus“ die Rede.

Tagesspiegel

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heute-show vom 13. September 2019

7.)  Nachrichtensatire mit Oliver Welke

Oliver Welke berichtet über die Klimapolitik der GroKo, die Grünsten, Windkraftkrise, Straßenspaß und Machtworte.

ZDF

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Hinweise und Anregungen nehmen wir gerne entgegen

Treu unserem Motto: Es gibt keine schlechte Presse, sondern nur unkritische Leser

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