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Archiv für August 22nd, 2019

Sachsen einmal ganz anders

Erstellt von DL-Redaktion am 22. August 2019

Der eigene Weg

Von Sabine Seifert

Nebelschütz, sagt der Dorf­-Bürgermeister, war früher ganz besonders hässlich. Wie es eine Gemeinde geschafft hat, zum Vorzeigeort zu werden.

Es ist Hochsommer, und kein Nebel wird heute den kleinen Ort in der Hügellandschaft zwischen den Feldern verschwinden lassen. Weiß-orange gestrichen, strahlt die barocke Kirche am Hang in der Morgensonne, vergoldete Kruzifixe auf steinernen Säulen stehen an der Dorfstraße.

Nebelschütz (Njebjelčicy) in der Oberlausitz, Sachsen, zwischen Kamenz und Bautzen gelegen, ist sorbisches Siedlungsgebiet und schwer katholisch. In den fast 30 Jahren seit der Wende hat der Ort der Abwanderung und dem wirtschaftlichen Niedergang getrotzt. Hier gibt es solidarische Landwirtschaft, Ökokonto, Hofladen, eine Sozialwerkstatt, einen ökologischen Baustoffhof, drei Biobauern.

Ein Modell- oder Museumsdorf ist Nebelschütz aber auch wieder nicht. Kein Ort, in den am Wochenende die Städter einfallen, keine hippen Cafés, keine Wochenendhäuser, sondern stille Provinz, wo die Pilger auf dem sächsischen Teil des Jakobsweg in der Wanderherberge absteigen.

Wer hier eine Wohnung mieten oder Land erwerben will, kommt auf eine Warteliste. Wer hier mobil telefonieren will, verflucht das Funkloch. Die ehemalige Gastwirtschaft des Ortes ist eine Pension und öffnet ihren Festsaal nur für gebuchte Festivitäten. Es ist verdammt ruhig in Nebelschütz. Seit den neunziger Jahren leben wieder zwei Storchenpaare im Ort.

Keine Idylle, aber ein Dorf mit Zukunft

Nebelschütz ist keine Idylle, aber ein Ort mit Zukunft. Schon früh hat die Gemeinde den Ankauf von Grund- und Flurstücken betrieben. Veranstaltet Pflanzentauschbörsen, treibt den ökologischen Umbau des Dorfes voran. Was hat Nebelschütz, was andere Dörfer nicht haben? Gibt es ein Erfolgkonzept? „Man braucht nicht unbedingt viel Geld“, sagt Thomas Zschornak, Bürgermeister des Orts. „Man muss kreativ sein.“ Vieles sei bei ihm „Bauchgefühl“ gewesen. Wichtig ist ihm: „Wir hatten Beratung.“

Zschornak trägt großen Anteil daran, dass die Gemeinde Nebelschütz heute wieder ein „enkeltauglicher“ Ort ist, wie er es nennt. „Wir waren zu DDR-Zeiten wirklich ein hässliches Dorf“, sagt er. „Die Lebensqualität war katastrophal: Es gab nicht eine gute Straße, keine Wasserleitung, überall Baustellen.“ Rundherum LPGs.

Daraus sind heute Agrargroßbetriebe geworden. Auf etwa 1:10 schätzt Zschornak das Verhältnis von ökologischer und industrieller Landwirtschaft. Das soll sich ändern, die Gemeinde verpachtet gezielt Land an Biobauern. Ihre Höfe befinden sich nicht in Nebelschütz selbst, sondern in einem Nachbardorf, das zur Gemeinde gehört. Die besteht insgesamt aus fünf Dörfern, 1.200 Menschen leben hier. In Nebelschütz selbst sind es 420.

„Das Wichtigste ist, Eigenverantwortung zu übernehmen“, sagt Zschornak. Das Wort fällt oft im Gespräch. „Und man braucht Zeit. Das muss von unten wachsen. Deswegen kommt der Strukturwandel jetzt für viele zu schnell.“ In Nebelschütz wächst es von unten seit 1990, seither ist Zschornak hier nämlich Bürgermeister. Heute ist der Diplomverwaltungswirt 55 Jahre alt, mittelgroß, die grauen Haare trägt er kurz. Noch zu DDR-Zeiten gründete Zschornak eine Bürgerinitiative, die sich gegen die Berieselung der Felder mit Gülle und gegen Massentierhaltung aussprach. Mit Protesten gegen eine Mülldeponie ging es – erfolgreich – nach der Wende weiter.

„Ich musste mich immer einmischen“, sagt Zschornak. Zunächst mischte er mit im Neuen Forum Bautzen, damals im März 1990. Bei den ersten freien Wahlen in der Noch-DDR kandidierte er als Gemeinderat und wurde daraufhin prompt zum Bürgermeister gewählt. Nun ist er in seiner fünften Amtszeit, drei Jahre bleiben noch, danach will er nicht mehr antreten.

Thomas Zschornak ist CDU-Mitglied, auch das seit fast 30 Jahren. „Damals war ich von der CDU überzeugt“, sagt er. Es klingt, als wäre er heute nicht mehr so ganz überzeugt. „Der Staat entfernt sich mehr und mehr von den Bürgern und den Dörfern“, sagt er. Zschornak hat seine Aktivitäten vom Kreistag auf den Serbskij Sejm verlagert, das sorbische Parlament, das sich im November 2018 in Nebelschütz gegründet hat. Dessen 24 Abgeordnete hoffen auf mehr öffentliche Wahrnehmung, Mitsprache und Autonomie zum Beispiel im Bildungswesen. Und manche träumen von einer Minderheitenpartei, die, ähnlich wie die dänische in Schleswig-Holstein, von der Aufhebung der Fünf-Prozent-Klausel profitieren könnte.

Auch Zschornak switcht, wenn er in Nebelschütz unterwegs ist, selbstverständlich zwischen dem Deutschen und dem Sorbischen hin und her, einer westslawischen Sprache, die noch etwa 20.000 Menschen aktiv beherrschen. Die Kindertagesstätte ist deutsch-sorbisch, das Projekt einer freien Schule ist in Planung. Doch nur eine alte Nebelschützerin trägt noch Tracht, erzählt Zschornak.

Ein „steinreicher“ Ort

Die Besucherin aus Berlin holt der Bürgermeister im fünf Kilometer entfernten Kamenz am Bahnhof ab. Noch bevor es in den Ort geht, biegt Zschornaks Wagen zum Miltitzer Steinbruch ab – hier wurde bis zum Jahr 2000 Granit abgebaut. Nach der Schließung erwarb die Gemeinde den Steinbruch, die Grube lief im Lauf der Zeit mit Wasser voll, inzwischen ist der See 19 Meter tief. „Wir sind steinreich“, scherzt Zschornak und zeigt auf kleine und große Skulpturen aus Granit, Holz und Metall, die den See und seine Umgebung säumen.

Quelle        :       TAZ        >>>>>         weiterlesen

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Grafikquellen       :

Oben        —          Nebelschütz, Luftaufnahme (2017)

Unten       —   Nebelschütz – Hauptstraße und Pfarrkirche

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Zertrümmernde Regelwerke

Erstellt von DL-Redaktion am 22. August 2019

Das 7. A L’arme Festival Berlin

File:Mantana roberts.jpg

Quelle       :    untergrund-blättle ch.

Von  Lotte Baatz  telegraph.cc

Pünktlich um 20.00 Uhr zog der Himmel über Berlin–Friedrichshain sich zu. Ein Unwetter wütete über der Stadt.

Aber nicht nur draussen tobte ein Sturm, sondern auch im Säälchen des Holzmarktes liess sich Greg Fox zur Eröffnung des 7. A L’arme Festivals an seinem Schlagzeug aus. Der gebürtige New Yorker Komponist und Schlagzeuger wurde 2011 von der Village Voice zum besten Drummer der Stadt ausgezeichnet. Er spielt unter anderem in den Bands wie Guardien Alien, Zs, und Ex Eye.

Gewitter über Berlin

Mit seinem Solo-Set entfernt er sich jedoch aus der Metal-Szene, die Klänge werden sphärischer und ruhiger. Sein Schlagzeugspiel begleitete er mit einem Modular Synthesizer, welchen er mit seiner Kick Drum ansteuerte, dazu mischte er über seinen Laptop Saxofon und E-Piano Snippets die seine Freunde für ihn aufgenommen hatten. Nach 1 1⁄2 Stunden entliess er das begeisterte Publikum aus seinem Bann.

Für etwas Soul an diesem Abend sorgte das Norwegische Trio “Gurls”. Mit blumiger Stimme besang Rohey Taalah etwas ironisch ihr Liebesleben und rechnete Augenzwinkernd mit ihren Ex – Freunden ab. “ Run, Boy, Run” heisst das Debutalbum was 2018 erschienen ist. Begleitet wurde sie von der Saxofonistin Hanna Paulsberg und Bassistin Ellen Andrea Wang.

Festival: Tag Zertrümmern von Regelwerken

Imposant ging es weiter im Radialsystem mit dem zweistündigen Set des Trios Practical Music: Oscar Jan Hoogland und Jasper Stadhouders aus den Niederlanden und Christian Lillinger aus Deutschland. Beim betreten des Saals erhaschte man schon Klänge von rückwärts abspielenden hölzernen Tonbandgeräten, Megaphonen, die verteilt auf dem Boden lagen und Feuerwehrsirenen.

In der Mitte des Raumes stand eine quadratische Bühne, das Publikum sass in einem grossen Kreis um die Bühne verteilt. Die drei Männer werkelten ununterbrochen an ihren Instrumenten, sie waren ständig in Bewegung. Christian Lillinger (Drums) wechselte vom Schlagzeug zum Klavier, hämmerte dort für ein paar Minuten auf die Tasten, um dann schnell wieder hinter sein Schlagzeug zukommen. Wo er später die Becken abschraubte, um sie laut scheppernd über den Boden rollen zu lassen.

Jaspers Stadhouders bunt geringelte Socken steckten in braunen Badelatschen, laut stampfte er über die Bühne, in einer Hand baumelten Stahlbänder die er an einer seiner E-Gitarre befestigte um ihr damit schrille, quietschende Geräusche zu entlocken. Oscar Jan Hoogland war von den Dreien am meisten in Bewegung, er lief um und über die Bühne um Feuerwehr – Sirenen, Schallplattenspieler , und andere elektrische Geräte am laufen zu halten. Er veränderte bei jeder Runde die er drehte den Rhythmus an den Geräten. Zum Schluss forderte er dann das Publikum auf mitzumachen. Hoogland verteilte Fahrradklingeln, Aluschüsseln, Papier und Plastiktüten. Es knisterte, klingelte, schepperte und rauschte nun aus allen Ecken.
In den zwei Stunden improvisierter Musik war es keine Sekunde langweilig…

Tag 3: Dont be a lampshade to your own light…

Mantana Roberts sah aus wie eine moderne Amazone als sie am dritten Festival Tag um 20.00 Uhr die Bühne im Radialsystem betrat.
Sie trug eine Camouflage-Weste über ihrem mehrlagigen schwarzen Kleid, die Arme sind tätowiert, ihre kurzen Haare sind zu einem Irokesen geschnitten, die goldenen Creolen glänzten im Scheinwerferlicht und erinnerten an zwei Schutzschilder.

Ihre Waffen sind ihre Stimme und das Saxophone

“Don’t be a lampshade to your own light” rief sie immer wieder dem Publikum zu. Die Alto Saxophonistin aus New York wechselte zwischen Erzählungen aus ihrem Leben in den USA und dem Spiel auf ihrem besten Freund dem Saxofon. Aufgewachsen ist sie in Chicago und schon als Kind machte ihr Vater sie mit der Musik Sun Ra‘s und Albert Aylers bekannt. Mit einem schmunzeln erzählte sie dem Publikum, dass sie es damals nicht richtig wertschätzen konnte und ihr erst Jahre später bewusst geworden war, was er ihr mit auf den Weg gegeben hatte.

Als Jugendliche erlernte sie das klassische Klarinettenspiel, wechselte dann schnell zum Jazz und experimenteller Musik. Zu ihren Mentoren gehören Von Freeman und Fred Anderson. Genau wie ihre Stimme ist das Spiel auf dem Alto Saxophone auch sehr gefühlvoll und warm, ab und zu entlockte sie ihm ein knattern, schnattern und aufheulen.
Nach kurzen 45 Minuten verabschiedete sie sich vom Publikum mit dem Ratschlag mehr aufeinander zu achten.

Tag 4: Donnernder Temporausch

Der letzte Festivalabend endete mit der Avantgarde Metal Band Ex Eye : Die Band wurde 2017 von Colin Stetson (Alto und Bass Saxophone) gegründet. Dieser hat eine innovative Spieltechnik, in der er mittels Zirkularatmung sowie zahlreicher direkt am Instrument angebrachten Mikrofone dem Saxophon ungewohnte Klänge entlockte. Einen geradezu infernalischen Lärm fabrizierten am Samstag Abend die vier Musiker. Manchmal waren die Klänge des Saxophones kaum hörbar, weil sie sich mit den metallischen Klängen der E- Gitarre von Toby Summerfield verschmolzen.

Ab und an schaltete das Quartett ein paar Gänge zurück, ein absolutes Highlight war da das Solo von Shazad Ismaily (Synthesizer) er spielte minutenlang ein sich immer wiederholendes Stück an dem er Kleinigkeiten änderte, bis Greg Fox (Drums) mit mächtigen Schlägen auf der Snare Drum die Gruppe wieder erbarmungslos antrieb, um sie zu einem mächtigen Klangfluss werden zu lassen, der das Publikum mit sich mitreisst.

Erfreuliche Nachrichten gab es in der Abschlussrede des Künstlerischen Leiters, Louis Rastig. Die Finanzierung des Festivals ist bereits für weitere vier Jahre bestätigt.

Dieser Artikel steht unter einer Creative Commons (CC BY-NC-ND 3.0) Lizenz.

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Grafikquelle         :         Mantana Roberts in Aarhus, Denmark 2015

Source Own work
Author Hreinn Gudlaugsson

 

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Salvini ist angeschlagen!

Erstellt von DL-Redaktion am 22. August 2019

Die Galionsfigur der Rechten in Europa

Quelle      :       Scharf   —    Links

Von Siegfried Buttenmüller

Der Parteichef der faschistoiden Partei Lega in in Italien hatte es sozusagen weit gebracht. Seine Partei stellte 8 Minister und er selbst war Innenminister und Stellvertretender Regierungschef. Umfragen ergaben zeitweilig eine angebliche Zustimmung von 38 Prozent für seine Partei, so das Salvini nach Neuwahlen mit einem Rechtsblock hätte regieren können.

Salvini war zur Galionsfigur der Rechten in ganz Europa geworden und hatte andere Rechte nach Italien eingeladen.

Der Österreichische Außenminister Strache hatte als Parteiführer der ebenfalls faschistoiden FPÖ die Einladung schon nicht annehmen können, die Regierung dort ist gestürzt und die FPÖ aus der Regierung gedrängt. Die langjährige Galionsfigur der Rechten in Europa, Wilders mit seiner faschistoiden Pseudopartei war der Einladung gefolgt, ist aber inzwischen auch abgestürzt. Meuthen von der immer faschistischer werdenden AFD in Deutschland war auch beim Nazi Treffen bei Salvini gewesen, befindet sich aber ebenfalls in innerparteilichen und sonstigen Schwierigkeiten.

Salvini hatte mit seiner Partei jedoch eine sehr starke Machtposition in Italiens Regierung. Kein Tag verging wo er nicht gegen Flüchtlinge hetzte und es schien nur eine Frage der Zeit zu sein, bis er die Regierung übernehmen würde.

Das hatte er auch vor als er einen Misstrauensantrag im italienischen Parlament gegen die eigene Regierung einbrachte und auf schnelle Neuwahlen drängte.

Seine Rechnung ist allerdings nicht aufgegangen, es kam nur zum Bruch zwischen seiner Lega und dem Koalitionspartner 5 Sterne Bewegung. Deren Regierungschef Conte hat gestern das Scheitern der Koalition bekannt gegeben und dem Staatspräsidenten Matarella seinen Rücktritt erklärt.
Dieser wird allerdings keine Neuwahlen ansetzen da sich neue Mehrheiten im Parlament, nun gegen Salvini und seine Lega, abzeichnen.

Conte dürfte erneut mit der Regierungsbildung beauftragt werden und kann sich auf jeden Fall auf die größte Partei im Parlament, seine 5 Sterne Bewegung, stützen. Zudem haben die sozialdemokratische PD und weitere Gruppierungen im Parlament signalisiert, dass Sie eine erneute Regierung von Conte zumindest tollerieren werden, oder sich möglicherweise auch daran beteiligen werden.

Den Bewegungen in Italien ist es in den letzten Wochen auch immer stärker gelungen gegen Salvini und die Lega zu mobilisieren. Dieser war im Süden Italiens praktisch schon auf Wahlkampftour gewesen, doch überall schlug ihm starker Protest entgegen. Dieser kommt auch aus dem Ausland, die spanische Regierung hat gestern Salvini scharf kritisiert und als Schande für die Menschheit bezeichnet.

Der Machtverlust für Salvinis Lega ist nun im Gange er kann die Regierung nicht mehr erpressen und nichts mehr durchsetzen, sie werden aus den Ministerien gedrängt. Und es wird vermutlich Jahre bis zu Neuwahlen dauern, in denen die Kritik an Salvini wegen des Bedeutungsverlustes der Lega auch aus den eigenen und sonstigen Rechten Reihen zunehmen wird. Und wie Strache in Österreich wird er wegen illegaler Machenschaften angeklagt.

Salvini ist als Galionsfigur der Rechten in Europa angeschlagen und sein ansehen ist ramponiert. Hintergrund ist die schwere Krise des Kapitalismus in Italien, wo die Staatsfinanzen und die Banken in prekärer Lage sind. Salvini hatte vor aus dem europäischen Kuchen, der praktisch aus der künstlichen Geldvermehrung durch die Europäische Zentralbank (EZB) sowie zum Beispiel des Europäischen Stabilitätsfonds (ESM) besteht, eigenmächtig das größte Stück herauszuschneiden. Dies hätte er an seine Klientel durch Steuererleichterungen sowie an seine Konzerne durch Großaufträge wie der geplanten Schnellbahnverbindung Turin-Lyon, verteilt. Der Haushalt und die Verschuldung wären stark gewachsen aber die ärmeren Schichten und vor allem auch der Süden hätte davon nichts gehabt.

Und natürlich werden es die anderen Regierungen Europas, nicht einmal die rechtslastigen, zulassen das etwa Salvini das beste Stück des Kuchens herausschneidet.

Kurzfristig wird Italien daher gezwungen sein, mindestens den Haushalt halbwegs und scheinbar in Ordnung zu bringen. Die Frage ist aber natürlich wie immer wo und wie gespart wird. Großes Sparpotenzial bei der Bürokratie, den Abgeordneten, dem Militär oder den „Rettungsplänen“ für Banken und Konzerne ist sicher vorhanden. Auch Vermögen und Einkommen können begrenzt werden zugunsten von bedingungslosen Einkommen. Die Linke Italiens kann wieder an Einfluss gewinnen, wenn Sie für mehr soziale Gleichheit und mehr Demokratie eintritt. Und wenn Sie mehr und mehr erkennt das der kapitalistische Kuchen bald gegessen ist und durch einen antikapitalistischen, gemeinsamen, europäischen und Weltkuchen für alle Menschen ersetzt werden muss.

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Grafikquelle        :       Matteo Salvini parla durante una manifestazione della Lega Nord nel 2013.

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Franz Alt – Seenotrettung

Erstellt von DL-Redaktion am 22. August 2019

Edmund Stoiber war damals der Salvini

Von Joachim Frank

Der Journalist Franz Alt spricht in der FR über die Rettung der Boat People aus Vietnam und den Skandal des Massensterbens im Mittelmeer heute.

Herr Alt, am 31. August feiert die Hilfsorganisation „Cap Anamur“ ihr 40-jähriges Bestehen. Sie waren an den Anfängen direkt beteiligt. Wie war das damals?
Kopf und Herz des Ganzen war natürlich Rupert Neudeck. Er war im Frühjahr 1979 für ein Interview mit Jean-Paul Sartre, über den er auch promoviert hatte, nach Paris gereist. Dort erzählte ihm der Philosoph André Glucksmann, dass französische Aktivisten ein Rettungsschiff für vietnamesische Bootsflüchtlinge gechartert hätten, aber nicht wüssten, wie sie es finanzieren sollten. Mit dieser Information kam Neudeck im Juni zu uns in die Redaktion von „Report Baden-Baden“: „Habt Ihr davon gehört? Es gibt ein Schiff, aber kein Geld.“ Er erzählte, dass er schon mit Heinrich Böll gesprochen habe, der die Aktion der Franzosen unterstützen wolle. Ich fragte Neudeck, ob er denn wisse, woher er das Geld nehmen wolle. Seine Antwort: „Keine Ahnung, vielleicht verpfände ich unser Häuschen.“ Wir gaben ihm dann drei Minuten live, um seine Idee den Report-Zuschauern zu erklären.

Und dann?
Wir durften in unsere Sendungen keine Kontonummern einblenden. Also hatte ich mit Neudeck ausgemacht, dass er sich bei der Bank eine ganz einfache, leicht zu merkende Nummer holen solle. So kam es zum Konto 22 22 22 2 bei der Stadtsparkasse Köln, auf dem drei Tage nach der Report-Sendung schon 1,2 Millionen Mark eingegangen waren. Das war so viel Geld, dass Neudeck beschloss, zusätzlich zu dem französischen auch noch ein deutsches Schiff auszurüsten und ins Chinesische Meer zu entsenden – die Cap Anamur. Das war auch bitter nötig. Sie müssen bedenken: Als die Cap Anamur aufbrach, waren bereits eine Viertelmillion Vietnamesen ertrunken. Eine Viertelmillion!

Schmidt hatte sich verpflichtet, vietnamesische Boat People aufzunehmen

Gab es darüber und über die Hilfsaktion eine öffentliche Debatte?

Und ob! Edmund Stoiber, damals CSU-Generalsekretär, beschwerte sich bei meinem Intendanten, dass wir Neudeck Sendezeit für seine Idee eingeräumt hatten. Mit solch einem Schiff im Chinesischen Meer, so Stoibers Argument, schaffe man doch erst die Anreize für die Boat People, sich aufs Meer zu wagen. Kommt Ihnen das irgendwie bekannt vor? Stoiber, aber auch der hessische Ministerpräsident Holger Börner von der SPD, der ganz ähnlich argumentierte, das waren die Matteo Salvinis von damals. Zum Glück gab es aber auch die anderen.

Nämlich?

Die damalige Bundesregierung unter Kanzler Helmut Schmidt (SPD) hatte sich auf einer internationalen Konferenz dazu verpflichtet, vietnamesische Boat People aufzunehmen, die von Schiffen unter deutscher Flagge aus Seenot gerettet würden. Konkret zuständig für die Aufnahme waren dann aber die Länder, bei denen es immer wieder hakte. Deswegen sind Neudeck und ich auf Tour gegangen. Sehr hilfreich waren die CDU-Ministerpräsidenten Ernst Albrecht (Niedersachsen), Lothar Späth (Baden-Württemberg) und Bernhard Vogel (Rheinland-Pfalz) sowie in Nordrhein-Westfalen Johannes Rau von der SPD. Mit diesen vieren haben wir immer wieder gesprochen, wenn es darum ging, die insgesamt 11 300 Menschen unterzubringen, die von der „Cap Anamur“ gerettet wurden. Ich frage mich: Wo bleibt heute eigentlich solch eine Selbstverpflichtung der Politik?

Quelle         :       FR         >>>>>           weiterlesen

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Grafikquellen       :

Oben     —         A walking puppet of Stoiber promoting a dictionary for polit-speak 2007

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Unten         —        Rupert Neudeck, Frankfurt 2007

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Rapinoe, Rackete, Thunberg

Erstellt von DL-Redaktion am 22. August 2019

Die Kapitäninnen

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Von Patricia Hecht

Drei Frauen werden auf die Cover internationaler Medien gehoben. Es ist Ausdruck einer Geschlechterordnung, die sich neu sortiert.

Innerhalb einer Woche im Juli werden zwei Frauen zu den Galionsfiguren eines feministischen Aktivismus. „Captain America“ betitelt die Washington Post ein Foto der US-Fußballerin Megan Rapinoe in Anspielung auf den Marvel-Superhelden. „Captain Europe“ titelt der Spiegel, auf dem Cover das Porträt der deutschen Kapitänin Carola Rackete. Nur eine fehlt, um den Dreiklang der Ikonen perfekt zu machen: „Captain Climate“. Sie wissen, wer gemeint ist.

Diese drei Frauen zwischen 16 und 34 Jahren stehen für eine neue Qualität von zivilgesellschaftlichem Engagement. Klar, Rapinoe ist in erster Linie eine der besten Fußballerinnen der Welt. Aber sie nutzt ihre Prominenz als selbstverständliche Bühne, um für Antirassismus und Rechte von LGBTI einzutreten. Carola Rackete wurde eher unfreiwillig auf die Bühne gehoben, bespielt sie aber, weil nötig. Und Greta Thunberg hat sich ihre Bühne gewissermaßen selbst gebaut.

Dass drei junge Frauen auf die Cover internationaler Medien gehoben und in weiten Teilen gefeiert, stellenweise auch ätzend angefeindet werden, mag dabei wie ein zeitlicher Zufall scheinen. Aber es ist keiner. Ihr Protest wurzelt in einer Politik, die an zentralen Fragen der Zeit scheitert oder humanitäre, egalitäre Positionen sogar aktiv bekämpft. Wo der Staat versagt und Politik in die Katastrophe führt, stehen die drei Frauen für das unaufgeregte Eintreten für eine lebenswerte Zukunft.

Allen drei geht es um positiven Wandel. Die eine will sexuelle Rechte für alle, die zweite setzt das Recht auf Seenotrettung durch, die dritte streikt für eine Welt, in der wir überleben können. „Es gehört alles zusammen“, sagt Rapinoe. „Es ist unsere Zukunft“, sagt Thunberg. Und Rackete sagt schlicht, sie mache es, „weil es notwendig ist“. Für keine ist trennbar, was sie lebt und wofür sie eintritt, keiner geht es um Aufmerksamkeit um ihrer selbst willen. Die internationale Präsenz von Rapinoe, Rackete und Thunberg ist auch Ausdruck eines Bedürfnisses nach authentischen und glaubwürdigen Identifikationsfiguren.

Sie ist zudem Ausdruck einer Geschlechterordnung, die sich langsam, aber sicher neu sortiert. Die Prominenz bedeutet eine Abkehr von der Figur des Helden, wie Julian Assange sie vor rund zehn Jahren noch verkörperte: sich im Glanz der Prominenz sonnend, narzisstisch und egoman. Sie bedeutet ebenso eine Abkehr von der lauten, kraftstrotzenden Männlichkeit, wie sie die Antagonisten der Frauen inszenieren: Trump und Salvini.

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Natürlich, die Macht liegt in deren Händen. Von heute auf morgen verschwinden keine Strukturen, die sich jahrhundertelang etabliert haben. Aber Rapinoe, Rackete und Thunberg haben das Rollenverständnis, das in diesen Strukturen begründet liegt, längst hinter sich gelassen. Sie sind Herausforderinnen einer überholt wirkenden Form männlicher Autorität. Und damit verändern sie die Gesellschaft.

Quelle      :           TAZ       >>>>>          weiterlesen

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Grafikquellen       :

Oben      —       Captain Carola Rackete aboard Sea-Watch 3 in Malta.

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DL – Tagesticker 22.08.19

Erstellt von DL-Redaktion am 22. August 2019

Direkt eingeflogen mit unseren Hubschrappschrap

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Ein politischer Zwerg wie Johnson lädt doch andere Nichtigkeiten zum Abheben ein. Die Insulaner haben doch immer geglaubt in Europa eine besondere Rolle spielen zu können – Weil man es zuließ !

„Wir schaffen das“:

1.) Ungleiches Paar – Merkel und Johnson treffen sich in Berlin

Es spielen sich bemerkenswerte Szenen ab zwischen Boris Johnson und Angela Merkel. Draußen im Ehrenhof des Kanzleramts ist der umstrittene neue britische Premierminister der Kanzlerin noch mit leicht nach vorn gebeugtem Gang und im Rücken verschränkten Händen zu den beiden Stühlen mitten auf dem Platz gefolgt. Von dort aus verfolgen Merkel und ihre Gäste die üblichen militärischen Ehren seit ihren frühsommerlichen Zitteranfällen.

Berliner-Zeitung

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In diesem Land laufen zu viele Irre frei herum. Das alles machen doch die Parteien unter sich aus. Viel besser, mit Stil und Ästhetik ! Da werden dann garantiert keine Schuldigen ermittelt !

Attacke per Mail

2.) Morddrohungen gegen Sachsens Integrationsministerin Köpping

Nach Sachsens Vizeregierungschef Martin Dulig wird nun Integrationsministerin Petra Köpping bedroht. Köpping, die sich mit ihrem Parteigenossen Boris Pistorius um den SPD-Vorsitz bewirbt, tritt dennoch öffentlich auf – unter Personenschutz.  Sachsens Integrationsministerin Petra Köpping (SPD) hat vor einer Lesung in Brandis bei Leipzig Morddrohungen erhalten. Das bestätigte Köppings Sprecherin am Mittwochabend. Die Drohungen seien vor der Lesung aus Köppings Buch „Integriert doch erst mal uns! Eine Streitschrift für den Osten“ per Mail in ihrem Bürgerbüro eingegangen.

Welt

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Ich habe es schon mehrmals erwähnt: Chinesen sind aus einen härteren Holz geschnitzt als wir verwöhnten Europäer ! Und das soll auch mal von Vorteil sein.

Proteste in Hongkong :

3.) Hunderte Demonstranten verschanzen sich in U-Bahn-Station vor Polizei

Sie versuchten, der Polizei den Zugang zur Station zu verwehren. Sie hatten sich zuvor versammelt, um des blutigen Ausgangs einer Demonstration an der gleichen U-Bahn-Station vor einem Monat zu gedenken. Der Sitzstreik an der U-Bahn-Station nahe der chinesischen Grenze war am Mittwoch bis zur Ankunft der Polizisten weitgehend friedlich verlaufen. Bei Ankunft der Polizisten setzten einige Teilnehmer Schutzhelme und Gasmasken auf und kippten Reinigungsmittel, Löschschaum, Bier und Öl in die Bahnhofshalle, um die Polizei vor dem Betreten zu hindern. Die Situation vor Ort war gespannt.

RP-online

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Hat nicht sein Parteigenosse Scholz vor den G 20 Gipfen in Hamburg nachgewiesen wieviel die Pressefreit hier im Land Wert ist ? Wenn zwei das gleiche machen ist es noch lange nicht dasselbe – sondern dreckige Politik !

Außenminister vs. Außenminister

4.) Maas und Lawrow streiten auf offener Bühne über Pressefreiheit

Bundesaußenminister Heiko Maas und sein russischer Amtskollegen Sergej Lawrow haben sich in Moskau bei einer Pressekonferenz eine heftige Diskussion über die Pressefreiheit in beiden Ländern geliefert. Auslöser dafür war Kritik von Maas an der Festnahme eines Mitarbeiters der Deutschen Welle bei den regierungskritischen Protesten in Moskau.

Spiegel-online

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Zeigt er nicht laufend auf seine Herkunft hin ? Er kann seine Gene nicht verleugnen.

Daumen hoch auf dem Foto mit dem Waisenkind:

5.) Trumps Tiefpunkt der Selbstinszenierung

Für ein Foto lässt der US-Präsident ein Baby zurück ins Krankenhaus holen. Das markiert einen neuen Tiefpunkt. Doch auch der wird dem Präsidenten nicht schaden. Natürlich besuchte Donald Trump in seiner Funktion als US-Präsident die Überlebenden des rechtsterroristischen Attentats in El Paso. Als Staatsoberhaupt der Vereinigten Staaten gehört das zu seinen Aufgaben. Es ist auch nur bedingt sein Versagen, dass von den acht immer noch im Krankenhaus liegenden Menschen drei nicht ansprechbar und die anderen fünf nicht bereit waren für ein Foto mit Trump.

FR

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Es gibt sie noch : Zivilcourage ! Politiker sollten sich ihre „Auszeichnungen“ dorthin stecken wo Platz für sie ist !

Wutrede auf Facebook:

6.) „Sea-Watch“-Kapitänin Klemp lehnt Pariser Verdienstmedaille ab

Die deutsche „Sea-Watch“-Kapitänin Pia Klemp hat eine Auszeichnung der Stadt Paris abgelehnt. Klemp kritisierte in einem offenen Brief auf Facebook den Umgang der Stadt und ihrer Bürgermeisterin Anne Hidalgo mit Migranten und Geflüchteten. „Frau Hidalgo, Sie wollen mich für meine Solidaritätsaktion im Mittelmeer auszeichnen“, schrieb sie. „Gleichzeitig stiehlt Ihre Polizei Decken von Menschen, die gezwungen sind, auf der Straße zu leben, während Sie Demonstrationen unterdrücken und Menschen kriminalisieren, die die Rechte von Migranten und Asylsuchenden verteidigen.“

Kölner-Stadt Anzeiger

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Allein schon Aufgrund der Bedrohung welche von einen Uniformträger ausgeht – müßten diese alle ihre Reisen, auch im Urlaub, gratis bekommen. Niemand sollte aus Täter, leidende machen !

„Schaffner können uns in Tarnkleidung sowieso nicht sehen“ 

7.) Soldaten fahren offenbar schon seit Jahrzehnten gratis Bahn 

Wochenlang wurde darüber gestritten, ob und wie Bundeswehr-Soldaten gratis mit der Bahn fahren dürfen. Doch eine aktuelle Recherche des Postillon zeigt, dass man sich die ganze Debatte wohl hätte sparen können. Denn offenbar fahren Soldaten bereits seit Jahrzehnten gratis in Zügen der Deutschen Bahn und anderen Verkehrsmitteln mit – heimlich und illegal.

Postillon

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Hinweise und Anregungen nehmen wir gerne entgegen

Treu unserem Motto: Es gibt keine schlechte Presse, sondern nur unkritische Leser

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Grafikquellen      :     DL / privat – Wikimedia  Commons – cc-by-sa-3-0

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