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RENTENANGST

Archiv für November 2nd, 2018

KOLUMNE – MACHT

Erstellt von DL-Redaktion am 2. November 2018

Kann er’s überhaupt?

Secretary of defense visits Germany 150622-D-DT527-253.jpg

Hat sie noch einen Schuss in ihrer Drohne stecken ?

Von Bettina Gaus

Annegret Kramp-Karrenbauer gilt als zu merkelig, Jens Spahn als zu vorlaut. Für Friedrich Merz läuft es gut. Es spricht viel für ihn! Oder nicht?

Wenn Jens Spahn beweist, dass er nicht nur vorlaut ist, sondern auch intelligent, dann hat er vielleicht eine große politische Karriere vor sich. Dafür müsste er allerdings seine Kandidatur für den CDU-Vorsitz so schnell zurückziehen, dass sich jetzt im Gedächtnis der Öffentlichkeit nicht das Bild eines Losers festsetzt. In dieser Runde schafft er’s ohnehin nicht.

Der Gesundheitsminister gilt als zu jung, zu unerfahren. Er hat noch viel Zeit. Annegret Kramp-Karrenbauer? Irgendwie merkelig, irgendwie blass. Das jedenfalls glaubt Umfragen zufolge eine Mehrheit der Bevölkerung und – viel wichtiger – die Mehrheit der Unionsanhänger.

Die beiden mögen diese Urteile als ungerecht empfinden. Aber es hat wenig Zweck, im Hinblick auf die eigene Person gegen die öffentliche Meinung zu argumentieren. Sie können sich ja darüber mal mit Friedrich Merz unterhalten. Der hat zum Thema einiges zu sagen.

Die öffentliche Meinung kann jedoch auch gnädig sein, sogar unangemessen gnädig. Gegenwärtig läuft es gut für Friedrich Merz. Es spricht ja so viel für ihn! Oder etwa nicht?

File:Maischberger - 2016-12-14-7439.jpg

Er hat bewiesen, dass er nicht an einem politischen Posten klebte, sondern nach seinem Abschied aus dem Bundestag achselzuckend ein neues, erfolgreiches Kapitel in seinem Lebenslauf aufzuschlagen imstande war. Er ist die große Hoffnung der sozialdemokratischen Opposition – ach nein, sorry, der Koalitionspartnerin. Die hofft, an ihm ihr Profil schärfen zu können. Er gilt als wirtschaftsliberal, als wertkonservativ, was immer das heißen mag, als gradlinig. Inzwischen glauben das selbst Leute, die vor einer Woche noch nie von Merz gehört hatten. Segnungen des Herdentriebs.

Eine Frage wurde allerdings bisher nicht gestellt: Kann er’s eigentlich? Wenig spricht dafür.

Quelle         :          TAZ >>>>> weiterlesen

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Grafikquellen      :

Oben      —       Secretary of Defense Ash Carter is speaks with German Defense Minister Ursula von der Leyen and Atlantik-B. Chairman Friedrich Merz as he arrives at the Allianz Forum in Berlin, Germany, as part of a European trip June 22, 2015. Secretary Carter is traveling in Europe to hold bilateral and multilateral meetings with European defense ministers and to participate in his first NATO ministerial as Secretary of Defense. (Photo by Master Sgt. Adrian Cadiz/Released)

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Unten     —

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Klimawandel, Nazis & mehr

Erstellt von DL-Redaktion am 2. November 2018

Demonstrieren ist erst der Anfang

Neonazi 2.4.2005 München.jpg

Von Katharina Saheicha

Ein Lösungsansatz, der die Zusammenhänge unserer drängenden, systemimmanenten Probleme berücksichtigt und Wege in eine grundlegend andere Gesellschaft aufzeigt.

Zurzeit häufen sich die Probleme. Es gilt sich den aufkeimenden rechten Kräften zu widersetzen, die mit Hitlergruß durch deutsche Städte marschieren ebenso wie dem Abholzen des Hambacher Forst, durch das der Klimawandel forciert und unsere Umwelt zerstört wird, außerdem wird das Recht von Frauen über ihren Körper frei zu bestimmen durch die Existenz des Paragraphen 219 in Frage gestellt, sodass dringend dessen Abschaffung unterstützt werden muss. Darüber hinaus gibt es, neben den ganz persönlichen Problemen, noch zahlreiche weitere wie knappe Rohstoffe, Plastikmüll, Hunger, Armut, Krieg, Überbevölkerung und Gewalt gegen Frauen, denen wir uns als Gesellschaft entgegenstellen müssen.

Doch die bisherigen Bemühungen und Ansätze haben bisher nicht zum gewünschten Erfolg geführt. Daher müssen diese Strategien und Ansätze überdacht werden. Es fällt jedoch auf, dass scheinbar gewisse Zusammenhänge zwischen den diversen Problemen bestehen. So leugnen die wiedererstarkten rechten Kräfte alle, ob Trump, UKIP in UK oder AfD in Deutschland, den Klimawandel, zumindest den von Menschen verursachten, obwohl dieser bereits wissenschaftlich erwiesen ist. Darüber hinaus sind diese rechten Kräfte ausgesprochen frauenfeindlich wie Trump immer wieder recht anschaulich vermittelt.
Daher versucht das Buch „Save the World: Wege aus dem Trump-Desaster und dem Klimawandel“ Antworten zu finden, indem zunächst das verbindende Element identifiziert wird, das den diversen Problemen zugrunde liegt, um die Zusammenhänge zu verstehen. Einige machen bereits das kapitalistische System verantwortlich, doch wir müssen noch etwas tiefer gehen, denn das kapitalistische System ist nur eine Ausprägung der bestehenden patriarchalen Gesellschaft mit ihrem Wunsch nach Macht, dem daraus resultieren Besitzstreben sowie der damit verbundenen hierarchischen Struktur. Im Grunde steht uns unsere hierarchisch strukturierte Gesellschaft im Wege, denn nur in solch einer besteht der Wunsch nach Gewinn, um sich von anderen abzugrenzen und damit in der Hierarchie höher zu rücken. Dadurch wird die Ausbeutung und damit die Zerstörung unserer Umwelt oder anderer Menschen zum Teil des Systems, das wir daher dringend hinter uns lassen müssen, um eine Zukunft zu haben. Unsere Probleme sind systemimmanent. Somit können unsere Probleme nicht wirklich im patriarchalen System gelöst werden.
File:Karikatur von Gerhard Mester zum Thema Klimawandel gibt es nicht O12816.jpg
Viele meinen jedoch, dieses Verhalten liegt in der Natur des Menschen, sodass es somit keine wirkliche Alternative geben kann. Doch ein kurzer Blick in die Vergangenheit der Menschheit und auf noch bestehende Mutter zentrierte Gesellschaften zeigt, dass dies eben nicht immer so war, wie oft behauptet wird, sondern dass eine Gesellschaft sehr wohl ohne hierarchische Strukturen auskommen kann und das Streben nach immer mehr nicht von der Natur vorgegeben ist. Das gibt schon einmal Anlass zur Hoffnung. Doch wie könnte eine solche Gesellschaft heute für uns im Detail aussehen? Und noch viel wichtiger, wie können wir eine solche Gesellschaft erreichen?

Quelle      :     Der Freitag >>>>> weiterlesen

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Grafikquellen    :

Oben     — Neonazi rally in Munich on April 2, 2005

  • CC BY-SA 3.0view terms
  • File:Neonazi 2.4.2005 München.jpg
  • Created: 2 April 2005

 

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Unten      —        Karikatur von Gerhard Mester zum Klimawandel

Source Solarenergie-Förderverein Deutschland e.V.
Author
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Aids in Kenia

Erstellt von DL-Redaktion am 2. November 2018

Der HIV-Effekt

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Von , Eldoret

Ausgerechnet der Kampf gegen Aids kann das Leben der Menschen in Afrika insgesamt verbessern. Zu Besuch bei einem Modellprojekt in Kenia.

Ein roter Sandweg zieht sich durch die trockene Landschaft, vorbei an Schaf-, Ziegen- und Kuhherden, endlosen Maisfeldern und kleinen Läden, die grob behauene Steine und Holz verkaufen. In einer Senke stehen ein paar unverputzte Häuser und eine Kirche aus Lehm. Deren Holzbänke sind bereits gefüllt, viele Frauen haben ihre Kinder auf dem Schoß.

Die Dorfversammlung beginnt mit einem Gebet auf Suaheli, dann geht es um die Finanzen der Gemeindemitglieder – und schließlich um Gesundheit. Eine junge Frau spricht über das, was hier mehr als jeden Zwanzigsten betrifft: HIV und Aids. Sie erklärt, wie Menschen sich anstecken und warum es so wichtig ist, die Medikamente gegen das im Körper schlummernde Virus täglich zu nehmen. Später werden sich die Bewohner des kleinen Dorfes, das knapp hundert Kilometer nördlich des Viktoriasees im Westen Kenias liegt, auf der Wiese vor der Kirche in einer langen Reihe aufstellen, um einen kostenlosen HIV-Test machen zu lassen.

Dass in Afrika südlich der Sahara Helfer aus der Stadt anreisen, um Menschen auf dem Land auf HIV zu testen, ist nichts Besonderes. Der Kontinent ist von Aids-Programmen regelrecht überzogen. Ungewöhnlich aber ist das, was passiert, als die junge Frau ihre Erklärungen zu HIV beendet hat: Zwei junge Männer kommen nach vorn und beginnen, den Dorfbewohnern von chronischen Krankheiten und ihrer Behandlung zu erzählen, von Diabetes, Bluthochdruck und von Depression, den Krankheiten also, die lange als Wohlstandskrankheiten galten. Doch die Menschen hier sind von ihnen genauso betroffen wie von HIV. Nach den Vorträgen und einer regen Fragerunde messen Helfer an einem Tisch Blutdruck, und die Dorfbewohner besteigen unter großem Hallo eine alte Metallwaage.

Die drei Helfer kommen von Ampath, einem Projekt, das die Gesundheitsversorgung Westkenias grundlegend verändert hat. Ampath gilt weit über die Grenzen des ostafrikanischen Staats hinaus als Vorbild. Von einem Aids-Programm ist es zu einer Initiative geworden, die vielen Menschen erstmals in ihrem Leben eine Behandlung chronischer Leiden in Aussicht stellt. So ist Ampath, das ursprünglich nur HIV bekämpfen wollte, paradoxerweise zu einem Sinnbild für etwas ganz anderes geworden, nämlich für ein ganzheitliches medizinisches Denken.

Damit ist das Projekt auch das beste Beispiel für eine Forderung, die sich die Regierungen der Welt vor 40 Jahren in der berühmten Erklärung von Alma-Ata selbst verordneten. Bei einer Konferenz der Weltgesundheitsorganisation (WHO) 1978 in Kasachstan vereinbarten sie, die verheerenden Ungleichheiten in puncto Gesundheit zwischen armen und reichen Ländern abzubauen. Wenn die WHO kommende Woche das 40-jährige Jubiläum der Alma-Ata-Konferenz feiert, soll dieser Schwur erneuert werden.* Doch um die Gesundheitsversorgung wirklich zu verbessern, das zeigt das Beispiel Ampath, muss man aufhören, einzelne Krankheiten isoliert bekämpfen zu wollen.

Ampaths Wurzeln reichen bis in das Jahr 1989 zurück, als die amerikanische University of Indiana und die Moi University im kenianischen Eldoret eine Partnerschaft schlossen. Schon damals seien in Kenia vereinzelt Menschen an Aids gestorben, erinnert sich Joe Mamlin, der damalige Medizindekan aus Indiana und Ideenvater von Ampath. „Aber als ich 2000 wieder nach Eldoret kam, war die Aids-Epidemie längst zur Hölle geworden.“ Zu Tausenden starben junge Menschen an dem Virus, das ihr Immunsystem aushöhlte. Spätestens da konnte auch die Weltgemeinschaft die Seuche nicht mehr übersehen.

Dann geschahen binnen weniger Jahre zwei außergewöhnliche Dinge: 2001 wurden die Patente für einige HIV-Medikamente gekippt, woraufhin ihr Preis von rund 35 Euro auf weniger als einen Euro pro Tag sank. Fast zeitgleich begannen Regierungen, private Geldgeber und NGOs, gemeinsam die Erkrankung mit Summen zu bekämpfen, die – für Gesundheitsbelange – alles bis dahin Dagewesene überstiegen. Und einer der ersten Empfänger der Millionen war Ampath.

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Da die Gelder damals nur dem Ziel dienten, HIV-Kranke vor dem Tod zu bewahren und die Zahl der Neuansteckungen zu senken, bildet das Herzstück von Ampath naturgemäß eine HIV-Klinik. In Eldoret ist das ein quadratischer Steinbau mit vier monumentalen Säulen am Eingang, die ein Wellblechdach stützen. Drinnen warten Dutzende Menschen auf Holzbänken. Ein Mitarbeiter prüft regelmäßig, ob seine Patienten ihre Termine einhalten, und ruft säumige Kranke auf ihrem Handy an. Dann werden sie untersucht, Blut wird abgenommen, sie werden gewogen und befragt. Ein Arzthelfer verschreibt Medikamente gegen HIV und fragt nach Nebenwirkungen.

Das Prinzip, das zum Schlüssel für eine effiziente Behandlung geworden ist, nennt sich differenzierte Versorgung: Nicht jeder HIV-Patient muss jedes Mal von einem ausgebildeten Arzt empfangen werden, vor allem dann nicht, wenn er seine Medikamente seit Jahren regelmäßig einnimmt und nicht übermäßig unter Nebenwirkungen leidet.

Schnell aber wurde klar, dass eine rein medizinische Versorgung im Kampf gegen Aids nicht ausreicht, erinnert sich Adrian Gardner, Assistenzprofessor an der University of Indiana und Felddirektor des Ampath-Bündnisses: „Aids ist ein dreiköpfiges Monster. Der eine Kopf ist die Viruserkrankung, der zweite die Armut und der dritte der Hunger. Die Menschen kümmern sich nicht um ihren HIV-Status, wenn sie nichts zu essen haben und kein Dach über dem Kopf.“

*Anmerkung der Redaktion: Inzwischen hat die Globale Konferenz zur Basisgrundversorgung stattgefunden. Die Delegierten haben sich auf eine ambitionierte Erklärung geeinigt, die Sie hier finden.

Inseln guter Versorgung inmitten maroder Gesundheitssysteme

Quelle      :        Zeit-online >>>>> weiterlesen

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Grafikquellen     :

Oben    —           https://www.zeit.de/2018/44/aids-kenia-hiv-afrika-modellprojekt-gesundheit-kampf/komplettansicht

Source Nom nom?

Author Dennis Irrgang from Deutschland(Germany)

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Unten     —         Mombasa ferry, Kenya

Author Daryona    /   own work

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Urheberrecht abgelaufen ?

Erstellt von DL-Redaktion am 2. November 2018

Trotzdem abgemahnt?
Wikimedia kämpft vor Gericht für Gemeinfreiheit

Dieses Bild des Reiss-Engelhorn-Museum wird auf Wikimedia Commons verfügbar bleiben, egal wie der Prozess ausgeht. Es steht unter einer Creative-Commons-Lizenz und fällt unter die Panoramafreiheit des deutschen Urheberrechts.

Quelle     :        Netzpolitik.ORG

, Thomas Hartmann

Thomas Hartmann forscht zum Urheberrecht in der digitalen Wissenschaft, u.a. am Max-Planck-Institut für Innovation und Wettbewerb in München (2011-2016), jetzt am FIZ Karlsruhe – Leibniz-Institut für Informationsinfrastruktur. Daneben ist er Lehrbeauftragter an mehreren Hochschulen, u.a. für Datenschutz an der Humboldt-Universität zu Berlin. Gelegentlich twittert er als @FuzziIP.

Wer demnächst plant, ein Museum zu besuchen, sollte auf den Besichtigungsvertrag achten. Ein solcher kommt schlicht durch das Betreten eines Museums zustande. Das Eintrittsgeld spielt dabei keine Hauptrolle, es braucht auch kein Vertragsdokument. Was beinhaltet ein solcher Besichtigungsvertrag? Wesentlich ist die Besucherordnung (juristisch AGB), verdeutlicht durch allerlei Ge- und Verbote auf Schildern, zum Beispiel: „Essen und Trinken untersagt“. Durchgestrichene Fotokameras sind als Piktogramme auf anderen Aushängen deutlich zu sehen. „Das Fotografieren und Filmen (auch mit Mobiltelefonen) ist verboten. Ton- und Bandaufnahmen während der Führungen sind nicht gestattet.“ Das ist die entsprechende Formulierung aus der Besucherordnung der städtischen Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim, die für viele andere Archive, Museen und Sammlungen repräsentativ sein dürfte. Wo bleiben bei all den Zugangs- und Nutzungsrestriktionen jedoch die Meinungsfreiheit, die Wissenschafts- und Kunstfreiheit der Besucher, ähnlich wie sie im Urheberrecht durch Schrankenbestimmungen (z. Bsp. Zitierfreiheit) gesetzlich abgesichert ist? Dazu hat sich der I. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs (BGH) in der gestrigen mündlichen Verhandlung im Musterprozess zwischen den Reiss-Engelhorn-Museen und der Wikimedia Foundation nicht weiter geäußert.

Trotz Fotografierverbot erstellen Besucher Aufnahmen von Gemälden und anderen Exponaten. Die so digitalisierten Kulturschätze wurden dann via Wikipedia – genauer: deren Medienarchiv Wikimedia Commons – geteilt. Gegen diese Veröffentlichungen bei Wikipedia mit dem Lizenzvermerk Public Domain ging die Stadt Mannheim vor, der die Reiss-Engelhorn-Museen gehören. Deren Generaldirektor, Professor Alfried Wieczorek, stellte sich im Anschluss an die Gerichtsverhandlung in Karlsruhe den Fragen der anwesenden Medienvertreter. Auf der Anklagebank sitzt mittlerweile durch alle Gerichtsinstanzen neben einem fotografierenden Besucher die Wikimedia Foundation, Träger von Wikipedia und Wikimedia Commons.

Renaissance des Lichtbildschutzes

Zudem ist die Wikimedia mit dem Vorwurf konfrontiert, gegen das Urheberrechtsgesetz zu verstoßen. Manchmal fotografieren die ehrenamtlich tätigen Wikipedia-Autoren nicht selbst, sondern sie scannen die Abbildungen aus Museumskatalogen zur Wikipedia-Veröffentlichung. Solche Abbildungen (Repros) werden in der Regel von Mitarbeitern der Museen erstellt. Dass diese Digitalisierung rechtlich als geistige Leistung zu werten ist, die Lichtbildschutz nach § 72 UrhG auslöst, hat der I. Zivilsenat in Karlsruhe bei der mündlichen Verhandlung ebenfalls angedeutet. Zwar ist die Schutzdauer beim einfachen Lichtbild geringer als bei anspruchsvolleren Lichtbildwerken, beträgt allerdings immer noch 50 Jahre nach Erstellung. Die Renaissance des Lichtbildschutzes im Digitalzeitalter ist ärgerlich – neben anderen gewichtigen Meinungen wurde etwa auch auf dem Deutschen Juristentag 2014 die ersatzlose Abschaffung dieses überholten Leistungsschutzrechts gefordert. Dahingehend passiert ist allerdings nichts, so dass sich der Leistungsschutz jetzt zum kaum überwindbaren Hauptproblem bei der Digitalisierung gemeinfreier Werke kristallisieren könnte.

Damit hat die Wikimedia mit ihren Autoren nach den Buchstaben des Gesetzes schlechte Karten in diesem Rechtsstreit. Schon die beiden Vorinstanzen, das Landes- und dann das Oberlandesgericht in Stuttgart hatten sich weitgehend der restriktiven Rechtsauffassung der Reiss-Engelhorn-Museen angeschlossen, zu der nun auch abschließend der BGH tendieren könnte. Ob neben der Vertragsverletzung und der Urheberrechtsverletzung auch noch eine Eigentumsverletzung vorliegen könnte, erschien bei der mündlichen Verhandlung zeitweise fast nicht mehr vordringlich. Der für das Grundstücksrecht zuständige V. Zivilsenat des BGH entschied bereits vor einigen Jahren, dass Eigentümer grundlegend entscheiden dürfen, ob und zu welchen Bedingungen auf dem eigenen Gelände fotografiert und gefilmt werden darf (zu dieser sogenannten Sanssouci-Rechtsprechung bei Legal Tribune Online).

Viele Bilder werden aus Wikipedia verschwinden

Beschränkt sich nun auch der BGH im Wesentlichen auf die Anwendung dieser Rechtsvorschriften im Wortlaut, wird die Wikimedia in dieser rechtlichen Auseinandersetzung kaum obsiegen können. Für diesen Fall ist zu befürchten, dass in erheblichem Umfang Abbildungen aus der Wikipedia verschwinden werden. Rechtlich betroffen wäre jedoch nicht nur Wikimedia, sondern auch viele andere Projekte, Initiativen und Einrichtungen aus Wissenschaft und Kultur, die entschieden für einen Paradigmenwechsel hin zu ungehindertem Zugang und unbeschränkten Nachnutzungsmöglichkeiten eintreten – beispielhaft dafür etwa Ellen Eulers Plädoyer für neue Formen der Gemeinfreiheit und einem entsprechenden „Call to Action“.

Gerade das Urheberrecht aber bremst und bremst. Die im März 2018 neu eingeführten gesetzlichen Nutzungserlaubnisse für Bildung, Wissenschaft, Bibliotheken und Gedächtniseinrichtungen (ab § 60a UrhG) erweisen sich in den Augen vieler Kritiker als ein Flickenteppich, der allenfalls kleine Fortschritte bringt. Auch die seit 2014 geltenden Vorschriften für vergriffene und verwaiste Werke haben vielen (in aller Regel öffentlich finanzierten) Digitalisierungsprojekten noch nicht zum Durchbruch verholfen. Derweilen dehnte der Gesetzgeber bestehende Schutzrechte etwa für die Tonträgerhersteller weiter auf nunmehr 70 Jahre aus und etablierte neue Schutzrechte wie das Leistungsschutz für Presseverleger. Letzteres droht auf EU-Ebene inzwischen europaweit die Linkfreiheit einzuschränken und sorgt gemeinsam mit der geplanten Pflicht zu Uploadfiltern für immer neue Hürden und Einschränkungen für freie Projekte wie die Wikipedia.

Gemeinfreiheit in Gefahr

Mit der kommenden Entscheidung des BGH droht auch noch eine der letzten Gewissheiten für Nutzer abhanden zu kommen: die Gemeinfreiheit von Materialien, die älter als 150 Jahre sind. Diese Endlichkeit des Werkschutzes ist integraler Teil des Urheberrechtsschutzes. Zu Recht erinnern daran die Wikimedia, die Wikipedia-Community und deren viele Nutzer. Es würde die Konstruktion und damit auch die Akzeptanz des Urheberrechtsschutzes in Gefahr bringen, wenn der proprietäre Schutz von Werken durch unzureichenden Zugang zu gemeinfreien Kulturgütern oder durch Leistungsschutzrechte wie den Lichtbildschutz immer wieder verlängert werden könnte. „Was gemeinfrei ist, muss gemeinfrei werden“ fordern deshalb Paul Klimpel und Fabian Rack. Es ist daher wichtig, dass die Wikimedia diesen Rechtsstreit trotz der beträchtlichen Prozess- und Kostenrisiken durch alle Instanzen gefochten hat. Nach der mündlichen Verhandlung will der BGH sein Urteil am 20.12.2018 verkünden. Es wird wegweisend sein für vielfältige Digitalisierungsanstrengungen gerade im Bildungs-, Kultur- und Wissenschaftsbereich.

Lizenz: Die von uns verfassten Inhalte stehen, soweit nicht anders vermerkt, unter der Lizenz Creative Commons BY-NC-SA 4.0.

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Grafikquelle      :         CC-BY 3.0 Hubert Berberich

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Wir retten die Welt

Erstellt von DL-Redaktion am 2. November 2018

Ein bisschen stolz auf die Jugend von heute

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Von Bernhard Pötter

Mein Ältester ist am Telefon: „Hallo Papa, die Polizei hat uns gerade die Grundrechte entzogen.“ Er klingt ganz begeistert. Mit ein paar Tausend anderen saß unser Sohn am Wochenende irgendwo am Hambacher Tagebau in einem Polizeikessel. Coole Leute, sagte er, gute Aktion, dieses „Ende Gelände“ da müsse man doch hin. Also verbrachte er kurzentschlossen zwei Nächte im Fernbus, um sich die Grundrechte entziehen zu lassen.

Klar, da ist viel jugendlicher Sturm und Drang dabei. Aber das soziale und ökologische Bewusstsein kommt bei vielen ganz selbstverständlich daher, ist mein Eindruck. Viele – vielleicht ja auch nur eine Minderheit – haben begriffen, dass für sie nicht mehr viel übrig bleibt, wenn wir jetzt alles auffressen. So ganz geschlafen haben sie also nicht, als es in der Schule um Kohle, Klima, Plastikmüll und Artensterben ging.

Sie engagieren sich sogar, obwohl ihre Lehrer und Eltern das gut finden. So was ging bei uns ja gar nicht. Was haben wir uns mit unseren Eltern alles an den Kopf geworfen, als es ums Waldsterben ging oder um diese Nachrüstung, die nicht Autos, sondern Atomraketen betraf. Früher ging Revolte nur, wenn man damit den alten Säcken den Stinkefinger zeigen konnte. Heute bedankt sich die Revolution artig bei Mama und Papa für die Demo-Sandwiches.

Abendsonne im Hambacher Forst,NRW.jpg

Wächst da die Avantgarde heran, die endlich die Welt rettet? Umfragen lassen daran zweifeln: Demnach ist die Bedrohung der Umwelt bei Jüngeren weniger Thema als bei uns Gruftis. Und die Jugend ist zwar für Öko, aber beim Konsum, bei Klamotten und beim Handy will sie keine Abstriche machen. Man schlage ihnen auch mal vor, nur alle fünf Jahre zu ihren Freunden nach Chile zu fliegen: Krasse Idee, Alter, chill mal!

Quelle      :        TAZ         >>>>>            weiterlesen

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Grafikquellen         :

Oben      —       G20 summit policetroops

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DL-Tagesticker 02.11.18

Erstellt von DL-Redaktion am 2. November 2018

Direkt eingeflogen mit unseren  Hubschrappschrap

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FDP sagt zum dritten Mal Nein  

1.) Die neue Dagegen-Partei will nicht mit den Grünen

Früher schmähte die FDP die Grünen gern als „Dagegen-Partei“. Jetzt verweigert sie sich selbst zum dritten Mal einer Koalition. Schlüssig erklären kann sie das nicht.  Auch politische Schmähbegriffe unterliegen Konjunkturen. Den Grünen etwa werfen politische Gegner heute gern vor, eine Partei des erhobenen Zeigefingers zu sein. Davor lautete der beliebteste Vorwurf, die Grünen seien eine Verbotspartei. Und noch etwas früher, zwischen 2010 und 2012 etwa, bezeichneten Union und FDP die Grünen besonders gern als Dagegen-Partei. Sie wollten, so der Vorwurf, immer nur verhindern – Stromtrassen, Straßen, Atomkraft, Wirtschaftsaufschwung.

T.-online

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Wer auf hohem Rosse reitet, kann manchmal sehr unsanft auf der Erde landen.

Polen

2.) Merkel muss sich auf einen ungemütlichen Empfang einstellen

Die Kanzlerin reist zu deutsch-polnischen Regierungskonsultationen nach Warschau – und trifft nach ihrem angekündigten Teilrückzug auf selbstbewusste Gastgeber. Bei vier strittigen Punkten könnte es zu einer offenen Auseinandersetzung kommen.

Die Welt

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Friss oder Stirb, so lautet das Motto in den Parteien. In Allen

Szenarien nach Merkel-Abschied

3.) Würde Merz die Kanzlerin stürzen?

Mit der Rückzugs-Ankündigung von Parteichefin Merkel kommt plötzlich viel Bewegung in die einst so stabile CDU. Viel Raum für Spekulationen öffnet sich: Wie werden Merkels Nachfolger mit der Kanzlerin harmonieren? Und wie reagiert der Koalitionspartner SPD?

n.tv

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Will der faule Sack denn nur noch die Beine hochlegen ?

Gastbeitrag von Lars Klingbeil :

4.) SPD-Generalsekretär fordert Milliarden für Künstliche Intelligenz

Beim Ringen der Bundesregierung um eine Strategie zum Thema Künstliche Intelligenz (KI) kritisiert SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil die eigene Koalition. „Wir brauchen eine konkrete Investitionsstrategie für KI, die auf einer Milliardensumme basiert“, sagte Klingbeil dem „Tagesspiegel“ (Samstagausgabe).

Der Tagesspiegel

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Erdogan scheint kein guter Rechner zu sein. Müsste er doch wissen – für Deutsche Journalisten bekäme er viel mehr Geld!

Journalisten in Haft

5.) Türkischer Journalist appelliert an Europa

Der pro-kurdische Journalist Akyüz ist seit 2009 in der Türkei in Haft. Das Verfassungsgericht bearbeitet seine Klage nicht, also kann der Europäische Gerichtshof den Fall nicht verhandeln. Der inhaftierte türkische Journalist Seyithan Akyüz hat den europäischen Staaten in einer Botschaft an die Frankfurter Rundschau vorgeworfen, zur Verletzung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Türkei zu schweigen. „Sie benehmen sich, als wäre alles in Ordnung, wenn die Türkei einige bekannte Journalisten wie Ahmet Sik freilässt“, sagte Akyüz nach Angaben seines Bruders Mesut, der Seyithan Akyüz im Gefängnis in der Nähe von Izmir besucht hatte.

FR

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Aber- das war ihre Maschen viele Jahre lang! Wäre sie mehr unter die Menschen gegangen , ohne sich hinter Blau- oder Grüne – Narren zu verstecken, sähe dieses Land anders aus. Genau dazu braucht es persönlichen Mut und diesen bekommt man nicht ohne Risiko, welches aber jeder aus dieser Gesellschaft eingeht.

Barbara Ludwig:

6.) Chemnitzer Bürgermeisterin kritisiert Angela Merkels späten Besuch

Am 16. November will Kanzlerin Angela Merkel Chemnitz besuchen. Aus Sicht der Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (SPD) kommt der Besuch nach den Ausschreitungen im August viel zu spät. Das werde die Stadt erneut aufwühlen, sagte Ludwig im Mitteldeutschen Rundfunk (MDR). „Das wird sicher wieder ein schwieriger Tag für Chemnitz.“

Zeit-online

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7.) 9 Dinge, die Sie noch nicht über Friedrich Merz wussten

Nach Angela Merkels Rückzug erschien er auf einmal wieder auf der Bildfläche: Friedrich Merz! Der frühere CDU-Fraktionschef elektrisiert alle Bevölkerungsschichten vom einfachen Konzernchef über den Großgrundbesitzer bis hin zum sympathischen Milliardenerben von nebenan. Doch wer ist Friedrich Merz überhaupt? Der Postillon hat 9 kuriose Fakten über den 62-Jährigen, der die CDU nach Merkel (64!) drastisch verjüngen wird, zusammengetragen:

Der Postillon

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Hinweise und Anregungen nehmen wir gerne entgegen

Treu unserem Motto: Es gibt keine schlechte Presse, sondern nur unkritische Leser

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Grafikquelle:   Oben —  DL / privat – Wikimedia Commons – cc-by-sa-3.

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