DEMOKRATISCH – LINKS

                      KRITISCHE INTERNET-ZEITUNG

RENTENANGST

Archiv für Oktober 8th, 2018

Dieses Land ist unmodern

Erstellt von DL-Redaktion am 8. Oktober 2018

Die Deutsche Bahn und die Mobilitätskrise

File:Uetersen Pferdebahn.jpg

Von Anja Krüger

Deutschland steckt in einer Mobilitätskrise, und die Bahn hat entscheidenden Anteil daran. Dabei sind ihre Aufgaben im Grundgesetz festgehalten.

Ah, der Nahverkehr liegt Ihnen am Herzen und die Bahn auch? Dann brauchen Sie Geduld. Schon die Fahrt mit dem Bus zum Bahnhof zeigt, ob Sie der Herausforderung gewachsen sind, denn vielerorts dürfte es vor hundert Jahren mit der Pferdekutsche schneller gegangen sein. Damals war das Streckennetz noch immens. Allein in Preußen gab es mehr Schienenwege als heute die 33.500 Schienenkilometer in ganz Deutschland.

Moderne Gesellschaften sind mobile Gesellschaften, lässt die Bahn den Trendforscher Mathias Haas auf ihrer Homepage sagen. Das ist skurril. Schließlich demonstriert die Bahn Tag für Tag, wie unmodern Deutschland ist. Hier sind Dieselloks noch das Transportmittel des 21. Jahrhunderts, denn nur 60 Prozent der Strecken sind elektrifiziert. In der Schweiz sind es 100 Prozent.

Die Umstellung auf Batteriebetrieb erfolgt hierzulande jedoch schleppend – wie alles bei der DB. Internet gibt es nur im ICE, Verspätungen sind normal, Anschlüsse klappen nicht, Nachtzüge sind abgeschafft.

Gründe für Verspätungen gibt es bei der Bahn immer: im Sommer die Hitze, im Winter die Kälte, im Herbst das Laub, im Frühjahr die Stürme. Dazu die Streckensperrungen und die „Stellwerkfehler“ – ein besonders beliebter Verzögerungsgrund. Reisen mit der Bahn, so das Fazit, wird immer unkomfortabler.

In Deutschland gibt es eine Mobilitätskrise, und die Bahn hat entscheidenden Anteil daran. Nicht nur die Züge sind überfüllt, auch Straßen sind verstopft und Flüge fallen aus. Viele Menschen würden gerne von klimaschädlichen Verkehrsmitteln auf die Bahn umsteigen. Doch angesichts der Unzuverlässigkeit und Unbequemlichkeit der Bahn lassen sie das lieber. Geradezu irre ist, dass auf vielen Inlandsstrecken ein Flug billiger ist als die Zugfahrt, die Kosten fürs Taxi zum Flughafen mit eingerechnet.

Am Donnerstag hat die Bahn nun angekündigt, die Preise weiter anzuheben. Was für ein Irrweg. Flugzeugtickets werden dagegen eher billiger.

Die Bahn hatte 2016 einen Marktanteil am Personenverkehr im Inland von nur 9,8 Prozent, Busse von 5,6 Prozent und Flugzeuge von 0,9 Prozent. Autos und Motorräder kommen auf gigantische 83,8 Prozent. Auch wenn der Staat nach wie vor mehr Geld in Straßen als in Schienen steckt – in einem guten Zustand sind auch Fahrbahnen und Brücken nicht.

Datei:DB 725-101 Hannover 1612021312.jpg

Moderne Infrastruktur: Fehlanzeige. Dafür ist eine völlig andere Verkehrspolitik nötig, die auf ökologische Transportmittel setzt. Dazu müssen Bund, Länder und Kommunen investieren – in gute Verkehrsleitsysteme, in mehr E-Verkehr, in Fahrradstraßen und vor allem in die Bahn. Die Verkehrswende ist eines der wichtigsten, vielleicht das wichtigste Modernisierungsprojekt in Deutschland.

Refeudalisierung statt Modernisierung

Andere europäische Länder stecken viel mehr Geld in die Instandhaltung und Modernisierung ihrer Bahnnetze, in Deutschland sind es 67 Euro pro Bundesbürger, in der Schweiz 362 Euro, in Österreich 187 Euro, in Großbritannien 165 Euro. In Deutschland dagegen setzten Bahnmanager und Bundesregierung auf Prestigeprojekte wie das Milliarden Euro verschlingende Stuttgart 21.

Bahnmanagement und Bundesregierung betreiben eine Refeudalisierung des Bahnfahrens – das ist das Gegenteil von Modernisierung. Wer Geld hat, kann von umsichtigem Servicepersonal umsorgt in der 1. Klasse bequem reisen und in der schicken Bahnhofs-Lounge auf den verspäteten Zug warten. Wer mittellos ist, bleibt in der Kälte stehen. Spartickets gibt es wenige, sie müssen weit im Voraus gebucht werden.

Quelle      :          TAZ         >>>>>          weiterlesen

—————————————————————————

Grafikquellen      :

Oben    —        Die Uetersener Pferdebahn um 1900

This work is in the public domain in its country of origin and other countries and areas where the copyright term is the author’s life plus 70 years or less.

————————————–

Unten     —     DB Gleismesszug 725-101 in Hannover Hbf

Quelle Eigenes Werk
Urheber Clic

Diese Datei ist lizenziert unter der Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international“.

 

 

Abgelegt unter Arbeitspolitik, Deutschland, Regierung, Sozialpolitik | Keine Kommentare »

Thilo Sarrazins Übernahme

Erstellt von DL-Redaktion am 8. Oktober 2018

„Feindliche Übernahme“ – eine Laudatio

Sarrazin book pres b4.jpg

Von Kristian Stemmler / lcm

Der renommierte Islamwissenschaftler Thilo „das Schwert“ Sarrazin hat endlich sein lang erwartetes zweites Buch vorgelegt, das natürlich die Bestsellerlisten von Flensburg bis Palermo bereits vor Erscheinen anführte.

Das fast 500 Seiten starke und entsprechend schwergewichtige Werk ist auf den Buchmärkten eingeschlagen wie eine Bombe, soweit der Vergleich in diesem Zusammenhang noch erlaubt ist. Schon der Titel verspricht die Spannung eines guten Thrillers. „Feindliche Übernahme“, Untertitel: „Wie die Gesellschaft den Fortschritt des Islam bedroht“ oder so ähnlich.

Wie schon in seinem längst kanonisch gewordenen, vor nahezu einem Jahrzehnt erschienenen Opus „Deutschland schafft sich ab“ überrascht der begnadete Autor die Öffentlichkeit mit atemberaubenden Enthüllungen aus der muslimischen Welt, so dass das Buch auch mit Fug und Recht „Inside Islam“ hätte heißen können. Mit der ihm eigenen Akribie, die einem ehemaligen Berliner Finanzsenator und Bundesbankvorstand gut ansteht, weist Sarrazin unter anderem nach:

  • Der Gebetsruf eines Muezzin kann im Extremfall mit 130 Dezibel den Lärmpegel eines startenden Düsenjets übertreffen. Dies könne, so der Bestsellerautor, nachhaltige Gehörschäden am deutschen Volkskörper verursachen, so dass nachher womöglich niemand mehr gehorchen will.
  • Die deutsche Schweinezuchtindustrie wird, dies kann Sarrazin mit exklusivem Material eindeutig belegen, über Mittelsmänner von arabischen Clans beherrscht. Die Schweine werden bewusst mit Hormonen geimpft, die wiederum dafür sorgen, dass deutschen Männern zunehmend Brüste wachsen. „Dies ist der wahre Grund, weshalb Muslime kein Schweinefleisch essen“, so der Experte.
  • Körperbedeckungen wie die Burka und Niqab würden von muslimischen Frauen nur deshalb getragen, weil diese im Schnitt hässlicher seien als die Frauen indoeuropäischer Prägung. Sarrazin vergisst hier für einen Moment seine gute Erziehung und schreibt von „Schleierschlampen“, was ihm aufgrund seines emotionalen Engagements für die gute Sache nachzusehen ist.

Zahlreiche weitere Enthüllungen ähnlichen Kalibers halten den Leser bis zur letzten Seite bei der Stange, zumal der Politrentner, im Schlusskapitel den geheimen Plan des Islam zur Übernahme Deutschlands aufdeckt. Verblüffend einfach und durchschaubar sei der Plan der Verschwörer eigentlich, so schreibt er. Die Übernahme werde schleichend über den muslimischen Teppichhandel abgewickelt. Mit aggressiven Werbemethoden, dem Einsatz von Drückerkolonnen und Erpressungen würden immer mehr Deutschen, die eigentlich nur einen Läufer kaufen wollten, zwei bis drei Perserteppiche angedreht.

Mit vielen Statistiken und Grafiken zeigt Sarrazin auf 40 Seiten, wie diese Strategie in wenigen Jahren dazu führt, dass sämtliche Häuser und Wohnungen der deutschen Bevölkerung bis zur Decke mit Teppichen gefüllt sind, was die Wohnqualität massiv beeinträchtige und so gute wie alle Haushalte in die Insolvenz führen werde. Dann sei die Zeit reif, dass die muslimische Mafia eine Teppichtheokratie hierzulande errichte.

Eine Schwäche hat das neue Werk des neuen präceptor germaniae allerdings. Angesichts des Titels „Feindliche Übernahme“ dürfte sich der eine oder andere Leser fragen, wie ein Land übernommen werden soll, das sich bereits vor acht Jahren abgeschafft hat.

Soweit nicht anders angegeben und keine Quellenangabe (Name einer Organisation oder Internet-Adresse) vorhanden ist, gilt für die Texte auf dieser Webseite eine Creative Commons Lizenz (CC).

——————————————————————————

Grafikquelle     :

Thilo Sarrazin, at the presentation of his book „Deutschland schafft sich ab“

Abgelegt unter Bücher, Feuilleton, Innere Sicherheit, Religionen | Keine Kommentare »

Folgenschwere Niederlage

Erstellt von DL-Redaktion am 8. Oktober 2018

 für die schwarz-gelbe NRW-Landesregierung
am Hambacher Forst

Quelle       :         Scharf – Links

Von Horst Hilse

Seit 40 Jahren kämpft die Umweltbewegung in NRW gegen die Landvernichtung durch den RWE-Konzern.

Seit Monaten setzte der NRW Innenminister Reul (CDU) auf eine Eskalationsstrategie gegen die Umweltbewegung, die mit der üblichen schwarzen Propagand belegt wurde: „versponnen“, realitätsfern“, öko-terroristisch“ etc.etc.

Der Kampf um die Baumbesetzungen im Hambacher Forst wurde bewusst politisch eskaliert und ein junger Mann verlor sein Leben, zahlreiche andere Menschen wurden verletzt.

Unbeirrt wurde die Polizei trotz vielfacher Kritik im Konzerninteresse im „Waldeinsatz“ von dem schwarzen NRW – Sheriff instrumentalisiert. Selbst der „Bund deutscher Kriminalbeamter“ kritisierte das schliesslich.

Die Unterstützerbewegung für eine neue Energiepolitik wuchs rapide an und alles steuerte auf eine große Konfrontation zu, als die Großdemonstration vom vergangenen Samstag von der Polizei verboten worden war. Eine Konfrontation schien unvermeidlich und hätte durchaus die Dimenionen dvon Wackersdorf oder Stuttgart 21 erreichen können.

Eskalationspolitik gestoppt

Hätte, denn diese Eskalationsstrategie der Landesregierung wurde durch zwei Gerichtsurteile gestoppt. Das Oberverwaltungsgericht in Münster hielt die Begründungen des Konzerns für die Abholzungen in dem 5 qkm großen noch übriggebliebenen Waldgebiet für nicht ausreichend belegt und verfügte einen vorläufigen Rodungsstopp. Die entgültige Entscheidung im Hauptsacheverfahren vor dem Verwaltungsgericht Köln fällt möglicherweise nicht vor 2020.

Hätte, denn das Aachener Verwaltungsgericht kippte auch das von der Polizei verhängte Demoverbot und hielt die „Sicherheitsbedenken“ der Polizei für nicht ausreichend.

Beide Urteile stoppten die Eskalationsstrategie der Landesregierung NRW und binnen weniger Stunden schaltete der NRW-Ministerpräsident auf einen anderen Sender und man vernahm ein Angebot : Er könne sich einen „runden Tisch“ mit allen beteiligten Interessengruppen vorstellen.

Sicherlich gehören zu den gemeinten „beteiligten Interessengruppen“ auch die SPD-geführten Großstädte im Ruhrgebiet, die 25% der RWE Aktien halten und nun vor einer Gewinnwarnung des Konzerns zittern müssen. Seit Tagen fallen die Kurswerte des Energiekonzerns. Eine solche Warnung würde große Löcher in die Kommunalhaushalte reissen. Auch Niedersachsens SPD dürfte ein ähnliches Szenario mit dem Einbruch bei VW erwarten, da auch dort die meisten betroffenen Aktionärs – Kommunen SPD-regiert werden. Wer im Profitsystem mitspielen möchte, für den gilt auch heute noch die alte Volksweisheit: mitgegangen – mitgehangen!

Die Großdemo am 6. Oktober

Die Demo am Samstag war mit ihren ca. 50 000 Teilnehmern ein großer politischer Erfolg. Da Polizeiangaben bekannterweise die Demozahlen immer wieder runterreden, um mediale Politik zu machen, hatten die Veranstalter an den Zugangswegen Menschen mit Zähltackern aufgestellt und die Zahlen wurden zur zentralen Demoleitung regelmäßig durchgegeben. Immer wieder trafen Demozüge mit tausenden überwiegend jungen Menschen ein, die sich auf den Zugangsstraßen zusammengefunden hatten. Viele jedoch erreichten den Kundgebungsort gar nicht, da ab 10.30 die S-Bahnzüge in Buir gar nicht mehr hielten und die Züge bis Horrem durchfuhren. Zwar wurde von den Veranstaltern dankenswerterweise ein Shuttlesystem eingerichtet, das jedoch völlig überlastet war. Daher irrten mehrere „Demozüge“ von einigen Tausend Menschen zu Fuss rund um den Kundgebungsort in der Landschaft und im Wald herum. Auch die entsprechenden Autobahnabfahrten waren völlig verstopft und dort ging stundenlang auch nichts mehr. Auf der A4 kam es zu einem 10km Stau und entnervt stellten viele ihren Wagen auf der Autobahn ab und machten sich zu Fuss auf den Weg zu dem von Staubböen ständig umwehten Kundgebungsacker. Trotz Hitze und Staub – es herrschte eine entspannte fröhliche Athmosphäre bei den zigtausend Protestlern, zumal die Polizei sich im Hintergrund hielt.

Die Veranstalter sprachen von „ca.“ 50 000. Es mögen aber auch sehr viel mehr gewesen sein..

Dass die Grünen ihren Landesparteitag am Sonntag, dem Tag nach der Demo in einem großen Zelt auf dem Kundgebungsplatz abhalten, wurde von mehreren NRW Regierungsmitgliedern als „Provokation“ bewertet. Ebenfalls negativ wurde bei der Landesregierung registriert, dass auch der NRW Verband der Partei die Linke in der Mobilisierung zur Demo eine engagierte Rolle spielte.

Urheberrecht
Die unter www.scharf-links.de angebotenen Inhalte und Informationen stehen unter einer deutschen Creative Commons Lizenz. Diese Lizenz gestattet es jedem, zu ausschließlich nicht-kommerziellen Zwecken die Inhalte und Informationen von www.scharf-links.de zu vervielfältigen, zu verbreiten und öffentlich zugänglich zu machen. Hierbei müssen die Autoren und die Quelle genannt werden. Urhebervermerke dürfen nicht verändert werden.  Einzelheiten zur Lizenz in allgemeinverständlicher Form finden sich auf der Seite von Creative Commons http://de.creativecommons.org/was-ist-cc/.

———————————————————————

Grafikquelle      :    Scharf-Links  —   Foto: Tim Wagner, Ende Gelände

Abgelegt unter Köln, Medien, Nordrhein-Westfalen, Überregional | Keine Kommentare »

Stuttgart 21 Immer wieder

Erstellt von DL-Redaktion am 8. Oktober 2018

Von Kastanien und Pflastersteinen

MittlererSchlossgartenRobinWood 2010-09-30.jpg

Von Monika Lege / Robin Wood

Acht Jahre Schwarzer Donnerstag, als Polizeigewalt den Schlossgarten räumte und nur Stunden später die ersten Bäume fielen. Bevor im Hambacher Forst die letzten Baumhäuser zerbarsten, kam Monika Lege von Robin Wood nach Stuttgart. Hier die Rede, die sie am Samstag auf der Stuttgart-21-Demo zum 30.9.2010 gehalten hat.

„Gebt auf Eure Bäume Acht, sonst wird der Park platt gemacht. Stoppt Stuttgart 21.“ Das stand auf dem ersten Transparent von Robin Wood Stuttgart. Kletternde spannten es im Juni 2008 im Schlossgarten. Sie hockten oben in drei alten Platanen, die heute nicht mehr stehen. Vielleicht kam auch die Plattform-Technik zum Einsatz, mit der wir 2003 das erste Waldcamp von Robin Wood auf die Beine gebracht haben. Bei extremer Trockenheit und Waldbrandgefahr stiegen wir im Gundwald südlich vom Frankfurter Flughafen auf die Bäume, um den Wert dieses alten Waldes spürbar zu machen. Der Erhalt alter Wälder schützt das Klima. Fliegen ist der billigste Weg, den Planeten zu grillen.

Ich musste mich für dieses Waldcamp vor Gericht verantworten. Habe ich eine Versammlung geleitet, die oben in den Baumkronen eines von der Rodung bedrohten Waldes stattfand? Kann es überhaupt eine Versammlung oben in den Wipfeln geben und wenn ja, steht die grundgesetzlich geschützte Versammlungsfreiheit über dem hessischen Forstrecht? Sind Baumkronen ein „öffentlich zugänglicher Ort“, was Voraussetzung für eine Versammlung ist? Das waren die Fragen, mit denen sich die Staatsanwaltschaft beschäftigte. Weil wir hier für Demokratie und Bürgerrechte demonstrieren, auch dieses Detail: Die Akteneinsicht förderte damals zu Tage, dass die Polizei auch gegen mutmaßliche Verwandte von mir und deren politische Haltung ermittelte.

Drei Waldcamps und eine neuntägige Baumbesetzung im Rhein-Main-Gebiet später begann die Besetzung des Kelsterbacher Stadtwaldes. In einem ungleichen Bündnis von autonomen und bürgerlichen Aktiven, Bürgerinitiativen, Umweltorganisationen und Kommunalpolitik versuchten wir, die Räumung und Rodung des Kelsterbacher Waldes für die Erweiterung des Frankfurter Flughafens zu verhindern.

Es gab sogar schon eine rot-rot-grüne Koalitions- bzw. Tolerierungsvereinbarung, in der ein Moratorium für die Abholzung festgeschrieben war. Einzelne SPD-Landtagsabgeordnete stiegen aus, es gab Neuwahlen. Im Februar 2009 wurden rund 70 Hektar Wald geräumt und gerodet für eine vierte Landebahn.

Es gibt keinen ermittlungsrelevanten Zusammenhang. Es gibt auch keinen Business-Plan für erfolgreiche Kampagnenarbeit. Aber es gibt eine Idee und eine Energie, die die Kelsterbacher Waldbesetzung mit dem Stuttgarter Schlossgarten und dem Hambacher Forst verbindet.

Was kann weg? Über den Moment hinaus denken

Dabei ist der Grat zu abgeklärtem Zynismus und anti-zivilisatorischer Naturtümelei manchmal verdammt schmal. Ich habe nochmal nachgeguckt: Die antiken Kyniker oder Bettelphilosophen lehrten eine Rückkehr zum Naturzustand und zum einfachen Leben. Das eingangs zitierte Transparent im Stuttgarter Schlossgarten vom Juni 2008 – „Gebt auf Eure Bäume Acht, sonst wird der Park platt gemacht“ –  steht nicht für eine naive Verklärung vormoderner Verhältnisse. Alte Bäume und alte Wälder erinnern uns daran, was das Tagesgeschäft überdauert. Der Aufenthalt in der Krone eines Baumes mit dem Vielfachen des eigenen Alters kann tatsächlich dazu führen, über den Moment hinaus zu denken. Was bleibt? Was will ich behalten? Was kann weg?

Vielleicht verbietet die Stuttgarter Grünflächenverordnung deshalb das „Schlafen auf Bäumen“. Sie war im Spätsommer 2008 die Rechtsgrundlage für die Räumung und Zerstörung des ersten Baumhauses von Robin Wood noch vor dem Schwarzen Donnerstag.

Quelle   :       KONTEXT – Wochenzeitung           >>>>>          weiterlesen

————————————————————————————–

Grafikquellen      :

Oben     —       Baumbesetzung von Robin Wood bei Auseinandersetzungen um Baumfällungen im Mittleren Schlossgarten im Zuge des Projekts de:Stuttgart 21

—————————————-

Unten     —        Demonstranten und Wasserwerfer im Mittleren Schlossgarten, 30. September 2010

 

  • CC BY-SA 3.0Hinweise zur Weiternutzung
  • File:MittlererSchlossgartenWasserwerfer 2010-09-30.jpg
  • Erstellt: 30. September 2010

 

Abgelegt unter Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Regierungs - Werte, Wirtschaftpolitik | Keine Kommentare »

DIE – WOCHE

Erstellt von DL-Redaktion am 8. Oktober 2018

Wie geht es uns, Herr Küppersbusch?

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/1/1b/Die-Woche.png?uselang=de

Kolumne von Friedrich Küppersbusch

Theresa May nimmt die EU auf den Arm, RWE baggert sich einen Plan B nach China und wird Söder nach der Wahl Seehofer opfern?

taz: Herr Küppersbusch, was war schlecht in der vergangenen Woche?

Friedrich Küppersbusch: US-Talkgenie Bill Maher empfängt seinen natürlichen Fressfeind Steve Bannon. Der empfiehlt, die Demokraten sollten Talkgöttin Oprah Winfrey gegen Trump aufstellen.

Und was wird besser in dieser?

Michelle Obama.

Das Oberverwaltungsgericht Münster hat die Rodung des Hambacher Forsts vorläufig gestoppt. Grund ist ein Antrag des BUND, der auf ein seltenes Bechsteinfledermaus-Vorkommen im Wald hinweist. Hätte man da nicht früher drauf kommen können?

Hambivalent. Alle Drohungen mit Milliardenverlusten werden nun Beweise für Managementversagen: RWE hat keinen Plan B. Naja, nicht ganz: Im August verkündeten die lustigen Stromer stolz, man habe nun eine eigene Niederlassung in China eröffnet, um dorthin zu exportieren. Humorig: Der größte Braunkohleförderer der Welt, Deutschland, exportiert in den zweitgrößten Braunkohleförderer der Welt, China. Während also die Irren der Welt sich gegenseitig anbaggern, rettet die „Mausohrige aus der Familie der Glattnasen“ erst einmal den Hambacher Forst. Der BUND hatte die Bechsteinfledermaus schon gegen eine Autobahn bei Bielefeld und 2009 gegen Hambach in den Luftkampf geschickt, diesmal hat’s geklappt. Das setzt erstmal folkloristische Schwurbelkreise auf EU-Ebene ins Recht – ohne Vorarbeit dort hätte das Gericht keinen Hebel gehabt. Und erzählt zweitens eine Geschichte von funktionierender Demokratie. Womit Politik und Industrie schlauer wuchern sollten. RWE hat schon mal die Wiese für die Kundgebung zur Verfügung gestellt, auf Bitten der Polizei. Noch langsamer löst sich nur die Landesregierung aus dem Gestern.

Anstatt sich kurz vor der Landtagswahl auf irdische Probleme zu konzentrieren, postete der bayerische Ministerpräsident Markus Söder in dieser Woche ein Bild von sich vor einem riesigen Logo mit seinem eigenen Konterfei darauf. „Bavaria One – Mission Zukunft“ prangte rundherum, eine Anspielung auf das gerade beschlossene Raumfahrtprogramm Bayerns. Hat Söder endgültig die Bodenhaftung verloren?

Söder wirft völlig schwerelos nun mit dem Begriff „Fake News“ um sich. Der Post sei keine offiziöse Mitteilung der bayerischen Landesregierung. Und wenn doch, dann nicht mehr lange.

Für die schlechten Umfrageergebnisse macht Söder übrigens die Streitereien auf Bundesebene verantwortlich. Er wolle keine „Berliner Verhältnisse“, und: „Ego First“ dürfe sich nicht weiter durchsetzen. Wen kann der Söder damit bloß gemeint haben?

Quelle      :       TAZ          >>>>>          weiterlesen

————————————————————————

Grafikquelle  :    Bearbeitung durch User:Denis_Apel – Lizenz “Creative Commons“ „Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen“

Urheber Unbekanntwikidata:Q4233718

 

Abgelegt unter Feuilleton, International, Medien | Keine Kommentare »

DL-Tagesticker 08.10.18

Erstellt von DL-Redaktion am 8. Oktober 2018

Direkt eingeflogen mit unseren  Hubschrappschrap

***********************************************************

Wie heißt es so schön: „Die Dummheit stirbt zuletzt.“ Insbesondere bei den Politikern! Gut das er seine Kohle nicht fressen  kann, sonst würde die Dummheit platzen.

Zoff um Hambacher Forst bei „Anne Will“

1.) Laschets Wutanfall über „Nazis und Kohle“

Talkmasterin Will dreht gleich voll in den roten Bereich: „Sind Sie jetzt blamiert, Herr Laschet?“ freut sie sich über den überraschenden Gerichts-Stopp. „Sind Sie hereingefallen?“ Der Ministerpräsident zeigt ein gefrorenes Lächeln: „Noch kurz vor dem Regierungswechsel (2016 in NRW) haben Rot und Grün gesagt, dass dieser Wald wichtig für die Energieversorgung Deutschlands ist!“ Ihn ärgert, dass das jetzt auf einmal nicht mehr gelten soll.

Bild

***********************************************************

Ca. 80 % der Bevölkerung würden mehr Flüchtlinge akzeptieren. Die Gesellschaft sollte sich mit den Einwanderen solidarisieren und gemeinsam überlegen wohin wir die Politiker abschieben können! Diese Hilfsarbeiter kosten nur Geld und verweigern die Leistungen für das Volk.

Maghrebstaaten

2.) Zahl der Abschiebungen nach Nordafrika sprunghaft gestiegen

Die Zahl der Abschiebungen aus Deutschland in die drei Maghreb-Staaten Algerien, Tunesien und Marokko hat laut einem Bericht stark zugenommen. So seien die Abschiebungen nach Algerien von 57 im Jahr 2015 auf 400 bis Ende August 2018 gestiegen, im Gesamtjahr 2017 seien es 504 gewesen, berichtet „Bild“ unter Berufung auf Sicherheitskreise.

Die Welt

***********************************************************

Aus Erfahrung klug ? Das Volk sagt sich: Besser eine einige Gesellschaft als kriminelle Bündnisse unter den Politikern ?  Vielleicht schicken wir unsere Mafiosis zu Lehrstunden dorthin ? Dümmer können sie nicht werden.

Wahlen in einem zerrissenen Land

3.) Eliten in Bosnien wollen das Chaos erhalten

Nach dem Bürgerkrieg liegt Bosnien-Herzegowina heute am Boden. Doch dass die Wahlen die politische Lage des armen Landes ändern, ist höchst unwahrscheinlich. Denn die etablierten Parteien schrecken auch vor teils kriminellen Praktiken nicht zurück. Ein Überblick. Bosnien-Herzegowina gilt durch den jahrzehntelangen Dauerstreit von muslimischen Bosniaken, orthodoxen Serben und katholischen Kroaten als gescheiterter Staat. Seit Jahren versuchen die EU und die USA mit einem Heer an Diplomaten und Experten sowie Milliarden Finanzhilfen, das kleine Balkanland aus der Sackgasse zu führen. Ohne Erfolg. Die führende Menschenrechtlerin in der Region, Sonja Biserko, analysiert: „Die drei politischen Eliten sind objektiv gar nicht an Reformen interessiert, die notwendig sind für einen EU- und Nato-Beitritt. Die drei Eliten arbeiten gemeinsam daran, dass der Status quo erhalten bleibt.“

n.-tv

***********************************************************

Schuld sind immer die Anderen. So werdern unsere schwachköpfigen Regierungs-Politiker jetzt wieder tönen, um noch mehr Dieselgase und Braunkohle in die Luft zu blasen. Die Wirtschaft zahlt gut dafür. 

Klimawandel

4.) Weltklimarat dringt auf rasches Handeln für 1,5-Grad-Ziel

Der Weltklimarat legt einen Sonderbericht zum Ziel von 1,5 Grad maximaler Erderwärmung vor. Die Experten fordern einen Umbau in der Weltwirtschaft. Anschaulich wie nie zuvor hat der Weltklimarat IPCC die drohenden Folgen des Klimawandels in einem Sonderbericht benannt. Gleichzeitig beschreibt er Pfade, wie eine Erderwärmung von mehr als 1,5 Grad verhindert werden kann. Die wichtigste Erkenntnis: Um unter dieser Schwelle zu bleiben, hat die Weltgemeinschaft etwas mehr Zeit. Bisher hieß es, das CO2-Budget dafür sei schon in wenigen Jahren aufgebraucht.

Der Tagesspiegel

***********************************************************

„Quäle nie ein Tier im Scherz, denn es fühlt wie du den Schmerz.“ Was Politiker gelernt haben weiß ich nicht. Man könnte aber sie kastrieren, damit sie ihre Idiotie nicht vererben können. Ein voller Magen scheint der Regierung aber wichtiger zu sein als ein voller Kopf mit Hirn ?

Landespolitik

5.) Heftige Kritik an Kastration von Ferkeln ohne Betäubung

Die Saar-Grünen haben die Pläne der Bundesregierung, das für 2019 geplante Verbot der betäubungslosen Ferkelkastration kurzfristig wieder abzuschaffen (wir berichteten), scharf kritisiert. Wer es wieder zulasse, dass Ferkeln bei vollem Bewusstsein die Hoden herausgeschnitten werden, der trete das im Grundgesetz verankerte Staatsziel Tierschutz mit Füßen, so die Landeschefs der Saar-Grünen, Tina Schöpfer und Markus Tressel.

Saarbrücker-Zeitung

***********************************************************

Wie sagen wir immer: Wurde eine Person einmal aus einer Partei auf einen HOHEN Posten geschoben, ist er für den Rest seines Lebens sicher versorgt. Es gibt nicht genügend goldene Löffel welche man sich unter den Nagel reißen könnte, um durch die Gitter keiner Zelle nach unten durchzufallen, da die angerichteten Schäden zurückgezahlt werden können. Also nun – auf ein Neues ?

Kritik

6.) Gerd Müller skeptisch bezüglich Posten für SPD-Mann Matthias Machnig

Im Streit um einen neuen Spitzenposten für den SPD-Politiker Matthias Machnig bei der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) hat Bundesentwicklungsminister Gerd Müller eine einvernehmliche Lösung angemahnt. Nachdem es bei Arbeitnehmervertretern im Aufsichtsrat der GIZ offenbar Widerstände gegen eine Berufung des Ex-SPD-Staatssekretärs gibt, äußerte sich CSU-Minister Müller gegenüber unserer Redaktion skeptisch über die Berufung Machnigs: „Diese Entscheidung trifft der Aufsichtsrat und sie sollte einvernehmlich für einen Experten oder eine Expertin fallen“, sagte Müller. „Dabei sollte besonders die Arbeitnehmerseite berücksichtigt werden“, betonte der CSU-Politiker.

Augsburger-Allgemeine

***********************************************************

7.) Friedensnobelpreiskandidaten, die sich nicht durchgesetzt haben

Der Friedensnobelpreis 2018 geht an den kongolesischen Arzt Denis Mukwege und die irakische Menschenrechtsaktivistin Nadia Murad. Doch es gab auch andere aussichtsreiche Kandidaten. TITANIC liegen die vom Nobelpreiskomitee formulierten Begründungen vor:

Titanic

***********************************************************

Hinweise und Anregungen nehmen wir gerne entgegen

Treu unserem Motto: Es gibt keine schlechte Presse, sondern nur unkritische Leser

—————————————————————————————————————————————-

Grafikquelle:   Oben —  DL / privat – Wikimedia Commons – cc-by-sa-3.0

Abgelegt unter Allgemein | Keine Kommentare »