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Archiv für August 29th, 2018

Kommentar Lehrermangel

Erstellt von DL-Redaktion am 29. August 2018

Quereinsteigen statt Sitzenbleiben

Lehrer Florian Bätschi mit Schulkindern (Ernst Ludwig Kirchner)

Autor Kersten Augustin

Die besten Lehrer sind die mit Lebenserfahrung und Persönlichkeit. Sie wissen, wovon sie sprechen. Deshalb braucht es mehr Seiteneinsteiger.

Glaubt man dem Philologenverband, dann ist der Untergang nahe: „Geradezu dramatisch bis katastrophal“ sei der Lehrermangel an deutschen Schulen. Und der Deutsche Lehrerverband schätzt, dass 40.000 Lehrer in Deutschland fehlen. Man sieht schon Schüler über Tische und Bänke gehen.

Natürlich ist es Ausdruck eines politischen Versagens, dass es nun zu wenig Lehrer gibt in Deutschland. Und es wird deutlich, wie hohl das Gerede ist von der Bildungsnation, wenn nicht einmal genug Lehrkräfte zur Verfügung stehen, um die Aufbewahrung der Kinder von 8 bis 16 Uhr zu gewährleisten – geschweige denn eine Ausbildung, um im globalen Wettrennen gegen dreisprachige Chinesen in Elektroautos zu bestehen.

Das größte Problem ist, dass der Lehrermangel die deutschen Schüler nicht im gleichen Ausmaß trifft. Weil Lehrer sich heute wieder ihre Schule aussuchen dürfen, suchen vor allem Schulen in armen Stadtteilen mit anstrengenden Schülern verzweifelt Personal. Das Gymnasium in Grünwald oder dem schmucken Taunusort wird weiterhin kaum Probleme haben, Personal zu finden. Allen Beteuerungen von der „Ressource Bildung“ zum Trotz bleibt Deutschland also, was es ist: eine Gesellschaft, in der nicht die Schulklasse, sondern die Klasse der Eltern das Leben bestimmt.

Und doch stört etwas an der aktuellen Debatte um Quereinsteiger, denen unisono die Eignung abgesprochen wird. Es ist die Geringschätzung, mit der dabei über Menschen mit ungeraden Lebenswegen gesprochen wird. Die hohe Zahl der Seiteneinsteiger sei ein „Skandal“, eine ganze Schülergeneration „nehme Schaden“. Quereinsteiger berichten auch von missgünstigen Kollegen. Es klingt, als seien Quereinsteiger nicht nur inkompetent, sondern für Schüler gemeingefährlich.

Dabei sind jene Menschen die besten Lehrer, die von ihren Schülern interessant gefunden werden. Weil sie spannende Dinge erlebt haben, weil sie wissen, wovon sie sprechen, wenn es im Politikunterricht um Prekarität geht oder im Deutschunterricht um einen Romanhelden, der nicht weiß, was er mit seinem Leben anfangen soll.

Klassenlehrer mit Elvistolle

Wer bei einem Klassentreffen an seine Schulzeit zurückdenkt, erinnert sich selten an die Lehrer mit den besten didaktischen Konzepten, sondern an die interessantesten Persönlichkeiten. Mein Klassenlehrer in der Mittelstufe war ein promovierter Historiker, ein Quereinsteiger, würde man heute sagen. Er unterrichtete uns auch in Latein, obwohl er das nicht studiert hatte.

Er hatte eine Elvistolle und eine goldene Taschenuhr, und in seiner Freizeit schrieb er an Wikipedia-Artikeln über den Versailler Vertrag mit, da war das Onlinelexikon noch keine drei Jahre alt. Auf seine Arbeitszettel druckte er kleine Comics von Calvin und Hobbes, über die er selbst lauter kicherte als seine Schüler. Den Unterrichtsstoff aus dem Lateinunterricht habe ich längst vergessen. Aber von meinem Klassenlehrer habe ich gelernt, dass man ein Nerd sein kann und trotzdem cool.

Es ist kein Ausdruck von Qualifikation, schon als Abiturient im Alter von 19 Jahren keine Träume von der Zukunft zu haben, die über das Lehrerpult hinausgehen, das zwei Bänke weiter vorne steht. Wer in den letzten zehn Jahren pädagogische Seminare an einer deutschen Hochschule besucht hat, trifft dort auf viele Studierende mit einem hohen Sicherheitsbedürfnis, das der Lehrerberuf und die damit verbundene Verbeamtung bietet. Das ist nicht schlimm, aber ein bisschen langweilig.

Quelle    :        TAZ        >>>>>      weiterlesen

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Grafikquelle    :

Oben    —       Lehrer Florian Bätschi mit Schulkindern (Ernst Ludwig Kirchner)

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Die Gier greift um sich

Erstellt von DL-Redaktion am 29. August 2018

Die Spielverderber des Fußballs

Autoren  :   Marcus Lehmann, Frank Lußem, Jörn Petersen

Spektakel. Inszenierung. Gier. Vor genau einem Jahr zeigte der kicker auf, wie der Sport immer mehr von Spiel-Verderbern dominiert wird. Hat sich seitdem etwas verändert? Oder nehmen die Auswüchse noch weiter zu?

Die Bundesliga startet am Freitag in ihre 56. Saison. Ihre Attraktivität soll die dunklen Schatten, die die WM in Russland auf den deutschen Fußball warf, absorbieren. Nicht mehr im Gespräch, dafür umso mehr im Gerede – so präsentierten sich in den letzten Monaten seine Hauptdarsteller: ein in die Ecke gedrängter und schlecht beratener Präsident; ein abgetauchter Bundestrainer; Spieler, die wochenlang schweigen, weil sie nicht in der Lage waren und sind, den Erfolg gefährdende Probleme gemeinsam zu diskutieren oder aus der Welt zu schaffen.

Es wird also Zeit für die Liga. Sollte man meinen. Doch sind die Profis besser als die Amateure, wie Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge das Verhältnis DFL/DFB grob umriss? Zu Beginn der vergangenen Saison zeichneten wir ein Stimmungsbild des Fußballs. Der Wunsch: Der Ball soll im Mittelpunkt stehen! Nicht nervige Hochglanz-Inszenierungen, plumpes Spektakel, grenzenlose Gier. Hat sich seitdem etwas getan? Das DFB-Pokal-Finale kam immerhin ohne Helene Fischer aus und wartete sportlich mit einer Sensation auf… Aber sonst?

Ein praller Worthülsen-Vorrat

Wachsende Kommunikations– und Social-Media-Abteilungen steuern den Output der Profis immer mehr ins Belanglose. Spieler, die auf dem Platz vorangehen und den Mund aufmachen sollen, verlieren sich nach dem Spiel in Allgemeinsätzen und später via Social Media in ihren Selfies. Der Vorrat an Worthülsen („Demut“, „Respekt“, „Herausforderung“) ist prall gefüllt. Viele Fans nehmen das längst nicht mehr ernst, sondern nur noch hin. Immerhin: Augsburgs Martin Hinteregger verabscheut den verbalen Slalom, legt den Sicherheitsgurt ab. „Als Fußballer kannst du nicht du selbst sein“, so der Österreicher. Er wirkt mit seinen Ecken und Kanten fast wie ein Fremdkörper in dieser so grell wie falsch ausgeleuchteten Glitzerwelt des Fußballs. „Du darfst nicht das sagen, was du denkst, sondern das, was du sagen musst.“ Explodierende Summen, wachsender Kommerz und ein medialer Hype hätten den Sport, seinen Sport, verändert.

Welche Blüten das treibt? Siehe nach beim SV Werder. Neuzugang Felix Olof Allan Nelson Beijmo verdankt seinen vierten Vornamen der Tatsache, dass seine Eltern Südafrikas Freiheitskämpfer Nelson Mandela bewundern. Und diesen Blödsinn veröffentlichen die Bremer auf ihrer Homepage dazu: Mandela habe bewiesen, dass „Mut, Ehrgeiz und der unbedingte Wille dafür sorgen, dass hohe Ziele auch erreicht werden. Das gilt für Nelson Mandela und das gilt für Felix Beijmo, im großen Kampf gegen soziale Ungerechtigkeit wie im Kampf um den Stammplatz bei Werder“. Aua!

Mehr Geld! Mehr Show! Mehr Mehr!

Immer mehr, immer mehr, immer mehr: Mehr Geld! Mehr Show! Mehr Mehr! Das kann irgendwann zu weniger führen. Die starke mediale Präsenz von König Fußball suggeriert, dass er von immer größer werdenden Teilen der Bevölkerung mit wachsendem Interesse verfolgt wird. Dabei stößt er laut der Zeitung Horizont bei den Deutschen auf weniger Interesse. 42 Prozent der Bundesbürger interessieren sich gar nicht dafür, weitere 34 Prozent nur wenig. Stark interessiert sind 14, sehr stark 10 Prozent.

Als sich zuletzt die frischen Gesichter der Leichtathletik und die verbrauchten Figuren des Spitzenfußballs treffen, fällt die Abstimmung mit dem Daumen auf der Fernbedienung nur noch ungewohnt knapp aus. Räumt der Volkssport Nummer eins normalerweise gegen jede Sportart zahlenmäßig ab, ist dies am 12. August anders. Etwa 5,5 Millionen Menschen schauen im ZDF den Supercup zwischen Eintracht Frankfurt und dem FC Bayern, circa 5,2 Millionen lassen sich in der ARD von den Leichtathleten fesseln. Sie sehen eine Jubeltraube, nachdem der 18-jährige schwedische Stabhochspringer Duplantis die 6,05 Meter überquert hat. Umarmt wird er von der Konkurrenz aus Frankreich, Polen und Russland.

ICC: Schnell mal ein paar Hundert Euro los

Wer kurz auf Fußball umschaltet, bekommt eine Tätlichkeit von Abraham an Lewandowski präsentiert, eine Rudelbildung inklusive Backpfeifen und einen überforderten Schiedsrichter. Zufall, klar, aber ausgerechnet im wohl schönsten Moment der Leichtathletik zeigt der Spitzenfußball seine hässliche Fratze. PS: An den drei letzten Abenden der Leichtathletik-EM kommen insgesamt 150.000 Menschen ins Olympiastadion. Hertha BSC verschenkt diese Saison Tickets an Fans unter 14 Jahren. Nette Geste. Um das Stadion zu füllen, Stimmung zu generieren, potenzielle Kunden zu binden. Aber wie sagt der Volksmund? „Wat nix kost‘, dat is‘ auch nix.“

Özil podolski.JPG

Aber das muss ja nicht stimmen. Denn dann wäre beispielsweise der Luxus-Intertoto-Cup „ICC“ was ganz Großes. Die weltweit reichsten Klubs (respektive jene, die am meisten Geld ausgeben) treffen sich auch in diesem Sommer im Rahmen des „International Champions Cups“ zu einer Reihe unbedeutender Testspiele in 22 Stadien von Singapur bis Klagenfurt. Dort, am wunderschönen Wörthersee, wollen viele Papa-Bayern-Fans mit ihren Junior-Bayern-Fans den Rekordmeister im Test gegen PSG sehen. Können sie auch. Zu Ticketpreisen zwischen 57 und 87 Euro. Da ist die vierköpfige Familie schnell mal ein paar Hundert Euro los. Volkssport? Vorbereitung? Test? Frust!

Quelle    :    Kicker       >>>>>         weiterlesen

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Grafikquellen    :

Oben     —      Twitter :     Marco Latzer

Brasilien ist zwar raus, aber wenigstens der fährt als Wälzmeister nach Hause…

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Unten     —     Mesut Özil and Lukas Podolski celebrating after winning Argentina

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Legenden vom Frieden

Erstellt von DL-Redaktion am 29. August 2018

Die Abenteuer der USA

Autor Serge Halimi

Vor fünf Jahren setzte sich in allen westlichen Hauptstädten eine bestimmte Deutung der Entwicklung im Nahen Osten durch, die dank ständiger Wiederholung zur offi­ziel­len Religion wurde. Im Kern besagt sie, US-Präsident Barack Oba­ma habe am 31. August 2013 einen schweren Fehler begangen, als er beschloss, nicht gegen die syrische Armee vorzugehen, nachdem diese in einem Vorort von Damaskus mörderische Chemiewaffen eingesetzt hatte.

Diese zögerliche Haltung Obamas habe den Machterhalt eines Re­gimes garantiert, das einen Teil seiner Bevölkerung massakriert habe. Andere gehen noch weiter und behaupten (wie der damalige französische Staatspräsident François Hol­lande am 12. März 2018 gegenüber Le Monde), nicht nur Baschar al-Assad glaube seitdem, sich alles erlauben zu können, auch Wladimir Putin habe begriffen, „dass er die Krim annektieren und die Ost­ukrai­ne destabilisieren konnte“.

Eine solches historisches Kons­trukt, garniert mit dem obligatorischen Hinweis auf Winston Churchill (der das Münchner Abkommen als Wegbereiter der weiteren Nazi-Angriffe erkannt hatte), legitimiert Präventivkriege und die Politik des „Friedens durch Gewalt“. Vor allem gegenüber Russland.

Zur Verteidigung Obamas ist zu sagen: Nach all den Abenteuern der USA in Afghanistan, im Nahen Osten und in Libyen, zu denen die US-Geheimdienste mit ihren alarmistischen, lügenhaften Analysen ermutigt hatten, war dem Präsidenten klar, dass das Ansehen seines Landes auf dem Spiel stand, wenn die US-Armee immer wieder auf fremdem Territorium intervenierte. „Sollten wir nicht die beiden Kriege beenden, bevor wir uns auf einen dritten einlassen?“, gab mit Blick auf Syrien auch Obamas ehemaliger Verteidigungsminister Robert Gates zu bedenken (berichtete Jeffrey Goldberg in The Atlantic vom April 2016).

Quelle    :     Le Monde diplomatique        >>>>>          weiterlesen

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Grafikquelle     :        Gerd Hergen Lübben: Kultur ist-Transparent — „aus dem Fenster gehängt“.

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Irreführende Information

Erstellt von DL-Redaktion am 29. August 2018

Justizministerium bittet Google um Aufklärung

Google lässt Nutzer:innen darüber im Dunkeln, welche Daten von ihnen gespeichert und verarbeitet werden. Das Bundesjustizministerium verlangt jetzt ein bisschen Aufklärung.

Quelle   :    NETZPOLITIK – ORG

Autor    : 

Google informiert die Nutzer:innen seiner Dienste und Anwendungen nur unzureichend darüber, wann der Konzern ihre Standortdaten speichert und was er damit anfängt. Wir veröffentlichen den Brief des Staatssekretärs Gerd Billen, in dem er Google um Aufklärung bittet.

In der Affäre um irreführende Informationen über die Speicherung von Standortdaten durch Google hat sich am Freitag Gerd Billen, Staatssekretär im Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz, an den Datenkonzern gewandt. In einem Brief an Google-CEO Sundar Pichai äußert Billen Bedenken über die Speicher- und Informationspraxis des Unternehmens und fordert Aufklärung.

Hintergrund ist ein Bericht der Nachrichtenagentur Associated Press von Mitte August. Dieser legte offen, dass Google die Nutzer:innen seiner Smartphone-Anwendungen in die Irre führt. So zeichnet die Funktion „Standortverlauf“ für Nutzer:innen alle Orte auf, die sie mit einem eingeschalteten und bei Google eingeloggten Gerät besuchen. Zwar lässt sich diese Funktion in den Einstellungen des Google-Kontos deaktivieren, diverse Google-Dienste und -Funktionen sammeln dann aber trotzdem weiter Standortdaten. Dabei hieß es von Google: „Wenn Sie den Standortverlauf deaktivieren, werden die von Ihnen besuchten Orte nicht mehr gespeichert.“ Nachdem ein US-Nutzer Klage eingereicht hat, änderte das Unternehmen den Informationstext inzwischen und macht nun darauf aufmerksam, dass in der „Web und App Activity“ weiterhin Standortdaten landen.

Höfliche Bitte ohne Deadline

Billen betont in seinem Schreiben, dass Standortdaten nach Bewertung des Justiz- und Verbraucherschutzministeriums „besonders sensible personenbezogene Daten“ darstellen. Außerdem verweist er darauf, dass ungewollte Datensammlungen und irreführende Informationen dazu führen, dass Menschen insgesamt das Vertrauen in „Angebote und Dienste der digitalen Welt“ verlieren. Nutzer:innen müssten sich darauf verlassen können, dass ihre „Datensouveränität“ gewahrt bleibe. Um die Vorwürfe prüfen zu können, bittet er den Konzern um Aufklärung:

Auf Grundlage dieser Erwägungen und Bedenken bitte ich mit diesem Schreiben um nähere Informationen dazu,
(1) inwieweit die Studienergebnisse die Sachlage richtig wiedergeben,
(2) in welchem Umfang solche Standortdaten vernetzt oder zur personenbezogenen Profilbildung verwendet worden sind und
(3) in welchem Umfang deutsche Nutzer und Nutzerinnen von einer solchen Erfassung, Speicherung und Verarbeitung von Standortdaten betroffen waren. Welche Maßnahmen wird Google ergreifen, um ein rechtskonformes Verhalten zu gewährleisten und um in Zukunft im erforderlichen Umfang für Transparenz gegenüber den Nutzern und Nutzerinnen zu sorgen?

Darüber hinaus fordert Billen, dass Standortdaten nur gespeichert werden sollten, soweit dies für den Betrieb des Smartphones oder für spezielle Dienste erforderlich ist oder von den Nutzer:innen explizit gewollt wird. Außerdem müsse Google es den Menschen ermöglichen, „an zentraler Stelle einfach und verständlich“ über die Datenspeicherung zu entscheiden. Tatsächlich schreibt dies in Artikel 12 auch die seit 25. Mai wirksame Datenschutzgrundverordnung vor. Ob Billen rechtliche Konsequenzen in Erwägung zieht oder ob er in Kontakt mit den zuständigen Datenschutzbehörden steht, ist nicht bekannt. Das höfliche Aufklärungsgesuch des Staatssekretärs an den mächtigen Datenkonzern enthält keine Deadline.

Doppelt hält besser

Wie Patrick Beuth auf Spiegel Online beschreibt, ist den Zuständigen im Justizministerium beim Verfassen des Briefs ein peinlicher Fehler passiert. Statt auf den Text von Associated Press nahm Billen in einer ersten Version des Schreibens Bezug auf einen anderen Bericht:

Wie kompliziert die Materie ist, zeigt sich daran, dass das Ministerium gleich zwei Briefe an Google schreiben musste. Im ersten hatten die hausinternen Experten zwei aktuelle Berichte durcheinandergebracht und vermischt. Denn wenige Tage nach Erscheinen des AP-Artikels wurde eine Studie der Vanderbuilt University in Nashville (Tennessee) veröffentlicht, der zufolge ein nicht bewegtes Android-Smartphone mit im Hintergrund laufenden Chrome-Browser bis zu 340 Mal am Tag Standortdaten an Google sende.

Im ersten Brief an Pichai kritisierte Billen also Google fälschlicherweise dafür, bis zu 340 Mal täglich Standortdaten von Nutzern zu erheben, die den Standortverlauf deaktiviert haben. Im zweiten Brief heißt es eingangs, Staatssekretär Billen bedauere den Fehler.

Übrigens: Wer den Datenschutz unterdessen selbst in die Hand nehmen möchte, sollte sich eine Broschüre des Technikkollektivs systemli zu Gemüte führen. Diese beschreibt, wie man das eigene Android-Smartphone von Google befreien kann. Wer sich dazu noch nicht durchringen kann, sollte zumindest die GPS-Funktion des Telefons immer ausgeschaltet lassen, wenn sie gerade nicht benötigt wird. Mindestens bis 2017 speicherte Google auch Standortdaten ohne GPS-Funktion, versprach jedoch, diese Praxis einzustellen.

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Experten Golze und Scholz

Erstellt von DL-Redaktion am 29. August 2018

Ministerin Diana Golze tritt zurück

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Innerhalb von Parteien ist eine jede Person auf jeden nur denkbaren Posten politisch verwendbar. Genau da stößt dieses Sytem an Grenzen, da es an vorhandener Qualität mangelt, nach Partei Zugehörigkeit entschieden  und jede/r in eigener Überheblichkeit glaubt, jeden nur denkbaren Posten ausfüllen zu können. Das Problem durchzieht das Land vom untersten BeamtenIn bis in die oberste Spitze. Man stelle sich vor Daimler würde die Spitze des Aufsichtsrat mit einer Putzfrau besetzen? Entscheidend alleine ist das Einkommen und niemand aus der Politik wird das erleiden müssen, was einem plötzlich Arbeitslos gewordenen zustößt, wenn er entlassen wird. Das genau ist der Unterschied zwischen denen da Oben und Unten.  DL – Red. – IE –

Von Martin Reeh

Ein offizieller Bericht hält die Sparpolitik der Brandenburger Gesundheitsministerin für mitverantwortlich am Pharmaskandal.

Die brandenburgische Gesundheitsministerin Diana Golze (Linkspartei) ist am Dienstag zurückgetreten. Sie zieht damit die Konsequenzen aus dem Skandal um gestohlene und möglicherweise unwirksame Krebsmedikamente, die das Unternehmen Lunapharm aus Mahlow südlich von Berlin vertrieben hatte. Obwohl Golzes Behörden seit 2016 davon wussten, hatte das Ministerium den Vertrieb erst nach einem Bericht des ARD-Magazins „Kontraste“ im Juli 2018 gestoppt.

Unmittelbarer Anlass für Golzes Rücktritt ist der Bericht der von ihr selbst eingesetzten Task Force zur Aufklärung des Skandals. Er zieht vor allem ein kritisches Fazit der Sparpolitik in ihren Behörden, die den Skandal begünstigt hätte: „Seit September 2015 war eine zielführende Aufsichtsführung aufgrund des Mangels an fachlich qualifiziertem Personal im zuständigen Referat nicht gegeben. Entsprechende Forderungen der Fachabteilung konnten seitens der Dienstaufsicht aus haushälterischen Gründen nicht befriedigend erfüllt werden“, heißt es darin.

Ausgangspunkt seien die strengen Einsparvorgaben für das Politikfeld Gesundheit seitens der Landesregierung gewesen. Zudem habe ein systematischer Personalentwicklungsplan gefehlt, in dem auch Ausfallzeiten etwa wegen Krankheit berücksichtigt worden wären. Beschäftigte des Landes erhielten geringere Bezüge als solche der Kommunen oder des Bundes in Brandenburg. Damit werde „die Gewinnung von qualifiziertem Personal erschwert“.

Damit gab die Task Force die Verantwortung für den Skandal an Golze zurück, die sich in einer ersten Sondersitzung des Gesundheitsausschusses des Landtages Ende Juli zunächst der Linie des Chefs ihres Landesgesundheitsamtes, Detlev Mohr, angeschlossen hatte. Er hatte die mit dem Fall betrauten Mitarbeiter der Korruption verdächtigt und eine entsprechende Strafanzeige erstattet.

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SPD und die Rentenreform

Scholz ist nicht der Retter der Rente

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Von Gunnar Hinck

Der Finanzminister geriert sich heute als Retter des Rentensystems. Dabei sägte Olaf Scholz unter Rot-Grün einst selbst mit am Rentenniveau.

SPD-Finanzminister Olaf Scholz klang am vergangenen Wochenende auf einer Bürgerpressekonferenz in Berlin wie der frühere CDU-Sozialminister Norbert Blüm, von dem das geflügelte Wort der sicheren Rente stammt. „Ich möchte Ihnen eine solche Garantie vermitteln“, sagt Scholz mit sanfter Stimme. Eine Garantie also für ein stabiles Rentenniveau bis 2040.

Dafür hat Scholz Lob bekommen. Aber auch den Vorwurf des Populismus. Womit Scholz bislang durchgekommen ist: Er präsentiert sich als Retter eines Rentensystems, an dem er einst selbst mitsägte. Die rot-grüne Bundesregierung setzte Anfang der 2000er Jahre einen grundlegenden Systemwechsel in der gesetzlichen Rente durch. Damals war Scholz SPD-Sozialpolitiker, ab 2002 Generalsekretär der Partei. Stand bis dahin die Höhe des Rentenniveaus im Vordergrund, geht es seit Rot-Grün darum, die Beiträge niedrig zu halten.

Die sogenannten Lohnnebenkosten, also die Sozialbeiträge, sollten begrenzt und damit die Unternehmer entlastet werden – so die damalige neoliberale Logik. Mitte der neunziger Jahre lag der Rentenbeitrag schon mal bei über 20 Prozent, derzeit zahlen Arbeitgeber und Arbeitnehmer zusammen 18,6 Prozent. Der Rentenbeitrag ist bis 2030 auf 22 Prozent gedeckelt. Dadurch sinkt wegen der steigenden Zahl der Rentner automatisch das Rentenniveau – es sei denn, die Bundesregierung stützt die Rente durch noch mehr Steuermittel.

Die Einführung der privaten Riesterrente war der zweite Schritt der rot-grünen Reformen. Die Riesterrente wird oft als Zusatzangebot missverstanden, aber sie hat die gesetzliche Rente gezielt belastet. Seitdem ist in der Rentenformel der „Riester-Faktor“ verankert, unter Renten-Feinschmeckern auch als „Altersvorsorgeanteil“ bekannt.

Einfach gesagt: Bei der jährlichen Rentenberechnung wird ein Teil des Bruttoeinkommens abgezogen. Der soll in die Riesterrente fließen. Der Haken: Viel weniger Arbeitnehmer als angenommen haben eine private Rentenversicherung, so dass später deren Gesamtrente schrumpft. Dass die gesetzliche Rente geschwächt wurde, ist also das Ergebnis bewusster politischer Entscheidungen, an denen Scholz als Bundestagsabgeordneter und SPD-Generalsekretär mitgewirkt hat.

Sind gute Renten bezahlbar?

Quelle     :        TAZ         >>>>>         weiterlesen

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Grafikquellen    :

Oben    —       File:2014-09-11 – Diana Golze MdB – 8599.jpg

Foto: Sven Teschke / 

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Unten    —      Olaf Scholz auf dem SPD Bundesparteitag am 19. März 2017 in Berlin

 

Urheber Olaf Kosinsky /     Eigenes Werk

Diese Datei ist unter der Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland“ lizenziert.

 

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DL – Tagesticker 29.08.18

Erstellt von DL-Redaktion am 29. August 2018

Direkt eingeflogen mit unseren  Hubschrappschrap

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Der Brandstifter beteiligte sich nicht an den Löscharbeiten, so das Mutti mit ihren lahmen Sprüchen nicht vermißt wurde. Ein immer wieder CDU –  erklärt vieles über die niedrigen Erwartungen der  Sachsen, mit Blick in  ihre Zukunft.

Ruhige Nacht in Chemnitz –

1.) Kretschmer: „Polizei hat super Job gemacht“

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hat die Polizeiführung seines Bundeslandes gegen Kritik wegen des Einsatzes in Chemnitz verteidigt. „Die Polizei hat einen super Job gemacht“, sagte Kretschmer der „Bild“-Zeitung. „Die vielen Demonstranten unterschiedlicher Gruppen wurden auseinandergehalten. Straftaten wurden dokumentiert und werden jetzt rechtlich verfolgt“, sagte Kretschmer.

Kölner Stadt-Anzeiger

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An viele nichts sagende Gesetze der politischen Idionten hat sich das Land gewöhnt, mittels einer Zeitumstellung, – Ennergien einsparen zu wollen,  drückt jeder Regierung ein närrisches Zepter in ihre Hände und zeigt auf, für wie verblödet über das Volk bestimmt wird.

Ergebnis der EU-Umfrage  

2.) Große Mehrheit stimmt offenbar gegen die Zeitumstellung

Die EU-Bürger wollen offenbar, dass die Umstellung auf die Sommerzeit abgeschafft wird. Bei einer Umfrage sprach sich eine überwältigende Mehrheit für die Abschaffung aus, so ein Bericht. Bei der EU-weiten Online-Umfrage zur Zeitumstellung hat sich offenbar die überwältigende Mehrheit der Teilnehmer für die Abschaffung des ständigen Wechsels zwischen Sommer- und Winterzeit ausgesprochen. Das berichten die Zeitungen der Funke-Mediengruppe unter Berufung auf gut informierte Kreise in Brüssel.

T.-online

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„Heil Hubertus“: Einer den bei den PolitikerInnen typischen Durchfälle – Es stinkt und dampft kräftig und ausgeschieden wird nur heiße Luft ! Originalbeschiss  a la Schröder !

Einigung zwischen SPD und Union:

3.) Was bringen die Neuerungen bei Rente und Arbeitslosenversicherung?

Tagelang stritt die große Koalition, aber am Dienstagabend einigten sich Union und SPD überraschend schnell auf ein Rentenpaket und niedrigere Beiträge zur Arbeitslosenversicherung. Was heißt das für Rentner und Arbeitnehmer? Eine Übersicht. Alle Rentner sollen vom Reformpaket von Sozialminister Hubertus Heil (SPD) profitieren – vor allem aber Millionen Mütter, krankheitsbedingte Frührentner sowie Geringverdiener. Kosten in Milliardenhöhe müssen Beitrags- und Steuerzahler tragen. Das sieht das Rentenpaket von Heil vor, das an diesem Mittwoch im Kabinett ist.

RP.-online

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Wie schade – so wird Böhmermann die Möglichkeit genommen, seine Ziege als Kunstobjekt bewundern zu können. Warum wurde die Statue nicht hingelegt – und damit ruhig gestellt? Da wäre bestimmt auch Mutti zu neuen Verhandlunegen bereit gewesen. Wenn noch etwas Kleingeld in ihrer Portokasse vorhanden wäre.

„Sicherheit nicht gewährleistet“

4.) Erdogan-Statue in Wiesbaden abgebaut

Der türkische Präsident Erdogan polarisiert, eine Kunstaktion in Wiesbaden auch. Eine Statue Erdogans irritiert dort die Bürger. Die Behörden schreiten ein. Die Stadt Wiesbaden hat entschieden, die als Teil eines Kunstfestivals aufgestellte Statue des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan abbauen zu lassen. Die Sicherheit habe nicht mehr gewährleistet werden können, teilte die Stadt mit. Auf Twitter wurden Bilder gepostet, auf denen die Statue mit einem Feuerwehrkran entfernt wurde. Die Räumung des Platzes, auf dem die rund vier Meter hohe und goldfarbene Statue seit Montag stand, war nach Polizeiangaben ohne besondere Vorkommnisse verlaufen.

n-tv.

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Da haben die Ganoven die Regierungen aber gut beobachtet. Genau so haben es die PolikerInnen mit den Steuereinnahmen immer gehandhabt ! Nur wurde dafür noch nie ein/e  PolitikerIn zur Rechenschaft gezogen !

Strafprozess am Saarbrücker Landgericht

5.) Geldzählen: Trickdiebe tauschten 200.000 Euro gegen Papierschnipsel

Wegen Trickdiebstahls und dem Gebrauch von falschen Ausweisen hat das Landgericht Saarbrücken ein junges Paar zu Gefängnisstrafen verurteilt. Der Mann und die Frau sind jeweils 25 Jahre alt. Sie gaben sich als Kinder reicher Eltern aus. Beim Zählen von Bargeld anderer Leute gelang es ihnen, in München rund 200.000 Euro eines Geschäftsmannes in wertlose Papierschnipsel umzutauschen.

Saarbrücker-Zeitung

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Auch dort wurde man bestens über Merkels leere Versprechungen gewarnt. Sehr genau wird auch über die Leichen im Mittelmeer Buch geführt.

Merkel-Reise nach Nigeria, Ghana und Senegal

6.) Es ist Zeit für „Africa first“

Im Norden Dakars endet das enge Gitternetz der Stadt direkt an der Atlantikküste. Eine sandverwehte Straße trennt den menschenleeren Strand von den erdfarbenen Häusern, zwischen denen sich die Mittagshitze trotz des starken Windes anstaut. Vor einem unverputzten Flachbau drängt sich eine Traube Journalisten. Sie richten Kameras und Mikrofone auf zwei Rapper: auf Thiat und Kilifeu. Sie tragen bedruckte T-Shirts mit derselben Botschaft: „Y’en a marre“, „Uns reicht’s“.

Der Tagesspiegel

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„Gehört halt nicht zu Bayern“:

7.) Seehofer begründet sein Schweigen zu Chemnitz

„Ja mei, Chemnitz gehört halt nicht zu Bayern“, erklärte Seehofer. „Insofern ist das auch nicht mein Problem, was da so vorfällt. Da müssen Sie schon einen sächsischen oder meinetwegen einen Bundespolitiker fragen.“

Der Postillon

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Hinweise und Anregungen nehmen wir gerne entgegen

Treu unserem Motto: Es gibt keine schlechte Presse, sondern nur unkritische Leser

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Grafikquelle:   Oben —  DL / privat – Wikimedia Commons – cc-by-sa-3.0

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