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Archiv für August 20th, 2018

Zum Tod von Uri Avnery

Erstellt von DL-Redaktion am 20. August 2018

Unermüdlicher Friedenskämpfer

Von Susanne Knaul

Als erster jüdischer Israeli traf er 1982 Arafat. Sein Ziel: eine Zweistaatenlösung. Die Hoffnung auf Frieden gab er bis zu seinem Tod nicht auf.

Er war gerade 77 geworden, als Uri Avnery vom Rednerpult bei einer Demonstration in Tel Aviv kundtat, dass er nicht vorhabe zu sterben, bevor es Frieden gäbe. Daran scheiterte er zwar, trotzdem hinterließ er tiefe Spuren. Am 20. August starb Israels unermüdlichster Friedensaktivist im Alter von 94 Jahren in Tel Aviv. Gesundheitlich war er bis kurz vor Schluss fit, und auch äußerlich schien er seit Jahrzehnten kaum gealtert zu sein. Mit seinen vollen hellgrauen Haaren und dem Bart konnte man ihn schon von weitem erkennen, wenn er flotten Schrittes ums Haus spazierte, am liebsten mit deutschen Militärmärschen oder englischen Volksliedern in den Kopfhörern.

Avnery liebte es, heilige Kühe zu schlachten, mit Konformgedanken zu brechen und bisweilen auch Gesetze zu ignorieren. Als erster jüdischer Israeli traf er 1982 noch während des Krieges zwischen Israel und dem Libanon den Chef der Palästinensischen Befreiungsorganisation Jassir Arafat in Beirut. Arafat unterbrach ihn damals noch mitten im Satz: „Ein Staat“, so lautete das Ziel der PLO damals noch. Avnery war hingegen Zionist. Ihm schwebte die Zweistaatenlösung vor: Israel und Palästina in friedlicher Nachbarschaft.

Der Mann, „den die Israelis zu hassen lieben“, wie der Filmemacher Jair Lev in seiner Dokumentation sagt, erblickte das Licht der Welt in Westfalen als jüngster von zwei Söhnen der Familie Ostermann und hieß zunächst Helmut. „Ich war sehr bewusster Beobachter dessen, was in Deutschland passiert ist“, sagte er in einem Interview. Die Eltern Ostermann ebenso, deshalb entschieden sie sich im Jahr der Machtergreifung Hitlers für einen Umzug nach Palästina. Nach dem Krieg waren die vier als einzige aus ihrer Familie noch am Leben.

Schon als 14-Jähriger begann der Junge, mit Gelegenheitsarbeiten die durch den Umzug verarmte Familie zu unterstützen. Vater Ostermann war in Deutschland Bankier gewesen; in Palästina musste er in einer Wäscherei arbeiten. Gelesen – vor allem in Geschichtsbüchern – wurde abends. Um Palästina von den britischen Mandatsträgern zu befreien und die Juden im Land vor arabischem Terror zu schützen, schloss er sich schon als Jugendlicher der radikalen Untergrundbewegung Irgun an und wechselte erst während des Unabhängigkeitskrieges zur Hagana, Vorgängerin der israelischen Armee.

Binnen kürzester Zeit wurde er zum Geächteten

Seine Kriegserlebnisse verarbeitete er zu einem ersten Buch, das ein Bestseller wurde und Uri Avnery, wie er sich inzwischen nannte, zu einem Volkshelden machte. Den jungen Autor irritierte der Erfolg. Er fühlte sich missverstanden und schrieb ein weiteres Buch. „Die Kehrseite der Medaille“ erzählt von den Schrecken der blutigen Kämpfe, vom Tod und von der Skrupellosigkeit der Politiker – Dinge, die zum damaligen Zeitpunkt niemand hören wollte. Avnery wurde binnen kürzester Zeit in weiten Teilen der Bevölkerung zum Geächteten.

Zusammen mit Schalom Cohen, einem Kameraden seiner Armee-Einheit, kaufte er das Magazin HaOlam HaSe („Diese Welt“) und schrieb. Korruption und die Diskriminierung der Sfaradim, der aus arabischen Staaten eingewanderten Juden, gehörten zu seinen Themen, genau wie die „feigen Ja-Sager“ rund um den ersten Regierungschef David Ben-Gurion, den er auf einer Titelseite einen „Diktator“ schimpfte. Er schrieb für die Rechte des „palästinensischen Volkes“, das er als erster Israeli beim Namen nannte, für Meinungsfreiheit und für eine hohe Auflage. Das Magazin stand für investigativen Journalismus und für dickgedruckte, rote Schlagzeilen. Keine andere israelische Zeitung veröffentlichte jemals derart provokative Nacktbilder wie HaOlam HaSe – weder zuvor noch danach.

Quelle     :        TAZ        >>>>>>      weiterlesen

Grafikquelle   :     Uri Avnery

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The home of the Schnitzel

Erstellt von DL-Redaktion am 20. August 2018

Wien –
Streifzüge durch den Hinterhalt einer Stadt von Welt

File:Wien-Karlsplatz-Metro.jpg

Quelle     :     untergrund-blättle

Autor :  Franz Schandl  streifzuege.org

Hier enden die Alpen und die Pusta beginnt. Oder umgekehrt. Auf jeden Fall verknotet die seit 1989 vom Rand in die Mitte gerückte Donaumetropole den Osten mit dem Westen des Kontinents.

Und das so stark, dass behauptet wird, dass es neben Ost- und Westeuropa auch noch ein eigenes Mitteleuropa gäbe. Das freilich ist ein Chiffre für die untergegangene Monarchie. Damals war Wien noch eine Welthauptstadt, jetzt muss sie das simulieren. Indes die Österreicher halluzinieren gern. Das verlorene Weltreich hat sich genetisch verfangen und als Phantomschmerz konserviert. Vergangenheit wird gross geschrieben. A.E.I.O.U hiess einst der Wahlspruch der Habsburger: Alles Erdreich ist Österreich untertan. Im Lateinischen Original: Austria est imperare orbi universo.

Die Stadt ist für das Land zu gross und die Bewohner zu grössenwahnsinnig für die Stadt. „Wie schön wäre Wien ohne Wiener“, sang Georg Kreisler. Der aktuelle Slogan hingegen lautet:„Wir sind wieder wer“. Das ist, wenn auch nicht unbedingt aggressiv, so doch revanchistisch gemeint. Derweil, wer unbedingt was sein will, gibt kund, dass er eigentlich nichts ist. Aber das fällt nicht auf. Die Portion Ignoranz war hierorts immer üppig. Fast so wie das Essen. Am Flughafen Wien-Schwechat angekommen, liest man schon in der Ankunftshalle, was einem als kulinarischer Anschlag bevorsteht. „The home of the Schnitzel“ steht da in dicken Lettern, während man auf seine Koffer wartet. Wien ist nicht, Wien isst.

Wirtshäuser verlagern sich zusehends in den öffentlichen Raum. Der mediterrane Touch der Stadt dokumentiert sich vor allem in der Zunahme der Schanigärten. Man liebt es draussen zu sitzen, und zwar nicht nur im Sommer, sondern zu allen Jahreszeiten. Am Naschmarkt, der je nach Standpunkt immer mehr zur schicken Gourmetzeile sich aufstylt oder zur teuren Fressmeile verkommt, wird den ganzen Winter mit Heizstrahlern durchgeheizt, damit die Gäste im Freien konsumieren können, ohne dass ihnen kalt wird.

Sichtbarkeiten. Wenn man genug Geld hat, kann man sich hier gut einrichten. Die Stadt ist attraktiv. Bei den internationalen Rankings liegt sie die Lebensqualität betreffend immer weit vorne. Wien ist nicht arm und die Wiener gehören nicht zu den Ärmsten. Das dürfte auf mehr als die Hälfte der Bewohner auch zutreffen. Die Anderen jedoch, die Abgehängten, die sieht man nicht oder man muss schon sehr genau schauen. Wien hat sich als Stadt nicht nur gut rausgeputzt, sie hat sich von den Spuren der Obdachlosen und Asylsuchenden, der Minderleister und Arbeitslosen gut gereinigt. Underdogs fallen im säuberlichen Stadtbild kaum auf. Die Drogenszene wurde bereits vor Jahren vom Karlsplatz verdrängt und seit kurzem versucht die Stadtverwaltung unter dem neuen Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) den Praterstern alkoholfrei zu machen.

Was man sieht, sind hingegen die vielen Autos, die zwar nicht unbedingt mehr, aber auf jeden Fall grösser werden. Sie verstellen nicht bloss die Fläche sondern auch die Höhe. Sehe ich deinen Kübel, weiss ich was du hast und wer du bist. Das ist zwar in vielen Fällen unwahr, aber für die äussere Wahrnehmung zweckdienlich. Der Schein zählt. Das Automobil ist das Statussymbol motorisierter Bürger schlechthin. Wird solch Bürger gefragt, wo er steht, ist primär sein Auto gemeint.

Die Stadt schaut deswegen so verstellt aus, weil Wien anders als Berlin nicht weiträumig sondern engmaschig angelegt ist. Man kann viel zu Fuss erreichen und sollte das auch tun. Radfahren ist super, aber nicht ungefährlich. Der Vorrang privater Mobilität ist aber nach wie vor ungebrochen, auch wenn sich die Gemeinde, insbesondere die grüne Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou, redlich bemüht, den öffentlichen Verkehr zu forcieren. So ist die Jahreskarte, mit der man alle städtischen Verkehrsmittel benutzen darf um günstige 365 Euro zu haben. Auch die Erweiterung des U-Bahn-Netzes, insbesondere der bis tief in die transdanubische Donaustadt vordringenden Linie U2, kann sich sehen lassen. Wie schön wäre Wien ohne Autos.

Wasser. Gerade wenn es so heiss ist wie in den letzten Tagen, weiss man zu schätzen, was man hat. Es ist kühles, wohl schmeckendes Trinkwasser, das da aus den Hähnen der Stadt fliesst. Eine Selbstverständlichkeit, die erst auffällt, wenn man sie extra erwähnt. Wasser ist wohl das grösste Plus dieser Stadt. Es ist auch diversen Zapfsäulen zu entnehmen, steht allen Touristen auf all ihren Trampelpfaden zur Verfügung. Gratis. Die hohe Qualität überzeugt. Selten überschreitet das Trinkwasser eine Temperatur von 10 Grad.Das hat damit zu tun, dass in Wien Quellwasser sprudelt, das von weit her aus den niederösterreichischen und steirischen Alpen über Hochquellenwasserleitungen bis in die Hauptstadt transportiert wird. In London oder Paris erreicht das Leitungswasser dazu im Vergleich manchmal 20 Grad.

Wein wird in Wien natürlich nicht wenig getrunken. Nicht nur bei den Heurigen am Stadtrand, die von mondän-gespritzt (Grinzing) bis urig (Stammersdorf) eine breite Palette der Gastlichkeit aufweisen. Als typischen Wiener Rebensaft versucht man den Gemischen Satz zu etablieren. Der ist anders als der Cuvée kein nachträglicher Verschnitt verschiedener Weinsorten, sondern mehrere Rebsorten werden in einem Weingarten zusammen angebaut und nach der Lese auch gemeinsam gekeltert und vergoren. Warum vielen Menschen verwehrt wird, was dem Wein erlaubt ist, wäre eine spannende Frage….

Dachausbauten. Die sich seit zwanzig Jahren ausweitende Wiener Innenstadt wirkt als sei Boom forever. Inzwischen reicht sie bis hin zum neuen Hauptbahnhof. Vor allem die äusseren Innenbezirke (2. bis 9. Hieb) haben sich ökonomisch prächtig zu einem Bobohausen entwickelt. Die Infrastruktur ist gut. Es wird fleissig gebaut und renoviert, vor allem aufgestockt. Der Blick in den Himmel lässt viele Kräne sehen. Es geht um die Schaffung von teuren Immobilien. Der zügige Ausbau der Dachböden, bei denen es keine staatlich regulierten Mietzinsobergrenzen gibt, war der Hit der letzten Dekade.

Die Mieter betrachten das naturgemäss etwas anders. So ein Dachausbau bedeutet, dass die Bewohner mindestens ein Jahr auf einer Baustellen leben müssen. Selbst wenn es ihnen gelingt, für diesen Zeitraum die Miete geringfügig zu senken, werden sie doch für eine nicht unbeträchtliche Periode extrem belästigt: Dreck und Lärm, Wassereintritte und nicht zu unterschätzende Gefahren gehören dazu. Da kann es schon mal vorkommen, dass die Decke runterkommt. Passiert ist das meiner Lebensgefährtin, die erst einige Minuten vorher das dann deutlich ramponierte WC verlassen hatte.

UBahnStation Karlsplatz in Wien, Dezember 2011.

Die teuren Dachwohnungen gingen einige Jahre weg wie die warmen Semmeln. Mittlerweile dürfte da das Angebot zu gross ist, der Markt gesättigt sein. Auch bei uns im Haus in Wien-Margareten (Gründerzeit Baujahr 1909) stagniert die Vergabe. Heute könnten wir uns hier in der Gegend sowieso keine Wohnung mehr leisten. 1996 war die Anmietung noch relativ günstig. Altmieter mit billigem Tarif sollen jedenfalls zur Abwanderung „motiviert“ werden. Übergriffe der Hausverwaltungen fallen da manchmal recht heftig aus.

Touris. Wiens liebste Ausländer sind sie. Der Fremdenverkehrsindustrie können es nicht genug sein, und sie führt sie gleich einem Kindergartenausflug durch die vorgesehen Zonen. Doch selbst in der Wiener Innenstadt, wo die Touristen mit ihren Handystangen übereinander zu stolpern drohen, ist es möglich, durch dezidiertes Verlassen der vorgegebenen Routen in kaum befahrene oder halbleere Gassen zu gelangen.

Das trifft auch auf Schönbrunn zu. Der von mir fast täglich durchjoggte Schlosspark kennt Ecken und Enden, die kein Besucher einer „Imperial Tour“ je erleben darf. Gelegentlich steht „Betreten verboten“, aber das ist nicht so ernst zu nehmen. Abweichung ist die grösste Aufmerksamkeit, die man sich an einem Ort schenken kann. Dort hin gehen, wo es weder angeschrieben noch vorgeschrieben ist. Man muss es gar nicht wissen, man muss bloss genau schauen.

Läuft man oben rechts hinten (also am Nordosteck) raus, kann man noch Alban Berg am Hietzinger Friedhof grüssen. Der ist gerüchteweise verstorben, weil er Angst hatte bei einer Transfusion mit dem Blut eines Operettenkomponisten vergiftet zu werden. So blieb Lulu, eines der grössten Musikdramen des Zwanzigsten Jahrhunderts, unvollendet. Die Visite beim toten Berg ist stets eine individuelle, kein Fanclub (wie etwa bei Jim Morrison am Père Lachaise) stört. Man braucht nicht einmal auf den Friedhof zu gehen, das Grab von Alban und Helene Berg ist vom angrenzenden Maxingpark aus gut sichtbar. Der ist ein ganz stiller Fleck, benannt nach Erzherzog Maximilian, einem Bruder Franz Josephs, der 1864-1867 kurz den Kaiser von Mexiko bespielte, bevor er dort hingerichtet wurde. Seine konservierte Leiche wurde nach Europa verschifft, um, wie es sich für einen toten Habsburger gehört, in der Kapuzinergruft bestattet zu werden. Max war übrigens der Onkel von Helene, die eine Tochter Franz Josephs gewesen sein soll.

Events. Los ist immer was. Wien ist eine vom Fieber der Veranstaltungen geschüttelte Stadt. Herrschaft setzt auf Spiele. Events haben ununterbrochen Saison. Meist sind es obligate Promiaufläufe, seriell produziert, um Einheimische wie Besucher in Beschlag zu nehmen und abzucashen. Die Fütterung der Kulturindustrie (von Klassik bis Pop) korrespondiert mit der Verfütterung der Kulturschaffenden. Künstler werden nicht verfolgt, sondern umgarnt und umarmt. Wien zelebriert das Kunststück staatlich garantierter Staatsabweichung. Kritik wird oft zu Tode alimentiert. Gut bestallte Seilschaften tummeln sich. Doch die Höfe sind Hinterhöfe und in den Hinterhöfen lauert der Hinterhalt. Der Mangel an Anonymität erzeugt eine falsche Intimität. Nicht alle zu kennen, das ist in Wien nicht drinnen. Man hat alle zu kennen, will man nicht draussen bleiben. Der Vorlasshandel blüht. Der Subventionsdschungel beherrscht die Szenen, auch wenn sich durch die neue Regierung diverse Abspeisungen nach rechts verschieben werden.

Ein Tipp sei trotz aller Skepsis erlaubt. Unbedingt zu empfehlen ist ein Besuch im Wiener Theatermuseum. Einmal, weil dort im ersten Stock Hieronymus Bosch zu sehen ist und der passt mit seinem Triptychon Weltgericht ganz ausgezeichnet hier her. Da strahlt der Weltuntergang in herrlichster Pracht. Jeder Blick ein Blick in die Mördergruben der Herzen. Und im Erdgeschoss wird eine absolut bemerkenswerte Ausstellung zu Ödön von Horváth gezeigt. Der war zwar kein Wiener, aber der durchreisende bayrischer Ungar hat eines der wichtigsten Volksstücke über Gemütlichkeit und Gemeinheit der Österreicher geschrieben. Gemeint sind die Geschichten aus dem Wiener Wald. Hervorragend verfilmt mit Helmut Qualtinger als Fleischhauer Oskar: „Du wirst meiner Liebe nicht entgehen“, sagt er zu seiner Marianne.

Untergänge. Das Wienerische zerbröselt, zumindest in seiner akzentuierten Form. Man hört das den Gesprächen auch an, insbesondere denen der Einheimischen. Nicht das Idiom wird verschwinden, aber doch die spezifischen Wendungen, das besondere Vokabular. Der Paradeiser (mein Thesaurus kennt ihn nicht!) heisst jetzt schon überall die Tomate. Welch Verfall! Je mehr die Heimat beschworen wird, desto mehr verfällt die Sprache. Was ausgesprochen schade ist, denn das Wiener Deutsch kann einiges, vor allem ist es reich an nuancierten Zwischentönen, an treffsicheren Begriffen und schrägen Pointen.

Karl Kraus hat die Monarchie im Juli 1914 als „Versuchsstation des Weltuntergangs“ bezeichnet, sie als „Fratze des gemütlichen Siechtums“ wahrgenommen. Nun streitet man, ob schwarz-blau der Auftakt einer Tragödie ist oder bloss die Potenzierung einer Farce. Oder beides? Oder keines und jenseits von alledem. Die Dämmerung ist auch in Wien spürbar. Michael Häupls Abgang als Bürgermeister im Mai dieses Jahres war so ein Zeichen, dass da eine Ära zu Ende geht. Mitgegangen sind wohl auch die Reste der inzwischen allseits verhöhnten Willkommenskultur. Nun ist er weg und die SPÖ-Wien schwankt, ob sie sich nicht doch auch mit den Freiheitlichen verhabern sollte, will sie weiter an der Schalthebeln bleiben. Tatsächlich ist es der Sozialdemokratie gelungen, seit Jakob Reumann im Frühjahr 1919 sein Amt als Stadtoberhaupt angetreten hat, ganze 99 Jahre (vom faschistischen Einschnitt 1933-1945 abgesehen) durchzuregieren.

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Unten       —      U-Bahn-Station Karlsplatz in Wien, Dezember 2011. / Gugerell (CC0 / PD)

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Wider die Manipulation

Erstellt von DL-Redaktion am 20. August 2018

Die verborgene Macht der Algorithmen, Teil I

von Danah Boyd

Algorithmen dringen derzeit immer schneller in alle Lebensbereiche vor. Diesem historischen Umbruch möchte ich mich in zwölf Schritten nähern. Im ersten geht es darum, wie sich die Aufmerksamkeitsindustrie hacken lässt. Im Jahr 2008 hatte die Paranoia über Sexualstraftäter im Internet ein Allzeithoch erreicht. Aus allen Medien dröhnte der immergleiche Alarmton: Das Internet ist für Kinder gefährlich. Ob in den USA, ob in Europa: Vor diesem Thema gab es kein Entkommen. Zuerst stand MySpace im Brennpunkt, danach Facebook. Die Botschaft war klar: Diese neumodischen und populären Onlinedienste stellen eine ernste Bedrohung für unsere Kinder dar.

In den Vereinigten Staaten reagierte der Kongress mit Gesetzentwürfen wie dem Stopping Online Predators Act. Task Forces für Internetsicherheit wurden gebildet. Für mich als Wissenschaftlerin waren das extrem ärgerliche Zeiten. Ich hatte zahllose Untersuchungen über die Gefahren, die jungen Leuten drohen können, in Berichten zusammengefasst. Ich kannte die Datenlage, konnte bis ins schmutzige Detail darstellen, welche Risiken Jugendlichen drohen und was zur Verhütung der größten Ungeheuerlichkeiten getan werden kann. Aber in der Debatte, die da entbrannte, ging es nicht um Fakten oder Belege. Es ging um Angst. Und für so manche ging es darum, zu Lasten der Vernunft Technikängste zu schüren. (Klingt das für deutsche Ohren vertraut?) Nie werde ich vergessen, wie ein Jugendschützer in den USA auf meinen Gefahrenreport reagierte: Ich sollte mich nach anderen Daten umsehen, meinte er.

Unter Teenagern war die Stimmung durchaus gemischt. Manche machten sich große Sorgen über mangelnde Sicherheit im Internet. Sie hatten die Gerüchte gehört. Sie hatten die Fernsehsendung „To Catch a Predator“ („Wie man einen Sextäter fängt“) gesehen und glaubten fest, da würden irgendwo irgendwie Kinder entführt. Sie wollten online in Sicherheit sein und wussten nicht recht, wie sie sich schützen sollten. Doch die große Mehrheit hielt sich mit dieser Moralpanik nicht lange auf und verdrehte nur die Augen. Schließlich warnen Erwachsene sie immerzu vor dieser oder jener Gefahr.

In einer Online-Community namens 4chan kam es unterdessen zu Diskussionen, wie man mit diesem Thema Erwachsene „trollen“ könne. Man muss dazu die Entstehungsgeschichte von 4chan kennen – als Produkt eines von Animes und Pornographie besessenen fünfzehnjährigen amerikanischen Jungen, der ein Werkzeug für andere Jungen seines Alters schaffen wollte. Es war diese Community, in der die meme culture entstand, und sie hatte einen Riesenspaß daran, sich über die Ängste der Erwachsenen in Sachen Netzsicherheit zu mokieren.

2008 gab es noch Oprah Winfreys tägliche Talkshow, mit der sie Millionen erreichte, besonders Frauen mittleren Alters und die Eltern vieler 4chan-Kids. Machte sie sich über irgendetwas Sorgen, dann taten es auch die Eltern – und umgekehrt. In der Sendung wurde regelmäßig über Fragen sexueller Gewalt, Jugendpraktiken und beunruhigende Internet-Storys diskutiert. Ihre Produzenten nutzten Oprahs Diskussionsforum gern dazu, sich durch die Fans auf neue Programmideen bringen zu lassen. Irgendwer in der 4chan-Welt hatte den Einfall, Drohbotschaften auf Oprahs „schwarzem Brett“ zu platzieren, um die Produzenten der Show zu trollen. Wie es weiterging, ist nicht ganz klar. Jedenfalls sagte Oprah in ihrer landesweit ausgestrahlten Sendung schließlich live: „Lassen Sie mich etwas verlesen, was jemand gepostet hat, der behauptet, Mitglied eines bekannten Pädophilennetzwerks zu sein. Es heißt da, er vergibt nicht und vergisst nichts. Seine Gruppe hat über 9000 Penisse und sie vergewaltigen Kinder. Ich möchte deshalb, dass Sie Bescheid wissen: Die sind organisiert und beschäftigen sich systematisch damit, Kindern wehzutun, und sie benutzen das Internet dazu.“

Besorgten Eltern mag es da kalt über den Rücken gelaufen sein, aber Teenager brachen in ihren Online-Netzwerken kollektiv in schallendes Gelächter aus. Denn „Over 9000“ ist eine bekannte Meme-Anspielung. Und „Wir vergeben nicht. Wir vergessen nicht“ ist das Motto eines Netzwerks namens „Anonymous“. Die Vorstellung schließlich, Online-Pädophile seien organisiert – mit einem Teddybären als Maskottchen, wie es später hieß –, erschien den Jugendlichen komisch, ja absurd.

Wer auch immer da Oprah getrollt hatte: Ihm oder ihr war es gelungen, die Aufmerksamkeitsökonomie zu hacken. Ein TV-Star konnte dazu gebracht werden, sich in einer landesweit ausgestrahlten Sendung live lächerlich zu machen. Zugleich hatte man aber auch die Fähigkeit demonstriert, Massenmedien zu manipulieren.

Wer kontrolliert die Künstliche Intelligenz?

Im zweiten Schritt geht es um Verantwortlichkeit: Viele der technischen Systeme, mit denen wir es zu tun haben, basieren auf maschinell lernenden Algorithmen. Suchmaschinen organisieren Inhalte, indem sie entscheiden, was bei jeder beliebigen Internetsuche das jeweils Wichtigste sein könnte. Zahllose Ranking- und Empfehlungssysteme wirken im Hintergrund unserer Online-Erlebnisse mit. Der Einfluss algorithmischer Systeme beschränkt sich aber nicht auf unser informationelles Ökosystem. Maschinenlernende Systeme bahnen sich ihren Weg in so unterschiedliche Gebiete wie Strafjustiz, Kreditprüfung, Wohnungsvermittlung, Versicherung, Bildung und Medizin. In einer Geschäftswelt, in der alle von Künstlicher Intelligenz (KI) schwärmen, sehen zu viele Leute in der Akkumulation von Daten die Lösung jeglichen Problems.

KI ist der Knüller. Fast jedes Start-up präsentiert sich als die KI-Lösung für irgendwas. Niemand versucht das, was da vorgeschlagen wird, erst einmal zu evaluieren. Schließlich muss sich mit all diesen Daten doch irgendeine Lösung finden – oder? Machen wir uns nichts vor: KI ist gleich „Big Data“, nur neu kostümiert. Weil zu viele Europäer zu viel Lärm über die Überwachungspraktiken von „Big Brother“ – alias „Big Data“ – geschlagen haben, spricht man lieber von KI, was den Datenhunger jeglicher Technologie, die den Namen KI verdient, scheinbar kaschiert. Andererseits verlangt es, wie ein Vorstandsmitglied einer Technologiefirma mich aufklärte, auch deshalb alle Welt nach KI, weil das Gegenteil von künstlicher Intelligenz „natürliche Dummheit“ sei. So verstanden klingt KI einfach großartig, egal woraus sie besteht!

Wenn wir aber tatsächlich alles und jedes mit KI ausrüsten wollen, fragt sich doch, wer diese Systeme kontrollieren wird. Wie sollen Verantwortlichkeit und Haftung beschaffen sein? Hier in Deutschland und in der EU werden diese wichtigen Fragen immerhin gestellt. Ein Dankeschön also an die Künstler und Journalistinnen, Wissenschaftler, Politikerinnen und Verwaltungsleute, die die Öffentlichkeit auf die Dringlichkeit dieser Themen aufmerksam machen. Zugleich möchte ich euch aber auch auf ein Manko hinweisen. Ihr denkt an institutionelle Macht – an Regierungen und Unternehmen, an Gesetze, die die Entwicklung strukturieren können. Ihr müsst euch aber auch mit denjenigen auseinandersetzen, die finsterere Absichten verfolgen – mit all den Digitalcowboys, die diese Technologie vorgeblich rechenschaftspflichtig machen, indem sie diese Systeme manipulieren. Es geht längst nicht mehr nur um so etwas wie die Möglichkeit, Oprah zu veranlassen, sich landesweit lächerlich zu machen. Es geht um schmutzige Politkampagnen, um Werbung, die sich als journalistischer Bericht tarnt, um die strategische Nutzung jedes verfügbaren Tools zur Manipulation jedes beliebigen Systems, nur um zu beweisen, dass man dazu fähig ist. Koste es, was es wolle.

Was muss geschehen, um nicht nur Staaten und Unternehmen verantwortlich machen zu können, sondern auch riesige Netzwerke von Leuten, die über unterschiedliche Rechtsräume hinweg arbeiten und unterschiedliche Techniken anwenden, um den sozialen Zusammenhalt systematisch zu untergraben?

Strategisches Schweigen

Quelle        :        Blätter           >>>>>            weiterlesen

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Grafikquelle          :     Ausgangsbild für den Algorithmus

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Ein verpflichtender Dienst?

Erstellt von DL-Redaktion am 20. August 2018

„Absurde Wochen mit viel Schlamm im Gesicht“

File:Bundeswehr Panzergrenadiere.jpg

Auch ich wurde in den 60-ziger Jahren gezwungen den berühmten „Schützen Arsch im letzten Glied“ zu mimen. Mir ist niemand bekannt geworden, auch von den Schreihälsen nicht, welche im Leben ihren Mann? (Frauen wurden noch nicht benötigt) um für den Feind aus den Osten als Kanonenfutter bereit zu stehen. DL Red. IE

Protokoll: , , , , , , , , , , und

Prügeleien, Knochenarbeit, Langeweile, zum ersten Mal wirklich gebraucht werden: Was Mitarbeiter von ZEIT ONLINE erlebt haben, die Zivil- oder Wehrdienst geleistet haben.

Soll es in Deutschland ein verpflichtendes Dienstjahr für alle geben? Wer diese Idee diskutiert, sollte auch zurückblicken: Was haben die Männer und Frauen in der Bundeswehr, beim Zivildienst oder beim Freiwilligen Sozialen Jahr erlebt, als es die Wehrpflicht noch gab? Hat es sie zu anderen Menschen gemacht oder vor lauter Stumpfsinn bloß um den Verstand gebracht? Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von ZEIT ONLINE berichten.

„Die Freizeit schien endlos“

Marcus Gatzke, Zivildienst

Seit meinem Zivildienst weiß ich, wie man 20 Kilogramm Kartoffelsalat in einer waschzubergroßen Schüssel zubereitet, wie Frikadellen außen kross und innen zart werden und wie ein Frankfurter Kranz gebacken wird. Klaus, seinerzeit Küchenchef im Haus Hammerstein, hat mir Kochen beigebracht. Keine Haute Cuisine, sondern ordentliche Hausmannkost. Was in so einer Erholungs- und Fortbildungseinrichtung der Lebenshilfe eben auf den Tisch kommt. Klaus war beinhart als Chef. Es wackelten schon mal die Töpfe an der Wand, wenn er durch die Küche bellte, weil ihm irgendetwas nicht schnell genug ging. Dafür gab es im Anschluss Kuchen satt für die insgesamt fünf Zivis im Haus.

Dass ich nicht zur Bundeswehr gehen würde, wurde mir quasi in die Wiege gelegt. Mein Vater hat als Jugendlicher an der Ostfront gekämpft. Seine Kriegserlebnisse haben seine Kinder geprägt. Keiner seiner drei Söhne hat den Dienst an der Waffe angetreten, was Willi, als Erwachsener Sozialdemokrat durch und durch, immer auch ein wenig stolz gemacht hat.

Noch heute sorgt bei mir der Gedanke an die 15 Monate als Ersatzdienstleistender für ein breites inneres Grinsen. Ein silberner klappriger VW Polo, Baujahr 77, keine Miete und jeden Monat ungefähr 600 bis 700 Mark auf dem Konto. Was will man mit 19 mehr? Die Freizeit schien endlos, trotz der teilweise anstrengenden Schichten in der Küche. Nach getaner Arbeit ging es ein ums andere Mal mit ein paar Bier, anderen Zivis und einem Ruderboot raus auf die Wuppertalsperre, an der Haus Hammerstein liegt. Es war eine gute Zeit, um ein klein wenig erwachsener zu werden.

Verteidigung – Bundeswehr wirbt immer jüngere Rekruten Zehn Prozent eines Bundeswehrjahrgangs sind zum Zeitpunkt ihrer Rekrutierung minderjährig. Kritik daran äußert Tobias Pflüger, Vizevorsitzender der Linkspartei. © Foto: Axel Heimken/dpa

„Wie ich waren die meisten gegen ihren Willen hier“

Holger Wiebe, Wehrdienst

Zur Bundeswehr wollte ich eigentlich nie. Zivildienst leisten allerdings auch nicht unbedingt, Totalverweigerung oder Gebrechen vortäuschen kamen ebenfalls nicht infrage. Doch im Oktober kam der Einberufungsbefehl: Am 1. Januar 1995 sollte ich in der Uckermark-Kaserne in Prenzlau antreten und meinen zwölfmonatigen Wehrdienst verrichten. Sofort schrieb ich dem Kreiswehrersatzamt, dass ein Irrtum vorliegen müsse, ich wäre ja noch fast drei Jahre in meiner Lehre und könne logischerweise erst danach zum Bund. Stimmte so leider nicht, für eine Zurückstellung musste ein Drittel der Lehrzeit absolviert sein. Hieß also: Lehre abbrechen und nach Prenzlau zum ABC-Abwehrbataillon 805.

Meine Kumpels (in etwa gleichen Teilen untauglich, Zivis oder beim Bund) lachten schon: „Eingezogen im Januar, das sind die drei Ms: Metzger, Maurer, Mörder!“ Tatsächlich waren in meiner Kompanie fast ausschließlich Arbeitslose, gerade aus der Haft entlassene oder aus dem Job gezogene Männer, meist schon Mitte 20. Abitur hatten drei, genauso viele kamen, wie ich, aus West-Berlin. Kompaniechef war ein Rheinländer, die restlichen Offiziere waren ehemalige Soldaten der NVA.

Gleich am ersten Abend gab es einen Vorgeschmack auf die kommenden zwölf Monate: eine Prügelei zwischen einem glatzköpfigen Neonazi und „Zecke“, einem linken Leipziger. Zecke hatte mit 13 die Schule abgebrochen, um auf dem Hof seiner Eltern Meerschweinchen und Kaninchen zu schlachten und daraus Hunde- und Katzenfutter zu machen. Die beiden rauften sich eine Weile auf dem Flur, bis sie lädiert in ihre Stuben zurückkehrten. Folgen hatte der Vorfall für die beiden keine, so wie auch alle weiteren Vergehen in den ersten Wochen nicht geahndet wurden.

Am besten kam ich mit dem Schützen Schäfer klar, er wohnte ebenfalls im Süden Berlins und nahm mich freitags mit nach Hause und am Sonntagabend zurück nach Prenzlau. Vor dem Wehrdienst hatte er als Baggerfahrer und Türsteher gearbeitet. Er war Kickboxer und ein echtes Kraftpaket – in einer Nacht schaffte er es, ohne fremde Hilfe den Trabbi des Obergefreiten B. so aufzuschaukeln, dass er aufs Dach kippte.

File:Bundeswehr - 10th Anniversary of Multinational Corps Northeast.jpg

Hier fehlt nur noch das Schnupftuch des Nationalissten aus CDU/CSU

Wie ich waren die meisten gegen ihren Willen hier. Allen fehlte es an Motivation und an Disziplin. Sachbeschädigung, Prügeleien, unerlaubte Abwesenheiten: Strafen wurden, wenn überhaupt, nur auf Bewährung ausgesprochen. Stattdessen versuchten unsere Ausbilder, uns durch Gewaltmärsche und tagelange Biwaks (Truppenübungen mit Übernachtung im Freien) die Energie für jeglichen Unsinn zu nehmen. Drei Übernachtungen in einem Erdloch bei minus 15 Grad führten bei mir zu einer fiebrigen Erkältung, nach Hause durfte ich aber nicht. Zu viele Kameraden hatten zuvor versucht, eine Krankschreibung zu erschummeln. Einige Tricks gab es da, zum Beispiel mit einer Mischung aus Wasser, Pfeffer und Chilipulver zu gurgeln (Rachenentzündung) oder sich eine halbe Stunde mit einem Esslöffel auf ein und dieselbe Stelle auf dem Unterarm zu klopfen, was zu einem großen Bluterguss führte. Highlight: Der Gefreite P. ließ sich von einem Freund mehrfach auf Nase und Jochbein schlagen, um einen Überfall vorzutäuschen.

Wir versuchten, jegliche Arbeit zu vermeiden. Ich erinnere mich, wie wir zu dritt zu einer großen Fahrzeughalle gefahren wurden, um sie auszufegen. Wir fanden dort drei Besen vor, die wir sofort zerbrachen. Als wir nach zwei Stunden abgeholt wurden, zuckten wir nur mit den Schultern: „Entschuldigung, wir konnten hier nix machen, Material kaputt.“

Nach einem halben Jahr hatten sich fast 150 Disziplinarverfahren innerhalb der Kompanie angesammelt, ein paar hatten sich bereits T-Shirts mit „Verbrecherkompanie“ drucken lassen. Am Ende des Jahres waren es 275, angeblich unrühmlicher Rekord bei der Bundeswehr. Krasse Höhepunkte waren die Zerstörung einer Kegelbahn (am ersten und zugleich letzten gemeinsamen Freizeitevent) sowie die Verhaftung zweier Gefreiter, die nach einem erfolglosen Banküberfall in die Kaserne flüchteten und sich bei der Verhaftung so heftig wehrten, dass der Flur einem Trümmerfeld glich. Sämtliche Vitrinen, Bilder und Glaselemente waren zerstört, einer der Täter lag in einer Lache aus Blut und Erbrochenem. In seinem Bein steckte ein Messer.

Zumindest eine Sache hat mir mein Wehrdienst gebracht: Der Einstieg ins Berufsleben fiel mir nicht schwer. Ich wusste, dass selbst nach dem längsten Tag im Büro mein Bett auf mich wartete – und kein Erdloch.

„Ich lebte in einer Parallelgesellschaft“

Sören Götz, Anderer Dienst im Ausland

Quelle    :        Zeit-online         >>>>>      weiterlesen

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Grafikquellen     :

Oben     —Panzergrenadiere bei einer Übung mit dem Ausbildungsgerät Duellsimulator, kurz AGDUS, auf dem Truppenübungsplatz Jägerbrück bei Torgelow (Mecklenburg-Vorpommern). ©Bundeswehr/S.Wilke ( Täuschen, Tarnen und Verpissen )

Source originally posted to Flickr as Panzergrenadiere
Author ©Bundeswehr/S.Wilke
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Unten      —        German Soldiers in the Military Parade.

Source German Soldiers in the Military Parade

Author w?odi from Szczecin, Poland

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DIE – WOCHE

Erstellt von DL-Redaktion am 20. August 2018

Wie geht es uns, Herr Küppersbusch?

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/1/1b/Die-Woche.png?uselang=de

Kolumne von Friedrich Küppersbusch

Das Rechtsempfinden von NRW-Innenminister Herbert Reul, Sahras Wagenknechts Schutzmantel und sonst auch allerhand Alliterationen.

taz: Herr Küppersbusch, was war schlecht in der vergangenen Woche?

Friedrich Küppersbusch: Bundesfinanzspaßvogel Scholz sagt: „Stabile Renten verhindern einen deutschen Trump.“

Und was wird besser in dieser?

Scholz lässt Trump fragen, ob er für 800 Euro im Monat zu Hause geblieben wäre.

Gut einen Monat nach der Veröffentlichung seines „Masterplans Migration“ legte Innenminister Horst Seehofer nun ein „Eckpunktepapier zum Einwanderungsgesetz“ vor. Klar, eine Alliteration musste sein, aber bietet das geplante Einwanderungsgesetz auch das, was lange gefordert wurde: einen legalen Weg nach Europa?

Da wird das Flüchtlingsthema durch die Fachkräftemangel gedreht, geplantes Ergebnis: null. Denn mit dem Gesetz soll „Zuwanderung am Bedarf der Volkswirtschaft ausgerichtet“ werden.

Das Protokoll notiert Heiterkeit beim Begriff „Volkswirtschaft“: Global agierende Unternehmen, die aus einer multikulturellen Bevölkerung „die Guten ins Kröpfchen, die schlechten ins Töpfchen“ sortieren. Hat sich was mit „Volk“.

Es geht darum, Menschen anzulocken, die bisher nicht kommen, und keine Antwort zu formulieren für Menschen, die bisher kommen und kommen wollen. Wirtschaftslobbyisten wollen abweichende Ausbildungen simpler anerkennen, über „Engpassberufe“ hinaus den ganzen Arbeitsmarkt öffnen und die „Vorrangregelung“ aussetzen.

Das erhöht den Konkurrenzdruck um die Jobs und, da auch „unterhalb der mitgebrachten Qualifikation“ gearbeitet werden soll, am Ende den Lohndruck. Kann man so machen, da 800.000 Stellen frei sind und man zwischen den Zeilen zugibt, die Arbeitslosen aufgegeben zu haben. Eine Chance, mit dem Einwanderungsgesetz auch Flüchtlingen zu helfen, soll der „Spurwechsel“ sein: Schwemmt es einen Asylbewerber an, der ins Beuteschema der Wirtschaft passt, kann er rübermachen. Fazit – ein gutes Gesetz, für ca. 1955.

Mit ihrer linken Sammlungsbewegung „Aufstehen“ wollen Sahra Wagenknecht und Oskar Lafontaine das weitere Erstarken der AfD verhindern – indem sie ihr Wähler*innen abgreifen. Kann das gutgehen?

Quelle     :       TAZ      >>>>>      weiterlesen

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Urheber Unbekanntwikidata:Q4233718

 

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DL – Tagesticker 20.08.18

Erstellt von DL-Redaktion am 20. August 2018

Direkt eingeflogen mit unseren  Hubschrappschrap

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Das ist eine alles überragende Eigenschaft der schwachen Politiker. Als er noch etwas zu sagen hatte, schwieg er. Jetzt reißt er, als politischer Randpfosten, das Maul auf und weist damit auf seine Unfähigkeit im Amt hin. Wer Anders, als ER, hätte Merkel an die Leine legen können ? 

Debatte um Hilfe

1.) Gabriel warnt vor atomarer Bewaffnung einer politisch isolierten Türkei

Ex-Außenminister Gabriel warnt vor der Destabilisierung der Türkei und vor einer atomaren Bewaffnung des Landes. „Wir müssen im eigenen Interesse alles tun, um die Türkei im Westen zu halten“, sagte der SPD-Politiker. CDU-Außenpolitiker Hardt kann sich Finanzhilfen vorstellen – wenn Erdogan einen politischen Kurswechsel einleitet.

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Nur politische Dummschwätzer lassen sich zu Talk-Shows einladen. -Wenn Anwesende Trolle nicht gewählt werden geht am Tag darauf die Welt unter, und wenn doch, eben ein paar Jahre später, sollten sie nicht wiedergewählt werden. 

„Will“-Talk zum Dürresommer 2018

2. Ist das noch Wetter oder schon Klima?

Die Forderung des Bauernverbandes steht: eine Milliarde Euro, um die Folgen des Extremsommers für die Landwirte abzufedern. Doch bei Anne Will ist das nur ein Teilaspekt, hier drehen die Gäste ein größeres Rad. Rekordtemperaturen und Trockenheit sorgen überall in der Republik für Flächenbrände, niedrige Pegelstände und Ernteausfälle. In der ersten Sendung nach der Sommerpause diskutiert Anne Will die Frage: „Ist das noch Wetter oder ist das schon Klima?“ mit Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner, Klimaforscher Hans-Joachim Schellnhuber, dem Vizepräsidenten des Deutschen Bauernverbandes, Werner Schwarz, der Grünen-Co-Chefin Annalena Baerbock und Nordrhein-Westfalens Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart von der FDP.

n.-tv

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Diese Nachricht wird die CSU und AfD aus die Schuhe werfen.

Bundesamt für Migration

3.) Nur wenige Flüchtlinge haben Bleiberecht erschlichen

Die Befürchtung, viele Flüchtlinge könnten zu Unrecht Schutz in Deutschland erhalten haben, lässt sich durch aktuelle Prüfzahlen nicht bestätigen. Demnach endeten im ersten Halbjahr 2018 von mehr als 43 000 abgeschlossenen Prüfverfahren nur 307 damit, dass das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) den Geflüchteten den bereits gewährten Schutzstatus wieder entzog. Nur in 0,7 Prozent der untersuchten Fälle widerrief das Amt also den Schutzbescheid. 99,3 Prozent der überprüften Flüchtlinge behielten das Recht, bleiben zu dürfen. Das geht aus der Bilanz hervor, mit der das Bundesinnenministerium eine Anfrage der linken Bundestagsabgeordneten Ulla Jelpke beantwortete. Die Antwort liegt der Süddeutschen Zeitung vor.

Sueddeutsche-Zeitung

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Der gleichen Nachrichten hören wir in Lochs-Sommer öfters. Neulich rief ein Rentner nach der Polizei, da er sich von einem Eichhörnchen verfolgt fühlte. Heute die Hornissen und schon Morgen vielleicht ein Hundebiss ? Hm – das alles in Schmakenbek !

Horror-Ausflug

4.) Hornissen attackieren Rentner auf Wanderpfad– acht Verletzte

Schnakenbek – In diesem Sommer sind sie richtig aktiv und sorgen für eine Menge Ärger: Hornissen haben in Schnakenbek an der Elbe eine Rentnergruppe auf einem Wanderpfad attackiert. Hornissen stachen mehrfach zu Dabei wurden am Sonntagabend acht Menschen verletzt, wie die Polizei am Montagmorgen sagte.

Express

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Ja, unbedingt!  Aber nur für Politiker und -Innen, damit diese die Gelegenheit geboten bekommen einmal im Leben, für die Gesellschaft, über welche sie regieren wollen, auch etwas nützliches geleistet haben. Dieses Erlebniss wird sie ihr Leben lang verfolgen !

Gesellschaftliches Engagement

5.) Brauchen wir eine allgemeine Dienstpflicht?

„Ich begrüße eine Debatte über ein verstärktes gesellschaftliches Engagement. Eine allgemeine Dienstpflicht sehe ich eher kritisch. Zu stärken wären zunächst die vielfältigen Angebote der freiwilligen Dienste über eine bessere finanzielle Ausstattung der Angebote und der finanziellen Anreize für die Teilnehmer. Hier kann der Bund kurzfristig die Ausstattung und die Anzahl der Freiwilligendienste steuern. Auch Bonuspunkte bei Studienplatzvergabe für ehrenamtlich engagierte junge Menschen und Teilnehmer der Freiwilligen-Programme können einen Anreiz darstellen. Hinsichtlich der Gewinnung von hauptamtlichen Mitarbeitern im sozialen Bereich sind neben den positiven Erfahrungen in der sozialen Arbeit mit Menschen auch die finanzielle und gesellschaftliche Aufwertung der Arbeit in Kindergärten, Altenheimen, Krankenhäusern zu bedenken.“

Saarbrücker-Zeitung

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Erst kommt die Lüge – dann das politische Betrügen

Kommentar EU und Griechenland

6. ) Masters of Desaster

Man wird es dieser Tage oft hören: Die europäische „Rettungspolitik“ sei eine Erfolgsgeschichte. Ha. Haha. Hahahaha!  Sie sind so gewiss und erwartbar, dass wir sie uns auch gleich selbst schreiben könnten – die Jubelmeldungen aus den europäischen Technokratenstuben, dass die Krise in Griechenland nun zu Ende sei; dass das Land jetzt wieder an die Finanzmärkte zurückkehre; dass die verordnete Kur ja nun doch Erfolg gehabt hätte, allen Kassandrarufern zum Trotz.

TAZ

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Weil es so beliebt ist:

7. ) Berlin eröffnet Filiale in Schwaben

Nach wie vor zieht es viele Menschen in die Hauptstadt. Um der Nachfrage Herr zu werden und um nicht aus allen Nähten zu platzen, will Berlin nun mehrere Filialstädte in anderen Bundesländern aufbauen. Den Anfang soll Schwaben machen, heißt es aus der Senatskanzlei.

Der Postillon

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Hinweise und Anregungen nehmen wir gerne entgegen

Treu unserem Motto: Es gibt keine schlechte Presse, sondern nur unkritische Leser

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Grafikquelle:   Oben —  DL / privat – Wikimedia Commons – cc-by-sa-3.0

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