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Archiv für August 10th, 2018

Dürre und Landwirtschaft

Erstellt von DL-Redaktion am 10. August 2018

Bauern sind nicht nur Opfer

Datei:MoorflWiedervern.jpg

von Jost Maurin

Die Landwirte leiden unter der Dürre. Doch sie gehören auch zu den Verursachern des Klimawandels – und sie müssen mehr dagegen tun.

Ja, die Bauern sind Opfer des Klimawandels. Wetterextreme wie die derzeitige Dürre nehmen zu, weil sich die Erde erwärmt. Dafür sind in Deutschland vor allem Energiekonzerne wie RWE verantwortlich. Aber das ist nur die halbe Wahrheit.

Denn die Landwirtschaft ist auch ein bedeutender Verursacher des Klimawandels. Rund 11 Prozent der Treibhausgase aus Deutschland kommen laut Umweltbundesamt aus dieser Branche. Sie könnte also einen großen Beitrag leisten, um die Erderwärmung zu begrenzen.

Doch der Anteil der Bauern ist seit 1990 von 9,7 Prozent gestiegen. Die absoluten Zahlen sind zwar um 27 Prozent gefallen. Aber in den vergangenen fünf Jahren haben sie sich kaum noch verändert. Wenn der Bauernverband nun 1 Milliarde Euro vom Staat für dürregeplagte Landwirte fordert, muss er sich also vorwerfen lassen: Ihr seid auch selbst schuld an eurer Misere.

Weil die Branche ihre Emissionen nicht freiwillig reduziert, muss der Staat sie anschubsen und an mancher Stelle auch zwingen. Die vom Bundeslandwirtschaftsministerium eingesetzten wissenschaftlichen Beiräte für Agrar- und Waldpolitik haben bereits 2016 die wichtigsten Vorschläge für Klimaschutzmaßnahmen durchgerechnet und vor allem vier empfohlen:

1. Moore schützen

Weil für die Landwirtschaft Moore trockengelegt werden, entweichen pro Jahr Treibhausgase, die der Wirkung von 40 Millionen Tonnen Kohlendioxid entsprechen. Das sind immerhin rund 40 Prozent des Ausstoßes aus der Landwirtschaft. Deshalb sollten besonders schutzwürdige Flächen wieder vernässt – also nicht mehr landwirtschaftlich genutzt werden.

2. Weniger Tiere essen

Butter, Rindfleisch, Käse und Quark, Schweine- und Geflügelfleisch sind die Lebensmittel, bei deren Erzeugung pro Kilogramm am meisten Treibhausgase anfallen. Dennoch essen Männer in Deutschland derzeit pro Woche fast doppelt so viel wie die von Ernährungswissenschaftlern empfohlenen maximal 600 Gramm Fleisch. Würden alle ihren Konsum auf die empfohlene Dosis reduzieren, könnte Deutschland den Experten zufolge jährlich 22 Millionen Tonnen Treib­hausgas einsparen.

Datei:Pig-breeding-factory.jpg

Kaum das Weltklima entlasten würde es, wenn nur die deutschen Landwirte weniger Tiere hielten. Denn falls die Deutschen genauso viel Fleisch wie bisher äßen, würde einfach mehr aus dem Ausland importiert werden. Die Treibhausgase würden dann in anderen Ländern in die Atmosphäre gelangen.

Aus diesem Grund muss vor allem der Verzehr sinken. Um das zu erreichen, sollte der Staat auf Fleisch nicht wie bislang den ermäßigten Mehrwertsteuersatz in Höhe von 7 Prozent, sondern die regulären 19 Prozent erheben. Damit arme Haushalte nicht zu stark belastet werden, müssten Sozialleistungen angepasst werden. Hartz-IV-Empfänger sollten mehr für Lebensmittel bekommen.

Außerdem müsste die Bundesregierung endlich in Kampagnen dafür werben, weniger Fleisch zu essen.

Der in Berlin und Brüssel sehr einflussreiche Deutsche Bauernverband sollte sich anders als bislang für solche Vorschläge einsetzen.

Quelle    :      TAZ       >>>>>         weiterlesen

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Oben    —       Wieder vernässte Fläche im Großen Moor bei Becklingen

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Namensnennung: Hajotthu in der Wikipedia auf Deutsch

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Unten    —       Sauen in Kastenställen

Quelle Eigenes Werk
Urheber Maqi
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Der Klimawandel

Erstellt von DL-Redaktion am 10. August 2018

Facette jeder möglichen Zukunft:

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Quelle    :   untergrund-blättle

von Christian Siefkes keimform.de

Das Steigen des Meeresspiegels. Bei jeder Betrachtung möglicher Zukünfte muss man den ökologischen Rahmen mitbedenken, in dem sie sich abspielen.

Dieser Rahmen ist dabei nicht unabhängig von den Gesellschaften, die sich in ihm bewegen – mit dem menschengemachten Klimawandel beweist die Menschheit heute schon, dass sie das irdische Ökosystem in beträchtlichem Umfang beeinflussen kann. Auch frühere gravierende Veränderung – wie die Gestaltung des europäischen Landschaftsbilds, das wir heute als „natürlich“ empfinden, und wahrscheinlich das Aussterben grosser Teile der einst existierenden Megafauna (Grosstiere) – sind menschengemacht. Insofern ist der Effekt einer möglichen Zukunft auf das irdische Ökosystem selbst als Teil dieser Zukunftsperspektive zu diskutieren (und ich habe bei der Erörterung der möglichen kapitalistischen Zukünfte ja auch schon erwähnt, dass diese dem Klimawandel vermutlich wenig entgegen setzen werden).

Die Umkehrung gilt jedoch auch, so wird die Menschheit auf absehbare Zeit die Begrenztheiten des irdischen Ökosystems und der auf der Erde verfügbaren Ressourcen akzeptieren müssen – so lange jedenfalls, wie nicht Menschen in grossem Stil in den Weltraum auswandern oder lernen, ausserirdische Ressourcenquellen (wie den Mond, andere Planeten, Asteroiden oder Meteoroiden) auszubeuten.

Gleichzeitig ist jede Zeit von der Vergangenheit abhängig, was auch heisst: Jede mögliche mittel- bis langfristige Zukunft ist abhängig von menschlichen Verhaltensweisen der Vergangenheit, der Gegenwart sowie der absehbaren kurzfristigen Zukunft. Relevant ist das für allem in Hinblick auf den Klimawandel, da hier die Effekte menschlichen Handeln langfristige Wirkungen zeigen, die zum Teil erst Jahrhunderte später ihr volles Ausmass erreichen werden. Dabei würde ich davon ausgehen, dass es absehbar ist, dass der Kapitalismus nicht innerhalb der nächsten paar Jahrzehnte unerwartet und weltweit absterben wird und dass, solange er dominiert, die bisherige Praxis eines weitgehenden „Weiter so“ mit bestenfalls halbherzigen Gegenmassnahmen zumindest noch jahrzehntelang weiter gehen wird.

Der Bericht des IPCC

In seinem letzten Bericht (IPCC 2014) hat der „Weltklimarat“ IPCC vier Szenarien für die künftigen CO2-Emissionen und die absehbaren Folgen auf das Klima durchgerechnet. Da ich aus den genannten Gründen keine effektives Umsteuern der Klimapolitik in den nächsten paar Jahren erwarte, halte ich vor allem die beiden höheren dieser Szenarien für relevant. Das höchste Szenario – RCP8.5 – rechnet mit einem praktisch ungebremsten Anstieg der Emissionen bis Ende des Jahrhunderts gemäss den bisherigen Trends; das zweithöchste – RCP6.0 – geht davon aus, dass der Anstieg zwar deutlich abgebremst wird, aber doch weitergeht, und dass erst um das Jahr 2080 herum ein effektives Schrumpfen der CO2-Emissionen erreicht wird. Gemäss dieser Szenarien dürfte die globale Durchschnittstemperatur bis Ende des 21. Jahrhunderts um weitere 1,5 bis 5 °C (Untergrenze des zweiten bis Obergrenze des höchsten Modells) im Vergleich zur Durchschnittstemperatur um das Jahr 2000 ansteigen – wobei zu beachten ist, dass sie zwischen 1880 und 2012 bereits um knapp 1 °C gestiegen ist. Hitzewellen werden häufiger auftreten und länger andauern. In manchen Regionen, insbesondere in den Tropen, werden extreme Regenfälle häufiger und intensiver werden. Die Meere werden weiter versauern – der Säuregrad dürfte um etwa 60 Prozent zunehmen (ebd., 2, 8, 10–12).

Manche Tier- und Pflanzenarten werden aussterben, weil sie sich weder rasch genug an lokale Klimaveränderungen anpassen noch in klimatisch besser passende Regionen ausweichen können. Korallenriffe und andere Meeresbewohner werden unter der Versauerung leiden. Die Lebensmittelversorgung wird schwieriger – die Fischerei wird weniger produktiv und der Anbau der wichtigsten Grundnahrungsmittel (Weizen, Reis und Mais) wird in vielen Regionen schwieriger und weniger ertragreich. Verfügbare Wasserquellen (Oberflächen- und Grundwasser) werden zurückgehen. Im Ergebnis dürfte die Ernährungssicherung abnehmen und das Risiko von Versorgungsengpässen und Hungersnöten dürfte steigen (ebd., 16).

Vor allem in Entwicklungsländern – die oft in warmen Regionen liegen und kein gut ausgebautes Gesundheitswesen haben – wird die Gesundheit vieler Menschen unter dem Temperaturanstieg leiden. In vielen, vor allem auch in dicht besiedelten städtischen Regionen werden Hitzewellen, Stürme und Sturmfluten, extreme Regenfälle und dadurch ausgelöste Erdrutsche häufiger als heute auftreten. Aber auch Trockenheit, Wassermangel und Luftverschmutzung werden vielerorts zunehmen. Im höchsten Szenario werden Aktivitäten im Freien in manchen Regionen aufgrund von hohen Temperatur und hoher Luftfeuchtigkeit bis zum Jahr 2100 deutlich erschwert oder gar – ohne aufwendige Schutzkleidung – praktisch unmöglich. Manche Menschen werden ihre Heimat verlassen und sich neue Wohnorte suchen müssen, was das Risiko von Konflikten erhöht, falls sie anderswo nicht mit offenen Armen aufgenommen werden (ebd., 15f.).

Die steigenden Temperaturen führen zudem dazu, dass Hurrikans und Taifune stärker und gefährlicher werden: Wärmeres Wasser gibt Stürmen mehr Windenergie und wärmere Luft speichert mehr Wasser, wodurch die Regenmenge steigt. Gleichzeitig verursacht der Klimawandel Stockungen der Höhenwinde (Jetstream), wodurch die Wirbelstürme langsamer übers Land ziehen, was das Risiko von Überschwemmungen vergrössert, weil mehr Regen am selben Ort herunterkommt. Diese Effekte sind heute schon statistisch nachweisbar, werden aber in Zukunft noch zunehmen.

Das Steigen des Meeresspiegels

Auch nach dem Jahr 2100 wird die höhere Durchschnittstemperatur noch jahrhundertelang mindestens konstant bleiben (auch ganz ohne weitere CO2-Emissionen), sofern es nicht gelingt, grosse Mengen von CO2 wieder aus der Atmosphäre zu entfernen. Und auch nach einer Stabilisierung der Durchschnittstemperatur werden Veränderungen wie ein weiterer Anstieg des Meeresspiegels und eine weitere Erwärmung sowie Versauerung der Ozeane noch Jahrhunderte lang mit zum Teil gravierenden Folgen weiter gehen. Ab einer Erderwärmung von 1 bis 4 °C (der genaue Wert ist unsicher) über den heutigen Wert hinaus wird das Grönlandeis komplett abschmelzen – ein unaufhaltsamer Vorgang, der länger als tausend Jahre dauern könnte und einem Anstieg des Meeresspiegels von über sieben Metern zur Folge hätte. Eine neue Studie geht sogar von einer kompletten Schmelze des Grönlandeises ab einem Temperaturanstieg von 1,6 °C (Unsicherheitsbereich: 0,8 bis 3,2 °C) über das vorindustrielle Niveau aus (Singh und Singh 2013, 45) – ein Anstieg, der höchstwahrscheinlich erreicht werden wird, da schon das äusserst optimistische Übereinkommen von Paris einen praktisch identischen Anstieg von 1,5 °C über das vorindustrielle Niveau akzeptiert.

Neuere Untersuchungen zeigen, dass die Schmelze schon in vollem Gange ist und Grönland in den letzten Jahren im Durchschnitt 232 Gigatonnen Eis eingebüsst hat. Manche Wissenschaftlerinnen befürchten, dass der „point of no return“, ab dem ein komplettes Abschmelzen über die kommenden Jahrhunderte unvermeidlich wird, schon heute überschritten ist. Auch wenn das unsicher ist, kann man definitiv davon ausgehen, dass es dazu kommen wird, da ein drastisches Herunterfahren der CO2-Emissionen in den nächsten paar Jahrzehnten nicht zu erwarten ist.

Der IPCC-Bericht weist zudem auf das Risiko hin, dass auch das Eis der Antarktis teilweise schmelzen könnte, was einen weiteren gravierenden Anstieg des Meeresspiegels zur Folge hätte, macht jedoch weder zur Wahrscheinlichkeit dieses Szenarios noch zu den erwartbaren Folgen Angaben (IPCC 2014, 16). Eine neuere Studie (DeConto und Pollard 2016) zeigt jedoch, das im höchsten Szenarios (RCP8.5) das resultierende Abschmelzen des Antarktiseises einen Meeresspiegelanstieg um mehr als ein Meter bis zum Jahr 2100 und um mehr als 15 Meter (!) bis zum Jahr 2500 bewirken wird. Auch danach wird das Abschmelzen (auch ganz ohne weitere CO2-Emissionen) noch jahrhundertelang weitergehen, bis bei über 20 Metern Anstieg das Maximum erreicht ist. Die Effekte der Grönlandeisschmelze sind hier nicht eingerechnet und kämen noch hinzu – beides zusammen dürfte also ein langfristiges Ansteigen des Meeresspiegels um mindestens 27 Meter zur Folge haben.

Selbst im meiner Einschätzung nach viel zu optimistischen RCP4.5-Szenarien (dem zweitbesten der IPCC-Szenarien) kommt es zu einem teilweisen Abschmelzen der Antarktis und in Folge zu einem Meeresspiegelanstieg von zwar nur 30 Zentimetern bis 2100, aber vollen fünf Metern bis 2500.

Was das absehbare langfristige Ansteigen des Meeresspiegels um mindestens 27 Meter bedeuten wird, kann man sich unter floodmap.net ansehen. Grosse Teile vieler Küstenregionen und manchmal auch der dahinter liegenden Landstriche werden im Meer versinken, darunter halb Dänemark, fast die kompletten Niederlande und alle norddeutschen Küstenstädte. Bangladesh (eines der bevölkerungsreichsten Länder der Welt) wird nahezu komplett verschwinden, ebenso die benachbarte indische Küstenregion einschliesslich der Millionenstadt Kalkutta. Die grössten Städte Südostasiens – Bangkok, Hanoi, Ho-Chi-Minh-Stadt, Phnom Penh, Rangun – werden den Fluten zum Opfer fallen und ebenso einige der grössten und wichtigsten chinesischen Städte (u.a. Hongkong, Shanghai und Shenzhen). Überschwemmt werden auch grosse Teile der japanischen Hauptstadt Tokio sowie von Kairo und Lagos, den beiden grössten afrikanischen Städten. In Nord- und Südamerika wird insbesondere die Ostküste betroffen sein – verschwinden werden etwa grosse Teile von New York City, Boston und Houston, ganz New Orleans und die komplette Südspitze Floridas einschliesslich Miami, ebenso grosse Teile von Rio de Janeiro und ganz Buenos Aires.

Ab einem gewissen Punkt wird dieser gewaltigen Anstieg des Meeresspiegels unabhängig von CO2-Gehalt der Atmosphäre und vom globalen Temperaturniveau weitergehen, aufgrund lokaler Feedbackmechanismen: Bei schrumpfender Eisdecke wird mehr Sonnenstrahlung absorbiert, wodurch die lokale Temperatur steigt; zudem sind die verbleibenden Eisschichten weniger hoch gelegen, weshalb es um sie herum wärmer ist (Singh und Singh 2013, 45f.).

Sollte die Menschheit alle fossilen Energieträger (Öl, Gas und Kohle), die noch im Boden sind, verbrennen, würde der Meerespegel sogar noch deutlich stärker ansteigen, um über 60 Meter. Dieser Prozess würde sich über mehr als 1000 Jahre hinziehen – lange gemäss menschlichen Zeitmassstäben, aber sehr schnell gemäss geologischer Zeitrechnung. Dann würden auch Berlin und grosse Teile Norddeutschlands im Meer versinken.

Während 1000 Jahre eine lange Zeit sind, wird es schon sehr viel früher ungemütlich. Sofern die CO2-Emissionen in naher Zukunft nicht drastisch reduziert werden (wonach es nicht aussieht), dürften die Ozeane bis Ende dieses Jahrhunderts bereits um mindestens 1,80 Meter ansteigen – wobei schon ein Anstieg um ein Meter bedeutet, dass mehr als 100 Millionen Menschen weltweit ihr Zuhause verlieren. Das werden viel der heutigen Kinder noch erleben.

Neben der grossen Eismassen der Antarktis und Grönlands kommen auch die Gletscher in Gebirgen in aller Welt ins Schmelzen. Das führt nicht zur zu einem zusätzlichen Anstieg des Meeresspiegels (der in all diesen Modellrechnungen nicht eingerechnet ist), sondern bedroht auch die Frischwasserversorgung in diversen Regionen.

Das Tauen der Permafrostböden

Weiter verstärkt wird der Klimawandel durch das von ihm ausgelöste allmähliche Auftauen der Permafrostböden im hohen Norden. Diese binden nämlich 1,8 Billion Tonnen Kohlenstoff – mehr als doppelt so viel als die derzeit in der Erdatmosphäre befindliche Menge. Sollte all dieser Kohlenstoff in die Atmosphäre gelangen, würde sich deren CO2-Gehalt von derzeit etwa 407 ppm auf mehr als 1200 ppm verdreifachen – eine dramatische Veränderung, bedenkt man, dass schon der bisherige Anstieg um etwa 125 ppm gegenüber vorindustriellen Zeiten eine Steigerung der globalen Durchschnittstemperatur um gut ein Grad zur Folge hatte.

Eine neue Studie geht davon aus, dass schon bei einem Temperaturanstieg um 1,5 °C gegenüber dem vorindustriellen Niveau – zu dem nicht mehr viel fehlt – im Lauf der kommenden knapp 300 Jahre bis zu 500 Millionen Tonnen Kohlenstoff aus auftauenden Permafrostböden freigesetzt werden, wodurch die Temperatur um weitere 1,7 °C ansteigen würde. Das würde natürlich ein weiteres Tauen der verbleibenden Permafrostböden zur Folge haben, was die Erderwärmung nochmal verstärken würde – ein Teufelskreis, der auch bei einem kompletten Abstellen der menschengemachten CO2-Emissionen weitergehen würde. Die Unsicherheit ist dabei gross – im besten Fall werden nur 70 Millionen Tonnen Kohlenstoff freigesetzt und der zusätzliche Temperaturanstieg beträgt lediglich 0,13 °C. Klar ist aber in jedem Fall, dass das Auftauen der Permafrostböden einerseits Folge des Klimawandels ist, diesen andererseits aber noch verstärken werden – und dieser Effekt ist in den bisherigen Modellrechnungen noch nicht enthalten.

Gleichzeitig schafft das Auftauen der Permafrostböden unmittelbare Probleme für die Menschen, die auf diesen Böden leben, weil ihnen dadurch buchstäblich die Fundamente entzogen werden – Häuser bekommen Risse oder stürzen ein, Strassen verwandeln sich in Achterbahnen. Das passiert bereits, da die Permafrostschmelze schon begonnen hat.

Eine unvermeidliche Konsequenz des Klimawandels ist zumindest klar: Es wird ungemütlicher. Ein beträchtlicher Teil der Menschheit dürfte sich in den kommenden Jahrhunderten ein neues Zuhause suchen müssen. Auch in Regionen, denen keine Überflutung droht, werden die Zerstörungen durch extreme Wetterlage zunehmen und Aktivitäten wie Landwirtschaft, die einigermassen verlässliche Wetterverhältnisse brauchen, werden schwieriger. In manchen Regionen werden Menschen nur noch in klimatisierten Wohnungen leben und ihr Zuhause ohne Schutzkleidung kaum noch verlassen können – die dafür benötigten Ressourcen bereitzustellen wird wiederum ohne fossile Energieträger deutlich schwer.

Was sind neben diesen direkten Folgen die Konsequenzen für mögliche Zukunftsszenarien und für Überwindungsperspektiven des Kapitalismus? Das wird Thema des nächsten Artikels sein.

Soweit nicht anders angegeben und keine Quellenangabe (Organisation oder Internet-Adresse) vorhanden ist, gilt für die Texte auf dieser Website eine Creative Commons Lizenz (CC).

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Grafikquelle    :   Karikatur von Gerhard Mester zum Klimawandel: „Weiter so“

/ Gerhard Mester (CC BY-SA 4.0

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Wagentains Holzweg

Erstellt von DL-Redaktion am 10. August 2018

#aufstehen?

Bundesarchiv Bild 183-1988-0819-431, Berlin, Besuch Lafontaine, Spaziergang in Köpenick.jpg

Der Zwerg von der Saar stand schon einmal vor Kinder
Der Volksmund sagt : „Lügen haben kurze Beine“

Quelle  :     Scharf – Links

Von Edith Bartelmus-Scholich

Oskar Lafontaine meldet Erfolge: Nach vier Tagen haben sich bereits mehr als 50.000 UnterstützerInnen auf der Webseite www.aufstehen.de angemeldet. Auf diese Webseite haben offenbar viele Menschen lange gewartet, immerhin wurde das Projekt mit unterschiedlichen Akzentuierungen seit Jahresbeginn medial vorbereitet. Am 4. September soll auf den Online-Auftritt dann eine Gründungsversammlung folgen.

Momentaner Stand ist, dass das mit Lafontaine und Wagenknecht verbundene Projekt eine Sammlungsbewegung werden soll. Als Unterstützer sichtbar sind derzeit  Mitglieder des auf Sahra Wagenknecht und  Oskar Lafontaine orientierenden Parteiflügels der Linkspartei sowie einzelne PolitikerInnen des jeweils linken Flügels von SPD und GRÜNEN  und wenige Intellektuelle bzw. Künstler.

#aufstehen als ein Ergebnis des gesellschaftlichen Rechtsrucks

Die Schwächung der neoliberalen Hegemonie in Folge der Finanzkrise von 2008 hat in Deutschland nicht zu einer Stärkung der linken Beiträge im gesellschaftlichen Diskurs geführt. Das Ergebnis war vielmehr ein Dammbruch für rechte Ideologien, Verschwörungstheorien etc. in Medien und sozialen Netzwerken. Auf den Straßen sehen wir seitdem einen rechten Mob, politisch profitiert die AfD.  Alle bürgerlichen Parteien nahmen die Rechtsentwicklung auf.

Es stimmt bedenklich, dass nun auch ein Flügel der Linkspartei in den Sog geraten ist, der Veränderung im Diskurs folgt, linke Inhalte nationalistisch überformt und dazu auch insgesamt eine Entwicklung zu politischen Positionen der sog. linken Mitte durchläuft. Diese weitere Rechtsverschiebung im politischen Spektrum  hilft nicht im Kampf um linke Hegemonie.

Eine neue „Machtperspektive“  im Rückgriff auf die Sozialdemokratie?

Die InitiatorInnen sagen, dass es ihnen um eine neue „Machtperspektive“ geht. Diese „Machtperspektive“  besteht für sie in der Herstellung parlamentarischer Mehrheiten links von der CDU. Die Sammlungsbewegung soll Druck auf die Parteien ausüben, deren Wahlprogramme beeinflussen und prominente UnterstützerInnen der Sammlungsbewegung sollen u.U. auf den Listen der Parteien in die Parlamente einziehen. Die politischen Zielvorstellungen liegen zwar noch nicht alle auf dem Tisch, aber, da es sich um eine Mitte-Links-Sammlung handelt, werden sie rechts von der Programmatik der Partei DIE LINKE. zu verorten sein. Tatsächlich wird mit einer Rückkehr zur Entspannungspolitik Willy Brandts geworben und auch sonst scheint die Ära Brandt die Blaupause für die Programmatik abzugeben.

Fatal ist hierbei, dass die InitiatorInnen offenbar verkennen, dass es eine Rückkehr zur Politik der SPD von vor 50 Jahren schon deswegen nicht geben kann, weil sich viele der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bedingungen verändert haben. Damals arbeiteten u.a.  bei annähernder Vollbeschäftigung noch sehr viel mehr  Menschen in industriellen Großbetrieben mit akzeptablen gewerkschaftlichen  Organisationsgraden. Die Kampfbedingungen für die Lohnabhängigen waren viel besser und auf eine durchsetzungsfähige Streikbewegung folgte ab 1967 der gesellschaftliche Linksruck mit der Bewegung von 1968. Heute hingegen befinden wir uns in Abwehrkämpfen für die wir noch nicht die richtige Strategie gefunden haben. Es arbeiten viel weniger Menschen in industriellen Großbetrieben, Beschäftigung ist sehr oft dereguliert und unsicher, die Erwerbslosigkeit nach wie vor hoch, Erwerbslose werden mit Hartz IV gnadenlos ausgehungert und schikaniert. Streikbewegungen gibt es vor allem da, wo Beschäftigung zwar ziemlich sicher scheint, aber niedrig entlohnt wird und wo auch sonst schlechte Bedingungen herrschen, z.B. in Kliniken. Gemessen daran mutet der Ansatz der InitiatorInnen voluntaristisch an und kann nur zu einer Enttäuschung führen.

Es trifft zu, dass nach dem Wegfall der Perspektive auf Bundesebene eine rot-rot-grüne Regierung zu bilden, alle Flügel der Partei DIE LINKE. über die Möglichkeiten zukünftig linke Politik wirkmächtig werden zu lassen diskutieren. Tatsächlich ist auch eine stärkere Orientierung auf soziale Bewegungen und aktivierende Kampagnen eine Folge dieser Debatten in der Linkspartei.

2016-04-23 Anti-TTIP-Demonstration in Hannover, (10063).jpg

Die Superfaulen lassen sich am Stock tragen und bei Bundestagssitzungen hat sie eine der höchsten Abwesenheitsquoten. Vom Volk bezahlt werden um in der Arbeitszeit privat Bücher zu schreiben ?

Sehr fraglich ist jedoch, ob eine bei Strafe ihres Untergangs an Agenda 2010 festhaltende SPD von einer Sammlungsbewegung programmatisch korrigiert werden kann und ob sie Personen aus einer solchen Bewegung den Einzug in den Bundestag ermöglichen würde. Ich denke, dass sie das eher nicht tun wird. Sollte es aber doch so sein, dass eine starke Bewegung mit jeweils einigen Abgeordneten über die Listen von SPD und Grünen sowie Linkspartei in den Bundestag einziehen würde, was wäre dann gewonnen? Das überschaubare Grüppchen würde dort gewiss nicht viel bewegen.

Bewegung auf Zuruf?

Überhaupt müsste die Sammlungsbewegung zuerst einmal schlagkräftig werden. Hierfür ist es nicht unerheblich zu wissen, dass der Flügel der Linkspartei, der die Sammlungsbewegung initiieren möchte, bislang nicht gerade mit einer besonderen Nähe zu Bewegungen oder durch Bewegungsaktivitäten aufgefallen ist. Fortschrittliche Bewegungen hat es ja in den letzten Jahren durchaus gegeben, angefangen von den vielen tausenden Menschen, die sich für die hier ankommenden Geflüchteten einsetzen, über die Bewegungen von Mietrebellen, Erwerbslosen, AktionsschwarzfahrerInnen, KlimaretterInnen, TierrechtlerInnen etc. bis hin zu der sich gerade organisierenden „Seebrücke“. Wagenknecht, Lafontaine und der auf sie orientierende Flügel der Partei DIE LINKE. waren bei diesen Bewegungen gar nicht präsent.

Auch „Team Sahra“ stellt keine Bewegungsaktivität, ja noch nicht einmal Aktionismus dar. Es ist ein politischer Fanclub – und zudem einfalls-  und bewegungslos. Die UnterstützerInnen erhalten einmal pro Woche eine „Aktionsmail“ in der sie i.d.R. aufgefordert werden eine Bundestagsrede von Wagenknecht oder di  Masi  weiter zu verbreiten. Die „Aktivität“ folgt dann in sozialen Medien, immer schön zu Hause sitzend und schlimmstenfalls in Hasskommentaren zu kritischen Anmerkungen auf Facebook gipfelnd. Nicht einmal einen unaufwändigen Flashmob bringt  „Team Sahra“ bisher auf die Straße.

File:Bundesarchiv Bild 183-U0523-0009, Bez. Neubrandenburg, Viele "Schätze".jpg

Team Sahra ?
Lumpen, Eisen, Zähne und Papier – ausgediente Schlüpfer sammeln wir

Grundsätzlich gilt, dass Bewegung nicht von oben in Gang gesetzt werden kann. Sie bildet sich von unten, wenn Betroffene mit einem Zustand nicht mehr leben wollen und zudem noch Hoffnung haben, dass gemeinsames Handeln etwas ver ändern könnte.

Es kann nicht angenommen werden, dass die InitiatorInnen der Sammlungsbewegung das nicht auch erkennen. Sie wissen genau, dass ein Fanclub keine Bewegung ist und auch keine werden wird. Interessanter für sie ist bei diesem Projekt, dass die Sammlungsbewegung ihnen den direkten Kontakt zu ihrer politischen Anhängerschaft  und deren Organisierung eröffnet.

Das Ende der Linkspartei wie wir sie kennen?

Die Linkspartei  ist nämlich ein sehr zerbrechliches Gebilde. Als pluralistisches Konstrukt von vier größeren Flügeln (Sozialliberale, Sozialdemokraten, Reformisten, Revolutionäre) stand sie aufgrund ihrer Breite von Anfang an unter großer Spannung.

Die einzelnen Flügel sind jeweils der Meinung, dass sie allein über die zielführenden politischen Ansätze verfügen und vor allem der Umstand, dass die anderen Flügel sie daran hindern ihre Ansätze umzusetzen für den geringen Erfolg der Partei ursächlich ist.

Jedem/r war von Anfang an klar, dass die Partei nur solange in der Gründungsformation Bestand hat, wie kein einzelner Flügel allein Aussicht auf den Einzug in den Bundestag hat. Nur dies war die Ursache dafür, dass auf dem Parteitag 2012 die Einheit der Partei noch einmal gerettet werden konnte, obwohl ein Klima gegenseitigen Hasses herrschte.

Nun tritt jedoch der Fall ein, dass einer der Flügel den Ernstfall testet:  Bei guten Umfragewerten für ein eigenes parlamentarisches Projekt – eine Liste Wagenknecht wird mit bis zu 25% der Stimmen umgefragt –  wird ausgelotet, ob mit einer entsprechenden Anzahl von (prominenten) UnterstützerInnen ein Organisationsaufbau machbar ist.

Hier gilt: Reisende muss man ziehen lassen, man muss ihnen aber nicht noch die Koffer tragen.

Edith Bartelmus-Scholich, 8.8.2018

DIE LINKE.: Planvolle Eskalation? – 22-10-17 20:59

Urheberrecht
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Grafikquellen      :

Oben    —  Es folgt die historische Originalbeschreibung, die das Bundesarchiv aus dokumentarischen Gründen übernommen hat. Diese kann allerdings fehlerhaft, tendenziös, überholt oder politisch extrem sein. ADN-ZB/Oberst/18.8.88/Berlin: Lafontaine-Besuch Der Ministerpräsident des Saarlandes und stellvertretende Vorsitzende der SPD, Oskar Lafontaine (M.), bei einem Spaziergang durch Köpenick. Dabei gab es auch ein Treffen mit sonnenbadenden Kindern. Rechts: Horst Stranz, Stadtbezirksbürgermeister von Köpenick

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2.) von Oben    ––    Kurz vor dem Beginn der Hannover Messe 2016, die unter anderem von der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem US-amerikanischen Präsidenten Barack Obama eröffnet wurden, organisierte ein Trägerkreis zum Samstag, den 23. April 2016 auf dem hannoverschen Opernplatz eine Demonstration unter dem Motto „TTIP und CETA stoppen.

Foto: Bernd SchwabeEigenes Werk

  • CC BY-SA 4.0Die Persönlichkeitsrechte der abgebildeten Person(en) beschränken bestimmte Weiterverwendungen des Bildes ohne dessen/deren vorherige Zustimmung.Hinweise zur Weiternutzung
  • File:2016-04-23 Anti-TTIP-Demonstration in Hannover, (10063).jpg
  • Erstellt: 23. April 2016

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Unten   —         Bez. Neubrandenburg, Viele „Schätze“ /      1979

Att ribution: Bundesarchiv, Bild 183-U0523-0009 / Bartocha, Benno / CC-BY-SA 3.0

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Schweine vor Gericht

Erstellt von DL-Redaktion am 10. August 2018

Im christlichen Europa galten Tiere über Jahrhunderte als schuldfähig

File:Trial of a sow and pigs at Lavegny.png

von Laurent Litzenburger

Im Jahr 1408 fanden im Königreich Frankreich zwei ungewöhnliche Gerichtsverhandlungen statt. In Pont-de-l’Arche (Herzogtum Normandie) und in Saint-Mihiel (Herzogtum Bar) wurden Schweine, die man beschuldigte, Kinder getötet zu haben, zum Tod durch Erhängen verurteilt. Gut zwei Jahrzehnte zuvor war eine ebenfalls wegen Kindsmord angeklagte Muttersau für schuldig befunden und als Mensch geschminkt vor den Schweinen aus der Gegend hingerichtet worden.

Solche Prozesse scheint es vom 13. Jahrhundert bis in die Neuzeit im ganzen christlichen Abendland gegeben zu haben. Die meisten der bekannten Fälle ereigneten sich im 16. Jahrhundert. Mit der Aufklärung – als auch die Hexenverfolgung allmählich nachließ – hörten die Prozesse gegen Tiere bald auf. Da sie aber insgesamt eher selten vorkamen, galten sie in den Augen vieler Historiker lange als bloße Überbleibsel einer archaischen Rechts­praxis.

Der US-amerikanische Soziologe Edward Payson Evans (1831–1917) zählte für die Zeit zwischen dem Mittelalter und dem 19. Jahrhundert in ganz Europa etwas mehr als 200 Fälle.2 Für das Königreich Frankreich kommt der französische Mediävist Michel Pastoureau auf gut 60 Tierprozesse zwischen 1266 und 1586. Im Herzogtum Lothringen und im Herzogtum Bar sind zwischen dem 14. und dem 18. Jahrhundert 34 Fälle in Archiven dokumentiert, zu denen aber noch weitere Funde hinzukommen könnten. Von einer Mehrzahl der Tierprozesse weiß man ohnehin nur indirekt aufgrund von Buchhaltungsunterlagen und getätigten Ausgaben für Verhandlung und Hinrichtung. Daraus lässt sich schließen, dass die Prozesse selbst nichts Merkwürdiges waren, was eigens erwähnt werden musste.

Noch erstaunlicher ist, dass die Verhandlungen gegen Tiere denselben gerichtlichen Ritualen folgten wie Prozesse gegen Menschen. Tiere wurden als mit Bewusstsein ausgestattete Wesen begriffen, die über einen eigenen Willen verfügten, für ihre Taten Verantwortung trugen und in der Lage waren, den Urteilsspruch zu verstehen. So wurde 1457 in Savigny (Herzogtum Burgund) eine Muttersau mitsamt ihren sechs Ferkeln beschuldigt, ein fünfjähriges Kind getötet zu haben. Der Besitzer hatte Anwälte zu seiner Verteidigung, die Tiere jedoch nicht. Der Mann musste zur Strafe lediglich die Gerichtskosten erstatten, während die Muttersau für schuldig befunden und zum Tod durch Erhängen verurteilt wurde. Ihre Ferkel entgingen dem Galgen, weil niemand ihre Mitschuld bezeugen konnte.

Während der Beweisaufnahme wurden die Tiere genau wie Menschen oft in Vorbeugehaft genommen und zuweilen streng bewacht. 1408 in Saint-Mihiel erhielten beispielsweise mehrere Armbrustschützen für einen zweitägigen Wachdienst bei einem wegen Kindsmord angeklagten Schwein zehn Sous „Trinkgeld“. In Pont-de-l’Arche dauerte die Inhaftierung 24 Tage.

Die Rolle der Justiz war mit dem Urteil beendet. Die Vollstreckung oblag der öffentlichen Gewalt. Wie bei den Gerichtsverhandlungen gegen Menschen fielen die Urteile je nach Kontext sehr unterschiedlich aus: Das Verfahren konnte eingestellt werden, wenn das Opfer seine Verletzungen überlebte, wie 1416 in Hennecourt (Vogesen) der Fall. Manchmal wurden die Beschuldigten mangels Beweisen freigesprochen (wie die Ferkel in Savigny). Umgekehrt konnte aber auch eine ­ganze Herde hingerichtet werden, wenn der Schuldige nicht zu ermitteln war.

Das Urteil für mörderische Tiere war dasselbe wie für Menschen: Tod durch den Strang. Zuweilen ließ man ihre Kadaver noch eine Zeitlang demonstrativ am Galgen hängen, damit das in Szene gesetzte Recht seine abschreckende Wirkung entfaltete.

Zwar wurde gelegentlich auch Katzen und Bullen der Prozess gemacht, doch die kindsmörderischen Schweine waren bei Weitem in der Überzahl. Schließlich waren sie damals auf dem Land und in den Städten sehr verbreitet. Sie liefen frei durch die Straßen, über Plätze und Friedhöfe. Und obwohl sie sich oft als Müllabfuhr betätigten, waren sie den städtischen Behörden wegen der drohenden Verschmutzung der Wasserstellen ein Dorn im Auge. Der Herzog von Lothringen erließ deshalb 1607 eine Verordnung, die es den Einwohnern von Nancy untersagte, in der Stadt Schweine zu züchten.

Außerdem stellten die Tiere eine Gefahr für kleine Kinder dar, die allein zu Hause blieben, während die Erwachsenen auf dem Feld arbeiteten. Aus spätmittelalterlichen Testamenten geht hervor, welche Sorgen sich Bauern um das Wohl ihrer Kinder machten, bis diese das Alter erreicht hatten, um sich gegen Hunde und Schweine zur Wehr zu setzen. In Frankreich, England und anderswo in Europa wurden die Gerichte nicht müde, den Familien einzuschärfen, besser auf ihren Nachwuchs und ihr Vieh aufzupassen.

Neben den Strafprozessen vor weltlichen Gerichten gab es die Verfahren vor den geistlichen, die eine noch längere Tradition hatten. Diese ansonsten mit kirchlichen Angelegenheiten befassten Gerichte führten auch Prozesse gegen Insekten und Nagetiere, die Nutzpflanzen Schaden zugefügt hatten. Beim ersten bezeugten Fall (1120 in Laon) ging es um Mäuse und Raupen. Im Herzogtum Lothringen, das bis 1766 Teil des Heiligen Römischen Reichs war, gab es zwischen 1692 und 1733 vier Fälle, an denen sich das Grundmuster rekonstruieren lässt. Spuren solcher Prozesse finden sich bis ins 19. Jahrhundert hinein.

Quelle     :    Le Monde diplomatique         >>>>>       weiterlesen

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Grafikquelle      :         „Trial of a sow and pigs at Lavegny“. According to the book,  “Among trials of individual animals for special acts of turpitude, one of the most amusing was that of a sow and her six young ones, at Lavegny, in 1457, on a charge of their having murdered and partly eaten a child. … The sow was found guilty and condemned to death; but the pigs were acquitted on account of their youth, the bad example of their mother, and the absence of direct proof as to their having been concerned in the eating of the child.”

Source    :   The book of days: a miscellany of popular antiquities

Autor   :  unbekannt

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Das erste Manifest

Erstellt von DL-Redaktion am 10. August 2018

Titelsong der linken Sammelbewegung

Zwei großkopfernden Sammler 

Das Lied ist doch passend und brauchte nicht verändert werden, eine Ergänzung reichte vollkommen aus. Besser als mit Instantbrühe und Deo-hirn könnten die beiden  zuständigen Protagonisten auch heute nach 38 Jahren nicht beschrieben werden. Eine gute Tat von Mister Dämlich. Wird die Gesellschaft doch auf eine solche Art gleichzeitig aufgeklärt, welche Voraussetzungen für eine politische Laufbahn dringend benötigt werden, um dort oben mitzumischen, und eventuell zur Kanzlerin oder zum Kanzler von den Parteien auserkoren zu werden: Ein bisschen Trallafitti, ein wenig Trallalla und schon tanzen die Fraktionen durch den Saal. Das ist die politische Bildung welche den Parteimitgliedern vermittelt werden soll. Sehen wir uns doch einmal einige Mitglieder dieser Bewegungskünstler aus allernächster Nähe an: Als da wären der Heinz, Hans, Jochen oder auch der Leo um hier auch einmal „Größen“ der Partei bei Namen zu nennen, welche jedes noch so tiefe Wasser überspringen, um von ihren Herrschaften mit Applaus bedacht zu werden.  – DL – Red. – IE –

DIE LINKE Bundesparteitag Mai 2014 Dehm, Diether.jpg

Einer, der sich durch die Politik singt.

Von Arno Frank

Diether Dehm schrieb einst an den Text, die Bots sangen „Aufstehn“. Für die gleichnamige angestrebte linke Sammlungsbewegung  will der Liedermacher den Song neu aufsetzen. Was sagt es über „Aufstehen“, dass ein 38 Jahre altes Lied zur Hymne werden soll?

Eine „linke Sammlungsbewegung“, das klingt zunächst famos. Haben wir hierzulande nicht längst linke Mehrheiten, rein rechnerisch? Die nur deshalb unter „ferner liefen“ rangieren, weil es offenbar kein Heilmittel gegen die erzlinke Zersplitterungskrankheit gibt? Also bitte her mit frischem Wind! Mit einem übergreifenden Bündnis, das alte Grabenkämpfe hinter sich lässt und beschwingt ausschreitet in die Zukunft!

Erste Skepsis war angebracht, als der Deutschlandfunk in den Nachrichten wörtlich meldete: „Die neue linke Sammlungsbewegung ‚Aufstehen‘ ist online“. Die Bewegung ist online? Ernsthaft? Also draufgeklickt und nachgeschaut, wer da alles aufsteht. Es empfängt ein Hashtag, #aufstehen, und Hashtag ist bewegungstechnisch immer gut, gefolgt von Datum, Uhrzeit und der aktuellen Temperatur (33 Grad Celsius). Sehr heutig.

Wer aber steckt dahinter? Also, außer dem grabenkämpfenden Power Couple Sahra Wagenknecht und Oskar Lafontaine, außer der grünen Rentnerin Antje Vollmer und diesem Dramaturgen, jenem Schriftsteller? Und welcher sozialdemokratische Privatier oder Offizielle steht auf, um sich dieser Abspaltung einer von der SPD abgespaltenen Linkspartei anzuschließen?

Bis zum 4. September, dem offiziellen „Start der Bewegung“, gibt es auf der Seite allerdings keinen Text. Nichts, was studieren könnte, wer noch unentschieden ist. Kein Manifest, kein Grundsatzprogramm, keine Forderung, kein Versprechen. Nicht einmal eine Satzung, wie sie der „Trägerverein Aufstehen e. V.“ doch gewiss haben dürfte?

Die Katze ist aus dem Sack

Nicht ganz. Ein Manifest gibt es schon. Es handelt sich um einen 38 Jahre alten Songtext der niederländischen Musikgruppe Bots, damals übersetzt und immer mal wieder aktualisiert von: Diether Dehm, Liedermacher, Linkspartei. Der will den Song für die neue Bewegung nun noch mal aktualisieren: „Wagenknecht hat mich angerufen, und wir haben das vereinbart“, zitiert das niedersächsische Politmagazin Rundblick Dehm. So basishierarchisch läuft das bei der Bewegung: Wagenknecht ruft einen alten Kumpel an, und die vereinbaren das.

In seinem Buch „Unschuld kommt nie zurück“ schrieb Dehm einst: „Ich wollte aus den verschiedenen Einzelthemen der gespaltenen Linken einen Gesamtgesang machen, der einigend wirken sollte.“ Nun will er den Text von „Aufstehn“ als einigende Hymne der Sammlungsbewegung verstanden wissen. Damit ist die Katze erst mal aus dem Sack.

Ob die Anfangszeilen das Update unbeschadet überstehen, ist fraglich. Das ursprüngliche „Alle, die nicht gerne In­stantbrühe trinken, sollen aufstehn / Alle, die nicht schon im Hirn nach Deospray stinken, sollen aufstehn“ war Dehm schon früher zu individualistisch. Er ersetzte es vor gut zehn Jahren durch: „Alle, die nicht nur ein bisschen Frieden wollen, sollen aufstehn / Alle, denen Öl spielt eine viel zu große Rolle, sollen aufstehn.“ Möglich, dass der Songtext noch ein wenig aktua­lisiert wird, weg von der Friedensbewegung, hin zu … ja, zu was eigentlich?

Quelle      :       TAZ      >>>>>       weiterlesen

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Grafikquellen    :

Oben        —      Der Rechte Flügel ? Blogsport  / Ein ganzes Leben wie Göttin und Gott in Frankreich  – andere Arbeiten lassen !

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2. Von Oben     —      Bundesparteitag DIE LINKE Mai 2014 in Berlin, Velodrom, Mitglied des Parteivorstandes 2014 – 2016

Unten       —         Blogsport

 

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DL – Tagesticker 10.08.18

Erstellt von DL-Redaktion am 10. August 2018

Direkt eingeflogen mit unseren  Hubschrappschrap

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Die Gesetze sind das Spiegelbild seiner Macher ! Wo Trottel arbeiten welche nie in der Gesellschaft angekommen sind, kann nichts anderes herauskommen. Nun sind wieder wehrlose Nutznießer die Schuldigen ? Soviel Dummheit auf einen Haufen ist nur unter PolitikerInnen möglich. Der SPD Troll im Fernsehen gab ein beredtes Beispiel. Herr schenk ihm Hirn !

Starker Anstieg  

1.) Rasanter Anstieg beim Kindergeld alarmiert Städte

Mehrere Hundert Millionen Euro Kindergeld zahlt der deutsche Staat inzwischen an Empfänger aus dem EU-Ausland, Tendenz stark steigend. Oberbürgermeister schlagen Alarm: Der soziale Friede sei zunehmend gefährdet. Sören Link platzt langsam der Kragen, wenn er die vermüllten Vorgärten in einigen Stadtvierteln Duisburgs sieht. „Wir haben rund 19.000 Menschen aus Rumänien und Bulgarien in Duisburg, Sinti und Roma. 2012 hatten wir erst 6.000“, sagt der SPD-Oberbürgermeister der Ruhrgebietsstadt. Die Nachbarn fühlten sich „nachhaltig gestört durch Müllberge, Lärm und Rattenbefall“.

T.-online

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Der typisch schwachsinnige Vorwurf von Politikern aller Parteien. Es wird einfach zu viel Geld über die Partzeien verteilt, welches dann zur Fanatisierung der Mitglieder und nicht für die politische Bildung ausgegeben wird. Welch ein Kopf  wird gebildet durch eine Freifahrt  zur Fäkalienbude in Berlin? Nur dem trinken und esssen auf Kosten der Steuerzahler, um diese auf den nächsten Wahlkampf einzuschwören? ? 

Thüringens Ministerpräsident Ramelow sieht

2.) AfD als mitverantwortlich für wachsenden Antisemitismus

Nach Meinung von Thüringens Ministerpräsident Ramelow trägt die AfD dazu bei, dass Judenfeindlichkeit wieder „sagbar und hoffähig“ werde. Gemeinsam mit seinem schleswig-holsteinischen Amtskollegen Günther besuchte er die KZ-Gedenkstätte Auschwitz.

Die Welt

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Ist denn den Palästinensern je eine reale Alternative angeboten worden ? Alle bisheriegen Entscheidungen gingen über die Köpfe der Bewohner hinweg – durch unfähige PolitikerInnen ! Wie fast überall auf dieser Welt – seit Alterszeiten. „Wer kennt die Völker- nennt die Namen, welche durch PolitikerInnen zu Schaden kamen?“ 

Feuerangriffe im Gaza-Konflikt

3.) Das Jahr des Drachens

Die Hamas setzt im Konflikt mit Israel auf Raketen, Brandballons und präparierte Drachen, die weit ins Hinterland fliegen. Die Armee reagiert mit aller Härte, eine dauerhafte Entspannung ist nicht in Sicht. Eigentlich verhandeln Israel und die Hamas nach übereinstimmenden Medienberichten gegenwärtig unter ägyptischer Vermittlung über eine langfristige Waffenruhe. Doch seit Mittwochabend eskaliert die Lage wieder.

Spiegel-online

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Von einem Geisterbeschwörer  welcher  auszog der Gesellschaft, auf dessen Kosten er lebt,  das fürchten zu lernen ? Eine politisch erschaffene Niete in Nadelstreifen.

Kommentar Verfassungsschutz und AfD

4.) Ist Maaßen ein Bock als Gärtner?

Ein Verfassungsschutzchef kann eine Parteichefin beraten. Aber Maaßen steht nicht zu seinem Kontakt zur AfD. Das ist der wirkliche Skandal. Die AfD-Aussteigerin Franziska Schreiber hat es berichtet: Hans-Georg Maaßen, Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz, soll sich mehrfach mit Frauke Petry getroffen haben. Er soll sie beraten haben, wie die AfD eine Beobachtung durch den Verfassungsschutz vermeiden kann.

TAZ

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Wer hatte anderes erwartet? Bitte melden !  Wie gut das Dummheit nicht unbedingt als Erbgut anzusehen ist und nur der Arroganz voraus stiefelt.  An Lutze gewandt: Jedermann/frau sollte bekannten Stinkstiefeln mit breiter Brust entgegentreten !

Keine Aussprache

5.) Lafontaine lehnt Gipfel mit Lutze ab

 Über seinen Sprecher Martin Sommer ließ Lafontaine gestern ausrichten, bei dem Streit gehe es „um die Aufstellung von Listen für die Landtags- und Bundestagswahlen auf der Grundlage von manipulierten Mitgliederlisten und fingierten Beiträgen“. Darüber seien in den letzten Jahren viele Gespräche geführt worden. Nach Lafontaines Ansicht kann der Streit nur auf anderem Wege beendet werden: indem der Landesparteitag beschließt, bei der Aufstellung von Listen für Landtags- und Bundestagswahlen anstelle der Mitgliederversammlungen künftig ein Delegiertensystem einzuführen. Dies lehnt Lutze allerdings ab.

Saarbrücker-Zeitung

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Würde ich als Bio-Bio Deutscher genau so empfehlen. Denn, was anschließend gegeben wird, weiß niemand in diesem Schland! Beispiel: eine/r wählt die CDU und bekommt nach der Wahl Merkel und Gauck als Kanzlerin und Präsident. Vormals IM Erika und IM Larve, die größten Abzocker der Geschichte, ohne je zuvor etwas für diese Gesellschft geleistet zu haben. 

Doppelte Staatsbürgerschaft

6.) Die meisten Eingebürgerten behalten alten Pass

Sechs von zehn Menschen, die in Deutschland eingebürgert werden, behalten auch ihre bisherige Staatsbürgerschaft. Der Anteil ist höher als je zuvor. In Deutschland behalten inzwischen sechs von zehn eingebürgerten Menschen laut Statistischem Bundesamt ihre alte Staatsbürgerschaft. Kein eingebürgerter Syrer, Afghane, Marokkaner oder Nigerianer habe im vergangenen Jahr den Pass seines Herkunftslandes abgegeben, berichtet die Tageszeitung „Die Welt“ unter Berufung auf die Behörde.

Der Tagesspiegel

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7.) Was auch noch alles politisch korrekt ist in Deutschland

 

  • Als gültig gelten Stimmabgaben, bei denen ein Wahlvorschlag (je Stimmart) durch Kreuz, Häkchen oder Strich in dem dafür vorgesehenen Kreis auf dem Stimmzettel eindeutig als gewählt gekennzeichnet worden ist.
  • Die Legislative der Bundesrepublik verabschiedet Bundesgesetze und wacht über den Bundeshaushalt. Zur Legislative im Bund gehören der Bundestag und der Bundesrat.
  • Das Politikressort kommt vor dem Feuilleton, weil Demokratie wichtiger ist als Klavierspielen.

Titanic

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Hinweise und Anregungen nehmen wir gerne entgegen

Treu unserem Motto: Es gibt keine schlechte Presse, sondern nur unkritische Leser

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Grafikquelle:   Oben —  DL / privat – Wikimedia Commons – cc-by-sa-3.0

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