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Archiv für Juli 16th, 2018

Ein rotes Tuch

Erstellt von DL-Redaktion am 16. Juli 2018

Ein Tuch, das fremd macht

Die Stoppschilder werden bald Scharz gefärbt !
Nur auf  DL bleiben die Überschrifte rot !

Von Heide Oestreich

Vor 20 Jahren begann der Kopftuchstreitin Deutschland. Und noch immer gilt das ein Quadratmeter große Stück Stoff als Integrationsbremse. Aber liegt das an den Trägerinnen? DerFall der Sudentin Hawa Öruc. Hawa Öruc spricht fünf Sprachen. Sie erhielt ein Stipendium in den USA, begann ein Studium und galt als eine Vorzeigemigrantin. Bis sie sich dazu entschied, ein Kopftuch zu tragen. Seitdem ist alles anders.

Zum Beispiel Hawa Öruc. Kind kurdischer Flüchtlinge aus der Türkei, aufgewachsen in Norddeutschland. Das aufgeweckte Mädchen „mit Migrationshintergrund“, wie es so schön heißt, fiel der SPD-Abgeordneten ­Bettina Hagedorn auf, bei ihr im Bundestag machte Hawa ab 2007 eine Ausbildung. Sie wurde so etwas wie die Vorzeigemigrantin: Auf einem Foto in der Heimatzeitung sieht man Öruc lächelnd mit Frank-Walter Steinmeier im Bundestag stehen. Die Zeitung berichtete damals, dass Öruc eines der begehrten Stipendien für das Partnerschaftsprogramm mit dem US-Kongress bekam. Sie lebte also ein Jahr in den USA, machte ein Praktikum beim Kongress. Und schließlich ging sie für ein Jahr nach Kolumbien, unterrichtete dort an der Uni Deutsch und Englisch. Kam zurück, studierte. Sie spricht mehrere Sprachen. So sollen Erfolgsgeschichten von Einwandererkindern doch aussehen, oder?

Und doch ist heute, sechs Jahre nach ihrer Rückkehr aus den USA, alles anders. Hawa Öruc erzählt, wie im voll besetzten Zug der Platz neben ihr leer bleibe. An der Supermarktkasse passiere es, dass alle freundlich begrüßt, ihr Gruß dagegen nicht erwidert werde. Drei Jahre lang hat sie gesucht, bis sie endlich einen Job fand, um ihr Studium zu finanzieren. Das alles, erzählt sie, erzeuge eine Art Druck, der sie manchmal ans Auswandern denken lasse. Und die gesamte Veränderung hat offenbar nur einen Grund: Hawa Öruc trägt jetzt ein Kopftuch.

Den deutschen Kopftuchstreit gibt es nun seit 20 Jahren. Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass die Argumente auf beiden Seiten gut sind. Und doch hat sich in jüngster Zeit etwas verändert. Seit letztem Jahr sitzt die AfD im Bundestag, in dem Hawa Öruc vor Kurzem noch arbeitete. Dort fallen nun Sätze wie der von AfD-Chefin ­Alice ­Weidel während der Haushaltsdebatte im Bundestag: „Burkas, Kopftuchmädchen und alimentierte Messermänner und sonstige Taugenichtse werden unseren Wohlstand, das Wirtschaftswachstum und vor allem den Sozialstaat nicht sichern.“

Seitdem diese Partei gehört wird, hat der Kopftuchstreit eine neue Dimension erhalten. Er ist auf die Straße gewandert – und es wird gewalttätig. In Kiel schreit ein Mann eine Frau mit Kopftuch an: „Scheißmuslime“, und schlägt ihr mit der Faust so brutal ins Gesicht, dass sie zu Boden geht. In Nordrhein-Westfalen erkundigen sich die beiden Angreifer erst, ob die Frau an der Bushaltestelle Muslimin sei, bevor sie sie zu Boden bringen. In Pforzheim löst eine Frau mit Kopftuch einen Parkschein. Ein Mann rammt ihr von hinten den Ellbogen in die Rippen und ruft: „Dies ist eine deutsche Straße!“ An einer Bushaltestelle in Berlin schlägt ein Mann einer Frau mit Kopftuch ins Gesicht, nachdem sie ihm auf seine Frage hin mitgeteilt hat, dass sie Muslimin sei und das Kopftuch gern trage. Das sind Fälle, die es in die Presse schafften.

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Eines ist klar: Das Kopftuch hat alles verändert im Leben von Hawa Öruc. Sie ist religiös konservativ geworden. Für sie ist das Kopftuch eine islamische Pflicht. Doch dieses Stück Stoff symbolisiert eben nicht nur Frömmigkeit. Für die Mehrheitsgesellschaft in Deutschland symbolisiert es das Bild einer gehorsamen Frau, die sich zurückhält und unterordnet – nicht frei leben kann. Tatsache ist: Es gibt Familien, in denen Frauen und Mädchen dazu gezwungen werden, das Tuch zu tragen. Und es ist auch ein Symbol des militanten antidemokratischen Islamismus. Die Frauenrechtlerin Alice Schwarzer beschwört immer wieder, dass dieses Stück Stoff blutgetränkt sei, weil es damals im Iran Frauen mit Hämmern an die Schläfe genagelt wurde. Kurz: Ein Symbol ist eben nicht nur das, was die Sendende dieses Zeichens gern senden möchte. Es ist auch das, was andere schon gesendet haben.

Warum, um alles in der Welt, setzt sich eine weltoffene junge Frau so ein problematisches Ding auf den Kopf, das nur Abwehr hervorruft? An den Eltern lag es nicht. Die sind kaum religiös. Als Hawa mit dem Tuch auftauchte, bat der Vater besorgt: „Nimm das ab.“ Alle wissen, mit dem Kopftuch gibt es nur Ärger und nichts zu gewinnen. Sie aber will nicht. Warum? „Ich will zuerst meinem Herrn dienen und dann der Gesellschaft“, sagt Öruc. „Ich will meine Religion als Teil von mir ausleben, genauso wie meine beruflichen Wünsche.“

In den USA hatte Öruc Musliminnen mit Kopftuch kennengelernt, die integriert sind, weltoffen, anerkannt. Ermutigt entscheidet auch sie sich, das Kopftuch zu tragen. Aber in Deutschland ist das etwas anderes. Dieses Land begreift sich nicht als salad bowl, als Salatschüssel der Identitäten. Deutschland ist eher Schnitzel mit Beilage. Gerade hängt ein ganzes Bundesland Kreuze in Amtsstuben auf. Die einen finden, ein Kopftuch passe nicht zum christlichen Abendland. Die anderen, es passe nicht in eine säkulare Gesellschaft. Einig sind sie sich in einem: Es passt nicht.

Quelle    :      TAZ          >>>>>         weiterlesen

Das Kopftuch vor Gericht

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Von Heide Oestreich

Fereshta Ludin wollte Englisch, Deutsch und Geschichte unterrichten – mit Kopftuch. Doch trotz guter Noten durfte sie nach ihrem Referendariat nicht als Lehrerin arbeiten. Vor 20 Jahren, am 13. Juli 1998, lehnte das Oberschulamt ihre Übernahme in den baden-württembergischen Schuldienst ab. Ludin klagte gegen diese Entscheidung, die gemeinhin als Beginn des deutschen Kopftuchstreits gilt.

Das Bundesverfassungsgericht urteilte im September 2003, dass Ludin der Eintritt in den Schuldienst nicht verwehrt werden dürfe. Allerdings heißt es auch: „Der mit zunehmender religiöser Pluralität verbundene gesellschaftliche Wandel kann für den Gesetzgeber Anlass zu einer Neubestimmung des zulässigen Ausmaßes religiöser Bezüge in der Schule sein.“ Die Folge: Mehrere Bundesländer nahmen diese „Neubestimmung“ vor: Sie verboten in ihren Schulgesetzen „äußere religiöse Bekundungen“ von Lehrkräften, die geeignet sind, „die Neutralität des Landes“ oder „den Schulfrieden“ zu stören, so etwa das baden-württembergische Schulgesetz. (2 BvR 1436/02)

Auch Nordrhein-Westfalen hatte sein Schulgesetz entsprechend dem Urteil geändert. Dagegen klagten zwei Lehrerinnen. Eine hatte angeboten, das Kopftuch auch gegen eine Wollmütze auszutauschen, was das Land ebenfalls abgelehnt hatte. Das Bundesverfassungsgericht entschied Anfang 2015, dass ein „pauschales Verbot“ religiöser Bekundungen nicht gerechtfertigt sei. Von einer solchen Bekundung müsse „nicht nur eine abstrakte, sondern eine hinreichend konkrete Gefahr der Beeinträchtigung des Schulfriedens oder der staatlichen Neutralität ausgehen“, um ein Verbot zu rechtfertigen, heißt es. (1 BvR 471/10, 1 BvR 1181/10)

Quelle     :      TAZ        >>>>>         weiterlesen

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Schlands neue Afrikapolitik

Erstellt von DL-Redaktion am 16. Juli 2018

Alter Wein in neuen Schläuchen

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Quelle    :    Untergrundblättle

von Nico Beckert  zebralogs.wordpress.com

Fluchtursachen:  Die deutsche Politik hat Afrika neu „entdeckt“. Sowohl über die G20-Präsidentschaft, als auch durch einen „Marshallplan mit Afrika“ beziehungsweise durch eine gemeinsame Initiative vom Minister für Entwicklungspolitik Müller und Wirtschaftsminister Gabriel sollen Unternehmen und Investitionen nach Afrika gelockt werden.

Ziel dieser Initiativen ist es, Perspektiven in afrikanischen Ländern aufzubauen, um Fluchtursachen zu überwinden. Doch diese Politik ist nur alter Wein in neuen Schläuchen. Afrikanische Staaten werden schon seit Jahren dazu getrieben, vermeintliche Investitionshemmnisse abzubauen und ausländische Unternehmen anzulocken. Bisher haben diese Ansätze aber nicht zur Schaffung von Perspektiven beigetragen. In vielen afrikanischen Staaten gibt es eine Beschäftigungskrise und eine hohe Jugend-Arbeitslosigkeit.

G20 – Neue Partnerschaft mit Afrika

Am deutlichsten wird das deutsche Bemühen durch die Pläne für die deutsche G20-Präsidentschaft im Jahr 2017. Unter Schirmherrschaft des Finanzministeriums plant die deutsche Regierung eine neue Partnerschaft mit Afrika (Compact with Africa), um die Lebensbedingungen auf dem Kontinent zu verbessern. Ziel sei es dabei, Unternehmen nach Afrika zu locken und die dortige Infrastruktur durch Investitionen zu verbessern. Erreicht werden sollen diese Ziele, indem die Investitionsbedingungen verbessert werden. Hinter dieser Worthülse verbirgt sich ein ökonomischer Ansatz, der schon seit Jahrzehnten in der Entwicklungszusammenarbeit verfolgt wird. Dabei geht es darum, den Unternehmen möglichst gute Rahmenbedingungen zu verschaffen. Konkret: Eine gute Infrastruktur, den Abbau von Bürokratie, keine Einmischung staatlicher Stellen in wirtschaftliches Handeln, freie Märkte, gut ausgebildete Arbeitskräfte, Rechtsstaatlichkeit und Eigentumsrechte, sowie funktionierende Finanzinstitutionen.

Dass der Compact with Africa erneut diesen Ansatz wählt, wird durch Aussagen des Ökonomen Paul Collier deutlich, der die Bundesregierung bei der Ausgestaltung des Compacts berät. Auch er fordert massive Infrastrukturinvestitionen, gute Gesetze, stabile Institutionen [= Abbau von Bürokratie, Rechtsstaatlichkeit und Eigentumsrechte – Anmerkung des Autors] und eine gut ausgebildete Bevölkerung. Collier spricht sich auch für den Freihandel aus. Er führt China als Beispiel an für ein Land, welches „die Weltwirtschaftsordnung nicht verändert (hat) und dennoch den Sprung aus der Armut geschafft“ hat. Dabei verschweigt Collier aber, dass China erst sehr spät in seinem Entwicklungsprozess der Welthandelsorganisation (WTO) beigetreten ist (2001). Lange Zeit durfte China sehr stark in die Wirtschaft eingreifen und tut dies auch heute noch. Beispielsweise haben chinesische Unternehmen mit Unterstützung des Staates massive Kapazitäten im Stahlsektor aufgebaut. Hierzu könnte Collier mal bei der Bundesregierung nachfragen, die schon seit Monaten Chinas angebliche Dumping-Politik im Stahl-Sektor kritisiert.

Deutschlands G20 Vorschlag: Compact with Africa greift viel zu kurz

Chinas Eingriffe in die Wirtschaft sind nur ein Beispiel dafür, dass der Compact with Africa und der alleinige Fokus auf die Investitionsbedingungen viel zu kurz greift und nicht dazu beitragen wird, Unternehmertum in afrikanischen Ländern entscheidend zu stärken. Um wirklich massiv Arbeitsplätze zu schaffen und lebenswerte Perspektiven in den Herkunftsländern von Geflüchteten aufzubauen, braucht es ein ganz anderes Vorgehen. Hier können die südasiatischen Tigerstaaten – Südkorea, Taiwan, Japan – und andere Erfolgsbeispiele wirtschaftlicher Entwicklung als Vorbilder herangezogen werden.

Diese Länder vertrauten nicht einzig auf Investitionen ausländischer Unternehmen. Vielmehr schränkten sie während ihres wirtschaftlichen Aufstiegs – und teilweise auch noch heute – die „Investitionsfreiheit“ ein. Sie setzten ausländischen Unternehmen Schranken, um inländische Unternehmen aufzubauen (siehe China, Taiwan und Südkorea). Es war diese „Aufzucht“ einheimischer Unternehmen, die zu einer massiven Schaffung von Arbeitsplätzen führte. Zwar gab es auch Investitionen von aussen, aber die Ausweitung von Produktionskapazitäten in den Tigerstaaten sowie China und anderen aufholenden Ländern wurde zum Grossteil durch einheimische Quellen finanziert. Und auch die USA und andere „historische Fälle“ griffen aktiv in die Wirtschaft ein, um einheimische Unternehmen aufzubauen.

Der Fokus auf die Verbesserung der Investitionsbedingungen zur Anlockung ausländischer Unternehmen ist zudem ein Konzept, dass sich selbst in den Schwanz beisst. Denn ein Land, welches seine Investitionsbedingungen verbessert, lockt nur so lange Unternehmen an, bis ein anderes Land noch bessere Investitionsbedingungen aufweisen kann. Es besteht also die Gefahr, dass die afrikanischen Staaten miteinander um die kargen Investitionen ausländischer Unternehmen konkurrieren, dass sich also mittelfristig Kosten und Ertrag nicht mehr die Waage halten. Erneut zeigt sich wie wichtig es ist, einheimische Unternehmen zu fördern. Diese haben ein genuines Interesse an der Entwicklung ihres Landes und sind dort viel stärker verwurzelt. Im Gegensatz zu internationalen Firmen werden einheimische Unternehmen ihr Land nicht verlassen, wenn es in einem Nachbarland vermeintlich bessere Investitionsbedingungen gibt.

Diese entscheidenden Zusammenhänge und die Bedeutung einheimischer Unternehmen werden mit den Plänen der deutschen G20-Präsidentschaft übersehen (zu einer alternativen Entwicklungspolitik siehe hier).

Ein Marshallplan mit Afrika …

Neben dem Compact with Africa geistert schon seit einigen Monaten die Idee von Minister Müller für einen Marshallplan mit Afrika durch seine Reden. Mit diesem Marshallplan will Minister Müller die Wirtschaft in Afrika stärken, um Jobs und Perspektiven für Afrikas Jugend zu schaffen. Der Plan wurde am 18. Januar 2017 als Entwurf veröffentlicht und lässt folgende Bausteine erkennen. So will Müller schädliche Exporte nach Afrika und illegale Finanzströme, beispielsweise die Steuervermeidung, stoppen. Und auch beim Marshallplan ist die Förderung privater Investitionen in Afrika ein zentraler Bestandteil. Leider hat Minister Müller nur konkretisiert, wie er diese privaten Investitionen nach Afrika locken will, nicht jedoch, wie er die unfairen Handelsstrukturen verändern und Steueroasen austrocknen will.

… und eine gemeinsame Initiative zwischen BMZ und Wirtschaftsministerium

File:Paul Collier and Mohamed Lamine Fofana - World Economic Forum on Africa 2012.jpg

Die weiße Dummheit wird und will nur nhemen, wie schon immer

In einer gemeinsamen Initiative des Entwicklungs- und des Wirtschaftsministeriums wird der Ansatz zur Förderung von Privatinvestitionen konkretisiert. Diese Initiative greift die recht luftigen Worte des deutschen G20-Fokus (Compact with Africa) von der Verbesserung von Investitionsbedingungen auf. Die Initiative hat sich folgende Ziele gesetzt:

  • Die Verbesserung von Rahmenbedingungen für alle Unternehmen. Den beiden Ministerien zufolge steht der Abbau von Bürokratie, die Bekämpfung von Korruption, sowie die Schaffung von Sicherheit und Infrastruktur im Mittelpunkt bei der Verbesserung von Investitionsbedingungen.
  • Die Förderung von deutschen Investitionen und Unternehmen in afrikanischen Staaten. Dies soll durch klassische Instrumente der Aussenwirtschaftsförderung, das heisst durch Kreditgarantien sowie Export- und Investitionsgarantien, gewährleistet werden, aber auch durch steuerliche Anreize für investitionsbereite Unternehmen.
  • Die Unterstützung von afrikanischen Unternehmen und den Aufbau von Wertschöpfungsketten. Hier steht vor allem die Beratung und Unterstützung von afrikanischen Existenzgründungen und „kleinsten Unternehmen“, Unterstützung bei der Weiterverarbeitung von Rohstoffen in afrikanischen Ländern sowie auch Finanzierungsangebote für afrikanische Unternehmen im Mittelpunkt. Zusätzlich wollen sich die Urheber der Initiative für „entwicklungsfreundliche Handels- und Investitionsabkommen einsetzen.

Auch diese gemeinsame BMZ / BMWi-Initiative baut somit grösstenteils auf der falschen Grundannahme auf, dass die Verbesserung des Investitionsklimas und das Anlocken ausländischer Unternehmen ausreicht, um in Afrika massiv Arbeitsplätze zu schaffen. Wie bereits geschildert, waren „gute Investitionsbedingungen“ nur ein Bestandteil der Entwicklungsstrategien erfolgreicher Länder.

Interessant an dieser BMZ / BMWi-Initiative ist, dass sie über die deutsche G20-Initiative hinausgeht und afrikanische Kleinstunternehmen und Existenzgründungen unterstützen will. Dieser Ansatz ist unterstützenswert, darf sich aber nicht auf die angeführten Kleinstunternehmen beschränken. Viel wichtiger ist es, auch in afrikanischen Ländern eine Art Mittelstand aufzubauen.

Das bestätigt auch Paul Collier, wenn er sagt:

„Firmen mit 50 Mitarbeitern sind ungefähr zehnmal so produktiv wie Kleinbetriebe mit vier Beschäftigten, weil sich die Arbeitnehmer auf bestimmte Tätigkeiten spezialisieren können. Wenn Afrika wirtschaftlich aufholen soll (was er für die Schaffung von Jobs als wichtig zu erachten scheint – Anm. des Autor), sind über einen längeren Zeitraum hohe einstellige Wachstumsraten nötig. Das bekommen wir nicht hin, wenn wir die Leute mit Kleinkrediten fördern, damit sie am Strassenrand Körbe flechten“.

Viel bedeutender als die Förderung von Kleinstunternehmen wäre es also, die von Müller angesprochenen Wertschöpfungsketten in afrikanischen Ländern aufzubauen.

Die von Müller angesprochene, zu reformierende Handelspolitik und die Bekämpfung illegalen Finanzströmen (siehe Details dazu hier) könnten einen wichtigen Beitrag zum Wachstum afrikanischer Unternehmen leisten. Wenn Müller diese Worte Ernst meint, steht ihm ein harter und langer Kampf bevor. Denn die Handels- und Steuerpolitik wird nicht auf nationaler Ebene, sondern auf EU- bzw. OECD-Ebene verhandelt.

Soweit nicht anders angegeben und keine Quellenangabe (Organisation oder Internet-Adresse) vorhanden ist, gilt für die Texte auf dieser Website eine Creative Commons Lizenz (CC).

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Grafikquellen   :

Oben    — Tobias Kahler (links) mit ONE-Jugendbotschaftern bei Entwicklungsminister Gerd Müller im Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (2016).

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Afrika – Fußballträume

Erstellt von DL-Redaktion am 16. Juli 2018

Afrikas Spieler in Zeiten des Neokolonialismus

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Pierre-Emerick Aubameyang 7 Gabun

von David Garcia

Abidjan, Elfenbeinküste, im Stadtteil Koumassi; ein Schulhof, der in den Fe­rien als Trainingsplatz dient. Auch an diesem heißen Morgen kämpfen die Schüler der „Akademie“ von Metro Star um den Ball. Aristide ist Mitbegründer der Fußballschule, einer von Hunderten, die es in der Wirtschaftshauptstadt des westafrikanischen Staates gibt. Er betreut die Jugendteams.

Der Exprofi, der wie alle in der Akademie nicht mit vollem Namen genannt werden will, stellt uns seinen besten Spieler vor. Ein Neunjähriger in rotem Trikot, der selbstbewusst erklärt: „Ich möchte in Europa spielen.“ Wir fragen, ob ihm die Gefahren eines solchen Abenteuers bewusst sind. Der aufgehende Stern von Metro Star nickt.

Vereinbarte Gehälter werden nicht bezahlt, zugesagte Handgelder vergessen. Bei Verletzungen kommt der Verein nicht für die Krankenhausrechnungen auf. So sieht für Fußballspieler in Afrika der Alltag aus. Häufig haben sie keinen Vertrag, und die Arbeitsbedingungen sind lausig.

Welcher Kontrast zu den wenigen Privilegierten, die ihr Talent in den europäischen Ligen versilbern: Yaya Touré, der frühere Kapitän der ivorischen Nationalmannschaft, verdient bei Manchester City fast eine Million Euro im Monat,1 der brasilianische Star Neymar bei Paris Saint-Germain mehr als drei Millionen Euro.2 Die beiden gehören zu der Weltelite, die mehr als 720 000 Dollar im Jahr verdient.

Nach einer Umfrage der Fédéra­tion Internationale des Associations de Footballeurs Professionnels (FIFPro) aus dem Jahr 2016 bei ihren damals 54 nationalen Verbänden macht diese Elite 2 Prozent aller Profifußballer aus. Die meisten von ihnen spielen in Europa, den Golfstaaten oder in China. Ganz unten in dieser Einkom­mens­tabelle stehen Spieler, die weniger als 300 Dollar beziehen. Von dieser Gruppe, die 21 Prozent der Profis ausmacht, spielen viele bei afrikanischen Klubs, die die niedrigsten Gehälter zahlen.

Nach derselben Umfrage berichteten 41 Prozent aller befragten Spieler von verzögerten Zahlungen in den beiden vorangegangenen Spielzeiten. Für Afrika lag diese Quote bei 55 Prozent. Für die Spieler ist dieser Kontinent bei weitem der unsicherste: 15 Prozent von ihnen haben keinen Vertrag; in Europa sind es 3 Prozent.

Die Berichte von Aristide und seinen Freunden aus Koumassi (siehe Kasten auf Seite 11) illustrieren den Kon­trast zwischen dem Traum vom Reichtum, den Millionen junge Afrikaner hegen, und der Härte der Arbeitsteilung auf dem Fußballplaneten.

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Auch der 27-jährige Justin hofft, trotz einer ganzen Reihe übler Erfahrungen in mehreren Klubs, weiter professionell Fußball spielen zu können. 2007 unterschrieb der damals 17-Jährige seinen ersten Vertrag. Sein Monatsgehalt von 76 Euro lag dabei unter dem

ivorischen Mindestlohn (91,59 Euro). Das im Vertrag vorgesehene Handgeld von 229 Euro bekam er nie zu sehen. Die Präsidentin appellierte an die Gefühle ihrer Spieler, erzählt Justin: „ ‚Ich bin eure Mama, und eure Mama hat kein Geld‘, jammerte sie – und wir haben uns reinlegen lassen.“

Nachdem er im Januar 2008 beim Probetraining eines tunesischen Klubs durchgefallen war, versuchte Justin sein Glück in der 2. Ivorischen Liga. Das war der Abstieg in die Hölle. „Ich bekam etwas mehr als 15 Euro im Monat, sogar Hilfsarbeiter hatten 5 Euro am Tag.“ Um die Spieler für den Kampf um den Aufstieg in die 1. Liga zu motivieren, winkte die Klubleitung mit einer 30-Euro-Siegprämie. Als die Mannschaft zwei Monate sieglos blieb, verzögerte sich die Auszahlung der Löhne. Auch die Wohnbedingungen glichen denen in den übelsten illegalen Klitschen. Alle Spieler schliefen in einem Raum, auf dem nackten Boden, mit ihren Rucksäcken als Kopfkissen.

Zehn Jahre später haben sich die Bedingungen in der Elfenbeinküste kaum geändert. Auf ihre Art geben das auch die Klubpatriarchen zu. Bernard Adou ist Präsident des Erstligaklubs ASI aus Abengourou im Osten des Landes. Er fordert die betrogenen Spieler väterlich auf, beide Augen zuzudrücken: „Auch unter schlechten Bedingungen, und wenn die Gehälter nicht gezahlt werden, müssen die Spieler spielen. Ein unbezahltes Gehalt lässt sich wiedergutmachen, ein verlorenes Match nicht.“ Aber leider klappt die „Wiedergutmachung“ bei unbezahlten Gehältern und Prämien nicht immer.

In der Saison 2008/09 beschlossen Justin und seine Mitspieler, das Training zu boykottieren. In einem Schrei­ben an die Vereinsleitung verlangten sie Matratzen und Ventilatoren. Die bekamen sie, aber die Mannschaft war vom Pech verfolgt. Ein Spieler bekam Malaria, ein 21-jähriger Verteidiger starb im Krankenhaus, nachdem er im Training mit einem Mitspieler zusammengekracht war. Für Justin und vier seiner Kollegen war das Maß voll. Sie verließen den Klub mitten in der Saison. Lieber arbeitslos als diese Ausbeutung.

Auch Samuel hat mit 21 Jahren schon alle Martern der Profiexistenz durchlebt. In der 1. Liga spielend erlitt er im Dezember 2016 eine schwere Verletzung. „Der Kunstrasen im Champroux-Stadion in Abidjan, wo die meisten Ligaspiele ausgetragen werden, ist ramponiert und gefährlich. Da verletzten sich viele Spieler.“ Der Präsident des Klubs sagte, er werde die Operation bezahlen, sobald er die Transfersumme für einen anderen Spieler erhalten habe. Sechs Monate später war die Rechnung immer noch nicht bezahlt. Schließlich übernahm die Ivorische Fußballföderation FIF die Behandlungskosten.

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Samuel wurde an einen anderen Erstligisten weitergereicht, verletzte sich aber im Februar 2018 erneut. Der Klubpräsident forderte ihn auf, dennoch drei Tage später aufzulaufen. Samuel weigerte sich, daraufhin wurde die Zahlung seines Gehalts ausgesetzt. „Seit mehr als einem Monat bekomme ich kein Geld, die ivorischen Klubpräsidenten sind alle gleich!“

Samuel ist nicht der Einzige, der so behandelt wird. „Drei Monate ohne Gage in der 1. Liga, das ist üblich“, meint Aristide. „Manchmal ist schon die Auszahlung des Grundgehalts an einen oder mehrere Siege gekoppelt.“ Nach Angaben der Ivorischen Spielervereinigung AFI liegen die höchsten Gehälter zwischen 450 und 600 Euro. Im Durchschnitt verdienten die lokalen Fußballer zwischen 230 und 300 Euro, das ist das Dreifache des Mindestlohns in einem Land, das seit 2015 ein Wirtschaftswachstum von jährlich 8 Prozent aufweist.

„Wie soll ein Fußballer am Ende seiner naturgemäß kurzen Laufbahn von seinen Ersparnissen leben und sich ein Haus kaufen?“, fragt AFI-PräsidentC Der Exprofi empfängt uns in seinem Verbandsbüro in Cocody, einem besseren Viertel im Norden von Abidjan.

Domoraud war Kapitän der ivorischen Nationalmannschaft und hat einmal für Erstligaklubs in Italien, Frankreich und Spanien gespielt. Auch die anderen Gründungsmitglieder der AFI haben in Europa Karriere gemacht. Didier Drogba, die Ikone des ivorischen Fußballs, gewann 2012 mit dem englischen Klub Chelsea die Champions League. Sein Landsmann Kolo Touré hat in England bei Spitzenklubs wie Arsenal London, Manchester City und Liverpool gespielt.

Aus Angst vor Repressalien rufen nur wenige Spieler die vorgesehene Schiedskommission an, um ihre Rechte geltend zu machen. Der Vizepräsident der FIF und Präsident der Fußballprofiliga, Sory Diabaté, weist jede Verantwortung der Vereinsbosse von sich: „Einige junge Spieler beklagen sich, sie würden nicht bezahlt, aber sie haben nicht mal eine Kopie ihres Vertrags. Und ohne Vertrag kann man nicht urteilen.“ Während er in seinem Büro unsere Fragen beantwortet, filmt ein Angestellter das Interview. Ein anderer hört aufmerksam zu.

Fußballgewerkschaftler Domoraud hält dem Argument des FIF-Funktionärs Diabaté entgegen: „Diese Kommission ist weder unabhängig noch paritätisch, wie es die FIFPro empfiehlt.“ Denn in ihr seien die Spieler der Vereinigung AFI nicht vertreten. Das lässt auf ein Ungleichgewicht zugunsten der Arbeitgeber schließen. Hinzu kommt, dass die Klubpräsidenten auch die Mitglieder des FIF-Exekutivkomitees wählen. Und das Überleben der Profivereine hängt von der Finanzierung durch die FIF ab.

Kicken zum Mindestlohn

In der Elfenbeinküste erhält jeder Klub derzeit 114 000 Euro pro Jahr. Gegen diese Verteilung nach dem Gießkannenprinzip gibt es Widerstand. Benoît You, Manager des Klubs Asec Mimosas, behauptet, das System würde die dynamischen und leistungsstarken Klubs demotivieren. Sein Verein plädiert für Subventionen, die aus einem festen, für alle gleichen Anteil und einem variablen Anteil besteht, der sich nach der Mitgliederstärke des Klubs richtet. Eine Mehrheit der Funktionäre und der FIF selbst lehnen diese Veränderung ab.

Was den ivorischen Fußball jedoch vor allem plagt, ist die chronische Unfähigkeit, Einnahmen zu erzielen. In der 1. Liga liegt die durchschnittliche Besucherzahl bei 1000. Nur eine Begegnung mobilisiert die Massen: das Abidjaner Lokalderby Asec Mimosas gegen Africa Sports. Die historischen Rivalen sind die besten Mannschaften des Landes. Zu ihrem letzten Derby kamen 5000 Zuschauer. Die mageren Einnahmen von 750 Euro wurden zu gleichen Teilen zwischen beiden Vereinen geteilt. Sponsoren gibt es kaum, weil die Werbewirksamkeit eines Logos auf den Spielertrikos zu begrenzt ist.

Seit 2016 zahlt der TV-Sender Canal+ der FIF jährlich 2,3 Millionen Euro für die Übertragung der Spiele der 1. Liga. Die FIF wollte sich zu der Summe nicht äußern, aber sie wurde uns von mehreren Klubpräsidenten bestätigt. Verglichen mit den 1,1 Milliarden Euro, die die französische Profiliga ab 2020 pro Spielzeit für die Übertragungsrechte bekommen soll, sind die 2,3 Mil­lio­nen eine lächerliche Summe. Doch FIF-Vize Diabaté macht geltend: „Dank dem Vertrag mit Canal+ konnte die FIF die Subventionen für die Klubs um 25 Prozent erhöhen.“ Aber ob das reicht?

Nehmen wir den Stella Club, einen Kultverein aus dem armen Stadtviertel Adjamé im Norden von Abidjan. „Uns fehlen jedes Jahr etwas mehr als 90 000 Euro, um unsere Ausgaben zu decken“, erklärt uns der Präsident des Klubs, Salif Bitogo. Er ist Generaldirektor der Togoer und Beniner Zweigs der Unternehmensgruppe Snedai, die in beiden Staaten die Lizenz für die Herstellung von Pässen und biometrischen Visa hat. „Wir zahlen aus unseren eigenen Taschen. Seit mehr als zehn Jahren schieße ich Geld zu“, lacht der Klubpräsident, der selbst einmal Stella-Spieler war und seit 18 Jahren das Schicksal seines Vereins bestimmt.

Quelle    :       Le Monde diplomatique              >>>>>                  weiterlesen

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Oben    —      Pierre-Emerick Aubameyang (Borussia Dortmund)

 2. von Oben   —  Touré with a young fan.

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Unten   —      Didier Drogba on his return debut v Leicester City Aug 2014

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Illusionen über D. Trump

Erstellt von DL-Redaktion am 16. Juli 2018

Ein Waffenhändler als Friedensengel?

File:Vladimir Putin carrying his buddy Donald Trump.jpg

Quelle    :      Rationalgalerie

Autor: Marc Britz

Bei allem Misstrauen lohnt es sich manchmal durchaus die Mainstream-Medien zu konsultieren. Vor allem wenn man lernen möchte, was das Grosskapital so alles als seine ureigenen Interessen erkennt. Der Nachrichtensender CNBC ist so eine Informationsquelle. Bei CNBC handelt es sich nämlich um einen US-amerikanischen Verbrauchernachrichten- und Wirtschaftskanal, der nach eigenen Angaben insgesamt rund 390 Millionen Zuschauer weltweit mit Wirtschaftsnachrichten versorgt und live vom Geschehen an den Finanzmärkten informiert. Im dem Internetauftritt dieses Medienkonglomerats schreibt der Journalist Jeff Daniels ungeschminkt und mit für alle einsehbarer, unerbittlicher Quellenlage über die vielen Gefallen, die Donald Trump der US-amerikanischen Rüstungsindustrie getan hat – allerdings ohne sich lange mit Trumps Intentionen oder den weltpolitischen Folgen abzugeben. Allein aufgrund der Lektüre eines solchen Textes lässt sich leicht einsehen, warum jene, die ihre Hoffnungen für eine befriedete Welt auf Trump setzen – nur weil er sich auch mal mit Putin zum Plausch treffen möchte – nach aller Wahrscheinlichkeit das Nachsehen haben werden.

Amerikanische Militäranalysten hingegen haben laut Daniels mit Sicherheit Grund zur großen Freude über Trump. Allein weil dank ihm vor allem in Europa, im Mittleren Osten und in Asien wieder einmal mehr Geld für Waffen ausgegeben wird als je zuvor. Der Defense Security Cooperation Agency zu Folge konnten die Top-Firmen der USA ihre Waffenverkäufe von 33.6 Milliarden Dollar im Jahr 2016 auf 42 Milliarden im Jahr 2017 steigern. Wir erinnern uns: Trump ist seit dem 20. Januar 2017 Präsident. Auch für das Jahr 2018 werden aufgrund der weltweiten Spannungen, und der daraus folgenden Anstrengungen der US-Alliierten ihre Militärhaushalte zu erhöhen, eine weitere Zunahme der Gewinne erwartet. Diese Zunahme der Gewinne sind nach dieser Quelle eine direkte Folge der Ausweitung des sofort nach der Wahl eingeführten allgemeinen „Buy American“ Programms der derzeitigen US- Regierung auf Waffenverkäufe ins Ausland und damit auch Ausdruck des persönlichen Engagements Donald Trumps. Weil direkte Waffenverkäufe von US-Firmen an fremde Länder eine höhere Gewinnmarge haben, als wenn sie durch das Foreign Military Sales Programm der US-Regierung abgewickelt werden, hat Donald Trump die persönliche Initiative ergriffen, um Direktverkäufe der US- Waffenhändler ins Ausland zu vereinfachen. Laut der Nachrichtenagentur Reuters ist es Teil dieser Initiative, Botschaftspersonal im Rahmen des „Buy American“ Plans weltweit dazu einzusetzen, milliardenschwere Waffendeals zwischen den US-Firmen und den lokalen Regierungen direkt einzufädeln. Diplomaten und Staatsangestellte in US-Botschaften auf der ganzen Welt wurden so zu aktiven Werbern und Unterhändlern für die lukrativen Waffenexporte heimischer Privatfirmen gemacht. Doch die Pläne Trumps gehen über diese “limited assistance” der Militär-Attachés und anderer Diplomaten hinaus. Da die US-Regierung unter Trump speziell den Verkauf von Drohnen, Kampfflugzeugen und Kriegsschiffen erleichtern möchte, hat sie auch jene bestehenden Regelwerke massgeblich verwässert, die gerade den Verkauf von Waffensystemen an menschenrechtswidrig handelnde Regierungen verhindern sollten. So hat die Trump-Regierung auch an Menschenrechte geknüpfte Konditionen für Waffenverkäufe nach Saudi-Arabien oder Bahrain massiv aufgeweicht oder gar ganz aufgehoben. Angesichts des massiven Gewinnzuwachses von Firmen wie beispielsweise Lockheed Martin oder Raytheon ist es kein Wunder, das Remy Nathan, seines Zeichens Vize-Präsident der Abteilung Internationale Angelegenheiten bei der Aerospace Industries Association, einer in Virginia ansässigen Interessenvertretung der grössten US-amerikanischen Waffenhersteller, von Trumps Initiative schwärmt. Allein Trumps erster Auslandsbesuch in Saudi-Arabien spülte satte 350 Milliarden Dollar in die Kassen der von ihm vertretenen Branche. Selbst das neutrale Schweden möchte ein 1.2 Milliarden teures Patriot Raketenverteidigungssystem von Raytheon erwerben. Polen erhielt die Erlaubnis vom U.S. State Department zum Kauf von Patriots im Wert von 10.2 Milliarden im November 2017. Rumänien erhielt bereits im Juli 2017 die Erlaubnis das Raketensystem zu kaufen. Zusammengenommen hat Raytheon mehr als 220 Patriot Einheiten an Kunden in 14 Ländern verkaufen können. Die gleiche Firma konnte – neben Lockheed – auch vom Verkauf von Marschflugkörpern zur Raketenabwehr an Japan profitieren. Dank Trump konnte Raytheon seine internationalen Verkäufe auf 32 Prozent seines Umsatzes im ersten Drittel des Jahres 2017 steigern und damit das 14. Jahr in Folge eine Steigerung internationaler Verkäufe feiern. Für die Firma Lockheed sind die Zeiten ähnlich rosig. Letztes Jahr konnte die Firma mit Hilfe der Trump-Administration allein mit Bahrain einen 3.8 Milliarden schweren Vertrag über neue F-16 Jagdflugzeuge sowie die Aufrüstung älterer Maschinen abschliessen und damit die Produktion des Flugzeuges bis ins Jahr 2021 sicherstellen. Auch die Firma Lockheed konnte ihre Einnahmen aus ausländischen Quellen von 27 Prozent im Vorjahr auf mehr als 30 Prozent im ersten Viertel des Jahres 2017 steigern.

Vor diesem Hintergrund ist es leicht verständlich, warum Trump so auf die Erfüllung der bereits von Amtsvorgänger Obama verordneten Steigerung der Verteidigungsausgaben der NATO-Mitglieder von zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts binnen zehn Jahren pocht. Es handelt sich nämlich auch hier um die gezielte Ausweitung des Marktes für US-Rüstungsgüter in Europa im Rahmen des auf Waffen ausgeweiteten „Buy American“ Plans. Irgendwem müssen die Europäer ja schließlich das Geld aus ihren erhöhten Verteidigungshaushalten zukommen lassen. Trump ist offenkundig der Ansicht, dass die US- Waffenindustrie die einzig richtige Adresse dafür ist. Wenn dann also das HANDELSBLATT einen ehemaligen Berater der früheren US-Außenministerin Hillary Clinton zitiert, dass Trump jede politische Verhandlung wie eine geschäftliche Transaktion betrachtet, und dass die NATO in dieser Logik eine Sicherheitsfirma ist, die Schutz anbietet, für den man zahlt, ist dies nur die halbe Wahrheit. Denn Trump möchte gleichzeitig auch der größte Waffenlieferant dieser Firma sein. Und als Waffenlieferant weiss er was gut fürs Geschäft ist: Kriege, die nicht aufhören. Es ist daher kaum anzunehmen, dass Trump auch nur irgendetwas unternehmen wird, um die mörderischen Konflikte im mittleren Osten und die drohenden in Asien einzudämmen. Was Europa betrifft, ist es unerlässlich die Konfrontation mit Russland aufrecht zu erhalten. Es ist auch auf diesem Kriegsschauplatz kaum ersichtlich, warum Trump seinen eigenen Geschäftsinteressen entgegen handeln sollte – Putin-Gipfel hin oder her. In jedem Fall aber sollten am Frieden interessierte Teile unserer Gesellschaft einem ausgewiesenen Waffenhändler wie Trump keinerlei Vertrauen in Sachen Frieden entgegen bringen.

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Grafikquell   :      Is Vladimir Putin helping Donald Trump win the race for President of the United States?

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DIE – WOCHE

Erstellt von DL-Redaktion am 16. Juli 2018

Wie geht es uns, Herr Küppersbusch?

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Kolumne von Friedrich Küppersbusch

Markus Söder will das Wort „Asyltourismus“ nicht mehr nutzen, Ursula von der Leyen ist zufrieden und Donald Trump hat vielleicht Recht.

taz: Herr Küppersbusch, was war schlecht in der vergangenen Woche?

Friedrich Küppersbusch: Eine Deutsche gewinnt Wimbledon, Flegel Trump schaut vorbei, England verliert das Trostspiel.

Und was wird besser in dieser?

Tut den Briten was Gutes!

Vor genau zwanzig Jahren wurde Fereshta Ludin, einer in Afghanistan geborenen, kopftuchtragenden Deutschen, die Einstellung in den Schuldienst in Baden-Württemberg verweigert. Sie klagte dagegen und stieß eine Debatte an, die bis heute – ja, was denn eigentlich? Unsere Gesellschaft vorangebracht hat?

Zurück in die Zukunft, und in keine rosige: Frau Ludin sieht in ihrem Kopftuch „heute mehr denn je eine spirituelle Dimension“, was im Sinne des Kruzifix-Urteils der sichere Weg aus dem Klassenzimmer ist. Ich mag keine uniformierten Offiziere oder Schwestern im Habit in staatlichen Schulen. Das Lehrpersonal repräsentiert den Staat. Und das Kopftuch, von dem Frau Ludin sagt, „ich nehme dadurch meine Äußerlichkeit bewusst zurück“, ist so lange eine sexuell neurotische Unverschämtheit, wie sie es – nur unter Frauen – nicht tragen müsste. Es ist Eltern nicht zuzumuten, ihren sechs- bis zehnjährigen Jungs zu erklären, dass die Lehrerin ein Befinden mit der Geschlechtlichkeit ausagiert, die Jungs in dem Alter noch gar nicht haben. Ja, es hat was vorangebracht – die Demontage des säkularen Staates und den CSU-Reflex, nun aber auch auf jedes Finanzamtsklo ein Kreuz zu dübeln.

„Die Zeit“ stellt in ihrer aktuellen Ausgabe unter dem Titel „Soll man es lassen?“ zur Diskussion, ob es „legitim“ sei, dass private Retter „Flüchtlinge und Migranten“ vor dem Ertrinken retten. Haben Sie sich das auch schon mal gefragt?

Beim Streit um diskriminierende Tafeln, ja. Soll man überhaupt Moderobst ausreichen an Arme? Obdachlosen etwas spenden, „das sie gleich wieder versaufen“? Bei Wohltätigkeitsgalas sich mit Spendenschecks adeln, die deutlich unter dem Wert der Colliers der Charity-Ladys rumpeinlichen? Sollte man, kurz, das Versagen des Sozialstaats kosmetisch wegschminken oder alles verelenden lassen und so Druck aufbauen, damit der Staat endlich handelt? Das ist eine politische Frage. Die Zeit hingegen überlässt es ihrem Publikum, die Frage als moralische zu lesen, und dafür muss man dumm sein oder ein Henker. Oder ein Oberstudienrat in Strapsen. Oder die Bild um ihre schwindende Auflage beneiden. Viel Erfolg!

„Ich habe Theresa May gesagt, wie sie es machen soll, aber sie hat nicht auf mich gehört“, lautete die Begrüßung von US-Präsident Donald Trump anlässlich seines Besuchs in Großbritannien. Jenseits des rüden Tons: Hat Trump, was den May ’schen Brexit angeht, vielleicht einfach recht?

Quelle   :      TAZ        >>>>>          weiterlesen

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DL – Tagesticker 16.07.18

Erstellt von DL-Redaktion am 16. Juli 2018

Direkt eingeflogen mit unseren  Hubschrappschrap

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Ja, der Filz in den Verwaltungen, da sollte nun Nahles in die Spur gebracht werden, welche nun ihre Worte schlagkräftig umsetzen kann! „In die Fresse, auf die Fresse“ macht daraus ne Knoblauchpresse! Oder : Wenn Deutsche Korinthenkacker auf den Behörden ihr Hirn vermissen, welches nie vorhanden war. Von der ARGE bis zum SARGE über Polizei und Militär das ist teutonisches Malheur!

FDP-Vize Kubicki beklagt „Erosion des Rechtsstaats“

1.) – und kritisiert Parteifreund Stamp

Die Abschiebung Gefährders Sami A. nach Tunesien sorgt weiterhin für Diskussionen. Der Ex-Leibwächter von Terrorfürst Osama Bin Laden war am Freitag in das nordafrikanische Land abgeschoben worden, dabei hatte das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen die Aktion für „grob rechtswidrig“ erklärt – denn Sami A. könnten in Tunesien Folter und sogar die Todesstrafe drohen.

Focus-online

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Sollte manch einen Politiker ins Stammbuch geschrieben werden! Wichtiger als der DR-Titels eines windigen Freiherrn aus der bayrischen Provinz!

2.) Den Rechtsstaat aushalten

Der als Gefährder eingestufte Islamist Sami A. wurde am Freitag abgeschoben, obwohl ein Gericht am Donnerstag genau das verboten hatte. Jetzt fordern die Richter, dass der Mann auf Staatskosten zurückgeholt wird. Ja, dieser Fall wirft Fragen auf. Eine davon lautet: Ist das nicht totaler Irrsinn, der den Rechtspopulisten in die Hände spielt? Irrsinnig ist zunächst, dass die Fakten seit einem Bericht der WAZ im Jahr 2012 bekannt sind: Sami A. war um die Jahrtausendwende sieben Monate in Pakistan, er soll dort „ein Leibwächter“ des Al-Qaida-Chefs Osama bin Laden gewesen sein. Er stand im Verdacht, zwei junge Muslime radikalisiert zu haben, die später als Teil der Düsseldorfer Al-Qaida-Zelle verurteilt wurden.

TAZ

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Merkels Best – oder Drecks – Man genießt doch politische Immunität auf Deutsch : Narrenfreiheit“ oder noch anders „er ist im Besitz eines staatlichen Jagdschein“.  Ausweis für staatl. geprüfte Idioten!

SPD-Abgeordneter aus Remscheid

3.) zeigt Horst Seehofer an

Per Fax hat der Remscheider SPD-Landtagsabgeodnete Sven Wolf bei der Staatanwaltschaft des Bundes in Berlin Anzeige gegen Innenminister Horst Seehofer (CSU) erstattet. Anlass war ein Zeitungs-Bericht, wonach Seehofer sich bei der Abschiebung von Sami A., dem früheren Leibwächter von Osama bin Laden, über ein gerichtliches Verbot hinweggesetzt habe. „Wo kommen wir hin, wenn sich ein Innenminister nicht mehr an Recht und Gesetz hält“, sagt der Jurist Wolf.

RP.-online

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Der Eine wurde zum Fußball geadelt, der Andere braucht nur zu treten. Zwei Größenwahnsinnige Hohlpfosten ohne ihre Gouvernante ? Angelt diese am Mittelmeer mit ihren Macrönchen?

Trump trifft Putin

4.) Warum der Helsinki-Gipfel so wichtig ist

Lange musste der russische Präsident Wladimir Putin auf einen Gipfel mit US-Staatschef Donald Trump warten. Jetzt bekommt er ihn in Helsinki. Worauf bei dieser denkwürdigen Begegnung zu achten ist.

Spiegel-online

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Gute Auftragslage für „Rechtsverdreher“

Brexit

5.) Trump hat May zur Klage gegen die EU geraten

Die Brexit-Verhandlungen kommen nicht voran, die britische Premierministerin Theresa May ist unter Druck – und bekommt noch eine zweifelhafte Empfehlung von Donald Trump. US-Präsident Donald Trump hat der britischen Premierministerin Theresa May geraten, die Europäische Union im Zusammenhang mit dem EU-Austritt Großbritanniens zu verklagen. „Er sagte mir, ich solle die EU verklagen und mich nicht auf Verhandlungen einlassen“, sagte May einem BBC-Reporter am Sonntag. Trump hatte in der vergangenen Woche in einem Interview der Boulevard-Zeitung „The Sun“ gesagt, er habe May einen Rat zum Brexit gegeben, aber sie habe nicht auf ihn gehört.

Der Tagesspiegel

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Ein Sommergespräch welches besser im Winter geführt würde, da bekäme man vielleicht rote Nasen zu Gesicht ?

Interview mit Saar-FDP-Chef Oliver Luksic

6.) „Das Saarland erstickt im schwarz-roten Filz“

Das Café am Saarbrücker Schloss sollte es sein, wünschte sich FDP-Landeschef Oliver Luksic fürs SZ-Sommergespräch. Einfach, weil der Bundestagsabgeordnete beim schönen Wetter draußen reden wollte. Aber auch, weil das Schloss als Sitz des Regionalverbandes ein Symbol ist für die von den Liberalen seit Jahren geforderte Kommunalreform.

Saarbrücker-Zeitung

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7.) Liste zweifelhafter Taten Jesu

  • die Abspeisung der 5000
  • das Aufwecken des Lazarus (6:00 Uhr)
  • das Gleichnis vom verlorenen Sony Ericsson
  • Jesu Gangway auf dem Wasser

Titanic

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Hinweise und Anregungen nehmen wir gerne entgegen

Treu unserem Motto: Es gibt keine schlechte Presse, sondern nur unkritische Leser

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Grafikquelle:   Oben —  DL / privat – Wikimedia Commons – cc-by-sa-3.0

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