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RENTENANGST

Archiv für März 7th, 2018

„Rot-Rot-Grün ist tot“

Erstellt von DL-Redaktion am 7. März 2018

„In der heutigen Welt kann es keine ‚offenen Grenzen für alle‘ geben“

Sahra Wagenknecht bei der Bundestagswahl 2017 Wahlabend Die Linke (Martin Rulsch) 38.jpg

Ja genau, so hoch sprangen schon einmal die Hunde.

Ach hättest du doch geschwiegen – wärst du vielleicht eine anständige Sozialistin geblieben ? Frau Dr. Wagenknecht, einmal mehr im Wechselbad ihrer Aussagen, gleicht immer mehr einer ausgetretenen Wendeltreppe auf der sie sich Stufe für Stufe hochschiebt um höchst Genüsslich auch die verschiedensten Drehungen genießen zu können. So wird es auch Frau Wagenknecht in Zusammenarbeit mit ihren Mann Oskar nicht schaffen die Grundfesten Linker Politik zu zerstören.

Von der Gründerin „Der Kommunistischen Plattform“, hin zur AKL in – ja, wohin geht die Reise – wo wird sie Enden? Auf einen Ministersessel, so – mit Sicherheit nicht. Es ist immer auffällig wenn Menschen ihre Herkunft verleugnen oder gar vergessen lassen möchten.

Dazu braucht es Wählerstimmen – und auch die Grünen und die SPD, was die Linke in nunmehr mehr als 10 Jahren nicht erreichte, in einer Verbindung mit den beiden Parteien zu kommen, wird sie mit Sicherheit auch in absehbarer Zeit nicht schaffen. Und ganz besonders nicht –  Solo!

So lassen sich keine Wähler neu gewinnen und schon gar nicht zurück. Vielleicht sollte sie sich ein wenig Marketing aneignen? Es reicht nicht aus und würde als Schulnote nicht einmal einer fünf genügen, nur die politischen Mitbewerber schlecht zu reden. Ich muss schon etwas verkaufen können oder wollen, was dem Wähler seine Stimme Wert ist, und nach 10 jähriger, letztendlich doch mit unerfüllten Versprechungen, möchten diese auch einmal erfahren wohin sie denn gesteuert werden sollen? Das Ausharren in einer Warteschleife braucht ein Ende.

Politik ist auch nur ein Geschäft, zumindest für die PolitikerInnen welche es betreiben und davon leben möchten, oder sogar müssen, da andere Finanzquellen viel schwerer zu erschließen sind. Was nicht im Schaufenster sichtbar ist, zählt auch nicht als Angebot. Niemand hier im Land wird auf ein Angebot aus den Hause Lafontaine/Wagenknecht warten. Da werden in der nächsten Zeit neue Gruppierungen um ein leichtes Leben buhlen. Sie werden sich auch von den Linken oder Grünen abspalten. Dafür sind die Angebote von diesen Staat viel zu attraktiv. DL – Red. – IE

Das folgende Interview führten Anna Lehmann und Martin Reeh

Die Grünen sind eine bürgerliche Partei und die SPD hält an der Agenda-Politik fest, sagt die Fraktionsvorsitzende der Linken. Es brauche neue Optionen.

taz: Frau Wagenknecht, zimmert die SPD mit ihrem Ja zur Großen Koalition am eigenen Sarg?

Sahra Wagenknecht: Auf jeden Fall wird es weiter bergab gehen. Es zeugt schon von einer gravierenden Missachtung der Wähler, nach einer solchen Wahlschlappe einfach weiterzumachen, als wäre nichts passiert, und Merkel erneut ins Amt zu bringen. Von Erneuerung sollte die SPD-Führung jetzt lieber nicht mehr reden, das glaubt ihr ohnehin keiner mehr.

Die SPD tauscht die Parteispitze aus und Sie haben keine Hoffnung auf eine Erneuerung?

Diejenigen, die in den Führungsetagen der SPD von Erneuerung reden, bringen die alten Gesichter in neue Funktionen. Frau Nahles ist doch keine Erneuerung, sie war an allen falschen Weichenstellungen der letzten Jahre beteiligt.

Warum profitiert die Linke nicht stärker von der Krise der SPD?

Sahra Wagenknecht, Hannover 2017.jpg

Zum einen liegt das sicher an den internen Streitereien. Zum anderen führen unsere Positionen in bestimmten Fragen dazu, dass sich Geringverdiener und Benachteiligte von uns nicht ernst genommen fühlen.

Sie meinen die Flüchtlingspolitik der Linken.

Merkels Politik läuft darauf hinaus, dass die weniger Wohlhabenden die Hauptlast der Zuwanderung tragen. Wenn man den Betroffenen dann erzählt, es gäbe gar keine Probleme, muss man sich nicht wundern, dass sie einen nicht wählen. Klar, Konkurrenz um Niedriglohnjobs, Mangel an bezahlbarem Wohnraum und überforderte Schulen gab es schon vor Ankunft der Flüchtlinge. Aber all diese Probleme haben sich durch die Flüchtlingskrise erheblich verschärft. Und Leidtragende sind die Ärmeren. Am krassesten zeigt sich an den Tafeln.

Und die Linke ignoriert das?

Einige meinen, wer das anspricht, würde die Armen gegen die Flüchtlinge ausspielen. Aber es ist die herrschende Politik, die sie ausspielt, diese Konkurrenz ist die Realität. Wer das wegschweigt, treibt die Menschen in die Arme der AfD.

Wenn Sie der Meinung sind, dass in der Linkspartei vieles falsch läuft: Warum wollen Sie dann nicht selbst Parteivorsitzende werden?

Weil meine Aufgabe als Fraktionsvorsitzende mich ausfüllt.

Die jetzige Parteichefin Katja Kipping sprach bereits 2016 von einem gesellschaftlichen Lager der Solidarität, das sich dem Rechtsruck entgegenstellen müsse. Sie fordern eine neue linke Sammlungsbewegung. Wo ist der Unterschied?

Das müssen Sie Katja Kipping fragen. Ich möchte, dass es wieder Mehrheiten für eine Politik der sozialen Gerechtigkeit gibt. Wer den Rechtsruck stoppen will, muss den Neoliberalismus ablösen. In der Bevölkerung gibt es Mehrheiten für eine Vermögensteuer, für höhere Löhne, für bessere Renten. Aber es gibt aktuell nur eine Partei, die diese Forderungen vertritt, die Linke, und die hat keine Chance, allein eine Regierung zu bilden. Lange Zeit haben wir deshalb auf Rot-Rot-Grün gesetzt. Aber diese Option ist tot. Die Grünen sind eine bürgerliche Partei geworden, die mit der Union regieren will. Und die SPD hält an der Agenda-Politik fest, während ihr die Wähler davon laufen.

Und deshalb also etwas ganz anderes, eine neue linke Sammlungsbewegung?

Ich möchte ein Angebot an all diejenigen machen, die früher mal SPD oder Grüne gewählt haben, aber der Linken bisher nicht ihre Stimme geben. Immerhin hat die SPD zwischen 1998 und 2017 10 Millionen Wähler verloren, die Linke hat aber nur 2 Millionen mehr als die damalige PDS.

Auch AfD-Wähler?

 

Es gibt nicht wenige, die bei der letzten Wahl nur aus Wut ihr Kreuz bei der AfD gemacht haben. Selbstverständlich möchte ich sie zurückgewinnen.

Der linke SPD-Bundestagsabgeordnete Marco Bülow gründet eine überparteiliche „Progressive soziale Plattform“. Gibt es jetzt zwei Sammlungsbewegungen – Ihre und die von Bülow?

 

Quelle    :      TAZ         >>>>>        weiterlesen

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Grafikquellen     :

Oben   —    Sahra Wagenknecht auf der Wahlparty der Linken zur Bundestagswahl 2017 in der Arena Berlin.

 

 

 

 

 

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Erdogans Krieg in Afrin

Erstellt von DL-Redaktion am 7. März 2018

Ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit

File:Operation Olive Branch-Turkish Army tanks.jpg

Quelle  :   Untergrundblättle

Von Bernd Drücke / Artikel aus: Graswurzelrevolution Nr. 427, März 2018, www.graswurzel.net

Mit Blick auf die von ihm geplanten Massenmorde fragte Hitler am 22. August 1939 auf dem Obersalzberg: „Wer redet heute noch von der Vernichtung der Armenier?“ Der Völkermord an den Armeniern war einer der ersten systematischen Genozide des 20. Jahrhunderts.

Er geschah während des Ersten Weltkrieges unter Verantwortung der Regierung des Osmanischen Reichs. Bei den von Türken und Kurden mit Duldung durch das verbündete Deutsche Reich verübten Massenmorden und Todesmärschen 1915 und 1916 kamen etwa 1,5 Millionen Menschen um. Wer die aktuellen Entwicklungen in der Türkei verstehen will, muss sich auch mit dieser Geschichte auseinandersetzen.

Bis heute wird der Genozid an den Armeniern von den Herrschenden in der Türkei geleugnet. Wer diesen Massenmord als Völkermord bezeichnet, macht sich in der Türkei strafbar und muss mit Repression rechnen. Kurz nachdem ich 1993 mit einer Menschenrechtsdelegation durch das türkisch-kurdische Kriegsgebiet reiste (1), wurde unsere deutsch-kurdische Dolmetscherin Nilüfer in der Türkei verhaftet. Sie wurde gefoltert und kam erst nach einer internationalen Protestkampagne frei, an der sich auch die damalige CDU-Politikerin Rita Süssmuth, der Rektor der Uni Bremen und der Bremer Bürgermeister beteiligten. Sie berichtete anschliessend, dass einer ihrer Folterer damit geprahlt hat, dass er in Deutschland in „modernen Verhörmethoden“ ausgebildet worden sei. Während der Folterungen und Scheinhinrichtung wurde Nilüfer als „armenische Schlampe“ beschimpft.

Für türkische Faschisten sind Armenier das, was für deutsche Nazis Juden sind: „Untermenschen“, die man aus faschistischer Sicht demütigen und töten darf.

Worin sich türkische und andere Faschisten einig sind, ist zudem ihr Hass auf Homosexuelle. Nachdem das Internetportal MünsterTube am 24. Januar 2018 ein Statement von mir zum Afrin-Krieg veröffentlicht hat (2), kommentierte das der homophobe „Graue Wolf“ Orhan Göksoy wie folgt: „Ich hoffe diese Terroristen löschen deine ganze Familie aus damit ihr SCHWUCHTELN merkt das das ein Angriff auf Terroristen gerichtet ist. Du bist nur ne Lachnummer.“ [Fehler im Original]

Wer, wie der türkische Staat, die Geschichte des Genozids an den Armeniern leugnet, der droht indirekt auch mit weiteren Massakern.

Seit vielen Jahren richtet sich diese türkisch-nationalistische Drohung vor allem gegen Kurden und Eziden.

Am 20. Januar 2018 begann der unter anderem mit Leopard-2-Panzern aus deutscher Produktion geführte Angriffskrieg der türkischen Armee gegen den bis dahin vom Krieg in Syrien weitgehend verschonten Kanton Afrin in Rojava/Nordsyrien. Afrin ist ungefähr so gross wie das Saarland. Hier leben unter kurdischer Selbstverwaltung etwa 800.000 Menschen, davon viele Eziden und etwa 400.000 Geflüchtete aus den syrischen Kriegsgebieten.

Unter Verhöhnung eines bekannten Friedenssymbols nennt das türkische Regime seinen Bombenterror „Olivenzweig Offensive“. Die türkische Armee wird bei dieser Invasion von Dschihadisten und Söldnern der sogenannten „Freien Syrischen Armee“ unterstützt. Tatsächlich wird bei diesem gegen die basisdemokratische Selbstverwaltung in Afrin gerichteten Angriffskrieg eine Symbiose aus extremem Nationalismus und Islamismus sichtbar. Auf Fotos zeigen türkische Soldaten sowohl den faschistischen „Wolfsgruss“ der „Grauen Wölfe“ als auch „Rabia“, das islamistische Handzeichen (siehe Foto auf dieser Seite). Diese Symbiose kommt nicht von ungefähr. Das AKP-Regime hat eine in der früher laizistischen Türkei unvorstellbare Islamisierung vorangetrieben, schreckt aber auch nicht davor zurück den extremen Nationalismus, wie er auch von der faschistischen MHP verbreitet wird, zu füttern.

Erdogan träumt von der Wiederauferstehung des Osmanischen Reiches unter seiner Führung. Er sieht sich als Sultan in der Tradition derjenigen, die auch den Genozid an den Armeniern zu verantworten haben.

Dafür braucht er eine gleichgeschaltete Presse, eine willfährige Justiz, sowie deutsche Panzer und andere Waffen. Die 400 Leopard-1-Panzer und 352 Leopard-2-Panzer, die Deutschland in den letzten Jahren seinem NATO-Partner verkauft hat, sind nur die Spitze des Eisbergs. Das AKP-Regime plant u.a. den Bau einer deutsch-türkischen Rheinmetall-Fabrik, in der direkt in der Türkei über 1000 Panzer (für weitere Invasionspläne) gebaut werden sollen. Die Türkei unterhält nach den USA die zweitgrösste NATO-Armee, die insbesondere für die Kurden in der Türkei und Syrien eine existentielle Bedrohung darstellt.

Türkische Nationalisten hetzen für den Krieg: „Syrien soll brennen, Afrin soll zerstört werden“

Durch die Bodenoffensiven und Luftangriffe sind seit Beginn der Invasion bereits Hunderte Menschen, vor allem Frauen und Kinder, ums Leben gekommen und verletzt worden. Tausende Menschen wurden traumatisiert und sind auf der Flucht.

Abgesehen von der linken kurdischen HDP unterstützen dennoch alle Parteien des türkischen Parlaments diesen Angriffskrieg. Durch die vom Regime weitgehend gleichgeschalteten Medien wird ein extremer Nationalismus und Hass auf die kurdischen „Terroristen“ propagiert. Ismail Küpeli beschreibt im Neuen Deutschland vom 13.2.2018:

„Wer in einer solchen politischen Atmosphäre dennoch versucht, Kritik am Krieg zu üben, muss mit einer Festnahme oder sonstigen repressiven Reaktionen rechnen. Das türkische Innenministerium gab jetzt bekannt, dass 474 Menschen wegen kritischen Äusserungen in Sozialen Medien und 192 Menschen bei Protesten gegen den Krieg festgenommen wurden. Selbst sehr zurückhaltende Kritik am Krieg, wie etwa die Äusserung der Ärztevereinigung TBB, dass der Krieg ein ‚Problem für die öffentliche Gesundheit‘ sei, führte zu der Festnahme der Führungsspitze der TBB. Inzwischen wird über die Zerschlagung der TBB debattiert und der Verband als ‚anti-türkisch‘ diffamiert.“ (3):

Umfragen zu folge, begrüssen angeblich über 80 Prozent der türkischen Bevölkerung die Militäroperation.

Der Politikwissenschaftler Küpeli beschreibt wie in den Sozialen Medien Kampagnen initiiert werden, die dazu dienen, sich mit den türkischen Soldaten zu solidarisieren und die in Afrin lebenden Menschen als „Terroristen“ zu verunglimpfen.

In den letzten Tagen habe sich herausgestellt, dass die türkische Armee bei der Afrin-Offensive deutlich höhere Verluste erleide, als bisher bekannt gegeben. Daraufhin sei eine Social-Media-Kampagne ins Rollen gekommen, die den Glauben an eine Bevölkerungsmehrheit, die eigentlich gegen den Krieg sei, erschüttere. Küpeli: „Das Kampagnen-Hashtag #YansinSuriyeYikilsinAfrin (‚Syrien soll brennen, Afrin soll zerstört werden‘) erreichte auf Twitter weltweit Platz zwei und blieb in der Türkei recht lange stabil auf Platz eins. Eine der häufigen Forderungen bei dieser Twitter-Kampagne ist: ‚Tas üstünde tas omuz üstünde bas kalmamali‘ (‚Keinen Stein auf dem anderen, keinen Kopf auf den Schultern lassen‘); also die totale Zerstörung und Tötung aller Menschen in Afrin.

Wenn solche Forderungen nach Massenmord so breit öffentlich akzeptiert werden, dann fehlt nicht viel bis zum Genozid.“

Hanover Havaalanı’nda Afrin Kavgası-4.jpg

Wer darauf setze, einen gerechten und nachhaltigen Frieden in der „kurdischen Frage“ zu erreichen, müsse sich laut Küpeli mit dem zentralen Problem auseinandersetzen, dass derzeit in der türkischen Bevölkerung keine Mehrheit für einen Frieden existiert.

„Vielmehr erstarken jene Stimmen, die Tod und Vernichtung fordern – wieder einmal, wie vor 100 Jahren. Ziya Gökalp, der Chefideologe der türkischen Nationalisten, dichtete 1912:

‚Kein Stein soll auf dem anderen liegen, warte nicht, zerschlag sie. Mit [abgeschlagenen] Köpfen sollen die Wege geebnet werden Vergiss nicht, du bist der Sohn von Attila [Herrscher der Hunnen]‘

Drei Jahre später folgte der Genozid an den Armeniern im Osmanischen Reich unter der Führung türkischer Nationalisten. (…) Den Weg dorthin haben auch solche Texte geebnet.“

Es sei sicher kein Zufall, dass das Gedicht von Ziya Gökalp jetzt immer wieder unter dem Hashtag #YansinSuriyeYikilsinAfrin („Syrien soll brennen, Afrin soll zerstört werden“) zitiert wird, so Küpeli. „Die Ideologie, die für die Taten damals verantwortlich war, ist nicht verschwunden. Sie wirkt auch heute und ebnet wieder den Weg für Tod und Vernichtung.“

Krieg gegen Frauen

Die feministisch-pazifistische Kampagne „Frauen und Frauenorganisationen für einen Frieden in Afrin/Nordsyrien“ schreibt in einer Presseerklärung (4) vom 23. Februar 2018, dass die Türkei – wie in all ihren Angriffen gegenüber der kurdischen Bevölkerung und Andersdenkenden – psychologisch wie militärisch einen besonderen Krieg gegenüber Frauen und Mädchen führe: „So wurde Barîn Kobanê, die in die Hände der türkischen Armee und ihrer Verbündeten fiel, von Mitgliedern jihadistischer Truppen gefoltert, ihre Brüste abgeschnitten und ihr entblösster Leichnam durch Videoaufnahmen auf sozialen Medien verbreitet.“

Mittlerweile habe die Türkei auch angefangen, andere Städte Nordsyriens anzugreifen. Neben ZivilistInnen würden vor allem auch kulturelle und historische Stätten bombardiert wie Kirchen, Moscheen, heilige ezidische Stätten oder die über 3000 Jahre alte hethitische Tempelanlage Ain Dara. Zudem würden tausende Olivenbäume, die ein Symbol und die Lebensgrundlage der Region sind, durch den Besatzungsversuch zerstört.

Insbesondere seien ezidische Dörfer nahe der türkischen Grenze von den Angriffen betroffen: „Die ezidische Gemeinschaft betrachtet diesen Angriff als einen weiteren Genozid, den somit 74. in ihrer Geschichte. Der 73. Genozid vom 3.8.2014 in Shengal dauert, auch laut einem UN Bericht, noch an. Dabei wurden hunderte EzidInnen hingerichtet, Tausende Frauen und Kinder verschleppt. Von vielen von ihnen fehlt bis heute jegliche Spur. Die Bundesregierung schweigt zu den völkerrechtswidrigen Angriffen der Türkei.“

Der Bundesrepublik komme aufgrund ihrer politischen Rolle in der EU und der internationalen Gemeinschaft, durch ihre langjährige Partnerschaft mit der Türkei eine besondere Verantwortung zu, so die Feministinnen.

Frauen hätten sowohl den Kampf gegen den IS angeführt, als auch in der Arbeit zur Stabilisierung der Gesellschaft eine Vorreiterinnenrolle gespielt.

„Sie haben hunderte von Ezidinnen, tausende Frauen und Kinder aus der IS-Gefangenschaft befreit oder davor bewahrt und sind zum Symbol des Widerstandes geworden. (…) Sie haben Versorgungssysteme für Flüchtlinge und von Armut betroffene Familien eingerichtet, ein Bildungssystem, eine Gesundheitsversorgung und Frauenkooperativen aufgebaut.“

All dies könne mit dem Angriff der Türkei auf Nordsyrien wieder zerstört werden, so die Pazifistinnen: „Es drohen ein Genozid und die Zerstörung von Lebensbedingungen, die Menschen in die Flucht zwingen werden.“

Die Pazifistin Dorothee Sölle (1929-2003) bleibt aktuell: „Frei werden wir erst, wenn wir uns mit dem Leben verbünden gegen die Todesproduktion und die permanente Tötungsvorbereitung. Frei werden wir weder durch Rückzug ins Private, ins ‚Ohne mich‘, noch durch Anpassung an die Gesellschaft, in der Generäle und Millionäre besonders hochgeachtet werden. Frei werden wir, wenn wir aktiv, bewusst und militant für den Frieden arbeiten lernen.“

Bernd Drücke / Artikel aus: Graswurzelrevolution Nr. 427, März 2018, www.graswurzel.net

Fussnoten:

(1) Siehe: Bernd Drücke: Serxwebun! Gesellschaft, Kultur und Geschichte Kurdistans, Edition Blackbox, Bielefeld 1998

(2) Siehe MünsterTube: https://www.youtube.com/watch?v=LYD2P29gY6o

Kudistan-aktuell-Radiosendung zu Afrin u.a. mit GWR-Redakteur Bernd Drücke: https://beta.nrwision.de/mediathek/kurdistan-aktuell-angriffskrieg-der-tuerkei-gegen-die-kurd-innen-in-afrin-180131/

(3) https://www.neues-deutschland.de/ausgabe/2018-02-1313.02.2018

(4) Die ungekürzte Presseerklärung erscheint voraussichtlich auf www.graswurzel.net/news

Soweit nicht anders angegeben und keine genauere Quellenangabe vorhanden ist, gilt für die Texte auf dieser Website eine Creative Commons Lizenz (CC).

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Grafikquellen   :

Oben    —       Truppenbewegungen im Rahmen der «Operation Olivenzweig». Panzer der türkischen Armee auf der Strasse nach Afrin, Januar 2018. / VOA Türkçe (PD)

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2.) von Oben     —  

Türkeitreue FSA Kämpfer am 25. Januar 2018.

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Laden für entsorgte Waren

Erstellt von DL-Redaktion am 7. März 2018

„Abartig, wie viel Essen weggeschmissen wird“

Von

Ein Geschäft in Berlin füllt seine Regale mit Lebensmitteln, die Supermärkte nicht mehr haben wollen. Der Betreiber Raphael Fellmer hat große Ideen, die örtliche Tafel sieht seinen Plan kritisch.

Die Salatgurken sind zu krumm, die Kartoffeln zu klein, die Möhren zu verwachsen. Was in dem Lebensmittelladen SirPlus im Berliner Stadtteil Charlottenburg in den Regalen liegt, nehmen Supermärkte den Landwirten normalerweise nicht ab. Das Gemüse landet auf dem Müll.

 „Das ist eine riesige Verschwendung“, sagt Raphael Fellmer, Betreiber von SirPlus. Der 47-Jährige kauft deshalb für kleines Geld non-konformes Obst und Gemüse auf verkauft es zu Dumping-Preisen weiter. Die Schale Himbeeren gibt es für 50 Cent, eine Kiste mit reifen Mangos und Kakifrüchten für fünf Euro.

Zusätzlich kauft Fellmer zu einem Bruchteil des üblichen Einkaufspreises Kekse, Nudeln, Tee, Safttüten und alle anderen möglichen Lebensmittel auf, die Großhändler, Supermärkte oder andere Firmen nicht mehr haben wollen. Er ist fortwährend auf der Suche nach neuer Ware, neuen Lieferanten. „Nach der AirBerlin-Pleite hatte die Fluggesellschaft 70.000 kleine Chipstüten übrig“, sagt Fellmer und zeigt auf ein Regal. „Die stehen jetzt bei uns.“

Aktivist, „Mülltaucher“, Talkshowgast

Geld verdienen mit Ausschussware – das klingt nach einer genialen Geschäftsidee. Aber Fellmer wirkt so gar nicht wie einer, der auf Gewinne aus wäre. Einige kennen den Mann, der die grauen Haare zum Zopf gebunden hat und jeden neuen Besucher mit einer Umarmung begrüßt, als Buchautor und Talkshow-Gast. Vor einigen Jahren machte er mit einem „Geldstreik“ von sich reden – aus Protest gegen Auswüchse von Kapitalismus, Globalisierung und Umweltzerstörung.

Er erzählt, wie er nach Südamerika trampte statt zu fliegen. Wie er abgelegte Klamotten von Freunden trug, in leerstehenden Wohnungen wohnte und sich von Lebensmitteln ernährte, die Supermärkte aussortiert hatten. „Ich habe jahrelang nur aus der Tonne gelebt.“

Der 47-Jährige machte sich den Kampf gegen die Verschwendung von Essen schließlich zur Lebensaufgabe. Mit anderen Aktivisten habe er die Foodsharing-Bewegung in Deutschland initiiert, sagt er. Die Idee: Noch genießbare Lebensmittel vor den Müllhalden der Überfluss-Gesellschaft bewahren, Lebensmittel-Retter werden.

Konsumverhalten befördert Wegwerf-Kultur

Nach Schätzungen der Deutschen Umwelthilfe landen in Deutschland jedes Jahr rund 18 Millionen Tonnen Lebensmittel im Abfall. Das Bundeszentrum für Ernährung geht von elf Millionen Tonnen aus. Geschätzter Wert: mehr als 20 Milliarden Euro. Mehr als die Hälfte der Lebensmittel wird den Angaben zufolge in Privathaushalten weggeworfen. Der Rest entfällt auf Industrie, Handel und Großverbraucher.

Quelle   :      Spiegel      >>>>>       weiterlesen

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Grafikquelle    :    Produkte, die nur für den schnellen Konsum bestimmt sind in einem Schaufenster

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Ich glaub, es hackt!

Erstellt von DL-Redaktion am 7. März 2018

Ein Experte bei der Tagesschau

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/d/dc/Tagesschau_logoen_2013-07-11_13-56.jpg

Rationalgalerie

Autor: U. Gellermann

Aufregung in der Tagesschau-Redaktion: Ein düsterer Mann mit einem grobmaschigen Einkaufsnetz betritt das Haus. Doktor Gniffke, Chefredakteur von ARD-aktuell, stellt ihn vor: „Meine Damen und Herren, darf ich Ihnen Herrn Hannes Hack präsentieren. Schon an seinem Netz ist er als Experte zu erkennen. Wie sie wissen, lasse ich all unsere Nachrichten durch Experten absichern. Herr Hack hat lange über die Hack-Ordnung in bürokratischen Systemen gearbeitet, weiß also, wo oben und unten ist. Genauer: Er weiß, dass ich immer Recht habe. Deshalb ist die dpa-Meldung über russische Hacker im deutschen Netz bei ihm zur Begutachtung gelandet. In seinem Werk ‚Die russische Netzhaut blickt anders‘ wußte Hannes Hack zu sagen, dass der Russe als solcher gern in Netze eindringt, weil er immer Schlupflöcher sucht. Wie anders sollte er sich sonst auch aus seiner europäischen Randlage rauswinden. Meist nimmt der Russe alle Schlupflöcher mit, die er findet und gibt sie nie zurück. Da steht er in der Tradition seiner Vorväter, die uns damals, bei Stalingrad zum Beispiel, überfallen hatten, um unseren Vätern die Uhren zu klauen. Das hatte in Deutschland einen schweren Zeitmangel zur Folge, der auch dazu führte, dass wir bei der Tagesschau bis heute nur 15 Minuten zum Erklären der Welt zur Verfügung haben. Bitte Herr Hack, sprechen Sie!“

Hannes Hack schiebt seine dunkle Brille auf die Nase: „Hacken ist eine Kunst, und die ist nicht umsunst, was lange hackt, wird endlich gut!“ Lähmendes Entsetzen breitet sich in der Redaktion aus. Noch im Fliehen ruft einer der Mitarbeiter aus: „Ich glaub, es hackt.“

Programmbeschwerde
Die Hacker sind immer Russen

http://www.tagesschau.de/multimedia/sendung/ts-24379.html

Sehr geehrte Rundfunkräte,

ARD-aktuell ist gemäß Rundfunkstaatsvertrag und NDR-Staatsvertrag bekanntlich gehalten, nach „anerkannten journalistischen Grundsätzen“ zu arbeiten. Zu ihnen zählt, sachlich zu informieren und Einseitigkeiten, Parteilichkeit, Spekulation, bloße Verdächtigung etc. strikt zu vermeiden. Betrachten Sie bitte unter diesem Aspekt den Aufmacher der Tagesschau, 2o Uhr, am 28. Februar:

„Russische Hacker haben offenbar erfolgreich Datennetze der Bundesregierung angegriffen. Der Gruppe soll es im vergangenen Jahr gelungen sein, Schadstoffsoftware einzuschleusen und Daten auszulesen. Dies berichtet die Deutsche Presseagentur unter Berufung auf Sicherheitskreise. Betroffen gewesen seien das Außen- und das Verteidigungsministerium. Der Angriff habe sich möglicherweise über einen längeren Zeitraum erstreckt. Das Bundesinnenministerium bestätigte einen entsprechenden Sicherheitsvorfall, der inzwischen unter Kontrolle gebracht worden sei. Weitere Details wurden nicht genannt.“

„Russische Hacker haben …“ Eine blanke Vermutung mutiert bei ARD-aktuell zu einer Tatsache. Und zwar unter Berufung auf nicht konkret genannte „Sicherheitskreise“, das Ganze einfach nur abgekupfert von dpa. „Sicherheitskreise“ sind fraglos keine neutrale Quelle; zu ihnen und ihren Behauptungen wahrt der anständige, seinen Grundsätzen verpflichtete Journalismus größtmögliche Distanz.

Für die ARD-aktuell gilt das erweislich nicht. Sie unterlässt sogar den Hinweis, dass es für die Angaben der „Sicherheitskreise“ keine Bestätigung gibt, was zu einem Minimum an Sachlichkeit dazugehört hätte.

Ein vertretbares Beispiel für seriösere Darstellung macht kenntlich, dass bei ARD-aktuell wieder einmal die antirussischen Reflexe durchschlugen und den journalistischen Restanstand in die Kanalisation wegspülten:
„Den Sicherheitskreisen zufolge wird der erfolgreiche Angriff der Hackergruppe „APT 28“ zugeschrieben, bestätigt ist das aber noch nicht. Die auch als „Fancy Bear“ bekannte Hackergruppe wird russischen Regierungskreisen zugerechnet ….“ Quelle: https://netzpolitik.org/2018/angriff-auf-regierungsnetz-bundesregierung-bestaetigt-dass-sicheres-regierungsnetz-unsicher-ist/

Bis in die Hirne der ARD-aktuell-Besatzung scheint noch nicht vorgedrungen zu sein, dass von Geheimdiensten ausgeführte Hackerangriffe sich nicht auf die Urheber zurückführen lassen. Dafür fehlen bisher die technologischen Fähigkeiten. Es bleibt nichts weiter als Verdacht; die Beweislosigkeit der Debatte um angebliche russische Einmischung in den US-Wahlkampf sollte jedem verständigen Redakteur bewusst geblieben sein.

In Hamburg ist nicht nur die Zentralredaktion der ARD-aktuell ansässig, sondern auch der „Chaos Computer Club“, ein Verband anerkannter Cyber-Experten. Auf die Idee, das Telefon hochzunehmen und wegen der Nachrichten der dpa die Computer-Fachleute nebenan zu befragen, ist offenbar keiner der begnadeten Qualitätsjournalisten in Chefredakteur Dr. Gniffkes ARD-aktuell-Truppe gekommen.

Felix v. Leitner, einer der führenden Köpfe des Verbandes, hätte dazu beitragen können, keine derart vorschnellen Behauptungen in die Welt zu setzen, wie ARD-aktuell sich das erlaubte. Es hat den Anschein, dass eine solche Versachlichung aber auch gar nicht gewünscht war. So blieb es dem CCC-Mann vorbehalten, unter Hinweis auf die „russischen Hacker“ zu spotten:

„Gut, dass sie keine peinlichen Geheimnisse finden konnten, weil unsere Regierung nicht genug gearbeitet hat, um peinliche Geheimnisse zu produzieren.“
Als „Lacher am Rande“ notierte v. Leitner die dpa-Formulierung „Ausländische Hacker sind nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur in das bislang als sicher geltende Datennetzwerk des Bundes und der Sicherheitsbehörden eingedrungen.“ Der Kommentar des Experten zu diesem Blödsinn:

„Wer zu irgendeinem Netz annimmt, es sei schon sicher, ist inkompetent und sollte gefeuert werden. Erst Recht, wenn das Netz von einem externen Dienstleister betrieben wird, wie T-Systems in diesem Fall.“

Und zu den haltlosen Verdächtigungen nach dem Muster „immer droht der Russe“:
„Die Angreifer sollen Sicherheitskreisen zufolge der Gruppe „APT28“ angehören, die viele Fachleute russischen Regierungsstellen zurechnen. Äh, nein. Schlangenöl-Verkäufer mit Panikschürmotiv verbreiten Ammenmärchen. Niemand hat da irgendwas zuordnen können. Es gibt da bloß unbelastbares Hörensagen aus nicht ernstzunehmenden Quellen mit kommerziellem Panikschürhintergrund. Was für eine Farce mal wieder. (…)“ Quelle: http://blog.fefe.de/?ts=a4681be4

Sehr geehrte Rundfunkräte, gegen dummdreisten Pseudo-Journalismus, der sich nur drauf versteht, agitatorischen Schwachsinn der dpa abzukupfern, sollten Sie bei ARD-aktuell einschreiten. Es bieten sich folgende Formeln für ein Richtigstellungsverlangen an:

„US-amerikanische Hacker haben offenbar erfolgreich Datennetze der Bundesregierung…“
„Britische Hacker haben offenbar erfolgreich Datennetze der Bundesregierung…“
„Neuseeländische Hacker haben offenbar erfolgreich Datennetze der Bundesregierung…“
„Australische Hacker haben offenbar erfolgreich Datennetze der Bundesregierung…“
Das ist Ihnen zu blöd? Na dann weisen Sie doch den Chefredakteur Dr. Gniffke darauf hin, dass anständiger Journalismus folgende Formulierung zustande gebracht hätte:

„Unbekannte Hacker haben angeblich Datennetze der Bundesregierung angegriffen. Im vergangenen Jahr soll es ihnen gelungen sein, Schadstoffsoftware einzuschleusen und Daten auszulesen. Dies berichtet die Deutsche Presseagentur unter Berufung auf Sicherheitskreise. Betroffen gewesen seien das Außen- und das Verteidigungsministerium. Der Angriff habe sich möglicherweise über einen längeren Zeitraum erstreckt. Das Bundesinnenministerium bestätigte einen entsprechenden Sicherheitsvorfall, der inzwischen unter Kontrolle gebracht worden sei. Weitere Details wurden nicht genannt…“

Die antirussisch infizierte Schwachsinnsmeldung der dpa wäre, wie man sieht, mit wenigen Eingriffen in eine seriöse Nachricht zu verwandeln gewesen. Dazu langt es offenbar bei ARD-aktuell nicht mehr. Der Verstoß gegen die Programmrichtlinien gem. § 11e I (3) (b) RfStV sowie gegen §§ 5,7, und 8 NDR-StV ist nicht zu leugnen.

Mit freundlichen Grüßen

V. Bräutigam    F. Klinkhammer

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Grafikquelle   :      User:Sogndal 123Eigenes Werk

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Debatte Nachhaltigkeit

Erstellt von DL-Redaktion am 7. März 2018

Verzicht ist die neue Freiheit

Bildergebnis für Wikimedia Commons Bilder Verzicht auf Auto

Von Urike Fokken

Die Alternative zum Auto ist nicht das Elektroauto. Die ökologische Lösung heißt: gar kein Auto. Wollen wir die Welt verbessern, müssen wir uns lösen.

Verzicht spielt sich erst mal im Hirn ab. Und da bleibt er dann stecken. Kollektiv betrachtet scheinen die meisten Menschen den Verzicht gedanklich in jenen Gehirnregionen zu bewegen, in denen die Angst die Schaltflächen besetzt. Bei den meisten Leuten löst Verzicht ein panisches Flackern in den Gesichtszügen aus. Nicht einmal die Umweltschutzverbände oder die Grünen sprechen das Wort aus. Die Angst ist zu groß, damit SpenderInnen oder WählerInnen zu verprellen.

Lieber erzählen sie den Leuten, dass mit unserer Wirtschaft in Grün alles gut wird. So wie mit dem Elektroauto, weil dann alle sauber fahren. Mit sauberer Windenergie. Als wenn die schon existierenden Autos einfach mit einem recycelten Elektromotor ausgestattet würden und auch die anderen technischen Errungenschaften unseres schönen Lebens in Wohlstand einfach so, schwuppdiwupp, naturverträglich umgebaut werden. In Bioplastik aus Mais.

Verzicht erscheint als Aussicht, freiwillig zu kurz zu kommen, also zu den Abgehängten zu gehören. Und schon die Möglichkeit, etwas nicht zu bekommen, das einem zusteht, weil man das Geld dafür hat, frustriert das Belohnungssystem. In diesen kollektiven Horror Vacui will sich keine Partei begeben.

Die Leute leisten sich das neue Paar Schuhe oder den Flug nach Barcelona übers Wochenende, weil sie sich das verdient haben. So wie die Brötchen am Sonntagmorgen. Zwölf Kilometer zum nächsten Bäcker war meine Nachbarin, so Ende 50, dafür gefahren. Hin. Und zurück noch mal zwölf Kilometer durch Wald und Felder Brandenburgs. „Ich will nicht verzichten“, sagte sie, und es hörte sich an wie „Ich bin doch nicht blöd“.

File:Eichhörnchen Düsseldorf Hofgarten edit.jpg

Fehlt hier was ?

Öko und fair gehandelt ist natürlich besser als pestizidverseucht und ausgebeutet. Aber wir können uns doch nicht allen Ernstes einreden, dass wir den Klimawandel oder das Artensterben damit abwenden, dass wir öko konsumieren. Unser kollektiver Lebensstil der vergangenen 200 Jahre hat Katastrophen ausgelöst, die wir auch mit nachhaltigem, grünem Öko-Lifestyle nicht mehr einholen. Die Alternative zum eigenen Auto ist eben nicht das Elektroauto. Die ökologisch vertretbare Alternative heißt gar kein Auto.

Das Elektroauto ist eine 1,5 Tonnen schwere Blechkiste

Das Auto eignet sich so wunderbar zum Symbol des Verzichts, weil das Gesellschaftsmodell Deutschlands und große Teile der hiesigen Wirtschaft auf dem Auto aufbauen. Das Auto ist deswegen der Normfaktor einer Gesellschaft, die an Eigenheim, Vollzeitarbeitsplatz, Schweinebraten glaubt. Wer ein Auto besitzt, bekennt sich zum Normalen.

Das Elektroauto gilt gesellschaftlich noch immer als gewagt, denn ihm haftet das Image von technischem Aufbruch, von energetischer Alternative an. Es bleibt aber eine 1,5 Tonnen schwere Blechkiste, die zu viele Ressourcen bindet, um damit ökologisch verträglich ein oder zwei Menschen zu befördern.

Quelle    :      TAZ          >>>>>           weiterlesen

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Grafikquellen  :

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CC BY 2.0

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Unten    —   Eichhörnchen Düsseldorf Hofgarten

Eichhörnchen (Sciurus vulgaris) mit ausgeprägten winterlichen Ohrpinseln im Düsseldorfer Hofgarten.
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Source Photograph by Ray eye
Author Ray eye
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DL – Tagesticker 07.03.18

Erstellt von DL-Redaktion am 7. März 2018

Direkt eingeflogen mit unseren  Hubschrappschrap

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War Donald Trump denn wirklich so guuut beraten, wie wir jetzt immer häufiger lesen können? Sollten diese Experten denn wirklich mehr auf den Kasten haben, als unsere Hohlköpfe mit all ihren Dr. oder Professoren Titeln? Die Kinder unserer Kinder, in sagen wir einmal ca. 100 Jahren, werden es vielleicht beurteilen können, sofern man sich dieser Experten erinnert!

Top-Berater

1.) Die Botschaft, die hinter Gary Cohns Rückzug steckt

Es begann mit einer kleinen Geste, eingefangen von einer Handykamera. Im Sommer des vergangenen Jahres hielt Donald Trump in New York eine Rede, in der er über die Ereignisse in der Kleinstadt Charlottesville sprach. Dort hatten gerade Rechtsextreme protestiert, die Lage war außer Kontrolle geraten, eine Frau gestorben. Gary Cohn stand während Trumps Auftritt hinter der Bühne, er fühlte sich unbeobachtet. Als der Präsident die Gewalt verherrlichte, schüttelte Cohn den Kopf, ganz leicht. Zum ersten Mal wurde den Amerikanern in jener Sekunde etwas bewusst: Zwischen Trump und Cohn, merkten sie, stimmt wohl etwas nicht.

Die Welt

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Brille : Fielmann – mit den richtigen Durchblick wäre ihr das nicht passiert ? Warum nur werden ehemalige Berater von Trump so hoch gelobt. Lässt es sich dann über die Trump Eskapaden leichter lachen ? Alice Weidel? – wartet erst einmal ab, bis Diese mit den auch  Hipstern Sahra und Jens zum sammeln aufruft – nicht nur politisch !

Treffen mit Trumps Ex-Berater :

2.) Alice Weidel holt sich Tipps bei Steve Bannon

Kryptowährungen sind nach Ansicht von Steve Bannon ein wichtiges Werkzeug für die europäische Bewegung gegen das Establishment. „Wir nehmen den Zentralbanken die Kontrolle weg“, sagte der ehemalige Chefstratege von US-Präsident Donald Trump in Zürich. „Das wird uns wieder die Macht geben.“

Zeit-online

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Trump ließ sich von Bannon und Cohns beraten – Gabriel von seiner Tochter! Wer sieht da einen Unterschied? Ja, in der Körpergröße vielleicht!

UN-Paket zu Menschenrechtsnormen

3.) Deutschland blockiert Abkommen

Keine Einsicht, kein Entgegenkommen: Die Bundesregierung lehnt ein Abkommen der Vereinten Nationen mit verbindlichen Menschenrechtsnormen für transnationale Konzerne und andere Unternehmen weiterhin ab und bemüht sich mit ihren EU-Partnern um einen Abbruch der Verhandlungen im UN-Menschenrechtsrat. Treiber für die ablehnende Haltung Berlins ist das derzeit noch von SPD-Minister Sigmar Gabriel geführte Außenministerium. Unterstützt wird die Ablehnung zudem von den Ressorts Entwicklung, Wirtschaft, Justiz sowie Arbeit und Soziales.

TAZ

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Sollte er über den kleinen Gnom Oskar wirklich hinauswachsen können?

SPD-Minister

4.) Wird Maas wirklich Außenminister?

Derzeit gibt es noch fünf geschäftsführende SPD-Minister. In Zukunft werden die Sozialdemokraten sechs Kabinettsposten besetzen, darunter das wichtige Finanzressort. So steht es im neuen Koalitionsvertrag. Und wie immer bei solchen Entscheidungen spielen allerlei Proporz-Regeln eine große Rolle. So sollen dem politischen Sextett auf jeden Fall drei Frauen angehören. Auch landsmannschaftliche Aspekte gilt es zu beachten. Und dann soll es auch jüngere Gesichter geben.

Saarbrücker-Zeitung

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Für einen Betrachter beginnt ein Loch immer aus seinen Augewinkel heraus. Die Tiefe des Loch kann er nur ahnen. Das Loch beginnt oben !!

Ostdeutsche an der Spitze der Gesellschaft

5.) Aufstieg gestoppt

Der Vorwurf: Der Osten kommt im Koalitionsvertrag kaum vor, auch fehlen bisher Minister aus den neuen Bundesländern. Wie gut ist der Osten in der Spitze der Gesellschaft vertreten?

Der Tagesspiegel

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Das wurde auch Zeit. Die Gülle Eimer werden nun aus dem Saarkland nach RLP verlagert.

Künftige Land­wirt­schafts­ministerin Klöckner

6.) Absprung aus Pirmasens

Landwirtschaft also. Es gibt glitzerndere und weitaus einflussreichere Ressorts in der Bundesregierung zu vergeben. Aber wer die designierte Ministerin Julia Klöckner in diesen Tagen trifft, kann leicht den Eindruck bekommen, es handele sich bei der Leitung dieses Ministeriums um das schönste Amt nach Papst. Mindestens.

Spiegel-online

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7.) Italien ist weg

Gondoliere, Mafia, Pizza, Dolce Vita – das alles gibt es seit heute nicht mehr, denn in der Nacht von Montag auf Dienstag ist Italien spurlos verschwunden. Warum und wohin der Mittelmeeranrainerstaat verschwunden ist, konnte bislang nicht geklärt werden

Der Postillon

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Hinweise und Anregungen nehmen wir gerne entgegen

Treu unserem Motto: Es gibt keine schlechte Presse, sondern nur unkritische Leser

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Grafikquelle: DL / privat – Wikimedia Commons – cc-by-sa-3.0

 

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