DEMOKRATISCH – LINKS

                      KRITISCHE INTERNET-ZEITUNG

RENTENANGST

Archiv für März 4th, 2018

Humboldt Uni – Berlin

Erstellt von DL-Redaktion am 4. März 2018

Dieser Mann soll schweigen

File:Humboldt-Universität zu Berlin 01.JPG

Aus Berlin Sabine Seifert

An der Berliner Humboldt-Universität geht eine trotzkistische Gruppierung gegen den Historiker Jörg Baberowski vor. Es passt ihnen nicht, was er denkt und sagt. Dahinter steht eine größere Frage: Gilt an den Universitäten die Meinungsfreiheit nicht mehr?

Lesen, was da steht. Hören, was gesagt wird. Sehen, was gezeigt wird. So fängt Geschichte an.“ Jörg Baberowski, Vorlesung „Hermeneutik und Geschichte“, 18. Oktober 2017

So fängt auch diese Geschichte an, die von einem Historiker handelt, Professor an der Berliner Humboldt-Universität, spezialisiert auf Osteuropa, Stalinismus- und Gewaltforscher mit jahrelanger Russland-Expertise, deswegen nicht nur als Russland-Experte gehandelt, sondern auch als Russland-Versteher beschimpft, was noch einer der milderen Vorwürfe gegen den schlanken Mann mit der dunklen Metallbrille ist, der an einem sonnigen Oktobermorgen im Herbst 2017 die Vorlesungsreihe zu „Hermeneutik und Geschichte“ eröffnet. Andere nennen ihn „rechtsradikal“, bezichtigen ihn der „Flüchtlingshetze“ oder der „Geschichtsfälschung“.

Der Hörsaal im alten Universitätshauptgebäude Unter den Linden hat Holzbänke und Klapppulte, durch die hohen Fenster zum Innenhof fällt der Blick auf Zinnen und klassizistische Skulpturen. Friderizianische Architektur, humboldtscher Geist, ein Ort, der die schlummernden Ideale einer zweckfreien Bildung wachruft. Die aufsteigenden Reihen des Hörsaals sind locker gefüllt, in den vorderen Bänken sitzt ein Trupp Altsemester. Der Baberowski-Fanclub, sie kommen immer. Das Knarren des Holzes stört, die nächste Vorlesung wird in einem modernen Hörsaal stattfinden. „Lesen ist immer deuten und interpretieren, den Sinngehalt entschlüsseln.“ Jörg Baberowskis Sätze sind klar, verständlich, schön, es sind Sätze zum Mitschreiben, Sätze, die etwas auslösen. „Verstehen ist der Modus unserer Existenz. Die Art, wie wir mit anderen in der Welt sind.“

Hermeneutik ist die Kunst der Auslegung, es geht um Regeln der Deutung, das Ringen um Verständnis, was jemand gemeint haben könnte. Was Generationen vor uns gedacht haben könnten. Das Verstehen ist, auch aufgrund unserer eigenen Geschichtlichkeit, begrenzt.

Das Thema dieser Vorlesung hat also viel mit Jörg Baberowski zu tun. Wenn man versuchen will, ihn zu verstehen; wenn man versuchen will zu verstehen, was ihm passiert ist; wenn man versuchen will zu verstehen, wie ihm die anderen begegnen. Gern entlässt er die Studenten mit einem Spruch. „Widerlegen Sie sich selbst, einmal am Tag, das tut gut“, sagt er. Das sagt sich so leicht. Vor allem, wenn es darum geht, dass man sich selbst widerlegt. Oder ist es schwieriger, von anderen in Frage gestellt zu werden?

„Dass wir verstehen, heißt nicht, dass wir auch richtig verstehen.“ 1. November 2017

Jörg Baberowski, Jahrgang 1961, kennt dieses Problem seit Jahren. Er fühlt sich oft missverstanden. Ähnlich wie sein Kollege, der Politikwissen­schaftler Herfried Münkler, der gleich nebenan im Hörsaal Unter den Linden über Kapitalismus referiert, ist der Historiker gezielter studentischer Kritik ausgesetzt. Münkler wurden wahlweise ­Militarismus, Chauvinismus, Gewaltverherr­lichung, eine einseitige Literaturauswahl in seinen Seminaren zum Vorwurf gemacht – Stu­denten äußerten diese Kritik anonym in einem Blog, dem Münkler-Watch, der inzwischen eingestellt ist; der Fall Jörg Baberowski liegt etwas anders.

Baberowski sieht sich in der Rolle dessen, der die Tugendwächter herausfordert

Die Kritik gegen den Berliner Historiker richtet sich nicht gegen seine Literaturlisten oder Lehrtätigkeit, sondern gegen seine publizistische Tätigkeit, er schreibt in der Neuen Zürcher Zeitung und der Basler Zeitung über deutsche und russische Geschichte, Flüchtlings- und Asylpolitik. Zu den Miteigentümern der Basler Zeitung in der Schweiz zählt der Rechtspopulist Christoph Blocher. Wer für den schreibt, ist in den Kreisen, die Baberowski kritisieren, verdächtig. Auf Twitter verbreitet er auch noch häufig Tweets von Leuten­ wie dem Pu­blizisten Roland Tichy, die sich „liberal-konservativ“ nennen, andere würden sagen: stramm rechts.

Igor Narskij und Jörg Baberowski Buchmesse 2014 (03).jpg

In Baberowski und Münkler trifft die Kritik zwei prominente Professoren, die das öffentliche Wort nicht scheuen und mit Medien umzugehen wissen; und in beiden Fällen ist auf studentischer Seite eine kleine linke Hochschulgruppe involviert, die Baberowski nur „die Sekte“ nennt. Anders als Münkler hat er versucht, juristisch gegen sie vorzugehen – mit mäßigem Erfolg.

Was dürfen Professoren? Was dürfen Studenten? Es geht in dieser Geschichte nicht allein darum, wie viel Kritik erlaubt ist, auf beiden Seiten – und wie viel Verständnis erforderlich. Die Universitäten waren bisher hierarchische Gefüge, in die das Internet und die Kultur der Drittmittel inzwischen weit vorgedrungen sind. Studierende evaluieren Professoren, in Deutschland anonym – in den USA sind sie da schon weiter. Sie kritisieren Literaturlisten als eurozentristisch oder zu männlich. Identitätsdiskurse, Postkolonialismus, Queer und Gender Studies stehen hoch im Kurs. Die Diskurse ändern sich, und die Diskurshoheit liegt nicht mehr nur bei den Lehrenden.

Wird die Uni demokratischer? Oder herrscht ein neuer Moralkodex, der sich unmerklich in Denk- und Sprechverboten niederschlägt und damit letztlich das Gegenteil erreicht?

In einem Büro- und Geschäftshaus an der ­Berliner Friedrichstraße befindet sich die Phi­losophische Fakultät der Humboldt-Uni. Eine graue Gegenwelt zum alten Hauptgebäude, dem auch das Studierendencafé „Exil“ mit seinen ausrangierten­ Sofas nicht viel Flair verleihen kann. Das Institut­ für Geschichtswissenschaften liegt im fünften Stock, grauer Teppich, braune Türen, verschachtelte, lange Gänge. Es ist mit zwanzig Professoren und Professorinnen vergleichsweise groß, etwa 1.500 Studierende sind hier eingeschrieben. „Ich habe kein Problem mit den Studenten“, sagt Jörg Baberowski in seinem Büro, das außer einem großen Schreibtisch mit einem Zeitschriftenstapel auch eine Sitzecke hat. „Die sind alle sehr nett. Die Stalker kommen nicht in meine Seminare, sie geben sich nicht zu erkennen.“

Überhaupt scheint das Institut ein Hort der Ruhe und Moderation zu sein. Hier hält Baberowski ein Masterseminar über „Politisches Denken in Russland“, heute geht es um Lenins Text „Was tun?“. Ein überraschend unmarxistisches Konzept, weil es die Idee des Berufsrevolutionärs propagierte, erklärt er. Die Diskussion im Seminarraum zwischen ihm und den etwa 20 überwiegend männlichen Anwesenden schleppt sich. Er fragt sehr pädagogisch, fast suggestiv; sie antworten freundlich, der schweigende Teil starrt auf den Text oder schreibt die Antworten mit. „Die meisten Studenten sind unpolitisch“, sagt Baberowski später. „Sie wissen nicht, was sie mit ihrem Leben anfangen sollen. Sie probieren sich aus.“ Und dann sagt er: „Es gibt keine Diskussionen, keinen Streit mehr an der Uni.“

„Aus der Geschichte können wir gar nichts lernen. Wir können allenfalls lernen, was man aus der Geschichte machen kann. Die Geschichte steht uns leider nicht zur Verfügung.“ 10. Januar 2018

Vor etwa vier Jahren begann das, was Baberowski seither verfolgt. Jahre, die ihm zugesetzt haben. „Mir ist viel klarer geworden, wie das System der Anpassung funktioniert“, sagt er. Seinen Ursprung hat der Streit in einem Vorfall von 2014, als Baberowski den britischen Historiker Robert­ Service in sein Kolloquium einlud, den Verfasser einer kritischen Trotzki-Biografie. Zu kritisch für die Hochschulgruppe International Youth and Students für Social Equality, abgekürzt IYSSE, die als Jugendorganisation der Sozialistischen Gleichheitspartei agiert. Die IYSSE protestierte gegen den geplanten Auftritt von Service, aus einem wissenschaftlichen Kolloquium drohte eine Art Tribunal zu werden, weshalb Baberowski das Treffen an einen geheimen Ort verlegte; seither herrscht Krieg zwischen der Gruppe und dem Berliner Historiker.

Der Konflikt eskalierte, als der Asta der Uni Bremen sich im Herbst 2016 gegen eine Einladung Baberowskis aussprach. Der Ring Christlich-Demokratischer Studenten und die Konrad-Adenau­er-Stiftung hatten ihn eingeladen, um sein Buch „Räume der Gewalt“ vorzustellen. Auf einem Flugblatt des Asta hieß es, Baberowski „rechtfertigte in der jüngeren Vergangenheit wiederholt gewalttätige Ausschreitungen gegen Geflüchtete und Anschläge auf deren Unterkünfte, bedient sich nationalistischen Vokabulars und vertritt rechtsradikale Positionen im politischen Streit um migrationspolitische Fragen“. Und: „Er steht der AfD in nichts nach.“

http://www.ndr.de/kultur/geschichte/chronologie/talare2_v-vierspaltig.jpg

Es fängt wieder zu stinken an und ich befürchte dass die 68ger Jahre wieder einer Auffrischung bedürfen ! Die Deutsche Großmachts – Mentalität erwacht und sucht unter den Kleinsten und Wehrlosesten welche,  die für Versager ihr Fell zur Verfügung stellen.

Auf diesem Flugblatt wurde auch ein Satz zitiert, den er auf dem Höhepunkt der „Flüchtlingskrise“ 2015 bei 3sat im Zusammenhang mit Gewalt gegen Flüchtlinge im sächsischen Heidenau sagte, und der ihm seither immer wieder vorgehalten wird: „Überall da, wo viele Menschen aus fremden Kontexten hinkommen und die Bevölkerung nicht eingebunden wird in die Regelung all dieser Probleme, da kommt es natürlich zu Aggression.“

Baberowski erwirkte eine einstweilige Verfügung gegen den Asta Bremen; bei der Verhandlung vor dem Landgericht Köln errang er einen Teilsieg; er sei sinnentstellend zitiert worden. Die Flugblattverfasser ließen nämlich weg, was Baberowski noch gesagt hatte: „Gott sei Dank ist in Deutschland noch niemand umgekommen.“ Die Brandanschläge seien schlimm genug, aber angesichts der Probleme Deutschlands mit der Einwanderung „ist es ja noch eher harmlos, was wir haben“. Nach Ansicht des Gerichts zeige das vollständige Zitat, dass Baberowski Gewalttaten ablehne und sie nicht als natürliche Reaktion von Bürgern ansehe. Dennoch sei es durch die Meinungsfreiheit gedeckt, ihm „rechtsradikale Positionen“ zu unterstellen.

Damit muss er seither leben, seine Klage zog er im Revisionsverfahren wegen einer drohenden Niederlage zurück. Und den Versuch, eine einstweilige Verfügung beim Landgericht Hamburg gegen die Sozialistische Gleichheitspartei zu erwirken, weil ihn diese notorisch der „Geschichtsfälschung“ bezichtigt, ließ er im November 2017 fallen.

Ist das keine Kampagne, kein versuchter Rufmord? „Er hat alle Möglichkeiten, sich zu wehren“, sagt Sven Wurm im Café Einstein, gegenüber vom Institut. Geht man auf seine Facebook-Seite, die zugleich die der IYSSE ist, rangiert der „Fall Baberowski“ zuoberst, mit zahlreichen Einträgen. „Das Internet ist doch kein einseitiges Medium“, sagt Wurm. „Umgekehrt ist es ja auch so, dass Professoren in Zeitungen mit hoher Auflage ihre Studierenden kritisieren. Die Anonymität des Münkler-Watchs war vollkommen legitim. Wir von der IYSSE sind allerdings immer offen aufgetreten.“

Quelle   :      TAZ      >>>>>      weiterlesen

Auch Lesenswert:

Unter den Professoren:

———————————————————————————–

Grafikquellen   :

Oben   —     Humboldt-Universität zu Berlin

Date
Source Own work
Author Dr. Bernd Gross

Licensing

I, the copyright holder of this work, hereby publish it under the following license:
w:en:Creative Commons
attribution share alike
This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

——————————————————-

Mitte    —     Igor Narskij und Jörg Baberowski auf der Frankfurter Buchmesse 2014

 

Abgelegt unter APO, Berlin, Medien, Überregional | 1 Kommentar »

Der Film – TrustWHO

Erstellt von DL-Redaktion am 4. März 2018

Wie krank ist die Weltgesundheitsorganisation?

File:Lilian & Robert.jpg

Lilian Franck with Robert Cibis

Quelle  :   Untergrundblättle

Nicole Sagener  film-rezensionen.de

Regisseurin Lilian Franck geht in „TrustWHO“ der Frage nach, ob das weltweite Vertrauen in die Weltgesundheitsorganisation gerechtfertigt ist. Für ihre Recherchen führt sie zahlreiche Interviews mit Verantwortlichen der UN-Organisation, ehemaligen WHO-Mitarbeitern und Kritikern und offenbart die tragische Situation der WHO.

Vertrauen ist ein lebenswichtiger Akt – aber auch ein riskanter. Schenkt man anderen sein Vertrauen, macht man sich verletzlich. Man könnte schliesslich benachteiligt, belogen oder betrogen werden. Gleichzeitig muss man ihnen trauen, den Taxifahrern, Architekten, Verkehrsplanern, Zahnärzten und Behörden dieser Welt. Doch was, wenn diese Erwartung enttäuscht wird?

Regisseurin Lilian Franck hat diese Frage mit Blick auf eine Organisation gestellt, der die meisten Menschen instinktiv wohl ihr volles Vertrauen aussprechen würden: die Weltgesundheitsorganisation. Eigentlich, das unterstreicht der Dokumentarfilm TrustWHO deutlich, sollte die WHO schliesslich das wichtigste Instrument sein, um die bestmögliche Gesundheitsversorgung zu gewährleisten. Die weltweite Hilfe beim Aufbau des Gesundheitswesens, der Kampf gegen Epidemien und die Vorsorge durch Impfprogramme sowie die Bereitstellung wichtiger Medikamente – das alles hat sich die UN-Sonderorganisation mit Sitz in Genf auf die Fahnen geschrieben.

Harsche Kritik nach der Fukushima-Katastrophe

Doch schon mehrfach stand die WHO, der 194 Mitgliedsstaaten angehören, in der Kritik. Da waren die unangemessene Panikmache während der Schweinegrippe-Pandemie im Jahr 2009 und das zu zögerliche Vorgehen gegen die Ebola-Epidemie im Kongo 2014. Besonders stark aber rüttelte das von manchen Experten als unverantwortlich kritisierte Vorgehen der WHO nach dem Reaktorunglück von Fukushima am Vertrauen in die Organisation.

Entsprechend wachsen die Bedenken: Wie unabhängig und vertrauenswürdig kann eine Organisation sein, die Verbindungen zu Konzernen aus Tabak-, Pharma- und Atomindustrie pflegt und keine Kritik an der japanischen Regierung äusserte, obwohl diese nach der Fukushima-Katastrophe bestimmte Gesundheitsrisiken offenbar verharmloste?

Für ihren Film hat Lilian Franck (Pianomania) ehemalige und aktuelle Verantwortliche der WHO, Whistleblower und Experten befragt. Durch Zähigkeit und aufwendige Recherchen bringt sie so ans Licht, dass Pharma-, Tabak- und Nuklearindustrie seit Jahren, zum Teil seit Jahrzehnten, versteckt Einfluss auf die WHO nehmen. Die mittlerweile vorrangig durch Spenden finanzierte Organisation, das wird deutlich, büsst offenbar zunehmend Geld, Unabhängigkeit und Transparenz ein – und läuft Gefahr, bald vollends zum Spielball von Konzernen zu werden.

Zu viel Nabelschau

Zweifellos sind die Recherchen eine beachtliche Leistung der Filmemacherin, die auch Produzentin der kürzlich erschienenen Dokumentation «Free Lunch Society» ist. Darin geht Regisseur Christian Tod der hochbrisanten Frage nach, ob ein bedingungsloses Grundeinkommen umsetzbar ist. Das Behandeln von Möglichkeiten, unfaire oder überholte Strukturen aufzubrechen und zu erneuern, das wird in beiden Filmen deutlich, liegt Franck am Herzen. Christian Tod ist das in Free Lunch Society auf ebenso unterhaltsame wie interessante und gekonnte Weise gelungen. Für Francks TrustWHO allerdings gilt das leider nur mit Einschränkungen.

Zu oft sieht man die Regisseurin selbst im Bild, zu häufig hört man ihre Fragen, ihre Bedenken, zu vieles wird kommentiert und erläutert, das man mit anderen filmischen Mitteln eleganter hätte vermitteln können. Leider kommt schnell der Verdacht auf, dass sich Frank etwas zu sehr selbst gefällt in ihrer investigativen Unnachgiebigkeit. Nabelschau, das zeigt sich hier wieder, sollte – wenn denn überhaupt genutzt – wohl dosiert werden. Ebenso, wie es der Einfluss von Industrie und Regierungen auf vermeintlich unabhängige Organisation sein sollte.

Trust WHO
Deutschland, Österreich 2017 – 85 min.

Regie: Lilian Franck
Drehbuch: Lilian Franck, Robert Cibis, Anja Neraal
Produktion: Robert Cibis
Kamera: Francesco Garbo
Schnitt: Anja Neraal

Dieser Artikel steht unter einer Creative Commons (CC BY-NC-SA 4.0) Lizenz.

Trailer auf YouTube     –   Klick

—————————————————————————————

Grafikquelle   :

Source Own work
Author OVALmedia

Licensing

I, the copyright holder of this work, hereby publish it under the following license:
w:en:Creative Commons
attribution share alike
This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International license.

 

Abgelegt unter Feuilleton, Gesundheitspolitik, International, Kultur | Keine Kommentare »

DIE LINKE: Torsten Krause

Erstellt von DL-Redaktion am 4. März 2018

Betrug mit Steuergeldern
Strafbefehl gegen Linke-Politiker Torsten Krause

WLP14-ri-0904- Diana Golze (Die Linke).jpg

Sozialministerin Diana Golze (Linke)

von Marion Kaufmann

Die Staatsanwaltschaft verdächtigt den Büroleiter von Sozialministerin Diana Golze (Linke), während seiner Zeit als Abgeordneter überhöhte Fahrtkosten von 70 000 Euro abgerechnet zu haben. Nun hat die Staatsanwaltschaft Strafbefehl gegen Torsten Krause erlassen.

Potsdam – Einem weiteren Brandenburger Linke-Politiker droht nach Betrugsvorwürfen im Zusammenhang mit seiner Parlamentariertätigkeit das Karriereaus. Die Staatsanwaltschaft Potsdam hat Strafbefehl gegen den früheren Landtagsabgeordneten und heutigen Büroleiter von Sozialministerin Diana Golze (Linke), Torsten Krause erlassen. Die Anklagebehörde fordert nach mehrjährigen Ermittlungen eine Bewährungsstrafe von zehn Monaten wegen Betrugs mit Steuergeldern. Krause wird verdächtigt, von 2005 bis 2012 durch Angabe eines falschen Wohnsitzes im uckermärkischen Lychen während seiner Zeit als Abgeordneter überhöhte Fahrtkosten von insgesamt 70 000 Euro abgerechnet zu haben, obwohl er überwiegend in Berlin gelebt habe. Lychen zählte zu seinem damaligen Wahlkreis. Zuerst hatte die „Bild“-Zeitung über den Strafbefehl berichtet.

Dieser sei eingegangen, bestätigte der Sprecher des Potsdamer Amtsgerichts, Oliver Kramm, auf PNN-Anfrage. Mit einer Entscheidung könne innerhalb der nächsten zwei Wochen gerechnet werden. Würde das Gericht dem Antrag folgen und Krause widersprechen, käme es zum Prozess vor dem Amtsgericht.

File:14-01-27-landtag-brandenburg-RalfR-006.jpg

2004 war Krause als parteiloser Kandidat noch der jüngste Abgeordneter im Brandenburger Landtag

Torsten Krause galt einmal als aufstrebender Jungpolitiker in Brandenburg. Von Juni 2001 bis Mai 2002 war er Mitglied der FDP in Potsdam. Der heute 36-Jährige wurde schließlich 2004 für die damalige PDS im Wahlkreis 10 (Uckermark III/Oberhavel IV) als parteiloser Kandidat direkt mit 34,7 Prozent der Erststimmen in den Brandenburger Landtag gewählt – als jüngster Abgeordneter. 2005 trat er der Linkspartei bei. Bei der Landtagswahl 2009 gewann er erneut das Direktmandat und übernahm zeitweise den Vorsitz des Ausschusses für Bildung, Jugend und Sport. Nach der Landtagswahl 2014 schied er aus dem Parlament aus und wurde Büroleiterin bei Parteikollegin Diana Golze, die Mitte März in einer weiblichen Doppelspitze Vorsitzende der Brandenburger Linken werden soll und für die eine Affäre im eigenen Haus deshalb politisch zur Unzeit kommt.

Quelle    :     Potsdamer       >>>>>    weiterlesen

———————————————————————————————

Grafikquelle       :

Oben  —   Diana Golze (Die Linke), MdB

Date
Source Own work
Author © Ralf Roletschek

This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported, 2.5 Generic, 2.0 Generic and 1.0 Generic license.

No Facebook.svg This file has been released under a license which is incompatible with Facebook’s licensing terms. It is not permitted to upload this file to Facebook.

 

 

 

Abgelegt unter Brandenburg, P. DIE LINKE, Überregional | Keine Kommentare »

Eilmeldung ! SPD für Groko

Erstellt von DL-Redaktion am 4. März 2018

Ergebnis des Mitgliedervotums SPD-Mitglieder stimmen für große Koalition

File:Sickbag-Speibsackerl.jpg

Nicht nur in Flugzeugen – Spuckbeutel

Die ganze Nacht wurden die Stimmen ausgezählt, jetzt gibt es Klarheit: Die SPD-Mitglieder sagen mehrheitlich „Ja“ zu einer neuen Groko.

Mit großer Mehrheit haben die Mitglieder der SPD für den Koalitionsvertrag mit der Union gestimmt und damit den Weg frei für eine neue große Koalition aus CDU, CSU und SPD gemacht. 66,02 Prozent der Genossen stimmten mit „Ja“, erklärte der SPD-Schatzmeister Dietmar Nietan am Sonntagvormittag in Berlin. Stimmberechtigt waren 463.722 SPD-Mitglieder.

Durch das Votum der SPD-Mitglieder zugunsten einer Neuauflage des Bündnisses kann sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am 14. März im Bundestag wieder zur Kanzlerin wählen lassen. Ein „Nein“ der Genossen hätte über kurz oder lang wohl zu Neuwahlen geführt.

Das Öffnen der unter Polizeischutz eingetroffenen Wahlbriefe hatte am Samstagabend im Willy-Brandt-Haus begonnen, der SPD-Zentrale. Der nach dem Rücktritt von Martin Schulz kommissarische Parteichef Olaf Scholz sprach von einer sehr hohen Beteiligung an dem Entscheid. Rund 120 SPD-Mitglieder aus ganz Deutschland zählten die ganze Nacht über die Wahlbriefe aus. Damit das Wahlgeheimnis gewahrt bleibt, mussten die Helfer ihre Telefone abgeben. Die Glasfront des Willy-Brandt-Hauses war flächendeckend mit Sichtschutzfolie abgeklebt.

Quelle    :       Der Tagesspiegel       >>>>>         weiterlesen

——————————————————————————————-

Grafikquelle   :

Speibsackerl (Spuckbeutel) einer österreichischen Airline
Date
Source Own work
Author Raphael Kirchner

This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported, 2.5 Generic, 2.0 Generic and 1.0 Generic license.

Abgelegt unter P.SPD, Positionen, Regierung | 2 Kommentare »

der rote faden

Erstellt von DL-Redaktion am 4. März 2018

Leben, lieben, sein – nichts geht mehr ohne Intensität

Roter Faden Hannover rote Zusatzmarkierung.jpg

Durch die Woche mit Robert Misik

Trott

In seinem berühmten Buch „Das Ende der Geschichte“ formulierte der US-amerikanische Politologe Francis Fukuyama einen eigentümlichen Gedanken: Es sei denkbar, dass die Geschichte wieder in Gang komme, wenn zu viel Langeweile um sich greife. Wir sind heute Zeugen von Geschehnissen, die diesen Gedanken verständlicher machen. Die liberale Demokratie, die auf marktwirtschaftlicher Ordnung basierte, etablierte einen Trott ohne Spannung. Regierungen wurden gewählt, abgewählt, neue gewählt, aber dieser demokratische Prozess war weitgehend ohne Intensität.

Bis dann plötzlich mit einem Mal alles in einem seltsamen Moment aus dem Lot geriet und innerhalb weniger Jahre in verschiedenen Demokratien die pluralistische Demokratie von ihren Feinden herausgefordert wurde.

Vielleicht auch, weil zu viel Stabilität einfach langweilig ist? Wir Menschen der Jetztzeit sind für den Trott nicht gemacht. Wenn nichts geschieht, sehnen wir uns danach, dass sich etwas ereignen möge.

Die amerikanische Großessayistin Susan Sontag, die man auch eine Ikone der Intensität nennen kann, hielt immer die Intensität des Erlebens hoch. Auch ein wüster, noch nie gedachter Gedanke kann diese Intensität bieten. Von „intellektueller Ekstase“ sprach Sontag. Das „Ideal der Intensität“ steht bei ihr der Langeweile gegenüber, der Abgedroschenheit, dem Alltäglichen, dem Zahmen.

Ekstase

Natürlich, man kann so ziemlich alles auf laue oder auf intensive Weise tun, von der Kunst über die Politik bis zur Lebensführung. Das Feld paradigmatischer Intensität ist aber immer noch die Liebe. Liebe ist etwas, schrieb der französische Philosoph Alain Badiou in seinem schmalen Büchlein „Lob der Liebe“, das für jeden das ausmacht, „was dem Leben Intensität und Bedeutung verleiht“. Sie ist ohne Risiko nicht zu haben.

Genug ist Genug - Vienna 20090701 Robert Misik.jpg

Liebe überwältigt, sie ist ein Absturz, „to fall in love“ heißt es nicht zufällig im Englischen. Liebe ist der Rausch der Leidenschaft, der immer in abgrundtiefes Leiden abbiegen kann. Wir haben kulturelle Skripts im Kopf, die unser Bild von der Liebe immer schon modellieren: Bilder vom Beginner-Gefühl, von den Begegnungen, die alles infrage stellen, vom Triumph der Liebe über Widrigkeiten. Es sind alles Bilder von umstürzenden Momenten, eher selten Bilder von Dauer. Wie viele Hollywoodfilme gibt es über das Abenteuer des Beginns – und wie viele über die Hartnäckigkeit von Partnerschaften, die Jahrzehnte überdauern und Krisen meistern?

Obsession

Wir haben Klischees im Kopf und immerzu die gleichen Begriffe auf der Zunge. Dass man sich nur in der Intensität „wirklich spürt“ und all das.

Quelle   :       TAZ    >>>>>     weiterlesen

———————————————————————————————–

Grafikquelle  :

Oben    —    Roter Faden in Hannover mit beschriftetem Aufkleber als Test für einen möglichen Ersatz des auf das Pflaster gemalten roten Strichs

Unten   —     Austrian writer and journalist Robert Misik speaking in front of some ~10.000+ persons who are demonstrating against actual Austrian ‚policy‘ on asylum rights. This event was supported by a considerable quantity of renowned Austrian artists, writers and politicians. Please note that camera’s time stamp is set to UT, which is local CEST -2h.

 

Abgelegt unter Europa, Medien, Positionen, Schicksale | Keine Kommentare »

DL – Tagesticker 04.03.18

Erstellt von DL-Redaktion am 4. März 2018

Direkt eingeflogen mit unseren  Hubschrappschrap

************************************************************

Waren die Zwei, mit den dicken Brettern vorm Kopf, dort auch Anwesend, um für ihre Bewegung zu werben? Auf welcher Seite,  Rinks oder Lechts?

Nach tödlicher Attacke auf 15-Jährige

1.) Rechte und linke Gruppen demonstrieren in Kandel

Vor zwei Monaten starb in Kandel eine 15-Jährige bei einem Messerangriff. Der mutmaßliche Täter: ein Flüchtling. Rechte und linke Demonstranten sind nun auf die Straße gezogen – für und gegen die deutsche Flüchtlingspolitik. Gut zwei Monate nach dem tödlichen Messerangriff auf eine 15-Jährige im rheinland-pfälzischen Kandel sind dort tausende Menschen auf die Straße gegangen. Das Mädchen soll von ihrem Ex-Freund, einem afghanischen Einwanderer, mit einem Küchenmesser getötet worden sein. Etwa 4500 Menschen nahmen an teils rechts-, teils linksgerichteten Versammlungen teil, wie die Polizei mitteilte.

Spiegel-online

************************************************************

Scharf nach rechts oder eine Art GroKo?

2.) Italien wählt ein neues Parlament

Die Italiener sind am Sonntag zu Parlamentswahlen aufgerufen. Circa 46,5 Millionen Wahlberechtigte sollen über 630 Abgeordnete und 315 Senatoren bestimmen. An vorderster Front tritt die Mitte-Rechts-Allianz um Ex-Premier Silvio Berlusconi gegen die populistische Fünf Sterne-Bewegung von Beppe Grillo an. Dem Partito Democratico (PD) um Ex-Premier Matteo Renzi droht laut Umfragen eine historische Pleite.

Unser Tirol

************************************************************

Wie Hier, in Form einer politischen Zwangszahlung um der Regierung  eine geneigte Presse zu verschaffen? Merkels Musterbeispiel für das Unverständnis zur „Freien Marktwirtschaft“?

Debatte auch in Deutschland:

3.) Volksabstimmung über Rundfunkgebühren in der Schweiz

Bern (dpa) – Nach monatelangen zum Teil hitzigen Diskussionen entscheiden die Schweizer bei einer Volksabstimmung über die Zukunft des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Es geht um die Abschaffung der Rundfunkgebühren, die auch in Deutschland kritisiert wird. Gegner reden von Zwangsgebühren für Medienangebote, die sie nicht nutzen, Befürworter halten unabhängig finanzierten Journalismus für essenziell in einer Demokratie.

Zeit-online

************************************************************

Das absolute Regierungsversagen!  Mit Lobbyisten Kniefall – Und das Volk schweigt, wie vor 80 Jahren?

Kommentar: geht’s noch?

4.) Für wie doof hält uns BMW  ?

Die Bayern behaupten ernsthaft, sie hätten aus Versehen eine Manipulationssoftware eingesetzt. Das wundert nicht. Bisher sind die Konzerne mit jeder Absurdität durchgekommen. Nach zweieinhalb Jahren Diesel­skandal könnte man ja erwarten, dass einen nichts mehr schockt. Doch dann kommt BMW: jener bayerische Automobilhersteller, der bisher mit großem Nachdruck erklärt hatte, an seinen Dieselmotoren werde nicht, aber auch gar nicht manipuliert – auch nachdem die Deutsche Umwelthilfe in Straßentests wiederholt stark überhöhte Stickoxidwerte der BMW-Fahrzeuge gemessen hatte.

TAZ

************************************************************

Kurze Frage – kurze Antwort : Welcher Partei gehört der Chef an ? CDU oder SPD

Vorwurf von Rettungsdienst-Mitarbeitern

5.) Rettungswagen zu oft zweckentfremdet?

Mitarbeiter beklagen, dass Krankenwagen als Transporter benutzt werden. Der Rettungszweckverband verneint das. Warum verfehlt der Rettungsdienst im Saarland trotz acht zusätzlich errichteter Wachen in Teilen des Landes immer noch die gesetzliche Hilfsfrist von zwölf Minuten? In zwölf Minuten sollen die Retter nach dem Notruf am Einsatzort sein. Der Rettungszweckverband Saarland ZRF, der für den Betrieb der nunmehr 37 Rettungswachen mit 55 Rettungswagen und 55 Krankentransportwagen verantwortlich ist, begründet dies mit der stetig steigenden Zahl von Einsätzen. Dies wiederum liege unter anderem an der Alterung der Gesellschaft; auch werde heutzutage schneller als früher der Notruf gewählt.

Saarbrücker-Zeitung

************************************************************

„Einer der ganz Großen Experten“ spricht seine letzten Worte? Immer hin gilt er heute als Anpepasst: Besser als seine Turnschuhauftritte.

Ex-Außenminister zu Europa

6.) Joschka Fischer attestiert AfD „historische Blindheit“

Der frühere Außenminister Joschka Fischer (Grüne) hat den europaskeptischen Kurs der AfD deutlich kritisiert und ihr „historische Blindheit“ vorgeworfen. „Kein Land hängt so sehr vom Gelingen der europäischen Integration ab wie Deutschland in der Mitte Europas“, sagte er im Interview mit dem Tagesspiegel. „Ein Helmut Kohl hat das begriffen.“ Der Grüne lobte die Rede seines Parteifreunds Cem Özdemir, der die AfD kürzlich im Bundestag hart angegangen war. „Die fand ich hervorragend. Endlich ist das Parlament mal aus seinem Tiefschlaf aufgewacht.“

Der Tagesspiegel

************************************************************

7.) Für mehr Spannung: Formel 1 führt Gegenverkehr ein

London (dpo) – Leisere Motoren, immer weniger Überholmanöver, Abschaffung der „Boxenluder“ – zuletzt gab es Kritik, dass die Formel 1 immer mehr an Charakter verliert. Nun steuert die FIA dagegen und kündigt eine spannende Neuerung für die kommende Saison an: Künftig soll es bei allen Rennen Gegenverkehr geben. Erreicht wird dies, indem die Hälfte des Teilnehmerfeldes in die entgegengesetzte Richtung startet.

Der Postillon

************************************************************

Hinweise und Anregungen nehmen wir gerne entgegen

Treu unserem Motto: Es gibt keine schlechte Presse, sondern nur unkritische Leser

—————————————————————————————————————————————-

Grafikquelle: DL / privat – Wikimedia Commons – cc-by-sa-3.0

 

Abgelegt unter Allgemein | Keine Kommentare »