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RENTENANGST

Archiv für Februar 14th, 2018

Was ist denn bitte Heimat?

Erstellt von DL-Redaktion am 14. Februar 2018

Wir bauen uns eine Heimat

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Horst Seehofer als Heimatminister – mit Söder im Schlepptau, wie kann das gehen – müssen wir alle demnächst zu Alpenjodlern werden oder die Bayernhymne singen? Na, vielleicht wird das Toilettenpapier dann bald in schwarz, rot, gold gedruckt? Ich jedenfalls finde die folgende Kolumne super und bekenne mich gerne als Heimatloser Geselle, da ich die Gastlichkeit in anderen Ländern immer sehr genossen habe. Heimat ist dort, wo ich mich zu Hause fühle. Ganz gleich wo, ob in Indien, Iran oder Indonesien, auch ganz ohne gepanzertes Fahrzeug – entgegen  unseren Angsthasen Politikern. Diese  glauben sicher darin ihre Schlechtigkeiten verbergen zu können.

Was sind die Deutschen Werte, von welchen Politiker immer so gerne reden, da sie von der Gesellschaft etwas erwarten, was sie selber nicht zu geben bereit sind? Arbeiten bis zum Umfallen um im Urlaub das Ausland zu bereisen, wo es sich besser leben lässt. Saufen auf dem Oktoberfest oder in Köln zu Karneval, auf Schützenfesten oder in den Vereinen, – um dann in den Flieger nach Mallorca zu steigen, um alsbald am Ballermann zu singen .“Warum ist es denn am Rhein so schön“ Danke. – so etwas habe ich nie gebraucht. Aber in diesem Land ist ja scheinbar so ziemlich alles möglich und mich würde nicht wundern wenn sich Angela eine Tages in Heidi umbenennen lässt. Natürlich mit christlichen Segen! Red. – DL – IE

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Von Jagoda Marinić

Wer singt die Heimathymne? Oder, anders gefragt: Will Horst Seehofer aus seinem neuen Amt ein Ministerium für kulturelle Selbstverteidigung machen?

Geht’s in die Heimat?“ Das war die saublöde Frage der Schwaben, die jedes Jahr aufs Neue gestellt wurde, wann immer meine Familie in die Ferien fuhr. Sonst fiel das Wörtchen „Heimat“ in meiner Kindheit nie. Unsere deutschen Nachbarn bezogen „Heimat“ immer auf die Bergdörfer, in denen sie uns vermuteten. Das rückständige Bild dieser „Heimat“ war so schwer auszulöschen wie die Vorstellung, wir hätten diese zurückgelassen – als sei Heimat ein Stück Stoff, das man ordentlich zusammenlegt und da wartet es geduldig im Kleiderschrank.

File:Seehofer, Söder.jpg

Dieses „Geht’s in die Heimat?“ wirkte auch wie eine Entschuldigung für die eher begrenzte Gastfreundlichkeit: Da unten gehört ihr dazu! Da unten seid ihr unter euresgleichen! Da unten nimmt man euch sicher freundlich auf. Die meisten nahmen das Wort „Heimat“ sonst nicht in den Mund. Es kam mir vor, als würden sie letztlich „Geht ihr in eure Vergangenheit?“ fragen. Genau das möchte ich jetzt zurückfragen.

Warum sitze ich plötzlich auf zig Podien und Tagungen, die mit „Heimat“ überschrieben sind? Viele, die „Heimat“ noch vor zehn Jahren nicht als intellektuell tragfähiges Konzept erachtetet hätten, brüten nun darüber, wie man Heimat erneuern könnte. Wobei „Erneuern“ hierzulande meist Nonsense hervorbringt, weil dieses Land zum Erneuern nur bedingt fähig ist. „Heimat“ lässt sich nicht erneuern. Geschichte lässt sich nicht neu erfinden. Sie lässt sich jedoch zum Verschwinden bringen.

Lassen sich Begriffe reinwaschen, nur weil man sie nicht den Rechten überlassen will? Sauber werden sie dadurch nicht, im Gegenteil. Wann kapiert man endlich, dass man mit dieser Normalisierung rechter Diskurse den Rechten vor allem nützt? Ein Blick nach Österreich müsste doch reichen, um zu sehen: Das geht nicht.

Das gesammelte heimatliche Nichtkapieren wird nun in einer Person erneuert: Horst Seehofer. Seehofer besetzt mit knapp siebzig Jahren das Innenministerium und erhält als barockes Beiwerk das Schmuckwort „Heimat“ dazu. Er will auch kräftig bauen dürfen mit seinem Heimatministerium – allerdings hat er in Sachen Bauen die Zuständigkeiten vorher nicht klar abgesteckt, weder mit dem Wirtschaftsministerium noch mit der Wirtschaft.

Coat of arms of Bavaria.svg

Haben die Bayern etwa so gute Erfahrungen mit ihrem Heimatministerium gemacht, dass Seehofer es gleich in den Bund exportieren muss? In Bayern steht, trotz des Heimatministeriums, die CSU so schwach da wie nie. Was durchaus ein Fortschritt sein könnte für Bayern, würde nicht die AfD auf die CSU-Prozente lauern. Nun soll Heimat-Horst es von Berlin aus richten. Doch Seehofer wird höchstwahrscheinlich einen Heimatbegriff propagieren, wie er dem rechten näher steht als dem progressiven Deutschland. Es geht hier jedoch weder um das Progressive noch um das Liberale, schon gar nicht um das Konservative. Es geht schlichtweg um Zukunftsfragen und den Umgang mit gegenwärtiger Realität: Wenn in einer Grundschulklasse inzwischen jedes zweite Kind einen Migrationshintergrund hat, besitzt ein Heimatminister im rentenfähigen Alter die Kompetenz, eine Politik zu entwickeln, die alle einschließt?

Quelle     :       TAZ           >>>>>        weiterlesen

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Grafikquellen    :

Oben   —     Vertriebene Nicht verzweifeln! Für Eure Lebensrechte hier! Für die alte Heimat! CDU

Landtagswahlplakate Nordrhein-Westfalen (10-009) » Landtagswahl am 20.4.1947 » Motivplakate

Lizenz  –  KAS/ACDP 10-009 : 27 CC-BY-SA 3.0 DE

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2.) von Oben    —   CSU-Vorsitzender und Ministerpräsident Horst Seehofer MdL und CSU-Bezirksvorsitzender Staatsminister der Finanzen, für Landesentwicklung und Heimat Dr. Markus Söder MdL

 

Autor :  Freud   /    Own work

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Unten   —   Coat of arms of Bavaria

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Lieber Kohl in Speyer

Erstellt von DL-Redaktion am 14. Februar 2018

als Vagabund in Hinterau

File:Helmut Kohl und Maike Richter-Kohl.jpg

Quelle  :   Untergrundblättle

Von  Jürgmeier / Infosperber

An der Leiche eines Bundeskanzlers zerren sie, einen toten Schirmflicker schieben sie herum. Beides hat etwas Satirisches.

Es war still geworden um den Mann, den sie Birne nannten, obwohl er Kohl hiess. Nur noch selten stiess seine Frau, die offiziell seine zweite war, den Pflegebedürftigen – den EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani im Rahmen des Europäischen Traueraktes einen «politischen Giganten» nennt (Spiegel online) – in irgendein Scheinwerferlicht. Seine Söhne aus erster Ehe beklagten sich regelmässig in Büchern und Talkshows über die Familie, die nur auf Wahlplakaten eine heile war. Wenn er am 16. Juni 2017 nicht gestorben wäre, der Mann – den «treulose» Weggefährten wegen der illegalen Entgegennahme von Parteispenden in der Höhe von zwei Millionen, damals noch Mark, zur Rückgabe des Ehrenvorsitzes seiner Partei drängen mussten – wäre, vermutlich, irgendwann einfach vergessen gegangen. Aber der Tod erinnert (manchmal) an ein Leben. Der Tod macht (einige) unsterblich. Denn keiner, ausser Bond, James Bond, stirbt zwei Mal.

Ehe für alle oder geistig-moralische Wende?

24 Stunden nachdem der deutsche Bundestag die Ehe für alle beschlossen hat, wird der Kanzler der «geistig-moralischen Wende» zu Grabe geflogengefahrengetragen. Seine damalige Ankündigung, schreibt der Spiegel am 24. Juni, sei «eine Kampfansage an die Spättruppen der verhassten 68er» gewesen, «die alles als spiessig denunzierten, was für die Generation Kohl Normalität war». Hätte der christdemokratische Altkanzler gegen die Öffnung oder Verluderung der Ehe gestimmt? Mit der amtierenden CDU-Kanzlerin, die er, laut Welt online, einst eine «Generalverräterin» genannt? Hätte er, Seite an Seite mit den acht muslimischen Abgeordneten – die, so die Huffington Post, «geschlossen für die Ehe für alle» votiert hätten –, dem Adoptionsrecht für homosexuelle Paare zum Durchbruch verholfen? Oder hätte er, auf andere, womöglich eigene Normalitäten verweisend, gespottet, das sei noch lange keine Ehe für alle; was, wenn Homosexuelle oder Heterosexuelle nicht brav in (serieller) Monogamie lebten, sondern, polyamor, gleichzeitig mehr als einen oder eine liebten und nur durch die Vielehe in Gleichheit miteinander verbunden werden könnten?

Aber als die Sieger mit den Siegerinnen im deutschen Parlament auf die plötzliche Wende in der Familienpolitik anstossen, steht sein Sarg schon bereit für den grenzüberschreitenden «langen Abschied von Helmut Kohl» (SRF online). Der beginnt am 1. Juli 2017 um 11.00 Uhr mit dem ersten «Trauerakt der EU für einen grossen Politiker aus ihren Reihen» (SRF online) in Strassburg. Per Helikopter geht’s anschliessend in Kohls Heimatstadt Ludwigshafen, von dort nach Speyer, wo Totenmesse, grosses militärisches Ehrengeleit und schliesslich die Beisetzung im «engeren Familien- und Freundeskreis» (www.rundschau-online.de) folgen. Als wäre die Zeit irgendwann vor vielen Jahren stillgestanden, trippeln Offiziere und Admirale – die sich wie die ersten Roboter bewegen – mit dem Sarg durchs Fernsehbild, Bischöfe und Kardinäle versprühen Weihrauch, garantieren dem, der an den Heiland geglaubt, den Einzug ins ewige Himmelreich.

Strassburg versus Berlin, Speyer gegen Ludwigshafen

Bevor da einer, der nichts mehr davon spürt, seine letzte Ruhe findet, versuchen sie, die Leiche des «grossen Deutschen» (Bild online) – der tatsächlich gross und schwer war – dahin- und dorthin zu zerren. Am liebsten, so scheint es, würden sie ihn zehn Mal in die Grube gleiten lassen. Natürlich im Scheinwerferlicht, das auch sie ein wenig bestrahlt. Wer sich «vor einem Grossen» verneigt, macht sich selber grösser. Versucht, Geschichte zu schreiben. Hat der «Ehrenbürger Europas», Helmut Kohl, Geschichte gemacht? Oder hat die Geschichte ihn gemacht? Weil er zur rechten Zeit, Fall der Mauer, am richtigen Ort, im Kanzleramt der Bundesrepublik Deutschland, war?

Unter welcher Flagge soll der «Kanzler der Einheit» seine letzte Reise antreten? (Der Sarg wird dann jenseits der deutschen Grenze in europäisches Blau mit goldenen Sternen gehüllt, bevor sich in Ludwigshafen der Reichsadler SchwarzRotGelb wieder über ihn beugt.) Wo soll der offizielle Trauerakt stattfinden? In welchem Grab seine «sterblichen Überreste» mit hundskommunen Molekülen neue Verbindungen eingehen?

Es muss ordentlich gestritten worden sein, hinter den Kulissen, wenn die Beteiligten überhaupt miteinander geredet haben, was nicht gesichert ist. Der Tagesanzeiger, der die Witwe «Kohls Bauchrednerin» nennt, schreibt: «Maike Kohl-Richter entführt den offiziellen Trauerakt für den verstorbenen deutschen Ex-Kanzler nach Strassburg, um ihn dem ‹undankbaren Deutschland› vorzuenthalten.» Die Berliner Zeitung klagt: «Kohl verweigert dem Staat, den er 16 Jahre lang regiert hat, die letzte öffentliche Würdigung seiner Person.» Die Zeit fragt: «War es Rachsucht, dass Kohl keinen deutschen, sondern einen europäischen Trauerakt wollte?» Und CDU-Bundestagspräsident Norbert Lammert hält fest, «Art und Ort der Würdigung einer solch herausragenden Lebensleistung in und für Deutschland seien ‹bei allem Respekt nicht nur eine Familienangelegenheit› …» (www.rp-online.de).

Und diese Kohlsche Sippe liegt sich erst noch in den Haaren. Walter Kohl «fordert Staatsakt am Brandenburger Tor», weiss der Tagesspiegel online. Und im Interview mit der Zeit wird Sohn Walter noch deutlicher: «Mit der Entscheidung für ein Begräbnis in Speyer [statt in Ludwigshafen, wo die Kohls ein Familiengrab haben] soll sein politisches Lebenswerk von seiner Frau Hannelore getrennt werden.» Hannelore Kohl hatte sich, an einer Lichtallergie leidend, im Jahre 2001, nach 41 Jahren Ehe mit Helmut Kohl, umgebracht. «Meine Mutter hat ihn über Jahrzehnte getragen… Deshalb finde ich es richtig, wenn er neben ihr seine letzte Ruhe findet. Für mich ist klar: Hannelore Kohl darf nicht einfach weggekürzt werden.»

Auch wenn Bild die Botschaft des Bischofs im Rahmen des Speyerschen Requiems auf die einfache Formel «Hier, vor Gott, endet jedes Zerwürfnis» bringt – die Familien Helmut Kohls werden, im Gegensatz zu den beiden Deutschland, auch nach seinem Tod nicht zusammenwachsen. Söhne und Enkel aus erster Ehe nehmen nicht an der privaten Beisetzung in Speyer teil. «Auch um jeden Eindruck zu vermeiden, ich würde dies gutheissen.» Lässt sich Walter Kohl vom Tagesspiegel am 23. Juni zitieren. «Ich finde die bisherige Entwicklung unwürdig für meinen Vater, für Deutschland und für Europa.» Stern-Autorin Ulrike Posche schreibt am 1. Juli über Kohls letzte Frau, die auch schon mal als «Familienzerstörerin» diffamiert wird: «Er war ihre Lebensliebe. Und es war kein Opfer, dass sie bei ihm blieb. Maike Kohl-Richter ist 53 Jahre alt. Sie hat Helmut Kohl ihr Leben geschenkt. Mehr kann eine liebende Frau für ihren Mann nicht tun.» Deutsche Toten-, Frauen-, Männer- und Familiengeschichten im Sommer 2017.

File:Hinterautal1.jpg

Hinterau – Vorderau retour

In der Erzählung «Begräbnis eines Schirmflickers» – die 1979 von Xavier Koller unter dem Titel «Das gefrorene Herz» mit Paul Bühlmann und Sigfrit Steiner verfilmt wurde – lässt der Schweizer Schriftsteller Meinrad Inglin (1893 – 1971) die Gemeinderäte von Hinterau die Leiche eines Schirmflickers über die Grenze nach Vorderau schieben. Beobachtet von seinem Saufkumpan untersuchen die Herren «den Toten flüchtig und schienen sich zu ärgern, dass ein Landstreicher ausgerechnet hier erfrieren und ihnen dadurch unnütze Mühen und Kosten aufhalsen durfte». Der Korbflicker, den Inglin als den pfiffigeren der beiden beschreibt, verbringt die «eiskalte[n], klare[n] Januarnacht» in einem «kleinen Gaden», bedeckt mit Streue, während der Schirmflicker «unbedingt noch an diesem Abend nach Hinterau» will. Kaum hat der Schnapser «die Grenze zwischen den beiden Gemeinden überschritten …, stolperte er über einen Wurzelstock und fiel hin …, wollte einen Augenblick liegenbleiben, doch er lag so bequem im weichen Schnee, dass er rasch einschlief.» Und nie mehr erwacht.

Inglin zeichnet den Korbflicker nicht nur in Bezug auf das Verbringen von Winternächten, sondern auch in Sachen Geldbeschaffung als überlebenstüchtig. Der listige Vagabund lässt sich im weiteren Verlauf der Geschichte von den Vorderauern beziehungsweise Hinterauern dafür bezahlen, dass er den Vorderauern verschweigt, dass die Hinterauer ihnen «mit dem Toten etwas entgegengegangen» sind beziehungsweise, umgekehrt, dass er «den steifen Mann» für die Vorderauer wieder nach Hinterau zurückschiebt. Mit einem Trick – der hier nicht verraten sein soll, Inglin lesen – sorgt der Landstreicher dafür, dass die Hinterauer die Leiche seines Kollegen, den er vor dieser Nacht noch nie gesehen hat, behalten «und verschwand auf Nimmerwiedersehen aus der Gegend dieser beiden Gemeinden».

An den einen zerren sie, die andern schieben sie ab

Und die Moral von der Geschichte: Lieber ein Kohl in Speyer als ein Schirmflicker in Vorderau. Nicht einmal vor (oder nach) dem Tode sind alle gleich. Die einen, der Kohl beispielsweise, werden von allen (heran)gezerrt, die anderen, so der namenlose Schirmflicker, werden geschoben, herumgeschoben, abgeschoben. Was Inglin nicht wusste: Schweizer Gemeinden bezahlen in unserem Jahrhundert einerseits gutes Geld dafür, dass sie keine Flüchtlinge – und das müssen keine Vagabunden sein – «übernehmen» müssen, andrerseits locken sie Wirtschaftsflüchtlinge höherer Kategorien mit Steuerabkommen in irdische Paradiese.

Soweit nicht anders angegeben und keine genauere Quellenangabe vorhanden ist, gilt für die Texte auf dieser Website eine Creative Commons Lizenz (CC).

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Oben    –

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Author Christliches Medienmagazin pro
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2.) von Oben    —     Charles Philipon: Metamorphose des Königs Louis-Philippe in eine Birne, Skizze, vermutlich 1831

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AKL – UNO – UNRWA

Erstellt von DL-Redaktion am 14. Februar 2018

Erklärung zur drastischen Mittel-Kürzung für das UNO-Hilfswerk für Palästina-Flüchtlinge (UNRWA) durch die US-Regierung vom 16. Januar 2018

File:UNRWA fields of operation map 2015.pdf

Quelle   : AkL

Der BAK Gerechter Frieden im Nahen Osten der Partei DIE LINKE wendet sich mit Nachdruck gegen die Entscheidung der US-Regierung, die Zuwendungen der USA für das palästinensische Flüchtlingshilfswerk UNRWA bei der UNO um 65 Millionen US-$ zu kürzen.

Das Hilfswerk UNRWA wurde von der UNO 1949 speziell für alle im Zuge der Gründung des Staates Israel aus ihren Heimstätten vertriebenen oder geflüchteten Palästinenser*innen ins Leben gerufen. Die UN-Organisation betreut heute mehr als fünf Millionen Menschen. Das UNRWA-Mandat ist unmittelbar verknüpft mit der Implementierung der UN-Resolution 194 (III) vom 11. Dezember 1948, wonach „den Flüchtlingen, die in ihre Heimat zurückkehren und in Frieden mit ihren Nachbarn leben wollen, dieses zum frühestmöglichen Zeitpunkt gestattet werden sollte und dass jenen, die nicht zurückzukehren wünschen, Entschädigung für ihr Eigentum, für den Verlust oder die Beschädigung des Eigentums zu zahlen ist“.

Supporting schoolchildren in Gaza (8634194195).jpg

Die heutigen Aktivitäten umfassen die Bereiche Bildung – insbesondere die 700 UNRWA-Schulen, medizinische Versorgung, lebensnotwendige Unterstützung für Bedürftige, die Infrastruktur in Flüchtlingslagern und Nothilfe. UNRWA-Dependancen agieren in der Westbank, in Ost-Jerusalem, im Gaza-Streifen wie auch in Jordanien, Libanon und in Syrien.

Eine massive Kürzung der Mittel verschärft die Situation für die palästinensischen Flüchtlinge, die bereits jetzt in besonders starkem Ausmaß von Armut, Arbeitslosigkeit und Unsicherheit bei der Lebensmittelversorgung betroffen sind, und hat Gaza an den „Rand einer Katastrophe“ (UNO) gebracht. Die Menschen im Gazastreifen leiden unter der zehnjährigen anhaltenden Blockade und nach drei Kriegen unter einem massiven Verfall der Infrastruktur sowie darunter, dass ihre ökonomische Situation absehbar völlig kollabiert. Nach der willkürlichen, völkerrechtswidrigen Entscheidung der US-Regierung zum Status von Jerusalem (siehe dazu die Erklärung des Sprecher*innenrates des BAK Gerechter Frieden im Nahen Osten http://www.antikapitalistische-linke.de/?p=2365) macht die US-Regierung nicht einmal vor den größten Opfern des israelisch-palästinensischen Konflikts und schwächsten Gliedern der palästinensischen Gesellschaft, den Flüchtlingen, halt und stärkt damit nachdrücklich die Position der reaktionärsten politischen Kräfte in Israel. Der Entzug beträchtlicher Finanzmittel soll als Druckmittel einer Erpressungspolitik gegenüber der Palästinensischen Administration dienen, ohne „Vorbedingungen und unverzüglich“ an den Verhandlungstisch zurückzukehren, wie US-Präsident Donald Trump dem palästinensischen Präsidenten Abbas bereits wiederholt gedroht hat.

UNRWA's Ghor El Far'a school in Al-Jiftlik 143 - Aug 2011.jpg

Folgerichtig warnt der UNRWA-Generaldirektor Pierre Krähenbühl „vor einem erhöhten Risiko für Radikalisierung – und vor einer Fluchtbewegung in Richtung Europa. Jene Palästinenser, die keine Zukunftsperspektive mehr haben, würden möglicherweise nicht in der Region bleiben“. Er sprach von der „dramatischsten finanziellen Krise in der Geschichte der UNRWA“.

Wir fordern die deutsche Bundesregierung auf:

  • Die Entscheidung der US-Regierung unverzüglich zu verurteilen und sie aufzufordern, diese zurückzunehmen; sich wirkungsvoll dafür zu engagieren, dass sich die EU in Übereinstimmung mit ihren Deklarationen den jüngsten Aktivitäten der US-Regierung, die darauf hinauslaufen, die Konflikte im Nahen Osten noch weiter anzuheizen, aktiv entgegenstellt;

  • Sich in der EU und gegenüber anderen Staaten mit Nachdruck dafür einzusetzen, dass UNRWA seinen Aktivitäten uneingeschränkt nachkommen kann; auch sollten Deutschland und die EU notfalls bereit sein, die fehlenden Beträge bereitzustellen;

  • Eine eigenständige Israel-Palästina-Politik zu betreiben, ihre faktische Unterstützung für die israelischen Besatzungs- und Siedlungspolitik aufzugeben und auf eine tragfähige Friedenslösung hinzuwirken, die sicherstellt, dass die Rechte aller Menschen in Israel und den besetzten Gebieten sowie die der palästinensischen Flüchtlinge gewahrt und das Völkerrecht wie die UN-Menschenrechtskonventionen endlich eingehalten werden;

  • Den Staat Palästina sofort diplomatisch anzuerkennen – in den Grenzen von 1967 und mit Ost-Jerusalem als Hauptstadt – und andere Staaten aufzurufen, dies ebenfalls zu tun;

  • Den Handel mit Waffen, Rüstungsgütern und „dual-use“-Produkten mit allen Ländern des Nahen Ostens einzustellen, die am israelisch-palästinensischen Konflikt direkt beteiligt sind. Dies gilt ebenso für Rüstungslieferungen, die für die Empfänger unentgeltlich sind oder anders kompensiert werden. Ebenso muss die Zusammenarbeit mit den Streitkräften dieser Staaten beendet werden, etwa zum Zweck der Ausbildung im Häuser- und Tunnel-Kampf; wir unterstützen die Petition „Keine Waffen nach Nahost“ https://www.kopi-online.de/wordpress/?p=880

  • Sich in der EU einzusetzen für die zeitweilige und bedingte Aussetzung des EU-Assoziierungsabkommens mit Israel, bis zu dem Zeitpunkt, da Israel die in Artikel 2 eindeutig benannten Voraussetzungen aller Vertragspartner zur Einhaltung der Menschenrechte und des Völkerrechts und damit zur Beendigung der Besatzung und vollständigen Aufhebung der Blockade Gazas erfüllt.

akl - Antikapitalistische Linke

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Oben   — 

Beschreibung
English: UNRWA fields of operation map 2015
Datum
Quelle https://www.unrwa.org/sites/default/files/unrwa_fields_of_operation_map_2015.pdf
Urheber United Nations, UNRWA

Lizenz

Public domain Dieses Bild zeigt eine Karte, die von einer Karte der Vereinten Nationen (UN) abgeleitet wurde. Wenn nicht anderes ausdrücklich angegeben ist, können UN-Karten als gemeinfrei angesehen werden. Dies gilt weltweit. Einige UN-Karten haben besondere urheberrechtliche Bestimmungen, die auf den Karten selbst angegeben sind.UN-Karten sind prinzipiell quelloffen (open source) und können frei, beispielsweise auch für die Erzeugung eigener Karten, verwendet werden. Die UN verlangen jedoch, dass in diesem Fall der Name, das Logo und die Referenznummer der Vereinten Nationen aus der modifizierten Karte gelöscht werden. Die Verantwortung für den Inhalt der abgeleiteten neuen Karte liegt bei dem Autor. In der abgeleiteten Karte kann, wenn gewünscht, ein Hinweis in der folgenden Art aufgenommen werden: Basierend auf einer Karte der Vereinten Nationen … (Kartenname, Kartennummer, Revisionsnummer und Datum).
Siehe auch: Sektion für Geoinformation der Vereinten Nationen (früher Kartographie-Sektion) (abgerufen am 27. September 2016).

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2.)   von Oben   —    Students in Gaza deliver a presentation at the opening of a UK-funded elementary school today. Together with other schools being opened by the UN Relief and Works Agency (UNRWA) supported by UK aid, they will directly enrol 24,000 refugees, of whom 12,500 are girls. The school was opened by International Development minister, Alan Duncan MP, who met with teachers, pupils and parents who will benefit from the support. Picture © UNRWA

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Was ist mein Weg?

Erstellt von DL-Redaktion am 14. Februar 2018

Botschaften aus einem sozialen Experiment

Quelle : Scharf – Links

Von Franz Schandl

Seit dem Frühjahr 2017 läuft in Heidenreichstein im Oberen Waldviertel das Projekt „Sinnvoll tätig sein“ (STS), das jenseits gängiger Disziplinierungsmuster versucht, über 40 Langzeitarbeitslosen Perspektiven zu eröffnen, die sich doch von obligaten Anforderungen und Erwartungen unterscheiden. Getragen und betreut wird das Projekt von der schon seit vielen Jahren recht rührigen Betriebsseelsorge Oberes Waldviertel. Karl Immervoll, der Leiter derselben, machte dem AMS Niederösterreich die Sache schmackhaft. Offiziell firmiert das soziale Experiment als AMS-Kurs, d.h. die beteiligten Langzeitarbeitslosen erhalten ihre Bezüge für 18 Monate weiter, sind jedoch von allfälligen Belästigungen und Drangsalierungen seitens des Amts befreit. So fungiert das Arbeitslosengeld tatsächlich ähnlich einem garantierten und bedingungslosen Grundeinkommen.

„Immer mehr Menschen haben in diesem System keine Chance“, sagt Immervoll. „Und was sie gerne tun würden, ist nicht gefragt“. Doch gerade diese Frage wird im Projekt andauernd und beharrlich gestellt. Sie ist zwar naheliegend, wird aber nicht nur am Arbeitsmarkt ausgeblendet sondern auch im Alltag verdrängt. Da wie dort zählt, dass man sich zu verwerten hat. Wer das nicht kann, fällt raus und ist sodann dem strikten Reglement der Arbeitslosenverwaltung unterworfen. Die Vormundschaft durch das AMS ist anstrengend, oft entmutigend und entwürdigend. Dieses und jenes darf man nicht, vor allem hat man Arbeitsbereitschaft zu demonstrieren, unsinnige Bewerbungsschreiben zu formulieren und zu vorgegebenen Zeitpunkten (Vorstellungsgespräche, AMS-Kontrolltermine) zur Verfügung zu stehen. Widrigenfalls droht eine Bezugssperre.

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Aktivierung statt Deaktivierung

Wenn Begabungen und Tätigkeiten wirtschaftlich nichts hergeben, heißt das ja nicht, dass sie sinnlos sind. Sie sollen nicht brach liegen. Wichtig wäre, dass die Personen von Deaktivierten zu Aktivierten werden, der aufgezwungenen Depression zuwider handeln, sie abschütteln. Wie schaffen wir es euch für den Arbeitsmarkt zu vermitteln?, ist nicht die primäre Frage, sondern Was wollt ihr?. Die eingefahrenen Bahnen sollen verlassen werden. Sorge und Hilfe ersetzen Strafe und Sanktion.

Die Arbeitslosen werden sowohl im Plenum, in Gruppen als auch einzeln betreut. Daneben gibt es noch einige Zusatzkurse, selbstverständlich kostenfrei: Gesundes Essen, Erste Hilfe, Männerseminar, Rückenfit, Suchtprävention, Tanzen, Move your ass etc.- Gemeinsames Wandern lockert auf und fördert die Kontakte. Der soziale Druck soll genommen, die eigene Initiative gestärkt werden. Freundschaften und Bekanntschaften entstehen. Das ist vor allem wichtig für Leute, die isoliert wurden, aber sich auch selbst zurückgezogen haben.

Fördern statt fordern, ist überhaupt das Motto. Der viel gepriesene ökonomische Arbeitsanreiz verursacht ja des öfteren Brechreiz. Druck zu erhöhen, erhöht meistens bloß den Blutdruck. Am Mangel an gesundheitlicher Belästigung leiden die Arbeitslosen sowieso nicht. Viele sind angeschlagen und haben gerade auch deswegen das Nachsehen am Arbeitsmarkt. Insgesamt fühlen sich die STS-Kursteilnehmer jedenfalls erleichtert, fast alle geben an, dass ihr Wohlbefinden in den letzten Monaten gestiegen ist.

Arbeitslosigkeit ist kein individuelles Manko, als das es erscheint, sondern ein gesellschaftliches Problem, als das es akkurat nicht erscheinen soll. Autoritäre Mentalitäten und Haltungen, gemeinhin Unterdrückung und Unterwerfung genannt, sind zu überwinden. Was denn sonst? Die hartnäckige Ideologie der harten Arbeit, gerade wieder mal abgefeiert an der kranken wie krankmachenden Arbeitsfront von Christian bis Hanni, von Basti bis HC, ist entschieden zu hinterfragen. Man kann, man soll, man darf.

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Aus der Schusslinie

Das Experiment ist überschaubar, bezogen auf die Gemeindegröße von 4000 Einwohnern alles andere als klein. 1 Prozent der Bevölkerung sitzt im Kurs und 1 Prozent der Bevölkerung sitzt in der Begleitgruppe. Wie die Sache in Heidenreichstein selbst ankommt, ist nicht leicht zu beurteilen. Daher wurde eine Begleitgruppe gegründet, wo sich die Betreuer mit interessierten und wohlgesonnenen Leuten aus der ansässigen Bevölkerung vierteljährlich treffen und über das Projekt reden. Zwischenzeitlich erhalten diese gesonderte und zusätzliche Informationen. Man will üblen Gerüchten zuvorkommen. Was der gemeine Menschenverstand so ausbrütet, ist ja hinlänglich bekannt. Wir machen uns die Nachrede selber, lautet die Devise.

In einem Zwischenbericht schreibt Karl Immervoll: „Die Befreiung von Ängsten und Druck ist ein Prozess. Trotzdem: 18 Monate von den Vorgängen rund um die Arbeitssuche befreit zu sein, Zeit zu haben, sich auf sich selbst zu konzentrieren. Für manche bedeutet das, zum ersten Mal in ihrem Leben sich die Frage zu stellen: Was ist mein Weg?“ Es ist jedenfalls ein Versuch, Menschen aus der Schusslinie zu holen, sie vor Demütigung und Depression, Bevormundung und Bestrafung zu schützen. Das ist viel. Im Projekt probt man herrschaftsfreie Kommunikation durch bedingungslose Anerkennung. Die Kontakte laufen zumeist auf Augenhöhe. Niemand soll abstürzen.

Abgestürzt ist das Projekt freilich als Forschungsprojekt. Zumindest vorerst. Vorgesehen war auch eine begleitende Studie, in der die Ergebnisse dokumentiert und analysiert werden sollten. Trotz der beantragten und von einem Beirat gutgeheißenen Förderung wurde es von den zuständigen Stellen des Landes Niederösterreich abgedreht. Derlei brauche man nicht, so die stille Drohbotschaft. So bleibt den Betreibern nur übrig, zumindest einen Teil der veranschlagten Forschungsgelder selbst aufzustellen. Diesbezüglich läuft zur Zeit ein Crowdfunding. Wer kann und möchte, möge sich daran beteiligen. Details siehe hier:

https://www.startnext.com/sts-grundeinkommensprojekt

Urheberrecht

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Grafikquellen    :

Oben     —   Bildmontage : HF  – Scharf – Links

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2.)  von Oben    —      Teich beim Käsemacher in Heidenreichstein, Niederösterreich

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1 Jahr in Haft-Deniz Yücel

Erstellt von DL-Redaktion am 14. Februar 2018

Wir zählen die Tage rückwärts

File:Deniz Yücel.jpg

Von Doris Akrap

Wie waren die letzten zwölf Monate für Deniz Yücels Freunde und Unterstützer? Und wie ist es, in dieser Situation ein Buch mit ihm herauszugeben?

Das Buch eines Autors herauszugeben, der im Gefängnis sitzt, ist nicht frei von Komik. Schon gar nicht, wenn man es mit einem Autor zu tun hat, der über die Frage, ob in diesem oder jenem Satz Semikolon, Klammer oder Gedankenstrich zu setzen sei, genauso intensiv diskutieren will, wie darüber, ob es angemessener ist, von einer „Spaltung“ oder einer „Trennung“ der Gesellschaft zu schreiben.

Was unter normalen Umständen normal wäre, wird bizarr, wenn man den Autor weder sehen noch mit ihm telefonieren oder mailen kann und er auch keinen Zugang zu einem Briefkasten hat. Für die „Diskussion“ über Auswahl und Änderungen der Texte für sein Buch müssen Autor wie Herausgeberin und Verlag darauf warten, dass ein Anwalt den Autor besuchen kann. Denn nur dieser kann dem Inhaftierten Unterlagen zeigen und Anmerkungen entgegennehmen und sie zurückübermitteln.

„Doppeltes Leerzeichen auf Seite 183, 3. Absatz“, lautete eine wochenlang wiederholte, weiter nicht kommentierte Notiz des Autors unter den hunderten Notizen. Ein Detail, was nicht weiter der Erwähnung wert wäre, säße der Autor nicht in Einzelhaft in einem Hochsicherheitsgefängnis und wäre es nicht mindestens so aufwendig, diese Mitteilung an den Empfänger zu bringen wie ein Gabelflug von Istanbul zu den Galapagos-Inseln.

Man hätte denken können, das doppelte Leerzeichen habe der Inhaftierte hinter all den drängenderen Sorgen längst vergessen. Ein Detail, was mich irre machte, denn ich fand einfach kein doppeltes Leerzeichen auf Seite 183, 3. Absatz. Die Absatzangabe stimmte offenbar nicht. Es musste aber irgendwo ein Leerzeichen zu viel sein, denn der Autor ist ein großer Pedant und keine noch so kleine Ungenauigkeit entgeht ihm, auch nicht der türkische Punkt auf dem großen I in Istanbul oder Ilkay.

Ich verfluchte den Autor und seine Pedanterie und dass ich meine Zeit mit der Suche nach einem doppelten Leerzeichen verschwendete, anstatt mich darauf zu konzentrieren, wie ich ihm meine Argumente für diesen und jenen Text so kurz und pointiert wie möglich darlegen könnte. Denn die „Diskussion“ über einen in das Buch aufzunehmenden Text wollte ich pro Mitteilung auch nicht länger als nötig machen. Längere Ausführungen hätten – ich kenne den Autor gut – die Debatte über die Auswahl nur verlängert.

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Auf alle Fälle vorbereitet

Oft lautete eine seiner Anmerkungen: „Bitte hierzu Änderungen aus den 400 eingeben“. Mit den 400 meinte er den aus über 400 handgeschriebenen Seiten bestehenden Anmerkungsapparat, den er seinen Anwälten mitgegeben hatte, als wir das Buchprojekt begannen. Hier waren allerlei Informationen und Diskussionspunkte versammelt, was Vorauswahl der Texte, Überschriftenvarianten und andere im Verlauf der Produktion möglicherweise auftauchenden Fragen betraf. Selbst für den Fall, dass die türkische Regierung einen Uniformzwang für politische Gefangene einführen würde, hatte der Autor Ideen, wie es dann mit der Erstellung des Buchs weitergehen könnte.

Warum ich dennoch nicht verzweifelte, wenn ich diese elende doppelte Leerzeichen oder eine kurze Anmerkung in den 400 Seiten nicht fand, auf die er mich immer wieder kommentarlos in seinen Anmerkungen hinwies, lag allein daran, dass ich wusste, dass der Autor mit derselben Pedanterie, mit der er formale Fragen behandelte, auch die inhaltlichen Fragen seiner Texte behandelt hatte.

Auf die Idee für das Buch kam er, weil er gehört hatte, dass bei den Lesungen seiner Texte, die der Freundeskreis #FreeDeniz in Zusammenarbeit mit dem Festsaal Berlin, dem Schauspiel Frankfurt, den Münchner Kammerspielen, dem Uebel&Gefährlich in Hamburg und dem WDR in Köln das Jahr über organisiert hatte, Hunderte nicht reinkamen. Dann sollen sie seine Texte wenigstens in Buchform nachlesen können. Schließlich waren es seine Texte, die – wenigstens sieht es die türkische Justiz so – ihn in diese Situation gebracht hatten.

Quelle     :       TAZ     >>>>>     weiterlesen

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Grafikquellen   :

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Description Deniz Yücel
Date
Source Deniz Yücel
Author blu-news.org
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Unten   —

Der Schrei / The Scream, undated drawing Edvard Munch, Bergen Kunstmuseum

Edvard Munch Eigenes Werk

  • GemeinfreiHinweise zur Weiternutzung
  • File:‚The Scream‘, undated drawing Edvard Munch, Bergen Kunstmuseum.JPG
  • Erstellt: undated

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DL – Tagesticker 14.02.18

Erstellt von DL-Redaktion am 14. Februar 2018

Direkt eingeflogen mit unseren  Hubschrappschrap

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Mir dem Demo (Demokratie) verweigerer vom Gangster 20 Gipfel in Hamburg im Schlepptau? Macht noch einmal so eine bühnenreife Entmachtung. Es war sooo  schön – sooo viele politsche Affen tanzen zu sehen und das sogar mit eigenen Kindergarten. 

Schulz weg, Nahles kommt

1.) Die letzte Hoffnung der SPD

Menschlich, ehrlich, nahbar: Als Martin Schulz zum Kanzlerkandidaten und SPD-Vorsitzenden wurde, verband sich damit für seine Partei nicht nur die (von Anfang an ziemlich gewagte) Hoffnung, er könne möglicherweise Angela Merkel im Kanzleramt ablösen. Viel konkreter war die Erwartung und Freude darüber, es hier mit einem Politiker neuen Typs zu tun zu haben. Einem, dem nicht etwa nichtssagende Politikerworthülsen aus dem Mund purzeln, sondern der sagt, was er denkt und was er fühlt. Einem, den keine glatte Bürokratenkarriere ins Amt gebracht hat, sondern der sich gegen alle Widerstände und Widrigkeiten, trotz persönlicher Rückschläge und Makel an die Spitze gekämpft hat. Keiner von denen da oben, sondern einer von uns.

Spiegel-online

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Hört, hört – er spricht nur Kanzler und hat rechts!
So der Rückschluss eines politischen Professor? Ergo – Wer Bürgermeister kann, kann auch Kanzler! Wer Kanzlerin kann, kann auch Putzfrau!  Der BASTA Kanzler war doch Anwalt – und das konnte er nicht?  Sonst wäre er doch kaum Politiker geworden? Oder?

„Über 30 Prozent“ sind das Ziel

2.) Scholz: SPD soll bald wieder Kanzler stellen

Nach turbulenten Tagen will der kommissarische Chef Olaf Scholz die SPD wieder in ruhigere Zeiten führen. Die Ziele sind angesichts der Umfragewerte hoch gesteckt: Die Partei soll nach den Vorstellungen des Hamburger Bürgermeisters künftig wieder den Kanzler stellen. Die SPD liegt in Umfragen weit hinter der Union. Im RTL/n-tv Trendbarometer kommt die Partei auf 18 Prozent, CDU/CSU auf 31 Prozent. In anderen Umfragen kommt die AfD der SPD als zweitstärkste Kraft bereits gefährlich nahe.

n-tv

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Guatemala

3.) Oxfam-Präsident unter Korruptionsverdacht festgenommen

Für die Hilfsorganisation Oxfam kommt es gerade knüppeldick: Nach dem Sexskandal in Haiti und dem Tschad ist nun der Präsident von Oxfam International verhaftet worden. Juan Alberto Fuentes Knight wurde am Dienstag in Guatemala festgenommen. Gegen den ehemaligen Finanzminister des mittelamerikanischen Landes wird wegen Korruption ermittelt.

Der Tagesspiegel

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Abteilung „Horch und Guck“ feiert im Westen ihre Auferstehung. G 20 als Anschauungsunterricht. Wird Maßen zum Maß aller Dinge? Das kann Politik – kleine Leute mit großer Verantwortung überfordern! Hannemann geh du voran. Da läßt es sich später besser Argumentieren. Aber sie finden immer einen Dummen.

Groko will Verfassungsschutz aufrüsten

4.) Der geheime Gewinner

Mehr Überwachungsmittel, mehr Zentralisierung: Kommt die GroKo, will sie den Verfassungsschutz besser ausstatten. Die Opposition ist alarmiert. Vor einigen Monaten saß Hans-Georg Maaßen im Bundestag und richtete einen Appell an die Abgeordneten. Die Sicherheitslage werde immer komplexer, „in allen unseren Geschäftsfeldern boomt es“, warnte der Verfassungsschutzchef. „Wir brauchen deshalb einen vollen Werkzeugkasten.“

TAZ

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Was die Vögel nicht wollten, schafft nun der lachende Hans: Die Partei in eine dichte Nebelwolke einhüllen?

Nach Debatte um Ämterhäufung

5.) CDU-Fraktion will Verhaltenskodex beschließen

Eine Woche nachdem CDU und SPD einen Antrag der Linken im Landtag abgelehnt haben, der die Zahl der Nebentätigkeiten von Abgeordneten begrenzen sollte und der zudem eine neue Arbeitsgruppe aller Fraktionen vorsah, die gemeinsame Verhaltensregeln erarbeiten sollte, hat die CDU-Fraktion nun erklärt, einen eigenen Verhaltenskodex für ihre Mandatsträger ausarbeiten zu wollen. „Dort sollen für selbstverständlich erachtete Verhaltensregeln klargestellt und zusammengefasst werden“, teilte Fraktionschef Tobias Hans mit.

Saarbrücker-Zeitung

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Die AfD in der Lernphase? Sie hat 150 Jahre Zeit! Hätte  der politische Trottel doch seine kleine, rechte Tochter plappern lassen!

Tweet über Noah Becker

6.) Staatsanwaltschaft ermittelt gegen AfD-Abgeordneten

Die Staatsanwaltschaft Dresden hat ein förmliches Ermittlungsverfahren gegen den AfD-Bundestagsabgeordneten Jens Maier wegen des Verdachts der Beleidigung in einem Tweet über Noah Becker eingeleitet. „Jetzt gehen die Ermittlungen los“, sagte Oberstaatsanwalt Lorenz Hasse der Zeitung „Welt“ (Mittwochsausgabe). Zuvor habe der Bundestag gegen diesen Schritt innerhalb der vorgeschriebenen Frist von 48 Stunden keinen Widerspruch eingelegt. Damit ist die Immunität von Maier für die Dauer des Verfahrens aufgehoben.

FR

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Chaos bei Umzug in Köln:

7.) Norddeutsche Karnevalistin wirft Kamele in die Menge

Beim Rosenmontagszug in Köln sind nicht nur Süßigkeiten und Konfetti vom Wagen geflogen. Wie schockierte Augenzeugen berichten, hat eine Karnevalistin offenbar „Kamelle“ mit „Kamele“ verwechselt und mehrere der Höckertiere in die erstaunte Menge geworfen. Die Veranstaltung musste für mehrere Minuten unterbrochen werden.

Der Postillon

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Hinweise und Anregungen nehmen wir gerne entgegen

Treu unserem Motto: Es gibt keine schlechte Presse, sondern nur unkritische Leser

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Grafikquelle: DL / privat – Wikimedia Commons – cc-by-sa-3.0

 

 

 

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