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RENTENANGST

Archiv für Februar 11th, 2018

Leben in türkischer Haft

Erstellt von DL-Redaktion am 11. Februar 2018

Keine Geräusche, kein Tageslicht

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Aus Istanbul von Deniz Yücel

Seit fast einem Jahr sitzt Deniz Yücel unschuldig in einem Istanbuler Gefängnis. Zwei Texte über die Bedingungen dort – heimlich von ihm geschrieben.

Trotz aller Widrigkeiten: Deniz Yücel, Journalist der „Welt“ und ehemals bei der taz, der am 14. Februar ein Jahr ohne Anklage im türkischen Gefängnis sitzen wird, schreibt. Selbst als er weder Papier noch Stift haben durfte, schrieb er.

Nun kommt ein Buch von ihm über die Haft heraus, aus dem wir zwei Texte veröffentlichen. In einer Vorbemerkung erzählt Yücel erstmals, wie er das Schreibverbot umging. Im Anschluss folgt sein erstes Haftprotokoll, das am 26. Februar 2017 auch in der „Welt“ erschien.

Vorbemerkung: September 2017

An erster Stelle kommt das Rauchverbot. Das war das Schlimmste an den 13 Tagen, die ich in einer Zelle im Polizeipräsidium İstanbul verbracht habe. Gleich dahinter aber, noch vor dem schlechten Essen und allen anderen Schikanen, folgte für mich das Verbot von Stift und Papier. Doch es durfte ihnen nicht gelingen, mich zum Schweigen zu bringen. Und es gab ja so viel zu erzählen … Nach ein paar Tagen begann ich zu experimentieren. Da Bücher erlaubt waren, nahm ich Oğuz Atays 720-Seiten-Roman „Die Haltlosen“ als Papierersatz. Dazu versuchte ich es mit einer abgebrochenen Plastikgabel als Feder und der roten Soße der Essenskonserven als Tinte.

Doch weit kam ich damit nicht. Die Gabelspitze erlaubte kein filigranes Schreiben, auf eine Buchseite passten dadurch nur wenige Worte. Und die Soße war zwar dick genug, um die Druckbuchstaben zu überdecken, aber auch extrem fettig. Die Folge: viel zu lange Trocknungszeit. In diesem Tempo hätte ich eine halbe Ewigkeit gebraucht. Ein paar Tage später ergab sich bei einem Arztbesuch ein unbeobachteter Moment: ein Stift direkt vor meiner Nase! Ich griff sofort zu und schmuggelte den Kugelschreiber an der Leibesvisitation vorbei in meine Zelle. Nur Papier hatte ich immer noch nicht. Aber ich hatte ein zweites Buch: „Der kleine Prinz“, türkische Ausgabe. Meine Dilek hatte sie den Anwälten mitgegeben. Ohne jeden Hintergedanken, außer vielleicht dem, uns beide an den großen Satz: „Du bist für deine Rose verantwortlich“ zu erinnern.

File:Solidaritäts-matinee-deniz-yücel-mai-2017-ffm-2985.jpg

Doch ich erkannte, welch wertvollen Dienst mir Antoine de Saint-Exupéry erwiesen hatte, indem er um seine Zeichnungen, aber auch um den Text herum so üppigen Weißraum ließ. Auf diesen freien Platz im Buch schrieb ich meinen Erfahrungsbericht aus der Polizeihaft. Bei schummrigem Licht, heimlich unter der Bettdecke. Nach getaner Arbeit legte ich das Buch in die schmutzige Wäsche, die ich einem meiner Anwälte mitgab. Der Anwalt wusste selber nicht, was er da in der Tüte mit den benutzten Socken transportierte. Und erzählen konnte ich ihm das nicht, da wir bei unseren Gesprächen nicht wirklich unter vier Augen waren.

Hauptsache, „Der kleine Prinz“ kam bei seinen Empfängern an: bei Dilek und bei meinem Freund und Welt-Kollegen Daniel-Dylan Böhmer. Sie tippten das Manuskript ab und kürzten es – teils aus Platzgründen (ich hatte mehr als zwei Zeitungsseiten geschrieben), teils aus Sicherheitsgründen. So ausdrücklich ich im Manuskript meinen gegenteiligen Willen bekundet hatte, so sehr trafen Dilek, Daniel und die Anwälte vermutlich die richtige Entscheidung, als sie beschlossen, bei der Veröffentlichung die wahren Entstehungsumstände zu verschweigen. Schließlich befand ich mich noch in der Gewalt der türkischen Polizei, als dieser Bericht am 26. Februar 2017 in der Welt am Sonntagerschien.

Die türkische Geschichte kennt viel bedeutendere und unter sehr viel schwierigeren Umständen verfasste Kassiber. Das wohl bekannteste stammt vom langjährigen Cumhuriyet-Journalisten İlhan Selçuk. Nach dem Militärputsch vom März 1971 wurde er in ein inoffizielles Gefängnis verschleppt, in dem die Gefangenen systematisch gefoltert wurden. Zwar durften sie Briefe schreiben, doch diese wurden zensiert. Selçuk schmuggelte die Nachricht über die Folter an der Zensur vorbei – in einem Akrostichon, das er in einem unverfänglich klingenden Brief versteckt hatte. İlhan Selçuk hatte damit die Folter besiegt. Und auch ich empfand im Moment der Übergabe nicht bloß ein Triumphgefühl. Sondern echtes, tiefes Glück. Wie es Nazım Hikmet in einem seiner vielen Gedichte aus der Haft geschrieben hatte: „Es geht nicht darum, gefangen zu sein / Sondern darum, sich nicht zu ergeben.“

Das Haftprotokoll aus dem Februar 2017

Bericht nach 9 Tagen Polizeihaft im Polizeipräsidium İstanbul, Vatanstraße, Aksaray. Der Korrespondent muss mal wieder was liefern. Wir sind ja nicht zum Spaß hier. Polizeigewahrsam? Sachverhalt: Seit dem Ausnahmezustand werden in der Türkei Festnahmen oft als Bestrafungsinstrument benutzt. Immer wieder sitzen Leute bis zu 14 Tage (bis vor Kurzem: bis zu 30 Tage) und werden danach laufen gelassen. Darum „Polizeihaft“, nicht „Polizeigewahrsam“. Und manche Ex-Gefangenen sagen, im Gewahrsam seien die Bedingungen härter als in vielen Gefängnissen.

Zellengröße: 2,10 m x 3,5 m. Ziemlich genau gemessen durch Liegen. Höhe: 4 m (geschätzt).

Zellenausstattung: 2 betthohe, dicke Matratzen, dazu eine flache auf dem Boden. Blaues Kunstleder, Turnmatten-Style. 4 Decken, kein Kissen. Drei Wände Beton, Frontseite komplett Stahlgitter. Wände graugelb, Gitter braun.

Belegung: 2–3 Leute. Manchmal auch 4, ist mir bislang aber nicht passiert. Ich immer zu zweit oder zu dritt, einmal allein.

Schreiben/Lesen: Bücher sind, sofern „politisch unbedenklich“, erlaubt. Stift und Notizblock sind verboten.

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Essen: Morgens pappiges, kaltes Toastbrot mit Käse/ Wurst. Mittags und abends Essen aus Konserven. Sieht immer gleich aus und schmeckt immer gleich elendig. Bohnen, Kichererbsen, Kartoffeln mit Fleisch. Das Schlimmste ist nicht mal der Geschmack, sondern der Geruch. Ich wärme die Konserven zwischen den Heizrohren der Heizung auf dem Korridor auf (so gut es geht).

Trinken: 3 x 0,5-l-Wasserflaschen täglich. Wenn man nachfragt, auch mehr. Nie Kaffee oder Çay.

Außenwelt: Man hört ab und zu die Straßenbahn. Sonst keine Geräusche und kein Tageslicht.

Licht: Auf dem Korridor brennt unentwegt dasselbe Neonlicht. In den Zellen ist es stets schummrig. Zu hell zum Schlafen, zu dunkel zum Lesen. Geht aber beides, irgendwie.

Zeit: Meine Zelle ist genau gegenüber der einzigen Uhr auf dem Korridor. Mitgefangene fragen mich immer wieder nach der Uhrzeit. Ich frage mich, ob es gut oder schlecht ist zu sehen, wie langsam die Sekunden verstreichen. Es ist eine Fabrikuhr mit Sekundenzeiger, auf dem Zifferblatt eine türkische Fahne.

Luft: Miefig, stickig, stinkt nach Körpergerüchen. Die Polizisten sagen: „So leer wie in den letzten Tagen war es hier seit dem Putschversuch nicht mehr. Ihr hättet mal riechen sollen, als hier in jeder kleinen Zelle 5 Leute saßen.“

Kälte: Auch als es draußen noch kälter war, habe ich hier nicht gefroren. Ist gut beheizt.

Quelle    :     TAZ      >>>>>       weiterlesen

Auch interessant  : DL  am 01. September 2017 :

Ich bin’s, – mach auf

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Grafikquellen   :

Oben    — 

Deutsch: Deniz Yücel bei der Verleihung des Kurt Tucholsky-Preises für literarische Publizistik am 23. Oktober 2011 in Berlin
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2.) von Oben   —

Deutsch: Am 21. Mai 2017, auf der Bühne des Schauspiel Frankfurt bei der Solidaritäts-Matinee für Deniz Yücel und inhaftierte Journalistinnen und Journalisten in der Türkei.
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Author Dontworry

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Unten    —     Cosmo – Wir wollen das Meer sehen: Solidaritätsveranstaltung für Deniz Yücel und alle anderen inhaftierten Journalisten gemeinsam mit der Initiative Free Deniz. Ilkay Yücel

 

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N. Blüm : Nicht verraten

Erstellt von DL-Redaktion am 11. Februar 2018

„Ich werde Merkels Nachfolger“

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Von Martin Bewerunge und Martin Kessler

16 Jahre diente Norbert Blüm im Kabinett von Helmut Kohl als Arbeits- und Sozialminister. Er war bekannt für Humor und spitze Zwischenrufe. Als Rentner hat er diese Eigenschaft nicht verloren.

Ein klarer Februarmorgen in der Bonner Südstadt. Wir stehen vor dem weißen Gründerzeithaus von Norbert Blüm (82). Weil keiner aufmacht, bleibt Zeit, das Schild unter der Klingel genauer zu studieren. „Hier war Goethe“, ist da in großen Lettern zu lesen und ganz klein darunter das Wörtchen „nie“. Ein Kind von Traurigkeit wohnt hier nicht, und genau deshalb sind wir hier: um mit dem ehemaligen Arbeits- und Sozialminister und langjährigen Weggefährten Helmut Kohls über Humor zu sprechen, über Humor in der Politik, um genau zu sein.

Da rauscht Blüm schon heran in seinem Mercedes A-Klasse, zweite Generation, einem typischen Rentnerfahrzeug (sehr sicher!), einige frische Pflaster auf seinem Kopf verraten, bei welchem Arzt er gerade war. Ansonsten: ganz der Alte – und gut gelaunt. „Na, dakommesemarei.“

Drinnen: Im Wohnzimmer warten opulente Sofas verschiedenster Stilrichtungen, Frau Blüm bringt Kaffee. Humor in der Politik? Unentbehrlich, wenn es darum geht, Dinge auf den Punkt zu bringen, findet Blüm und liefert den Beweis gleich nach: So sei Clemens August Kardinal Graf von Galen, der „Löwe von Münster“ und offener Gegner Hitlers, einmal bei einer Jugendpredigt von der SA durch den Zwischenruf gestört worden, wie denn einer, der weder Frau noch Kinder habe, über die Jugend sprechen könne. Darauf der Kardinal: In diesem Raum dulde er keine Beleidigungen gegen Hitler. „Auf die Kinnspitze!“, freut sich Blüm und haut sich auf die Schenkel, als höre er diese Anekdote selbst zum ersten Mal.

Humor sei nun einmal das Salz in der Suppe, sagt Blüm und erinnert sich fröhlich, bei Bedarf im Bundestag oft und gern nachgewürzt zu haben: „Helmut Schmidt las seine Reden immer ab, und die große Leistung war, dass es wirkte, als würde er frei sprechen. Auch die Kunstpausen waren perfekt eingebaut.“ Als Schmidt bei einer Regierungserklärung wieder einmal innegehalten und den Blick gen Himmel gehoben habe, habe ein gewisser Abgeordneter Blüm in die spannungsgeladene Stille gerufen: „Guck aufs Blatt!“ Der ganze Saal habe gelacht, Schmidt sei stinksauer gewesen.

Fehlt ihm das Salz in der Suppe, die heute an der Spree gekocht wird? Blüm wiegt den Kopf. Er will jetzt nicht sagen, dass früher alles besser war. Aber dann sagt er es ungefähr und irgendwie doch: Tatsächlich habe sich die Debatte im Parlament verändert, Bundesligaformat sei das früher gewesen mit Herbert Wehner und Franz Josef Strauß: „Da war Pfeffer, da war Kampf.“ Heute dagegen: ein Austausch von Referentenentwürfen. Alles Unwichtige weglassen und in jedem Moment genau wissen, wo die Pointe sitzt – das ist es, was zählt für Blüm, wenn es darum geht zu punkten. Disziplin sei notwendig und – in aller Bescheidenheit – etwas Naturbegabung auch.

Quelle   :     RP.Online >>>>> weiterlesen

Auch Interessant: DL am 07. Juli 2013 :

Von überheblichen Richtern

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Wo geht’s nach Links?

Erstellt von DL-Redaktion am 11. Februar 2018

Der Soziologe Frank Adloff auf linke Sinnsuche

Die Linke Weltpremiere Der junge Karl Marx Berlinale 2017.jpg

Mode – Kleidung, schwarzer Zwirn, passen nicht zu jeden Hirn

Von Gastautor Frank Adloff

Der Soziologe Frank Adloff sieht die Zukunft moderner linker Politik in der Konvivialität. Es geht darum, sagt er, wie wir zusammenleben wollen. Identitäts- und Verteilungsfragen müssten mit ökologischen Fragen verknüpft werden. Eine Erwiderung auf die Debattenbeiträge in Kontext-Ausgabe 357.

Natürlich stimmt es, dass die Linke materialistischer werden muss (Heisterhagen/Jörke im „Freitag“). Das Kapital muss wieder reguliert, die Billiglohnpolitik beendet und die Gewerkschaften müssen gestärkt werden. Und natürlich sollte es einen dritten Weg geben zwischen kosmopolitischem Liberalismus und rechtspopulistischem Nationalismus (Nachtwey in der „Zeit“). Doch reicht das? Ist nicht das Problem vielmehr, dass die Identitäts- und die Verteilungsfragen mit einer anderen Krise aufs Engste verknüpft sind, nämlich der ökologischen Krise? Diese droht wieder im Zeichen anempfohlener neuer Verteilungspolitiken unter den Teppich gekehrt zu werden. Eine Vision für die kommenden Jahrzehnte kann man politisch jedoch nur gewinnen, wenn man radikaler den Produktivismus und immer noch vorhandenen Industrialismus der Sozialdemokratie und der Linken überhaupt überwindet – ohne dabei auf krude Konzepte einer sogenannten Green Economy des linksliberalen Milieus der Realo-Grünen zu setzen.

Es geht nicht um die Frage Identitätspolitik oder Verteilungsfrage, es geht um eine sozialökologische Transformation und damit um die Frage, wie wir mit den (menschlichen und nichtmenschlichen) Anderen zusammenleben können. Mit anderen Worten: Wie kann man ein gutes Leben für alle anvisieren, ohne bestimmte Gruppen – seien dies nun abgehängte Arbeiter des globalen Nordens oder die Näherinnen in Bangladesch, seien es Geflüchtete, seien es Bienen oder Eisbären – auszuschließen oder sich gar ein gutes Leben auf ihre Kosten zu machen.

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tiefe, private Einblicke

Alte Fortschrittserzählungen – Erzählungen von Sozialismus, Aufklärung, einer Zähmung des Kapitalismus durch Sozialstaatlichkeit und von Fortschritt durch Technik – haben sich verbraucht. Deshalb reicht es auch nicht, die Sozialdemokratie rituell auf Jeremy Corbyn hinzuweisen, der in Großbritannien erfolgreich Labour nach vorne bringt. Umverteilung ist jetzt politisch zwar richtig und wichtig, aber kein Zukunftskonzept, wenn sich an den Konturen der „Externalisierungsgesellschaft“  sonst nichts ändert. Doch wie lautet die gemeinsame Lösung aller politischen Lager? Wirtschaftswachstum wird weiter als Allheilmittel beschworen, obwohl man weiß, dass wir faktisch im globalen Norden auf ein Nullwachstum zusteuern und diese Wachstumsrücknahme auch aus ökologischen Gründen notwendig ist.

Wenn die Diagnose zutrifft, dass im globalen Norden ein Wachstum des BIP in Zukunft ausbleibt, wird der Kuchen nicht mehr größer, der verteilt werden kann. Neue soziale Konflikte, Spannungen und das Schüren von Ängsten wären damit programmiert. Der Konflikt zwischen den Gruppen, die sich mit dem Rassismus der AfD verbunden fühlen, und denen, die für die offene Gesellschaft eintreten, ist nur der Anfang weiter drohender Verwerfungen der deutschen Gesellschaft, wenn nicht grundsätzlich umgesteuert wird. Vielfältige Ideen für die Richtung einer fundamentalen gesellschaftlichen Transformation gibt es zwar durchaus. Aber sie werden kaum von der Politik wahrgenommen und auch nicht laut genug von Wissenschaftlerinnen und Intellektuellen in die Debatte eingebracht.

Foto © Reinhold Fahlbusch. CC BY-SA Wikimedia Commons

Neue Formen der Konvivialität (von lat. convivere: zusammenleben) müssen gefunden und eingefordert werden. Das Ziel der Konvivialisten ist eine Gesellschaft jenseits der Wachstumslogik, in der die Verbindungen von Individuen, Gruppen und Gemeinwesen auf neue Art und Weise sichtbar sind, Menschen einander in ihrer Unterschiedlichkeit achten und dabei zum Wohle aller – unter konstruktiver Austragung von Konflikten – kooperieren. Eine reale Utopie zivilgesellschaftlicher Selbstorganisation. Die aktuelle Debatte um die Zukunft der Linken verstrickt sich hingegen in der dichotomen Gegenüberstellung von Staat und Markt. Doch sind es vor allem soziale Bewegungen und zivilgesellschaftliche Gruppen, in denen nach neuen Formen der Konvivialität gesucht wird. Praktisch wird Konvivialität ohnehin in einer Vielzahl von sozialen Konstellationen gelebt: im familiären und freundschaftlichen Rahmen, in dem im Allgemeinen die Logik des Teilens und nicht die des individuellen Profits zählt. Dann in hunderttausenden von assoziativen Projekten der Zivilgesellschaft weltweit, im freiwilligen Engagement, im Dritten Sektor, in der solidarischen Ökonomie, in Kooperativen und Genossenschaften, im moralischen Konsum, in NGOs, in Peer-to-Peer-Netzwerken, Wikipedia, sozialen Bewegungen, Fair Trade, der Commons-Bewegung und vielem mehr. Allerdings stehen diese konvivialen Experimente bislang oft unvermittelt nebeneinander und erfahren durch die Politik eher eine Behinderung als eine Förderung.

Die Idee des ökonomischen Wachstums radikal in Frage stellen

Eine konviviale Gesellschaft muss die Idee des ökonomischen Wachstums radikal in Frage stellen. Neue Formen des Wirtschaftens sind gefordert, die den Kreislauf der permanenten Kreation von immer mehr und prinzipiell unbegrenzten Bedürfnissen – geschaffen durch die Profitlogik – durchbrechen. Diese Idee wird in der immer größer werdenden Postwachstums- oder Degrowth-Bewegung diskutiert und praktisch umzusetzen versucht. Es wird Zeit, sich kulturell und politisch aus den Fesseln des Ökonomismus zu befreien. Vielleicht brauchen wir gar kein Wachstum, um ein gutes Leben zu führen? Genossenschaften, Nonprofit-Unternehmen und viele mittelständische Betriebe haben noch nie primär auf Wachstum gesetzt. Befreit man sich vom Glauben an die Notwendigkeit des Wachstums, kann man sich auch trauen, den Auswüchsen des Neoliberalismus endlich Einhalt zu gebieten: Steueroasen austrocknen, höhere Kapitalsteuern und eine Finanztransaktionssteuer erheben, Vermögens- und Erbschaftssteuern anheben, einen Schuldenerlass für Griechenland und andere Staaten vornehmen.

Quelle   :    KONTEXT – Wochenzeitung >>>>> weiterlesen

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Grafikquellen      :

Oben    —       Vertreter der Partei Die Linke bei der Weltpremiere von Der junge Karl Marx bei der Berlinale 2017: v.l.n.r. Oskar Lafontaine, Sahra Wagenknecht, Dietmar Bartsch, Katja Kipping, Petra Pau und Kristian Ronneburg

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Unten   —      Auf einer „Bunt statt Braun“-Demo gegen Pegida in Deutschland. This message on a german protest march against the xenophobe „Pegida“ says „diversity instead of simplemindedness“.

© 2015 Reinhold Fahlbusch. CC BY-SA Wikimedia Commons

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Sehnsuchtsvolle Augen

Erstellt von DL-Redaktion am 11. Februar 2018

Texte von Uri Avnery

Autor Uri Avnery

DIE GANZE Welt beobachtet mit angehaltenem Atem, während die Tage vorübergehen. Dann die Stunden. Dann die Minuten.

Die Welt beobachtet, während der verurteilte Mann, Muhammad Abu-Ali aus Qalqilia, auf seine Hinrichtung wartet.

Abu-Ali war ein schuldig befunderner Terrorist. Er hatte ein Messer gekauft und vier Mitglieder einer Familie in der nahen jüdischen Siedlung getötet. Er hat allein in einem Anfall von Zorn gehandelt, nachdem sein geliebter Cousin Ahmed von israelischen Grenz-Polizisten während einer Demonstration erschossen und getötet wurde.

Dies ist ein imaginärer Fall. Aber er ähnelt sehr stark dem, was geschehen würde, wenn ein realer Fall, der jetzt ansteht, seinen Lauf nehmen würde.

IN ISRAEL gibt es keine Todesstrafe. Sie wurde während der ersten Jahre des Staates abgeschafft, als die Exekution der jüdischen Untergrundkämpfer (von den Briten „Terroristen“ genannt) noch immer frisch in jedermanns Gedächtnis war.

Es war ein feierliches und festliches Ereignis. Nach der Abstimmung ein ungeplanter Gefühlsausbruch: die ganze Knesset erhob sich und stand eine Minute lang still. In der Knesset sind solche Gefühlsausbrüche wie Klatschen verboten.

An diesem Tag war ich stolz auf meinen Staat, der Staat, für den ich auch mein Blut vergossen habe.

VOR DIESEM Tag waren zwei Leute in Israel hingerichtet worden.

Der erste wurde während der frühen Tage des Staates erschossen. Ein jüdischer Ingenieur wurde angeklagt, eine Information an die Briten weitergegeben zu haben, die es den Arabern weitergaben. Drei militärische Offiziere bildeten ein Militärgericht und verurteilten ihn zu Tode. Später stellte sich heraus, dass der Mann unschuldig war.

Das zweite Todesurteil wurde über Adolf Eichmann verhängt, einem österreichischen Nazi, der 1944 die Deportation der ungarischen Juden ins Todeslager dirigierte. Er war in der Nazi-Hierarchie nicht weit oben, nur ein „Obersturmbannführer“ in der SS. Aber es war der einzige Nazi-Offizier, mit dem jüdische Führer in direkten Kontakt kamen. Nach ihrer Ansicht war er ein Monster.

Als er in Argentinien entführt und nach Jerusalem gebracht wurde, sah er wie ein durchschnittlicher Bankangestellter aus, nicht sehr eindrucksvoll und nicht sehr intelligent. Als er zu Tode verurteilt wurde, schrieb ich einen Artikel, in dem ich mich fragte, ob ich für die Hinrichtung war. Ich sagte: „Ich wage nicht, ja zu sagen und ich wage nicht, nein zu sagen.“ Er wurde gehängt.

EIN PERSÖNLICHES Bekenntnis: Ich kann keine Küchenschabe töten. Ich bin auch nicht in der Lage, eine Fliege zu töten. Das ist keine bewusste Aversion. Es ist fast physisch.

Es war nicht immer so. Als ich gerade 15 Jahre alt war, schloss ich mich einer „terroristischen“ Organisation, der Irgun, an („nationale Militär-Organisation“), die damals auf arabischen Märkten eine Menge Leute tötete, einschließlich Frauen und Kinder, als Rache für das Töten von Juden während der arabischen Rebellion.

Ich war zu jung, um selbst an diesen Aktionen tätig zu werden, aber meine Kameraden und ich verteilten stolz Flugblätter, die die Aktionen ankündigten. Also war ich ein Komplize, bis ich die Organisation verließ, weil ich begann, „Terrorismus“ abzulehnen.

Aber die wirkliche Veränderung meines Charakters begann, nachdem ich im 1948er-Krieg verletzt wurde. Mehrere Tage und Nächte lang lag ich in meinem Krankenhausbett, unfähig zu essen, zu trinken oder zu schlafen – ich dachte nur nach. Das Ergebnis war, meine Unfähigkeit irgendeinem lebendigen Wesen, einschließlich Menschen das Leben zu nehmen.

Also bin ich natürlich ein Todesfeind der Todesstrafe. Mit ganzem Herzen begrüßte ich ihre Abschaffung von der Knesset (bevor ich selbst ein Mitglied dieser nicht sehr erhabenen Körperschaft wurde).

Aber vor ein paar Tagen erinnerte jemand daran, dass die Todesstrafe nicht wirklich ganz abgeschafft wurde. Ein obskurer Paragraph im Militär-Kode ist in Kraft geblieben. Jetzt gibt es einen Aufschrei für seine Anwendung.

Der Anlass ist der Mord an drei Mitgliedern einer jüdischen Familie in einer Siedlung. Der arabische Angreifer wurde verletzt, aber nicht an Ort und Stelle getötet, wie das sonst geschieht.

Die ganze Qlique des rechten Flügels, die Israel jetzt regiert, brach in einen Chor von Forderungen nach der Todesstrafe aus. Benjamin Netanjahu schloss sich dem Chor an wie die meisten Mitglieder des Kabinetts.

Netanjahus Haltung ist verständlich. Er hat keine Prinzipien. Er schließt sich der Mehrheit seiner Basis an. Im Augenblick ist er tief in eine riesige Korruptionsaffäre verstrickt, die sich um die in Deutschland gebauten Unterseeboote dreht. Sein politisches Schicksal hängt an einem Faden. Keine Zeit für moralische Haarspalterei.

LEGEN WIR einen Augenblick meine persönliche geistige Unfähigkeit in Bezug auf die Todesstrafe beiseite, beurteilt man das Problem auf einer rationalen Basis, so zeigt dies, dass es ein riesiger Fehler ist.

Die Hinrichtung einer Person, die von ihrem eigenen Volk für einen Patriot gehalten wird, wird großen Zorn und einen tiefen Wunsch nach Rache auslösen. Für jede Person, die zu Tode gebracht wird, erheben sich ein Dutzend andere und übernehmen ihren Platz.

Ich spreche aus Erfahrung. Wie ich schon erwähnt habe, schloss ich mich mit knapp 15 Jahren dem Irgun an. Ein paar Wochen vorher hatten die Briten einen jungen Juden aufgehängt, Shlomo Ben-Yossef, der auf einen Bus voller Frauen und Kinder geschossen hatte, ohne jemanden zu treffen. Er war der erste Jude in Palästina, der exekutiert wurde.

Später, nachdem ich schon dem „Terrorismus“ abgeschworen hatte, wurde ich noch einmal emotional involviert, als die Briten noch jüdische „Terroristen“ hängten. (Ich bin stolz darüber, die einzige wissenschaftlich richtige Definition über „Terrorismus“ erfunden zu haben: Ein Freiheitskämpfer ist auf meiner Seite, ein Terrorist auf der andern Seite.)

EIN ANDERES Argument gegen die Todesstrafe ist das eine, das ich anfangs in diesem Artikel beschrieb: die inhärente dramatische Wirkung dieser Strafe.

Von dem Augenblick an, in dem eine Todesstrafe gefällt wird, ist die ganze Welt, nicht nur das ganze Land darin verwickelt. Von Tel Aviv bis Tokio, von Paris bis Pretoria, erregt es Millionen von Menschen, die kein Interesse an dem israelisch-palästinensischen Konflikt haben. Das Schicksal des verurteilten Mannes beginnt, ihr Leben zu bestimmen.

Die israelischen Botschaften werden von Botschaften guter Leute überhäuft. Menschenrechtsorganisationen von überall werden involviert sein. Straßen-Demonstrationen werden in vielen Städten stattfinden und von Woche zu Woche wachsen.

Die israelische Besatzung des palästinensischen Volkes – bis dahin ein kleines Nachrichtenthema in Zeitungen und in TV-Nachrichten wird der Mittelpunkt der Aufmerksamkeit sein. Verleger werden Sonder-Korrespondenten schicken, Experten werden es abwägen. Einige Staatshäupter werden versucht sein, sich dem Präsidenten von Israel zu nähern und um Nachsicht bitten.

Da das Datum der Exekution sich nähert, wird der Druck stärker. In Universitäten und in Kirchen wird der Aufruf zum Boykott Israels schriller. Die israelischen Diplomaten werden dringend das Außenministerium in Jerusalem alarmieren. Botschaften werden anti-Terror-Vorsichtsmaßnahmen stärken.

Die israelische Regierung wird in dringenden Notsitzungen zusammenkommen. Einige Minister werden den Rat geben, die Strafe umzuwandeln. Andere werden behaupten, dass dies Schwäche zeigen und zum Terror ermutigen würde. Netanjahu wird – wie gewöhnlich- unfähig sein, zu entscheiden.

ICH WEIß, dass diese Art des Arguments zu einer falschen Schlussfolgerung führen kann: arabische Angreifer an Ort und Stelle zu töten.

Tatsächlich ist dies eine zweite Diskussion, die Israel im Moment auseinander reißt: der Fall von Elor Asaria, ein Soldat und Feldsanitäter, der aus der Nähe einen verletzten arabischen Angreifer, der schwer blutend auf dem Boden lag, erschoss.

Ein Militärgericht verurteilte Asaria zu anderthalb Jahren Gefängnis und bestätigte die Strafe in der Berufung . Viele wünschen, dass er entlassen wird. Andere, einschließlich wieder Netanjahu, wollen, dass seine Strafe umgewandelt wird.

Asaria und seine ganze Familie erfreuen sich sehr, im Zentrum der nationalen Aufmerksamkeit zu stehen. Sie sind davon überzeugt, dass er das Richtige getan hätte, entsprechend einem ungeschriebenen Diktum, dass es keinem arabischen „Terroristen“ erlaubt werden sollte, am Leben zu bleiben.

Tatsächlich wurde dies vor Jahren offen vom damaligen Ministerpräsidenten Yitzhak Shamir gefordert, (der selbst als Führer der Lehi-Untergrundgruppe einer der erfolgreichsten „Terroristen“ des 20.Jahrhunderts war. Dafür musste er nicht sehr intelligent sein.)

EGAL AUS welcher Ecke man dies anschaut, die Todesstrafe ist eine barbarische und stupide Maßnahme. Sie ist von allen zivilisierten Ländern abgeschafft worden, außer in einigen US-Staaten (die man kaum zivilisiert nennen kann).

Immer, wenn ich über dieses Thema nachdenke, erinnere ich mich an die unsterblichen Zeilen von Oscar Wilde in seiner „Ballad of Reading Gaol“( „Ballade vom Reading Gefängnis“). Wilde beobachte einen verurteilter Mörder, der auf seine Hinrichtung wartete, und schrieb:

Niemals sah ich einen Mann, der mit solch sehnsüchtigem Auge auf das kleine blaue Zelt schaute, das Gefangene den Himmel nennen…“

(dt. Ellen Rohlfs, vom Verfasser autorisiert)

 

 

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der rote faden

Erstellt von DL-Redaktion am 11. Februar 2018

Hätte Sigmar Gabriel mal lieber die Beatles gehört

Roter Faden Hannover rote Zusatzmarkierung.jpg

Durch die Woche mitJohanna Roth

Trockenrasur

In Goslar fing alles an, in Goslar geht es nun zu Ende. Dort, im Wintergarten mit Rattanmöbeln, sitzt der deutsche Außenminister und schmollt. Zwischendurch will mal ein Reporter ein Statement, dann zitiert Sigmar Gabriel seine kleine Tochter Marie: „Du musst nicht traurig sein, Papa, jetzt hast du doch mehr Zeit mit uns. Das ist doch besser als mit dem Mann mit den Haaren im Gesicht.“ Nimm das, Onkel Martin!

Love Me Do

Für den obersten Diplomaten des Landes hat Sigmar Gabriel rhetorisch schon immer ziemlich wüst zugelangt, seinen letzten Hieb platzierte er folgerichtig besonders tief unter der Gürtellinie. Und traf. Die SPD drehte völlig durch, Schulz zog seinen Anspruch auf das Ministeramt wieder zurück. Die Trockenrasur durch Familie Gabriel war wohl doch zu viel für seine ohnehin schon schwer angegriffene Beliebtheit. Andererseits: Sind Männer mit Bärten nicht irgendwie immer hip?

File:2015-12 SPD Bundesparteitag by Olaf Kosinsky-57.jpg

Dieses mal lassen sie küssen und schauen wenigstens in eine Richtung – nach Rechts

Tatsächlich war Gabriel, obschon glattgesichtig, ja selber mal hip, von genau 2003 bis 2005 nämlich, als Beauftragter für Popkultur und Popdiskurs der SPD. Damals in Niedersachsen, als er schon einmal aus dem Amt gekickt wurde – durch Christian Wulff , der nach gewonnener Landtagswahl an Gabriels statt Ministerpräsident wurde. Für den Verlierer in Goslar brauchte es dann etwas Neues, angemessen Staatstragendes, also erkannte die SPD souverän: Wir brauchen „Siggi Pop“, dann läuft’s auch wieder mit den Wählern! Ach, wie gut es dieser Partei mal ging. Gabriel zog den Quatsch zwei Jahre lang durch, ertrug den Spott und die Demütigungen – und kam irgendwann ganz oben an. Dass er nun da wieder weg soll, müsste trotzdem ihn am allerwenigsten wundern, schließlich hat er in den letzten Jahren gnadenlos alles überrannt, was auch mal mitmachen wollte bei dieser SPD, Parteibasis inklusive.

Hätte er doch diesmal einfach geschwiegen, anstatt auch noch das eigene Kind vorzuschicken, und sich stattdessen mit einem Whisky ins Halbdunkel zurückgezogen, um mal wieder das erste Album der Beatles anzuhören, das an diesem Wochenende 55 Jahre alt wird. Eingespielt wurde es damals an einem einzigen Tag, von zehn Uhr morgens bis viertel vor elf am Abend, in den berühmten Studios in der Abbey Road, und es ist nicht überliefert, dass sich John und Paul auch nur eine Minute lang gegenseitig an die Bärte gegangen wären (was allerdings auch der Tatsache geschuldet sein könnte, dass sie damals noch gar keine hatten, sondern immer noch die Frisuren aus der ersten Klasse, die eine ausreichend große Lücke ließen für Pauls beachtliche Segelohren).

Quelle    :        TAZ        >>>>>        weiterlesen

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Oben  —     Roter Faden in Hannover mit beschriftetem Aufkleber als Test für einen möglichen Ersatz des auf das Pflaster gemalten roten Strichs

 

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DL – Tagesticker 11.02.18

Erstellt von DL-Redaktion am 11. Februar 2018

Direkt eingeflogen mit unseren  Hubschrappschrap

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Schuldig muss nicht immer der Erstgenannte sein! Sicher nuschelt Mutti im Hintergrund schon: “ Wir, wir schaffen das schon !“. Wir schicken die Flüchtlinge als Tötungsmaterial zurück

Mit Rückendeckung der USA

1.) Israel bombardiert Syrien – wegen Iran

Drohende Eskalation zwischen Israel und Syrien: Nach dem Abschuss eines israelischen Flugzeugs durch die syrische Luftabwehr hat Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu mit Konsequenzen gedroht. Sein Land strebe zwar nach Frieden, werde sich aber gegen jeden Angriff und jeden Versuch verteidigen, „seine Souveränität zu verletzen“, erklärte er. „Der Iran will syrisches Gebiet dazu benutzen, Israel anzugreifen, mit dem erklärten Ziel, Israel zu zerstören.“ Netanjahu telefonierte nach dem Abschuss des israelischen F-16 Kampfjets mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und US-Außenminister Rex Tillerson. Aus den USA erhät er Rückendeckung:  Die US-Regierung unterstütze „Israels souveränes Recht auf Selbstverteidigung“, sagte eine Sprecherin des Außenministeriums. Eine „kalkulierte Eskalation“ durch den Iran gefährde alle Menschen in der Region.

n-tv

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Die Laienspielschar des Bundestages (von einigen dienernden Presseschreibern immer noch Regierung genannt), bremst sich Gegenseitig aus. Wer braucht denn diese Volkstreter noch ? Der mit dem meisten Übergewicht sollte schnellstens austeigen und die „dreckigen Zwei“ aus Silwingen schicken. Dann klappt es auch mit einen rechten Spahn im linken Auge!

Schulz von Bord, Merkel und Nahles unter Dr(e) ck

2.) GroKo-Express kommt nicht in Fahrt

Was für ein Stotter-Start! CDU/ CSU und SPD wollten nicht mehr zusammen auf Reisen gehen, aber sie mussten. Und jetzt das: Kaum startet der GroKo-Bus, steigt Noch-SPD-Chef Martin Schulz (62) schon wieder aus. Jetzt muss Andrea Nahles neben Bundeskanzlerin Angela Merkel im Führerhaus Platz nehmen.

BILD

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Chlodwigplatz

3.) Kölner Polizist vor KVB-Bahn gestoßen und getötet

Ein Polizist ist in Köln vor eine fahrende Straßenbahn gestoßen und so getötet worden. Der 32-jährige Beamte sei vom Täter zwischen zwei Wagen der fahrenden Bahn geschubst worden, sagte ein Polizeisprecher am Samstag. Der Fahrer habe dies nicht bemerkt, die Bahn überrollte ihn. Zwei Begleiter des Opfers wurden zur psychologischen Betreuung in ein Krankenhaus gebracht. Eine Mordkommission nahm die Ermittlungen auf. In seiner Kleidung haben die Beamten einen Dienstausweis entdeckt. Veit R., der in Köln seine Ausbildung machte und in Köln wohnte, hatte dienstfrei und mit Freunden in der Südstadt gefeiert, als es zu dem Drama kam.

Kölner Stadt-Anzeiger

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Kolumne Geht’s noch?

4.) Die Schande von Macerata

Groß war am vergangenen Samstag das Entsetzen, als in der ita­lienischen Kleinstadt Macerata ein 28-Jähriger immer wieder aus seinem Auto auf Menschen feuerte, genauer gesagt: auf Menschen mit schwarzer Hautfarbe. Am Ende waren sechs Verletzte zu beklagen, fünf Männer und eine Frau, aus Nigeria, Mali, Gambia, Ghana. Sie waren Opfer eines Rassisten geworden – doch Italiens Medien zeigten keinerlei Interesse an ihnen. Die Aufmerksamkeit galt allein dem Täter. Dass bei ihm zu Hause „Mein Kampf“ he­rumlag, dass er sich die Wolfsrune der Nazis auf die Schläfe hatte tätowieren lassen, dass er zugleich ohne Probleme bei der Lega Nord aktiv war, die in einer Allianz mit Silvio Berlusconis Forza Italia bei den Parlamentswahlen am 4. März antritt – all dies erfuhren wir. Für die Opfer dagegen war kein Platz.

TAZ

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Noch sind alle Vögel vor Ort. Niemand sieht sie – aber jeder hört sie zwitschern.

Landespolitik

5.) Meiser verzichtet auf Rechtsstreit mit dem Landtag

Die alarmierten Verfassungsrechtler im Saarland können in ein um den Rosenmontag verlängertes Fastnachts-Wochenende starten. In der Causa „Landtagspräsident Klaus Meiser (CDU) gegen den Landtag des Saarlandes“ wird es zumindest vorerst keinen Eilantrag auf vorläufigen Rechtsschutz beim Verfassungsgerichtshof geben. Professor Guido Britz, der Meiser – protokollarisch erster Mann im Land – vertritt, bestätigte am Freitagnachmittag, dass er entgegen ursprünglicher Pläne die Verfassungsrichter „vorerst nicht“ im Streit um die Aufhebung der parlamentarischen Immunität seines Mandanten bemühen werde.

Saarbrücker-Zeitung

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Hat die SPD denn jemals etwas anderes gemacht, als Ihre Stimmgenossen über den Tisch gezogen ? Schröder, Steinbrück, Riester, Müntefering ! Davor Lafontaine – als die Partei ihn am meisten brauchte, machte er sich vom Acker.  Sollten wir 150 Jahre zurückgenhen und Versager aufzählen?

Newsblog zur Groko Saleh:

6.) „Viele Genossen schütteln nur noch ratlos den Kopf“

Die SPD hat nach dem Abschluss der Koalitionsverhandlungen schwer mit sich selbst zu kämpfen: Parteichef Schulz zieht sich zurück, die Mitglieder sind gespalten. Doch auch bei der CDU rumort es. Alle Entwicklungen im Newsblog.

Der Tagesspiegel

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Wann wird die neue Kanzlerin der Heimat, Angela ihre „bunten Fahnen“ in der Hüpfburg von Korea aufstellen, um dort aus voller Kehle zu singen: „Kinderlied frühe 50er: „Ei ei ei Korea, der Krieg kommt immer näher …

7.) Olympia-Helden Dahlmeier und Wellinger feiern mit Schampus und Weißbier

„Wahnsinn, Wahnsinn. Jetzt ein gescheites Weißbier!“ So reagierte Andreas Wellinger auf sein Olympia-Gold im Skispringen, und Biathlon-Königin Laura Dahlmeier jubelte: „Das schreit nach einer Party.“ Die stieg dann nach dem goldenen Auftakt der Deutschen im Deutschen Haus tatsächlich. Nach dem Flug in den siebten Himmel hatte Wellinger postwendend seine verdiente Belohnung gefordert. „Jetzt hoffe ich, dass ich schnell irgendwo oa Weißbier herbekomm'“, sagte der neue Skisprung-Olympiasieger mit breitem Grinsen. Zuvor musste der Ruhpoldinger aber noch schnell ein ganz anderes Problem lösen.

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Hinweise und Anregungen nehmen wir gerne entgegen

Treu unserem Motto: Es gibt keine schlechte Presse, sondern nur unkritische Leser

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Grafikquelle: DL / privat – Wikimedia Commons – cc-by-sa-3.0

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