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Archiv für Dezember 1st, 2017

Als Zohra Bibi sich wehrte

Erstellt von DL-Redaktion am 1. Dezember 2017

Der harte Alltag von indischen Hausangestellten

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von Julien Brygo

In der Abenddämmerung drehen die Affen, Eichhörnchen und Vögel im Park noch mal richtig auf. Zohra Bibi1 sitzt auf einer Bank und erinnert sich an die Ereignisse vor einigen Wochen. Die Ankunft bei ihrer Arbeitgeberin, die Ohrfeigen, die Flucht, das beschlagnahmte Handy und die Nacht, in der sie im Modern Mahagun festsaß, einer Hochhaussiedlung in dem Neu-Delhi-Vorort Noida. Und dann die Kollegen, die am nächsten Morgen mit Stöcken und Steinen bewaffnet anrückten.

Am 12. Juli 2017 betrat die 29-jährige Bibi, eine von 500 Hausangestellten des Modern Mahagun, die Wohnung von Harshu Sethi. „Ich stehe morgens immer um 5.30 Uhr auf, damit ich vor sieben bei meinen Arbeitgebern bin und ihnen das Frühstück machen kann. Ich arbeite in acht Haushalten und verdiene insgesamt 10 000 Rupien (221 Euro). Das mache ich seit 12 Jahren. Mein ältester Sohn, mein Mann und ich haben schon beim Bau des Modern Magahun mitgearbeitet. Als die Bewohner eingezogen waren, wurde ich Hausangestellte. Ich bin eines Morgens einfach hingegangen und habe gefragt.“

Seit dem 13. Juli werden Zohra Bibi und ihr Mann Abdul von der Polizei gesucht. Sie verstecken sich in einer Wohnung weit weg von Noida, die ihre offiziell nicht angemeldete Gewerkschaft angemietet hat: die 7000 Mitglieder starke Organisation Gharelu Kamgar Union (GKU). In der Nacht vom 12. zum 13. Juli hatte Abdul die Polizei angerufen und zu Frau Sethi geschickt. Als seine Frau unauffindbar blieb, alarmierte er am frühen Morgen Kollegen und Nachbarn.

Zohra Bibi sitzt mit verschränkten Armen vor uns, sie trägt eine orangefarbene Kurta, ein Hauch Puder in derselben Farbe liegt auf dem Scheitel ihres kupferfarbenen Haars, „damit man mich für eine Hindu hält, so bleiben mir unnötige Probleme erspart“. Sie ist eine von Zehntausenden, mehrheitlich Muslimen, die aus der Provinz Westbengalen in die großen Städte gekommen sind.

Die Hochhäuser in Noida mit Klimaanlage, schnellem Internet, 50-Meter-Pool, privaten Wachleuten und zahlreichen Angestellten verheißen eine strahlende Zukunft. Die großen Anlagen in den Vorstädten, die wie Pilze aus dem Boden schießen, sind bei der oberen Mittelschicht heiß begehrt und verkörpern den Traum einer indischen global class, zusammengesetzt aus selbstständigen Handwerkern, Beamten, Ärzten oder Anwälten, die vor der Überbevölkerung und den überteuerten Mieten in Neu-Delhi fliehen. Hier wohnen nicht die Superreichen – laut US-Magazin Forbes stand Indien 2016 mit 100 Milliardären an vierter Stelle nach den USA, China und Deutschland. Es sind die Besserverdienenden, die sich nach einem Leben wie im Westen sehnen. „Wohnen in Noida, leben wie in Rom“, werben die Romano-Residenzen; „Ein anderer Ort, eine andere Welt“, schwärmt das Werbeschild der Residenz Jaypee Greens, vor deren Mauern die Hausangestellten in Wellblechhütten hausen.

Der 13. Juli begann wie jeder andere Tag in den stuckverzierten, von Tennisplätzen, schattigen Gärten und Minigolfanlagen umgebenen Mahagun-Hochhäusern, die Manhattan, Venezia oder Eternia heißen. Die Damen wollten ihre Kinder zur Schule bringen oder sich für ihren Yogakurs fertigmachen, während die Ehemänner per Smart­phone bei Ola oder Uber einen Wagen bestellten, um sich ins Büro im Stadtzentrum fahren zu lassen.

Doch dieser Morgen verlief anders als gewohnt: Einige hundert Haushaltshilfen, begleitet von ihren Männern und Nachbarn aus den Elendsvierteln – Bauarbeiter, Rikschafahrer, Gemüseverkäufer –, durchbrachen die Zäune der Anlage, um Zohra Bibi zurückzuholen, weil sie glaubten, sie sei in Gefahr. Für einen kurzen rebellischen Moment traten sie aus ihrer gewohnten Unsichtbarkeit heraus.

Auf die Frage, wie genau der Streit mit ihrer Herrin eskaliert sei, antwortet Zohra Bibi ausweichend. Drei Klagen wurden noch am selben Tag von der Arbeitgeberin, deren Nachbarschaft und der Verwaltung des Modern Mahagun eingereicht: wegen „Aufruhr“, „Sachbeschädigung“ und „versuchtem Mord“. Die vierte, Abduls Anzeige gegen die Arbeitgeberin Sethi wegen „Freiheitsberaubung“, wurde nach zehn Tagen ad acta gelegt.

Der Manager fürchtet um den Ruf des Modern Mahagun

Jetzt ist die Justiz am Zug, und Zohra Bibi muss aufpassen, was sie sagt. An dem Tag, als sie ihre Lohnrückstände, ungefähr 7000 Rupien (91 Euro) abholen wollte, habe Frau Sethi sie geohrfeigt und geschubst. „Dann hat sie gedroht, mich in die Mülltonne zu werfen. Ich hatte eine Bezahlung für das stundenlange Reinigen ihrer Kleidung gefordert, das eigentlich nicht zu meinen Aufgaben gehört. Sie schrie mich an und wollte 17 000 Rupien [220 Euro] zurückhaben, aber ich hatte nichts gestohlen. Sie hat mich mehrmals ins Gesicht geschlagen und wollte mich bei den Sicherheitsleuten anzeigen, dann hätte ich alle meine Arbeitgeber verloren. Ich bin die ganze Nacht im Modern Mahagun geblieben. Am nächsten Morgen haben mich die Sicherheitsleute geholt und rausgebracht.“

Nie zuvor hat die indische Oberschicht einen solchen Aufstand ihrer Hilfskräfte erlebt. Das fühle sich jetzt an wie ein „Knöchelchen, das uns in der Kehle steckt und das wir weder runterschlucken noch ausspucken können“, erklärte später eine Bewohnerin gegenüber einer Journalistin der New York Times.2

Einen Monat nach dem Aufruhr empfängt man uns im Büro des Modern Mahagun. An den Wänden des hellen Zimmers hängen Dutzende Pläne von Großprojekten namens Mahagun Maestro, Mahagun Manor, Mahagun Mansion und so weiter. Der PR-­Mann Manish Pandey schwärmt von seinem Produkt: „Im Einkaufs­zen­trum gibt es 64 Geschäfte. Wir haben eine Grundschule und diverse Freizeitangebote: Tennis, Basketball, Fitness und einen Swimmingpool. Hier leben 2600 Menschen auf 25 Hektar – von der Standardausführung mit Schlafzimmer, Küche und Wohnzimmer bis hin zu Luxusapartments mit 137 Quadratmetern.“

Bei der Frage nach den Hausangestellten, die von früh bis spät, zu unmöglichen Zeiten und ohne Pausenraum von Wohnung zu Wohnung eilen, verzieht der PR-Mann das Gesicht. Dass die Leute keine eigene Dienstbotenwohnung hätten, sei noch lange kein Grund, den Ruf der Anlage zu beschmutzen. „Schreiben Sie nichts Negatives über uns. Erwähnen Sie nicht den Zwischenfall vom letzten Monat. Jetzt ist alles wieder normal. Unsere 120 Sicherheitsleute haben die Situation völlig im Griff.“

Am Tag nach der Auseinandersetzung ließ die örtliche Verwaltung Dutzende Obst- und Gemüsestände vor dem Haupteingang des Modern Mahagun zerstören, weil sich deren bengalische Besitzer angeblich dem Protest angeschlossen hatten. Im benachbarten Elendsviertel, dessen Bewohner den Beamten vor Ort einmalig 10 000 Rupien (130 Euro) und monatlich 700 Rupien (9 Euro) Miete zahlen müssen, wurden 58 Männer verhaftet und misshandelt und ihre Hütten von Polizisten verwüstet.3

Auf die erste Welle der Solidarität folgte die Angst, registriert oder verhaftet zu werden oder seinen Broterwerb zu verlieren. „Wir haben uns an dem Morgen versammelt, um unsere Kollegin zurückzuholen“, erinnert sich Amina Bibi, eine Nachbarin von Zohra. „Wir wussten nicht, was ihr zugestoßen war, und als die Sicherheitsleute sie rausgeschubst haben, sahen wir, wie schwach sie war. Man hatte sie die ganze Nacht drinnen festgehalten und geschlagen.“

Amina Bibis Mann ist einer von 13 Aufrührern, die Ende August immer noch im Gefängnis in Dasna saßen. Ihr Prozess soll noch in diesem Jahr stattfinden.

Bereits 2001 verabschiedete die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) ein erstes Übereinkommen zum Schutz von Hausangestellten,4 deren Zahl zwischen 1995 und 2011 weltweit um 60 Prozent gestiegen ist. Doch eine Ausbildung nach dem Vorbild des rund um die Uhr verfügbaren Dienstmädchens, wie in manchen europäischen Ländern teilweise noch bis Mitte des 20. Jahrhunderts üblich, wäre für die Verhältnisse im heutigen Indien zu teuer.

Die Millionen indischen Hausangestellte, die meist in mehreren Haushalten arbeiten, kommen aus wenig entwickelten Provinzen wie Bihar, Jharkhand, Uttar Pradesh, Assam oder Westbengalen. Hauptgrund für den Exodus ist die Armut in den ländlichen Gebieten. Hinzu kommt, ähnlich wie in Zentralasien, die enorme Belastung, die eine Heirat für die Familie der Braut bedeutet, weil sie nicht nur eine Mitgift aufbringen, sondern auch alle Feierlichkeiten bezahlen muss.

Die Marxistin Savita will nicht auf ihren Koch verzichten

Quelle   :    Le Monde diplomatique >>>>> weiterlesen

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Grafikquelle     :

Greenery surrounded by skyline’s of nehru place.

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Politische Analyse Geld III

Erstellt von DL-Redaktion am 1. Dezember 2017

Irrlehren der Wirtschaftswissenschaft: Geldschöpfung (Teil 3)

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politische analyse

Viele, besonders die neueren Theorien über die Geldschöpfung stiften Verwirrung, weil sie wenig mit der Realität zu tun haben, diese oftmals vollkommen ausblenden oder nicht wahrhaben wollen. Aber die Bedrohungen für das Finanzsystem kommen nicht aus der Geldschöpfung sondern haben ihre Ursachen in erster Linie in der Realwirtschaft.

Die Geldschöpfung, also die Schaffung neuen Geldes, erfolgt über die Notenbanken. Sie alleine haben die Hoheit des Gelddruckens. Dessen Einbringung in den Geldkreislauf erfolgt über die Geschäftsbanken, die das von den Notenbanken zur Verfügung gestellte Geld an Kunden weiter verleihen. Sie sind es wohl, die den Kredit schaffen, d.h. die Ausgabe von Geld an Kreditnehmer gegen Hinterlegung von Sicherheiten und die Zahlung von Zinsen. Aber dieses Geld, das sie verleihen, wird ihnen aus anderen Quellen wie Kundeneinlagen, Zentralbanken, Interbankenhandel und Eigenkapital zur Verfügung gestellt. Dafür zahlen sie diesen Geldgebern Zinsen. Sie schaffen also durch diesen Vorgang der Kreditvergabe kein neues Geld, denn sie besorgen es sich aus anderen Quellen. Sie stützen ihre Kreditvergabe auf vorhandenes.

Durch die Kreditvergabe an Kunden werden zwar Buchgeld und Sichteinlagen geschaffen, aber auch diese sind kein neues Geld, nur weil es nun einen anderen Begriff bekommen hat. Dieser Vorgang der Schaffung von Kredit, Buchgeld und Sichteinlagen ist finanztechnisch neutral. Denn was dem Konto des Kreditnehmers gut geschrieben wird, damit wird er auch gleichzeitig als Forderung belastet. Diese Beträge gleichen sich bilanztechnisch aus. Wenn am Ende der Kredit getilgt ist, ist auch die Forderung der Bank gegen den Kreditnehmer erloschen. Forderungen und die Zahlungen der Kreditraten gleichen sich gegenseitig wieder aus. Das einzige Geld, das in diesem Kreditvorgang neu geschaffen wurde, ist der Zinsbetrag, den die Bank als ihren Gewinn vereinnahmt. Aus diesem Vorgang aber entsteht keine Gefahr für das Geldsystem.

Würde die Geldschöpfung unterbunden werden, wäre die Folge die Stagnation des Wirtschaftswachstums bzw. das Ansteigen der Zinsen, wie es in den 1970er Jahren zu beobachten war, als die Bindung an die Golddeckung die Ausweitung der Verschuldung behinderte. Das starke Anwachsen der Inflation und der Leitzinsen führten zu einer Erscheinung, die die Wirtschaftswissenschaft als Stagflation bezeichnete. Zwar verzeichnete die Wirtschaft Wachstum, aber aufgrund der hohen Inflation und Zinsen blieb davon kaum Gewinn übrig, zumindest in der Realwirtschaft, wohl aber bei den Banken aufgrund der hohen Kreditzinsen. Hier, in der Verschuldung besonders der Realwirtschaft und des Staates, liegen die wirklichen Gefahren für das Finanzsystem.

Bei der Aufrechterhaltung und Ausweitung der Produktion kommt der moderne Kapitalismus nicht mehr aus ohne die Fremdfinanzierung von Investitionen. Die Kapitalmengen, die für Großprojekte benötigt werden, können in den meisten Fällen nicht aus den Rücklagen der Unternehmen erbracht werden. Das Risiko einer solchen Finanzierung ist recht problemlos, solange die wirtschaftlichen Entwicklungen sich so vollziehen, wie bei Aufnahme des Kredits angenommen.

Nun hat aber der Kapitalismus die unangenehme Eigenschaft, sich im konjunkturellen Auf und Ab zu bewegen. Es gibt also Zeiträume, in denen die wirtschaftliche Entwicklung hinter den Erwartungen zurück bleibt. Zudem erschwert eine weitere Eigenart des Kapitalismus ein planbares Wirtschaften. Das ist die Konkurrenz. Wirtschaften wird im Kapitalismus nicht von der gesamtgesellschaftlichen Vernunft bestimmt sondern von der privaten Renditeerwartung. Gesamtgesellschaftlich ist es nicht vernünftig, in der Autoindustrie Produktionskapazitäten aufgebaut zu haben, die 30% mehr Produkte ausstoßen können, als der Markt aufnimmt. Das bedeutet, dass 30% des investierten Kapitals unproduktiv sind, fehlinvestiert. Und die Autoindustrie ist nicht die einzige, in der solche unproduktiven Überkapazitäten herrschen. Das ist mittlerweile die Regel in allen Industriebereichen, siehe Siemens mit seinen Betriebs-Stilllegungen in der Kraftwerkssparte.

Ähnliches gilt für die Stahlindustrie, wo Thyssen-Krupp, die auch schon aus einer Fusion mit Kapazitätsabbau hervorgegangen sind, nun mit Tata fusionieren, um eine Bereinigung des Stahlmarktes zu ihren Gunsten zu bewirken. Das bedeutet, dass die Anpassung der Produktionskapazitäten an die Aufnahmefähigkeit der Märkte vollzogen wird unter Vernichtung von investiertem Kapital.

Solange es sich dabei um Eigenkapital handelt, ist das eher zu verkraften, auch wenn es die Rentabilität des Unternehmens belastet. Handelte es sich aber um Fremdkapital, das von Banken finanziert wurde, so sind weiterhin die Zinsen und Tilgungen zu zahlen. So hatte auch airberlin als jüngstes Beispiel einer solchen Entwicklung durch die angelaufenen Verluste aus Geschäftstätigkeit und Verbindlichkeiten eine Schuldenlast von zuletzt etwa 2 Mrd. Euro angesammelt. Die Gläubiger blieben weitgehend auf ihren Forderungen sitzen. Sie verloren Geld.

Der Konkurrenzkampf der Unternehmen untereinander führt zum Aufbau von Produktionskapazitäten, die dem Marktvolumen nicht entsprechen. Hier entstehen die Schuldenberge, die dann auch die Banken selbst in Schwierigkeiten bringen, besonders wenn in der Krise oder dem konjunkturellen Abschwung die Ertragskraft der Unternehmen einbricht und Schuldendienst nicht mehr geleistet werden kann. Auch sie gehören dann zu den Gläubigern, die Geld verlieren.

„Das Volumen an sogenannten zahlungsgestörten Krediten betrug Ende März [2017] laut EZB 921 Milliarden Euro in der Eurozone“ (FAZ vom 28.11.17: Weg für Abbau fauler Kredite). Bei diesen sind Tilgung und Zinszahlungen seit mehr als 90 Tagen überfällig, weshalb sie als faule Kredite eingestuft werden. Dabei handelt es sich nicht um staatliche sondern um Verbindlichkeiten von Unternehmen und Privaten. So meldete die Frankfurter Allgemeine Zeitung, die Banken weichten „ihre Bedingungen für Unternehmens- und für Immobilienkredite weiter auf“ (FAZ vom 19.7.17: Banken lockern Kreditstandards). Man nimmt also höhere Risiken in Kauf, um mehr Kredite ausgeben zu können. „Die Zentralbank nennt als Triebfeder dieser Entwicklung den Wettbewerbsdruck“ (ebenda).

Besonders die griechischen und italienischen Banken sitzen auf hohen Beständen uneinholbarer Forderungen, weil deren Wirtschaft bei weitem noch nicht das Niveau erreichen konnte, das sie vor der Krise von 2008/9 hatte. Die nachlassende Konkurrenzfähigkeit und Ertragskraft dieser Volkswirtschaften erschwert die Bedienung der Verbindlichkeiten der Unternehmen gegenüber den Banken. Hinzu kommt die daraus folgende Schwäche der privaten Schuldner, die aufgrund der Schwäche der Wirtschaft nicht mehr über das Einkommen verfügen, um besonders die Immobilienkredite bedienen zu können. Aber auch Frankreich hat mit der nachlassenden Ertragskraft seiner Unternehmen und hoher Arbeitslosigkeit zu kämpfen.

Das Wohl und Wehe der Banken hängt an der Ertragskraft der Realwirtschaft, wovon auch die Zahlungskraft der Beschäftigten als Immobilienschuldner abhängig ist. Ist die Wirtschaft in der Lage, die aufgenommenen Kredite zu bedienen, dann wird sich auch der Bankensektor in Europa erholen. Sollte aber der bisher achtjährige konjunkturelle Aufwärtstrend bald einmünden in einen wirtschaftlichen Abschwung mit Insolvenzen und zunehmender Arbeitslosigkeit, so drohen neue Gefahren für die Finanzwirtschaft, die sich selbst in Deutschland noch nicht von den Nachwehen der Krise hatte erholen können.

Ist zwar die Realwirtschaft der Auslöser der Erschütterungen in der Finanzwelt, so ist das Bankenwesen selbst der Verstärker solcher Entwicklungen. Die vergangene Finanzkrise war durch die Maßnahmen der Staaten und Notenbanken bereits stabilisiert, hätten nicht die Schutzmaßnahmen der Geschäftsbanken zu einer Krise der Realwirtschaft geführt. Die Austrocknung des Interbankenhandels, herbeigeführt durch die Angst, von anderen Banken mit in den Abgrund gezogen zu werden, und die Kündigung von Krediten gegenüber Unternehmen haben die Realwirtschaft in ernsthafte Schwierigkeiten gebracht.

All dies aber hat mit der Geldschöpfung nichts zu tun. Im Gegenteil hat das Fluten der Märkte mit frischem Geld gerade in der Finanzkrise von 2007/8 die Stabilisierung des Finanzsektors bewirkt und das Austrocknen des Handels unter den Banken, d.h. des gesamten Zahlungsverkehrs verhindert.

Die Krise ist nicht durch Geldschöpfung entstanden, nicht durch neu geschaffenes Geld. Sie ist vielmehr entstanden durch das Vorhandensein von überschüssigem Geld. Die Finanzkrise hatte ihre Anfänge in Geld, das nach Anlage suchte. Zu Beginn der 2000er Jahre herrschte Anlagenotstand, d.h. es gab nicht genug lohnende Investitionsmöglichkeiten, die den Renditeerwartungen der kapitalstarken Anleger und Investoren entsprachen.

Da die Realwirtschaft nicht mehr genug Ertrag erwirtschaften konnte aufgrund der hohen Überkapazitäten in den Produktionsanlagen, drängte das Geld in die Finanzmärkte. Billionen von Dollar, Yen und Euro schwirrten nach dem Fall der Finanzmarktregulierungen um den Erdball und suchten lohnende Anlageformen.

Diesem Bedürfnis der Investoren und Anleger trugen die Finanzinstitute Rechnung mit dem Ausbau bereits vorhandener Finanzinstrumenten, aber auch mit Neuentwicklungen. Sie bündelten Immobilienkredite in Form von Zertifikaten mit hohem Zins, die sie an die Börsen brachten. In diese Zertifikate und die anderen neuen Anlageformen floss das Geld der Anleger. Aber es war bereits vorhandenes, bereits erwirtschaftetes Geld. Es war genau das Geld, das die Kritiker der Banken und Notenbanken als das „wahre“ Geld ansehen. Es waren in den Anfängen gerade die Geldmengen, die nicht von den Notenbanken kamen oder auf Kredit aufgenommen waren. Das kam erst später gegen Ende des Hypes. Es war das Geld, das auf den Konten lag und das mehr werden sollte. Es war das Geld, das seine Besitzer übrig hatten. Es war das Geld, von dem die Besitzer und Investoren wollten, dass es mehr wird. Denn das ist die innere Triebkraft des Kapitalismus: Die Kapitalverwertung. Kapital wird investiert, um mehr Kapital zu schaffen.

Rüdiger Rauls Buchveröffentlichungen:

Wie funktioniert Geld? Buchbeschreibung

Kolonie Konzern Krieg – Stationen kapitalistischer Entwicklung Buchbeschreibung

Zukunft Sozialismus oder die Grenzen des Kapitalismus Buchbeschreibung

Die Entwicklung der frühen Gesellschaften-Die Geschichte Afghanistans Buchbeschreibung

Was braucht mein Kind? Buchbeschreibung

Späte Wahrheit (Prosa) Buchbeschreibung

Herausgeber von:

Imre Szabo: Die Hintermänner ( ein politischer Krimi)Buchbeschreibung

Imre Szabo: Die Unsichtbaren ( ein politischer Krimi)Buchbeschreibung

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Grafikquelle    :     Ein Sack voll Euro  —   Grafik

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Neue Studie zur Treuhand

Erstellt von DL-Redaktion am 1. Dezember 2017

Treuhand hieß „rigorose Unterwerfung“

Kotau vor einem chinesischen Yamen

Von Hanna Voß

Der radikale Privatisierungskurs kurz nach der Wende hat ein Trauma im Osten hinterlassen. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie.

BERLIN taz | Dezidiert linke Kritik wie diese hört man aus den Reihen der SPD nur noch selten: Als „Symbol eines brutalen, ungezügelten Kapitalismus“ hatte Iris Gleicke, die sozialdemokratische Ostbeauftragte der Bundesregierung, die Treuhandanstalt bezeichnet – und Wissenschaftler der Ruhr-Universität Bochum mit einer Studie (PDF) beauftragt: Sie sollten das Wirken und vor allem die Wirkung der Treuhand untersuchen, die noch in den letzten Tagen der DDR 1990 gegründet worden war. Ihr Zweck: volkseigene Betriebe und Kombinate „marktfähig“ machen – durch Sanierung, Privatisierung oder Schließung.

Jetzt wurde der mehr als 130 Seiten starke Abschlussbericht veröffentlicht, und er hilft dabei, die politischen Strukturen zu verstehen, die sich im Osten zusehends stabilisieren. Man muss sich das einmal vorstellen: Ausschließlich westdeutsche Industriemanager, Unternehmer und Beamte bekommen über Nacht die Verfügungsgewalt über 8.000 ostdeutsche Betriebe mit mehr als vier Millionen Beschäftigten.

Sie dürfen entscheiden, welche Firmen geschlossen oder ob Mitarbeitende zu Hunderttausenden entlassen werden. Und die BRD-Regierung unter Kanzler Helmut Kohl nennt das Ganze einen „alternativlosen Einsatz“.

Dabei gab es sehr wohl Überlegungen aus dem linken politischen Lager, die Treuhand nicht als eine rein betriebswirtschaftliche Agentur, sondern vielmehr als eine sozial und volkswirtschaftlich eingebundene Institution zu installieren. Doch der marktradikale Privatisierungskurs setzte sich durch.

Eine ostdeutsche „Bad Bank“

Die Treuhand wurde in der Erinnerung so zu einer „ostdeutschen Bad Bank“, schreiben die Autoren der Studie, die Bochumer Zeithistoriker Constantin Goschler und Marcus Böick. Weitgehend unbeachtet von öffentlichen, politischen oder wissenschaftlichen Wahrnehmungen habe sich so langfristig ein „ausgesprochen negativ konnotierter Erinnerungsort in der ostdeutschen (Teil-)Gesellschaft etabliert“.

Quelle     :     TAZ      >>>>>     weiterlesen

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Grafikquelle   :     Kotau vor einem chinesischen Yamen

 

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DL – Tagesticker 01.12.17

Erstellt von DL-Redaktion am 1. Dezember 2017

Direkt eingeflogen mit unseren  Hubschrappschrap

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So sagt er – Morgen auch noch ?

Juso-Chef:

1.) Die SPD wird in keine große Koalition gehen

Der neue Juso-Chef Kevin Kühnert fordert den SPD-Vorsitzenden Martin Schulz auf, einer Neuauflage der großen Koalition beim Spitzentreffen mit Angela Merkel und Horst Seehofer eine klare Absage zu erteilen. Er erwarte, dass Schulz am Abend bei dem Gespräch mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier auf den gültigen Beschluss der SPD hinweise, sagte Kühnert der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ vom Donnerstag. „Und das bedeutet: Die SPD wird in keine große Koalition gehen.“

FAZ

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Wären nicht die Mobbing-Opfer im eigenen Land für eine Deutsche-Presse viel interessanter?

Rücktrittsgerüchte um Rex Tillerson

2.) Mobbing à la Trump

In seiner Rolle als gnadenloser Manager in der TV-Serie „The Apprentice“ liebte es Donald Trump, junge Mitarbeiter mit großer Geste zu entlassen: „Sie sind gefeuert“, sagte er dann kühl. Als Präsident will er nun wohl seinen Außenminister Rex Tillerson loswerden und wählt dafür den indirekten Weg. Er will ihn offenbar aus dem Amt mobben.

Spiegel-Online

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EU-Afrika-Gipfel:

3.) UNHCR will Flüchtlinge aus libyschen Lagern nach Europa bringen

Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) hat die Pläne des EU-Afrika-Gipfels kritisiert, afrikanische Migranten von Libyen aus in den Tschad und den Niger zu bringen. Das komme „weiterhin nur für eine Handvoll Flüchtlinge infrage“, warnte ein UN-Sprecher im Gespräch mit der Welt. Mittelfristig müsse man vielmehr in Libyen selbst „Schutzgründe prüfen und das Resettlement von dort aus nach Europa ermöglichen“.

Zeit-Online

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Vielleicht löst sich die ganze Sache ja in Wohlgefallen auf, nach dem die CDU tiefergelegt wurde.

Gastkommentar Kosten des Tiefbahnhofs

4.) Salamitaktik „Stuttgart 21“

Das Bahnprojekt in Stuttgart war nie wirtschaftlich oder leistungsfähig. Der Ausstieg lohnt sich immer noch mehr als das Weiterwursteln. Die Salami-Taktik bei Stuttgart 21 geht weiter: Im Jahr 2012 hieß die Sollbruchstelle 4,5 Milliarden Euro, nur fünf Monate später wurden die Baukosten für den neuen Tiefbahnhof auf 6,5 Milliarden taxiert. Jetzt sollen es also 7,6 Milliarden sein. Dass diese jetzt das Kosten­ende für das Projekt sein soll, glaubt kein Mensch mehr. Schon im September 2016 hat der unabhängige Bundesrechnungshof für das Prestigeprojekt 9 bis 10 Milliarden Euro kalkuliert. Der eigentliche Skandal ist nicht, dass die Bahn seit Jahren die Kosten schönrechnet, sondern die Gleichgültigkeit der verantwortlichen Politik. Von Beginn an zählten bei Stuttgart 21 weder Wirtschaftlichkeit noch Leistungsfähigkeit.

TAZ

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Auch die Bananenrepublik zieht einen ihrer politschen Randpfosten ab! Gabriel hatte den Raketentest „im Namen der Bundesregierung aufs Schärfste“ verurteilt, als  „rücksichtslose Verhalten“. Folgen wir diesen Wortlaut, nutzte  Merkel gegen Müller aus der CSU die Gleichen.  Er warf die Glyphosat Keule sogar auf die eigene Bevölkerung.

Deutschland

5.) schränkt diplomatische Beziehungen zu Nordkorea ein

Nach dem jüngsten Raketentest Nordkoreas schränkt Deutschland seine diplomatischen Beziehungen zu dem ostasiatischen Land weiter ein. Ein deutscher Diplomat – aber nicht der Botschafter – werde aus der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang abgezogen, sagte Außenminister Sigmar Gabriel bei seinem Besuch in Washington. Die Bundesregierung habe Pjöngjang zudem aufgefordert, Diplomaten aus der nordkoreanischen Botschaft in Berlin abzuziehen.

Sueddeutsche-Zeitung

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Der Teutsche Alarmmist ist wieder da – aus Angst um seinen Job ?

6.) De Maizière mahnt zur Eile bei Regierungsbildung –

aus Sicherheitsgründen

Am Donnerstagmorgen besuchte Bundesinnenminister Thomas de Maizière das Gemeinsame Terrorismusabwehrzentrum in Berlin. De Maizière sprach dort mit den Spitzen der Sicherheitsbehörden des Bundes sowie mit dem Generalbundesanwalt und der Leiterin der obersten Migrationsbehörde BAMF über die aktuelle Sicherheitslage in Deutschland und die Zusammenarbeit im Terrorabwehrzentrum. In dem Pressestatement nach seinem Besuch im Terrorismusabwehrzentrum mahnte De Maizière mit Blick auf die Sicherheit in Deutschland zur Eile bei der Regierungsbildung: „Eine stabile Regierung ist immer gut für die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger“.

Der Tagesspiegel

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Alles eine arrangierte Protestnote aus dem Saarland nach den Motto :  – Tausche Rank und Schlank, gegen einen kurzen Knubbel ?

Weihnachtliches aus dem Saarland

7.) Baum aus Uchtelfangen ziert Kanzleramt

Familienfoto mit Baum und Kanzlerin: Angela Merkel hat gestern die traditionellen Weihnachtsbäume für ihren Amtssitz in Berlin in Empfang genommen. Einer davon kommt aus dem Illinger Ortsteil Uchtelfangen – nämlich aus dem Vorgarten von Familie Six, die hier mit Merkel posiert. Zwei weitere Tannen für das Kanzleramt stammen aus Niedersachsen und Hamburg.

Saarbrücker-Zeitung

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Hinweise und Anregungen nehmen wir gerne entgegen

Treu unserem Motto: Es gibt keine schlechte Presse, sondern nur unkritische Leser

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Grafikquelle: DL / privat – Wikimedia Commons – cc-by-sa-3.0

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