DEMOKRATISCH – LINKS

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RENTENANGST

Archiv für November 11th, 2017

Der Kampf um Begriffe

Erstellt von DL-Redaktion am 11. November 2017

Heimat: Anbiederung und Diabolisierung

Heimat war Europa vom 12. Lebensjahr an. 6 Wochen Schulferien im Sommer.

Quelle  :   Untergrundblättle

von Fatty McDirty / lcm

Ich muss gestehen, ganz verfolgt habe ich die Debatte nicht. Es hat sich wohl so zugetragen: Von mässigen Wahlergebnissen geschüttelte Grüne und Sozialdemokraten versuchten, einen Begriff umzubesetzen, mit dem die Rechte seit einigen Jahren hausieren geht: Heimat.

Dass nun auch irgendwie linksmittig wahrgenommene Parteien (hört, hört, sogar Die Linke) von Heimat redeten, rief wiederum jene auf den Plan, die seit Jahren um die Reinhaltung der linken Sprachlandschaft bemüht sind. Empörungen wurden ausgetauscht, dass die Tasten rauchten. Aus dem Twitter-Schlachtfeld schwappte das Thema in den Feuilleton und wurde da mit der üblichen Distinguiertheit hin- und hererwogen, sodass vom Sold des Schreibens der ein oder andere Spätburgunder erworben werden konnte. Ein paar Tage später war der Sturm, der die Herzen und Köpfe erschütterte, wieder vorbei. War die Aufregung beim Begriff Volk, der schon zuvor durch denselben Verwertungszyklus öffentlichen Schockiertseins getrieben wurde, noch nachhaltiger, konnte Heimat nur ein paar Tage den Social-Media-Feuilleton-Blog-Füller spielen. Das Ergebnis war einfach: Die Linke schmäht den Begriff, die Rechte tunkt ihn in Blut und mariniert ihn mit Boden zum Rattenfang und der Feuilleton-Journalismus zieht weiter.

Zur selben Zeit aber, als diese Debatte in meine Twitter-Timeline einbrach, war ich gezwungen, mich mit Gedanken zu beschäftigen, die das diabolische Thema irgendwie streiften. Zum einen nämlich bemerkte ich den Widerspruch, der sich zwischen den Sprachwelten entspann, in denen ich mich bewegte. Ich bin ja immer noch in Rojava und wenn ich kurdisch spreche, mich mit kurdischen Freunden austauschte, spreche ich selbstverständlich vom „Volk“ oder von „unserer Heimat“. Auf Deutsch hätte ich dasselbe wohl umschrieben, von „der Bevölkerung“ geredet oder von dem „Land, aus dem wir kommen“. Das machte aber übersetzt gar keinen Sinn, erst recht nicht in politischem Kontext.

Zum anderen aber betrifft mich Heimat nun auch noch auf andere Weise. Ich habe nämlich seit einigen Monaten wachsendes Heimweh. Ein sonderbares Gefühl. Versteht man sich als Revolutionär, sollte man es eigentlich nicht fühlen, oder doch? Was vermisse ich eigentlich? Was heisst eigentlich Heimat, für jemanden, der Nationalstaaten und ihren Patriotismus ablehnt? Die spontane Antwort war einfach: Ich vermisse meine Genoss*innen und meine Familie, mehr als alles andere. Ich vermisse bestimmte Orte, mit denen ich schöne Erfahrungen verband: Die Herbstwälder Brandenburgs, die Thekenstimmung in der Kreuzberger Meuterei, Klettern am RAW-Gelände. Ich vermisste auch die Kultur, die ich gewohnt war: Punkrock, Picknick am See, Milchkaffee am Heinrichplatz.

Natürlich diskutiere ich dieses Gefühl mit Genoss*innen und mir selber, denn schliesslich ist ja auch eine unserer Aufgaben hier, bei allem, was sich so in uns abspielte, nachzufragen, ob es sich für eine militante Persönlichkeit eigne oder nicht. Die Meinungen gehen auseinander: Einige halten es für eine liberale Abirrung, denn schliesslich sind wir Revolutionär*innen und müssen dort zuhause sein, wo wir gerade kämpfen. Andere betonten, dass es dennoch eine gute Regung sei, denn schliesslich sei die Bindung an die eigenen Genoss*innen eine der wichtigsten Eigenschaften jedes und jeder Militanten.

Kampf um Bedeutung

Wie auch immer man es hin- und herschiebt: In jedem Fall ist diese Bindung an die Heimat nichts Schockierendes, sondern eine menschliche Regung, die man auf ihre Gründe hin befragen kann. Bemüht man eine der Umfragen, die zu dem Thema fabriziert wurden, findet man heraus: 91 Prozent der Deutschen empfinden Heimat als einen positiven Wert. So weit, so trivial. Interessanter ist, was die Umfrage zu den Inhalten dieses Begriffs sagt: 92 Prozent definieren Heimat über „Menschen, die ich liebe bzw. mag“. Andere populäre Bedeutungskomponenten: der Ort, an dem man wohnt, Gefühle wie „Sicherheit“ und „Geborgenheit“ und weniger, aber doch noch sehr wichtig: Traditionen, Mundarten, Gebräuche.

Die Verwendung des Begriffs Heimat im Alltag hat viele Aspekte, die für politisches Handeln bedeutend sind: Der Begriff ist ziemlich diffus; er hat Bedeutungskomponenten, die offen sind für rechte wie linke Inhalte; er spiegelt Sehnsüchte wieder, von denen diejenigen, die sie in ihm sehen, oft selbst nicht klar und deutlich wissen; und er hat immer auch diesen Bezug auf das (Noch-)Nicht-Vorhande, das, was Bloch die „unfertige Heimat“ nennt.

Wie der Begriff jeweils bestimmt ist, ist auch Ergebnis und Ausdruck gesellschaftlicher Kräfteverhältnisse. In Rojava zum Beispiel ist der Begriff der Heimat, welat, allgegenwärtig. Familien, die der kurdischen Befreiungsbewegung nahestehen, heissen welatparêz, diejenigen, die die Heimat schützen. Die derzeit laufende Kampagne der Jugend Rojavas trägt den Namen welat welate me soz soza me: Die Heimat ist unsere Heimat, der Schwur ist unser Schwur. Linke Zeitungen heissen azadiya welat, Freiheit der Heimat, unter Guerillas ist welat ein gängiger Kampfname.

Gleichzeitig bedeutet dieses welat nicht eine Heimat etwa exklusiv für Kurd*innen. Oder exklusiv für Sunnit*innen. Oder für sonst irgendeine ethnische, religiöse Gruppe. Es ist das gemeinsame welat, das von allen mit allen für alle aufgebaut werden soll. Es ist die Heimat der gesamten Revolution. Und klar, auch welat hat seine Feinde, sein aussen: diejenigen, die die Revolution ersticken wollen.

Jetzt gibt es natürlich einen massiven Unterschied zwischen der Verwendung von Heimat bei antikolonialen Bewegungen und innerhalb imperialistischer Staaten mit lebendiger faschistischer Tradition wie Deutschland. Und dennoch zeigt das Beispiel: wie ein Begriff, der dermassen politisch ist, konnotiert ist, hängt davon ab, wer die Hegemonie über seine Deutung hat.

File:08 15 in der Heimat Logo 001.svg

Anbiederung und Publikumsbeschimpfung

Wie man damit umgeht, ist damit allerdings noch nicht gesagt. Es gibt mehrere Möglichkeiten. Die deutsche Linke wählt zielstrebig die zwei muffigsten. Ein Gros der liberalen Linguistik-Linken tut, was es immer tut: Den Begriff und seine Verwender diabolisieren, zu Krypto-Nazis erklären und zu meinen, mit Verboten im „eignen“ Lager (auf irgendjemanden sonst hat man ja ohnehin keinen Einfluss) eine Diskursverschiebung nach rechts zu vermeiden. Man druckt dann poppige Sticker, auf denen „Heimat halt‘s Maul“ steht, klebt sie in irgendwelche Dörfer, in denen man politisch nicht arbeitet, und sieht sich bestätigt, wenn der Volksmob tobt: Sehet, wie verdorben der Pöbel ist, der die in drölfzig Soziologieseminaren ersonnene und von professionellen Layoutern in Form gegossene Aufklärung nicht versteht.

Die Gegenbewegung kehrt die Publikumsbeschimpfung in Anbiederung um: Professionelle Politiker*innen wie Sahra Wagenknecht oder Bodo Ramelow nehmen den Heimat-Begriff in der Hoffnung auf, er möge ihnen einen noch besseren Platz an den Futtertrögen des Parlamentarismus bescheren. Sie nehmen ihn einfach so, wie die Faschisten ihn liegen lassen und schwächen seine Konnotationen einfach ab. Klar, Heimat ist dann nicht mehr ganz so viel Blut, Boden und reaktionäre Tradition. Aber Heimat ist immer noch irgendwas im Kontext von Flüchtlings- und Sicherheitsdebatte, irgendwas mit weniger Refugees und mehr Bullen.

Jenseits von Anbiederung und geradezu panischer Angst vor dem Heimat-Begriff gibt es eine andere Möglichkeit. Man könnte darüber nachdenken, was an diesem Begriff so identitätsstiftend wirkt und versuchen, ihn anders zu besetzen. Man könnte den utopischen Überschuss, der im Heimat-Begriff liegt, herausarbeiten. Die Heimat, die sich alle lower classes, vom Refugee bis zum ostdeutschen Bauarbeiter, noch erst schaffen müssen, weil sie im Kapitalismus überhaupt nirgendwo existiert. „Die vergesellschaftete Menschheit im Bund mit einer ihr vermittelten Natur ist der Umbau der Welt zur Heimat“, schreibt Ernst Bloch. Oder vielleicht massentauglischer wie bei Feine Sahne Fischfilet: „Mit Heimat meine ich keine Nation, mit Heimat mein‘ ich keinen Staat. Mit Heimat meine ich Familie, Freunde, wo man Zukunft sieht. Wo man sich wohlfühlt, wo man lenkt und wo man liebt.“ Das bedeutet noch nicht einmal, dass man Heimat in Slogans verwursten muss. Aber man sollte versuchen, ernst zu nehmen, welche Sehnsüchte sich in Begriffen wie Heimat ausdrücken und nicht immer a priori meinen, es sei nichts anderes als die Sehnsucht nach dem Pogrom.

Mehr Mut

Sicher, letzteres Konzept setzt voraus, die eigene Furcht davor zu überwinden, quasi automatisch selber zum Nazi zu werden, wenn man Begriffe verwendet (oder nur laut über sie nachdenkt), die sich die Rechte angeeignet hat. Diese Furcht sitzt tief in Teilen der „deutschen Niederlagenlinken“ (Abdullah Öcalan), die kaum noch Glauben an die eigenen Ideen hat.

Wer unerschütterlich davon überzeugt ist, dass die eigene gesellschaftliche Utopie den mörderischen Versprechen der Faschisten genauso wie denen der verschiedenen Advokaten des mörderischen Bestehenden überlegen ist, muss sich nicht vor dem Kampf um Begriffe fürchten. Wer nicht schwankt in seinen Überzeugungen, muss auch nicht ständig davor zittern, von ihnen abzufallen. Wenn wir wissen, wofür wir kämpfen, können wir von Haus zu Haus, von Stammtisch zu Stammtisch, von Arbeitsplatz zu Jobcenter ziehen und dort, wo es nötig ist, auch mal sagen: Tamam, lasst uns drüber diskutieren, was ihr eigentlich unter dieser Heimat versteht, die euch so viel bedeutet. Die besseren Waffen hätten wir allemal: Denn eine noch zu schaffende Heimat als Ort des gelingenden Lebens ist allemal attraktiver als die stumpfe Landser-Verklärung der Höckes und Gaulands.

PS: Sobald der Autor Lust hat, wird die Reihe mit weiteren Click-Knüllern fortgesetzt. Mit dabei: Volk, Tradition, Freiheit. Legt schonmal die Baldrian-Tropfen neben die Tastatur.

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Mit Packtaschen beladenes Trekkingrad

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Description
Deutsch: Logo des Films 08/15 in der Heimat aus dem Jahr 1955
Date / 2012
Source Vorspann des Films
Author KG Divina-Film GmbH & Co.

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Zeichen des Klimawandel

Erstellt von DL-Redaktion am 11. November 2017

Die Zeit der kleinen Schritte ist vorbei

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/9/98/Grossplastik_Trump_Baby_G20_Summit.jpg

von Markus C. Schulte von Drach

Manche Menschen können sich einen SUV leisten. Aber die Menschheit kann es sich nicht mehr leisten, Ressourcen so zu verschwenden. Wir müssen unseren Lebensstil ändern.

1989 kürte das Time Magazine, wie jedes Jahr, eine „Person des Jahres“. Doch diesmal fiel die Auswahl ungewöhnlich aus: „Planet of the Year: Endangered Earth“ titelte das Blatt. Auf dem Cover ruhte an einem Strand ein Globus im Abendrot, vom Verpackungskünstler Christo in Klarsichtfolie gehüllt und mit Stricken gefesselt.

What on EARTH Are We Doing?“ fragte damals der US-Journalist Thomas A. Sancton in der Titelgeschichte, und kam zu dem Schluss: „Während der Mensch in das letzte Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts eintritt, findet er sich an einem entscheidenden Wendepunkt: Was jene tun, die jetzt leben, wird über die Zukunft entscheiden, und vielleicht sogar über das Überleben der Gattung Mensch“.

Es klingt pathetisch, was Sancton damals schrieb. Aber seine Forderungen waren und sind richtig: „Wir müssen mehr recyceln, weniger produzieren, Lichter ausschalten, den Nahverkehr nutzen, in unserem Alltag tausend Dinge anders machen. Das schulden wir nicht nur uns selbst und unseren Kindern, sondern auch den ungeborenen Generationen, die eines Tages die Erde erben werden.“

Im Jahr darauf titelte das Magazin natur: „1990 – 2000: Unsere Zukunft – Das Jahrzehnt der Entscheidung“. Dieses Jahrzehnt ist schon eine Weile her.

Wissenschaftler haben seit damals immer lauter und zunehmend verzweifelter auf die drohenden Folgen der Umweltzerstörung und des Klimawandels hingewiesen, die inzwischen auch zu spüren sind: Wetterextreme wie Stürme und Dürren nehmen zu, die Eispanzer im Süden und Norden schmelzen, der Meeresspiegel steigt – das alles ist seit Jahren bekannt. Die jüngsten Schreckensmeldungen: In Deutschland sind über die vergangenen Jahre 76 Prozent der Insekten verschwunden. Allein 2015 starben neun Millionen Menschen weltweit durch Umweltverschmutzung.

KW Niederaußem (2011)

2016 ist die Konzentration von Kohlendioxid in der Atmosphäre so schnell angestiegen wie nie zuvor. Es müsse rasch etwas getan werden, fordert der Chef der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) in Genf, Petteri Taalas.

Es muss also nun schnell gehen, nachdem die Menschheit viel Zeit hatte, um etwas zu tun. Denn statt angemessene Maßnahmen zu entwickeln und umzusetzen, halten Politiker engagierte Reden, geben auf den alljährlichen UN-Klimakonferenzen große Versprechen – um dann doch nur ineffektive Verträge wie das Kyoto-Protokoll zu beschließen und unzureichende, unverbindliche Zusagen zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen zu geben.

Die Politik hat den Eindruck vermittelt – und wird das auch auf der gegenwärtig in Bonn stattfindenden UN-Klimakonferenz wieder tun – , dass sich die Klimaerwärmung aufhalten ließe, ohne dass wir unseren Lebensstil und unsere Produktionsweise ändern.

Schließlich sind weltweit die CO₂-Emissionen seit einigen Jahren kaum noch gestiegen. Wir blasen also nicht immer noch mehr Treibhausgase in die Atmosphäre, sondern nur weiterhin genauso viel. Das soll ein Durchbruch sein.

Tatsächlich ist es inzwischen so weit, dass sich ein Kollege, geboren 1977, traurig bei den kommenden Generationen für den Lebensstil entschuldigt, mit dem wir den Planeten unwiderruflich schädigen.

File:Maroc Sahara caravane.jpg

So wird die Karawane der politischen Idioten weiter ziehen, immer weiter, weiter

Dabei beherzigen Teile der Bevölkerung weltweit, was 1989 im Time Magazin gefordert wurde. Auch in Deutschland. Aber ohne großen Erfolg.

Denn: In Deutschland fahren immer mehr und immer mehr große Autos, so dass trotz besserer Motoren die Treibhausgasemissionen im Verkehr nicht zurückgehen.

Es werden zwar stromsparende Geräte gekauft und der Strom zu etwa 30 Prozent mit erneuerbaren Energien produziert (Anteil an der Bruttostromerzeugung). Aber die Menschen benutzen auch immer mehr Geräte und lassen sie im Stand-by-Modus glimmen. Der Stromverbrauch ist in Deutschlands Haushalten kaum gesunken – und der Stromverbrauch insgesamt stagniert.

Es wird recycelt. Doch seit einigen Jahren nimmt der „haushaltstypische Siedlungsabfall“ wieder kontinuierlich zu. Pro Kopf ist die Menge seit 1999 von etwa 440 Kilogramm auf fast 560 Kilogramm gestiegen. Und auch wenn die Recyclingquote gewachsen ist, bleibt eine Menge Abfall übrig, der vor allem verbrannt wird.

Fair-Trade-Kaffee wird aus Coffee-to-Go-Bechern getrunken, Bioprodukte in Unmengen von Plastik verpackt. Viele wollen Öko-Strom, aber keine Windkraftwerke oder Stromtrassen vor der Haustür. Dafür bekommen Zwölfjährige ein neues Smartphone, wenn sie gute Noten haben. Flugreisen sind eine Selbstverständlichkeit – ob innerhalb Deutschlands oder in die Ferne.

Quelle    :    Sueddeutsche-Zeitung >>>>> weiterlesen

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Description
Deutsch: Die Plastik zeigt Donald Trump als schreiendes Baby mit vollen Windeln auf einem Globus sitzend. In den Händen hält er das zerrissene Pariser Klimaabkommen. Unter der Figur steht „Time for a Change“. Die sieben Meter hohe Skulptur ist vom Düsseldorfer Karnevalswagenbauer Jacques Tilly. Sie wurde von Greenpeace während eines Konzerts in der Elbphilharmonie für die Teilnehmer des G20-Gipfels in Hamburg auf einem Ponton vor das Konzerthaus gezogen.
Date
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Author Jacques Tilly
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2. von Oben   —   KW Niederaußem (2011)

Unten   —   

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Author Bachmont
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Steuern – Die steile These

Erstellt von DL-Redaktion am 11. November 2017

Ein gerechtes Steuersystem ist möglich. Mithilfe von künstlicher Intelligenz

File:500 Euro Banknoten.jpg

Was kostet die Welt – ich habe das Geld – Von Euch Steuerzahlern

Von Ingo Arzt

Wie leicht ist es doch, sich über die Reichen zu echauffieren. Die gierigen Banken, die Bonzen, die ihr Geld in Steueroasen bunkern, die Anzugträgermillionarios samt ihren skrupellosen Anwälten, möge ein tropischer Piranha sie dorthin beißen, wo es am meisten wehtut. Bitte googlen Sie jetzt noch nach einem passenden Zitat von Bertolt Brecht.

Sozialneid ist ein Urrecht der wenig Begüterten, den Reichen die Pest an den Hals zu wünschen ist fast schon ihre Pflicht. Außerdem ist es ein sehr empfehlenswerter Akt der Psychohygiene. Es ist allemal besser, als angesichts der neuen Enthüllungen um die Paradise Papers zur Beruhigung schulterzuckend in die nächste Shopping-Mall zu gehen und ein völlig überteuertes Mobiltelefon zu kaufen, das – geil! – 200 Millionen Songs speichern kann und siebenunddreißig Milliarden Gigapixel Auflösung hat. Konsum-Shit ist eben die Luxusjacht des gewöhnlichen Menschen.

Reden wir ganz kurz mal über Moral im Allgemeinen und dann erst über Steuern und Steuer­oasen. Was muss ein Mensch tun, um ein gerechter Mensch zu sein? So leben, dass er anderen heute und künftig nicht die Lebensgrundlage raubt, das wäre vielleicht ein Ansatz. Wir – ich spreche von aufgeklärten Fans des kategorischen Imperativs – verstoßen permanent gegen diesen Grundsatz. Wir fliegen und fressen, shoppen Schuhe und Schönes aus Lohnsklaverei. Zum Glück gibt’s ja ein Biosiegel.

Kann man dagegen was machen? Das globale System ist, wie es ist, wer perfekt Leben will, muss sich hauptberuflich um ethisches Verhalten kümmern und kann kaum mehr mittun im Leben der Allgemeinheit. So zumindest handeln die meisten. Man kann anders, wenn mal will. Konsummoral ist eine Frage des persönlichen Lebensstils, genauso wie für Reiche die Frage der Steuermoral. Wobei – auch für die meisten Normalbetuchten hört Steuern zahlen dort auf, wo die Gesetzeslücke beginnt: Wie viele Journalisten haben nicht schon mal auf einer privaten Auslandsreise den einen oder anderen zweitrangigen Recherche­pseudotermin gelegt, um den Flug von der Steuer absetzen zu können?

Trotzdem soll der Verweis auf eigene Heuchelei keine Entschuldigung sein für die Steuertricks mancher Superreicher und Großkonzerne. Denn die tragen nicht einfach durch simples Leben im reichen Teil der Welt zur globalen Ungerechtigkeit bei. Nein, sie bauen aktiv an dem System mit und untergraben Bemühungen, es zu reformieren, was ein großer Unterschied zu uns Alltagssündern ist. Auf die Ebene der Normal­sterblichen übertragen, müsste man sich schon aktiv für mehr Ausbeutung in Entwicklungsländern einsetzen, auf dass die Schokolade dort billiger werde.

Steuerflucht zu betreiben, um den dritten Ferrari zu kaufen, ist außerdem was anderes, als sich als Normalverdiener durchs Leben zu boxen und ein paar hundert Euro mehr vom Finanzamt zurückzubekommen. Die Kohle geht nach der nächsten Mieterhöhung sowieso an den nächsten Finanzinvestor, der gerade den Kiez aufkauft. Mit Moral jedoch, so viel sei bis dato aufgezeigt, ist in der Debatte um Steuerflucht nicht viel zu holen. Warum, fragen sich viele, tut denn dann der Staat nichts? Warum gibt es so viele Steuerschlupflöcher und warum werden die nicht gestopft? Es gibt ja einen Haufen guter Vorschläge dagegen. Das hat im Prinzip zwei Gründe: Ideologie und Komplexität.

Bei der Frage der Komplexität laufen die Fäden zusammen

Quelle    :   TAZ >>>>> weiterlesen

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Source Own work
Author Frank Schwichtenberg

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SemiPD-icon.svg The image above depicts a euro banknote. This design is copyrighted by the European Central Bank (ECB), and its use is permitted by ECB, subject to the conditions set forth in decisions ECB/2003/4 and ECB/2003/5 of 20 March 2003 and „as long as reproductions in advertising or illustrations cannot be mistaken for genuine banknotes“.

 

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DL – Tagesticker 11.11.17

Erstellt von DL-Redaktion am 11. November 2017

Direkt eingeflogen mit unseren  Hubschrappschrap

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Das hatten wir doch alles schon – was haben bloß die idiotischen PolitikerInnen die ganzen Jahre gemacht? Geschlafen und die Gelder der BürgerInnen verpasst!

Cum-Ex-Affäre

1.) Steuer-Razzia bei der Commerzbank

Düsseldorf. Viele Jahre hat die Commerzbank sich mit dem Thema Cum-Ex rumgeschlagen. Es waren Geschäfte der Dresdner Bank, die der Commerzbank zu schaffen machten. Dort liefen diese hochumstrittenen Aktiendeals im Jahr 2008. 75 Millionen Euro Steuergutschriften für Kapitalertragsteuern forderte die Bank vom Fiskus. Auch ihre Nachfolgerin, die Commerzbank, stritt noch lange um das Geld. Erst im Frühjahr 2017 zog sie nach einem verlorenen Finanzgerichtsverfahren einen Schlussstrich und schrieb das Geld endgültig ab.

Handelsblatt

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Deniz Yücel gibt Interview

2.) „Ich will einen fairen Prozess – am besten gleich morgen“

Nach neun Monaten Haft ohne Anklage in der Türkei hat der „Welt“-Korrespondent Deniz Yücel der türkischen Justiz eine „Verschleppungstaktik“ vorgeworfen. Yücel forderte in der „taz am wochenende“ (Samstag): „Ich will einen fairen Prozess. Und den am besten gleich morgen.“ Der deutsch-türkische Journalist, der seit Februar in Einzelhaft sitzt, sagte weiter: „Isolationshaft ist Folter. Auch wenn ich eigentlich guter Dinge bin, kann ich nicht absehen, welche langfristigen Folgen das haben wird.“

Der Tagesspiegel

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Personalwechsel in der Linkspartei

3.)Der nächste Moderator kommt

BERLIN taz | Harald Wolf, früher Wirtschaftssenator in Berlin, wird Nachfolger von Bundesgeschäftsführer Matthias Höhn. Der trat am Freitag offiziell zurück und verabschiedete sich mit einem Brief, der Licht auf das unerfreuliche Innenleben der Linkspartei wirft. „Eine Partei braucht eine Führung und einen Vorstand, die auf Vertrauen, Verlässlichkeit und Kooperation beruhen“, so Höhn. „Für mich ist dies nicht mehr gegeben.“ Der Streit zwischen den Parteichefs Katja Kipping und Bernd Riexinger auf der einen Seite und den Fraktionschefs Sahra Wagenknecht und Dietmar Bartsch auf der anderen um die Spitzenkandidatur habe „innerparteilich nie geendet“. Der andauernde Zwist habe seine Arbeit als Architekt des Wahlkampfs „nicht einfacher gemacht“.

TAZ

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Scheidender SPD-Generalsekretär

4.) Heil gegen Urwahl des Parteichefs

Martin Schulz will die SPD rundum erneuern. Dafür hat der Chef der Sozialdemokraten unlängst ein Grundsatzpapier vorgelegt. Er kündigte darin unter anderem an, den Parteivorsitz künftig per Urwahl klären zu lassen. Der scheidende Generalsekretär Hubertus Heil lehnt den Vorschlag hingegen ab, den Vorsitzenden künftig von allen Mitgliedern statt nur Parteitagsdelegierten wählen zu lassen.

Spiegel-Online

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FDP

5.) Kubicki: „Ich bin der Schalk“

Nachts vor dem Bundeskanzleramt: Stundenlang haben die Chefverhandler von CDU, CSU, Grünen und FDP nach einem Weg gesucht, wie Jamaika funktionieren kann. Dieses Bündnis so unterschiedlicher Partner, so unterschiedlicher Charaktere. Für die CDU sitzt Angela Merkel in der Runde, für die CSU Horst Seehofer. Das Grünen-Spitzenduo Katrin Göring-Eckardt und Cem Özdemir ist gekommen. Nur FDP-Chef Christian Lindner hat jemanden mitgebracht, der eigentlich nicht hierher gehört, weil er formal nur Lindners Stellvertreter ist: Wolfgang Kubicki. Einer bei den Grünen zuckt mit den Schultern: „Der Lindner bringt eben seinen Anwalt mit.“

Sueddeutsche-Zeitung

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Kohleausstieg

6.) Greenpeace kritisiert Jamaika-Parteien

Der Umweltverband Greenpeace geht mit Blick auf die Sondierungen zunehmend auf Konfrontationskurs zu den Jamaika-Parteien. Dabei geht es um den Beitrag von Kohlekraftwerken zur Reduzierung des Kohlendioxid-Ausstoßes, um die Klimaschutzziele zu erreichen. In einem Aufgabenkatalog, auf den sich die Vorsitzenden von Union, FDP und Grünen verständigt hatten, heißt es beim Punkt Klima zu den Klimazielen 2020, 2030, 2050 unter anderem: „Beitrag der Kohle zur CO2 Reduzierung (50 Mio. Tonnen?)“. Das Papier liegt der Deutschen Presse-Agentur vor

Der Tagesspiegel

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Studie: Erderwärmung zwingt Männer langfristig,

7.) ihren Hodensack außerhalb der Hose zu tragen

Kopenhagen (dpo) – Pünktlich zum Weltklimagipfel in Bonn zeigt eine neue Studie der Europäischen Umweltagentur in Kopenhagen, wie stark sich die globale Erwärmung in nicht allzu ferner Zukunft auf unseren Alltag auswirken könnte. Spätestens im Jahr 2089 werden Männer demnach gezwungen sein, ihren Hodensack zum Schutz vor Überhitzung dauerhaft außerhalb der Kleidung zu tragen. Nur auf diese Weise könne eine optimale Spermienproduktion und somit das Fortbestehen der Menschheit gewährleistet werden.

Der Postillon

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Hinweise und Anregungen nehmen wir gerne entgegen

Treu unserem Motto: Es gibt keine schlechte Presse, sondern nur unkritische Leser

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Grafikquelle: DL / privat – Wikimedia Commons – cc-by-sa-3.0

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