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Archiv für November 1st, 2017

Nichts ist normal in Gaza

Erstellt von DL-Redaktion am 1. November 2017

Nichts ist normal in Gaza

Gaza Beach.jpg

von Sara Roy

Die ohnehin katastrophale Lage der Bewohner von Gaza ist seit dem Sommer noch schlimmer geworden. Mit der jüngsten Annäherung zwischen Fatah und Hamas steigt nun die Hoffnung auf Besserung. Doch dafür müsste auch Israel einlenken und seine Blockade lockern.

Als der palästinensische Premierminis­ter Hamdallah am 2. Oktober den Erez-Grenzübergang nach Gaza überquerte, wurde er mit frenetischem Jubel begrüßt. Sein Besuch war ein erster Schritt zu einem erneuten Versuch einer Einigung zwischen den verfeindeten Parteien Fatah und Hamas.

Zwei Wochen zuvor hatte die Hamas-Regierung in Gaza verkündet, sie sei bereit, mit der Fatah über eine Versöhnung zu verhandeln und ihren Verwaltungsrat aufzulösen, der die Regierungsgeschäfte in Gaza bis dahin de facto geführt hat. Ob die Versöhnung diesmal gelingt, steht allerdings in den Sternen. Der letzte Versuch zur Bildung einer Einheitsregierung 2014 scheiterte bereits nach wenigen Wochen.

Die Hamas, die den Gazastreifen seit 2007 kon­trolliert,1 trat mit ihrem neuen Versöhnungsangebot eine Flucht nach vor an, denn Gaza befindet sich seit Monaten in einer Art humanitärem Schockzustand. Das liegt vor allem an der andauernden israelischen Blockade, die von den USA, Europa und Ägypten unterstützt wird, aber auch am zunehmenden Drucks aus Ramallah.

Während meines letzten Besuchs in Gaza im Frühjahr 2017 haben mich zwei Dinge am meisten berührt: die verheerenden Auswirkungen der mittlerweile über zehn Jahre andauernden Isolation Gazas vom Rest der Welt und die Tatsache, dass hier immer mehr Menschen ganz offensichtlich am Ende ihrer Kräfte sind.

Einst war das kleine Küstengebiet eine blühende Handelsstätte, heute wird kaum noch etwas produziert. Die Wirtschaft ist weitgehend vom Konsum abhängig.2 Zuletzt hatten Export­er­leich­terungen die Agrarausfuhren ins West­jor­dan­land und nach Israel – lange Zeit Gazas Hauptabsatzmärkte – leicht ansteigen lassen, doch das reicht bei Weitem nicht, um den geschwächten produktiven Sektor in Gang zu bringen. Fast die Hälfte der Erwerbsbevölkerung in Gaza kann ihren Lebensunterhalt nicht mehr selbst verdienen. Die Arbeitslosenquote beträgt heute um die 42 Prozent; bei jungen Leuten zwischen 15 und 29 erreicht sie sogar 60 Prozent. Die Suche nach einem Job oder irgendeiner anderen Möglichkeit, Geld zu verdienen, zerrt an den Nerven. Die Leute können fast an gar nichts anderes mehr denken, erzählte man mir.

Für die politischen Spannungen in den letzten Jahren zwischen der Hamas-Regierung in Gaza und der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA) in Ramallah machen sie im Gazastreifen vor allem Präsident Abbas verantwortlich, der die Hoheit über den Etat der PA hat und sich in den vergangenen Jahren weigerte, die Verwaltungsbeamten der Hamas-Regierung auf die Gehaltsliste zu setzen. Bei meinem Besuch gab man mir wiederholt zu verstehen, dass Abbas, wenn er die Unterstützung der Bevölkerung in Gaza haben wolle, den Hamas-Beamten nur ihre Gehälter auszahlen müsse. Er sträubte sich bisher mit dem Argument, dass von dem Geld der militärische Arm der Hamas finanziert werde, und trägt so eine Mitschuld an Gazas desolater Lage.

Abbas’ Weigerung brachte die Leute umso mehr auf, weil die rund 55 000 Beamten, die vor 2007 (also noch unter der Fatah) eingestellt wurden, weiterhin ihr volles Monatsgehalt bekamen. Das liegt zwischen 500 bis 1000 Dollar, was für die hiesigen Verhältnisse eine hohe Summe ist. Diese Leute werden vor allem dafür bezahlt, dass sie nicht für die Hamas-Regierung arbeiten, die PA ließ sich das bis vor Kurzem jeden Monat 45 Millionen Dollar kosten – Geld, das hauptsächlich aus Saudi-Arabien, der EU und den USA stammt.

Im April 2017 jedoch kürzte Abbas diese Gehälter um 30 bis 50 Prozent, um den allgemeinen Druck zu erhöhen, und drohte: „Entweder gibt uns Hamas den Gazastreifen zurück, oder sie müssen die volle Verantwortung für die Bevölkerung übernehmen.“ Der Konfliktforscher Brian Barber, der sich damals gerade in Gaza aufhielt, berichtet, die Gehaltskürzungen hätten eine regelrechte Schockwelle ausgelöst. Anfang Juli versetzte die Autonomiebehörde dann auch noch 6000 Beamte in den vorzeitigen Ruhestand.

Kein Trinkwasser und selten Strom

Inspecting the Destruction - Flickr - Al Jazeera English.jpg

Außerdem entschied Abbas, die PA-Zahlungen für Strom aus Israel für Gaza auszusetzen. Prompt lieferte Israel im Juni weniger Strom. Zuvor waren täglich 120 Megawatt in den Gazastreifen geflossen, was etwa ein Viertel des gesamten Strombedarfs gedeckt hat. Gazas einziges Kraftwerk, das mit Diesel betrieben wird, läuft wegen fehlenden Kraftstoffs seit Monaten nicht mit voller Kapazität. Zuletzt gab es in Gaza oft nur zwei bis vier Stunden am Tag Strom.

Nach Angaben der NGO Oxfam ist die gesamte Situation inzwischen schlimmer als nach dem Gaza-Krieg von 2014. Damals hatte rund die Hälfte der Bewohner keinen ausreichenden Zugang zu Trinkwasser – heute gilt das für die gesamte Bevölkerung.3 Die Abwasserentsorgung ist weitgehend zusammengebrochen, ein Großteil der Abwässer wird direkt ins Meer geleitet. 73 Prozent der Küstengewässer Gazas sind gesundheitsgefährdend verschmutzt und selbst im Süden Israels wurden Strände gesperrt.4

Es fehlt an allem. Neu ist die immense Verzweiflung, die die Menschen dazu treibt, sämtliche Tabus zu überschreiten. Einmal kam eine gut angezogene Frau, das Gesicht hinter einem Nikab verborgen, in mein Hotel, um zu betteln. Als die Hotelangestellten sie höflich baten, zu gehen, weigerte sie sich energisch und bestand darauf zu bleiben – am Ende musste sie gewaltsam nach draußen gebracht werden. Sie fragte nicht, ob sie betteln dürfe, sie forderte es. So etwas habe ich in Gaza noch nie zuvor erlebt.

Das vielleicht alarmierendste Zeichen dieser Verzweiflung ist die zunehmende Prostitution. In der traditionsbewussten konservativen Gesellschaft Gazas galt sie immer als unmoralisch und schändlich; nicht nur die Frauen, die sich prostituierten, auch ihre Familien wurden sozial geächtet. Das scheint sich in den letzten Jahren geändert zu haben. Ein bekannter Arbeitgeber, der in Gaza hoch angesehen ist, erzählte mir, dass Frauen, oft gut gekleidet, in sein Büro kommen, um sich ihm „für wenig Geld“ anzubieten.

Junge Frauen, erzählte er mir, hätten es inzwischen sehr schwer, einen Ehemann zu finden, weil die Männer fürchten, dass sie nicht mehr „rein“ sind. Eltern würden ihn geradezu anflehen, ihre Töchter einzustellen, damit sie einen „sicheren und anständigen“ Arbeitsplatz haben. Ein Freund erzählte mir, dass er in einem Restaurant mitbekommen habe, wie eine junge Frau einem Mann ein unmissverständliches Angebot gemacht hat, während ihre Eltern daneben saßen. Als ich ihn fragte, wie er sich ein solches Verhalten erklärt, antwortete er: „Leute, die in einem normalen Umfeld leben, verhalten sich normal. Leute, die in einem unnormalen Umfeld leben, nicht.“

Nichts ist normal in Gaza. Mindestens 1,3 Millionen von insgesamt 1,9 Millionen Einwohnern sind auf humanitäre Hilfe angewiesen, größtenteils in Form von Lebensmitteln (Reis, Zucker, Öl, Milch). Mitte 2016 gab es in Gaza 65 000 Binnenflüchtlinge (unmittelbar nach der israelischen Offensive von 2014 waren es sogar 500 000). 41 000 Menschen sind praktisch obdachlos und haben überhaupt kein Bargeld.

Quelle    :   Le Monde diplomatique     >>>>>    weiterlesen

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Grafikquellen    :

Oben   —   Strandleben in Gaza /Gaza Beach

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Kopf oder Herz?

Erstellt von DL-Redaktion am 1. November 2017

Ein Wort zum Mittwoch
Erinnerung versus Erinnerungskultur

File:MartinLuther-workshopCranachElder.jpg

Vergleichen – kann man nicht ! ? Mir hat „Unterer“ persönlich  mehr zu sagen !! IE.

File:Martin Luther King Jr NYWTS 6.jpg

Einige Gedanken von  Stefan Weinert

Landauf und landab, auf Plätzen und an Gebäuden finden wir in unseren Städten und Dörfern  Denkmäler und Schilder, die uns daran erinnern sollen, wer wann und wo eine Schlacht gewonnen, eine große Tat vollbracht, etwas Großartiges erfunden hat, oder wer wann und wo etwas erleiden musste. Ja, vor manchen dieser Denkmäler und Tafeln und Schildern versammeln wir uns einmal im Jahr, um zu zeigen, dass wir nicht vergessen haben. Das ist zwar „Erinnerung“, aber noch lange keine „Kultur der Erinnerung“, also Erinnerungskultur.

Bei der Erinnerungskultur ist das „Wie“ ganz entscheidend. Es reichen das „wer“ – „wann“ – „wo“ – oder auch das „was“ bei Weitem nicht aus. Gerade in Bezug auf die Opfer von Tyrannei, Barbarei und Rassenwahn – so, wie sie es von 1933 – 45 in Deutschland und Europa millionenfach gab  – ist die Frage nach dem „Wie des Leidens und Sterbens“ der Opfer von entscheidender Rolle, um von der reinen intellektuellen Wahrnehmung und Erinnerung zu einer wirklichen emotionalen Wahrnehmung und damit zur Erinnerungskultur zu kommen.

Während der NS-Herrschaft gab es unter dem Gros der Bevölkerung, also den indirekten Tätern, und den Ausführenden der Gräueltaten in der gesamten Befehlkette, einen völligen Mangel an Sensibilität für die Rechtsgefühle und die Empfindungen derer, die verfolgt, gequält und getötet wurden. Anders lassen sich die dämonischen Handlungen, die Menschen an Menschen vollzogen haben, nicht erklären. Vor einem Erinnerungsschild, oder Denkmal zu stehen und an die nicht kaschierbaren Verbrechen ohne sichtbare Emotionen zu denken, reicht nicht.

Statt der Glockenschläge für jedes der Naziopfer, sollte sich der Erinnernde vorstellen, was es für eine Mutter in Auschwitz bedeutet, wenn ihr das Kind entrissen und dann direkt vor ihren Augen in die Gaskammer geschickt wird. Oder der Wahnsinn, den jene Mutter in Ravensbrück befällt, als ihr ein Hauptmann das Baby entreißt, es an den Füßen fasst, es herumschleuderte und – den Kopf voraus – gegen eine Betonwand schleuderte. Und jene Zwillinge, die ein Dr. Mengele für seine Versuche bei vollem Bewusstsein zusammennähte, um aus ihnen „siamesische“ Zwillinge zu machen.

Die Empfindungslosigkeit (Anästhesie) der „Arier“ in den Jahren 1933 – 45 gegenüber den Juden, Sinti und Roma, den Menschen mit Behinderung, dem unwerten Leben, den Homosexuellen und Kommunisten hat sich nach dem Krieg bei den Deutschen insofern fortgesetzt, als dass es nie echte Trauer gegeben hat: Keine Trauer und Reue über die eigenen Taten, keine Trauer und Träne über das unvorstellbare Leid, das man jenen zugefügt hatte, die nicht der arischen und politischen Norm entsprachen. Genau diese Gefühllosigkeit, in der zwar intellektuell „getrauert und erinnert“ wurde, habe ich bei der „Einweihung“ des Erinnerungsschildes an der ehemaligen Ravensburger NSDAP-Zentrale erlebt. Das hatte mit Kultur absolut nichts zu tun. Das war verordnete Erinnerung für den  Kopf. Entsprechend fiel auch das Erinnerungsschild aus – lieblos, kalt und klein. Gefühlte Erinnerung kann nur die Kunst hervorbringen, wie etwa die „Grauen Busse“ oder eine aus Bronze gegossene Erinnerungsschrift an der Häuserwand.

Aber es war doch keine Zeit zum Trauern, denn Deutschland musste schnell wieder aufgebaut werden! Als wenn sich beides widersprechen würde. Aber es passte genau ins Denken. Hitler war tot, und damit auch die Vergangenheit. Was war, das war. Es wurde verdrängt und die Realität verleugnet und es wurde geleugnet. Und wenn schon Erinnerungen kamen, dem Individuum, oder Erinnerungen verordnet wurden, der Gesellschaft, dann wurden die Gefühle von ihnen als Schutz des Selbstgefühls abgespalten. Man hört von den Zwangssterilisationen – teilweise ohne Narkose – aber macht sich von den Schmerzen dieses Eingriffs und dem Raub und die Erniedrigung, selbst noch Menschen zeugen und in die Welt setzen zu können, keine gefühlsmäßige Vorstellung.

Als in den 1960er Jahren eine deutsche Touristengruppe mit einem Bus durch Prag fuhr und der Busfahrer darauf hinwies, an welchen Stellen und Plätzen der Stadt die deutschen Besatzer einst ihre Gräueltaten an den Tschechen gegangen hatten, nötigten die Touristen den Busfahrer anzuhalten und verließen empört den Bus. Das wollten sie sich nicht länger anhören, damit wollten sie nicht konfrontiert werden. Genau dieses Verhalten steht dem Wachsen einer Erinnerungskultur kontraindiziert gegenüber. Ich stelle mir vor, bei einer Gedenkveranstaltung werden statt der 691 Glockenschläge (wie es jährlich in Ravensburg geschieht) nur zwölf Gräueltaten der Nazis an lebens- und zeugungsunwerten Menschen im Detail wiedergegeben und es wird dabei darauf hingewiesen, dass tausende von Bürgern taten- und widerstandslos dabei zugesehen haben.

Die Tatsache, dass seit nun über 72 Jahren immer wieder nur eine Minderheit und Einzelne dafür gekämpft haben und kämpfen mussten, damit  wir Deutsche uns erinnern zeigt, dass eine wirkliche Erinnerungskultur eigentlich nie erwünscht, weil zu schmerzhaft, und weil sie zu Konsequenzen geführt hätte, die niemand ernstlich wollte. Und bis heute gibt es sie nicht. Und dieses Verhalten stützt die These, dass sich Schreckliches in der Geschichte eines Landes wiederholen kann. Die deutsche Vergangenheit wurde nie durchgearbeitet, wurde nie austherapiert, weswegen auch keine tiefgreifende Heilung vom „deutschen Wesen“ geschehen konnte. Die Auswirkungen sind bis heute und gerade heute deutlich zu spüren. Zu meinen, die aktuellen politischen Ereignisse mit dem Erstarken der Rechten lägen an einer „verfehlten Flüchtlingspolitik“ ist wirklich zu kurz gedacht.

(c) Stefan Weinert, 2017 Ravensburg

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Grafikquellen  :

Portrait of Martin Luther   –  This work is in the public domain in its country of origin and other countries and areas where the copyright term is the author’s life plus 100 years or less.

Artist
Title Portrait of Martin Luther
Date
Medium oil on panel (copper beech)
Exhibit at the

Source/Photographer Self-photographed

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Description Rev. Martin Luther King, head-and-shoulders portrait, seated, facing front, hands extended upward, during a press conference / World Telegram & Sun photo by Dick DeMarsico.
Date
Source
US-LibraryOfCongress-BookLogo.svg This image is available from the United States Library of Congress’s Prints and Photographs division under the digital ID cph.3c22996.
This tag does not indicate the copyright status of the attached work. A normal copyright tag is still required. See Commons:Licensing for more information.


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New York World-Telegram and the Sun Newspaper Photograph Collection.

Author New York World-Telegram and the Sun staff photographer: DeMarsico, Dick, photographer.
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Public domain This work is from the New York World-Telegram and Sun collection at the Library of Congress. According to the library, there are no known copyright restrictions on the use of this work.
This photograph is a work for hire created prior to 1968 by a staff photographer at New York World-Telegram & Sun. It is part of a collection donated to the Library of Congress and per the instrument of gift it is in the public domain.

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der rote faden

Erstellt von DL-Redaktion am 1. November 2017

Jamaika-Koalitionäre sind die Ninjas der Leitkultur

Bei einem Besuch in sicheren Herkunftländern – Helm auf und die Burka ist geschlossen!

von Klaus Raab

Wissen Sie, woran ich denken musste, als ich las, dass die Zeitschrift Lego Ninjago zu den großen Gewinnern auf dem deutschen Zeitschriftenmarkt gehört? An Andreas Scheuer, Thomas de Maizière und Österreich. Wobei ich vielleicht erst einmal sagen muss, was das für ein Magazin ist. Es besteht zu großen Teilen aus Comics, die im Land Ninjago spielen. Dort leben Lego-Ninjas, die gegen das Ultraböse kämpfen. Es gibt Ninjago-Kinofilme, eine Serie und Spielzeug. Vor allem aber ist Ninjago ein Schulhofthema. Speziell die Sammelkarten sind ­hammergute Quengelware. Die Grundschülerschaft investiert relevante Teile ihres ­Taschengelds in diese Karten. Bestimmte davon gibt es aber nur in der Zeitschrift, weshalb man auch diese natürlich dringend kaufen muss. In der Zeitschrift gibt es dann aber, wenn ich das richtig verstehe, urplötzlich auch Aufkleber, die man nun ebenfalls sammeln kann. Und so weiter.

Ich sehe hier einen interessanten Konflikt. Einerseits ziehen sich unsere Kinder diesen Ninja-Kram rein. Andererseits gibt es ja Leute, die finden, dass die Gesichtsverhüllung nicht zu Deutschland gehöre. Der Bundesinnenminister zum Beispiel: „Wir sind nicht Burka“, lautete im April ein zen­traler Satz seiner Thesen zur Leit­kultur. Oder Andreas Scheuer von der CSU. Er twitterte kürzlich: „Das deutsche Verbötchen zur Vollverschleierung muss so wie in anderen ­Ländern Europas ausgeweitet werden.“ Der geneigte Beobachter denkt da an Österreich, wo seit Oktober ein Antigesichtsverhüllungsgesetz gilt. Und was zählt zu dessen bisherigen Praxishöhepunkten? Richtig: die polizeiliche Überprüfung eines verkleideten Ninjas in einem Lego-Geschäft.

File:2016-06-27 CSU - Scheuer 011.JPG

Der Bayern-Rambo siht immer so aus.

Man stelle sich das in Deutschland vor: ein Gesetz, das dazu führt, dass eine der Lieblingsfiguren des deutschen Kindes aus leitkulturellen Gründen in einer Einkaufsmall von einem Sondereinsatzkommando niedergestreckt wird. Eltern kämpfen gegen das Burkaverbot. Die Union wird als kinderfeindlich beschimpft. Grüne setzen sich für Spielzeugkrieger ein. Da wäre was los.

Quelle    :   TAZ >>>>> weiterlesen

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Grafikquellen    :

Oben   —   Thomas de Maizière als Verteidigungsminister (2012) beim Besuch der ISAF-Truppen im OP North

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Unten   —  Andreas Scheuer, deutscher Politiker (CSU). Hier während einer Pressekonferenz am 27.06.2016 in

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DL – Tagesticker 01.11.17

Erstellt von DL-Redaktion am 1. November 2017

Direkt eingeflogen mit unseren  Hubschrappschrap

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Attacke mit Lieferwagen  

1.) Terrorakt an Halloween: Acht Tote in New York

Terror in New York: Ein Attentäter ist in Manhattan mit einem Kleinlaster durch Fußgänger und Fahrradfahrer gepflügt und hat dabei mindestens acht Menschen getötet. Der 29-jährige Mann, der aus Usbekistan stammen soll, sei mit dem gemieteten Pick-up-Truck auf einen Fußgänger- und Fahrradweg im Südwesten Manhattans gefahren und habe mehrere Menschen überfahren oder gerammt, teilten die New Yorker Polizei (NYPD) und Bürgermeister Bill de Blasio bei einer Pressekonferenz am Dienstagnachmittag (Ortszeit) mit.

T-Online

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„Gebe dem Fisch kein Heu zum Fressen“  so sagten wir in unserer Jugend, wenn es dergleichen Schlagzeilen zu lesen gab! Das war vor ca. 55 Jahren. In der letzten Nacht wurde dem IMI Heu angeboten. Er fraß es wohl.

Provokationen nach Zombie-Walk in Essen:

2.) Bundespolizei sperrt Hauptbahnhof

Essen. Nach dem Zombie-Walk in der Essener Innenstadt an Halloween kam es am Hauptbahnhof laut Bundespolizei zu „Provokationen zwischen Personengruppen“ und einem großen Gedränge, so dass die Beamten gegen 22.30 Uhr einen Teil des Bahnhofs sperren und die Zugänge bewachen mussten.

WAZ

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Hört,hört – der IMI spricht sein Urteil, auch ohne Richter! Früher nannte man solch ein Gehabe: „Amtsanmaßung“ ! Eigenlob stinkt bekanntermaßen. Im Bundestag wurden solche Feststellungen  auch schon mit Hetzrede Göbbelscher Art tituliert! Von den eigenen Parteifreunden !

De Maizière:

3.) „Schwerer Terroranschlag“ verhindert

Die Festnahme eines terrorverdächtigen Syrers in Schwerin hat nach den Worten von Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) einen „schweren Terroranschlag in Deutschland“ verhindert. „Nach allem, was wir wissen, erfolgte der Zugriff zum richtigen Zeitpunkt: spät genug, um Beweise zu sichern, und gleichzeitig früh genug, um die Gefahr zuverlässig zu bannen“, erklärte de Maizière. Alle Beteiligten hätten „hervorragende Arbeit“ geleistet. Er nannte die Gefährdungslage in Deutschland unverändert hoch. Angesichts der anhaltenden Bedrohung Europas durch islamistischen Terrorismus arbeiteten die Sicherheitsbehörden in Bund und Ländern, national und international eng und gut zusammen und handelten „wenn nötig entschlossen und konsequent“, sagte der Minister.

Die Welt

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Schöne Geschichte – Erinnert mich immer an einen Esel welcher sich auf das Glatteis begibt!

CDU-Arbeitnehmerflügel attackiert Spahn

4.) „Rentenpolitischer Rambo“

BERLIN afp | CDU-Präsidiumsmitglied Jens Spahn hat mit seiner Forderung nach Abschaffung der Rente mit 63 den Arbeitnehmerflügel seiner Partei gegen sich aufgebracht. CDA-Bundesvize Christian Bäumler nannte Spahn einen „rentenpolitischen Rambo“. Die Union habe „auch wegen fehlender sozialer Sensibilität“ bei der Bundestagswahl stark verloren. Kritik äußerten auch DGB und SPD. Forderungen nach einem schnellen Aus für die Rente mit 63 kamen aus der Wirtschaft.

Bäumler warf Spahn vor, sich auf Kosten älterer Arbeitnehmer profilieren zu wollen. „Wer 45 Jahre gearbeitet, Kinder erzogen oder Angehörige gepflegt hat, sollte ohne Abschläge in Rente gehen können. Mit Frühverrentung hat das nichts zu tun“, sagte der stellvertretende Vorsitzende der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA), am Montag dem Handelsblatt.

TAZ

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Je länger die politischen  Närrinnen und Narren Tagen, um so öfter werden die BürgerInnen über den großen Tisch gezogen. Aber auf solchen Tagungen dürfen selbst, ansonsten eher HinterbänklerInnen gut Trinken, Speisen und entsprechende Provisionen einstreichen!

Jamaika-Sondierungen

5.) Plötzlich „alles Konsens“ im Tollhaus

Einige alte Feindbilder waren schon zu bewundern in einer Woche Jamaika-Sondierungen. Den einen wird eine „Prenzlauer-Berg-Mentalität“, den anderen „Klamauk“ vorgeworfen, sogar das Wort „Tollhaus“ fällt. Es geht um die Themen Flüchtlingspolitik, Zuwanderung und Klimaschutz – und damit um Themen, die alle beteiligten Parteien so tief in ihrer Identität berühren, dass eine Einigung schwer vorstellbar ist.

Sueddeutsche-Zeitung

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Ist es nicht erstaunlich wieviel Menschen, welche uns das Jahr über nichts wichtiges sagen mochten, plötzlich aufgerufen werden, doch etwas zu sprechen, obwohl sie ja sonst nichts zu sagen haben.

Festakt zum Reformationsjubiläum

6.) Luthers Thesen als Befreiung für die Welt

 Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) würdigte in ihrer Festansprache im Stadthaus Wittenberg die Vielzahl und Vielfalt der Veranstaltungen im Reformationsgedenkjahr als beeindruckend. Die Beteiligung der Bundesregierung daran sei Ausdruck ihres Bemühens, ein reiches religiöses Leben in Deutschland zu ermöglichen. Aus der Reformation, die zunächst eine religiöse Erneuerungsbewegung gewesen sei, habe sich ein Verständnis vom Menschen entwickelt, das die Neuzeit entscheidend prägen sollte und auf dem im Grunde jede demokratische Ordnung aufbaue, betonte Merkel. Dieses geistesgeschichtliche Erbe gelte es wachzuhalten. Ausdrücklich hob die Kanzlerin den Einsatz für Religionsfreiheit als gemeinsame Aufgabe von Staat und Kirchen hervor.

FR

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Getrennt für Pippi, Püppi und Oskar dem Familienferkel, der mit den roten Rednerohren!

Glosse

7.) Schlafanzug fürs Leben

Lidl lohnt sich. Zumindest wenn es um die richtige Rollenverteilung im Leben geht. Im seinem Online-Shop verkauft der Discounter aktuell Schlafanzüge für Kleinkinder, die quasi Lehrstücke für das Leben sind. Streng getrennt nach Jungs und Mädchen bekommen die Kleinen ihren Platz zugewiesen: Jungs als Superhelden („Be your own superhero“), Mädchen als Superhelden-Fan („Daddy is my superhero“). Gut, dass ausdrücklich dabei steht, welcher Schlafanzug für welches Geschlecht ist.

Saarbrücker-Zeitung

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Hinweise und Anregungen nehmen wir gerne entgegen

Treu unserem Motto: Es gibt keine schlechte Presse, sondern nur unkritische Leser

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Grafikquelle: DL / privat – Wikimedia Commons – cc-by-sa-3.0

 

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