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RENTENANGST

Archiv für August 20th, 2017

Streit aus Linken Ländern

Erstellt von DL-Redaktion am 20. August 2017

Sahra erklärt das Linke Wahlprogramm für BUNTE Leser?

File:Sahra Wagenknecht, Soest.jpg

Gelbes Licht ! – Scheiße in der Lampenschale bringt gedämpftes Licht im Saale

Bundestagswahl 2017

Wofür setzt sich eigentlich Die Linke laut ihrem Wahlprogramm ein?

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Der Wahlkampfslogan der Partei Die Linke: „Sozial. Gerecht. Frieden. Für alle“. Klar, klingt logisch, aber wie sieht das in der Umsetzung aus? Und was sollen Familien von diesen Schlagwörtern tatsächlich haben? Wir klären auf, wofür genau sich Die Linken in puncto Familie und Kinder einsetzen.

1. Grundsicherung & Erhöhung des Kindergeldes

573 Euro Grundsicherung für alle Kinder und Jugendliche – es ist nichts Geringeres als das, was die Partei Die Linke fordert. Doch nicht nur mit dieser Summe, sondern auch mit einer sofortigen Erhöhung des Kindergeldes will die Partei dem Risiko stetig wachsender Kinderarmut den Kampf ansagen. Die dazu im Wahlprogramm zu findende Forderung: Ganz gleich, wie viele Kinder in einer Familie leben, soll pro Kind ein Kindergeld in Höhe von 328 Euro, statt derzeit 192 Euro (für das erste und zweite Kind, danach Staffelung) gezahlt werden.

2. Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung & flexible Öffnungszeiten

Die zweite Kernforderung des Wahlrpogramms der Partei Die Linke: eine ganztätige Betreuung für alle Kinder, unabhängig vom Einkommen der Eltern! Dazu soll ein rechtlicher Anspruch auf eine kostenfreie, ganztägige Betreuung eingerichtet werden. Und dann wären da auch noch die Öffnungszeiten der Kindertagesstätten, die ebenfalls arbeitnehmerfreundlicher und flexibler gestaltet werden sollen. Klares Ziel: Job-Zeit und Familien-Zeit sollen besser miteinander vereinbart werden können.

3. Ein-Eltern-Familien stärken & Hilfe in Krankheitsfällen

Was früher die Ausnahme in puncto Familienmodell war, kommt heute immer häufiger vor: Ein-Eltern-Familien machen mitlerweile einen Großteil deutscher Familienmodelle aus – und genau deswegen will die Partei Die Linke diese Familien stärken. Eine Forderung im Wahlprogramm ist deswegen, Unterhaltsvorschüsse mindestens bis zum 18. Lebensjahr ohne Einschränkungen weiterzuzahlen (aktuell: bis zum Alter von 16 Jahren). Und auch bei der Rückkehr ins Berufsleben sollen Alleinerziehende im Sinne der Partei stärker unterstützt werden. Und wenn Alleinerziehende krankheitsbedingt gar nicht arbeiten können? In Krankheitsfällen sollen sie in Zukunft schneller eine Haushaltshilfe von der Krankenkasse gestellt bekommen.

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Es gibt noch esehr viel mehr polisches zu lesen: z.. B. über den Star der FDP Lindner, so lernt Baby schlafen, Boris Becker, Verona Pooth, Prinzessin Diana, usw. , usw. alles in der gleichen Hirnbreite.

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Sahra oben   —  Sahra Wagenknecht mit Buch in Soest.

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Author Michael Bruns
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Wann hat es begonnen?

Erstellt von DL-Redaktion am 20. August 2017

WIE ZUM Teufel hat es begonnen?

Autor Uri Avnery

Letzte Woche versuchte ich den Krieg von 1948 zu beschreiben: er begann mit dem Schießen auf einen jüdischen Bus am Morgen nach der UN-Teilungs-Resolution. Einige der Leser stritten um das Timing.Sie bestanden darauf, dass der Krieg am 15. März begann, am Tag nach der Gründung des Staates Israel, als die Armeen der benachbarten arabischen Staaten ins Land marschierten.

Ich habe dies viele Male gesehen. Jede ernste Debatte über den israelischen Konflikt beginnt mit der Frage: „Wann hat er begonnen?“ Jede Seite hat ihre eigenen Daten und weist nach, dass die andere Seite angefangen hat.

Die Araber begannen ihn, behaupten die Zionisten. Der Konflikt begann mit der „Invasion“ der arabischen Armeen („Invasion“ in Anführungsstrichen, da sie in die Gebiete einmarschierten, die von den UN dem palästinensisch arabischen Staat angewiesen worden waren – obwohl es ihr erklärtes Ziel war, den neuen jüdischen Staat von Anfang an zu zerschlagen).

Die Juden begannen ihn, behaupten die Araber. Sie begannen damit, die arabische Bevölkerung zu vertreiben, die dann zur Nakba („Katastrophe“) führte

Die Araber begannen ihn, entgegnen die Zionisten. Warum mussten wir die arabische Bevölkerung vertreiben? Weil ihr nach der UN-Resolution am 29. November 1947 auf unsere Dörfer geschossen habt.

Die Juden begannen ihn, erwidern die Araber. Alles begann mit dieser grauenhaften Resolution. Die UN, die damals hauptsächlich aus westlichen und kommunistischen Staaten bestand, vergaben ein Land, das ihnen nicht gehörte, den Juden, die nicht ins Land gehörten.

Ja, sagen die Juden, aber es begann wirklich mit dem Weißen Papier, das die Briten im Mai 1939 veröffentlichten, und das die Türen Palästinas für die Juden in dem Augenblick verschlossen als die Nazis den Holocaust planten.

Wir hatten keine Wahl, unterbrachen die Briten. 1936 begannen die Araber einen Aufstand, in dem Juden und unsere Soldaten im ganzen Land getötet wurden.

Aber warum mussten wir das tun? schreien die Araber. Weil Massen von deutschen Juden nach 1933 nach Palästina kamen, als Adolf Hitler in Deutschland die Macht übernahm. Wir mussten das sogar mit gewalttätigen Mitteln stoppen, um zu verhindern, dass Palästina in ein jüdisches Land verwandelt wird.

Wirklich, entgegnen die Juden, aber ihr habt lange davor, 1929 damit begonnen, als ihr im ganzen Land Aufstände organisierten, und eine Menge Juden töteten.

Wir hatten keine Wahl, behaupten die Araber. Die britische Mandats-Regierung von Palästina begünstigten die Zionisten und erlaubten ihnen überall zu siedeln.

Das war unser Recht, sagen die Juden, das im Mandat eingeschlossen, das von dem Völkerbund den Briten gewährt worden war.

Wer gab dem Völkerbund das Recht, jemandem ein Mandat zu gewähren? Fragen die Araber. Das Land gehört seinen Bewohnern, fast alle waren Araber. So hat alles begonnen.

Aber die Araber griffen die Juden 1919 an und zeigten so den Briten, wie nötig sie waren.

Die Briten hatten kein Geschäft, um dort zu sein, antworteten die Araber. Das ganze Durcheinander begann wirklich 1917, als die Briten die Balfour-Erklärung veröffentlichten und versprachen, eine jüdisch nationale Heimstätte in Palästina zu gründen, das in jener Zeit noch dem (muslimischen) ottomanischem Reich gehörte.

Das Ottomanische Reich lag im Sterben, sagen die Juden und die zionistische Bewegung, die 1896 gegründet wurde, hatte schon ihr Recht auf Palästina proklamiert.

Aber zur gleichen Zeit wurde die moderne arabische Nationalbewegung geboren, die einen unbestreitbaren Anspruch auf Palästina und alle arabischen Länder hatte

Gott hat versprochen …

Allah hat versprochen …

Und so weiter

ICH HABE meine eigene Theorie über wann und wie der Konflikt anfing.

1904 starb Theodor Herzl, der Gründungsvater der zionistischen Bewegung. Herzl mochte Palästina nicht und startete seine ideologische Suche mit der Idee, einen jüdischen Staat in Patagonien, einem argentinischen Gebiet zu gründen, das vor kurzem „befriedet“ worden war.

Herzl mochte weder die Türken noch die Araber, aber Ereignisse überzeugten ihn, dass die Juden nirgendwo anders hingehen würden als nach Palästina. In seinem Buch „Der Judenstaat“, die Gründungsbibel des Zionismus, erklärte er, dass die Juden in Palästina als einen Vorposten der westlichen Zivilisation gegen die Barbaren Asiens d.h. den Arabern dienen würden.

Man kann behaupten, dass hier der Konflikt wirklich begann – direkt am Anfang der zionistischen Idee. Aber ich habe einen noch genaueren Moment im Sinn..

EIN PAAR Jahre vor dem 1. Weltkrieg zeigte das Ottomanische Reich Anzeichen des Niedergangs. Eine moderne Bewegung von Armeeoffizieren geleitet, kamen an die Macht. Sie nannten sich selbst „die Jungtürken“.

Unter der unruhigen arabischen Bevölkerung tauchten auch revolutionäre Gruppen auf. Sie wagten noch nicht laut über Unabhängigkeit zu sprechen, stattdessen machten sie einen Plan für die De-Zentralisierung des Ottomanischen Reiches, das seinen verschiedenen Nationen etwas Autonomie zugestehen würde.

Eine Gruppe von arabischen Abgeordneten in türkischen Parlament aus Jerusalem hatten eine brillante Idee: Warum sich nicht den Zionisten nähern und ihnen ein Bündnis gegen die Türken anbieten und für diese Idee miteinander kämpfen?

Der zionistische Emissär in Jerusalem eilte zu Max Nordau, dem neuen Präsidenten der zionistischen Organisation, um ihm dieses Angebot vorzulegen. Nordau hatte Herzls Posten nach dessen Tod übernommen.

Dies war ein historischer Augenblick, einer dieser Momente, in dem die Geschichte ihren Atem anhält. Eine total neue Perspektive ergab sich jetzt: eine Verbindung zwischen Arabern und Juden! Eine gemeinsame Befreiungsbewegung!

Nordau ein berühmter deutsch-jüdischer Intellektueller, träumte nicht einmal davon, dieses Angebot anzunehmen. Er musste dies für verrückt ansehen. Die Türken waren die Herren des Landes. Sie konnten Palästina den Juden geben. Sie konnten bestochen werden. Die Araber waren machtlos. Sie konnten uns nichts geben.

So verging der Moment. Nordau brachte dies kaum zur Kenntnis des zionistischen Kongresses, der in Hamburg stattfand.

Nur ein paar Leute wissen heute um diese Episode. Es ist in dem maßgeblichen Buch des verstorbenen Aharon („Aharonchik“) Cohen beschrieben worden.

Die Möglichkeit bestand nur theoretisch. Geschichte wird von wirklichen Leuten gemacht, deren Bewusstsein von der Realität ihrer Zeit geprägt wird. Für die Europäer des frühen 20. Jahrhunderts war die Idee solch einer Verbindung mit den Eingeborenen gegen eine imperiale Macht irrsinnig.

IN DER RÜCKSCHAU könnte diese Idee die Geschichte verändert haben.

Im Herbst 1947, als ich 24 Jahre alt war, veröffentlichte ich eine Broschüre, die (auf Hebräisch) „Krieg oder Frieden im semitischen Raum“ hieß.

Es war fast eine genaue Wiederholung der Idee von Nordaus Vorfall – den ich damals nicht kannte. Er fing mit folgenden Worten an:

„Als unsere Väter, die Zionisten, entschieden, in diesem Land eine sichere Heimstätte aufzubauen, hatten sie die Wahl zwischen zwei Wegen.

Sie konnten in Westasien als europäischer Eroberer, der sich selbst als Brückenkopf der‚ weißen‘ Rasse, als Herren der ‚Eingeborenen‘ sahen, wie die spanischen Eroberer und die angelsächsischen Siedler in Amerika. Es ist das, was die Kreuzfahrer zu ihrer Zeit in diesem Lande taten.

„Der andere Weg war, sich selbst als ein asiatisches Volk zu betrachten, das in seine Heimat zurückkehrt – das sich selbst als Erbe der politischen und kulturellen Tradition der semitischen Rasse sieht und bereit ist, die Völker der semitischen Region im Befreiungskrieg gegen europäische Ausbeutung zu führen.“

Mit der Ausnahme der Terminologie, die zu dieser Zeit gehörte, unterstreich ich jedes meiner Wörter auch heute, fast 70 Jahre später.

Der israelisch-palästinensische Konflikt begann, als die ersten jüdischen Siedler 1882 ins Land kamen – noch vor der offiziellen Gründung der zionistischen Bewegung. Er begann als Zusammenstoß zwischen zwei großen nationalen Bewegungen, die sich einander überhaupt nicht kannten. Diese Unkenntnis besteht in großen Teilen bis zum heutigen Tag.

Die Vergangenheit kann nicht verändert werden, außer in der Welt der trumpianischen „alternativen Fakten“.

Aber vielleicht, vielleicht können wir davon lernen und einige Schlüsse ziehen.

(dt. Ellen Rohlfs, vom Verfasser autorisiert)

 

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15 Tage im NATO Manöver

Erstellt von DL-Redaktion am 20. August 2017

In Bayern üben Nato-Soldaten den Krieg.

173rd Airborne Brigade Mission Rehearsal Exercise - sling load training with Bulgarian forces.jpg

Unsere Autorin war als Statistin dabei. Wer ist der Feind? Russland?

Aus Hohenfels Sascha Siegmund

Eine feindliche Armee ist in eine Stadt an der baye­risch-tschechischen Grenze eingefallen. Nato-Truppen sollen sie zurückdrängen. Meine Nachbarn und ich flüchten im Fahrzeugkonvoi. Straßensperren, verminte Wege – dabei meinte das Rote Kreuz doch, das sei eine sichere Route. In der nächsten Stadt sagt uns eine Frau vom UN-Flüchtlingshilfswerk, wir könnten dort nicht bleiben. Wir fahren zurück in unsere Stadt. Dort hören wir: Vier Menschen wurden von Nato-Kräften erschossen, während sie angeblich auf einer nicht freigegebenen Straße fuhren. Außerdem gab es einen Anschlag auf eine Flüchtlingsunterkunft, 20 Tote. Steckt die rechtsradikale Vaterlandspartei dahinter? Wir versammeln uns zu einer Schweigeminute.

Eine Woche vorher: ein Sonntag, zehn Uhr abends am zentralen Omnibusbahnhof in Berlin. Zwei Busse der Firma Schmetterlingsreisen fahren vor, im Fenster ein handgemaltes Schild: „COB“ – Civilians on the Battlefield. Mit 100 Fremden steige ich ein, wir alle sind von da an COBs, Statisten in einem Kriegsszenario, das die US-Armee einüben will. 15 Tage auf dem Schlachtfeld liegen vor uns.

Ende März habe ich auf Face­book eine Stellenanzeige der Firma Optronic entdeckt: „Statisten gesucht für Rollenspiele bei Trainingseinsätzen der U.S. Army! Durch die Statisten wird die Zivilbevölkerung in Krisengebieten dargestellt. Dadurch wird ein realitätsnahes Übungsszenario für die Soldaten und somit eine optimale Vorbereitung für deren Auslands­mis­sio­nen erreicht.“ Das Ganze findet statt auf dem Truppenübungsplatz Hohenfels: ein 160 Quadratkilometer großes US-Militärgelände in der Oberpfalz, auf dem regelmäßig Nato-Truppen üben.

Für die Übung werden Leute gesucht, die neben Englisch auch Russisch, Polnisch oder Tschechisch sprechen. Erstaunlich, mit welcher Nonchalance Leute rekrutiert werden, um ein Szenario gegen Russland zu proben – davon stand da zwar nichts, aber in meinem Kopf setzte sich das sofort zusammen. Facebook-Freunde von mir kommentierten: „unglaublich!“ und „gruselig!“. Der russische Politiker Franz Klinzewitsch, der dem Verteidigungsausschuss des Föderationsrats vorsitzt, sagte russischen Medien: „Diese Übungen sind von großer Sprengkraft. Sie drängen Russland geradezu zu spontanen, unüberlegten Handlungen. Aber unsere Nerven sind stark.“

Ich fülle das elektronische Bewerberformular aus. Ein paar Wochen später ruft mich eine Frau mit russischem Akzent an und fragt, ob ich zu einer zweiwöchigen Übung kommen könne. Ich sage zu. Während der Übung möge ich keine kurzen Röcke tragen. „Die Soldaten sollen ja bei der Sache bleiben“, sagt sie lachend. „Natürlich“, antworte ich.

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Die Wiesen sind aufgerissen, umgepflügt von Panzern

Der Lohn: 88,40 Euro brutto für zehn Stunden Arbeit am Tag. Wer gegen Regeln verstößt oder früher abbricht, zahlt 150 Euro Strafe. Früher gab es 120 Euro pro Tag, erzählen mir altgediente Statisten.

In Parsberg in der Oberpfalz sammeln sich sechs Busse, in denen Statisten aus ganz Deutschland sitzen. Von hier aus sind es nur noch 15 Kilometer bis zum Truppenübungsplatz Hohenfels. Auf dem Parkplatz tummeln sich Rentner mit Wanderschuhen, Junge mit Dreads, viele Westafrikaner, Ruhrpottler, viele Neue, Abenteurer. Russisch hört man aus jeder Richtung kommend. Bekannte umarmen sich. In Hohenfels sind schon viele Freundschaften entstanden.

Telefone und Computer sind auf dem Übungsgelände verboten. Die Neulinge finden das attraktiv. Mal keine Mails, keine Anrufe. Mein nigerianischer Sitznachbar, der schon um die 50 Manöver hinter sich hat, findet das nicht mehr so attraktiv und flüstert mir, wie man sein Handy reinschmuggelt. Als die Briefumschläge verteilt werden, in die alle ihre Handys stecken, behalte ich meins. Der Gedanke, ein Geheimnis zu teilen, gefällt mir.

Wir durchfahren Tore, Schranken, dann kommen wir am Stützpunkt Albertshof an, eine Stadt aus gelben Baracken und Parkplätzen, auf denen Armeefahrzeuge stehen. Ab jetzt herrscht militärische Ordnung, auch für uns Zivilisten. In Reihen stellen wir unser Gepäck auf, Spürhunde riechen dran, mit farbigen Armbändchen teilt man uns einem der fünf Orte zu, die wir besiedeln werden. US-Amerikaner ins­pi­zieren unsere Pässe, nehmen Abdrücke aller fünf Finger und fotografieren jeden Einzelnen der 250 Statisten. In welchen Ländern ich in den letzten sieben Jahren gewesen sei, fragen sie. Und ob ich wisse, dass ich keine Details über meine Arbeit erzählen dürfe. Die Verschwiegenheitsvereinbarung habe ich schon unterschrieben.

Bei all dem Aufwand frage ich mich: Warum war es so leicht, den Job zu kriegen? Sind die Übung und die Suche nach Statisten nur Säbelrasseln?

Das Fake-Dorf, in dem ich mit 37 anderen Statisten wohnen soll, heißt Hasla. Mit dem Bus fahren wir über Schotterpisten durch die Natur. Hügel, Wald und Wiesen, die an manchen Stellen aufgerissen sind, umgepflügt von Panzern. Hasla sieht für mich nach Balkan aus: Baracken mit kleinen Fenstern und Mauern drumherum, zweistöckige Blocks mit Kioskbuden, ein Minarett mit Halbmond. Hier werden regelmäßig Einsätze in Afghanistan, Irak oder Kosovo trainiert.

Für unser Szenario wird eine Bayernfahne vor dem Rathaus gehisst. Es gibt ein Hotel, einen Biomarkt, eine Rapsölverarbeitung, einen Container, auf dem „Düngelager“ steht. Die Bretterverschläge am Hang sind Bauernhöfe, davor stehen Holzschablonen von Schafen und Hühnern. Ein Haus mit Kreuz dient als Kirche, darin Bänke, ein Altar und ein Sarg für Beerdigungen. Wir leben in einer Art Lagerhalle, in der sich drei fensterlose Schlafsäle mit Stockbetten, ein Versammlungsraum und die Büros der Chefs befinden.

In Hasla leben laut dem Szenario 10.000 Einwohner, Abwanderung ließ die Stadt kleiner werden. Die meisten arbeiten in der Landwirtschaft und der Lebensmittelverarbeitung, Hasla ist ein Logistikdrehkreuz. Seit Beginn der Skolkan-Krise leidet die Wirtschaft unter Treibstoffmangel, viele Flüchtlinge aus Osteuropa kommen, die aus Nordafrika sind schon länger da, viele von ihnen leben auf der Straße. Die samstäglichen Demos der deutschen Vaterlandspartei arten regelmäßig zu gewalttätigen Mobs aus. Die Polizei steht im Verdacht, nicht genügend gegen die rechten Brandstifter zu tun, ihr wird Racial Profiling vorgeworfen. Es gibt Nato-nahe und Skolkan-nahe Medien, Fake News und ein eigenes Twitter im Intranet.

Soldiers breach a barricade with an M113 vehicle during a riot control training scenario as part of a mission rehearsal exercise at the Joint Multinational Readiness Center in Hohenfels, Germany, July 6, 2017.jpg

Skolkan ist ein Bündnis aus den Ländern Bothnia, Lindsey, Otso und Arnland. Es fiel im vergangenen Herbst in Estland ein, also Nato-Gebiet, wodurch der Bündnisfall eintrat. Lettland, Litauen, Polen und Tschechien sind bereits in Feindeshand. Nun stehen die Skolkan-Truppen in Bayern, die Nato muss endlich was tun. Und zwar nach den Regeln der Genfer Konvention.

Auch wenn die Chefs es nicht aussprechen, Skolkan passt gut auf Russland. Einigen Statisten wird unwohl dabei. Eine Frau der Firma, die uns rekrutiert hat, beschwichtigt: „Nein, wir bereiten keinen Krieg mit Russland vor. Ihr seht ja, es ist alles ausgedacht.“

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Grafikquellen   :

Oben    –– Luftbild – Truppenübungsplatz Hohenfels Bayern

US Army Europe ImagesFlickr: 173rd Airborne Brigade Mission Rehearsal Exercise – sling load training with Bulgarian forces

Einzelheiten zur Genehmigung

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w:de:Creative Commons
Namensnennung
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Mitte   —            Staff Sgt. Carol Lehmanhttps://www.dvidshub.net/image/1960286

 

 

 

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DL-Tagesticker 20.08.17

Erstellt von DL-Redaktion am 20. August 2017

Direkt eingeflogen mit unseren  Hubschrappschrap

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Wer sich mit Erdogan in die Suhle begibt – wird schnell das Grunzen erlernen

Vermerk von Interpol

1.) Kölner Schriftsteller Dogan Akhanli
in Granada festgenommen

Der 60 Jahre alte Akhanli ist deutscher Staatsbürger türkischer Abstammung. Er lebt seit 1992 in Köln. In seiner Arbeit befasst er sich insbesondere mit dem Völkermord an den Armeniern in der heutigen Türkei vor 100 Jahren und setzt sich für das Gedenken und die Aufarbeitung des von der Türkei bis heute bestrittenen Genozids sein. Akhanli ist auch Mitglieder der internationalen Schriftstellervereinigung PEN.

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Boston:

2.) Zehntausende demonstrieren gegen Rassismus

Eine Woche nach den Ausschreitungen in Charlottesville haben in Boston Zehntausende Menschen gegen Rassismus und Hass demonstriert. Ausdrückliches Lob dafür kam von US-Präsident Donald Trump. „Ich möchte den vielen Protestierenden in Boston applaudieren, die ihre Stimme gegen Fanatismus und Hass erheben“, schrieb er auf Twitter. „Unser Land wird bald als ein Geeintes zusammenkommen!“

Zeit-Online

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Hohlpfosten – jetzt schon Geschichte
Schröder denkt wie er ausschaut – bei Merkel sehen wir wie sie denkt.

Gerhard Schröder

3.) Lieber Rosneft als Flachköpper im Maschsee

Angela Merkel hat sich gerade wieder in Sachsen und Thüringen von allerhand Halb- und Dreiviertelnazis anschreien lassen müssen. Wenn ihr Mienenspiel auch meist wenig Emotionen erkennen lässt, werden wir doch annehmen dürfen, dass ihr so etwas zusetzt. Wir entlohnen sie ordentlich, aber nicht extravagant für diese und andere Strapazen wie zum Beispiel Telefongespräche mit Putin oder Trump, die kein Mensch, der bei Trost ist, freiwillig führen würde. Und zwar mit einer jährlichen Besoldung von fünf Dritteln der Gruppe B11, das läuft aktuell mit Zulagen auf 310.000 Euro hinaus. Brutto, denn auch Kanzler zahlen Einkommensteuer.

Der Tagesspiegel

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Merkel und Schulz

4.) Wahlkampf mit halber Kraft

Dass der Anschlag von Barcelona und das versuchte Attentat von Cambrils Auswirkungen auf den Wahlkampf in Deutschland haben könnte, ist abzusehen. Allerdings lief die übliche Forderungsmaschinerie am Freitag erst sehr allmählich an. Im Vordergrund stand die Bestürzung über die Ereignisse in Spanien. Die schreckliche Tat zeige einmal mehr „die ganze Menschenverachtung und geistige Leere des Terrorismus“, schrieb Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in einem Kondolenzbrief an den spanischen König Felipe VI. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach von „tieftraurigen Stunden“ und betonte zugleich, der Terrorismus dürfe nicht von der westlichen Art zu leben abhalten.

Sueddeutsche-Zeitung

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Auch ein geworfener Stinkstiefel würde eine ausgeschaltete Lampe nicht zum Leuchten bringen

CDU

5.) Was kommt nach Angela Merkel?

Das nährt Spekulationen und befeuert die parteiinterne Debatte. Mit Blick auf die gewonnenen Landtagswahlen im Saarland, in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen in diesem Jahr richtete Daniel Günther, der erst 44-jährige neue Regierungschef in Kiel, vor wenigen Tagen den Blick schon mal auf den Nachwuchs der Union im Bundestag und den Ländern. Es habe sich, „historisch untypisch“, während einer CDU-Kanzlerschaft eine neue Riege von Ministerpräsidenten aufgebaut, „die zusammen mit vielen weiteren jüngeren Leuten in Regierungsverantwortung eine Fülle von Potenzial für eine Nach-Merkel-Ära garantieren“….

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Russland

6.) Sieben Verletzte bei Messerangriff

Mit einem Messer hat ein Mann in der russischen Ölstadt Surgut in Sibirien am Samstag sieben Menschen verletzt. Der Angreifer sei erschossen worden, teilte das Staatliche Ermittlungskomitee mit. Der Mann sei durch Straßen im Zentrum der Stadt 2100 Kilometer östlich von Moskau gelaufen und habe Passanten angegriffen, hieß es in einer Mitteilung.

FR

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Und das alles wegen Silwingen ? German Angst vor politische Schrumpf – Köpfe

Weil niemand da hinwill:

7.) TomTom löscht Saarland aus Navigationsgeräten

Saarbrücken (Archiv) – Der Hersteller von Navigationsgeräten TomTom hat heute bestätigt, schon seit Anfang des Jahres keine Karten des Saarlands mehr in seiner Software zu führen. Die Begründung des Konzerns: Da ohnehin niemand ins Saarland fahren möchte, wird der Speicherplatz der TomTom-Geräte sinnvoller genutzt. Bislang habe sich noch niemand über die fehlenden Karten beschwert

Der Postillon

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Hinweise und Anregungen nehmen wir gerne entgegen

Treu unserem Motto: Es gibt keine schlechte Presse, sondern nur unkritische Leser

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Grafikquelle: DL / privat – Wikimedia Commons – cc-by-sa-3.0

 

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