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Archiv für Juni 2nd, 2017

Christian Ströbele – Grüne

Erstellt von DL-Redaktion am 2. Juni 2017

Als Geheimnisträger fühlt man sich beschissen

Grüne Eminenz Vor dem 2. Juni 1967 war Christian Ströbele an linker Politik und der APO nur interessiert. Danach wurde er aktiv in der Bewegung – aus Protest gegen Staat und Springer. Jetzt, 50 Jahre später, verlässt er als Grüner den Bundestag. Ein Rückblick

1. Mai 2017, Berlin-Kreuzberg. Ein Pflichttermin für Christian Ströbele. Er ist 77 Jahre alt und geht am Stock. Ein paar Autonome begrüßen ihn mit in die Luft gereckter Faust. Später umarmt ihn ein britischer Investor, dem Ströbele half, den Zwist mit einem Gewerbetreibenden zu schlichten. Liebling Kreuzberg. Er ist noch immer der einzige Grüne, der je direkt ein Bundestagsmandat holte – und das gleich viermal. Ein Gespräch über eine Karriere zwischen APO und Parlament.

Das Interview führten Plutonia Plarre und Stefan Reinecke

taz: Herr Ströbele, Sie sind seit 50 Jahren in der Linken aktiv. Wären Sie ohne den 2. Juni 1967 und die Schüsse auf den Studenten Benno Ohnesorg ein normaler Anwalt in Westberlin geworden?

Christian Ströbele: Das habe ich mich noch nie gefragt. Nach dem 2. Juni 1967 bin ich als Referendar zum Büro Mahler gegangen und hatte dort sofort wie ein Anwalt mit den politischen Prozessen zu tun, im Prozess gegen Karl-Heinz Kurras oder als Verteidiger von Fritz Teufel. Ich war zuvor an linker Politik und der APO interessiert gewesen. Nach dem 2. Juni war ich ein Teil davon.

Ist Ihre Erinnerung an diese Tage präzise – oder überlagert von medialen Bildern und Erzählungen?

Es ist schwer auseinanderzuhalten, was eigenes Erleben, was durch Erzählungen und Bilder vermittelt ist. Ich weiß zum Beispiel nicht mehr, ob ich auf der SDS-Veranstaltung mit Bahman Nirumand am 1. Juni 1967 zu Persien dabei war.

Sind Sie es leid, nach dem 2. Juni gefragt zu werden?

Manchmal schon. Ich bin so etwas wie ein Erklärer der Studentenbewegung geworden, obwohl ich damals in der Bewegung keine große Rolle gespielt habe. Ich war ja noch nicht mal im SDS.

Hat der 2. Juni Ihr Bild von der Bundesrepublik radikal verändert?

Ja, meines und das von vielen anderen. Wir hatten das Gefühl: Wir demonstrieren für berechtigte Anliegen und gegen einen Diktator – und der Staat lässt die Maske fallen. Niemand in der Außerparlamentarischen Opposition hatte für möglich gehalten, dass es bei einer Demonstration Tote gibt. Das war unvorstellbar, das Erschrecken groß. Insofern war der 2. Juni ein Schlüsseldatum.

Haben Sie selbst mal Steine geworfen?

Nein. Das kam für mich nicht infrage. Außerdem kannten mich ja viele Polizisten als Anwalt.

Ein Feind war damals der Springer-Verlag.

Die Springer-Zeitung BZ druckte nach dem 2. Juni 1967 das Foto von einer blutüberströmten Studentin mit der Unterzeile: von einem Stein der Chaoten getroffen. Doch sie war von Polizisten verprügelt worden. Die Hetze war unvorstellbar. Das hat mich wütend gemacht.

Ist Bild für Sie noch immer ein Feind?

Feindschaft ist da nicht, Distanz ja. Als Abgeordneter habe ich mal Zeitungskritik bei Bild gemacht. Die schreiben manchmal böse Artikel über mich. Freundlich sind sie, wenn sie Informationen von mir brauchen. Das ist ein professionelles Verhältnis.

Manche Grüne tauchen gern in Bild auf – weil die so weit verbreitet ist.

Ich sicher nicht. Das würde ich nicht machen. Ich glaube auch nicht, dass Bild-Leser sich so sehr für mich interessieren.

Hat sich die Republik seit 1967 fundamental verändert?

Ja, Staat, Gesellschaft, Institu­tionen, Justiz, alles hat sich radikal verändert. Im Bürgerlichen Gesetzbuch stand damals, Eltern dürfen ihre Kinder züchtigen – das ist heute geächtet. Wenn die Justiz, der Bundesgerichtshof damals vor 50 Jahren nicht voller Exnazis gewesen wären, sondern so offen und liberal wie heute das Verfassungsgericht und viele Gerichte, dann wäre die Geschichte anders verlaufen.

Weniger militant?

Auch.

Aber die Liberalisierung war auch ein Effekt der Revolte?

Quelle  : TAZ >>>>> weiterlesen

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Grafikquelle  : Hans-Christian Ströbele (2010)

 

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Nachtrag zu den LTW-NRW

Erstellt von DL-Redaktion am 2. Juni 2017

Weil das Wünschen nicht geholfen hat

1110 Florian Hedorfer Straße 30 - Plastik Trojanisches Pferd von Susanne Peschke-Schmutzer 1970 IMG 2712.jpg

seit mehr als zehn Jahre nicht, da macht sich eine Partei überflüssig !

von Jürgen Aust

Zumindest eines dürfte nach der Landtagswahl in NRW sicher sein: die Konzerne an Rhein und Ruhr brauchen sich aufgrund der Ergebnisse der Landtagswahl 2017 einmal mehr keine Sorgen zu machen: RWE, EON, ThyssenKrupp oder Siemens werden ihre Strategie zur optimalen Kapitalverwertung und zur jahrzehntelangen Kostenoptimierung durch Massenentlassungen ungestört fortsetzen können. Mit der Wahl von CDU und FDP haben sie die ihnen ergebenen Erfüllungsgehilfen durchgesetzt, die ihnen in den nächsten fünf Jahren optimale Verhältnisse bescheren werden. In der Energiepolitik wird die desaströse Kohleverstromung weiterhin oberste Priorität haben, beim Verkehrsmoloch an Rhein und Ruhr werden sie der Autoindustrie weiterhin einen roten Teppich ausrollen und bei „Law und Order“ oder in der Sozialpolitik geht es ihnen einerseits um mehr Sicherheit für die Profitmaximierung sowie um intensiveres Hofieren der Rüstungsindustrie (u.a. Rheinmetall) und andererseits selbstverständlich um Vertiefung der Armutsverhältnisse durch weitere Privatisierung und Deregulierung. Also alles andere als eine Alternative zur bisherigen Landespolitik, sondern eine Art von Konsolidierung einer Politik, die aufgrund der ständigen Verschärfung neoliberaler Verhältnisse lautstärkere und rassistischere Varianten ihres neoliberalen Politikmodells in Form der AfD für viele Menschen wählbar macht.

Die Abwahl der bisherigen NRW-Landesregierung von SPD/Grünen war eine notwendige Folge dieser Kapitallogik, zu deren Charaktereigenschaft es gehört, kontinuierlich die Ertragslage des Kapitals auf Kosten der Löhne und Arbeitsbedingungen zu steigern. Die Zerschlagung von Standorten wie Opel bzw. Nokia in Bochum, BenQ in Kamp-Lintfort oder in noch größeren Dimensionen bei ThyssenKrupp in den vergangenen Jahren sind eine Bestätigung dieser These. Da waren die ebenfalls neoliberalen Agenturen von SPD und Grünen in der letzten Zeit eher Störfaktoren beim Ausbau des Standorts NRW, da die Großkonzerne in der Umwelt- und Industriepolitik doch immer wieder ärgerliche Moratorien in Kauf nehmen mussten, wie beim Kraftwerksbau in Datteln oder beim Braunkohletagebau in Garzweiler zu beobachten war. Dass NRW angesichts der Schuldenbremse bei den für die Industrie erforderlichen Subventionen nicht in ausreichendem Umfang „lieferte“, machte für das Kapital die FDP zu einer gewünschten und von ihnen gesponserten Alternative im Verhältnis zu einer eher als unberechenbar geltenden grünen Partei. Diese Rechnung ist am Wahlabend des 14.Mai 2017 in NRW in gewünschtem Ausmaß aufgegangen.

Was heißt das für linke Politik ?

Linke Politik, die schwerpunktmäßig seit ihrer Gründung 2007 in erster Linie auf Wahlerfolge setzt, steckt angesichts verschärfter neoliberaler Machtverhältnisse in einem grundsätzlichen Dilemma. Sie verspricht seit Jahren, wer DIE LINKE wählt, wählt den Politikwechsel, obwohl von vornherein feststeht, dass mit Wahlergebnissen im Westen von ca. 5 – 10 % auch nicht ansatzweise ein solcher Politikwechsel eintreten wird. Sie ist bestenfalls eine Partei, die im bürgerlichen Parlamentarismus ein wenig Sand ins neoliberale Getriebe streuen kann, was aber den Zug in die falsche Richtung nicht aufzuhalten in der Lage ist. Dass DIE LINKE bei allen ihren Wahlkämpfen gleichwohl eine andere Botschaft aussendet, dass sie also bei Einzug in ein Landesparlament mehr soziale Gerechtigkeit schaffen würde, dass sie prekäre Beschäftigung zurückdrängen oder dass sie gar die Kapitalstrategien vor Ort aufgrund von Wahlerfolgen entscheidend einschränken könnte, erweist sich dann, wenn sie den Einzug in die jeweiligen (westlichen) Landesparlamente wie in Bremen, Hamburg oder Saarland geschafft hat, eher als „Illusionstheater“ (wie es der marxistische Wissenschaftler Ekkehard Lieberam in der Regel bezeichnet), als dass damit tatsächlich, wie das Versprechen in der Regel lautet, die Lebensverhältnisse der Menschen entscheidend und nicht nur marginal verbessert werden könnten.

Wahlkämpfe im Spannungsverhältnis von Reformismus und revolutionärer (Real-)Politik

Die entscheidende Frage für eine linke Politik bzw. Partei lautet also immer wieder: begnügen wir uns mit einer Orientierung, die in erster Linie auf Umverteilung, mehr Teilhabe oder (ein wenig) menschlichere Verhältnisse setzt, oder ist es nicht doch notwendig, was Rosa Luxemburg vor mehr als hundert Jahren in der Auseinandersetzung mit dem reformistischen Flügel der SPD um Eduard Bernstein u.a. zum zentralen ideologischen Kampffeld erklärt hat: Reform oder Revolution ? Also mit der für sie entscheidenden These: die Reform ist das Mittel, die Umwälzung aller bürgerlichen Herrschaftsverhältnisse ist unser Ziel. Nicht mehr, aber vor allem auch nicht weniger. Warum hat DIE LINKE diese Orientierung in ihren Wahlkämpfen weitestgehend aufgegeben ? Das hat sicherlich mit der die Parteigründung der Linkspartei weitestgehend dominierenden PDS zu tun, die im Osten sich als Volkspartei verstand, in nahezu allen Kreisen und Kommunen im Parlament verankert war und seit 1996 die Losung ausgab „Wir müssen mehr Verantwortung übernehmen“, so wie es ihr damaliger Chefideologe, André Brie, ihr verordnet hatte. Da der neue „Shootingstar“ im Westen, die 2004 gegründete WASG, in ihrer Führung weitestgehend durch den traditionellen Gewerkschaftsflügel dominiert war, war sie gegen den Widerstand eines großen Teils der Partei bereit, sich dieser von der PDS hauptsächlich dominierten Strategie unterzuordnen.

Dies hatte in der weiteren Entwicklung der Linkspartei Folgen, die mit erheblichen Flügelkämpfen verbunden waren und das bis heute bestehende Spannungsverhältnis zwischen einem eher reformistischen Kurs und einem radikal und sozialistisch orientierten Kurs ausmacht. Dieses Spannungsverhältnis prägt seitdem sämtliche Wahlorientierungen insbesondere auf der Bundes-, aber selbstverständlich auch auf der Landesebene. Es „gipfelt“ z.B. in einer zentralen Plakatwerbung des Landesverbandes Mecklenburg-Vorpommern „Aus Liebe zur Heimat“ und andererseits in der Präambel der NRW-Linkspartei zum Landtagswahlprogramm

2017 „Für einen Aufbruch zum Sozialismus des 21. Jahrhunderts“. Deutlicher können die unterschiedlichen Wahlstrategien nicht zum Ausdruck kommen.

Mit anderen Rezepturen erfolgreicher ?

Nach dem leider gescheiterten Einzug einer Linksfraktion in den NRW-Landtag häufen sich erwartbar die Stimmen, die im Nachhinein immer schlauer zu sein vorgeben, als vor der Wahl. Plötzlich treffen im täglichen Rythmus Forderungen und Positionierungen ein, die der Mitgliedschaft suggerieren, dass bei ihrer Berücksichtigung die Linke in NRW einen erfolgreichen Zielauflauf gehabt hätte. Da wird u.a. gefordert, dass die Linke ein „glaubwürdiges Konzept für die Wiederbelebung deindustrialisierter und ländlicher Regionen schaffen (müsse)…..In den urbanen Zentren wiederum muss die Linke Bündnisse schmieden oder ausbauen gegen die o.a. Spaltungen, die am Arbeitsmarkt- und Wohnungsmarkt, innerhalb und zwischen den Stadtteilen, zwichen Alteingesessenen und Zugezogenen sich zu verstärken drohen……Ohne eine negative Meinungsmache durch die Medien völlig bestreiten zu wollen, ist der teilweise schlechte Ruf (!) der LINKEN in NRW und anderswo durchaus selbst- und eben nicht nur fremdverschuldet“ (so Alban Werner im ND vom 17.05.2017). Dieser Beitrag ist m.E. symptomatisch für ein Politikverständnis in der Linkspartei, das darauf setzt, dass man nur bessere Rezepte ausstellen muss und sich davor hüten sollte, „linksradikale Feuchtbiotope“ (wie vor) zu schaffen, um mehrheitsfähiger zu werden. Auch der ehemalige Landessprecher der LINKEN.NRW, Rüdiger Sagel, möchte in diesem Sinne sein bekanntes „Öl ins Feuer“ gießen, wenn er dem Landesvorstand einmal mehr vorhält, mit „gewollt radikalen, aber teilweise unrealistischen Forderungen“ anzutreten und ihr darüberhinaus eine „fehlende Regierungsperspektive“ vorwirft (in „scharf links“ vom 18.05.2017).

Diese oder ähnliche Positionen versuchen der Linkspartei immer wieder eine Arznei zu verschreiben, die sie für ein rot-rot-grünes Bündnis attraktiver machen soll und radikalere Positionen in das Reich des Fundamentalismus bzw. der Realitätsuntauglichkeit verbannt. Den Beweis, dass moderatere bzw. von SPD und Grünen nicht „verteufelte“ Forderungen bei Wahlantritten erfolgreicher sein könnten, sind ihre Protagonisten bisher jedoch leider schuldig geblieben.

Wenn die Linkspartei erfolgreicher sein will, sollte sie konsequenter und radikaler auftreten

Der Linkspartei in NRW fehlten ca. 8.500 Stimmen, um in den Düsseldorfer Landtag einzuziehen. Also eine verschwindet geringe Zahl von Wählerinnen und Wählern, die wir mit unseren Botschaften nicht erreichen konnten. Ein Teil der Ursache liegt bei einer detaillierten Analyse der Wahlergebnisse insbesondere im Ruhrgebiet ganz offensichtlich darin, dass wir in den „Problemzonen“ von Duisburg, Gelsenkirchen, Essen oder Dortmund nicht in der Lage waren, die von der AfD erreichten Wähler*innen von uns zu überzeugen. Um diese These am Beispiel von Duisburg zu verdeutlichen: in den meisten prekären Wahlbezirken wie Neumühl, Fahrn-Ost/Wehofen, Obermarxloh oder Beek/Bruckhausen, wo die Armut und Arbeitslosigkeit am höchsten liegt, erzielte die AfD zwischen 15,89% und 18,86%, während die Linkspartei sich mit Ergebnissen von 4,53% bis maximal 8,58% zufrieden geben musste. Vergleichbare Ergebnisse prägen das Bild in nahezu sämtlichen Ruhrgebietsstädten, in denen die AfD weit vor FDP und Grünen drittstärkste Kraft wurde. Eine überzeugende Schlussfolgerung formuliert Perry Anderson in einer Analyse des Aufstiegs rechtspopulisticher Parteien wie der Front National in Frankreich, Wilders Freiheitspartei in Holland oder die UKIP in Großbritannien: „Für die linken Bewegungen gegen das System in Europa ergibt sich aus den Erfahrungen der letzten Jahre eine eindeutige Lehre: wenn sie nicht von den Rechten abgehängt werden wollen, können sie es sich nicht leisten, dass bestehende System weniger radikal anzugreifen als diese. Zugleich muss ihre Opposition kohärenter werden…..“ (Le monde diplomatique v. 09.03.2017) Ein mehr an Radikalität kann sich allerdings nicht darin erschöpfen, dass bei den parlamentarischen Auftritten nur eine schärfere Sprache und eine entschiedenere Anklage gegen das herrschende System und ihre Repräsentanten erfolgen müsste, um die gewünschten Erfolge zu erzielen, sondern ein mehr an Radikalität muss entscheidend den Zusammenhang von Wahlstrategie einerseits und Gesellschaftsstrategie andererseits in den Blick nehmen. Die parteiförmige Linke sowie die Linke insgesamt wird sich maßgeblich mit der von Raul Zelik seit Jahren formulierten These aueinanderzusetzen haben, die er vorrangig in der Analyse des Aufstiegs von Podemos und ihrer zunehmenden wahlpolitischen Orientierung in Spanien immer wieder formuliert : „….zeigt deutlich, dass die Verknüpfung von Linksregierungen, Politikwechsel und sozialem Fortschritt offenkundig falsch ist. Die ‚Machtoption‘ Regierungsbildung, von der in der parlamentarischen Linken so häufig die Rede ist, ist eine Chimäre. In Anbetracht der realen Machtstrukturen kapitalistischer Gesellschaften sind die Gestaltungsräume für (Mitte-)Linksregierungen viel geringer, als gemeinhin unterstellt……Ohne Mobilisierung der Gesellschaft und ohne die Gefahr, dass diese Mobilisierung außer Kontrolle geraten könnte, werden sich (Mitte-)Linksregierungen darauf beschränken (müssen), die herrschenden Machtverhältnisse zu verwalten“ („Jenseits der politischen Arithmetik“ in dem Buch „Anders regieren“, Herausgeber das ‚Institut Solidarische Moderne‘, Herbst 2014).

Es wird für die Linkspartei deshalb kein Weg daran vorbeiführen, sich erheblich intensiver als bisher mit den Entwicklungen und Erfahrungen in Frankreich, Italien oder Spanien auseinanderzusetzen, wo diese Prozesse seit vielen Jahren den Niedergang ehemals dominanter sozialistischer Parteien bestimmt haben. Ihre Allianzen mit dem rechtssozialdemokratischen Lager waren immer begleitet davon, dass sie verschärfte neoliberale Politik mitverwaltet und irgendwann dafür die bittere Quittung erhalten haben. Und was für die Linkspartei vielleicht ein Warnsignal sollte: deren wahlpolitische Orientierung hatte sich nicht wesentlich von der deutschen Linkspartei unterschieden. Sie hatten sich im Laufe der Zeit als Repräsentanten eines gesellschaftlichen Aufbruchs verabschiedet und glaubten, durch Teilhabe am systemstabilisierenden Regierungsgeschäft sei so etwas wie ein Politikwechsel zu erreichen. Aber sie hatten bekanntlich die Rechnung ohne den Wirt gemacht: nicht die herrschenden Machtverhältnisse wurden verändert, sondern verändert wurde die Linke.

Quelle .  AKL    akl - Antikapitalistische Linke

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Grafikquelle   :

Plastik Trojanisches Pferd von Susanne Peschke-Schmutzer aus dem Jahr 1970 im Karl-Swoboda-Hof in der Florian Hedorfer Straße 30 in Wien Simmering.

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Nato und die Türkei

Erstellt von DL-Redaktion am 2. Juni 2017

Die falsche Toleranz der Nato

File:Meeting Vladimir Putin with Recep Tayyip Erdogan 2017-03-10 03.jpg

Autor Tobias Schulze

Als Partner wird die Türkei immer schwieriger. Die Vorteile für die Nato schrumpfen immer mehr. Ist ihr Verbleib im Bündnis noch sinnvoll?

Ein halbes Jahr nach dem Putsch hatten die Sozialdemokraten genug. Auf Antrag ihrer Fraktion diskutierte der Bundestag, wie die Nato-Staaten mit ihrem schwierigen Partner umgehen sollten. Die Regierung in Athen hatte in den vergangenen Monaten Zeitungen verboten, Professoren entlassen und Oppositionelle verhaftet; die Verbündeten protestierten bislang nur zaghaft dagegen. In Bonn fragte die SPD jetzt, ob das so weitergehen kann.

Konnte es, meinte der Koalitionspartner. „Ich bin der Meinung, dass der weitere Verbleib Griechenlands in der Nato nicht nur im deutschen Interesse, sondern auch im europäi­schen und atlantischen liegt“, sagte der CDU-Abgeordnete Hermann Kopf. „Es wäre außerordentlich bedauerlich, wenn gerade hier, an der Südostflanke des freien Europa, eine Änderung einträte.“

In Washington, London und Brüssel sah man das ganz ähnlich. Insgesamt sieben Jahre, von 1967 bis 1974, hielt sich die Militärjunta in Athen an der Macht. Demokratie und Rechtsstaat waren so lange außer Kraft gesetzt, in der Nato durften die Griechen trotzdem bleiben.

Fünfzig Jahre später haben es die Nato-Staaten wieder mit einem schwierigen Verbündeten zu tun. Die Türkei ist nicht Griechenland, Erdoğan kein Putschist und seine Regierung keine Militärdiktatur. Demokratie und Rechtsstaat wickelt aber auch er ab. Zudem behindert er die Arbeit des Militärbündnisses, indem er als Strafe für missliebiges Verhalten zunächst Besuche deutscher Abgeordneter bei Soldaten in der Türkei unterbindet und dann, in der Woche des Brüsseler Nato-Treffens, auch noch die weitere Zusammenarbeit der Organisation mit Österreich blockiert.

Die Türkei muss keine Konsequenzen fürchten

Schon aus pragmatischen Gründen drängt sich eigentlich auch hier die alte Frage auf: Wie kann es mit dieser Partnerschaft weitergehen? Innerhalb des Militärbündnisses muss die Türkei 2017 aber ebenso wenig Konsequenzen fürchten wie Griechenland 1967. Denn auch das alte Argument ist wieder da: „Wir haben ein Interesse daran, im Südosten Europas einen Partner im Sicherheitsbündnis zu haben, mit dem wir zusammenarbeiten können und mit dem wir gemeinsame sicherheitspolitische Interessen haben.“ Das ist die aktuelle Position des Auswärtigen Amts. Die übrigen Verbündeten sehen es nicht anders.

Nun ist die geopolitische Bedeutung der Türkei, die ihr nach dem Zweiten Weltkrieg schon die Eintrittskarte für das Militärbündnis bescherte, keine Fantasie aus der Nato-Zentrale. Die türkische Armee ist nach der amerikanischen die zweitgrößte im Bündnis, sie ist regelmäßiger Truppensteller für Nato-Missionen und besitzt eine militärische Infrastruktur, die dank westlicher Hilfe hervorragend ausgebaut ist. Einsätze im Nahen Osten können die Verbündeten von dort aus betreiben, siehe Luftwaffenbasis Incirlik, von wo aus die Bundeswehr bislang ihre Aufklärungsflüge über IS-Gebiet startet.

Und das sind noch nicht die einzigen Argumente für die Nato-Mitgliedschaft des Landes: Mit Pipelines aus Richtung des Kaukasus und des Kaspischen Meers spielt die Türkei eine wichtige Rolle für die europäische Energieversorgung. Über den Bosporus kann sie den Zugang vom Mittelmeer ins Schwarze Meer und zurück kontrollieren. Und der ewig schwelende Grenzkonflikt zwischen Türkei und Griechenland blieb gerade durch die ­gemeinsame Bündnismitgliedschaft beider Länder jahrzehntelang unter Kontrolle.

Quelle  :  TAZ >>>>> weiterlesen

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Grafikquelle  :

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Attribution: kremlin.ru
Source Встреча с Президентом Турции Реджепом Тайипом Эрдоганом, Совместная пресс-конференция с Президентом Турции Реджепом Тайипом Эрдоганом
Author The Presidential Press and Information Office

 

 

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DL-Tagesticker 02.06.17

Erstellt von DL-Redaktion am 2. Juni 2017

Direkt eingeflogen mit unserem Hubschrappschrap

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Dem politischen Rest der Welt ist das Selbstbewusstsein verloren gegangen – Nieten in Nadelstreifen oder Hosenanzug

1.) Trump ernennt sich zum obersten Klimaschützer

Die Sonne scheint, die Bäume im Garten des Weißen Hauses erstrahlen im frischen Grün des Frühsommers, und Donald Trump fühlt sich wohl in seiner Rolle des Verteidigers Amerikas. „Ich bin gewählt worden, um die Menschen von Pittsburgh zu vertreten, nicht die von Paris“, sagt der US-Präsident. Er kündigt den Ausstieg der USA aus dem Pariser Klimavertrag an – und will gleich neu verhandeln, um bessere Bedingungen für Amerika herauszuschlagen.

Der Tagesspiegel

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War es nicht nur für uns eine Wertegemeinschaft – die Kleineren sahen mehr eine Knebelgemeinschaft

2.) Donald Trump macht Schluss mit der Wertegemeinschaft

Donald Trumps Klima-Ausstieg im Rosengarten und Angela Merkels Bierzelt-Rede können als Kehrseite derselben Medaille verstanden werden. Beide markieren das Ende der Gemeinsamkeiten. Der amerikanische Präsident verabschiedete sich als Führer der freien Welt. Die Kanzlerin griff nach dem Mantel der Geschichte.

FR

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Heute, wo ich reich bin – wi di wi di wi di wi di wi di bum

3.) Bsirske fährt zum Bilderberg

Der Vorsitzende der Gewerkschaft Verdi, Frank Bsirske, nimmt an der diesjährigen Tagung der Bilderberg-Gruppe teil. Dies geht aus der Gästeliste hervor, die die Bilderberg-Gruppe am Mittwoch veröffentlicht. Das Treffen findet diesmal vom 1. bis 4. Juni in Chantilly in den USA statt.

TAZ

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Keine Nieten – kein Versagen- Norbert Lammert heisst der Knabe

4.) Rühren im Verteilungstopf
Ausgerechnet Präsident Lammert übt scharfe Kritik

Von „historisch“ ist die Rede, teils sogar von einer „Jahrhundertreform“. Ganz ohne jegliche Übertreibung: Das am Donnerstag in Bundestag gebilligte Gesetzespaket zur Neuordnung der Finanzströme zwischen Bund und Ländern ist ein tiefer Eingriff in die föderale Struktur und das Aufgabengeflecht. Der Jubel hielt sich dennoch in Grenzen nach dem bedeutungsschweren Beschluss. Zu ausgelaugt schienen die Volksvertreter nach der Jahre langen Kompromisssuche und dem aufreibenden Gefeilsche mit den Ländern.

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Wie gut das hier nur die Polizei eine Lizenz zum prügeln hat.
Wo bleibt eigentlich das Volk welches im Grundgesetz erwähnt wird ?

5.) Polizei hat viel Integrationsarbeit zerstört

Der Polizeieinsatz an einer Nürnberger Berufsschule zur Abschiebung eines jungen Afghanen hat nach Einschätzung des Schulleiters „viel Integrationsarbeit“ zerstört. Im Unterricht werde das Thema Flucht und Integration immer wieder thematisiert. „Das Verhalten der Polizei war da extrem kontra-produktiv“, sagte der Direktor der Berufsschule 11, Michael Adamczewski.

Die Welt

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Das Kriechen sollte durch den aufrechten Gang ersetzt werden

6.) Es ist nicht alles seine Schuld

Wer vor eineinhalb Jahren allen Ernstes an die Rettung der Welt geglaubt hat, bloß weil die UN in Paris einen Klimavertrag schlossen, der musste soeben eine tiefe Enttäuschung erleben. Welt doch nicht gerettet! USA planen den Ausstieg! Wie furchtbar!

Die Zeit

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7.) Sicheres Herkunftsland: De Maizière verbringt Sommerurlaub in Afghanistan

Deutschlands Innenminister will sich im Urlaub keine Sorgen um seine Sicherheit machen. Deshalb wird Thomas de Maizière (CDU) seinen Sommerurlaub in diesem Jahr nach eigenen Angaben in dem sicheren Herkunftsland Afghanistan verbringen – schließlich werden regelmäßig Flüchtlinge dorthin abgeschoben, ohne um ihr Leben fürchten zu müssen.

Der Postillon

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Hinweise und Anregungen nehmen wir gerne entgegen

Treu unserem Motto: Es gibt keine schlechte Presse, sondern nur unkritische Leser

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Grafikquelle: DL / privat – Wikimedia Commons – cc-by-sa-3.0

 

 

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