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RENTENANGST

Archiv für April 4th, 2017

Linke Saar: LL. zur Btwahl

Erstellt von DL-Redaktion am 4. April 2017

Mitgliederversammlung zur Aufstellung der Landesliste zur Bundestagswahl

Ort und Zeit NN

Der Dirigent soll schon am Wirken sein ….

Das war schon eine interessante Nachricht, welche gestern über Facebook verbreitet wurde. Mama Hu hätte den Auftrag erhalten als Kandidatin gegen Thomas Lutze anzutreten, bei den anstehenden Bundestagswahlen. Solch einen Fall würden sicher viele SaarländerInnen in die Ablage unter „moderne Teufelsaustreibungen“ einordnen, – ablegen um nach den Wahlen sich erneut damit befassen. Dann wären es keine Fake News, sondern Fakt News ! So oder so !

Aber abwarten, das ist für kleine Schreiber wie wir uns nennen, nicht das Ding. Sind wir doch, im Gegensatz zu den meisten PolitikerInnen noch bestrebt diese Welt zu verbessern und berichten so wie wir die Umgebung  zu sehen glauben. So wie wir Mama Hu, Thomas Lutze und vor allen Dingen die Seil-Schläger im Hintergrund sehen und kennengelernt haben..

Es erschien ein Kommentar an beschriebener Stelle, welcher schon kurz darauf wieder verschwunden war. Dieser berichtete von dem was ihm zugetragen wurde. Vermutlich bekam er/sie kalte Füße und löschte ihn nach kurzer Zeit wieder. Wir werden jetzt also genau beobachten wie sich die Lage weiter entwickelt.

DL/IE

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Fotoquelle: Wikipedia – Urheber Okami-san

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Politisches Armutszeugnis

Erstellt von DL-Redaktion am 4. April 2017

Der neue Armuts- und Reichtumsbericht
der Regierung beschönigt die Lage

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/2/20/Prof_Dr_Christoph_Butterwegge.jpg

– trotzdemwird die Spaltung im Land darin offensichtlich

von Christoph Butterwegg

Gut Ding will Weile haben, heißt es. In diesem Falle wohl zu Unrecht: Wegen eines monatelangen Streits zwischen dem Sozialministerium unter Leitung von Andrea Nahles (SPD) und dem CDU-geführten Kanzleramt hat das Bundeskabinett den Fünften Armuts- und Reichtumsbericht zur Hängepartie werden lassen. Selbst eine so banale Erkenntnis wie die, dass zumindest sehr Reiche politisch einflussreicher als Arme sind, sorgte für Konfliktstoff zwischen den Regierungsparteien.

Wie ihre schwarz-gelbe Vorgängerregierung schafft es die Große Koalition aufgrund interner Meinungsverschiedenheiten nicht, das Dokument über die Lebenslagen in Deutschland fristgerecht vorzulegen. Dies soll nach einem Bundestagsbeschluss aus dem Jahr 2001 nämlich immer zur Mitte einer Legislaturperiode geschehen. Da sich die laufende Legislaturperiode bereits dem Ende zuneigt, wird der Fünfte Armuts- und Reichtumsbericht somit im Unterschied zu seinen Vorläufern zum Wahlkampfthema.

Leer- und Schwachstellen

Wer als Leser erfahren möchte, ob sich die Kluft zwischen Arm und Reich in Deutschland während des Berichtszeitraums vertieft hat, wo die Gründe hierfür liegen und was dagegen zu tun ist, wird enttäuscht. Nach den gesellschaftlichen, sozioökonomischen und politischen Ursachen der Einkommens- und Vermögensspreizung im Land wird in dem Bericht nämlich gar nicht gefragt, genauso fehlen auch Empfehlungen zu deren Beseitigung. Gegenstand der Betrachtung sind allein die individuellen Auslöser persönlicher Notlagen wie zum Beispiel Erwerbslosigkeit, Trennung oder Scheidung vom (Ehe-)Partner oder (Früh-)Invalidität, wohingegen die strukturellen Ursachen für soziale Auf- und Abstiege weitgehend im Dunkeln ­bleiben.

Entgegen früheren Absichtsbekundungen von Andrea Nahles ist der Reichtum ein Stiefkind der statistischen Datenerfassung und -analyse geblieben. Die Ministerin hat zwar ein Forschungsprojekt zu Reichtum in Auftrag gegeben, diesen aber so diffus definieren lassen, dass die soziale Ungleichheit während des Berichtszeitraums kaum zugenommen hat. „Einkommensreich“ ist demnach, wer über mehr als das Doppelte beziehungsweise das Dreifache des mittleren Nettoäquivalenzeinkommens der Gesamtbevölkerung verfügt – das sind 3.452 beziehungsweise 5.178 Euro pro Monat.

Quelle :  TAZ >>>>> weiterlesen

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Fotoquelle: Dirk Schneider (ds-foto)Eigenes Werk (own work ) by ds-foto: http://dsfoto.wordpress.com

  • CC BY-SA 3.0
  • File:Prof Dr Christoph Butterwegge.jpg
  • Erstellt: 15. März 2013

 

 

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Stolz, prekär, Feuerwehr

Erstellt von DL-Redaktion am 4. April 2017

Über Ethos und Alltag der Pariser Nothelfer

von Romain Pudal

Ganz ehrlich, ich verstehe nicht, was die wollen: Die zünden die Autos von ihren Alten an, die zerstören die Schulen ihrer kleinen Geschwister oder gleich die ganze beschissene Siedlung. Das macht doch keinen Sinn! Was soll das bringen? Bilden die sich ein, sie erreichen was, wenn sie alles in die Luft jagen? Findest du das vielleicht in Ordnung? Irgendwann ist Schluss!“

So schimpften sie im November 2007 in unserem Löschfahrzeug. Nach dem Tod von zwei Jugendlichen, deren Motorrad von einem Polizeiauto in Villiers-le-Bel (Val-d’Oise) umgefahren worden war, herrschte in der Banlieue der Ausnahmezustand: Nächtelang flogen Steine, wurden Polizisten angegriffen, brannte es an allen Ecken. Zum zweiten Mal erlebten wir solche schweren Unruhen. 2005 hatten sie sich lange hingezogen, diesmal war das Auflodern heftig, aber kürzer. Wir reagierten darauf mit Unverständnis und Zorn – weniger mit Angst. Auch ein gewisser Fatalismus machte sich in unsrer Kaserne breit, die in einem Pariser Vorort liegt. Wir bekommen es immer wieder mit solchen Gewaltausbrüchen zu tun.

In dieser Kaserne habe ich als Freiwilliger fünfzehn Jahre lang Dienst geschoben, zusammen mit den Feuerwehrleuten. Die meisten sind weiß, jung und männlich, nur wenige haben einen höheren Abschluss, viele haben lediglich kurze Lehrgänge absolviert. Sie gehören zum proletarischen Teil Frankreichs, der versucht, in die Mittelschicht aufzusteigen.

Ein Pariser Intellektueller gehört hier also nicht gerade zur Norm. Jeder hat seine Vorurteile, und ich bin für sie mehr oder weniger automatisch der Gutmensch, der immer alles entschuldigen will, „wie alle linken Bobos“. Es ist nicht leicht zu erklären, dass die Soziologie keine Rechtfertigungskultur ist. Die Feuerwehrmänner glauben mir nicht, auch der frühere Ministerpräsident Manuel Valls machte keinen Hehl daraus, dass er nicht viel von dieser Disziplin hält.

Die Männer hier sind durch ihren Beruf täglich mit menschlichen Komödien und Tragö­dien konfrontiert. Mit einem gewissen Sarkasmus, aber durchaus freundlich fordern sie mich auf zu erklären, was sie täglich sehen und erleben: Die Unruhen natürlich, Steinwürfe und Straßenschlachten oder die unangenehmen Begegnungen mit „djeuns“ (jungen Leuten), „wesh-wesh“ (aus dem Arabischen übernommener Gruß unter Jugendlichen), „cas sos“ (Sozialfällen) und, nicht zu vergessen, „TPMGs“1 , zu denen sie Politiker, Manager, Spitzensportler, Filmstars und andere Promis zählen, die sie für rücksichtslose Egoisten halten.

Im Feuerwehrmilieu, einer Gegengesellschaft mit eigenen Codes und Riten, voller Stolz auf den Zusammenhalt und die Solidarität mit allen, die ihr angehören, sind ein starkes Verantwortungsbewusstsein, Opferbereitschaft und Brüderlichkeit fundamentale Werte.

Der Berufsalltag bei der Feuerwehr ist kaum bekannt. Er verschwindet hinter den spektakulären Bildern von Bränden, Katastrophen und nationalen Ehrungen für gefallene Feuerwehrleute. Die gehören natürlich auch dazu, jeder im Einsatz ums Leben Gekommene verdient die Ehre. Aber wenn man genauer hinschaut, sieht man eine andere Art von Heldentum – ein Wort, über das sie lächeln und das sie von sich weisen.

Feuerwehrleute müssen für alle möglichen Situationen eine Lösung finden; sie leisten nicht nur Erste Hilfe; oft müssen sie auch stundenlang reden, trösten, beruhigen oder einfach nur zuhören. Jeden Tag sind sie mit Problemen und Sorgen konfrontiert, die keine lebensbedrohlichen Notfälle sind, sondern das, was unsere Gesellschaft an Verstörungen, Unbehagen und Ängsten hervorbringt.

Unzählige Einsätze werden von „sonstigen Anfragen“ ausgelöst, die zu Recht so heißen, weil es manchmal schwer zu erklären ist, warum jemand die Notrufnummer gewählt hat: chronisch Kranke, die allein in ihrer Wohnung sitzen und sich umbringen wollen; ein entlassener Manager, der plötzlich ausrastet und seine Nachbarn beschimpft, sodass eine mitfühlende Seele befürchtet, dass er sich „etwas Schlimmes antut“; oder alte Menschen, die mitten in der Nacht anrufen, weil sie aus dem Bett gefallen sind. In all diesen Situationen muss die Feuerwehr ausrücken, Verständnis zeigen und beruhigen. Ehrensache, dass die Männer ihre eigenen Empfindungen unterdrücken und versuchen, ruhig zu bleiben und zu lächeln.

Die alte Dame mit dem Wasserschaden

Diese Mitmenschlichkeit regt sich insbesondere dann, wenn die Verwaltung auf die Vorschrift pocht, dass Einsätze, sofern es sich nicht um einen Notfall handelt, gebührenpflichtig sind und dem Anrufer in Rechnung gestellt werden müssen: ein Wespennest beseitigen, eine Tür aufbrechen, einen nicht akut Kranken transportieren und Ähnliches. Bei den Fortbildungen wird eine ganze Batterie von Argumenten aufgefahren: die Finanzierung, die Eigenverantwortung unserer Mitbürger, deren Sensibilisierung für wirkliche Notsituationen. Die Teilnehmer fühlen sich nicht angesprochen, wie ihre belustigten oder misstrauischen Mienen und ihre abwesenden Blicke erkennen lassen. Flüsternd reißen sie Witze: „Wie beim Einkaufen: So, junge Frau, das macht dann soundso viel …“

Und dann kommt der Ernstfall: Überschwemmung in der dritten Etage eines heruntergekommenen Hochhauses, im Wohnzimmer einer verzweifelten alten Dame steigt das Wasser. Der erfahrene Kollege und ich pumpen es ab. Klarer Fall, die uralte Waschmaschine hat versagt. „Müssen wir nicht das Formular für gebührenpflichtige Einsätze ausfüllen?“, flüstere ich eilfertig. Je­rômes strenger Blick lässt mich verstummen. „Bin ich Ihnen etwas schuldig?“, fragt die Rentnerin am Ende unseres Einsatzes besorgt. „Nicht doch, auf keinen Fall!“, antwortet er mit breitem Lächeln. „Wir sind die Feuerwehr, das ist umsonst, wissen Sie? Außerdem können Sie nichts dafür, Sie haben schon genug Scherereien. Na gut, wir hätten gern ein Glas Wasser nach getaner Arbeit!“ Als wir die Geräte in den Laster räumen, erklärt mir Jérôme: „Hast du gesehen, wie sie lebt? Sie hat keinen Cent! Ich denke nicht daran, solche Leute zur Kasse zu bitten. Du musst selbst sehen, was für ein Feuerwehrmann du sein willst. Ich bin altmodisch, ich bin dazu da, den Leuten zu helfen, und nicht, Rechnungen zu schrei­ben.“

Die Frage der Kommerzialisierung und Ra­tio­na­lisierung dieser öffentlichen Dienstleistung hat sich in den letzten fünfzehn Jahren immer wieder gestellt, in Form von eben jenen Gebühren, Materialkosten oder einem festgelegten Zeitbudget für jede Art von Einsatz. Dabei wissen die Männer nie, was sie erwartet, wenn sie ausrücken. Keiner möchte seine Hilfeleistung quantifizieren, seine Empathie in Zeitwerten messen oder sich Vorgaben beziehungsweise Vorwürfe machen lassen, wie stark man sich während eines Einsatzes engagieren oder wie viel Material man dabei verbrauchen darf. Ich habe erlebt, wie sich Kollegen aufregten: „Wir konnten doch beim Transport nicht auf die Brandwundenkompresse verzichten! Da können wir den Leuten auch gleich sagen, sie sollen auf ein Stück Holz beißen, bis sie im Krankenhaus sind!“

Diese Anteilnahme, Menschlichkeit und Hilfsbereitschaft lassen sich mit den Worten ­Pierre Bourdieus so zusammenfassen: Sie sind die linke Hand des Staates. Die Hilfe und der Beistand, die Feuerwehrleute im Alltag leisten, sind der Grund dafür, warum dieser Beruf nach diversen Umfragen einer der angesehensten in Frankreich ist.

Man könnte natürlich sagen, gut, es ist ihr Beruf, sie haben ihn gewählt und werden für ihren Altruismus ja auch bezahlt. Aber das trifft nur für eine Minderheit von 20 Prozent zu, die fest angestellt ist. 80 Prozent der Feuerwehrleute in Frankreich, fast 200 000, sind Freiwillige, die nach Zeitaufwand vergütet werden (5 bis 8 Euro pro Stunde im Durchschnitt für die einfachen Feuerwehrleute, die den direkten Kontakt zur Bevölkerung haben). Reich wird man davon nicht. Es ist eine magere Aufwandsentschädigung für ein starkes Engagement: Der freiwillige Feuerwehrmann muss in Übung bleiben, indem er ständig Bereitschaftsdienste macht (24 Stunden, manchmal mehr, auch nachts, auch am Wochenende) und die obligatorischen Fortbildungen besucht. Er ist zu regelmäßigen Gesundheitstests, Sporttraining und Feuerwehrübungen verpflichtet. Körperlicher Verschleiß ist ein Teil des Berufs.

Dennoch ist die Aufwandsentschädigung verlockend. Sie muss nicht versteuert werden und wird am Monatsende ohne Abzüge für Versicherungsbeiträge überwiesen. So kann der Freiwilligendienst schnell einen beachtlichen Teil der monatlichen Einnahmen ausmachen. Diesen beunruhigenden Trend zum Nebenverdienst bei Festangestellten beobachte man schon seit einigen Jahren, schrieb ein Gewerkschafter. Immer mehr Feuerwehrleute, besonders Jüngere oder prekär Beschäftigte, bestreiten ihren Lebensunterhalt über diese Zusatzdienste. Und umgekehrt erhoffen sich viele Freiwillige, dass sie das Aufnahmeverfahren bestehen, um in ihrem Traumberuf die Vorteile einer Festanstellung zu erlangen: regelmäßige und progressive Entlohnung, Arbeitnehmerrechte, Anspruch auf Weiterbildung, Prämien und Rente. Aber die Anzahl der Stellen ist begrenzt, und noch schwieriger ist es, im Departement seiner Wahl stationiert zu werden.

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Fotoquelle :  David MonniauxEigenes Werk

von Romain Pudal

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Wahlprogramm der Linken

Erstellt von DL-Redaktion am 4. April 2017

Sozialistenschlager

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Ja, die rückständigen Linken

Wir waren aber Überrascht – als das Programm der der Linken vorgelegt wurde. ? Wirklich – kannten wir das nicht alles ? Las es sich nicht wie seid Jahren schon – wir möchten sagen seid dem die Hühner und Hähne auf ihren Stangen sitzen –wer sich bewegt fällt hinunter– ob in den Landtagen oder auch im Bund. Dabei sagt der Neuste Armutsbericht der Regierung – stark geschliffen, dass die Kluft zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander driftet, seit dem die Linke existiert, oder gerade darum ?

Aber, sie merken es nicht einmal, wenn sie immer wieder erfolglos vor die Wände fahren, denn sie haben viele Mitglieder so fanatisiert, dass diese nur nach rechts und zurück über ihre Schulter blicken. Was sich dort vorne abspielt interessiert sie nicht mehr, denn es träumt sich schön von der Vergangenheit. Derweil üben sich die Spitzen der Partei in Genügsamkeit, zumindest in den Wahlzustimmungen. Noch stimmt ja auch die persönlichen Einkommen, denn im Notfall zahlen doch Mitglieder auch Beiträge. So ähnlich wie in den Gewerkschaften, wo ganz Viele den paar Spitzen ein Leben in Saus und Braus ermöglicht. Wie lange eigentlich noch?

DL/IE

Die Parteispitze der Linken klammert sich an die Hoffnung auf Rot-Rot-Grün. Im Wahlkampf will sie auf sozialistische Umverteilungs-Evergreens setzen – und bleibt bei den unangenehmen Themen vage.

Als es am Ende um die schwierigen Fragen geht, jene, an denen eine Koalition scheitern oder der Parteifrieden zerbrechen könnte, da ringen die beiden Vorsitzenden plötzlich mit den Worten. Man wolle die Nato nicht abschaffen, sagt Katja Kipping. Die Formulierung sei „ersetzen“. Kampfeinsätze der Bundeswehr seien mit der Linken nicht zu machen, sagt Bernd Riexinger, Auslandseinsätze dagegen keine „rote Haltelinie“. Wo die Grenze liege? „Das entscheiden wir nicht hier.“

Am Wochenende hatte der Parteivorstand den Entwurf für das Wahlprogramm abgesegnet – bei nur einer Gegenstimme. Das klingt nach Eintracht. Doch in zentralen Streitpunkten, das wird bei der Präsentation in der Berliner Parteizentrale klar, ist man nicht viel weiter. Vor allem nicht in der Außenpolitik.

Die Linken stecken in einer schwierigen Situation. Erstmals seit ihrer Gründung haben sie eine realistische Chance, im Bund an die Macht zu kommen. „Deutschland steht möglicherweise vor einer Richtungswahl“, sagt Kipping. Mittlerweile hoffen sogar parteiinterne Zweifler darauf.

Doch wenn die Linken mit SPD und Grünen eine Koalition schmieden wollen, dürfen sie die potenziellen Partner nicht mit den Maximalforderungen der verbliebenen Hardliner in den eigenen Reihen abschrecken. Und die gibt es noch immer in der Partei: Linke, die nur raus wollen – aus der Nato oder sogar aus der EU, ohne Kompromisse.

Radikale Umverteilungspläne

Quelle : Der Spiegel >>>>> weiterlesen

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Das sozialistische Haus der Linken

Kommentar von Nina Apin

Das große Unbehagen

Viele Wähler wollen zur Bundestagswahl zwar für die sozialer gewordene Schulz-SPD stimmen – nicht aber für Rot-Rot. Ist die Linke regierungsfähig?

Die roten Socken sind nicht totzukriegen: 13 Jahre nach der berüchtigten Anti-Rot-Rot-Kampagne des damaligen CDU-Generalsekretärs Hintze twitterte der aktuelle CDU-Generalsekretär Tauber ein Bild von drei PolitikerInnen unter einer Bettdecke. Darunter eine Warnung: „Wer am Wahlabend mit dem verklärten Blick auf den Bürgermeister von Würselen einschläft, läuft Gefahr, morgens im Bett zwischen Sahra Wagenknecht und Toni Hofreiter aufzuwachen.“ Die Message: Wer SPD auf Bundesebene wählt, kriegt den Kommunismus gratis dazu.

Ein plumpes Manöver. Und doch rührt Taubers Warnung an eine reale Angst vor allem bürgerlicher WählerInnen. Die würden zwar gern Schwarz-Rot abwählen, einer sozialer gewordenen Schulz-SPD ihre Stimme geben oder einer in die Mitte gerückten grünen Partei. Aber sich auf keinen Fall auf eine ménage à trois mit der Hardcoresozialistin Wagenknecht einlassen – und als unsichtbarem Vierten auch noch mit deren Ehemann, dem Linkspopulisten Oskar Lafontaine.

Quelle: TAZ >>>>> weiterlesen

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Oben –  –  : Vernon Chan from Kuala Lumpur, MalaysiaA little souvenir for #makethefuture #shellecomarathon #singapore

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Die Familie Erdogan

Erstellt von DL-Redaktion am 4. April 2017

Eine schrecklich erfolgreiche Familie

Im Familienclan der Erdoğans ist jede Heirat eine politische Entscheidung. Die Angehörigen des türkischen Präsidenten sollen von seiner Macht profitieren – und er von ihnen. Ein durchgeplantes Bild, wären da nicht seine Söhne

Autorin : Cigdem Akyol

Es war die Party des letzten Jahres: Rund 6.000 Gäste lauschten der Rezitation aus dem Koran, als Sümeyye Erdoğan und Selçuk Bayraktar sich im Mai 2016 in einer Lagune im Istanbuler Vorort Küçükçekmece die ewige Liebe schworen. Die Braut lächelte in einem perfekt hochgeschlossenen Kleid mit weißem Kopftuch. Der Bräutigam hielt – ebenfalls lächelnd, in einem schwarzen Anzug, dazu eine schmale schwarze Krawatte – die Hand seiner Angetrauten in seiner.

Auch der sonst eher finster schauende Schwiegervater, der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan, sah zur Abwechslung mal entspannt aus – und das, obwohl in den Tagen zuvor Dutzende Menschen bei Terroranschlägen im Land ums Leben kamen. An diesem sonnigen Tag war es wichtiger, dass seine jüngste Tochter einen wohlhabenden Mann heiratete. Seine Angehörigen sollen von seiner Karriere profitieren – und Bayraktars Familienunternehmen liefert Technologien wie Drohnen an die türkischen Streitkräfte – Brandherde, in denen die heimische Armee Kriegsmaschinerien einsetzen muss, gibt es momentan einige.

Die Erdoğans, das ist eine schrecklich erfolgreiche Familie, die Politisches und Privates vermischt. Die Eheschließung zwischen dem jüngsten Erdoğan-Spross und dem Sohn des Rüstungsunternehmer ist symptomatisch für die Präsidentenfamilie. Jede Beziehung soll nur dazu dienen, die Macht des Clans zu festigen. Oberhauptist Recep Tayyip Erdoğan, ein hochgewachsener Präsident, der seit Jahrzehnten die gleiche Frisur und einen Schnauzbart trägt. Ob IS-Terror, Syrienkrieg oder Flüchtlingskrise – an dem vierfachen Vater geht derzeit kein Weg vorbei. Die First Lady an seiner Seite, Emine, steht seit nunmehr 40 Jahren diskret hinter ihm, seine Töchter Esra (35) und Sümeyye (31) sind mit glühenden AKP-Anhängern verheiratet. Sohn Bilal (36) wird in der Türkei für seine Tölpelhaftigkeit verspottet, während der älteste Sohn, Ahmet (37), selbst auf Familienfeiern fehlt.

Anführer Erdoğan ist der charismatischste türkische Volks­tribun seit Republikgründer Mustafa Kemal Atatürk. Er wandelte sich vom Hoffnungsträger zum Despoten – und trotz politischer Niederlagen machte er mit der Unbeirrbarkeit eines Marathonläufers immer weiter. Dabei ­verlässt er sich auf seine Familie.

Der studierte Betriebswirt lernte seine Jugendliebe und jetzige Ehefrau Emine Gülbaran auf einer Parteiveranstaltung in der Bosporusmetropole kennen. „Es war Liebe auf den ersten Blick“, schilderte Emine das Kennenlernen, eine Frau ohne Schulabschluss und Ausbildung. Erdoğan musste allerdings zuvor seine Mutter Tenzile überzeugen. Denn die wollte eine Schwiegertochter, die einen Tschador trägt – und nicht wie Emine nur ein streng umgebundenes Kopftuch.

Die einzige Bedingung vor der Ehe sei es gewesen, dass sie ihn nicht in an seiner Karriere hindere: „Ich sagte ihr, dass sie mich 24 Stunden lang nicht suchen darf. Wenn ich nicht komme, dann bedeutet das, dass ich bei der Organisation bin. Deswegen gab es Gott sei Dank nie die Frage, warum ich nicht gekommen bin oder warum ich mich verspätet habe.“ Er ist der aufstrebende Mann, sie die folgsame Partnerin mit den maskenhaften Gesichtszügen, die sich um die vier Kinder kümmert. Bei Tayyips Balkonreden nach all seinen Wahlsiegen stehen ihm sein Frau und drei seiner Kinder durchchoreografiert zur Seite. Gern Hand in Hand. Ein selbstbewusster Clan. Vieles scheint gut im Hause Erdoğan – wären da nicht die Söhne.

Die Skandalsöhne

Quelle : TAZ >>>>> weiterlesen

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Fotoquelle : Erdoğan family

Γιώργος Α. Παπανδρέου Πρωθυπουργός της Ελλάδας from GreeceΔείπνο του Γιώργου και της Άντας Παπανδρέου με τον Recep Tayyip την Emine και την Sumeyye Erdogan Uploaded by randam

 

  • CC BY-SA 2.0
  • File:Recep Tayyip Erdoğan and George Papandreou, Greece October 2010 1.jpg
  • Erstellt: 21. Oktober 2010

 

 

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Erinnern für die Änderung

Erstellt von DL-Redaktion am 4. April 2017

Ein Werk der immer besseren Art von Christoph Hein

Trutz

Autor: U. Gellermann

Buchtitel: TRUTZ
Buchautor: Christoph Hein
Verlag: Suhrkamp

„Glücklich ist, wer vergisst“, singt die kleine Geta fast trotzig in die Familie des Professors für Mnemonic, für Gedächtniskunst, hinein. Zu der Zeit ist der große Wissenschaftler, der anerkannte Mathematiker und Sprach-Experte Waldemar Gejm von der Moskauer Universität längst im Ural, verbannt, verboten, näher dem baldigen Lagertod als seinem alten, erfüllten Leben. Wie eine billige, boshafte Hymne klingt das Liedchen aus der Operette durch die 500 Seiten des großen Romans „Trutz“ von Christoph Hein. Denn zu vergessen gäbe es viel, am Vergessen wurde und wird gründlich gearbeitet. Wie nie gelebt wanderten Stalins Tote, die Opfer der Parteidiktatur, lange Jahre durch den existierenden Sozialismus. Im Westen lebten sie nur als Waffe gegen den Osten, als Zombies einer gemeuchelten Idee, die immer noch virulent war und gefürchtet wurde, der Idee der Selbstermächtigung der Massen, der Vision Lenins von der Köchin, die den Staat lenken könne, weil jeder Koch das können sollte, was vorgeblich nur die Leute mit den Kronen und den Zylindern konnten: Regieren.

Auf der Flucht aus dem von den Nazis verseuchten Berlin nach Moskau, dem heiligen Ort der geplanten Arbeiterfreiheit, wollen sie die Bedrängnis hinter sich lassen, die kleine Gewerkschaftsfunktionärin Gudrun und der junge Schriftsteller Rainer Trutz. Sie wissen was ihnen in Deutschland droht: Folter, Gefängnis, Tod. Erste Kostproben haben die neuen Herren sie schon schmecken lassen. Ihr neuer Wohnort wird Exil heißen, mit harter körperlicher Arbeit im Tiefbau der Moskauer Metro und in der Schokoladenfabrik. Im verheißenen Paradies der Internationale lernen sie den keineswegs paradiesischen Alltag der jungen Sowjetunion kennen. Aber neben dem Kampf um das tägliche Brot begegnen sie auch dem intellektuellen und prominenten Kreis um Professor Gejm. Ein Kreis wie es viele in jener Moskauer Zeit gab: Erfasst von der noch neuen Idee einer Zukunft, die jedermann selbst bestimmen kann, wissenschaftsgläubig, dem Aufbau des Sozialismus in einem Land ergeben, bewaffnet mit einer roten Fahne von der man damals noch nicht wusste, dass ihre Farbe nicht nur das Blut ihrer Gegner symbolisieren sollte. Aus den Familien Trutz und Gejm werden sich spät, sehr spät nur die beiden Söhne wieder treffen. In einem Berlin, in dem sie den lächerlichen deutschen Wodka Gorbatschow trinken und sich erinnern werden. Auch und gerade an die Menschen, die ihnen genommen wurden.

Christoph Heins schreibender Wechsel aus dem hastigen und zunehmend verhetzten Berlin in das Moskau der Aufbauzeit, der großen Siege in der industriellen Produktion, der Vergötzung Stalins und dem Bau der Metro, dem prächtigen Symbol für den scheinbar endgültigen Triumph des Sozialismus, ist atemberaubend. Reich an genauer Beobachtung, angereichert mit großer Liebe zu seinen Figuren, die aus der Liebe zu den Menschen kommt, veredelt mit einer der Grundfragen menschlichen Lebens: Vergessen oder Erinnern? Eine Frage in der, wie in den Matrjoschka-Puppen, nur die nächste steckt: Kann man aus der Geschichte lernen? Und dann schon wieder die nächste: Muss der Mensch die Geschichte nur ertragen oder kann er sie auch selbst gestalten? Diese Fragen, die der Autor in den Schicksalen seiner Familien-Chronik erkennen lässt, sind es, die den Atem rauben können: Selber atmen oder atmen lassen? Und, nie von Christoph Hein explizit gestellt und doch mit jeder gelesenen Seite drängender: Geworfen sein oder selbst werfen? Die bisher erschienenen Kritiken wissen es schnell: Statist sei der Mensch im Weltgeschehen. Das Selber-Werfen könne er, angesichts des neuen Heinschen Romans und seiner Schicksale, doch besser lassen.

Einmal im Roman lässt Christoph Hein die Wissenschaft gegen die Kunst antreten, läutet er einen Kampf des Geregelten, Erkennbaren, des Intellektuellen gegen die Kunst, gegen das Emotionale ein. Der Kampfplatz ist ausgerechnet der Kopf des höchst rationalen Sprachwissenschaftlers und da steht der Verlierer schnell fest. Romanen und Lyrik, glaubt der Professor zu wissen, fehle „jede zwingende Konsequenz, um aus gegebenen Prämissen zu einem logischen Resultat zu gelangen.“ Gogol und Tolstoi verlassen geschlagen den Ring, Aristoteles und Newton tragen den Sieg davon. So arbeitet Christoph Hein: In einem scheinbar nebensächlichen Bild des Romans wird dessen Grundthema erneut aufgeführt, wird die Frage nach der Mechanisierung des Denkens in der Wissenschaft aufgeworfen. Und die nächste Frage lauert schon: Wer macht die Prämissen zu gegebenen? Wer bestimmt die Parameter gesellschaftlichen Denkens? – Der Roman stellt keinen Gewinner im Kampf zwischen Wissenschaft und Kunst fest. Ist er doch beides: Große Erzählkunst und Ergebnis akribischer wissenschaftlicher Recherche.

„Glücklich ist, wer vergisst . . “, singt die Figur aus der „Fledermaus“, der Operette von Johann Strauß, um in der nächsten Zeile den Vorhang fallen zu lassen: „. . . was doch nicht zu ändern ist“. Nein, zu ändern ist die temporäre historische Niederlage der sozialistischen Idee, erwürgt in ihrer stalinistischen Praxis, keineswegs. Aber aus ihr zu lernen geht nur, wenn eben nicht vergessen wird: Die Opfer nicht und auch nicht deren Hoffnung auf ein besseres, selbstbestimmtes Leben, entwickelt im Kampf gegen die Diktatur des Zaren und des Kapitals. Auch nicht jene, die mit dem falschen Namen Stalin auf den Lippen den richtigen Kampf gegen den deutschen Faschismus geführt und gewonnen haben. Das alles zu vergessen hieße, die Opfer ein zweites Mal umzubringen. Genau dem arbeitet Christoph Hein entgegen, mit einem Roman, der sich schmerzhaft erinnert, um Änderungen erst möglich zu machen. So legt der Schriftsteller mit „Trutz“ ein weiteres Werk von immer besserer Art vor: Buch, um Buch.

Buchpremiere
Zum Roman TRUTZ
Lesung mit Christoph Hein, Corinna Harfouch
Musik: Hans-Eckardt Wenzel
Akademie der Künste Berlin, Hanseatenweg
Am Dienstag, 4.4. 2017, 20 Uhr

 

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