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Archiv für Oktober 11th, 2011

Enteignung Europas

Erstellt von UP. am 11. Oktober 2011

Schlaraffenland für Banken und Investoren

Als Helmut Kohl im Jahr 1998 noch unser Bundeskanzler war, wollte er unbedingt den Euro einführen. Dazu versprach er uns alles nur erdenkliche, um uns die neue Währung schmackhaft zu machen.

Der Euro sollte die Europäische Union stärken und künftigen Generationen als Garant für den Frieden und der Freiheit dienen.

Der „deutsche Nationalheld und Kanzler der Einheit“ Helmut Kohl versprach bei Einführung des Euro, dass es keine Finanztransfers unter den EU-Mitgliedern geben würde, als er am 28. April 1998 um den Euro warb. Im Protokoll stand:

„ Der Euro stärkt die Europäische Union als Garanten für Frieden und Freiheit. Von der heutigen Abstimmung – ich meine das nicht pathetisch – hängt es wesentlich ab, ob künftige Generationen in Deutschland und Europa in Frieden und Freiheit, in sozialer Stabilität und auch in Wohlstand leben können.“ Helmut Kohl, 28.04.1998

Wohlstand ist nur für einen kleinen Teil eingetroffen, nämlich unsere Reichen und Superreichen. Natürlich hat auch unsere Wirtschaft davon profitiert, aber das dauerhafte versprochene Wachstum schwankt in den letzten Jahren schwer. Die „benötigten zukunftssicheren Arbeitsplätze im 21. Jahrhundert“ sind mittlerweile prekären Arbeitsplätzen gewichen.

„Das Europäische Währungsinstitut und die Deutsche Bundesbank haben in ihren Stellungnahmen bestätigt, dass die Vorschläge der Kommission stabilitätspolitisch vertretbar sind….ich behaupte: Die Voraussetzungen für eine stabile europäische Währung waren noch nie so gut wie heute.“ Helmut Kohl, 28.04.1998

Im Vertrag von Maastricht, der 1992 beschlossen wurde, war eine strenge „Nichtbeistandsklausel“ (No-Bailout-Klausel) vereinbart worden. Durch diese Klausel sollte verhindert werden, dass Mitgliedsstaaten bei ungenügender Haushaltsdisziplin auf Unterstützung der EU-Staaten hoffen können.

»Meine Damen und Herren, nach der vertraglichen Regelung gibt es keine Haftung der Gemeinschaft für Verbindlichkeiten der Mitgliedstaaten und keine zusätzlichen Finanztransfers. Helmut Kohl, 28.04.1998

Sind die Versprechen, die Kohl gemacht hatte, eingetroffen? Im Gegenteil: Mit Einführung des Euro begann eine gewaltige Enteignung. Jeder in Deutschland hatte nur noch die Hälfte auf dem Konto. Häuser und Grundstücke hatten nur noch den halben Wert. Europa hielt sich an die gesetzliche Vorgabe, dass Preise mit der Umrechnung nicht erhöht werden durften. Nur in Deutschland war das „der Freiwilligkeit überlassen“.  Viele Firmen benutzten die Umrechnung für Preiserhöhungen, die sie sich sonst nie erlaubt hätten und somit wurde vieles gleich von Anfang an teurer, manches sogar 1:1 umgerechnet.

Heute wackelt der Euro, Arbeitslose leben nicht in Freiheit, sondern unter dem Druck der Jobcenter. Die Arbeitnehmer, hauptsächlich die Leiharbeiter, bangen ständig um ihren Job und die Angst vor dem Verlust der Arbeitsstelle macht sie zu „willigen Arbeitskräften“, die jede Lohnkürzung und nur erdenkliche Verschlechterung der Arbeitsbedingungen auf sich nehmen. Der Mensch ist erpressbar geworden. Die soziale Stabilität steht auf wackeligen Beinen und der Wohlstand ist bei Vielen nur noch eine schwache Erinnerung an frühere Zeiten, in denen es noch keine Lohnkürzungen und Lohndumping gab.

Aber auch die überschuldeten Staaten wurden enteignet. Der IWF und Deutschland zwangen diese Länder dazu, gewaltige Einsparungen durch Lohnkürzungen, Entlassungen – natürlich bei den kleinen Leuten, die nichts zur Überschuldung beigetragen hatten – und Privatisierungen von öffentlichem Gemeingut.

EU-Rettungsschirme

Am 9./10. Mai 2010, auf einer Sondersitzung des Europafinanzrats und auf Drängen Frankreichs wurde aufgrund verschiedener defizitärer Eurostaaten der vorläufige EFSF (Europäische Finanzstabilisierungsfazilität ) eingerichtet. Dieser sollte auf 3 Jahre befristet sein, also bis 2013. Damals schlug Angela Merkel zunächst zwei Lösungen vor: den Ausschluss überschuldeter Staaten aus der EU  und ein geregeltes Verfahren, in dem überschuldete Staaten nur einen Teil ihrer Schulden zurückbezahlen sollten, also eine Staateninsolvenzordnung.

„Meine Damen und Herren, der Euro und die Europäische Währungsunion sind in keiner Weise ein unkalkulierbares Risiko.“ Helmut Kohl, 28.04.1998

Weil Frankreichs Banken die meisten Staatsanleihen maroder Länder im Depot hatten, ist  es verständlich, dass die Franzosen mit dem Vorschlag Merkels nicht einverstanden waren. Man wollte aber eine Lösung für die Probleme schnell in der Tasche haben, bevor am 10. Mai 2010 um 2 Uhr europäischer Zeit die Börse in Tokio ihre Tore öffnete.

Nach der Finanzkrise ab 2007 und der daraus entstehenden Wirtschaftskrise 2009/2010 eskalierten die Haushaltskrisen mehrerer Mitgliedsstaaten. Mittlerweile gelten sie als krisenhaft überschuldet. Schnell wurde daher der EFSF eingerichtet. Schließlich hatten andere Staaten Angst vor Ansteckung. Ein passender Paragraf war auch schnell gefunden: nämlich Art. 122 AEU-Vertrag. Nach diesem wurde eingeräumt, dass aufgrund von Naturkatastrophen oder außergewöhnlichen Ereignissen, die sich der Kontrolle eines Staates entziehen unter bestimmten Voraussetzungen ein finanzieller Beistand der Union gewährleistet werden kann.

Nun, als Naturkatastrophe kann man die Staatsverschuldung Griechenlands wohl kaum bezeichnen. Entzieht sich die Schuldenkrise aber wirklich der Kontrolle Griechenlands? Wäre hier nicht die Politik gefragt, rechtswidrigen Spekulationen ein Ende zu bereiten?

Nach zwei „Probeabstimmungen“ bei der CDU/CSU, bei denen es einige „abtrünnige“ Abgeordnete gab, dürfte unserer Kanzlerin, die um ihre Mehrheit in den eigenen Reihen fürchtete der Angstschweiß schwer getropft haben.  Trotz des seit Jahrzehnten bestehenden aber nicht legitimen Fraktionszwangs hatten einige Abgeordnete gewagt, mit „nein“ zu stimmen.

Man musste sich wieder etwas einfallen lassen, wollte man die „Abtrünnigen“ bekehren, schließlich stand mit der Abstimmung die Macht von Frau Merkel auf dem Spiel. Vor den Unions-Abgeordneten hielt sie eine Rede mit der Bemerkung:

„Dafür habe ich Sie zu gerne und dafür haben wir gemeinsam noch zu viel vor.“

Trotzdem haben sich einige davon nicht beirren lassen. Daraufhin bestellte man die Abtrünnigen zur Kanzlerin auf den „Beichtstuhl“. In einem Fernsehinterview platzte dann die Bombe. Der Abgeordnete Wolfgang Bosbach erwägt wegen des Streits um den Euro-Rettungsschirm und des daraus entstehenden Drucks aus den eigenen Reihen, sich aus der Politik zurückzuziehen. Er habe gewusst, dass es Ärger geben würde wenn er der Regierungsvorlage nicht zustimmen würde, aber was er in den letzten Wochen erlebt habe, das habe er sich so nicht vorgestellt. Das gelte insbesondere für Vorwürfe, die tief ins Persönliche gegangen wären. Mittlerweile sind einige der „netten“ Worte von Kanzleramtschef Ronald Pofalla bekannt geworden, der Bosbachs „Fresse nicht mehr sehen kann“. Ein derartiger Umgangston gehört bestimmt nicht zu einer glaubwürdigen Politik.

Hoppla, heißt es nicht, Abgeordnete sollen frei nach ihrem Wissen und Gewissen abstimmen (Paragraph 38 des Grundgesetzes)? Wenn solche Anfeindungen stattfinden, nur weil jemand anderer (und mit Sicherheit intelligenterer Meinung ist), stimmt schon lange etwas nicht mehr mit unserer parlamentarischen Demokratie!

Ablenkung Nr. 1 – Der Papst

Um die Bürgerinnen und Bürger von den Schwierigkeiten, die der deutsche Bundestag hatte, abzulenken, ließ man mal schnell Papst Benedikt XVI. kommen. – Eine Fußball-Weltmeisterschaft war gerade nicht greifbar. – Der durfte dann im Bundestag reden. Leider vergaß er, die Missstände in Europa anzuprangern.

Aber er ist wahrscheinlich in einer höheren Sphäre, da merkt man vielleicht nicht mehr den Unterschied von Recht und Unrecht. Schließlich werden die Missbräuche durch katholische Kirchenangehörige auch tot geschwiegen. Eine Entschuldigung oder Entschädigung ist bis heute ausgeblieben.

Ob er auch seinen Beichtstuhl für die Abgeordneten und Frau Merkel eröffnet hat und diese von den bisher begangenen Sünden frei sprach?

Sein Segen dürfte nicht weit über den 29. September 2011 hinausreichen. Da stimmte der Deutsche Bundestag der Erweiterung des EFSF (Europäischer Stabilisierungsmechanismus) zu   und besiegelte damit eine beachtliche öffentlich organisierte Insolvenzverschleppung. Normalerweise ist dies in Deutschland eine Straftat, die mit bis zu 3 Jahren Freiheitsstrafe geahndet wird, geregelt in § 15a, Insolvenzordnung.

Ablenkung Nr. 2 – Papandreou

Der griechische Staatspräsident Papandreou besuchte Berlin, am 27.09.2011, auch gerade rechtzeitig vor der Abstimmung eines neuen Rettungspakets. Bei einer Rede zum Tag der deutschen Industrie zitiert er dabei Obamas Worte: „Yes, we can“ und rief zum stärkeren Engagement in seinem Land auf. Aber was hat Obama bis heute hinbekommen?

Als Bittsteller versuchte Papandreou, Zweifel an den Sparanstrengungen seines Landes zu zerstreuen. Er könne garantieren, „dass Griechenland seine Verpflichtungen erfülle“. Die Griechen wären entschlossen, „das zum Erfolg zu machen“. Es wäre ihm egal, ob er wieder gewählt werde. Ob das der kleine griechische Bauer oder die vielen jungen Arbeitslosen auch so sehen wenn sie gegen den sozialen Abbau auf die Straße gehen?

In Griechenland gibt es insgesamt 11 Millionen Griechen. Dies entspricht dem Verhältnis der Bewohnerzahl eines mittelgroßen Bundeslandes in Deutschland. 2000 der griechischen Familien gehören 80% des dortigen Vermögens. Würde Griechenland nicht besser dastehen, wenn diese Familien eine ordentliche und gerechte Steuer bezahlen müssten?

Frau Merkel hat die Rechnung über Schulden von Deutschland so aufgemacht, dass der offiziell zugegebenen 2 Billionen Staatsverschuldung, ein Vermögen (in nur wenigen Monaten von 4 Billionen auf fantastische von 5 Billionen angewachsen), gegenübersteht und wir uns deshalb keine Sorgen zu machen brauchen. Wann wird sie endlich die Reichen zur Kasse bitten? Und warum macht sie nicht auch diese Rechnung für Griechenland auf? Dann müssten doch Reiche in Griechenland auch 4/5 der Schulden übernehmen! Die waren doch seither auch die Profiteure.

Stattdessen kritisierte sie die Haushaltspolitik Athens:

„Wenn Griechenland sich so wie Irland und Portugal angestrengt hätte, „wären wir nicht in dieser Situation“. Angela Merkel, 27.09.2011

Der neue EFSF

Nach der Zustimmung am 29.09.2011 durch den Bundestag ist der Euro-Rettungsschirm aber noch lange nicht in trockenen Tüchern. Zypern und Estland haben ebenfalls am Donnerstag, 29.09.2011 zugestimmt. Österreich am 30.09.2011, Niederlande am 06.10.11. Zuvor hatten Frankreich, Belgien, Finnland, Griechenland, Irland, Italien, Luxemburg, Portugal, Spanien und die Slowenen mit „ja“ gestimmt.

Während auch in Malta mit einer Zustimmung zu rechnen ist, berät der einzige Wackelkandidat, die Slowakei, noch über die Ratifizierung. Deren Parlamentspräsident Richard Sulik, Chef der SAS, will Griechenland lieber Pleite gehen lassen:

“Was der Rettungsschirm macht, ist nur ein irrsinnig teures Kaufen von Zeit, aber es löst die Probleme nicht“, kritisierte Sulik die Hilfsanstrengungen der Euroländer.

Eine angenehme Lösung für die slowakischen Steuerzahler. Die Slowakei will der Erweiterung zustimmen, aber im Falle der Fälle von möglichen weiteren Zahlungen an Griechenland ausgeschlossen werden. Ein solcher politischer Kuhhandel wäre für Sulik akzeptabel.

Wie Recht er hat wenn die Slowakei nicht zustimmt, wird sich wahrscheinlich in den nächsten Monaten zeigen. Alle Hoffnung, viel Geld zu sparen, liegt also noch auf diesem kleinen Land. Durch eine Negativentscheidung könnte die Slowakei diesen den Steuerzahler immer weiter in Bedrängnis führenden Vertrag noch kippen. Schließlich gilt in solchen Fragen das Einstimmigkeitsprinzip.

Im deutschen Bundesrat wurde die EFSF-Reform bestätigt, ohne dass darüber eine Abstimmung erfolgte. Das Gesetz über die Euro-Hilfen war in der Länderkammer nicht zustimmungspflichtig. Wenn es um soviel Geld und die um Zukunft späterer Generationen geht? Ist das Demokratie? Einzig durch den Anruf des Vermittlungsausschusses hätten die Länder die Umsetzung noch verzögern können. Klasse Demokratie: die in Berlin beschließen und wir dürfen zahlen. Und? Wo stehen wir jetzt?

Frau Merkel weiß, dass sie bald wieder ein neues Griechenland-Paket schnüren muss. Sie weiß aber auch, dass sie gleichzeitig die Mehrheit für den permanenten Euro- Stabilisierungsmechanismus EMS beschaffen muss, der dann ab 2013 für einen stabilen Euro sorgen soll. Wie soll das möglich sein? Nun darüber lässt sie uns im Unklaren!

Lehnt den Euro-Hebel ab: Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer© Marc Müller/DPA

Lehnt den Euro-Hebel ab: Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer© Marc Müller/DPA

Was nützt es da noch, wenn Horst Seehofer vor einer Haftungsunion und einer Überforderung warnt? Bayern würde größere Risiken aus den übernommenen Garantien nicht dulden. Zusätzliche Schritte zu einer „Transfer-, Haftungs- oder Inflationsunion“ würden die Bayern nicht mitgehen.

Prima. Der deutsche Steuerzahler darf jetzt mit 211 Milliarden Euro bürgen und damit auch am Ende bezahlen. Das sind 2/3 des Bundeshaushalts. Zusätzlich wurde ein Risikopuffer eingebaut. Wenn ein anderes Euro-Land als Bürge ausfällt, sind es sogar bis zu 253 Milliarden Euro, die Deutschland dann bezahlen muss.

Glaubt wirklich auch nur ein Mensch, dass die Griechen mit dem verordneten Kaputtsparen ihrer Wirtschaft, die in der kurzen Zeit schon um über 5,5 % geschrumpft ist, die Schulden jemals bezahlen können? Wir aber in Deutschland und den restlichen Euro-Ländern dürfen uns schon mal darauf freuen, dass unsere Binnenwirtschaft vollends an die Wand gefahren wird und noch mehr soziale Leistungen gestrichen werden. Die Subventionen die die Wirtschaft einsteckt, greift man mit Sicherheit nicht an.

Wie wollen da noch die Politiker glaubwürdig erklären, warum deutsches Steuergeld auf europäischer Ebene gut angelegt ist. Sicher die Festlegung des Bundeshaushalts ist das primäre Recht des Parlaments. Kann das aber ohne weiteres auf Europäische Organe übertragen werden. Ist das nicht ein weiterer Rechtsbruch unserer Regierung? In Deutschland sind 80 % gegen solche Rettungsschirme. Wie kann man da noch von einer Legitimation durch das Volk reden?

Letztendlich ist dieser Rettungsschirm nur teuer erkaufte Zeit, wie der slowakische Parlamentspräsident Sulik richtig feststellte. Um die Wirtschaft maroder Länder tatsächlich wieder aufzubauen wird nichts daran vorbeigehen, als dass die Banken auf einen beträchtlichen Teil ihrer Forderungen verzichten müssen. Jeder Unternehmer trägt sein eigenes Risiko für sein Tun. Sind die Banken etwa davon ausgenommen?

Versteckte Kosten der Euro-Rettung

Eine Staatspleite in der Euro-Zone scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein. Deutschland besitzt bei den Ratingagenturen immer noch die höchste Bonitätsstufe. Wie lange noch? Standard & Poors sprach bereits eine Warnung an die Deutschen aus. Die Kreditwürdigkeit wäre durch die EFSF-Ausweitung bedroht.

Auf dem Finanzmarkt hat Deutschlands Bonität bereits stark gelitten. Die Kosten für eine Zahlungsausfallversicherung haben sich seit Jahresanfang fast verdoppelt. So sind die Preise für Credit Default Swaps von 54,75 Basispunkten am 6. Januar, also 54.750 Euro für Anleiheausfälle, nach dem Beschluss des Bundestags am 29.09.2011, den Rettungsschirm auszuweiten auf 100,36 Basispunkte gestiegen. Das bedeutet, wenn Kreditausfälle von 10 Millionen Euro versichert werden müssen, 100.360 Euro pro Jahr zu bezahlen sind.

Dieser zusätzliche Preis für die Euro-Rettung wird aber in den politischen Diskussionen kaum berücksichtigt und ist ein weiterer Aspekt, der den Steuerzahlern verheimlicht wird. Wenn die Bonität Deutschlands herabgestuft wird, steigen auch die Kosten für die eigene Staatsfinanzierung.

Alessio Rastani

Am 26.09.2011 hatte Alessio Rastani, ein 34-jähriger Kleinanleger, einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Er behauptete, dass Goldman Sachs „die Welt regiere“, nicht die Regierungen. „Keiner an den Märkten würde noch etwas auf die Rettungspläne der Regierungen geben und wer Gelegenheit hätte, jetzt Geld zu machen, würde sie ergreifen, also auch mit Spekulationen auf Pleiten“.

Im „The Independent“ wurde Rastani als der Händler beschrieben, „der den Deckmantel über das, was in den Bankenvierteln wirklich gedacht wird, gelüftet hat“. Hatten Ähnliches nicht auch schon echte Börsianer geäußert?

Die spanische Finanzministerin Elena Salgado bezeichnete Rastani als „verrückt und unmoralisch“. Wird bei uns nicht jeder, der die Wahrheit sagt, als verrückt hingestellt? Die Aussagen Rastanis scheinen nicht allzu fern der Realität zu liegen.

Professor Dr. Wilhelm Hankel

Der Wissenschaftler und Währungsspezialist war vom Start weg einer der prominentesten Gegner des Euro und reichte 1997 zusammen mit Wilhelm Nölling, Joachim Starbatty und Karl Albrecht Schachtschneider Klage gegen die Einführung des Euro ein. Erfolglos. Im Mai 2010 klagten die vier zusammen mit Dieter Spethmann gegen den Milliardenkredit für Griechenland – ebenfalls erfolglos. In einem Interview spricht Professor Hankel, der einstige Erfinder der Bundesschatzbriefe unter Anderem über das womöglich nahende Ende der Gemeinschaftswährung und die sich daraus ergebenden ökonomischen und politischen Perspektiven.

Prof. Hankel räumte in einem Interview Bedenken wegen der Funktionsfähigkeit Deutschlands ein. Der Staatshaushalt wäre auf unbegrenzte Zeit verpfändet und die Transferleistungen, die das Land zu bezahlen hätte, müssten letztlich vom Bürger bezahlt werden. Mit Einführung des Euro seien die Investitionen in Deutschland schlagartig zurückgegangen. Den Zwang zu Kostensenkungen hätten nur die Bezieher von Arbeitnehmereinkommen, Rentner und Bezieher aller fixierten Einkommen getragen. „Früher oder später müsse das zu sozial ähnlichen Zuständen führen wie in Nordafrika!“

Großen Exportunternehmen, die alle börsennotiert sind, stehen Kreditmittel zum Emissionssatz von plusminus 3 Prozent zur Verfügung. Wenn aber ein nicht notiertes und nicht gelistetes Mittelstandsunternehmen (98,8 Prozent) sich Geld von einer Bank leihen muss, bezahlt es zwischen sieben und dreizehn Prozent. Die Haupteinnahmequelle der Banken besteht mittlerweile aus dem Handel von Wertpapieren. Durch die immense Geld- und Kreditaufblähung ist die Inflationierung des Euro vorgezeichnet. Die EZB, deren Aufgabe es ist, unsere Währung zu schützen, hat sich zum Handlanger der Staaten gemacht und unterstützt eine verhängnisvolle Inflationspolitik.

Überall da, wo der Finanzsektor kolossal aufgebläht wurde, ist die Rezession am stärksten. Dass es bei uns bisher glimpflicher abgegangen ist, verdanken wir dem Umstand, dass wir weniger „overbanked“ sind. Prof. Dr. Wilhelm Hankel

Was machen Kritiker?

Vieles spricht dafür, dass es aufgrund all dieser Rechtsbrüche zu einer Inflation kommt, die sich schon durch Erhöhrungen der Inflationsraten in den letzten Monaten abzeichnet. Davon werden dann auch die Eigentumsrechte des Bundesbürgers nach Art. 14 GG betroffen sein.

Schon in den ersten Urteilen des deutschen Verfassungsgerichts von 1993 zum Maastricht-Vertrag, machte dieses zur Bedingung, dass die Währungsunion nur eingegangen werden darf, „wenn die neue Währung den Stabilitätsansprüchen der alten Währung entspricht. Wenn dies nicht der Fall wäre, hätte Deutschland das Recht, aus der Währungsunion auszutreten.

Führende Politiker suchen immer noch ihr Heil in einer „stärkeren EU“. Aber die Zahl der Kritiker wird immer größer. In Österreich läuft bis Ende des Jahres ein Volksbegehren, ausgelöst durch die Initiative für mehr direkte Demokratie e. V. Die Österreicher sollen mit 20 Milliarden für den neuen EURO-Rettungsfonds gerade stehen. Dazu sind die österreichischen Steuerzahler nicht mehr bereit.

In diesen Rettungsfonds soll Griechenland 17,3 Milliarden beitragen, Portugal 16 Milliarden und Irland 10 Milliarden Euro, obwohl diese Länder fast Pleite sind. Das kann auf Dauer nicht funktionieren.

In Großbritannien gab es mehrere Umfragen, in denen sich die Bevölkerung klar für einen Austritt aus der EU ausgesprochen hat. Auch britische Abgeordnete streben eine Abstimmung über den Verbleib in der EU an.

Gründe hierfür sind der riesige EU-Beamtenstaat und die Verschuldungssucht.  Gleichzeitig wird die anmaßende Haltung der EU-Politiker gegenüber der Souveränität der EU-Staaten angeprangert. Von nicht demokratisch gewählten EU-Kommissaren geht mittlerweile eine Fremdbestimmung aus, die in Großbritannien immer mehr Kritiker findet.

Mit europäischen Finanz- und Wirtschaftsministerien soll der Beamtenstaat noch weiter aufgebläht werden. Das kostet den Steuerzahler in Europa noch mehr Geld und muss an anderen Stellen wieder eingespart werden. Die Selbstbestimmung der einzelnen Staaten bleibt dabei immer mehr auf der Strecke.

Die EU-Kommission will nun die Subventionen neu regeln. Die verschiedenen Töpfe sollen dazu bis 2020 mit rund 375 Milliarden Euro aufgefüllt werden. Diese milliardenschweren Fördertöpfe l sollen zielgerichteter eingesetzt werden. Dabei sollen möglicherweise die Länder, die gegen den Euro-Stabilitätspakt verstoßen, mit Entzug eben dieser Fördergelder bestraft werden.

Sicherlich, die Wirkung des Geldsegens ist nicht immer greifbar. So ist das wirtschaftliche Gefälle in der EU eher größer geworden. Ausgerechnet Griechenland und Portugal haben in den vergangenen Jahrzehnten am meisten von EU-Geldern profitiert und stehen trotzdem – oder gerade deshalb? – im Zentrum des Krisengeschehens.

„Als ultima ratio muss es die Möglichkeit geben, was wir auch schon in der Eurozone haben, dass hier – zumindest temporär – Zahlungen ausgesetzt werden können.“        EU-Regionalkommissar Johannes Hahn

Das europäische Parlament hat sich bereits klar gegen solche Sanktionsmöglichkeiten ausgesprochen, weil die ärmeren Regionen und Kommunen nicht in Geiselhaft für die Fehler ihrer Regierungen genommen werden dürften.

Fazit:

Das Lohndumping in Deutschland wird immer mehr vorangetrieben. Das hat zur Folge, dass andere europäische Länder teurer produzieren als die Deutschen. Wo sind da die Gewerkschaften, für die jedes Mitglied teure Mitgliedsbeiträge entrichtet? Mit diesem Prozedere wird die Wirtschaft und der Export anderer Länder nach unten gedrückt. Deren Steuereinnahmen reichen nicht mehr aus, um ihren finanziellen Verpflichtungen nachzukommen. Durch hohe Arbeitslosigkeit wird die Binnenwirtschaft anderer Länder an die Wand gefahren. War das etwa schon bei der Euro-Einführung geplant?

Können wir alle uns überhaupt noch ein solches Europa leisten? Hier reden Auftrags-Bankrotteure über Geld, um das sie zusätzlich sämtliche europäischen Staatshaushalte erleichtern wollen. Ein weiterer Aufbau von europäischen Institutionen wie ein europäisches Finanzministerium, dazu noch die Rettungsschirme, die letztlich bis ins unendliche gehen können, wird den Steuerzahler noch mehr Geld kosten und die einzelnen Staaten entmachten. Europa wird dadurch immer mehr geknebelt und gegängelt, indem die einzelnen Mitgliedsländer immer stärker in diesen verursachten Schuldenkreislauf hineingezogen werden.

Ein Schuldenschnitt zum jetzigen Zeitpunkt, an dem noch keine weiteren Zahlungen an Griechenland und den anderen Krisenländern gezahlt sind, ist für alle Steuerzahler billiger. Einziger Nachteil wäre, dass die Finanzwelt auch einmal Einbußen einstecken müsste. Wenn weitere Zahlungen geleistet werden, kommt es einzig den Verursachern zugute, nämlich den Banken, die ihre Gewinne einstecken und an Aktionäre verteilen.

Reicht es also aus, dass, nachdem sich der teuer erkaufte Zeitgewinn erschöpft hat, dann weiterhin die Steuerzahler mit noch höheren Beträgen für die Verluste aufkommen? Mit Sicherheit nicht mehr, denn aus Sicht der Verursacher dieser so genannten „Krise“ wird ein strategisches Ziel erreicht sein. Wird die Liquidität der europäischen Länder zukünftig nur unter geänderten Bedingungen, gestellt von denjenigen, bei denen das überall fehlende Kapital gelandet ist,  aufrechterhalten? Oder ist dieser Zustand nicht schon längst erreicht und soll nun durch europaweite Abstimmungen legitimiert werden?

Nicht nur die Bevölkerung in Europa, sondern die Menschen in aller Welt brauchen keine solche Krise, wie sie uns aufgetischt wurde. In der Geschichte gibt es genügend Beispiele einer absichtlichen Inszenierung mit geänderten Machtverhältnissen am Ende.

Ob in europäischen Ländern, USA, China, Russland oder in den afrikanischen Ländern, überall sind die Demonstrationen über die ungerechten Verhältnisse nicht mehr zu übersehen. So  vergeht kaum noch ein Tag, ohne weltweite Proteste.

Martha Brauch - Waiblingen

Abgelegt unter APO, Feuilleton, Kommentar, Sozialpolitik, Wirtschaftpolitik | 3 Kommentare »

Armutsbericht aus RLP

Erstellt von DL-Redaktion am 11. Oktober 2011

Mainz wie es singt und lacht müsste der Bericht überschrieben sein, welcher dieser Tage in der   „Die Rheinpfalz“ Zeitung zu lesen war. Dort wurde über eine, für Die LINKE in Westdeutschland wohl typische Kreisversammlung berichtet. Dieses natürlich und das dürfen wir hier nicht vergessen,  in einer „Neoliberalen“ Zeitung und er wurde von einen bösen kapitalistischen Journalisten geschrieben welcher vielleicht auch ein Faschist und bekennender Antikommunist ist.

Trotz des dort anwesenden Landesvorsitzenden Wolfgang Ferner, scheinbar eine politische Notbeleuchtung, lesen wir nicht eine politische Aussage in diesen Artikel. Statt dessen aber jede Menge über die obligatorischen Streitereien wie nicht bezahlte Beiträge, reale und nicht reale Mitglieder usw. . Ein treffendes Beispiel für politisches Arbeiten in der  West-Linken.

Aber was sollte noch weiteres darüber zu Schreiben sein. Den Armutsbericht einer Partei findet ihr >> HIER >>

Passend zum Artikel hier auch gleich ein Kommentar:

Liebe GenossInnen,

ich habe in diesem Zusammenhang nur eine Frage: In wessen Händen ist die Partei? Möchtegerne, Abenteuerer, Spinner, gekaufte Störer, Dummköpfe, Karrieristen oder was hat sich da organisiert? Links ist dies alles nicht, sondern einfach nur verkommen, unwählbar. In einer Revolution müßte man auch diese Partei zerschlagen, davon jagen. Oder gibt es noch Hoffnung?

Auch andere Parteimitglieder äußerten ihr Entsetzen über die wirren Zustände und hoffen, dass die Mitglieder der Partei solche nicht länger dulden.

B.W.

IE

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B *) - Trojaner

Erstellt von UP. am 11. Oktober 2011

*) Bundes-, Bayern, BW - Trojaner;

Update

“Bayern” - Trojaner auch in Baden-Württemberg und Brandenburg

Nachdem Bayerns Innenminister Joachim Herrmann am Montag die Echtheit des vom Chaos Computer Club (CCC) und der Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (FAS) am Wochenende veröffentlichen Trojaners sowie dessen Einsatz bestätigt hat, stellt sich die Frage, welche Landesbehörden noch auf die höchst umstrittene Ermittlungsmethode setzen. Zumindest in Baden-Württemberg und Brandenburg ist der “Bayerntrojaner” kein Unbekannter.
weiterlesen >>> HEISE

Nachdem die Wogen der Empörung hochschwappten, als zum ersten Mal von der Einführung eines BUNDESTROJANERS berichtet wurde, machten seinerzeit die bairische Landesregierung unter dem “10-Minuten bis-zum Hauptbahnhof-MP” keinen Hehl daraus, den Trojaner einzuführen. Dabei war es keine Frage, dass Mappus & Co. damals mitzogen.
Das ist nun nahezu zwei Jahre her; und Experten wie die vom CCC haben die Sache nicht weiter öffentlich verfolgt, bis vor drei Tagen die Öffentlichkeit von der Zusendung der Festplatten informiert wurde.

Wir haben es alle gewusst, dass ein solcher Trojaner existiert.

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Fabienne

Erstellt von UP. am 11. Oktober 2011

Aktion Fabienne

Diese Aktion startete zu Beginn des Jahres 2008.
Sie bekommt keine Zeit- sondern eine Zielvorgabe, so ein klein wenig französische Verhältnisse auch in Deutschland.

Druckversion

Fair-Talk-Flyer, die den Erwerbslose den MitarbeiterInnen der ARGEN und Jobcenter vorlegen können, in welchem mit einem Satz erklärt wird, was man von diesen Mitarbeitern erwartet und was man selber dazu leisten möchte, um einen fairen und menschlichen Umgang auf dieser Weise herzustellen.

Flyer hier downloaden (PDF)

Gesucht wird die deutsche Fabienne

Fabienne, ein Beispiel aus Frankreich, wie eine Mitarbeiterin der Agentur für Arbeit Frankreich nicht mehr mitspielte. Zuerst anonym, später offen entstand eine soziale Dynamik “Nein das machen wir nicht mehr mit”! Im Ergebnis ein Buch, die Erklärung zur beruflichen und bürgerlichen Ethik von Sud ANPE (Gewerkschaft in der Agentur für Arbeit).

Wir möchten auch in Deutschland neue Formen der Verständigung der Lohnabhängigen, egal ob mit oder ohne Arbeit entstehen lassen. Ein Ergebnis, wir nehmen den Druck vom Kessel, sowohl für die Betroffenen wie für die Mitarbeiter! Wir hoffen, dass sich viele an der Suche beteiligen, denn schon der Weg ist ein Teil der Aktion.

Bericht aus dem Innern der Agentur für Arbeit Frankreich/ANPE (Auszüge)

Fabienne Brutus (Foto), erwerbslos wurde Arbeitsvermittlerin Agentur für Arbeit Frankreich/ANPE.
Gleich zu Anfang ein Rundschreiben der Leitung, das allen Beschäftigten der ANPE ein striktes Schweigen über betriebliche Ereignisse verordnete.
Fabienne, seit 4 Jahren beschäftigt, schweigt nicht. Zuerst anonym begann sie eine Enthüllungsgeschichte über das Leiden der Arbeitssuchenden wie auch der Berater!
Du hörst die öffentlichen Verlautbarungen der Leitung und du siehst und erlebst die Realität. Zwei Welten und es ist wichtig, dies der Gesellschaft mitzuteilen.
Fabienne will ihre Arbeit gut machen. Aus ihrem erleben, aus erzählten Geschichten wird ein Buch, das den Alltag, die Innenwelt einer Behörde schildert. Im Buch zeigt sie, wie Statistiken gefälscht werden, wie Leute mutwillig von der Unterstützungsliste gestrichen werden, wie öffentliches Geld verschwendet wird. Das Buch stößt auf Interesse, ein Leser: „Wir erleben heute eine Hierarchie, die vollkommen der Politik untergeordnet ist, die Maßnahmen erzwingt, um radikal die Zahlen zu senken. Gleichzeitig Prämien vergibt für die Gangster.“
So ist einiges in Bewegung gekommen. Gewerkschaften haben das aufgegriffen und Beschäftigte haben sich geweigert, Arbeitsuchende aus den Listen zu streichen oder Sanktionen zu verhängen.
Es formierte sich eine soziale Dynamik: “Nein das machen wir nicht mehr mit”!!!
Mit diesem Hintergrund entstand die Erklärung zur beruflichen und bürgerlichen Ethik von Sud ANPE (Gewerkschaft in der Agentur für Arbeit).

„Unsere Aufgabe ist es vor allem, den Arbeitsuchenden zu helfen, eine Beschäftigung zu finden und das erwarten die Arbeitsuchenden von uns. Aber es gibt einfach keine Arbeit für Alle. Die Zunahme von Gesprächen, die ständigen Aufforderungen zum Besuch der Agentur werden keine Arbeit schaffen, sondern erhöhen nur das Risiko für die Arbeitsuchenden, gezwungen, schikaniert und abgestraft zu werden.
Wir, die Beschäftigten der ANPE, erklären, dass wir auf keine Weise Menschen schaden wollen, die schon durch den Verlust der Beschäftigung und des Einkommens verletzt sind.
Wir verweigern uns, sie auszugrenzen und wir werden keine Streichungen mehr durchführen, ohne vorher die moralischen und menschlichen Folgen mitzubeachten.
Wir schlagen Angebote vor, wir zwingen aber Angebote nicht auf. Wir werden die Arbeitsuchenden nicht zwangsweise in kleine Kästen stecken. Wir erpressen sie auch nicht mit Streichung.
Wir verweigern uns auch der Wut der Arbeitsuchenden ausgesetzt zu werden. Wir verweigern uns, eine soziale Polizei zu sein, angewiesen zur Unterdrückung anstatt als öffentlicher Ratgeber für Beschäftigung agieren zu können.
Weder Arbeitsuchende noch Beschäftigte der ANPE sind verantwortlich für den Zustand des Arbeitsmarktes und für die wachsende Prekarisierung. Wir sind mit den Arbeitsuchenden solidarisch.
Wir weigern uns, falsche Zahlen, unlautere Angebote und leere Unterhaltungen zu produzieren und wir werden unsere beruflichen Praktiken dazu einsetzen, den Nutzern unserer Dienste zu helfen im vollen Respekt ihrer bürgerlichen Rechte.“
Die Beschäftigten der ANPE aus Tarn gewerkschaftlich organisiert bei SUD (Sud-anpe.81@wanadoo.fr).

Es wird uns doch gelingen:
1. die deutsche Fabienne zu finden, wenn nicht wäre die einzige Empfehlung auswandern,
2. eine ähnliche Erklärung zur beruflichen und bürgerlichen Ethik für die Bundesagentur für Arbeit und die ALG II Behörden zu schaffen. (Abschreiben ausdrücklich erwünscht)
3. die Gewerkschaften zum mitmachen zu bewegen, ist dies doch ein Betätigungsfeld z.B. für ver.di.
Quelle: Initiative für soziale Gerechtigkeit Gera ISG
 
 

Diese “Fabienne” wird in Deutschland immer noch gesucht

 
 
Und man wird sie höchstwahrscheinlich nicht finden. Das Thema wurde heute von “Gegen HARTZ IV.de” ebenfalls aufgegriffen:
 

Frankreichs Jobcenter-Mitarbeiter verweigern Sanktionen

Was in Deutschland undenkbar wäre, gehört in Frankreich zur politischen Sprache. Zahlreiche französische Arbeitsagenturangestellte verweigern Sanktionen gegenüber Erwerbslosen, sprechen sich gegen die sogenannte Sippenhaft aus und zeigen sich solidarisch mit Menschen, die auf Sozialleistungen angewiesen sind.

Obwohl zahlreiche Sachbearbeiter in den Hartz IV Behörden in Deutschland selbst unter einem ständigem Druck arbeiten müssen, teilweise mit Zeitverträgen ausgestattet sind und vielmals unter den Arbeitsbedingungen leiden, käme für die meisten Jobcenter-Mitarbeiter ein Solidarisierung mit den Betroffenen nicht in Frage. Zu groß ist die ideologische Verblendung im „Sinne des Steuerzahlers“ Erwerbslose zu schikanieren, obwohl das Grundgesetz und die Menschenwürde in vielen Punkten in Deutschland offensichtlich mit Füßen getreten wird. Würde das Grundgesetz beachtet werden, würde die freie Berufswahl, die freie Wahl des Wohnortes und die Würde eines jeden Hilfesuchenden und der Angehörigen beachtet werden. In Frankreich herrschen teilweise ähnliche Sozialgesetze, die ebenfalls darauf abzielen, Arbeitslose mit Sanktionen und Schikanen zu drangsalieren.

weiterlesen >>>

Abgelegt unter Arbeitspolitik, Gewerkschaften, HARTZ IV, Internationales, Mensch+Umwelt, Sozialpolitik | Keine Kommentare »

Thomé-Newsletter

Erstellt von UP. am 11. Oktober 2011

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

mein heutiger Newsletter zu folgenden Themen:

1. NRW will die KdU nicht rechtskonform ausgestalten
Diesmal gibt es Post vom Minister höchstpersönlich, der ganz klar sagt „ da die Arbeitshilfe (zu den Kdu) des Ministeriums jedoch eine deutliche Signalwirkung für die Umsetzung der Vorschriften zur Angemessenheit hat, möchte ich darin einer höchstrichterlichen Klärung durch das Bundessozialgericht nicht vorgreifen. Ich habe daher vorgesehen, die Arbeitshilfe an dieser Stelle derzeit nicht abzuändern“ so Arbeitsmister Schneider mit Schreiben vom 26. Sep. 2011. Mit dieser Position wird die KdU - Abzocke der SGB II /SGB XII Leistungsempfänger bis zur BSG Entscheidung weiter zementiert. Die Aussage der Landesregierung: „Derzeit konzentriert sich die Landesregierung darauf, eine den Interessen der Leistungsberechtigten entsprechende und rechtskonforme Umsetzung der geltenden Regelungen in Nordrhein-Westfalen zu gewährleisten“ Ziff. 4 aus der Drucksache 15/2946 vom 05.10.2011 wird damit zu einem Hohn. Minister Schneider stößt somit ins gleiche Horn wie der NRW Städtetag „Die kommunalen Spitzenverbände setzten sich mit Blick auf die daraus resultierende Kostensteigerung zu Lasten der Kommunen dafür ein, dass eine Veränderung der Aussagen zur Angemessenheit der Wohnfläche jedenfalls solange nicht vorgenommen werden solle, wie das Urteil des LSG NRW noch nicht rechtskräftig sei“: http://tinyurl.com/3ra2rf3

Für die Praxis ist zu empfehlen, dass Betroffene höhere KdU Ansprüche durchklagen. Die Chancen stehen dabei nicht schlecht. Schneiders Stellungnahme: http://tinyurl.com/3ra2rf3
Entscheidung des LSG NRW: http://tinyurl.com/3kahkzv und hier die Entscheidung: http://tinyurl.com/3uoc9ds
 
Wir verweisen in diesem Zusammenhang auf unseren Bericht hinsichtlich der Handhabung in WAF
DL-Red./UP.

 

2. Personalausweisgebühren bei Hartz IV und Sozialhilfe
Anhand der Regelungslage in NRW möchte ich auf die Gebührenermäßigungs- oder Erlassregelung nach § 1 Abs. 6 PAuswGebV hinweisen. In NRW findet jetzt eine parlamentarische Diskussion statt, die gewiss auch auf andere Bundesländer übertragbar ist. . Daraus könnte folgendes rausgefiltert werden: Jede/r Betroffene sollte einen Antrag auf Erlass bzw. Ermäßigung der Gebühren stellen, wenn er wegen Vorfälligkeit nicht die Zeit hatte, die erforderlichen 28,80 EUR aus dem Regelsatz in Höhe von 25 Cent/Monat für den neuen biometrischen Ausweis anzusparen! Dabei sind die Kosten für das Foto extra zu berücksichtigen. Ich denke, hier lohnt es sich, weiter Druck auszuüben und auf kommunaler Ebene Regelungen zu finden. Hier geht’s zum Passgesetz: http://www.gesetze-im-internet.de/pauswgebv/, hier zum NRW Erlass: http://tinyurl.com/3sewruh und nun zur Anfrage: http://tinyurl.com/44k3lt6

3. Französische Jobcentermitarbeiter erklären sich mit den Erwerbslosen solidarisch und verweigern Sanktionen, Sippenhaft oder andere Schikanen
Die französischen Jobcentermitarbeiter machen es den deutschen Kollegen vor: Sie erklären sich solidarisch mit den hilfesuchenden Erwerbslosen und verweigern Sanktionen, Sippenhaft oder andere Schikanen. Die Aktion wird von der französischen Gewerkschaft Sud ANPE (Gewerkschaft in der Agentur für Arbeit) organisiert. Deutsche Gewerkschaften und Behördenmitarbeiter sind aufgerufen ähnliches auf die Beine zu stellen. Mehr dazu unter: http://tinyurl.com/3gg3h7p

4. Belastbare Regelsatzklage
Ich werde immer wieder nasch belastbaren Regelsatzklagen gefragt, ich bitte daher mir solche mit Aktenzeichen zu übersenden, damit andere sich ggf. auf diese beziehen können, und ich die Kernargumentationslinien veröffentlichen kann. Bitte an bekannte Mail versenden.

5. Herausragende Entscheidung zur Aufrechnung von Darlehen
Das SG Berlin hat in einer herausragenden Entscheidung die Aufrechnungspraxis zu § 42a SGB II angegriffen. Die Leistungskürzung über 20 Monate hinweg wird als verfassungswidrig angesehen. Diese Entscheidung möchte ich der geneigten Leserschaft nicht vorenthalten: http://tinyurl.com/3try3k4

6. Folien zum SGB II
Meine SGB II – Folien sind öffentlich, andere nicht. Ich möchte die Leserschaft bitten mir Euch bekannte oder von Euch genutzte Folien zum SGB II zu übersenden. Auch ich möchte mal spicken und sehen wie Kollegen bestimmte Probleme darstellen und angehen.

7. Castor blockieren
Voraussichtlich zwischen dem 25. und 28. November wird wieder ein Castortransport, aus dem französischen La Hague, ins niedersächsische Zwischenlager Gorleben rollen. Hier ist massenhafter Widerstand gefragt! Dahingehende Infos gibt es hier: http://de.indymedia.org/2011/09/317239.shtml und hier: https://www.x-tausendmalquer.de/

8. Aufruf: 15. Okt. weltweiter, dezentraler Aktionstag gegen die vorherrschende Krisenpolitik und für echte Demokratie
Am Samstag, den 15. Oktober findet ein weltweiter, dezentraler Aktionstag gegen die vorherrschende Krisenpolitik und für echte Demokratie statt. Die Idee kam ursprünglich aus Spanien, wo die sozialen Proteste mit Platzbesetzungen am 15. Mai begannen und die M15-Bewegung am 15. Oktober zum Protest aufrief. Inzwischen haben die Protestbewegungen u.a. in Griechenland, Portugal, Israel, Chile, Indien, Nordafrika und jetzt die Wallstreet-Aktionen diesen Protest beflügelt. Mehre Gruppen in Bochum haben in den letzten Tagen überlegt, sich am nächsten Samstag auch in Bochum mit einer Aktion an dem weltweiten Protest zu beteiligen.
http://www.attac.de/aktuell/eurokrise/europaweiter-aktionstag/aufruf/
http://15october.net/de/
http://www.taz.de/Bankenproteste-auch-in-Deutschland/!79533/

9. Nächste Grundlagenseminare zum SGB II in 2011 in Wuppertal und Hamburg
Dieses Jahr biete ich noch in Wuppertal und Hamburg SGB II Grundlagenseminare an. Am 25./26. Oktober habe ich in Wuppertal noch einen Platz frei und am 07./08./09. Dezember in Hamburg habe ich in einer dreitätigen Fortbildung noch 8 Plätze frei. Anmeldung und weitere Details sind hier zu finden: http://www.harald-thome.de/grundlagen_seminare.html

10. In 2012 biete ich meine nächsten Grundlagenseminare in Hamburg, München, Frankfurt, Stuttgart und Wuppertal an
Die ersten SGB II – Grundlagenseminare für 2012. Zum Jahresbeginn wird es am 16./17. Jan. in München, am 23./24. Jan. in Frankfurt, am 25./26./27. Jan. in Hamburg und am 30./31. Jan. in Wuppertal, am 20./21./22. Feb. in Stuttgart und am 27./28./29. Feb. in Berlin geben.
Anmeldung und weitere Details sind hier zu finden: http://www.harald-thome.de/grundlagen_seminare.html

11. Seminare: „Aufrechnung, Kürzen und Rückfordern im SGB II” in Wuppertal, München u. Hannover
Ebenfalls biete ich dieses Jahr meine „Spezial“-Fortbildung „Aufrechnung, Kürzen und Rückfordern im SGB II“ noch am 1./2. Dez. in Wuppertal, am 05./06. Dez. in München und am 19./20. Dez. in Hannover an. Im nächsten Jahr gibt es diese Fortbildung am 05./06. März in Wuppertal, am 12./13. März in Berlin und am 14./15. März in Hamburg. In dieser Fortbildung werden die vielfältigen leistungsverkürzenden Änderungen durch die Rechtsänderungen in diesem Jahr, die neuen Regeln bei der Darlehensgewährung und die drastische Aufrechnungsmöglichkeit von behördlichen Rückforderungs- und Ersatzansprüchen beackert.
Die Fortbildung ist ein absolutes Muss für Praktiker, die sich mit dem neuen Recht im Detail vertraut machen wollen. Beschreibung und Anmeldeunterlagen gibt es hier: http://www.harald-thome.de/intensivseminare.html

12. Seminare „ALG II - Bescheide prüfen und verstehen- Berechnung und Bescheidprüfung für die Praxis” in Wuppertal, München und Dresden
Auch biete ich nun diese neue Berechnungsfortbildung an. In dieser wird systematisch die Einkommensanrechnung laufender und einmaliger Einnahmen, die Einkommensbereinigung und „die Wissenschaft und Detektivarbeit“ ALG II - Bescheide zu verstehen und zu prüfen, vermittelt. Auch geht die Fortbildung intensiv auf die durch das RBEG eingeführte Änderungen der Anrechnung von Einnahmen aus ehrenamtlicher Tätigkeit ein.

Diese finden am 17./18. Oktober in München, 21./22. Nov. in Wuppertal und am 24./25. Nov. in Dresden statt.

Beschreibung und Anmeldeunterlagen gibt es hier: http://www.harald-thome.de/intensivseminare.html

13. Grundlagenseminar Sozialhilfe: Leistungen nach dem SGB XII und angrenzender Rechtsgebiete am 30. Nov./01.Dez. in Frankfurt und am 05./06. Dez. in Dresden
Im Nov. /Dez. bietet mein Kollege Frank Jäger seine SGB XII-Fortbildung erstmalig in Frankfurt/Main und Dresden an.
Unter Berücksichtigung aktueller Gesetzesänderungen werden in dem zweitägigen Seminar Grundlagen der Hilfe zum Lebensunterhalt, der Grundsicherung im Alter und der „Hilfe in besonderen Lebenslagen“ (fünftes bis neuntes Kapitel SGB XII) systematisch dargestellt. Die Seminarinhalte vermitteln einen Überblick und Basiswissen über das Leistungsrecht sowie Kenntnisse bei der Berücksichtigung von Einkommen/ Vermögen und dem Unterhaltsrückgriff gegenüber Angehörigen. Das Seminar lässt Raum für fachlichen Austausch und liefert wichtige Tipps für die praktische Arbeit von Sozialarbeiter/innen, Sozialberater/innen, Berater/innen sachverwandter sozialer Dienste, Berufsbetreuer/innen sowie Rechtsanwältinnen und -anwälte.
Alle Infos und Anmeldung auf einen Blick unter: http://tinyurl.com/4y9buez

So, das war es mal wieder für heute.

Mit besten und kollegialen Grüßen

Harald Thomé
Fachreferent für Arbeitslosen- und Sozialrecht
Rudolfstr. 125
42285 Wuppertal

www.harald-thome.de
 
info@harald-thome.de
 

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