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Archiv für Oktober 2nd, 2011

Provokationen durch Kunst

Erstellt von DL-Redaktion am 2. Oktober 2011

Foto:Wikipedia/von L.-R.  Eichel, Schröder, Merkel, Stoiber, Westerwelle.

Peter Lenk ein Künstler aus Baden-Württemberg hat schon des öfteren durch seine Aufsehen erregenden Skulpturen für große Unruhe unter den Promis gesorgt. So im besonderen auch im September 2008 als obige Plastik mit dem Namen „Gruppensexrelief“ der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.

Obwohl sich Kritiker über die „Porno Kunst“ empören, besuchen täglich viele Neugierige das Städtchen Bodman-Ludwigshafen am Bodensee nur um diese Attraktion zu besuchen.

Der Künster wurde am 6.Juni 1947 in Nürnberg geboren. Nach seinem Studium zog es ihn in die  Kleinstadt Bodman-Ludwigafen am Bodensee und er etablierte sich zu einem der begehrtesten Bildhauer der zeitgenössischen Kunst,  gleichzeitig aber war er ein gefundenes Fressen für manche Kunstkritiker.

In einem ausführlichen Interview am Wochenende kündigt er weitere Werke an und wir zitieren:

“Die Anregungen kommen also aus allem, was Ihren Widerspruch oder Ihre Spottlust reizt?

Ja, ich betrachte mich als Chronist meiner Zeit.

Als Lust-Chronist?

Ich vermittle allenfalls Lust-Graus. Das kann schon entstehen, wenn das Verhalten meiner Modelle dazu Anlass gibt. Ich arbeite jetzt im Moment an Baron von und zu Guttenberg. Und dass der ehemalige Verteidigungsminister beschissen und betrogen hat, ist nicht der Anlass für meine Satire. Sondern das Pathos, mit dem er diese Lügen und diesen Schwindel jetzt verklärt und verkitscht. Dieses Pathos interessiert mich, deswegen wird er in meinem neuen Kunstwerk auch entsprechend pathetisch dargestellt von mir. Mein Entwurf überzeugt jeden Zoologen.

Warum wehren Sie sich so, ein Provokateur zu sein?

Die Leute finden Künstler schick, wenn sie Tabus brechen. Dabei wollen sie nur die Provokation und nicht die Botschaft sehen. Natürlich werden Tabus gebrochen, aber nicht von mir. Wenn Sie die “Global Players” in Ludwigshafen anschauen …

… das Triptychon hinterm Rathaus, wo Angela Merkel, Edmund Stoiber, Guido Westerwelle und Gerhard Schröder nackt und vergnügt tanzen …

… da ging die Post ab, weil die sich da metaphorisch die Stange halten. Die “Global Players” wurden kurz vor der Finanzkrise enthüllt. Roosevelt sagte einmal, eine Regierung des organisierten Kapitals ist genauso gefährlich wie eine Regierung des organisierten Verbrechens.

Sie wollen also die nackten Tatsachen darstellen?

Sehen Sie, mich hat ein Landwirt gefragt: Wie bitte soll ich das meinem achtjährigen Enkel erklären? Da sagte ich: Das ist ganz einfach. Politiker sind wie Zirkuselefanten. Die halten sich am Schwanz fest und laufen im Kreis herum. Das hat das Kind verstanden. Immer wenn es jetzt in den Zirkus geht, denkt es an unsere Politiker.”

Quelle: KONTEXT >>>>> weiterlesen

IE

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Sucht in der Gesellschaft

Erstellt von Dieter Carstensen am 2. Oktober 2011

SUCHT IN UNSERER GESELLSCHAFT

Als Sozialarbeiter beschäftige ich mich seit vielen Jahren mit dem Thema “Sucht in unserer Gesellschaft”. Für mich ist das Alltag und ich möchte mit diesem Beitrag keinen wissenschaftlichen Artikel schreiben, sondern vielmehr die Suchterkrankungen bei uns in Deutschland mal mehr aus Sicht der Betroffenen und meinen Erfahrungen mit Ihnen beschreiben. Ich verzichte daher auf Zitate und Verlinkungen, ich denke, meine Erfahrungen und die der Betroffenen, reichen aus, um einen Überblick zu geben, in ein “TABUTHEMA” unserer Gesellschaft. Alle Namen und Daten der Erwähnten habe ich geändert, zu Ihrem Schutz, aber die Aussagen sind wahrheitsgemäß wiedergegeben.

Angehörige stellen sich meist als erstes z.B. die Frage: “Was ist los? Unser Sohn, unsere Tochter, mein Mann, oder meine Frau, trinken die nicht ein wenig zu viel und warum?” Eine Antwort darauf werden sie nie finden, zumal es viele Formen der Sucht gibt, von Sexsucht, über Spielsucht, bis hin zur Machtsucht (z.B. Politik) oder Geldsucht (z.B. Banker). Die Sucht hat viele Gesichter und ist eines der grossen Phänomene der Menschheitsgeschichte. Auch Schokolade oder Süssigkeiten z.B. können zur Sucht werden.

Streng genommen, betrachtet die Allgemeinmedizin nur das als Sucht, was körperlich und geistig abhängig macht. Die Sozialwissenschaft sieht das heute anders, dort wird auch als Sucht angesehen, was “nur” psychisch abhängig macht.

Nehmen wir z.B. die scheinbar harmlosen Antidepressiva, welche psychisch abhängig machen und in 95 % der Fälle, nach allen einschlägigen Untersuchungen, überflüssigerweise ärztlich verschrieben werden, die Geilheit auf politische oder finanzielle Macht oder das Herrschen über andere Menschen wollen, was meist schon im kleinsten sozialen Umfeld, der eigenen Familie anfängt.

So nähern wir uns dem eigentlichen Thema, wenn wir diese Zusammenhänge als Grundlage meines eigentlichen Anliegens sehen:

Ich halte diese Gesellschaft für durch und durch suchtkrank! Und darin liegt das Hauptproblem:

Wir leben in einer kranken und durch und durch suchtkranken Gesellschaft!

Natürlich werden dies die meisten Leserinnen und Leser dieser Zeilen empört von sich weisen, da niemand gerne zugibt, in der einen, oder anderen Form suchtkrank zu sein. Welcher Politiker, welcher Banker möchte schon zugeben, dass sich in seiner Geld- und/oder Machtsucht kaum von z.B. einem Drogensüchtigen in Frankfurt/M., einem Alkoholiker in Köln, oder einem fettleibigen Menschen, der seine Fresssucht nicht mehr unter Kontrolle hat, eigentlich, vom Suchtpotential her, unterscheidet?

Nachweislich hatte ich ja die letzten Monate viel in Hessen mit Suchtkranken zu tun. Wo genau, das schreibe ich zum Schutz der Beteiligten hier nicht, wie o.a., aber ich darf mit ausdrücklichem Einverständnis der Betroffenen ihre Aussagen hier zitieren,  mit verändertem Namen und leicht geänderten Lebensdaten.

Als Sozialarbeiter würde ich so was nie machen, ohne Einverständnis aller Beteiligten, es wäre gegen mein Berufsethos, ich würde sonst Menschenleben gefährden.

Paul* , 45 Jahre, ist ein sehr bekannter Politiker in einer linken Partei. Hochgradiger Alkoholiker, 6 Entgiftungen in Kliniken hinter sich, er wollte die Gesellschaft verändern! Toll! Nun war seine Frau mit den Kindern weg, er ist nahezu pleite. “Ja”, sagte er zu mir, “Dieter wir brauchen doch soziale Gerechtigkeit und ich kann nicht anders, ich will dafür kämpfen.”

Ich habe ihm dann erklärt, dass er nicht gegen Windmühlenflügel ankämpfen kann, sondern erst mal seine Machtlosigkeit gegenüber seiner Alkoholsucht eingestehen sollte, dann seine Machtlosigkeit gegenüber den gesellschaftlichen Realitäten und dann erst mal neu lernen müsse, nämlich im Kleinen anfangen, zunächst bei seiner Familie und seinen Süchten.

Paul* hat mich viel Kraft gekostet, aber seine Frau hat ihm mittlerweile verziehen, er verzichtet zukünftig auf die Politik, hat seine gut bezahlten politischen Posten abgegeben und arbeitet nun wieder in seinem eigentlichen Beruf als Handwerker.

Er hat scheinbar akzeptiert, dass es Wichtigeres als Macht und Posten gibt.

Miriam*, 36 Jahre, ist Krankenschwester, alkohol- und medikamentenabhängig. Sie hat 2 Suizidversuche hinter sich, die Ärzte sahen für sie als letzten Ausweg als Ergänzung zu den verordneten Antidepressiva nur eine ergänzende Lithiumtherapie, welche wirklich das letzte Mittel ist, siehe unter Google dazu, da jede Unter- oder Überdosierung lebensgefährlich ist.

“Dieter”, sagte Miriam zu mir, “ich halte den Stress in der Klinik nicht mehr aus! Jeden Tag sehe ich das Leid der Patienten, wir haben aber immer weniger Personal im Klinikum, es werden nur weiter Stellen abgebaut, wir schuften bis zum Umfallen und dabei habe ich mir doch nen Beruf ausgesucht, wo es um Hilfe und Nächstenliebe gehen sollte.”

Sie hat mehrmals bitterlich in meinen Armen geweint, ich konnte ihr auch ein wenig Trost geben, aber sie hat mir eines vor Augen geführt:

Wie unmenschlich will diese Gesellschaft eigentlich noch werden?

Ich konnte Miriam einen Ausweg vermitteln, sie hat eine neue Stelle in einem anderen Krankenhaus bekommen, wo wir aber direkt gesagt haben, das und das ist passiert, sie kann nur noch das und das. Sie zukünftig für die Krankenhausdesinfektion zuständig, macht da gerade ne Umschulung und ich hoffe von Herzen, dass sie es schafft.

Sind in Deutschland alle irre geworden, das unmenschliche Arbeitsverhältnisse über Menschenleben stehen?

Josef*, 54 Jahre, alkoholkrank, kommt aus der ehem. DDR. Er hat jahrelang als Bergmann im Kalibergbau gearbeitet, dann nach dem Wegfall der DDR als Verkäufer in einem Medienmarkt in Bayern. Der Mann kann kaum noch laufen, hat sich kaputt gearbeitet, aber die Erwerbsunfähigkeitsrente wurde ihm verweigert.

Ich bin mit ihm öfter spazieren gegangen, nach 250 Metern ging ihm die Puste aus, dann brauchte er Pause.

Er sagte mal zu mir: “Dieter, ich habe mein Leben lang hart gearbeitet, bin nie was schuldig geblieben, aber wo ist diese Gesellschaft, wenn ich mal Hilfe brauche? Ich bettel nach nichts, habe nach der Wende auch in die Rentenversicherung West eingezahlt und kann nicht mehr!”

Wir haben gemeinsam eine Lösung für ihn gefunden, seine Erwerbsunfähigkeitsrente ist jetzt durch, er rief mich gestern an, wollte sich bedanken, aber da war nichts zu danken. Wofür? Ich habe mich aber sehr gefreut, über seinen Anruf, das war Dank genug, dass ich erfahren durfte, dass es ihm gut geht.

Die kapitalistische Produktionsweise ist menschenverachtend und falsch!

Das ist meine Schlussfolgerung aus dem vorstehend Geschilderten.

Sie gefährdet Menschenleben, entfremdet Menschen von ihrer Arbeit, macht sie krank, suchtkrank, todkrank!

Wofür? Für ein paar Autos, ein bisschen Urlaub, ein bisschen “shoppen” gehen? Ist es das wert, dass unsere Gesellschaft Menschen opfert, für offensichtlichen Wahnsinn?

Es lohnt sich, zumindest für mich, sich mit suchtkranken Menschen zu unterhalten, sie ernst zu nehmen und ihnen sehr gut zuzuhören.

Ich durfte dadurch lernen:

Nicht die Suchtkranken sind das Problem, sondern die Gesellschaft, die sie dazu macht!

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Abu Mazens Risiko

Erstellt von Uri Avnery am 2. Oktober 2011

Aus Tel Aviv erreichte uns heute wieder ein Bericht von Uri Avnery. Seine Gedanken über den UN Antrag der Palästinenser gibt er mit mit seiner bildhaften Sprache sehr gut wieder.

Abu Mazens Risiko // Glückspiel

EINE WUNDERBARE REDE. Eine schöne Rede.

Die Sprache geschliffen und elegant. Die Argumente klar und überzeugend. Der Vortrag tadellos.

Ein Kunstwerk. Die Kunst der Heuchelei. Fast jedes Statement in der Passage, in der die israelisch-palästinensischen Probleme angesprochen wurden, war eine Lüge. Eine offensichtliche Lüge, weil der Redner wusste, dass es eine Lüge war – und auch die Zuhörer wussten dies.

Es war Obama in Hochform. Obama in seiner schlechtesten/ schlimmsten Form.

Als moralische Person müsste er den Drang empfunden haben, sich zu übergeben. Als pragmatische Person wusste er, dass er es tun musste, wenn er wieder gewählt werden wollte.

Im Wesentlichen verkaufte er die fundamentalen nationalen Interessen der USA für die Chance einer zweiten Amtsdauer.

Gar nicht schön – aber das ist Politik, OK?

ES MAG überflüssig sein – den Leser beinahe beleidigend – auf die verlogene Natur dieses rhetorischen Gefüges hinzuweisen.

Obama behandelt die beiden Seiten, als wären sie gleich an Stärke und Macht – die Israelis und die Palästinenser, die Palästinenser und Israelis.

Aber von den beiden sind es die Israelis – und nur sie – leiden und gelitten haben. Verfolgung. Exil. Holocaust. Ein israelisches Kind von Steinen bedroht. Umgeben vom Hass der arabischen Kinder. Traurig.

Keine Besatzung. Keine Siedlungen. Keine Grenzen vom Juni 1967. Keine Nakba. Keine getöteten oder angsterfüllten palästinensischen Kinder. Es ist die gerade israelische Propagandalinie des rechten Flügels, sauber und einfach – die Terminologie, das historische Bild, die Argumentation. Die Musik.

Die Palästinenser sollten natürlich einen eigenen Staat haben. Ganz sicher. Aber sie dürfen nicht penetrant sein. Sie dürfen die USA nicht in Verlegenheit bringen. Sie dürfen nicht zur UN kommen. Sie müssen sich mit den Israelis zusammensetzen – wie vernünftige Leute – und ihr Problem mit ihnen ausarbeiten. Das vernünftige Schaf muss sich mit dem vernünftigen Wolf zusammensetzen und entscheiden, was sie zum Mittagessen haben werden. Ausländer sollen sich da nicht einmischen.

Obama machte vollen Dienst. Eine Frau, die solche Art Dienst liefert, wird gewöhnlich im voraus bezahlt. Obama wurde direkt danach bezahlt, innerhalb einer Stunde. Netanjahu setzte sich mit ihm vor den Kameras zusammen und gab ihm genügend brauchbare zitierbare Liebeserklärungen und der Dankbarkeit, die für mehrere Wahlkampagnen reichen.

DER TRAGISCHE Held dieser Affäre ist Mahmoud Abbas. Ein tragischer Held, aber dennoch ein Held.

Viele Leute mögen von diesem plötzlichen Auftauchen Abbas’ als waghalsigem Spieler mit hohem Einsatz überrascht sein, der es wagt der mächtigen USA gegenüber zu treten.

Wenn Ariel Sharon einen Moment lang aus seinem jahrelangen Koma aufwachen würde, würde er vor Verwunderung schwach werden. Er war es, der Mahmoud Abbas ein „gerupftes Hühnchen“ nannte.

Doch während der letzen paar Tage, war Abbas das Zentrum globaler Aufmerksamkeit. Weltführer berieten mit einander, wie man mit ihm umgehen solle, ranghohe Diplomaten waren eifrig darum bemüht, von diesem oder jenem Verhandlungskurs zu überzeugen. Kommentatoren überlegten, was er wohl als Nächstes tun würde. Seine Rede vor der UN-Vollversammlung wurde wie ein Ereignis dem Konsequenz anhaftet.

Nicht schlecht für ein Hühnchen, selbst für eines mit allern Federn.

Sein Auftauchen als ein Führer auf der Weltbühne erinnert irgendwie an Anwar Sadat.

Als Gamal Abd-al-Nassar plötzlich unerwartet im Alter von 52 Jahren 1970 starb und sein offizieller Vertreter Sadat seinen Mantel übernahm, haben alle politischen Experten mit den Schultern gezuckt.

Sadat? Wer – zum Teufel – ist das? Er wurde als unbedeutende Figur angesehen, eine ewige Nummer zwei, eines der am wenigsten bedeutenden Mitglieder der Gruppe „freier Offiziere“, die Ägypten regierte.

In Ägypten, einem Land voller Witze und Witzbolde, gab es in Fülle geistreiche Bemerkungen über ihn. Im einen ging es um den braunen Fleck auf seiner Stirn. Die offizielle Version war, dass es die Folge vom vielen Beten sei, da er mit der Stirn den Boden berühre. Aber der wahre Grund war – so wurde erzählt – dass bei den Konferenzen, nachdem jeder andere gesprochen hatte, Sadat aufstand und etwas zu sagen versuchte. Da tippte Nasser gutmütig mit seinem Finger auf seine Stirn und drückte ihn sanft nach unten und sagte: „Setz dich Anwar!“)

Zur äußersten Verwunderung der Experten – und besonders der israelischen – ging dieser Nobody ein sehr großes Risiko ein als er 1973 den Oktoberkrieg begann und weiter ging, um etwas in der Geschichte Einmaliges zu tun: er ging in die Hauptstadt eines feindlichen Landes, während noch Krieg herrschte, und machte Frieden.

Abbas’ Status unter Yasser Arafat war dem von Sadats Status unter Nasser ähnlich. Doch Arafat hat nie einen Vertreter bestimmt. Abbas gehörte zu einer Gruppe von vier oder fünf möglichen Nachfolgern. Der Erbe würde sicher Abu-Jihad gewesen sein, wäre er nicht vorher von einem israelischen Kommando vor seiner Frau und den Kindern getötet worden. Ein anderer wahrscheinlicher Kandidat, Abu-Ijad, wurde von palästinensischen Terroristen getötet. Abu-Mazen (Abbas) war dann eine Art Ersatz // 2. Wahl.

Solche Politiker, die so plötzlich aus dem Schatten eines großen Führers treten, gehören im allgemeinen in zwei Kategorien: die ewig frustrierte Nummer zwei und der überraschende neue Führer.

Die Bibel gibt uns Beispiele beider Arten. Der erste war Rehabeam, der Sohn und Erbe des großen Salomo, der seinem Volk sagte: Mein Vater schalt/strafte euch mit der Peitsche, ich will euch mit Skorpionen schelten/strafen.“ Die andere Art wurde von Josua, dem Nachfolger von Moses dargestellt. er war kein zweiter Moses, aber ein großer Eroberer nach seinem eigenen Recht ???

Die moderne Geschichte erzählt die traurige Story von Anthony Eden, die lang leidende Nummer zwei von Winston Churchill, die wenig Respekt abnötigte. (Mussolini nannte ihn nach ihrem ersten Treffen einen „gut geschneiderten Idioten“). Nachdem er an die Macht gekommen war, versuchte er verzweifelt, Churchill gleich zu sein und führte 1956 Britannien bald in die Suez-Katastrophe. Zur zweiten Kategorie gehörte Harry Truman, der Nobody, der dem großen Delano Roosevelt folgte und jeden als resoluten Führer überraschte.

Abbas sieht so aus, als würde er zur ersten Kategorie gehören. Jetzt plötzlich zeigt er sich, als ob er zur zweiten gehöre. Die Welt behandelt ihn mit neuem ??Respekt. Fast am Ende seiner Karriere nimmt er am großen Glücksspiel teil.

ABER WAR es weise? Mutig, ja . Wagemutig, ja. Aber weise?

Meine Antwort ist: ja, es war weise.

Abbas hat die Frage der palästinensischen Freiheit direkt auf den internationalen Tisch gelegt.

Länger als eine Woche ist Palästina im Mittelpunkt internationaler Aufmerksamkeit gestanden. Viele internationale Staatsmänner und -frauen, einschließlich des Führers der einzigen Supermacht der Welt, sind sie mit Palästina beschäftigt gewesen.

Für eine nationale Bewegung ist dies von größter Bedeutung. Zyniker mögen fragen: „Was haben sie davon gehabt/ gewonnen? Doch Zyniker sind Toren. Eine Befreiungsbewegung gewinnt allein durch die Tatsache, dass die Welt aufmerksam wird, dass sich die Medien mit dem Problem herumschlagen, die Menschen mit Gewissen in aller Welt aufstehen. Es stärkt zu Hause die Moral und bringt den Kampf einen Schritt näher am Ziel.

Unterdrückung scheut das Rampenlicht. Besatzung, Siedlungen, ethnische Säuberungen gedeihen am besten im Schatten. Es sind die Unterdrückten, die das Tageslicht brauchen. Abbas’ Schritt lieferte es wenigstens für den Augenblick.

BARACK OBAMAs miserables Auftreten war ein Nagel für den Sarg von Amerikas Status als Supermacht. Es war ein Verbrechen gegen die USA.

Der arabische Frühling mag die letzte Chance für die USA gewesen sein, ihre Position im Nahen Osten wieder zu gewinnen. Nach einigem Zögern wurde dies Obama auch klar. Er rief Mubarak dazu auf, zu gehen, half den Libyern gegen ihren Tyrannen, machte einigen Lärm um Bashar al-Assad. Er weiß, dass er den Respekt der arabischen Massen wieder gewinnen muss, wenn er sein Format in der Region wieder finden will.

Nun hat er dies verraten, vielleicht für immer. Kein sich selbst achtender Araber wird ihm vergeben, dass er den hilflosen Arabern das Messer in den Rücken stieß. Alle Glaubwürdigkeit, die die USA in den letzten Monaten in der arabischen und weiteren muslimischen Welt zu gewinnen versuchte, ist mit einem Windzug weggeblasen worden.

All dies für die Wiederwahl.

ES WAR auch ein Verbrechen gegen Israel.

Israel benötigt Frieden. Israel muss Seite an Seite mit dem palästinensischen Volk innerhalb der arabischen Welt leben. Israel kann sich nicht auf Dauer auf die bedingungslose Unterstützung der niedergehenden USA verlassen.

Obama weiß das sehr genau. Er weiß, was für Israel gut ist, selbst wenn Netanjahu es nicht weiß.

Doch hat er dem betrunkenen Fahrer die Autoschlüssel ausgehändigt.

Der palästinensische Staat wird entstehen. In dieser Woche war es schon klar, dass dies unvermeidlich ist.. Obama wird vergessen werden wie auch Netanjahu, Lieberman und der ganze Haufen.

Mahmoud Abbas – Abu Mazen, wie ihn die Palästinenser nennen – wird in Erinnerung bleiben. Das „gerupfte Hühnchen“, das plötzlich in den Himmel aufsteigt/auffliegt..

(Aus dem Englischen Ellen Rohlfs)

Uri Avnery

IE

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Das Fass ohne Boden

Erstellt von Thomas Bolle am 2. Oktober 2011

Als Grundlage des in der Bevölkerung gängigen Sprichwort: “Das schlägt dem Fass den Boden aus” wurde von einigen Mitgliedern der gelben Giftfässer Fraktion, der Antrag auf ein neues Gesetz eingereicht welches  unter dem Namen “Das Fass ohne Boden” (FoB) die unendlichen Weiten des Kapitalmarktes verschleiern soll.

Grundsätzlich soll dieses Gesetz den Kapitalmarkt dienlich sein. Durch seinen festen Außenmantel die seitlichen Auswüchse begrenzen so dass den faulen Wertpapieren nur noch der Weg nach oben oder unten freigegeben wird, wodurch eine unkontrollierte  Streuung vermieden und die direkte Steuerung auf speziell ausgesuchte Nationen gezielt durchführbar ist. Auch die Lagerung - und Transport -Kapazitäten wären aufgrund einseitiger Durchlässigkeit Logistisch besser zu bearbeiten.

Natürlich würde die unterschiedliche Ausführung der Fässer, seien sie aus den Materialien Holz, Plastik oder gar Stahl gefertigt, davon nicht beeinträchtigt. Finden wir doch dergleichen Qualitätsunterschiede  auch in den Besetzungen der verschiedensten Parlamente wieder, wobei auch hier alles nach oben oder unten offen ist und so auch immer häufiger zu einer Vermischung bei der Lagerung  zwischen den verschiedensten Materialien auszumachen ist. Ein Qualitätssiegel besitzen diese Fässer schon lange nicht mehr.

So finden wir die erfahrenen braunen Holzfässer, noch erstellt aus abgelagerten Eichenholz in alter Handwerkstradition an den verschiedensten Lagerstädten vielfach in Form von so genannten Holzköpfen wieder. Aus der Erfahrung von verschiedensten Verwendungen her, ist der Geruch nach abgestandenen Whisky oder Wein mehr als zufällig, da man sich doch im Laufe der Zeit daran gewöhnt hat auch den billigen Fusel durch eine gute Verpackung die entsprechende Wertsteigerung zukommen zu lassen. Der moderne Zeitgeist spricht hier von alten Wein in neuen Schläuchen oder auch von einer Mogelverpackung.

Die Stahlfässer hatten aus der Tradition heraus ihren Platz auf der Rechten Seite des Lagers inne. Da sich die Deckel und Bodenfrage immer mehr erübrigte wurden aus diesen mehr und mehr gängige Kopfbedeckungen geformt welche heute allerdings des öfteren im Ausland wie zum Beispiel Afghanistan zu besichtigen sind. Im Inland sind sie bei der Bevölkerung äußerst unbeliebt und werden von den Herstellern zumeist auch nicht Öffentlich angeboten. Unter der Kuppe, im Kral der Weisen, spricht man darum auch wieder von einer Stahlhelm Fraktion.

Natürlich können sich nicht alle mit dieser Mantelbegrenzung abfinden und so werden neuerdings auch viele Fässer aus Plastik eingelagert. Diese haben natürlich den Vorteil sich zumindest Stellenweise etwas verformen zu lassen. Sie neigen dazu bei einem inhaltlichen Stau leicht auszubauchen. Aufgrund der verschiedensten Farbnuancen lassen sich die Inhalte allerdings nur sehr schwer ausmachen und da sie zusätzlich die Angewohnheit haben praktisch überall präsent zu sein wird die ehemalige linke Klassifizierung immer schwieriger.

Da der Absatz von nicht mehr benötigten Böden und Deckel immer in gelben Säcken verpackt und so  zusätzliche Probleme bei der Entsorgung nach sich zieht, versuchen hier die Hersteller durch einen offen durchgeführten Lobbyismus immer größeren Einfluss auf die Zusammensetzung der verschiedensten Gremien zu nehmen. So sollen neue Fässer nur noch aus Plastik erstellt werden, welche dann praktisch Übernacht von jedermann, entsprechend des benötigten Einsatzes mit den verschiedensten Farben schnell umlackiert und somit dem jeweiligen Bedarf angepasst werden können.

Plastik Fässer haben auch den Vorteil sich leise rollen zu lassen, was der Vorsitzenden dieser Vereinigung letztendlich zu Gute kommt. Diese hat das Lager der  schwer Verformbaren lange verlassen und wird nur noch durch zusätzliche Fassreifen unter der Zuhilfenahme von einem Küfer einigermaßen in Form gehalten. Da sie in einer speziellen Hohlpipe gelagert wird, neigt ein jeder dazu, ihr beim Vorbeigehen mit einem Schub, den nötigen neuen Schwung zum ungebremsten pendeln zu versetzen welchem sie sich aufgrund des engen Korsett nicht erwehren kann.

So ist es letztendlich nicht verwunderlich das durch den Wegfall von Deckel und Boden zwar die Lagermöglichkeit und Zielgenauigkeit vergrößert wurde, die Bevölkerung auf der anderen Seit aber immer öfter von einem Fass ohne Boden spricht und immer lauter nach neuen Formen einer neuen, modernen Lagermöglichkeit ruft.

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