DEMOKRATISCH - LINKS

         KRITISCHE INTERNET-ZEITUNG im MÜNSTERLAND

RENTENANGST

  • Kategorien

  • Archiv

  • __________________________  


  • Meta

  • Abonnieren

  • -------------------------------
    optimiert für FF 1024x768
    -------------------------------
    xxx











  • Seiten

Archiv für September 1st, 2011

Superstars von der Saar

Erstellt von DL-Redaktion am 1. September 2011

Da hatte Saarbrücken geglaubt für einen Tag in den Blickpunkt der Welt-, ach sagen wir der deutschen Öffentlichkeit gerückt zu sein und dann dieses. Wie die Saarbrücker-Zeitung zu berichten weiß, fand gestern am Mittwoch das erste Casting von DSDS, “Deutschland sucht den Superstar” einer Fernsehsendung von RTL in einen LKW auf dem Saarbrücker Gustav-Regler-Platz statt.

Überraschend bestimmt für viele, das der eigentliche Superstar dieser Sendung, sicher zur großen Enttäuschung etlicher Sängerinnen und Sänger sowie den zahlreichen Neugierigen, nicht persönlich erschienen war. Dieter Bohlen sandte zwei dem Publikum unbekannte Juroren.

Der Beginn des Castings war auf 14:00 Uhr angesetzt Und DL hatte natürlich auch einen saarländischen Beobachter dort hin zur Berichterstattung gebeten, könnte es doch einmal wichtig sein zu Wissen wo und wie sich die entsprechenden Politiker ihren Wählern, vielleicht auch den Zukünftigen, bekannt machen. So glaubte unser Beobachter schon einige auf sehr jung getrimmte ZeitgenossenInnen dort ausgemacht zu haben. Und machen wir uns doch nichts vor, ist es doch für einige Hinterbänkler aus der Politik sehr wichtig, in einem Landesverband in dem nur Einer das sagen hat, auch einmal Gehör zu finden und sei es beim Singen.

So hat zum Beispiel der MdB Lutze etwas gesagt, ob dieses aber auch jemand gehört hat, ist bislang noch nicht bekannt. So lehnte er einen einheitlichen Mehrwertsteuersatz von 16 %  ab, und schlug die Einführung einer Luxussteuer in Höhe von 25 % vor. Das Wort Luxussteuer, ein großes Wort, hört sich ein wenig nach ehemaliger DDR an, wo die Banane bekanntlich schon zu den Luxusgütern gehörte. Lutze forderte also das Bananen von nun an mit 25 % versteuert werden müssten.

Quelle: SR-Online

Beim vorsingen soll er sich aber besser angestellt haben, in einem outfit des Nordkoreanischen Führersohn  Kon Jong Un soll er eine alte Koreanische Volksweise vorgetragen haben. Unseren Beobachter fiel er auch mehr durch seine Bekleidung auf, da diese typische Landestracht hier nicht zum täglichen Erscheinungsbild gehört.

Auch Schnitzler und Georgi glaubte man dort erkannt zu haben. Sie wollten, so wurde es überbracht im Duett singen. Sie traten mit dem bekannten Kinderlied “Der Kuckuck und der Esel die hatten einmal Streit” in Aktion.

Als Mitglied der Landtags-Opposition kritisiert die MdL Barbara Spaniol gestern das Fehlen von Vertragsunterlagen und forderte mehr parlamentarische Kontrolle für Berater- und Gutachteraufträge ein.
Quelle: Saarbrücker-Zeitung

Wobei wir fest davon überzeugt dass auch in diesem Fall das Eine nichts mit dem Anderen gemeinsam hat.
Quelle: Pfälzischer-Merkur

Total auf Jugendlich getrimmt soll sie sich an den Gefangenenchor aus Verdis Nabuco gewagt haben. Wie heißt es dort so schön schmalzig:

“Flieg, Gedanke, getragen von Sehnsucht,
lass’ dich nieder in jenen Gefilden,
wo in Freiheit wir glücklich einst lebten,
wo die Heimat uns’rer Seele - ist.”

Ja natürlich bei solch einen Anlass durfte natürlich auch der große Mann, der demokratische Leuchtturm aus Saarlouis nicht fehlen. Wir haben zwar nicht herausbekommen wohin die Reise demnächst geht aber vielleicht begleitet er seinen Spannmann Biefeld. Sein Lied “Es geht eine Träne auf Reisen” soll bei den Juroren allerdings nicht so gut angekommen sein. War wohl vielleicht eine Träne auf der Bühne zu viel.

Über die Aussichten des Einen oder des Anderen auf dem Weg zum großen Geld vielleicht eine Runde  weiter zu kommen, war leider nichts in Erfahrung zu bringen. Wir üben uns also in Geduld und hoffen bald Neues mitteilen zu können.

Quelle: Saarbrücker-Zeitung

IE

Abgelegt unter Feuilleton, L. Saarland, P. DIE LINKE | 8 Kommentare »

Biskys Spinner Ideologen !

Erstellt von DL-Redaktion am 1. September 2011

In einem, der Zeitung “Tagesspiegel” gegebenen Interview spricht der ehemalige Vorsitzende klare Warnungen vor “ideologischen Kämpfen” aus und fordert  eine Verjüngung der Parteispitze. Beifall bekommt er hierfür natürlich aus dem Osten vom Berliner Landesvorsitzenden Klaus Lederer und Brandenburgs Linken Boss Thomas Nord.

Innerhalb dieses Interview lesen wir zum Beispiel folgende Passage und wir zitieren:

“Kürzlich haben Sie erklärt, bei den Linken führten zu viele „Ideologie-Ajatollahs“ das Wort. Können Sie das erklären?

Viel zu oft dünkt es die Genossen, sie seien besser und klüger als andere, als wären sie ein kleiner islamischer Rechtsgelehrter. Oder wie ein Lin Biao, der die Lehre Mao Tse Tungs auslegt – und immer weiß, was der große Vorsitzende meint. Oder die in den Schriften Rosa Luxemburgs nachweisen, dass man immer schon besser oder klüger denkt als der oder die jeweils andere.”

Mit diesen Sätzen kommt Bisky direkt auf den Kern der Sache zu sprechen und kann damit nur überwiegend Gruppierungen aus dem Westen des Landes gemeint haben, welche wir auch namentlich hier benennen könnten. Solange es in dieser Partei Gruppen von Kommunisten und Sozialisten möglich ist, Demokraten als Antis zu beschimpfen und der Partei zu verweisen kann sie ihren Anspruch als einer demokratische und pluralistische Partei nicht genügen.

Diese Vorkommnisse sind nachweislich passiert und es geschieht auch heute noch und was noch schlimmer ist, die ausführenden Narren sind immer noch aktiv und treiben die Partei weiter und weiter auf den Abgrund zu.

Weiter heißt es ein wenig später, Zitat:

“So erleben Sie den typischen Genossen?

Das ist eine Krankheit, wahrscheinlich durch ideologische Viren übertragen, die wir einfach nicht loswerden. Mich ärgert das wahnsinnig. Was haben wir davon, wenn manche Genossen denken, sie würden die reine Lehre vertreten? Das ist absurd. Die Geschichte der Linken kennt blutige Beispiele, wie so etwas ausgehen kann. Die Linke muss mit den ideologischen Kämpfen gegeneinander aufhören, diese Aggressivität darf nicht länger gepflegt werden, wir müssen sie bekämpfen. Diese ganzen Geschichten von linken Linken, Parteirechten, von guten und schlechten Linken, von lahmen und flinken Linken – es ist einfach Schwachsinn.”

Wie recht er doch mit seinen Aussagen hat. Das hat auch der Wähler lange bemerkt und wendet sich ab. Bürger dieses Landes akzeptieren diese ideologischen Spinner und Sektierer nicht. Sie haben sich gerade in den letzten Jahren von der Irrungen und Wirrungen der Kirchen befreit und sollen sich nun den Spinnern der Politk unterordnen. Treibt keine weitere Leichenschändung und lasst die Toten ruhen.  Will man eine Gesellschaft verändern braucht es einen langen Weg zu gehen und den kann man nur mit und nicht gegen die Menschen gehen. Aber bevor das bei vielen angekommen ist hat sich die Partei bereits selber zerstört.

Interview mit Lothar Bisky “Momentan ist die Linke in einer schlechten Form”

Quelle: Berliner Tagesspiegel: >>>>> weiterlesen

IE

Abgelegt unter P. DIE LINKE, Positionen | Keine Kommentare »

Auch die Fraktion Solingen

Erstellt von DL-Redaktion am 1. September 2011

Trennt sich jetzt endgültig der Weizen von der Spreu in der Partei DIE LINKE ? Nach der Auflösung der Fraktion im Stadtverband Witten, worüber wir gestern berichteten, wurde heute auch die Auflösung der Solinger Linken Ratsfraktion bekannt.

Wie berichtet, wir zitieren:

“Auslöser für die Unruhen in der Linkspartei waren Äußerungen der umstrittenen Partei-Chefin Rebekka Mruck zum Mauerbau. Von einer “klaren Mehrheit des Vorstandes” sei die Erklärung und Entschuldigung von Mruck für die missverständlichen Äußerungen im Online-Netzwerk “Facebook” akzeptiert worden, teilte die Partei gestern in einer Presseerklärung mit.

Mruck stehe “in vollem Konsens mit allen kritischen und differenzierten Stellungnahmen der Partei ,Die Linke’ zu DDR und Mauerbau”. Der Vorstand habe daher keinen Anlass für eine Rücktrittsforderung gesehen. Den Rücktritt von Birgül Ünlü bedauere man. Für die Fraktion war das Anlass zum Handeln, zumal Schlupp in den vergangenen Tagen den Rücktritt von Mruck gefordert hatte.”

Innerhalb eines heute geführten Interview sagte Lothar Bisky, immerhin über viele Jahre Vorsitzender der Partei auf die Frage:

Nach dem Mauer-Titelblatt der “Jungen Welt” hat Fraktionschef Gregor Gysi einen Anzeigenboykott gegen dieses Blatt angekündigt. In der Fraktion wurden 30 Unterschriften dagegen gesammelt.

Bisky: Ein solches Titelblatt noch zu honorieren, halte ich einfach nur für peinlich.

Wolf Biermann im Interview über die letzten Vorkommnisse: Nachzulesen auf DL “Mumien treffen in Berlin”

Alles nur Pack !

Hier nun der Artikel

Quelle: RP-Online: >>>>> weiterlesen

IE

Abgelegt unter L. Nordrhein-Westfalen, P. DIE LINKE | 1 Kommentar »

Annas Träume

Erstellt von DL-Redaktion am 1. September 2011

Sie gibt es also doch noch in diesem Land, Menschen mit Träume. Heute möchte wir auf den Artikel über eine alleinerziehende Mutter welche unter Hartz 4 leidet aufmerksam machen. Er beschreibt sehr wirklichkeitsnah die Schwierigkeiten des täglichen Lebens unter dieses vollkommene Versagen deutscher Politik.

Ein jeder, welcher als Bürger in den letzten Jahren eine ARGE in diesem Land betreten musste wird diese Story nachvollziehen können. Das Leben in der Angst sich am 15. des Monats schon sorgen zu müssen ein Kind am 30. noch satt zu bekommen ist dabei noch nicht einmal das schlimmste. Viel schlimmer ist die verlorene Würde welche einem beim Eintritt dieses Verwaltungsgebäudes entgegenschlägt. In wohl kaum einer deutschen Behörde ist die menschliche Erniedrigung, das Gefühl unliebsamer Ballast zu sein, so stark wie gerade in den ARGEN.

Deutschland ist ein kaltes Land geworden und der Behörden-Büttel, gesteuert von politisch (Un)Verantwortlichen nimmt Ausmaße an welche den Bürgern nach dem Krieg unbekannt waren. So fällt es schon ins Auge das diese Auswüchse gerade unter einer ersten deutschen Kanzlerin und ihrer Ministerin Ursula  von der Leyen, welche sich mehr und mehr zu  eiskalten Engeln entwickeln, so stark sichtbar werden.

Annas Träume

Anna schiebt mit großen Schritten den alten, mit bunten Decken ausstaffierten Kinderwagen vor sich her. Ihre Turnschuhe sind ausgetreten, das T-Shirt mit Rolling-Stones-Zunge schlabbert. Eine lässig schöne Frau. Annas Rücken ist ganz gerade. Sie parkt den Kinderwagen am Rand des Spielplatzes, holt ihre Tochter aus den Gurten. “Back mir mal einen Sandkuchen, Mathilda”, sagt sie. “Wir haben was zu feiern.”
Nach vielen Telefonaten hat sie nun endlich die Zusage schriftlich. Mathilda wird in drei Wochen in die Kita gehen. Nicht sieben bis neun Stunden wie die Kinder von Eltern, die arbeiten. Aber immerhin fünf. “Ein neuer Lebensabschnitt”, sagt Anna. Sie will endlich wieder arbeiten.

Kaum Geld für Essen und Schuhe

Es ist ein schöner Spätsommertag im September 2010. Anna denkt zurück. Zwei Jahre lang hat Anna ihre Tochter Mathilda allein erzogen. Jede Nacht hat sie ihren Schlaf bewacht. Immer, wenn Mathilda etwas fehlte, hat sie allein entschieden, ob sie krank genug ist für den Arzt. Sie hat jeden Tag versucht, trotz Hartz IV anständig einzukaufen: wenigstens gutes Essen, wenigstens gute Schuhe.
Ein paarmal dachte Anna wirklich, dass sie nicht mehr kann. Einmal wollten sie ihr das Gas abdrehen. Sie musste zum Sozialgericht. Ein andermal kam ein Brief vom Jugendamt. Mathildas Vater muss weniger Unterhalt zahlen. Er hat ein niedriges Gehalt, stottert aber eine Wohnung in Hamburg ab. Sie wollen ihn nicht zum Verkauf zwingen. “Geht bei Ihnen Eigentum vor Kindeswohl?”, schrieb Anna trotzig zurück.

Quelle: TAZ >>>>> weiterlesen

IE

Fotos: Wikipedia / eiskalte Engel

Abgelegt unter HARTZ IV, Sozialpolitik | 2 Kommentare »

Zu den Küsten von Tripolis

Erstellt von Uri Avnery am 1. September 2011

In seinen heutigen Bericht schreibt Uri Avnery über Gaddafi und die militärische Unterstützung durch die Nato. Ein nachdenklich stimmender Bericht aus Tel Aviv.

OBWOHL UNS die Bibel sagt „Freue dich nicht über den Fall deines Feindes“ (Sprüche 24), konnte ich nicht anders, als mich freuen.

Muammar al-Gaddafi war der Feind jeder anständigen Person in der Welt. Er war einer der schlimmsten Tyrannen in jüngster Vergangenheit.

Diese Tatsache war verborgen hinter einer Fassade von Clownerie. Er liebte es, sich selbst als Philosoph darzustellen (s. das „Grüne Buch“), als visionärem Staatsmann (Israelis und Palästinenser müssen sich zum Staat Isratin vereinen), selbst als unreifem Teenager (seine unzähligen Uniformen und Kostüme). Aber hauptsächlich war er ein erbarmungsloser Diktator, umgeben von korrupten Verwandten und Freunden, die den großen Reichtum Libyens verschwendeten.

Das war für jeden offensichtlich, der sehen wollte. Leider gab es nicht wenige, die ihre Augen verschlossen hielten.

ALS ICH meine Unterstützung für die internationale Intervention zum Ausdruck brachte, erwartete ich, von wohlmeinenden Leuten angegriffen zu werden. Ich wurde nicht enttäuscht.

Wie konnte ich nur? Wie konnte ich die amerikanischen Imperialisten und die grässliche NATO unterstützen? War mir denn nicht klar, dass es nur ums Öl ging?

Ich war nicht überrascht. Ich habe dies schon einmal erlebt. Als die Nato begann, das serbische Gebiet zu bombardieren, um den Verbrechen des Slobodan Milosevic im Kosovo ein Ende zu bereiten, wandten sich viele meiner politischen Freunde gegen mich.

War mir denn nicht klar, dass dies alles nur eine imperialistische Verschwörung war? Dass die hinterhältigen Amerikaner Jugoslawien (oder Serbien) nur auseinander reißen wollten? Dass die Nato eine böse Organisation war? Dass Milosevic, auch wenn er ein paar Fehler haben mag, eine progressive Menschlichkeit vertrat?

Dies wurde gesagt, als die grausamen Akte des Massenmordes in Bosnien für jeden offensichtlich waren, als Milosevic schon als kaltblütiges Monster bloßgestellt war. Ariel Sharon bewunderte ihn.

Wie können also anständige, wohlmeinende Linke, Menschen mit makelloser humanistischer Vorgeschichte, solch eine Person umarmen? Meine einzige Erklärung war, dass ihr Hass auf die USA und die NATO so stark, so leidenschaftlich war, dass jeder, der von ihnen angegriffen wurde, gewiss ein Wohltäter der Menschheit sein muss und alle Anklagen gegen sie reine Erfindungen waren. Sogar Pol-Pot.

Nun geschah es noch einmal. Ich wurde bombardiert mit Mails von wohlmeinenden Leuten, die Gaddafi für alle seine guten Taten lobten. Man hat den Eindruck bekommen können, dass er ein zweiter Nelson Mandela, wenn nicht gar ein zweiter Mahatma Gandhi war.

Während die Rebellen sich schon durch seine große ummauerte Anlage kämpfen, lobte ihn der sozialistische Führer Venezuelas Hugo Chavez als wahres Modell aufrichtiger Menschlichkeit, ein Mann, der es wagt, sich gegen die amerikanischen Aggressoren zu stellen.

Nun, tut mir leid, da mache ich nicht mit. Ich habe diese irrationale Abscheu vor blutigen Diktatoren, vor völkermörderischen Massenmördern, vor Führern , die gegen ihr eigenes Volk Krieg führen. Und bei meinem fortgeschrittenen Alter ist es schwierig, sich zu ändern.

Ich bin bereit, sogar den Teufel zu unterstützen, wenn es nötig ist, diese Art Grausamkeit zu beenden. Ich würde nicht einmal nach seinen genauen Motiven fragen. Was immer man auch über die USA und/oder die NATO denken mag – wenn sie einen Milosevic oder einen Gaddafi entwaffnen, dann haben sie meinen Segen.

WIE GROSS ist die Rolle der NATO bei der Niederlage des libyschen Diktators?

Die Rebellen hätten Tripolis nicht erreicht, gewiss nicht bis heute, wenn sie nicht die NATO-Unterstützung aus der Luft gehabt hätten. Libyen ist eine große Wüste. Die Offensive war auf eine lange Straße angewiesen. Ohne die technische Beherrschung der Luft, würden die Rebellen massakriert worden sein. Jeder, der während des 2.Weltkrieges lebte und den Feldzügen Rommels und Montgomery folgte, weiß dies.

Ich vermute, dass die Rebellen auch Waffen und Rat erhalten haben, der ihre Offensive erleichterte.

Aber ich bin gegen die gönnerhafte Behauptung, dass dies alles ein Sieg der NATO war. Es ist die alte kolonialistische Haltung in neuer Gestalt. Natürlich konnten diese armen, primitiven Araber nicht alles ohne den Weißen Mann machen.

Aber Kriege werden nicht mit Waffen gewonnen, sie werden von Menschen gewonnen. „Mit Stiefeln auf dem Boden“, wie die Amerikaner dies nennen. Selbst mit all der Hilfe, die die libyschen Rebellen erhielten, so unorganisiert und schlecht bewaffnet sie waren, so haben sie doch einen erstaunlichen Sieg errungen. Dies wäre so nicht ohne wirkliche revolutionäre Leidenschaft, ohne Tapferkeit und Entschlossenheit geschehen. Es ist ein libyscher Sieg, kein englischer oder französischer.

Dies ist von den internationalen Medien heruntergespielt worden. Ich habe keine einzige echte Kampf-Reportage gesehen (und ich weiß, wie das aussieht). Journalisten haben sich nicht mit Ruhm bekleckert. Sie zeigten exemplarische Feigheit, blieben in sicherem Abstand von der Front, sogar während des Falles von Tripolis. Im Fernsehen sahen sie mit ihren großen Helmen lächerlich aus, als sie von barhäuptigen Kämpfern umgeben waren.

Was herüber kam, war endloser Jubel über den Sieg, der scheinbar vom Himmel gefallen war. Aber das waren Heldentaten, die vom Volk begangen worden waren – ja von einem arabischen Volk.

Dies ist für unsere israelischen „Militärkorrespondenten“ und unsere „Experten von arabischen Angelegenheiten“ besonders ärgerlich. Daran gewöhnt, „die Araber“ zu verachten oder zu hassen, schrieben sie dem Sieg der Nato zu. Es scheint, dass das Volk von Libyen eine kleinere Rolle gespielt hat, wenn überhaupt eine.

Nun plappern sie endlos über die „Stämme“, die Demokratie und eine ordentliche Regierung in Libyen unmöglich machen werden. Libyen sei kein wirkliches Land. Es war ,bevor es eine italienische Kolonie wurde, nie ein geeintes Volk. So etwas wie ein libysches Volk gibt es gar nicht. (Man erinnere sich, was die Franzosen über die Algerier und Golda Meir über die Palästinenser sagten).

Nun, dafür, dass ein Volk nicht existiert, kämpften die Libyer sehr gut. Und was die „Stämme“ angeht – wie kommt es, dass es nur in Afrika und Asien Stämme gibt, niemals unter Europäern? Warum nicht ein walisischer Stamm oder ein bayrischer Stamm?

(Als ich 1986 vor dem Friedensvertrag Jordanien besuchte, wurde ich von einem sehr zivilisierten, hochrangigen jordanischen Beamten eingeladen. Nach einer interessanten Unterhaltung beim Mittagessen überraschte er mich, als er erwähnte, er würde zu einem bestimmten Stamm gehören. Am nächsten Tag, als ich mit einem Pferd nach Petra ritt, fragte mich der Reiter neben mir mit leiser Stimme, ob ich „zum Stamm“ gehören würde. Ich brauchte eine Zeitlang, bis ich verstand, dass er mich fragte, ob ich Jude sei. Es scheint, dass amerikanische Juden über sich selbst in dieser Weise sprechen.)

Die „Stämme“ von Libyen würden in Europa „ethnische Gruppen“ genannt und in Israel „Kommunen“. Der Terminus „Stamm“ hat eine herablassende Assoziation. Wir sollten diesen Ausdruck nicht mehr benützen.

ALL JENE, die die Intervention der NATO verdammen, sollten auf eine einfache Frage antworten: Wer hätte denn sonst diesen Job getan?

Die Menschheit des 21. Jahrhunderts kann keine Akte von Genoziden und Massenmorden tolerieren, egal, wo sie geschehen. Sie können nicht zusehen, wenn Diktatoren ihr eigenes Volk abschlachten. Die Doktrin des „Nicht-Eingreifens“ in die inneren Angelegenheiten souveräner Staaten“ gehört in die Vergangenheit. Wir Juden, die wir die Menschheit angeklagt haben, untätig abseits gestanden zu haben, während Millionen Juden, einschließlich deutscher Bürger, von der legitimen deutschen Regierung vernichtet wurden, schulden der Welt gewiss eine Antwort.

Ich habe einige Male erwähnt, dass ich für eine Art effektiver Weltregierung sei und erwarte, dass es sie am Ende dieses Jahrhunderts gibt. Dies würde eine demokratisch gewählte Welt-Exekutive einschließen, die auch militärische Kräfte zu ihrer Verfügung hat, die eingreifen können, wenn ein Weltparlament dies entscheidet.

Damit dies geschieht, müssen die Vereinigten Nationen vollkommen umorganisiert werden. Die Veto-Macht muss verschwinden. Es ist unerträglich, dass die US mit einem Veto die Aufnahme Palästinas als Mitgliedstaat verhindern oder dass Russland und China mit einem Veto eine Intervention in Syrien verhindern kann.

Gewiss sollten die Stimmen der Großmächte wie die der USA und Chinas gewichtiger sein als - sagen wir mal – Luxemburg oder die Fidschi-Inseln, aber eine Zwei-Drittel-Mehrheit in der Vollversammlung sollte die Macht haben, Washington, Moskau und Peking zu überstimmen.

Das mag Zukunftsmusik sein oder, wie andere sagen, ein Hirngespinst. Was die Gegenwart betrifft, so leben wir in einer sehr unvollkommenen Welt und müssen mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln auskommen. Die NATO ist leider eines davon. Die EU ist ein anderes, obwohl in diesem Fall das arme, ewig von schlechtem Gewissen geschlagene Deutschland sie gelähmt hat. Wenn Russland oder China sich ihr anschließen würden, wäre dies gut.

Dies ist kein fernes Problem. Gaddafi ist am Ende, aber Bashar al-Assad ist es nicht. Er schlachtet sein Volk ab, während Sie dies lesen, und die Welt sieht hilflos zu.

Gibt es Freiwillige, die bereit sind zu intervenieren?

(Aus dem Englischen: Ellen Rohlfs, vom Verfasser autorisiert)

Quelle: Mit ausdrücklicher Freigabe durch Uri Avnery an DL

IE

Abgelegt unter Friedenspolitik, Internationales, Nah-Ost, Positionen | 1 Kommentar »