Der Glaube an ein unendliches Wachstum, mit diesen Träumereien möchte der nachstehende Artikel aufräumen. Wer glaubt denn heute noch an diese These.
Vielleicht die Millionäre welche in ihrer immer größer werdenden Gier nach den nächsten Millionen schielen? Der Nachbar welcher einen Mercedes neidvoll ansieht und versucht beim nächsten Kauf diesen zu übertrumpfen. Wachstum ist aber nicht einseitig nur im Profit zu sehen. Auch im anhäufen von Schulden sieht man das System. So steigen Jahr für Jahr die Einnahmen des Staates und im gleichen Umfang steigen auch die Schulden. Eine Opposition sollte sich also vielmehr um die versteckten, falsch etikettierten Ausgaben kümmern.
Ist es nicht auffällig das im Dunstkreis der ARGEN immer mehr Bildungsinstitute aus den Boden schießen? Alte Industriebrachen werden zu Bildungsinstituten umfunktioniert, bei gleichzeitig offizieller Abnahme der Arbeitslosenzahlen. Jeder der heute bis fünf zählen kann eröffnet ein Bildungsinstitut oder eine Firma für Leiharbeiter. Das sind dann z.B. Gelder welche von den ARGEN bezahlt werden und unter Sozialausgaben verbucht werden. Das ist unter anderen ein Grund die Keule für steigende Sozialausgaben des Staates wiederspruchlos zu schwingen. Dieses hier soll nur als ein Beispiel für viele weitere gelten.
Tausendundeine Differenz
Biologisch gesehen besteht kein Zweifel: Wachsen, immer wieder und weiter wachsen, das geht nicht; Leben vollzieht sich als Entstehen und Vergehen.
Wenn endloses Wachstum eine logische und biologische Unmöglichkeit ist, warum verfallen dann trotzdem die führenden Köpfe der gesamten westlichen Welt seit mehr als 200 Jahren der Idee, dass Wirtschaft und Wissen stetig wachsen müssten? Weshalb kommt keine Regierungserklärung ohne Hinweise auf die Notwendigkeit des Wachstums aus? Was muss diese moderne westliche Welt, die Rationalität als ihr Markenzeichen hochhält und die sich als klügste und erfolgreichste der Menschheitsgeschichte fühlt, alles verdrängen, um das Unmögliche zum Programm erheben zu können.
Die Falle: Gier versus Neid
Der Ruf nach mehr ist sinnvoll, wenn die Diagnose “zu wenig” lautet. Warum glauben auch diejenigen, die vergleichsweise sehr viel haben, dass es noch zu wenig ist? Weil sie gierig sind, sagen diejenigen, die wenig oder nichts haben. Die sind nur neidisch, antworten empört die Reichen und Erfolgreichen. Neid gegen Gier - das ist der Höhepunkt einer politischen Dumpfbackenrhetorik, die soziale Strukturen in menschliche Eigenschaften umdichtet: So sind Politiker machthungrig, Wissenschaftler wissensdurstig, Sportler siegestrunken, Journalisten sensationsgeil und Manager geldgierig; und umgekehrt ist die Kritik an Ungerechtigkeiten nur Sozialneid.
Der Preis eines Tickets bei der Bundesbahn beträgt auf einer Strecke von Mannheim nach Hamburg zur Zeit 112 Euro. Für die gleiche Strecke zahlt der Verbraucher für ein Busticket nur 34 Euro. Gibt es eine bessere Argumentation das Ansinnen der Bundesregierung zu unterstützen welche ab dem Jahre 2012 der Deutschen Bahn AG ihr Monopol für den Fernverkehr nehmen wird?
Auf allen Fernstrecken sollen Busunternehmer in Zukunft ihren Service anbieten können. Es können auch verschiedene Unternehmen die gleiche Strecke abfahren. Die einzige Einschränkung soll dem Schutz des Nahverkehr dienen und die Haltestellen müssen 50 km voneinander entfernt sein. Der Aufhebung des Bahn-Monopol für den Fernverkehr wird aber auch in Kürze der Nahverkehr folgen. Im Gesamt gesehen ist dieser Entscheid natürlich ein großer Vorteil für den Verbraucher.
Zu diesem Thema gab es dann gestern auch eine Presseerklärung der Partei DIE LINKE mit folgenden Wortlaut:
DIE LINKE kritisiert Freigabe von Fernbuslinien
„Die Freigabe von Fernbuslinien ist eine falsche Entscheidung, denn sie führt zu noch mehr Verkehr auf den ohnehin schon überlasteten Autobahnen. Ziel ökologischer Verkehrspolitik sollte indes sein, den Verkehr mehr und mehr von der Straße auf die Schiene zu verlagern. Und das geht nur, wenn die Bahn deutlich günstiger und attraktiver wird und nicht, wenn die Bundesregierung den Wettbewerb bei Fernbuslinien befeuert”, so Thomas Lutze, Mitglied des Verkehrsausschusses im Deutschen Bundestag, anlässlich der Entscheidung der Bundesregierung, die sogenannten Fernbuslinien jetzt ohne Einschränkungen zuzulassen. Lutze weiter:
„Es ist auch nicht zu erkennen, dass es zu einem deutlichen Preisvorteil für die Reisenden kommen wird. Als vor Jahren die Billigflieger mit 19-Euro-Tickets warben, dachte auch jeder, man bekäme immer alles zum Schnäppchenpreis. Heute sind viele Verbindungen im innerdeutschen Flugverkehr wieder gestrichen oder preislich auf dem gleichen, hohen Niveau der Bahn. Dies wird bei den Fernbussen nicht anders sein. Die Verbraucherinnen und Verbraucher werden an dieser Reform der Bundesregierung nicht lange Freude haben.“
Was kann denn der Wähler, sprich Verbraucher mit einer solchen Aussage anfangen? Fakt ist doch: Seit den 50 ger Jahren sind alle Versuche den Schienenverkehr zu Fördern fehlgeschlagen, sowohl im Güter- als auch im Personen-verkehr. Im Güterbereich wurden für den Fernverkehr über einen Radius von 50 km hinaus Lizenzen vergeben. Diese wurden durch den Werksfernverkehr unterlaufen und da diese Lizenzvergabe in Europa ziemlich einzigartig ist, die Standorte in einem grenznahen Raum eingerichtet um innerhalb dieser 50 km die Deutsche Grenze überfahren zu können. Im Personenverkehr blieb das Monopol auf der Schiene, was an der Preisgestaltung sichtbar ist.
Die Forderung der LINKEN ist also eine Utopie welche nur real zu verwirklichen ist wenn die LINKE einmal alleine die Regierung stellt. Bis denn dieses eintreten sollte, vielleicht zwei, drei Generationen später, oder nie, müssen die Wähler leider zur Kasse gebeten werden. Das ist LINKE Politik von Spinnern welche sich dann noch fragen warum Ihnen die Leute weglaufen und sie nicht gewählt werden.
Überhaupt, wer ist Thomas Lutze Mitglied im Verkehrsausschuss? Weiß der denn überhaupt warum sich Räder drehen? Ach ja, das ist der Steinzeitkommunist welcher im letzten Jahr auf Kosten der Steuerzahler den Planeten Nordkorea besuchte um dort die Möglichkeiten des Massentourismus für Deutsche Urlauber zu erkunden. In dem Artikel “Die Abgeordneten Reise” berichteten wir darüber. Da wurde er bestimmt auf einem Büffelkarren durch die Gegend gefahren. Die Sehnsucht aus einem Käfig heraus auf die freie Welt zu sehen scheint doch bei manchen tiefer verwurzelt zu sein als viele glauben. Sarrazin würde jetzt von Genen fabulieren.
Ein jeder, der schon einmal mit seinem, durch harte Arbeit Ersparten, als Individualreisender in Asien, Amerika oder, und Afrika unterwegs war, hat das Reisen mit kostengünstigen Transportmitteln, wie einen Bus schätzen gelernt. Auch die Argumentation des Umweltschutzes ist schlichtweg falsch, weist doch ein Bus einen geringeren CO 2 Ausstoß aus, als die Bahn, da das Verhältnis von Fahrzeuggewicht zu den Passagieren besser ist.
Nachdem es einige Zeit ruhiger um ihn geworden war, bringt sich Dehm jetzt wieder mit einer einstweiligen Verfügung in den Blickpunkt. Noch am 08. 07. 2011 berichteten wir in dem Artikel “Zoff bei den Linken” über eine Rücktrittsforderung an Diether Dehm vom Landesverband der LINKEN Sachsen-Anhalt, auch dort ging es um eine einstweilige Verfügung. Nur allzu gut in Erinnerung ist uns auch immer noch dieser Hitler-Stalin Vergleich mit Wulff und Gauck über den wir seinerzeit auch auf DL berichteten.
Die große Überraschung bei all den Vorkommnissen? Wolf Biermann der ganz einfach mit einem Satz das unleidliche Thema beenden könnte schweigt! Vielleicht aber sagt uns dieses Schweigen mehr als tausend Worte?
Eines aber wird mit jedem Tag sichtbarer, diese West-Partei zerfrist sich von Innen heraus, sie zerstört sich selbst. So viel Unruhe und so viele Beschädigungen können weder von einer Basis noch von Aussenstehenden hineingetragen werden. Aber, und das ist nun einmal die Crux mit Leuten welche sich selbst und nur ihre ureigensten Interessen in den Vordergrund stellen. Und davon gibt es in der West-LINKEN einfach zuviele. Bei all diesen Selbstinszenierungen bleibt die Politik auf der Strecke und Mitglieder sowie Wähler laufen in Scharen davon, denn was bringen diese Darstellungen den Menschen welche von ihrer täglichen Arbeit leben müssen?
Zwei Erklärungen von Diether Dehm:
Mit dem Vorwurf, als 23jähriger die DDR für das bessere Deutschland gehalten und so gehandelt zu haben, kann ich leben: Was ich über die Bundesrepublik, die Deutsche Bank und deren Naziverbindungen erfuhr, stellt alles Miese der DDR noch heute in tiefen Schatten.
Seit Biermann zum Treiber für alle fünf NATO-Kriege und für Atomkraft konvertiert ist, könnte ich sogar die Lüge verdauen, gegen ihn gearbeitet zu haben. Aber die MfS-Akte sagt, was Wallraff und er selbst bestätigen: Ich habe damals nur FÜR Biermann gearbeitet - und gegen die Stasi. Weshalb das MfS mich kurz nachdem ich 1977 Biermanns Manager wurde - aktenverbrieft - 1977/78 zum Staatsfeind stempelte, in die DDR-Einreisefahndung legte und die IM-Anwerbung aufgab (Originalton MfS: weil er die Richtigkeit der Entscheidungen der Staatsführung zu Bahro und Biermann nicht einsah). Beiliegende und nun rechtskräftig gewordene Unterlassung der Pressekammer des Landgerichts Hamburg bestätigt nun noch einmal: Ich habe nie Biermann für das MfS unter Kontrolle gehalten und dafür Geld bekommen.
Diesen Artikel dürfen wir immer noch unzensiert lesen:
Der Fall Diether Dehm
von Hubertus Knabe
Nach der Ausbürgerung des DDR-Liedermachers Wolf Biermann im November 1976 blieb ihm die Stasi auch im Westen auf den Fersen. Bis ins Detail war sie nicht nur über seine Auftritte in Westdeutschland informiert, sondern auch über seine finanzielle Lage, Probleme mit der Plattenfirma und seine persönliche Situation. Als ergiebige Quelle erwies sich dabei insbesondere der Frankfurter Liedermacher Diether Dehm und dessen Lebensgefährtin Christa Desoi, die beim Ministerium für Staatssicherheit (MfS) die Decknamen „Willy“ und „Christa“ trugen.
Dehm, der seinerzeit unter dem Künstlernamen Lerryn auftrat und heute Mitglied des Bundesvorstandes der PDS ist, war erstmals 1970 von einem Stasi-Mitarbeiter bei einem sogenannten Antifa- Jugendlager kontaktiert worden. Im Auftrag der DKP-Zeitung „Unsere Zeit“ nahm er 1971 am II. Festival des politischen Liedes in der DDR als Berichterstatter teil. Bei einer „Aussprache“ mit einem Stasi-Mitarbeiter im Zentralhaus für Kulturarbeit in Leipzig erklärte er den Akten zufolge im Juni 1971 “seine Bereitschaft zur Unterstützung”.
Für Dezember vermerkte die Stasi seine Werbung „auf der Basis der politischen Überzeugung“, wobei ihn das MfS zunächst als Perspektiv- IM „Dieter“ führte. [ 1 ]
Diether Dehm gehörte seit 1967 der SPD an, wollte aber gern der DKP beitreten, was ihm jedoch von der Stasi ausgeredet wurde.
Heute sitzt er für die Partei DIE LINKE im Deutschen Bundestag. Für das MfS beschaffte er in den siebziger Jahren zahlreiche „operativ verwertbare Informationen“ über die Jungsozialisten und den SPD Unterbezirk Südhessen, über linke politische Gruppierungen und die Universität Frankfurt, über das Bundesministerium für Forschung und Technologie, die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte, über westdeutsche Künstlermilieus und weitere Themen.
Regelmäßig erhielt er von der Stasi entsprechende Aufträge. Da er als linker Liedermacher im Wahlkampf der SPD eine wichtige Rolle spielte, konnte er auch über seine Gespräche mit sozialdemokratischen Parteigrößen berichten. Auf Geheiß der Stasi sollte er insbesondere die Verbindung zum damaligen SPD-Finanzminister Matthöfer intensivieren und sich um den Posten des Wahlkreissprechers bemühen. [ 2 ] Mengenweise übermittelte er der Stasi aus seinem Umfeld nachrichtendienstlich relevante „Personenhinweise“, zum Teil mit „Bildmaterial“.
Seine Lebensgefährtin Christa Desoi wurde in die Beziehungen zum MfS nach und nach einbezogen und der überlieferten IM-Akte zufolge im März 1976 von Oberleutnant Notroff angeworben. „Die Kandidatin“, so heißt es in dem obligatorischen Werbevorschlag, „ist zur Übernahme konkreter Aufgabenstellungen bereit und erfüllt diese zuverlässig, ehrlich und mit entsprechender Eigeninitiative“. Es folgt eine Auflistung der bereits vor der Werbung von ihr „erarbeiteten“ Informationen. [ 3 ] „Christa“ traf sich Ende der siebziger Jahre etwa alle sechs Wochen mit ihrem Führungsoffizier in Ostberlin, die Flugkosten übernahm der Staatssicherheitsdienst. Wie „Willy“ legte sie dabei großen Wert auf Konspiration. Auch „Christa“ belieferte die Stasi mit einer großen Zahl von Informationen: von Rudi Dutschkes Bemühungen, eine neue sozialistische Partei zu gründen, über ein internes Gespräch mit Karsten Voigt zur Vorbereitung des SPD Wahlkampfes in Frankfurt bis hin zu ausführlichen Berichten über die Arbeit der Jungsozialisten oder den Pfingstkongress des Sozialistischen Büros. Auch Mitgliederlisten der Falken und ihres SPD-Ortsvereins sowie nachrichtendienstlich nutzbare Personenhinweise übergab sie der Stasi. Einem undatierten „Komplexauftrag“ zufolge sollte sie zudem für die HVA die Universität Frankfurt und insbesondere deren Fachbereich 3 ausspionieren, wo sie verschiedene Vorlesungen belegte. Die Stasi interessierten dabei die führenden Professoren und Mitarbeiter, die politischen Gruppierungen sowie Studenten, die eine positive Einstellung zur DDR hatten. [ 4 ]
Diether Dehm und Christa Desoi hatten Wolf Biermann schon kurz nach dessen Ausbürgerung kennengelernt. Die Verbindung war durch den Schriftsteller Günter Wallraff vermittelt worden, bei dem der heimatvertriebene Dissident in den ersten Monaten wohnte. Im Februar 1977 erteilte das MfS dem IM „Willy“ den Auftrag, den Kontakt zu Wolf Biermann zu festigen.
Obgleich „Willy“ der Ausbürgerung kritisch gegenüberstand, konnte die Stasi mit seiner Hilfe schon wenige Wochen später ausführlich „über gegenwärtige Aktivitäten zur Person Biermann im Operationsgebiet“ berichten. [ 5 ]
Tatsächlich vermochte sich der geschäftstüchtige Liedermacherkollege Dehm rasch in Biermanns Vertrauen einschleichen. Gegen Zahlung einer Provision übernahm er es, seine Konzerte im Westen zu managen. Christa Desoi bemühte sich ebenfalls um einen engen persönlichen Kontakt. Auf Vermittlung Biermanns verbrachte auch Jürgen Fuchs im Juli 1978 mit seiner Familie seinen Sommerurlaub im Landhaus des Agentenduos. Auf diese Weise war die Stasi in den kritischen Monaten nach der Ausbürgerung aus erster Hand über Biermanns Reaktionen und seine weiteren Pläne informiert. „Christa“, die laut IM-Akte als Instrukteurin von „Willy“ fungierte, berichtete unter anderem detailliert über Biermanns vorgesehene öffentliche Auftritte, beispielsweise bei einer Konzerttournee im April 1978, einschließlich der zu erwartenden Einnahmen. In dem entsprechenden Bericht informierte sie zugleich über seine persönliche Lage, insbesondere über das komplizierte Beziehungsgeflecht zwischen ihm, seiner Frau und Sybille Havemann: mit beiden Frauen hatte er ein gemeinsames Kind. [ 6 ] Aus den Spitzelberichten fertigte der Staatssicherheitsdienst sogenannte Informationen, in denen Biermanns Konzerte schon in der Planungsphase MfS-weit angezeigt wurden und um „Unterstützung bei der weiteren Aufklärung, Kontrolle und Überwachung“ gebeten wurde. [ 7 ]
Die Stasi kannte Biermanns persönliche Befindlichkeit, seine politischen Aufassungen, wirtschaftlichen Einkünfte und sein Mißtrauen gegenüber möglichen MfS-Spitzeln. Durch „Willys“ und „Christas“ Berichte konnte sie insbesondere die tiefe künstlerische und politische Krise betrachten, in die Biermann durch seine Ausbürgerung geraten war. In einer Information vom Februar 1977 hieß es beispielsweise, daß Biermann zehn Wochen nach seiner Ausbürgerung noch „äußerst labil und mitunter ausgesprochen hysterisch“ sei. Vor allem von trotzkistischer Seite, von der SPD und von der spontanen Linken gebe es Bestrebungen, ihn für sich zu gewinnen. „Biermann selbst verkraftet diese vielseitigen Bemühungen offensichtlich nicht, denn er ist völlig unsicher und holt sich ständig Rat bei Wallraff und dem IM. Eine selbständige Entscheidung hinsichtlich der weiteren Arbeitsbasis traut er sich nicht zu fällen“. [ 8 ]
Tatsächlich war Wolf Biermann zu diesem Zeitpunkt von falschen Freunden regelrecht eingemauert. Die Stasi-Akten dokumentieren eindrücklich, wie er nach seiner Ausbürgerung politisch neutralisiert wurde. Eine Schlüsselrolle spielten dabei sein damaliger Gastgeber Günter Wallraff und das Agentenduo „Willy“ und „Christa“. Als Konzertmanager konnte Diether Dehm direkten Einfluß darauf nehmen, wo und wann Wolf Biermann auftrat. Ausgerechnet in der Bundesrepublik hing der bisherige Staatsfeind Nr. 1 damit auf unsichtbare Weise an den Strippen des Staatssicherheitsdienstes. Wie die Einflussnahme funktionierte, beschreibt eine MfS-Information vom März 1977, derzufolge Biermann mit einem „BRD-Liedermacher“ einen Vertrag geschlossen hatte, der die Beratung für die Annahme oder Ablehnung von Einladungen zu Veranstaltungen westdeutscher politischer Gruppierungen beinhalte. „Es konnte durch diese Möglichkeit bisher verhindert werden, daß Biermann direkt durch die Frankfurter Initiative ‘Freiheit der Meinung, der Kunst und der Wissenschaft in West und Ost’ für deren feindliche Tätigkeit genutzt wird. Mehrere Anträge [...] konnten dadurch abgeblockt werden“. [ 9 ]
Zugleich wurde Biermann politisch-psychologisch unter Druck gesetzt. So berichtete „Christa“ der Stasi von den intensiven Bemühungen seiner „Freunde“, ihn von öffentlichen Äußerungen über die DDR abzuhalten. Anlass dazu bot eine Veranstaltung im März 1977, bei der es zu heftigen Diskussionen mit Vertretern kommunistischer Splittergruppen gekommen war. Nach dieser Erfahrung habe Biermann erklärt, daß er sich in Zukunft „auf die Ratschläge seiner Freunde (Wallraff) verlassen und nicht mehr selbständig bei derartigen Veranstaltungen in Erscheinung treten“ wolle. Für die nächste Veranstaltung sei festgelegt worden, dass Biermann keine Fragen aus dem Publikum beantworte. [ 10 ] Im April 1977 berichtete „Christa“ erneut von „ernsthaften Auseinandersetzungen“ zwischen Biermann und seiner engeren Umgebung. Auslöser war seine Teilnahme an einer Solidaritätsveranstaltung für die Charta 77.
„Versuche, Biermann von dieser Verbindung fernzuhalten, bzw. eine Beteiligung an der Veranstaltung zu verhindern, verliefen negativ, da Biermann entgegen erst gegebenen Zusagen - dass er nicht an dieser Veranstaltung teilnimmt - dann doch dorthin fuhr“. [ 11 ] Anschließend wurde Biermann von Wallraff und Dehm zur Rede gestellt, die ihn, dem Spitzelbericht zufolge, „von derartigen Personenkreisen und einer Ausnutzung durch diese fernhalten wollten“. [ 12 ]
Im Juni 1977 vermeldete die Stasi, „im Ergebnis offensiver Massnahmen“ sei erreicht worden, „daß Biermann schriftliche und mündliche Anfragen für Auftritte an eine Person zur Begutachtung und Beratung wieterleitet“ - gemeint war sein Manager Diether Dehm. Hierdurch sei es gelungen, mehrere Auftritte Biermanns bei DDR-kritischen Veranstaltern zu verhindern. Die betreffenden Initiativen seien direkt an den Liedermacher herangetreten, von diesem jedoch an seinen „Berater“ weiterverwiesen worden. Nachdem Letzterer seine Ablehnung mitgeteilt hätte, seien von ihnen keine weiteren Anträge für einen Auftritt Biermanns gestellt worden. Positive Reaktionen habe hingegen in Biermanns Umgebung sein Lied zur Zulassung der spanischen KP hervorgerufen, und man hoffe, „daß Biermann in dieser Richtung weitermacht und sich aktuellen Erscheinungen in der BRD zuwendet“. [ 13 ]
Wie zufrieden die Stasi mit ihrem Agentenpaar war, geht aus einem von Generalmajor Kienberg bestätigten „Vorschlag“ vom November 1977 hervor, den IM „Willy“ mit einer Geldprämie in Höhe von 500 DM auszuzeichnen. In der Begründung hieß es: „Der IM arbeitet zuverlässig, auf der Basis der politischen Überzeugung mit dem MfS zusammen. Durch eine hohe Einsatzbereitschaft des IM ist es gelungen, Biermann nach dessen Ausbürgerung im Operationsgebiet zeitweilig gut unter Kontrolle zu bekommen. Der IM erarbeitete wertvolle Informationen zur Person des Biermann, dessen Pläne und Absichten sowie der politischen Wirksamkeit. Durch den Einsatz des IM konnten einige geplante Veranstaltungen feindlicher Kräfte und damit die Ausnutzung Biermanns für deren Zwecke verhindert werden.“ [ 14 ] Auch “Christa” wurde den Akten zufolge mit einer Geldprämie von 500 DM ausgezeichnet, weil sie wesentlich dazu beigetragen habe, „daß der Biermann nach seiner Ausbürgerung inoffiziell unter Kontrolle gebracht werden konnte“. [ 15 ]
Nach Überwindung seiner ersten Unsicherheit im Westen befreite sich Biermann jedoch aus dem Einflußgeflecht. In einem Bericht vom November 1977 erfuhr die Stasi, daß es zu einem massiven Streit gekommen sei, weil Biermann Wallraffs damalige Freundin als Agentin der DKP bezeichnet hatte, die zielgerichtet auf ihn angesetzt worden sei. [ 16 ] Im Juli 1978 kündigte er den Vertrag mit seinem Manager und organisierte seine Konzerte hinfort selbst. „Christa“ und „Willy“ teilten der Stasi aber mit, dass sie weiterhin guten Kontakt zu Biermann hätten. [ 17 ] Biermann wollte, wie es in einem MfS-Bericht heißt, „Christa“ und „Willy“ auf der Hülle seiner neuesten Platte sogar seinen Dank für ihre Unterstützung aussprechen. [ 18 ] Wenig später beschaffte „Willy“ der Stasi eine Kopie von Biermanns Stempel. [ 19 ] Kurz darauf versiegten die Quellen „Willy“ und „Christa“ jedoch, weil, wie ihr Führungsoffizier schrieb, im Dezember 1978 der Kontakt zu ihnen „abbrach“ - trotz mehrfacher Mahnungen und telefonischer Zusagen kamen die inoffiziellen Mitarbeiter nicht mehr zum Treff. [ 20 ]
Fußnoten:
[ 1 ] Hauptabteilung XX/5/1: Bericht über [die] durchgeführte Kontaktaufnahme zu Diether Dehm vom 25.6.1971; BStU, ZA, AIM 4166/81, Teil I, Band 1, Bl. 135. Hauptabteilung XX/5: Abschlußbericht zum IM “Willy”, Reg.-Nr. XV/2180/71, vom 1.12.1980; ebenda, Bl. 284.
[ 2 ] HA XX/5/I: Treffbericht PIM “Willy” vom 3.7.1975; BStU, ZA, AIM 4166/81, Teil II, Band 1, Bl. 201-205, hier: 202.
[ 3 ] Hauptabteilung XX/5: Vorschlag zur Werbung vom 15.3.1976, von Generalmajor Kienberg bestätigt; BStU, ZA, AIM 3965/81, Teil I, Band 1, Bl. 31-41, hier: 38.
[ 4 ] [Ohne Autor, ohne Datum:] Komplexauftrag; BStU, ZA, AIM 3965/81, Teil I, Band 1, Bl. 121.
[ 5 ] [Ohne Autor, ohne Datum]: Über gegenwärtige Aktivitäten zur Person Biermann im Operationsgebiet; BStU, ZA, AIM 4166/81, Teil II, Band 1, Bl. 242-246.
[ 6 ] [Oberleutnant Notroff/"Christa":] Hinweise über Aktivitäten Biermanns [...] vom 26.1.1978; BStU, ZA, ZMA XX 20 001, Bd. 8, Bl. 215-218. In handschriftlicher Form ist der Bericht auch in der IM-Akte von “Christa” abgeheftet; BStU, ZA, AIM 3965/81, Teil II, Band 1, Bl. 111-112a.
[ 7 ] Hauptabteilung XX/5: Information vom 3.2.1977; BStU, ZA, AIM 4166/81, Teil II, Band 1, Bl. 238-240, hier: 238f.
[ 8 ] Ebenda.
[ 9 ] Hauptabteilung XX/5: Information vom 8.3.1977; BStU, ZA, AIM 4166/81, Teil II, Band 1, Bl. 261f.
[10 ] Hauptabteilung XX/5: Information vom 8.3.1977 ; BStU, ZA, AIM 3965/81, Teil II, Band 1, Bl. 74-76, hier: 75.
[11 ] Ohne Autor, ohne Datum: Über gegenwärtige Aktivitäten zur Person Biermann im Operationsgebiet; BStU, ZA, AIM 4166/81, Teil II, Band 1, Bl. 242-246, hier: 243.
[12 ] Hauptabteilung XX/5: Information vom 27.4.1977; BStU, ZA, AIM 3965/81, Teil II, Band 1, Bl. 86.
[13 ] Hauptabteilung XX/5: Information vom 13.6.1977; BStU, ZA, AIM 3965/81, Teil II, Band 1, Bl. 87f.
[14 ] Hauptabteilung XX/5: Vorschlag zur Auszeichnung des IM “Willy” vom 4.11.1977; BStU, ZA, AIM 4166/81, Teil I, Band 1, Bl. 191.
[15 ] Hauptabteilung XX/5: Vorschlag zur Auszeichnung des IM “Christa” vom 4.11.1977; BStU, ZA, AIM 3965/81, Teil I, Band 1, Bl. 82.
[16 ] Hauptabteilung XX/5: Information vom 24.11.1977; BStU, ZA, AIM 3965/81, Teil II, Band 1, Bl. 104f.
[17 ] Hauptabteilung XX/5: Information vom 27.9.1978; ebenda, Bl. 173-175, hier: 174.