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Archiv für Mai 31st, 2011

* Merkel ohne Orientierung

Erstellt von DL-Redaktion am 31. Mai 2011

In der ganzen Welt verkündet die Presse heute den Ausstieg der Bundesregierung aus der Atomenergie, derweil im eigenen Land dieses Ereignis nicht gefeiert und die Bewertung vielfach kritisch aufgenommen wird. Im Gegenteil, die Atomgegner kündigen schon weitere Demos gegen das Vorhaben der Regierung an.

An diesen Gesten zeigt sich das tiefe Misstrauen sowohl der Bevölkerung als auch der Opposition an diese Regierung. Sie hat im Laufe der letzten Jahre jeglichen Kredit an Glaubwürdigkeit verspielt, und die Sorge vor einem erneuten Ausstieg aus dem Ausstieg sitzt tief. Allzu oft wurden von der Kanzlerin falsche Entscheidungen getroffen. Eine Person, welche innerhalb eines Jahres aus einer Atompartei eine Antiatompartei macht, ist aufgrund  Ihren konfusen Handlungen zu einem großen Unsicherheitsfaktor und damit unberechenbar geworden.

Dieses Thema hat sich auch der Politologe und Parteienforscher Joachim Raschke in seinen folgenden Artikel angenommen:

Ziellos im Niemandsland

Ist Angela Merkel eine gute Strategin? Die schnelle Antwort heißt: Ja. Aber ihr fehlt etwas Entscheidendes: die Ziele, für deren Verfolgung der ganze Berechnungsaufwand Sinn macht. Merkels sehr reduziertes, sozialtechnisches Profil lässt sich mit drei Ks einfangen: Kalkulation, Koordination, Kanzleramt.

Angela Merkel ist eine Kalkulationsmaschine, die permanent Vorteilsberechnungen anstellt. Weil sie die Rechenarten beherrscht, hat sie bisher alles überlebt, was ihr im Wege stand. Doch eine der Grenzen von Kalkulation ist: Man kann sich verrechnen - vor allem, wenn man unter Zeitdruck steht. So war es bei ihrer Entscheidung für den “Professor aus Heidelberg” 2005, als sie keine Zeit hatte, Folgen und Nebenwirkungen zu bedenken, was sie den sicher geglaubten Wahlsieg kostete. So war es jetzt bei Fukushima, wo sie unter hohem Zeitdruck eine hochkomplexe Entscheidung treffen musste. Mit dem fast begründungsfreien Reißschwenk von der Laufzeitverlängerung zur Stilllegung von Atommeilern hat sie ihre Glaubwürdigkeit definitiv verspielt.

Quelle: TAZ >>>>> weiterlesen

IE

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* Sozial.Zentr. Höxter

Erstellt von UP. am 31. Mai 2011

Pressemeldung des Soziales Zentrum Höxter e.V.

Wir verweisen in diesem Zusammenhang auf die Ursprungsmeldung auf DL

Wir bitten die Textformatierung zu entschuldigen, aber wir konnten den Inhalt nur von einem PDF als Text kopieren. Das Textformat zusätzlich umzustricken ist aufwendig und erfordert Zeit. Das PDF auf unseren Server zu laden, heisst Platz vorhalten, der teuer ist.
Wir schlagen für die Zukunft in solchen Fällen vor, eine Version ohne Umbrüche mit Absatzformatierung zuzusenden. Das PDF als Anhang nutzt nix!
DL-Redak./UP.-admin(tech)

 
 
Höxter 31.05.2011
Wichtige INFO zum Fall M.T. und Jobcenter Kreis Höxter!
Derzeitiger Stand zum Offenen Brief vom 26.05.2011
Heute kam die stellvertretende Geschäftsführerin, vom Jobcenter Kreis Höxter, ins Soziale Zentrum
Höxter e.V. und wir führten mit ihr gemeinsam das Gespräch mit M.T.
Es war von allen Seiten her ein sehr offenes und ehrliches Gespräch, wobei ich nicht ins Detail gehen
möchte. Aber ich weiß, dass die stellvertretende Geschäftsführerin ihr möglichstes tun wird M.T. zu
unterstützen um einen Neuanfang zu starten.
Vorläufiger Stand: das Jobcenter zahlt für die Monate April/Mai 2011 die vollen Bezüge nach und ab
Juni fortlaufend…
Morgen haben wir 8:30 Termin beim Arbeitsberater und man will M.T. tatkräftig unterstützen um in der
Arbeitswelt Fuß zu fassen. In dieser Hinsicht vertraue ich der Stellvertreterin, weil bisher alles was ich
an sie heran trug zur vollsten Zufriedenheit ausging.
Ob M.T. weitere Ansprüche stellen wird liegt nun einzig und allein in seiner Hand. Wir haben unser
möglichstes getan und ich denke wenn wir ihn weiterhin begleiten hat er eine Chance auf ordentliche
Eingliederungen ohne sinnlose Maßnahmen.
Die Sachbearbeiterin bestreitet allerdings vehement gesagt zu haben: er bräuchte gar keinen Antrag
zu stellen, er bekäme eh kein Geld!
Allerdings hat sie dies der Mutter von M.T. ins Gesicht gesagt und ich muss nichts zurück nehmen!
Ich denke mit dem Ergebnis kann ich erst einmal leben.
Wir werden aber auf jeden Fall mit RA darüber ausführlich reden –
Was der junge Mann aber am notwendigsten braucht, ist ein Erfolgserlebnis im Bezug auf Arbeit und
gebraucht werden - dies würde viele Wunden heilen. Ich hoffe er bekommt eine faire Chance und
nutzt diese auch!
Einige Dinge muss M.T. auch mit sich selber ausmachen und versuchen in den Griff zu bekommen,
damit nie wieder Sanktionen verhängt werden oder das Geld ganz aus bleib
Margit Marion Mädel
Vorsitzende
Soziales Zentrum Höxter e.V.
Corbiestrasse 14
37671 Höxter
Tel: 05271 - 4989537

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* Deutschland vs. Islam?

Erstellt von UP. am 31. Mai 2011


Allein die folgende Überschrift provoziert - besonders der 2. Teil: welches Deutschland braucht der Islam?
Es impliziert bei nicht so gebildeten Lesern, also BILD-Lesern, dass Deutschland sich verändern soll, damit der “Islam zufrieden ist” - mal ganz trivial ausgedrückt, also volksnah populistisch. Können wir ja auch mal sein - wegen der Provokation des Lesers. Auf den Teil 1 der Überschrift weiss der BILD-Leser natürlich die Antwort: Gar keinen!
Vielleicht geht einer unserer Leser hin und berichtet, wer wen wie verändern soll.

Welchen Islam braucht Deutschland, welches Deutschland braucht der Islam?

Gritje Hartmann Stiftung Mercator 31.05.2011 09:37

Islamwissenschaftler Mouhanad Khorchide zu Gast bei der Mercator EssensZeit in Essen

Spricht man heute über Islam in Deutschland, ist dies einerseits geprägt durch die Erfahrungen, die die Mehrheitsgesellschaft mit den ehemaligen „Gastarbeitern“ und deren Nachkommen aus muslimischen Ländern gemacht hat, andererseits durch das mediale Bild des Islams und der Muslime. Soziale, ethnische, nationale sowie sicherheitspolitische Ebenen sind dabei mit der religiösen Ebene vermischt.

Mouhanad Khorchide von der Universität Münster wird in seinem Vortrag „Welchen Islam braucht Deutschland, welches Deutschland braucht der Islam?“ dem nötigen und wünschenswerten Perspektivwechsel nachgehen. Dabei stellt er sich folgende Fragen: „Wie kann der Islam und wie können die Muslime die deutsche Gesellschaft bereichern? Wie soll sich der Islam in Deutschland weiterentwickeln und welche Chancen und Möglichkeiten benötigt er dazu?“

Zur Mercator EssensZeit, die die Stiftung Mercator in Kooperation mit der WAZ veranstaltet, laden wir Sie herzlich ein:

Mercator EssensZeit
mit Mouhanad Khorchide
am 8. Juni 2011 von 12.30 bis 14 Uhr
in der Stiftung Mercator, Huyssenallee 46, 45128 Essen

Die anschließende Diskussion moderiert Brigitta Stauber-Klein, Redakteurin im Politikressort der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ).

Hinweis an Redaktionen: Die Veranstaltung ist öffentlich und kostenlos. Wir bitten daher Medienvertreter herzlich, ihre Leser auf die Veranstaltung hinzuweisen. Interessierte können sich unter 0201-245 22 830 oder per E-Mail bei Katrin Nieß (katrin.nieß@stiftung-mercator.de) anmelden.

Presseanmeldung: Wir würden uns freuen, Sie in der Stiftung Mercator begrüßen zu können. Wir bitten Sie um eine Anmeldung unter presse@stiftung-mercator.de bis zum Montag, 6. Juni 2011.

Bei Fragen sprechen Sie uns gerne an:
Marisa Klasen
Kommunikationsmanagerin
Stiftung Mercator
Tel.: 0201-24522-53
klasen@stiftung-mercator.de
www.stiftung-mercator.de

Programm

12.30 Uhr
Eintreffen der Gäste und Imbiss

13.00 Uhr
Eröffnung und Begrüßung
Dr. Bernhard Lorentz, Geschäftsführer, Stiftung Mercator

13.05 Uhr
„Welchen Islam braucht Deutschland, welches Deutschland braucht der Islam?“
Prof. Dr. Mouhanad Khorchide,Universität Münster

13.30 Uhr
Diskussion
Prof. Dr. Mouhanad Khorchide
Brigitta Stauber-Klein (Moderatorin), Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ)

14.00 Uhr
Ende der Veranstaltung

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* Strauss-Kahn & Co

Erstellt von UP. am 31. Mai 2011

Strauß Khan erzeugt Angst, und die ist mehr als berechtigt.

 
Das lese ich heute im Netz. Interessant ist dabei der ‘Freud’sche Versprecher: Strauß Khan; das erzeugt gleichermassen Assoziationen mit dem Khan aus dem alten Mongolenreich, dem unumschränkten Herrscher, der halb Europa unterjochte: Dschingis Khan.
Wobei ich unterstelle, dass die Verfasser so weit nun doch nicht gedacht haben, sondern die Schreibweise einfach ein Dreher ist. Wie auch der Strauß schlicht falsch geschrieben ist. Oder sollte diese Schreibweise auf eine noch nicht bekannte Verschwörungstheorie hinweisen!?

In dieser Kolumne wird auch Berlusconi bedacht, und es wird ein Vergleich mit Strauss-Kahn gezogen, der mehr als hinkt. Dominique Strauss-Kahn wird dabei nicht mit vollem Namen genannt, sondern wie von der Boulevard-Presse - an erster Stelle der Zeitung mit den grossen Buchstaben - mit seinem Markenzeichen “DSK”, was gleichermassen eine Vertrautheit impliziert wie die Kürzel “KT” beim Guggelberger. So nennen ihn “gute Freunde” - darauf einen Ouzo!
Die Ausdrucksweise “DSK” ist gleichermassen anbiedernd und sollte schon aus Gründen der Distanz nicht verwendet werden. “DSK” steht diametral zu der offen dargelegten feministischen Vorverurteilung; denn was genau abgegangen ist, wissen nur zwei Personen, und das wird durch die labil-manipulierbare angelsächsische Gerichtsbarkeit schwer genug sein herauszufinden - nämlich die wirkliche Wahrheit, die in der Regel durch eine konstruierte oft kuhhandelwertige ersetzt wird.
Dafür in hetzerischer Weise in manifestierender Art und Weise das Herrenhaus des Südens zu bemühen, wo der alte reiche Weisse die knackige Baumwollpflückerin begrapscht, ist unter aller Kanone und kommt einr Vorverurteilung gleich, die ihresgleichen sucht. Wenn dabei noch “das alte Muster” an den Haaren herbeigezogen wird, dass Frauen den Frauen in den Rücken fallen, ist für mich der ‘Käse gegessen’.
Damit begibt sich diese Online-Zeitung tief hinab auf das Niveau der allwissenden bekanntesten deutschen Feministin Emma, die im Zimmer war, als Kachelmann mit dem Messer hantierte.
In diesem Zusammenhang kritisiert die langjährige Gerichtsreporterin des ‘Spiegel’, Gisela Friedrichsen, Indiskretionen der Staatsanwaltschaft gegenüber der Presse, die ebenfalls Vorverurteilungen provozieren, wobei der Mediemann Kachelmann gezielt die Medienwirksamkeit für sich einsetzte, was man ihm auch nicht vedenken kann. (…so etwas hatten wir auch schon einmal mit einem sogenannten ‘Medienkanzler’…)

Die erwähnten “Bunga-Bunga” - Parties waren eine “feine Sache” - für Berlusconis bevorstehenden Abgang. Eine Quittung hat er bereits heute mit seinen verlorenen Kommunalwahlen erhalten.
Während der Ära KOHL haben vielleicht viele auf eine solche Gelegenheit gewartet, aber der hat es nicht drauf gehabt oder hat sich nie erwischen lassen wie bspw. Clinton, wobei es bei Kohl auch schwerfällt, geeignete Damen zu entdecken. Der/die eine oder andere mag jemandin dazu einfallen, aber ich gehe davon aus, dass KOHL mindestens einen gewissen Geschmack hatte, wie er sich in seiner jetzigen Ehe positiv darstellt.

Bei den Festen in Berlusconis Villa darf man allerdings nicht vegessen, dass es teilweise Nutten waren, die freiwillig diesen Terz mitmachten und der Begriff “Lolita” erklärt einiges. Es gab schon bedauernswerterweise 13-jährige Mädel, die längst da-her-kamen, wo eine ordentliche deutsche Hausfrau niemals hinkommen wird. Bei Berlussconi floss nicht nur der Sekt in Strömen - auch nicht unbedingt der Samen - sondern mehr die Kohle für das Alibi, dass er es noch “bringt”, der alte Bock. Es sind Frauen - und das darf man nicht vegessen - die sich für solche Trips hergeben; und das seit über 4.000 Jahren. Die daraus ihre Vorteile - sprich: Kohle und “diamonds, the girl’s best friend” - ziehen. Die ordentlichen Männer können nix daran ändern. Und eines dürfte auch klar sein: “DSK” erzeugt keine Angst mehr - wenn er das überhaupt getan hat.

Ganz ausser acht lässt man eine Theorie, die Dominique Strauss-Kahn vor längerer Zeit schon einmal angedeutet hatte, was naturgemäss die selbsterklärten Feministinnen auf die Palme bringen wird: Sein hyper-casanovanisiertes Don Juan-Syndrom würde ihm vielleicht eines Tages einmal zum Verhängnis. Da hatte er vielleicht als Sarkozys sozialistischer Gegenkandidat nicht einmal Unrecht.
Und wie die amerikanische Justiz mit einem alten Mann umgeht, indem sie ihn in Handschellen im wahrsten Sinne des Wortes vorführte, spricht nicht unbedingt für die Unabhängigkeit dieser Justiz!

Letztendlich soll auch der Leser für sich entscheiden, welcher Kategorie diese Geschichte zuzuordnen ist: ist sie kriminell oder sind’s traurige Wahrheiten oder ist es nur Satire …
 
Udo Pahl

Abgelegt unter Kriminelles, Satire, Traurige Wahrheiten | 3 Kommentare »

* Bibi und Jojos

Erstellt von DL-Redaktion am 31. Mai 2011

Heute schreibt Uri Avnery über seine gemachten Erfahrungen mit amerikanischen Kongressabgeordneten und den parlamentarischen Begebenheiten. Er sollte sich als Linker einmal in der deutschen PDL umsehen, dort ist noch weniger an Zivilcourage vorhanden

Es war alles ziemlich ekelhaft.

Sie waren dort, die Mitglieder der höchsten Legislative der größten Supermacht der Welt und sprangen auf und nieder wie so viele Jojos, applaudierten alle paar Minuten oder Sekunden wild zu den unverschämtesten Lügen und Verdrehungen von Binjamin Netanyahu.

Es war schlimmer als im syrischen Parlament während einer Rede von Bashar Assad, wo jeder, der nicht applaudierte, sich im Gefängnis wiederfindet. Oder in Stalins Oberstem Sowjet: wenn man nicht genügend Respekt zeigte, konnte das den Tod bedeuten.

Was die amerikanischen Senatoren und Kongressmänner fürchteten, war ein Schicksal, das schlimmer als der Tod wäre. Jeder, der sitzen blieb oder nicht begeistert genug applaudierte, konnte von der Kamera eingefangen werden – und das bedeutete: politischer Selbstmord. Es genügte, dass ein einziger Kongressmann aufstand und applaudierte, und alle anderen folgten seinem Beispiel. Wer würde es gewagt haben, dies nicht zu tun?

Die Ansicht dieser Hunderte von Parlamentariern, die aufsprangen und wieder und wieder und noch einmal zusammen mit dem Führer applaudieren, der dies gnädigerweise mit einer Handbewegung erwiderte, erinnerte an andere Regime. Nur war es dieses Mal nicht der lokale Diktator, der diese Verherrlichung abnötigte, sondern ein ausländischer.

Der deprimierendste Teil war, dass es kein einziges Kongressmitglied gab – Republikaner oder Demokrat – der es wagte, zu widerstehen. Als ich, ein neun Jahre alter Junge in Deutschland war, wagte ich, meinen Arm nicht zu heben, als alle meine Schulkameraden zum Hitlergruss den Arm hoben und das Horst-Wessel-Lied sangen. Gibt es denn keinen in Washington DC, der dieses bisschen Mut aufbringt? Ist Washington wirklich IOT – israelisch besetztes Gebiet – wie die Antisemiten behaupten?

Vor vielen Jahren besuchte ich den Senat und wurde den führenden Senatoren vorgestellt. Ich war zu tiefst schockiert. Nachdem ich mit großem Respekt vor dem Senat der USA aufgewachsen war, dem Land von Jefferson und Lincoln, stand ich vor einem Haufen aufgeblasener Trottel, viele von ihnen Idioten, die nicht die leiseste Ahnung von dem hatten, über das sie sprachen. Mir wurde gesagt, dass es ihre Assistenten seien, die die Dinge wirklich verstünden.

WAS HAT also der große Mann diesem erlesenen Publikum gesagt?

Es war eine ausgezeichnete Rede, die alle Standardtricks der Professionellen anwandte – die dramatische Pause, der erhobene Finger, die kleinen geistreichen Bemerkungen, wegen der Wirkung wiederholte Sätze. Kein großer Redner, auf jeden Fall kein Winston Churchill, aber gut genug für diese Zuhörer und diese Gelegenheit.

Aber die Botschaft konnte mit einem Wort zusammengefasst werden: NEIN.

Nach ihrem katastrophalen Debakel 1967 trafen sich die Führer der arabischen Welt in Khartum und nahmen die berühmten Drei Neins an. NEIN zur Anerkennung Israels. NEIN zu Verhandlungen mit Israel, NEIN zum Frieden mit Israel. Es war genau das, was sich Israels Führung wünschte. Sie konnten glücklich ihrem Geschäft nachgehen, die Besatzung etablieren und die Siedlungen bauen.

Jetzt hatte Netanyahu sein Khartum. NEIN zur Rückkehr zu den 1967er-Grenzen. NEIN zur palästinensische Hauptstadt in Ost-Jerusalem. NEIN auch zu einer symbolischen Rückkehr von einigen Flüchtlingen. NEIN zum militärischen Rückzug vom Jordanufer. Das bedeutet, dass der zukünftige palästinensische Staat vollkommen von Israels Armee umzingelt sein würde. NEIN zu Verhandlungen mit einer palästinensischen Regierung, die von Hamas „unterstützt“ wird, selbst dann, wenn keine Hamas-Mitglieder in der Regierung sein würden. Und so weiter – NEIN. NEIN. NEIN.

Das Ziel ist klar: sicher zu stellen, dass kein palästinensischer Führer jemals von Verhandlungen träumen kann, selbst bei einem unwahrscheinlichen Fall, dass er für eine andere Bedingung bereit wäre: Israel als „Nationalstaat des jüdischen Volkes“ anzuerkennen – was die Dutzenden jüdischer Senatoren und Kongressleute einschließt, die die ersten beim Hoch- und Runterspringen waren - wie so viele Marionetten.

Netanyahu als auch seine Komplizen und politischen Bettgenossen sind entschlossen, mit allen Mitteln die Errichtung eines palästinensischen Staates zu verhindern. Dies beginnt nicht mit der Politik der gegenwärtigen Regierung – es ist ein Ziel, das tief in der zionistischen Ideologie und Praxis liegt. Die Gründer der Bewegung legten den Kurs fest; David Ben-Gurion handelte 1948 danach, um dies in geheimer Absprache mit König Abdallah von Jordanien zu erfüllen. Netanyahu fügt nur gerade seinen kleinen Teil bei.

„Kein palästinensischer Staat“ bedeutet keinen Frieden, weder jetzt noch später. Alles andere ist Quatsch. All die frommen Sprüche über das Glücklichsein unserer Kinder, Wohlstand für die Palästinenser, Frieden mit der ganzen arabischen Welt, eine glänzende Zukunft für alle, sind genau das – nämlich Quatsch. Wenigstens einige der Zuhörer müssten das bemerkt haben – selbst bei all dem Springen.

NETANYAHU SPUCKTE in Obamas Gesicht. Die Republikaner unter den Zuhörern müssen sich darüber gefreut haben. Vielleicht auch einige Demokraten.

Es kann vermutet werden, dass Obama sich nicht freute. Was wird er jetzt tun?

Es gibt einen jüdischen Witz über einen hungrigen Kerl, der ein Gasthaus betrat und lautstark Essen forderte. Sonst würde er das tun, was sein Vater getan habe. Der ängstliche Gastwirt gab ihm zu essen, und am Ende fragte er zaghaft: „Aber was hat dein Vater getan?“ Er schluckte den letzten Bissen herunter und antwortete: „Er ging hungrig ins Bett.“

Es besteht die gute Chance, dass Obama dasselbe tun wird. Er wird behaupten, dass die Spucke auf seiner Backe Regenwasser sei. Sein Versprechen , eine Anerkennung des Staates Palästina durch die UN-Vollversammlung zu verhindern, beraubt ihn seines wichtigsten Druckmittels gegenüber Netanyahu.

Irgendjemand in Washington scheint die Idee zu haben, Obama solle nach Jerusalem kommen und in der Knesset eine Rede zu halten. Es würde eine direkte Vergeltung sein – Obama würde mit der israelischen Öffentlichkeit über den Kopf des Ministerpräsidenten hinweg reden, so wie Netanyahu sich gerade an die amerikanische Öffentlichkeit über den Kopf des Präsidenten hinweg gewandt hatte.

Es würde ein aufregendes Ereignis sein. Als früheres Mitglied der Knesset würde ich eingeladen werden. Aber ich würde nicht dazu raten. Ich schlug es vor einem Jahr vor. Heute würde ich es nicht mehr tun.

Der offensichtliche Präzedenzfall ist Anwar Sadats historische Rede in der Knesset. Aber das kann man wirklich nicht vergleichen. Ägypten und Israel waren offiziell noch miteinander im Kriegszustand. In die Hauptstadt des Feindes zu gehen, war ohne Präzedenz, um so mehr als nur vier Jahre nach einer blutigen Schlacht vergangen waren. Es war ein Akt, der Israel erschütterte und mit einem Schlag einen ganzen Haufen von Vorstellungen löschte und die Gemüter für Neues öffnete. Keiner von uns wird jemals den Moment vergessen, als die Tür des Flugzeuges sich öffnete und er da war – stattlich und ernst – der Führer des Feindes.

Als ich später einmal Sadat bei ihm zu Hause interviewte, erzählte ich ihm: „Ich wohne in der Hauptstraße von Tel Aviv. Als Sie aus dem Flugzeug kamen, warf ich einen Blick aus dem Fenster. Nichts bewegte sich auf der Straße außer einer Katze – und auch sie suchte wahrscheinlich nach einem Fernseher.“

Ein Besuch Obamas würde ganz anders sein. Natürlich würde er höflich empfangen werden – zwar ohne das zwanghafte Aufspringen und Klatschen – wenn auch wahrscheinlich von Knessetmitgliedern der extremen Rechten durch Zwischenrufe gestört. Aber das würde alles sein.

Sadats Besuch war etwas Einzigartiges. Ein Besuch von Obama wäre etwas ganz anderes. Er würde die israelische öffentliche Meinung nicht erschüttern, es sei denn, er käme mit einem konkreten Aktionsplan – einem detaillierten Friedensplan mit einem detaillierten Zeitplan, unterstützt von klarer Entschlossenheit, das auch durchzusetzen, egal wie hoch die politischen Kosten sein würden.

Noch eine nette Rede, die wunderbar formuliert ist, genügt nicht. Nach der Redenflut der letzten Woche reicht es erst einmal. Reden können bedeutsam sein, wenn sie Handlungen begleiteten, sie sind aber kein Ersatz für Handlungen. Churchills Reden halfen, die Geschichte gestalten – aber nur weil sie historische Taten reflektierten. Ohne die Schlacht um England, ohne die in der Normandie und El-Alamein hätten diese Reden lächerlich geklungen.

Nun, wo alle Wege zum Frieden blockiert sind, bleibt nur ein Aktionskurs: die Anerkennung des Staates Palästina durch die Vereinten Nationen, verbunden mit gewaltfreien Massenaktionen des palästinensischen Volkes gegen die Besatzung. Die israelischen Friedenskräfte werden dabei auch ihre Rolle spielen, weil das Schicksal Israels genau wie das Schicksal Palästinas vom Frieden abhängt.

Sicher werden die USA versuchen, dies zu blockieren, und der Kongress wird auf und ab springen. Aber der israelisch-palästinensische Frühling ist auf dem Weg.

(Aus dem Englischen: Ellen Rohlfs, vom Verfasser autorisiert)

Quelle: Uri Avnery

IE

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