DEMOKRATISCH - LINKS

         KRITISCHE INTERNET-ZEITUNG im MÜNSTERLAND

RENTENANGST

  • Kategorien

  • Archiv

  • __________________________  


  • Meta

  • Abonnieren

  • -------------------------------
    optimiert für FF 1024x768
    -------------------------------
    xxx











  • Seiten

Archiv für Mai 3rd, 2011

* 364-Euro-Regelsatz

Erstellt von UP. am 3. Mai 2011

PRESSEERKLÄRUNG vom 03. Mai 2011

Hartz4-Plattform: Eilklage gegen den neuen 364-Euro-Regelsatz

______________________________________________________________

Fehlerhafte Erfüllung der Anforderungen
des Bundesverfassungsgerichtsurteils vom 9. Februar 2010

„In der letzten Aprilwoche wurde eine von uns unterstützte Eilklage
gegen den fehlerhaft ermittelten und zu geringen Regelsatz von 364 €
beim Sozialgericht eingereicht,“ teilt Hartz4-Plattform Sprecherin
Brigitte Vallenthin mit. „Unsere Bürgerinitiative dankt Dr. Ulrich
Sartorius, Lehrbeauftragter an der Universität Freiburg und langjähriger
Dozent bei der Deutschen Anwalt Akademie, für seine Unterstützung bei
diesem Verfahren. Damit wollen wir im Interesse aller Betroffenen den
schnellst möglichen Rechtsweg beschreiten, damit das
Bundesverfassungsgericht (BVerfG) die Politik an ihre Hausaufgaben aus
dem Hartz IV-Urteil vom 9. Februar 2010 erinnert und nach dessen
Buchstaben ein tatsächliches Grundrecht auf „menschenwürdiges
Existenzminimum“ sicher stellt.“

Der für einen von der Hartz4-Plattform unterstützten Kläger eingereichte
Antrag auf einstweilige Anordnung fußt auf erheblichen Bedenken, die
bereits im Gesetzgebungsverfahren geltend gemacht wurden und verweist
auf die Ausschussdrucksache des Ausschuss für Arbeit und Soziales vom
16.11.2010, 17 (11) 309 sowie verfassungsrechtliche Einwendungen von
Münder, Prof. Dr. jur. Johannes Münder, Technische Universität Berlin.

Der Schriftsatz beruht auf einem von Anwältinnen und Anwälten der
Arbeitsgemeinschaft Sozialrecht im Deutschen Anwaltverein (DAV)
erstellten Musterschriftsatz, der mit weiteren Musterschriftsätzen zum
SGB II demnächst veröffentlicht wird. Deren Inhalte stehen dann den mehr
als 1.000 Anwältinnen und Anwälten zur Verfügung, die Mitglieder der
DAV-Arbeitsgemeinschaft Sozialrecht sind.

Tenor der Klage ist:

„Die Ermittlung und Festlegung des Regelbedarfs entspricht nicht den
Anforderungen, die das BVerfG dem Gesetzgeber aufgegeben hat.“ Ihnen
„genügen die Neuregelungen in mehrfacher Hinsicht nicht.“

Im Einzelnen begründet die Klage unter anderem:

- Die „Fehlerhaftigkeit in qualitativer Hinsicht“ und „Bedenken in
quantitativer Hinsicht“ bezüglich der „Festlegung der Referenzgruppe“ -
u.a. auch des Splitting in die unteren 15% für Einzelpersonen und 20 %
für Familien-Haushalte.

- „Die EVS 2008 ist als Datengrundlage nicht ausreichend“ - im
Unterschied zu derjenigen von 2003. Bei der „ging das BVerfG davon aus,
dass die Einkommens- und Verbrauchsstichprobe in statistisch
zuverlässiger Weise das Verbrauchsverhalten der Bevölkerung abbilde.“ Im
Ergebnis: „Die zu ermittelnden Werte können nicht zuverlässig aus der
Einkommens- und Verbrauchsstatistik abgeleitet werden, da keine eigenen
statistischen Erhebungen der Bundesregierung zu den Bedarfen vorgenommen
wurden.“ Und: Dem „Verfahren zur Ableitung der Regelsätze“ mangelt es an
„ausreichender Transparenz.“

- „Die Problematik von Abschlägen“ infolge der „Vermischung
Warenkorb/Statistikmodell“ führt zu einer „Größenordnung der
Reduzierung“ des Regelsatzes, die es ausschließt, „einen
überdurchschnittlichen Bedarf in einer Position durch einen
unterdurchschnittlichen Bedarf in einer anderen Position auszugleichen.
(…) Hinzu kommt, dass die Abschläge immer auch Personen treffen, die
diese ausgaben nicht haben.“

- Zum häufigst zitierten Streichen von Tabak und Alkohol: „Vielfach ist
der Konsum von Bier und Wein (…) Bestandteil einer regionalen Kultur
(z.B. Oktoberfest, Winzerfeste). (…) Es gibt sehr wenige Veranstaltungen
im privaten und öffentlichen Bereich, in denen die Zugehörigkeit zum
gesellschaftlichen Leben nicht auch dadurch geprägt ist, dass man in der
Lage ist, die Kosten für ein Getränk, das auch Alkohol enthält,
aufzubringen, wie das Bier beim Schauen einer Sportveranstaltung, einer
Musikveranstaltung (…), die grundsätzlich auch Empfängern von Leistungen
nach dem SGB II nicht vorenthalten bleiben dürfen.“

- „Ausdrücklich gegen die Vorgabe des BVerfG verstößt die Berechnung des
Bedarfs für Verkehr.“ Dabei sind „die Personen, die ein Auto fahren,
herausgerechnet worden (…) ein deutlicher statistischer Fehler, der zu
einem erheblich falschen Ergebnis (…) zu einer Verfälschung nach unten
führt.“

- „Weiter gehören (…) unter Missachtung der tatsächlichen Gegebenheiten
die Stromkosten immer noch nicht zu den Kosten der Unterkunft“ und es
ist „ebenfalls systemwidrig (…), diese Kosten weiterhin im Regelsatz zu
belassen.“

„Wir hoffen mit dieser überzeugenden Eilklage auf eine absehbare
Entscheidung und Klarstellung des Bundesverfassungsgerichts bezüglich
des Grundrechts auf ein menschenwürdiges Existenzminimum,“ so Brigitte
Vallenthin.

Fußnote:
Alle kursiv gesetzten Zitate sind der Antragsschrift zur einstweiligen
Anordnung entnommen.

Wiesbaden, 03. Mai 2011

Brigitte Vallenthin
Presse
Hartz4-Plattform
keine Armut! - kein Hunger! - kein Verlust von Menschenwürde!
Bürgerinitiative für die Einführung des Bedingungslosen Grundeinkommens
sowie die Information und Unterstützung von Hartz IV-Betroffenen

0611-172 12 21
0160-91 27 94 65
info@hartz4-plattform.de
www.hartz4-plattform.de
www.grundeinkommen-wiesbaden.de

Abgelegt unter Gewerkschaften, HARTZ IV, Kriminelles | 1 Kommentar »

* bin Laden II

Erstellt von UP. am 3. Mai 2011

UPDATE 3. Mai 2011 - Weitere Pressestimmen

OV: MEINE MEINUNG: Ein deutliches Zeichen - von Dirk Dasenbrock

Vechta (ots) - Es hat fast zehn Jahre gedauert. Wenn man in Rechnung stellt, mit welcher Macht, welchem Wissen, welchen Ressourcen die größte Militär- und Geheimdienstmacht der Welt ihren erklärten Staatsfeind Nummer Eins verfolgte, ist das eine unglaubliche Zeitspanne. Entdeckt und getötet in einem offiziell “befreundeten” Land. Im Pulverfass Pakistan. Was wieder nur verdeutlicht, dass es keinen “Krieg” gegen Terrorismus geben kann. Die Besetzung, auch Befreiung Afghanistans hat nicht zu Bin Laden geführt. Terroristen können nur in koordinierten Polizei-, Militär- und Geheimdienstaktionen gejagt und aufgespürt werden.

Für Obama, so der allgemeine Tenor, bedeutet dieser Schlag gegen Al-Kaida einen enormen Erfolg - auch mit Blick auf die im nächsten Jahre anstehenden Präsidentenwahlen in den USA. Das glaube ich nicht. Bis dahin fließt noch viel Wasser den Mississippi hinunter. Und am Ende entscheidet nicht die Außenpolitik, sondern die wirtschaftliche Lage der Nation. Oder wie es Bill Clinton u formulierte: “It’s the economy, stupid!” Der Tod des Terroristen ist keine Garantie auf Wählerstimmen. Auch keine Garantie auf allgemeine Befriedung im Kampf gegen Terror. Vergeltung steht zu befürchten. Aber ein Signal, ein deutliches Zeichen bleibt er schon.

Im übrigen hatten die Bilder der Siegerpartys in New York und Washington etwas durchaus obszönes. Als ginge es um den Super Bowl im Football. Stilles Gedenken am Ground Zero wäre angemessener gewesen.

Osama bin Laden ist tot. Der militante Islamismus ist es noch lange nicht. Dieser Kampf geht weiter.

Pressekontakt:
Oldenburgische Volkszeitung
Uwe Haring

Die “Party” am Ground Zero hatte nicht nur etwas obszönes - es war einfach nur peinlich und vulgär: The american way of life
DL-Red./UP.

+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

nachfolgend noch ein sehr kompetenter Kommentar der OV

OV: MEINE MEINUNG: Viel zu populistisch - von Damian Ryschka

Vechta (ots) - Ob es uns passt oder nicht - über eines werden wir nachdenken müssen: Im Fall Osama bin Laden geht es um den Tod eines Menschen. Ein Tod, der absichtlich herbeigeführt wurde.

Und damit stellt sich eine Grundsatzfrage: Dürfen Menschen so etwas tun? Darf ein Leben ausgelöscht werden - auch wenn dies bedeutet, dass möglicherweise das Leben Tausender geschützt wird? Und was legitimiert eine Nation wie die USA - bei allem Verständnis für deren Situation -, Personen zu eliminieren?

Uns Menschen ist es gegeben, den Tod von anderen Menschen zu bewerten: Wir sprechen von Erleichterung zum Beispiel dann, wenn ein schwerkranker Mensch gestorben ist. Wir freuen uns, wenn dem Bösen im James-Bond-Streifen endlich der Garaus gemacht wird. Und wir ärgern uns, dass sich Adolf Hitler durch seinen Freitod der Gerechtigkeit entzogen hat.

Mithin können Meinungen über den Tod aber auch problematisch sein. Kanzlerin Angela Merkel hat laut Medien erleichtert auf den Tod Bin Landes reagiert. Außenminister Guido Westerwelle hat den Tod des Terroristen gar begrüßt.

Dürfen die Vertreter eines Landes, das die Todesstrafe aus seinen Gesetzen gebannt hat, sich so äußern? Nein!

Christen dürfen nicht froh über den Tod eines Feindes sein, das entspricht weder den Forderungen der Religion noch den Ideen unserer Demokratie. Dass sich unsere Politiker populistischer geben, als uns lieb ist, daran haben wir uns gewöhnt. Im Fall Osama bin Ladens sind die Bewertungen allerdings geschmacklos.

Pressekontakt:
Oldenburgische Volkszeitung
Uwe Haring

Sorry - die Pastorentochter, auch Hosenanzug genannt, hat nicht ‘erleichtert’ reagiert, sondern wortwörtlich - ich zitiere: “Ich freue mich, dass es gelungen ist, Bin Laden zu töten” von sich gegeben (Originalton WDR2 am 2.5.11).
Und Westerwelle - das ist der, der Aussenminister spielt - ist nur inkompetent - der arme Kerle!
DL-Red./UP.

Abgelegt unter Internationales, Kriegspolitik | 1 Kommentar »

* Der arabische Frühling

Erstellt von DL-Redaktion am 3. Mai 2011

Den Volksaufständen in der arabischen Welt versucht die Journalistin Seyla Benhabib in diesen Artikel auf den Grund zu gehen. Aufgrund der Sparmaßnahmen mit welchen in Europa vor allen Dingen die Lohnempfänger gebeutelt werden, stellt sich hier auch die Frage wann die Unruhen wie schon in Griechenland und Frankreich geschehen auch Deutschland erreichen werden.

Die Massen mutiger Menschen in der arabischen Welt, von Tunis bis zum Tahrir-Platz, von Jemen und Bahrain bis nach Bengasi und Tripolis, haben unsere Herzen erobert. In den Vereinigten Staaten und in Europa ist der Winter der Unzufriedenheit jedoch nicht vorbei: Weder hat der arabische Frühling den unbarmherzigen Angriffen konservativer Politiker auf die materiell Schwächsten in den USA Einhalt geboten, noch hat der Aufstieg eines politisch verbrämten Neonationalismus in Deutschland und Frankreich ein Ende gefunden, die beide versuchen, ihre nationalen Sparmaßnahmen allen Lohnempfängern in der Europäischen Union aufzuzwingen. Dennoch sprießen selbst in einigen amerikanischen Bundesstaaten frische Schösslinge aus dem gefrorenen Boden: Wochenlang kämpften die Beschäftigten im öffentlichen Dienst in Wisconsin gegen den Verlust ihres Rechts auf Tarifverhandlungen, und ähnliche Aktionen sind für Indiana, Ohio und andere Bundesstaaten angekündigt. Im Internet macht das Foto eines Plakats, das ein ägyptischer Demonstrant hochhält, die Runde. Auf dem Plakat steht: „Ägypten unterstützt die Arbeiter in Wisconsin: Eine Welt, ein Leid“. Ein Einwohner von Wisconsin antwortete: „Wir lieben Euch. Danke für die Unterstützung und Glückwunsch zu Eurem Sieg!“

Natürlich kämpfen die Demonstranten in Wisconsin und die tunesischen und ägyptischen Revolutionäre für unterschiedliche Ziele. Erstere widersetzen sich ihrer weiteren Ruhigstellung und Demütigung, durch die sie in den vergangenen 20 Jahren aufgrund der verheerenden Auswirkungen des amerikanischen und des globalen Finanzkapitalismus beinahe zu gefügigen und mutlosen Stubenhockern gemacht worden sind. Die arabischen Revolutionäre hingegen kämpfen für demokratische Rechte, einen freien öffentlichen Raum und den Anschluss an die moderne Welt nach Jahrzehnten der Lügen, Isolation und Täuschung. In beiden Fällen aber wurde Hoffnung auf Wandel geweckt: Die politischen und wirtschaftlichen Ordnungen sind zerbrechlich und für Veränderungen empfänglich.

Eine neue Freiheitsordnung

Quelle: Blätter >>>>> weiterlesen

IE

Abgelegt unter Internationales | Keine Kommentare »

* Linke RLP Emali Thesen

Erstellt von Bernd Wittich am 3. Mai 2011

Arbeitspapier

Krisensymptome in der Partei DIE LINKE:

Hungerstreik, Ausschlussanträge, Ausschlüsse, Abwahlforderungen, Rücktritte, Austritte, eine stagnierende Mitgliederentwicklung, unerwünschte Pressebeiträge, eine horrende Parteiverschuldung, fortgesetzte Lagerkämpfe, Passivität und Orientierungslosigkeit kennzeichnen die Krise der Partei.

Erscheinungsformen und Ursachen der Krisenphänomene.

1. Die absolute Mehrheit der Mitglieder ist mit dem politischen Ertrag des Wirkens die Partei DIE LINKE im Land und in der Mehrzahl der Kreise unzufrieden. Das linke Projekt hat seinen Glanz, seine Anziehungskraft verloren.

2. Die Mehrheit der Parteimitgliedschaft wünscht politische Orientierung und Führung. Dem wurde und wird nicht ausreichend entsprochen.

3. Die Führung der Landespartei und die Tätigkeit der meisten Kreisvorstände hat bisher nicht die Förderung von Beteiligung, die Förderung von Emanzipation angestrebt. Die Förderung von Lernprozessen zur politischen Befähigung, um das politisch Gewollte auch zu können, wird grob vernachlässigt. Es fehlt an Ermutigung zum selbständigen unabhängigen linken politischen Denken und Handeln. Wir entwickeln bisher nicht zielstrebig und auf breiter Basis Menschen zu linken Politikern, Funktionsbesetzungen sind oft zufällig, intransparent und von persönlichen Ergebenheiten bestimmt. Frauen- und Jugendförderung findet nicht statt.

4. Die Zahl der Aktiven und Qualifizierten ist für die gestellten Aufgaben zu gering und ist durch eine autoritäre Politik (mit mangelnden Beteiligungsmöglichkeiten) noch verringert worden. Die Partei hat bisher keine wirksame parteiinterne Bildungswerbung und Bildungsarbeit für ihre Mitglieder. Ein erheblicher Teil der Mitglieder ist der Partei aus „gefühlten“ Gründen verbunden. Das politische Wissen ist für eine linke Parteipolitik und sachkundige Diskurse zur Kommunal-, Landes- und Bundespolitik häufig völlig unzureichend. Die politisch-inhaltlichen Bindungskräfte für die Mitgliederbasis und um vieles mehr für die WählerInnenbasis sind höchst instabil.

5. Die politischen Misserfolge der Landespartei (Wahlniederlage, Kampagnenunfähigkeit, mangelnde Attraktivität durch Dauerkonflikte zwischen zwei politischen und persönlichen Lagern) führten zu Austritten, mangelhaften Neueintritten und zur Passivität bisher aktiver Mitglieder.

6. Die emanzipatorischen Kräfte sind in der Partei eine Minderheit und bisher nicht ernsthaft organisiert. Auch Persönlichkeiten einer möglichen „dritten Kraft“ – souverän, selbstbewusst und unabhängig von den beiden Lagern, agieren bisher nicht hinreichend förderlich für emanzipatorische Entwicklungen in der Landespartei.

7. Die Landesvorsitzenden führen die Partei nicht politisch. Wesentliche Entscheidungsprozesse sind weiterhin intransparent. Eine sachkundige, konsequente und nachhaltige Organisations- und Personalpolitik zur innerparteilichen Entwicklung wird weder geführt, noch findet sie bisher – auch nicht in Ansätzen – statt. Bisher verweigern sich die Landesvorsitzenden, der Landesvorstand und die Anführer der Lager einer realistischen Einschätzung der Krisensituation der Partei. Es gibt eine Tendenz zur Schönfärberei und zur Benennung falscher Krisenursachen, um von (Mit)verantwortlichkeiten abzulenken oder einfach aus fehlender politischer Urteilsfähigkeit und unzureichender sozialer und politischer Kompetenzen.

8. Extreme Protestformen (Hungerstreik), Ausschlüsse, Ausschlussanträge und andere Schiedsverfahren, sowie Rück- und Austritte und unerwünschte Pressebeiträge sind vorrangig die Folge fehlender demokratischer Meinungs- und Willensbildungsprozesse in der Partei. So wird zum Beispiel auf Intransparenz, auf unterdrückte Parteiöffentlichkeit für abweichende kritische Meinungen folgerichtig mit medialer Öffentlichkeit reagiert!

(Erst im Ergebnis demokratischer Meinungs- und Willenbildungsprozesse, insbesondere bis hinunter zur Kreisebene, sind mit den Mitgliedern ihnen verständliche, nachvollziehbar Entscheidungen zu fällen. Erst dann kann es politisch wirksam und angemessen sein, sich von Persönlichkeiten, die lügen, die politisch die Partei schädigen, die ihre Funktionen für persönliche und parteifremde Interessen missbrauchen, die in der Partei „zersetzend“ wirken und Persönlichkeitsrechte anderer vorsätzlich verletzen, die keine Verantwortung für ihre Handlungen übernehmen wollen zu trennen. Verfahren vor der LSK oder der BSK kann diese politischen Klärungsprozesse weder überspringen, noch ersetzen.)

9. Nichtöffentlichkeit für die Probleme der Partei fügt dieser mittelfristig größeren Schaden zu, als Öffentlichkeit im Interesse einer (vorgetäuschten) Einheit und Geschlossenheit, mit der die Entwicklung der Partei nachhaltig be- und verhindert wird. (Der Weg an die politische Öffentlichkeit, an die BürgerInnen bzw. WählerInnen mit Berichten und Stellungnahmen zur Situation der Partei ist dann legitim und notwendig, wenn die innerparteiliche offene und damit transparente Diskussion und Information verhindert wird.)

10. Die Führungskultur der Bundespartei und der dort praktizierte Umgang mit politischen Widersprüchen und personellen Konflikten bietet kein positives Vorbild. Die Bundespartei unterschätzt die organisations- und personalpolitische Entwicklung auf der Bundes- und Landesebene, sowie in den Kreisen für die Politikfähigkeit und nachhaltige Wirksamkeit der Partei.

11.   Die MdB aus Rheinland-Pfalz haben einen bedeutenden Anteil an der Entstehung und Eskalation der innerparteilichen Konflikte in der Landespartei.

12.   Die Auswahl der Delegierten für die Landesparteitage und den Landesparteirat verstärkt(e) die antiemanzipatorischen Tendenzen in der Landespartei. Diese Parteiorgane sind bisher ihren Aufgaben zur Parteientwicklung unzureichend nachgekommen.

13.  Die Arbeit mit den kommunalen Mandatsträgern und den Mitgliedern und SympathisantInnen in Ausschüssen wurde grob vernachlässigt. Es fehlt bisher an ausreichenden Weiterbildungsangeboten, aber auch an aktiver Bildungsnachfrage, am Erfahrungsaustausch, an der Popularisierung der Erfahrungen der Besten.

(Unsere kommunalpolitische Arbeit braucht mehr Rückkopplung zu unseren WählerInnen, eine aktiver Einbeziehung der BürgerInnen und eine wirksamere Öffentlichkeitsarbeit.)

14.  Die Parteiverschuldung ist auch Ergebnis einer selbstgefälligen, selbstherrlichen, intransparenten Führungskultur im Landesvorstand der Partei DIE LINKE. Die Mitgliedschaft duldete Intransparenz, personalpolitische Alleingänge und fehlende politische Klarheit für die Prioritäten bei der Verwendung der finanziellen Mittel der Partei. Die Überziehung der Wahlkampfkosten zeigt an, dass die Landesführung und insbesondere die Wahlkampfverantwortliche, Genossin Theisinger-Hinkel, dazu neigen, mit dem Einsatz von Geld fehlende politische Wirksamkeit, fehlende Aktivität der Parteimitglieder zu kompensieren. (Es ist höchste Zeit, dass die Mitgliedschaft vom Landesvorstand und von der Landesfinanzrevisionskommission über die konkrete Haushaltslage, die konkreten Ursachen und die dafür Verantwortlichkeiten in Kenntnis gesetzt werden.)

Folgerungen – Kurze Thesen zur Überwindung der Parteikrise

1. Realistischere, bescheidenere Politikziele und politische Ansprache, keine Selbstzufriedenheit!

2. Die innerparteiliche Entwicklung, die Re-Demokratisierung der Partei sind als eine wesentliche, nicht hintergehbare Voraussetzung für politische Wirksamkeit der Partei zu begreifen und in all ihren Praktiken anzunehmen. Die Aktivitäten der Partei(mitglieder) müssen innerparteilich und gesellschaftlich in Richtung Emanzipation wirken! Es geht nicht um „Fair Play“ für ein sportives Spiel mit Regeln, welches stets Verlierer und Gewinner kennt, sondern es geht um Solidarität, um gegenseitige Hilfe, um produktive Kooperationsfähigkeit! „Fair play“ ist nicht der Bezugspunkt für eine solidarische innerparteiliche Kultur.

3. Alle Aufmerksamkeit gehört der nachhaltigen Personalentwicklung, der politischen Bildung und des Erfahrungsaustausches der gewählten Funktionäre und MandatsträgerInnen, zu kompetenten, selbstbewussten linken PolitikerInnen!

4. Intensive Arbeit, persönlicher Kontakt insbesondere mit den Neumitgliedern, um deren aktive Mitwirkung zu erhalten oder zu erreichen!

5. Konzentration auf linke Kommunalpolitik, auf enge Verbundenheit mit den BürgerInnen durch Erfahrungsaustausch, Medienarbeit und eine kreative Bündnispolitik!

6. Gewinnung von neuen Mitgliedern, aus bisher nicht erreichten sozialen Schichten und politisch-kulturellen Milieus. Als eine Partei, die überwiegend in ihrer Mitgliedschaft und in ihren politischen Zielen auf die Ausgegrenzten, der „Opfer“, der „Verlierer“ durch marktradikaler Politik, auf die Resginierten (NichtwählerInnen) setzen würde, hätte DIE LINKE keine politische Zukunft.

7. DIE LINKE braucht eine politisch qualifizierte Vorstandstätigkeit im Land und in den Kreisen! Wir brauchen Bereitschaft zur Verantwortungsübernahme, die Verpflichtung und Bereitschaft zur Rechenschaft, zur Transparenz des politischen Handelns aller Akteure und Strukturen. In der Partei DIE LINKE darf die Diskrepanz von politisch verbal Gewolltem und politisch praktisch Gekonnten nicht länger ein Tabu sein. Man muss können, was man will bzw. bereit sein hart und kollektiv sich das notwendige Wissens, der sozialen Kompetenzen und der eigenen Persönlichkeitsentwicklung zu arbeiten. Dafür braucht es in der Partei einen respektvolleren, achtsamen, wertschätzenden Umgang mit jedem Mitglied, jeder SymphatisantIn, mit den BürgerInnen und den Akteuren der politischen Mitbewerber im parlamentarischen System. DIE LINKE muss gezielt und qualifiziert ehrenamtliches/freiwilliges Engagement fördern. Die Arbeit der Besten ist in der Partei systematisch bekannt zu machen und zu würdigen. Funktionäre und andere Mitglieder, die Menschen entmutigen und in ihrem Engagement behindern, sind parteiöffentlich zur Verantwortung zu ziehen.

8. DIE LINKE entwickelt sich entweder zu einer Partei mit politisch gebildeter und überdurchschnittlich aktiver Mitgliedschaft, zu einer Partei lernender Mitglieder oder sie hat politisch keine reale Chance zu überleben! Dazu benötigt sie auch zahlreiche Mitglieder aus anderen, weniger traditionellen, politisch-kulturellen Milieus, als aus den bisher erreichten!

9. DIE LINKE nutzt entweder die Ansätze ihres pluralen Charakters als Produktivkraft, indem sie mittelfristig eine Partei der Diskurse, der Diskussion, der Meinungs- und Willensbildung wird (und nicht eine Partei in der Mehrheiten bloß nach Gefühl oder persönlicher Gefolgschaft „organisiert“ werden) oder sie hat ihre organisationspolitischen Existenzgrundlagen verspielt.

10. Die heutige Partei DIE LINKE wird von den BürgerInnen nicht aktiv gefordert und nachgefragt. Als linkes Projekt neben der SPD und den GRÜNEN hat sie nur eine Chance, wenn sie Solidarität, Emanzipation und Demokratisierung praktiziert und so in die Gesellschaft ausstrahlen kann und in der Gesellschaft breiter verankert ist.

11. Die heutige Partei DIE LINKE ist nicht das kreative Zentrum linker Politik. Die Fehlentwicklung der Partei führt zu dem Schluss, dass DIE LINKE die Entfaltung linker Potenziale in der deutschen Gesellschaft gegenwärtig mehr/eher behindert, als sie diesem politischen Anliegen förderlich wäre. Emanzipationsprozesse finden gegenwärtig in der Gesellschaft, außerhalb der Partei, umfassender und tief greifender, als in dieser statt.

12. DIE LINKE ist nur ein Teil der Linken in Deutschland und mit diesen bisher weder ausreichend mit der Linken im Gespräch, mit ihr vernetzt, noch durchgängig akzeptiert und anerkannt. DIE LINKE braucht „Erdung“ unter den BürgerInnen und den Linken.

13. Eine Partei kann nicht beliebig, nach Wunschzettel, wirken und gestaltet werden. Ihre Entwicklung und Wirksamkeit hängen entscheidend von der gesellschaftspolitischen Situation und deren angemessner Einschätzung/Wahrnehmung ab und ganz besonders von den Interessen und den Potenzialen ihrer Mitgliedschaft, dem erreichten Grad der Emanzipation jedes Mitgliedes ab!

Wenn die gegenwärtige Krise der Partei DIE LINKE eine Chance zur funktionellen, personellen und strukturellen Reorganisation und Re-Demokratisierung der Partei werden soll, dann ist das Entscheidende, dass für die Fehlentwicklungen der vergangenen Jahre (!) konkret, persönliche und kollektive Verantwortung auf Landesebene und in den Kreisen öffentlich vor der gesamten Partei und ihren Mitgliedern übernommen wird. Ein aussichtsreicher Blick nach vor kann nur gelingen, wenn allseits und konkret selbstreflexiv zurück, auf die Vergangenheit geschaut wird. Keine Zukunft ohne Vergangenheit! Ohne den Blick wird es keine tragfähigen Lehren für ein erfolgreicheres linkes politisches Handeln geben!

Abwahlen, Rücktritte, Austritte, Presseartikel und Schiedsverfahren (Ausschlussanträge) sind keine geeigneten Wege um die Partei nach vorn zu bringen, solange es nicht gelingt an der Basis unter reger Beteiligung der Mitglieder selbstreflexive politische Meinungs- und Willensbildungsprozesse in Gang zu bringen. Erst im Ergebnis eines demokratischen Diskurses können demokratische Entscheidungen zu den zukünftigen Verantwortungsträgern in Parteifunktionen reifen.

Dieser Re-Demokratisierungsprozess wird erst dann abgeschlossen sein, wenn auch in der Vergangenheit zu Unrecht diffamierte Persönlichkeiten, ausgegrenzte und ausgeschlossene Mitglieder und Sympathisanten der Partei rehabilitiert sind, wenn sich die dafür Verantwortlichen öffentlich entschuldigt haben.

Auch die Diskussion dieser Thesen bedarf der „Unterfütterung“ mit konkreten politischen, sozialen und psychologischen „Daten“ zur Landespartei und zu ihren konkreten Akteuren im Land und in den Kreisen. Verstehen sie dieses Paper bitte als einen Entwurf, als Anregung zu einer notwendigen Diskussion um konkrete Veränderungsprozesse in der Personal- und Organisationspolitik der Partei DIE LINKE Rheinland-Pfalz.

Der Autor und sicher auch die Hauptakteure von EmaLi Rheinland-Pfalz sind bereit, diese Diskussion an der Basis und mit dieser, sowie mit den Vorständen zu führen.

Für eine achtenswerte, seriöse, starke und kreative Partei DIE LINKE in der deutschen und internationalen Linken!

Bernd Wittich Ludwigshafen, 1. Mai 2011

Abgelegt unter L. Rheinland-Pfalz, P. DIE LINKE | 2 Kommentare »