DEMOKRATISCH - LINKS

         KRITISCHE INTERNET-ZEITUNG im MÜNSTERLAND

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Archiv für Dezember 25th, 2010

* Linke Netchattiquette ?

Erstellt von Dieter Carstensen am 25. Dezember 2010

“Links” denkende Menschen sind nicht unbedingt als nicht streitlustig bekannt. Ist auch gut so, denn aus einem sachlichen Disput und/oder Streit um unterschiedliche politische Meinungen und Positionen kann sich etwas fruchtbares, gemeinsames entwickeln, solange man fair miteinander umgeht. Leider stelle ich im Internet sehr häufig fest, dass gerade “links” denkende Menschen keine Hemmungen haben, andere Menschen bis zur Weißglut zu provozieren. Brauchen wir einen “Internet Knigge” für “links” denkende Menschen?

Der Begriff “Streitkultur” sollte m. E, jedem ´”links” denkenden Menschen geläufig sein.

“Links” ist für mich immer mit Demokratie und Sozialismus verbunden, mit der Gedanken- und Meinungsfreiheit des Anderen.

Wikipedia schreibt zur “Streitkultur”: “Streitkultur zu besitzen bedeutet: mit Worten und Medien den eigenen Standpunkt vertreten zu können, ohne dem Anderen abzusprechen, dass auch er einen abweichenden Standpunkt besitzt und besitzen darf. Streitkultur schließt ferner die Überzeugung ein, dass der Streit grundsätzlich Positives bzw. Bedeutendes hervorbringen kann, da er alte Normen und Fakten in Frage stellt und nach der Möglichkeit von Alternativen Ausschau hält, unabhängig davon wie nützlich oder angemessen das Bewährte auch ist.”

Mir fällt in vielen “linken” Internetblogs und Zeitungen auf, dass es in diesem Sinne, wenn überhaupt, fast gar keine “Streitkultur” gibt.

Da wird munter aufeinander losgedroschen, häufig unter der Gürtellinie, und es wird immer wieder versucht, die eigene Position um nahezu “jeden Preis” durchzusetzen. Mir fällt dabei häufig auf, wenn ich diese “Diskussionen” im Internet verfolge, dass das Hauptziel der Beteiligten zu sein scheint, um jeden Preis recht zu bekommen und derjenige der den meisten Applaus im Internet bekommt, von anderen Usern, sitzt dann zuhause an seinem PC und fühlt sich gut:

Er hat GEWONNEN!

Was hat er denn gewonnen? Schon die alten Griechen nannten einen solchen “Gewinn” einen “Pyrrhussieg.”

Wikipedia schreibt dazu:

“Im ursprünglichen Sinne geht der Sieger aus dem Konflikt ähnlich geschwächt hervor wie ein Besiegter und kann auf dem Sieg nicht aufbauen”

Für mich bedeutet “links” denken, als demokratischer, linker Sozialist, den anderen Menschen, auch in einem politischen Streit, ernst zu nehmen und seine Argumente zu verstehen zu versuchen. Ich habe nichts davon, einen anderen Menschen argumentativ “platt” zu machen, weil ich dann zwar in der Sekunde, wo es mir gelungen ist, was bei meinen rhetorischen Fähigkeiten ein Leichtes ist, im Internet dann auch noch Applaus von unkundigen Claqueren zu bekommen und gleichzeitig einen Menschen so vor den Kopf zu stoßen, dass er nie wieder zu einer offenen, sachlichen Auseinandersetzung bereit ist.

Der von mir sehr geschätzte Liedermacher Hannes Wader hat auf dieses Dilemma mal in seinem Lied, “Eine, die Du nicht kennst”  mit den Worten hingewiesen, “Recht zu haben, wie weh das tut”

Und da sind wie bei der Internetetiquette für “links” denkende Menschen:

Mit mir gehen auch manchmal die Pferde durch, leider, ich bin nicht fehlerfrei und ich lange dann auch mal mit Worten im Internet deftig zu, obwohl ich wissen sollte, dass ich damit das Gegenteil erreiche.

Aber ich bemühe mich, sachlich, freundlich und höflich zu bleiben, zum Einen Aus Respekt vor meinem Gegenüber, auch im Internet, und zum anderen, weil ich weiss, wenn ich anders handel, macht mein Gegenüber “dicht” und weg ist er. Dann ist kein Gespräch mehr möglich.

Pyrrhussieg halt. “Links” denken und handeln fängt für mich in solchen, scheinbaren “Kleinigkeiten” an.

Mein Ziel ist, auch andere Menschen für einen demokratischen Sozialismus zu gewinnen. Dafür kann ich andere aber nur gewinnen, wenn sie schon im kleinen Umgang miteinander fühlen, spüren und wahrnehmen, dass ich sie so annehme, wie sie sind, sie ernst nehme und einzig in der Sache argumentiere, ohne jemals die Person des Gegenübers anzugreifen oder bloßzustellen.

Das Internet ist eine nicht zu unterschätzende Chance, aber auch eine Gefahr, wenn man sich seines Handelns und der Verantwortung der dort getätigten Aussagen anderen Menschen gegenüber nicht bewusst ist.

Als Sozialarbeiter weiß ich, manchmal denke ich “leider”, zu viel darüber, wie Menschen, auch im Internet so ticken.

Mein Gegenüber im Internet kann arm, hilflos, traurig, einsam, schüchtern, zurückhaltend sein, oder auch ein Miesepeter.

In jedem Fall trage ich Verantwortung für den Umgang mit meinem Internetgegenüber. Mir haben in diversen Chats, gerade viele Frauen berichtet, dass sie mit dem rauen Ton mancher Antworten nicht klar kamen und auch darüber weinten. Auch Männer haben mir so etwas berichtet.

Und daher bin ich für eine “linke” Internetchattiquette, sich selber mal zurück nehmen und die andere Meinung zulassen können, höflich und freundlich im Umgang mit anderen Menschen, auch im Internet sein, sonst gewinne ich andere Menschen nicht für meine Meinung, wenn ich nicht glaubwürdig auch im Kleinen bin.

Da können “Linke” noch eine Menge lernen, denke ich.

Abgelegt unter P. DIE LINKE | 1 Kommentar »

* Saar Protektionsfolgen

Erstellt von DL-Redaktion am 25. Dezember 2010

Weihnachten ein Fest des Friedens ? In der Partei DIE LINKE scheinbar nicht. Konnte es sich der  politische Messias des Landesverband Saarland Rolf Linsler nicht verkneifen am 23. 12. 2010 noch einmal tief in die Kloschüssel zu greifen.

In der Saarbrücker Zeitung konnten wir dann folgenden Artikel lesen:

Linken-Chef Linsler weist Stalinismus-Vorwurf zurück

Saar-Linken-Chef Rolf Linsler hat gestern die Kritik des Linken-Bundestagsfraktionsvize Dietmar Bartsch zurückgewiesen, die jüngste Satzungsänderung der Saar-Linken führe zurück in die Zeit, als die Linke stalinistisch war. Bartsch hatte der Frankfurter Rundschau gesagt: “Ich war in einer Partei, die vorgab, immer Recht zu haben, und die keine Meckerer und Nörgler - so hieß das damals - wollte. Dazu darf es nicht wieder kommen.” Linsler hingegen sagte der SZ, es müsse selbstverständlich sein, dass Diffamierung der Partei und ihrer Mitglieder als parteischädigendes Verhalten angesehen werden muss. Und Bartsch sei am wenigsten berufen, Kritik zu üben. Er habe sein Amt als Bundesgeschäftsführer aufgeben müssen, da er illoyal gewesen sei, und “permanent Internas an die Medien durchgestochen habe.

Beim Lesen dieses Bericht fiel mir der Satz von Walter Ulbricht wieder ein, welcher einst verkündete:
„Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.“. Zwei Monate später wurde mit dem Bau begonnen.

Was mir bei solchen Vorkommnissen als Berichterstatter  unverständlich ist ? Ich kann es einfach nicht verstehen wie eine Partei Personen, welchen es scheinbar an jeglichen Unrechtsempfinden und der nötigen Empathie fehlt, in ihren Reihen akzeptieren kann? Insbesondere, wenn diese Partei für sich in Anspruch, nimmt die Stimme von Randgruppen werden zu wollen und sich für die arbeitende Bevölkerung einsetzen will. Was können die Betroffenen denn erwarten, wenn politische Führungspersonen schon in den eigenen Reihen regelmäßig nach „Unten“ durchtreten und damit  sowohl ihre geistige Unterlegenheit als auch die Unfähigkeit mit schwierigen Situationen umgehen zu können,  tagtäglich unter Beweis stellen.

Linsler kam aus der Gewerkschaft und trat 1972 in die SPD ein. Innerhalb von mehr als 30 Jahren Parteizugehörigkeit kam er über die Position des Schriftführers in einem Saarbrücker Unterbezirk nicht hinaus. Erst am 2. August 2007 trat er in die LINKE ein und welch ein Wunder,  am 9. 09. 07 also gerade einmal einen Monat nach Eintritt wurde er  zum Landesvorsitzenden gewählt. Kann man den Protektionismus in dieser Partei noch klarer verdeutlichen?  SPD vierte Klasse, LINKE erste Klasse! Über Nacht aus den VW schwupps in die Benz Klasse, ohne jegliche Arbeit, ohne je den Nachweis einer entsprechen  Qualifikation erbracht zu haben. So ist Politik!

Genau so sieht es in den West - Landesverbänden heute aus. Die allerwenigsten Personen haben sich ihre Positionen ehrlich erarbeitet, sondern sie wurden überwiegend protegiert. Das geht hinunter bis in die Ortsverbände, und eine Aufnahme normaler politischer Arbeit ist überhaupt nicht möglich. Wir in Westfalen haben dafür ein sehr kluges Sprichwort und das lautet: Aus einen Pisspott  kann man keinen Bratpott machen, der stinkt immer.

Da wir uns hier mit dem Stalinismus und Walter Ulbricht befassen, finde ich keine bessere Person als Margot Honecker welche ihrem Freund Linsler in damaliger Zeit wie folgt geantwortet hätte:

„Wenn man keinen Charakter hat, kann man keine Politik machen!“

Wenn er in dem Presseartikel Dietmar Bartsch angreift, welcher mit seiner Argumentation im allgemeinen Wahrnehmungstrend liegt, gehe ich davon aus, dass er  bei besagten Vorgängen  persönlich Involviert war. Im anderen Fall macht er genau das was er anderen vorwirft: Pure Diffamierungen gebündelt mit  parteischädigenden Verhalten, was wiederum seine Herkunft aus der vierten Klasse bestätigt.

Ebenfalls am 23.12. erhielt ich des Abends den Anruf eines Ranghöheren Parteimitglieds. Innerhalb eines längeren Gespräches wurde Gilbert Kallenborn von ihm als Prozesshansel und Störer bezeichnet. Ich habe ihm geantwortet, dass der Umgang in dieser Partei ein Strukturelles und kein Einzel Problem ist. Die Führung der Partei setzt sich Land- auf Land- ab überwiegend aus verbeamteten Personen oder ehemaligen Funktionären zusammen. Meine Erfahrung ist folgende: Möchte ich als Bürger einen Lehrer sprechen, gehe ich zur Schule, einen Behördenmitarbeiter spreche  ich am besten bei der zuständigen Behörde, und ein Gespräch mit einem Gewerkschafter suche ich bei den Gewerkschaften.

Wenn ich die Mitverursacher unserer heutigen gesellschaftlichen Probleme wie Pisa, Hartz, Rente, Kranken oder Obrigkeitshörigkeit um nur einige zu nennen, dann in einer linken Partei wieder antreffe, schließt sich doch ein Kreis. Sie arbeiten doch heute mit den gleichen Methoden mit denen sie in ihren ehemaligen Organisationen einst ruhig gestellt wurden. In einer Partei brauche ich ein diplomatisches Miteinander und nicht ein von „Oben“ nach „Unten“. Das alleine  zeigt auf warum die Linke  von der Bevölkerung nicht angenommen wird.

IE

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