* Gorleben
Erstellt von Marife Hutton am 2. November 2010
Gorleben - Atomkraftgegner machen mobil – friedliche Großdemonstration am
6. November ist in der heißen Phase – weitere Aktionen laufen auch schon an …
Täglich hören wir neue Berichte über den bevorstehenden Castor Transport nach Gorleben im Landkreis Lüchow/Dannenberg. Früher war es der Zonengrenzbereich, seit Jahrzehnten ist es Gorleben.
Leider kommen immer wieder verschiedene Meinungen zu Tage, doch was stimmt wirklich?
Da ich selber 18 Jahre lang in Lüchow gelebt habe und damals Zeugin der ersten Anti Atomkraft Demos direkt vorort wurde, ist es mir nun ein besonders Anliegen, auch einmal die Wirklichkeit an Licht zu bringen. Auch heute nach Rund 27 Jahren habe ich noch Familie und Freunde dort, die mir nun Bericht erstattet haben, was sich wirklich abspielt.
Der Landkreis Lüchow/Dannenberg ist seit über 30 Jahren wegen Gorleben immer wieder in Medien. Auch wurden in der Vergangenheit immer wieder Gerüchte laut, dass die Lüchow/Dannenberger bei ihren Demos gegen das Zwischenlager Gorleben auf Krawall aus wären, was ich hiermit eindeutig dementiere, denn meistens waren es die Menschen, die von vorne herein auf Krawall aus waren und meist aus den Großstädten anreisten. Den Menschen im Wendland war es immer wichtig, auf friedliche Weise ihren Unmut durch die Demos kund zu tun. Somit sind zwar im Laufe der Jahre auch hin und wieder bei den Demos Menschen durch Gewalttätigkeit aufgefallen, doch es war meist die Minderheit.
Nun ist es wieder einmal soweit, Castortransporte sind im anrollen und somit wieder einmal ein Grund für die Menschen, die gegen Atomkraft und das Zwischenlager Gorleben sind, auf die Straße zu gehen und in friedlicher Weise zu demonstrieren. Es wird die größte Demonstration in diesem Jahr erwartet, wobei leider immer wieder durch falsche Medienaussagen dies gestoppt werden soll. Warum? Gerade heute habe ich mit einem Redakteur der dort ansässigen Elbe-Jeetzel-Zeitung gesprochen, der mir persönlich bestätigte, dass diese Demo, dass Anti-Atom-Ereignis des Jahres wäre. Hinzu kommt, dass durch die ständigen Meldungen, sich immer mehr Antiatomkraftgegner ankündigen würden, Politiker von der SPD, den Bündnis 90/Grünen, sowie Greenpeace Gegner und von den Linken angekündigt haben. Somit ist doch eindeutig bewiesen, dass sich immer mehr Politiker und andere Anti-Atomkraft Gegner gegen diese verachtungswürdige Atompolitik der derzeitigen Regierung aussprechen. Es muss also dringend etwas passieren, doch solange die jetzige Regierung an ihrer Politik beibehält, wird sie weiter den Unmut der Atomkraft Gegner auf sich ziehen. Die Atompolitik ist seit Jahrzehnten Brennpunkt, leider werden immer wieder leere Versprechungen gemacht, oder noch schlimmer, nachher wird sie sogar noch schlimmer, die Laufzeiten, bis zum Ausstieg aus der Atomenergie zieht sich untätig in die Länge, wie sollte es auch anders sein? Denn die Politiker wohnen ja nicht in den gefährdeten Gebieten, von daher interessiert es sie ja auch nicht. Nun, da versteh einer die politischen Argumente?
Im Wendland hat jetzt schon die sogenannte „Heiße Phase“ begonnen, wie mir meine Schwester und auch andere Vorort mitteilten, ist schon überall Polizei und sind auch Hubschrauber unterwegs. Es sieht also so aus, als ob das Leben der Lüchow/Dannenberger schon jetzt aus den Fugen gerät. Durch die vor Jahren in Lüchow gebaute Polizeikaserne ist natürlich genügend Platz, um dort die Polizisten unterzubringen, nun es lässt sich darüber streiten, ob die Polizeikaserne notwendig war, ich persönlich kenne noch die Zeit ohne dieses rote Backsteingebäude und muss eindeutig sagen war Lüchow einfach schöner. Und eine Vermutung kommt dabei auf, dass die Polizei auch schon im Vorfeld alles Mobil macht, damit der Castor Transport möglichst ungehindert durch kommen kann. Auch ist ja meist vorher bekannt, wo Sitzblockaden stattfinden, diese werden dann auch rechtzeitig beendet.
Insgesamt ist diesmal der Einsatz von Rund 17.000 Polizisten geplant, so die Elbe-Jeetzel-Zeitung, wovon etwa 10.000 auf den Straßen verteilt sein werden. Es wird also tatsächlich eine Großdemo werden, denn zumindest richtet sich auch die örtliche Polizei darauf ein. Aber auch die Atomkraft Gegner sind gewappnet, denn bereits am Donnerstag und Freitag ist die Anreise der Atomkraftgegner geplant, damit es nicht zu unnötigen Staus kommt, auch für Unterbringungen ist bereits gesorgt. Auch wies der Redakteur, Herr Groß, der Elbe-Jeetzel-Zeitung noch explizit darauf hin, dass Lüchow/Dannenberg nicht Stuttgart sei und auch wirklich nicht damit gerechnet werde, dass es zu solchen Ausschreitungen kommen werde, wie einst bei S21. Zumindest ist es seitens der Atomkraftgegner so nicht geplant, was doch hoffen lässt, dass es zwar zu einer Großdemo kommen wird, aber friedlich.
Was tatsächlich passieren wird, werden wir ja am 6.November selbst sehen. Eines ist Sicher, es wird immer irgendwelche Randalen dazwischen geben, die auch bewußt die Provokation suchen, doch wo gibt es diese Menschen nicht?!
Die Atomkraftgegner machen auch schon jetzt mit vielen massiven Aktionen auf das Großereignis aufmerksam:
So wollen zum Beispiel Aktivisten von Greenpeace bundesweit in mehr als 50 Städten, eine Woche lang die Bürger zur Großdemo im wendländischem Niedersachsen informieren, u.a. wie sie sich an der Demo beteiligen können.
Weitere Planungen sind:
- ab dem 04. November 2010 Camp Gedelitz
- am 06. November 2010 Großdemo in Dannenberg
- ab dem 07. November 2010 Gewaltfreie > Sitzblockade der Straßenstrecke - open end
Viele vergessen leider immer wieder, auch wenn dort eine dünnbesiedelte Gegend ist, trotzdem leben halt Menschen dort und sie sind den Gefahren ausgesetzt, natürlich genauso wie bei allen anderen, die dies betreffen. Vor allem ist ein ganz wichtiger Punkt zu benennen, unsere Kinder, die unsere Zukunft sind, werden täglich mit den Gefahren konfrontiert, wie ich selbst einst auch und diese Zeit prägt, ob wir es nun wollen oder nicht.
Nun gut, jeder hat hierzu sicherlich seine eigene Meinung, soll sie auch bleiben, für mich steht fest, dass gerade diese Menschen, von denen ich auch viele noch kenne, es sicherlich nicht verdient haben, dass es im nachhinein heißt: „Typisch die Lüchow/Dannenberger!“
Irgendwie erinnert mich das an die Hartz IV Bezieher, auch diese Menschen haben einen Stempel weg, ob sie es wollen oder nicht. Ich persönlich finde diese Einstellungen allen Menschen gegenüber nicht richtig, denn es sind Verallgemeinerungen, die sich nicht gehören.
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