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Archiv für Juli 26th, 2010

*…ich habs gewusst!

Erstellt von Detlef Obens am 26. Juli 2010

Ein Phänomen taucht nach Tragödien, wie der jetzigen bei der Love-Parade in Duisburg, immer wieder in trauriger Regelmässigkeit auf: Die selbsterklärten “Fachleute” melden sich nach solchen Ereignissen zuhauf im Netz zu Wort und wussten bereits im Vorfeld schon, und eigentlich, alles besser.

Es ist unbestritten: Die Organisatoren der Love-Parade in Duisburg haben Fehler gemacht. Litten vermutlich unter Selbstüberschätzung. Verfielen dem süßen Sirengesang des Geldes und des Ruhms. Allerdings waren ihre “Fehler” Mit-Ursache für den Tod von 21, zumeisst jungen, Menschen und über 500 Verletzten. Unter den Organisatoren und Planern war auch, ein bisher renommierter, Panikforscher Prof. Michael Schreckenberg, welcher auch heute noch das konzipierte Sicherheitsmodell verteidigt. Was sollte er auch heute sagen, etwa, das er irrte?

Wäre alles harmonisch verlaufen, hätten Millionen musikbegeisteter RaverInnen eine Megaparty abgefeiert, er wäre ab Samstag der unumstrittene Panikforscher Deutschlands gewesen. Alle hätten sie in diesem Fall als strahlende Partyhelden dargestanden. Der Duisburger Oberbürgermeister, der Polizeichef Duisburgs, der Chef des Planungsstabes und nicht zuletzt, der Ausrichter der Love-Parade, Reiner Schaller, Besitzer vieler Fitnessstudios.

Aber es kam anders!

Vermehrt tauchen Dokumente auf, die vor einem derartigen Großereignis auf dem Gelände des alten Duisburger Güterbahnhofes warnten. Die darauf verwiesen, das es nicht ausreichende Fluchtmöglichkeiten bei einer eventuell auftretenden Massenpanik gebe. Das es nur einen Tunnel als einzigen Zugangsweg gäbe. Das nicht genügend geschultes Sicherheitspersonal vor Ort verfügbar ist. Das Duisburg schlichtweg mit der Austragung der diesjährigen Love-Parade überfordert sei. Alles das ist nun bekannt. Das traurige Ergebnis kennen wir alle. Die ganze Welt nimmt Anteil an diesem schrecklichen Ereignis.

Fachleute und Selbsterklärte

Sieht man sich auf diversen Internetblogs herum, tummeln sich mittlerweile wieder massenhaft selbsternannte Panikfachleute, Großveranstaltungs-Kenner, und weitere Sicherheitsfachleute, die nun, nachdem so ein Inferno passiert ist, mit ihrer Meinung nicht hinterm Berg halten. Sie haben alles erahnt, bereits im Vorfeld gewusst oder hätten zumindest alles anders und besser gemacht. Sie schreiben aber immer nach einem Ereignis. Davor hätte es vielleicht noch nutzen können. Aber im Vorfeld wurde allerorten, auch in vielen Blogs in NRW, die Love-Parade gefeiert und alle fanden sie toll. Nun aber stimmen viele ein in das Lied, welches das Ende der Love-Parade besingt. Ist das Opportunismus und haben wir eine große Anzahl von Gewohnheitsopportunisten und Selbstdarstellern unter den Internetusern?

Nun ist augenscheinlich auch die Stunde der wahren (anderen) Fachleute gekommen. Auch sie hatten Pläne in der Tasche und geben nunmehr zum Besten, wie man eine solche Tragödie hätte verhindern können. Warum waren sie nicht vor dem 24.7.2010 Gesprächspartner der Medien? Wieso haben sie ihre Stimmen nicht erhoben, als ihnen schon vor der Love-Parade klar war, das dies im Fiasko endet? Wo war ihr Fachwissen da vernehmbar?

Von Schuld und Sühne

Schuldzuweisungen gibt es zuhauf. Die politisch Verantwortlichen der Stadt Duisburg werden dafür sicher, und von allen zu Recht erwartet, ihre Ämter aufgeben müssen. Sie werden als Menschen aber weiter mit einer moralischen Schuld leben müssen, die vielen von uns nicht vorstellbar ist. Innerer Ausdruck ihrer Schuld waren ihre Gesichter bei der gestrigen Pressekonferenz. Sie werden dafür zahlen. Sie werden teuer zahlen, nicht nur mit Geld. Sie wissen um die Dimension ihrer gemachten Planungsfehler und sind damit irgendwie auch Opfer ihrer eigenen Geltungssucht und des schnöden Mammons geworden.

Was wir aber nicht brauchen, sind die vielen Besserwisser, die ihre Meinungen als wahre Wissenschaft zu verkaufen versuchen und sie als Kommentare auf Blogs hinterlassen. Es muss und darf diskutiert werden. Gerade nach solch verstörenden Ereignissen hat der Mensch das Verlangen sich mitzuteilen. Aber es darf nicht ausarten in persönlicher Hetze, in viel zu verfrühter Vorverurteilung und vor allem nicht in dem, das sich manche als die “wahren Wissenden“, die alles bereits in der Vergangenheit erahnten, darstellen. Wo waren sie denn vorher?

Lehren ziehen

Solche Großveranstaltungen sind immer ein großes Risiko und werden es für alle Zeiten bleiben. Wir alle können aus Geschehnissen, wie auf der Love-Parade, Lehren ziehen um solches nie mehr möglich werden zu lassen. Aber immer bleibt ein Restrisiko, bei noch so viel scheinbarem und auch echtem Fachwissen, und das Restrisiko heisst:

Mensch!

* im Gedenken an die 21 getöteten Menschen der Loveparade vom 24.Juli 2010

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* Wie geht es uns…

Erstellt von DL-Redaktion am 26. Juli 2010

…Herr Küppersbusch?

Merkel verjüngt, aber regiert nicht, Silvio Chávez droht mit Krieg, und zu Guttenberg will offenbar endlich angreifen.

taz: Herr Küppersbusch, was war schlecht letzte Woche?

Friedrich Küppersbusch: Nordkorea und Venezuela drohen mit Krieg.

Was wird besser in dieser?

Kann man die zusammensperren?

Verteidigungsminister zu Guttenberg möchte gern die Wehrpflicht aussetzen. Setzt er sie danach auch wieder ein?

“Aussetzen heißt abschaffen”, schreibt Guttenbergs Vorvorgänger Volker Rühe im Spiegel. Das SPD-Comedy-Konzept “freiwillige Wehrpflicht” ist so gaga wie die derzeitige Praxis der brutalstmöglichen Ausmusterung unseriös. Ein halbes soziales oder eben wahlweise Wehrjahr für Jungs und Mädchen saniert den Sozialstaat und macht Angriffskriege strukturell unführbar. Also offenkundig das Gegenteil von dem, was Guttenberg will.

Die meisten Journalisten stellen Bundeskanzlerin Merkel ein Horrorzeugnis aus, sie verabschiedete sich demonstrativ entspannt in die Sommerpause. Ist die Frau nicht einfach ziemlich cool?

Eine Unternehmer, der binnen zwölf Monaten die komplette Führungsspitze seines Konzerns um 15 Jahre verjüngt, bekäme Orden. Und Orden für den Frauenanteil dabei. Merkel regiert halt nicht, okay, man kann nicht alles haben. Das dafür aber voraussichtlich sehr lange.

Die Linke darf weiter vom Verfassungsschutz beobachtet werden. Sollte der Staat weiter kostenlose Werbung für diese Partei machen dürfen?

Quelle : TAZ >>>>> weiterlesen

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* Wer trägt Schuld?

Erstellt von Detlef Obens am 26. Juli 2010

Am zweiten Tag nach der Katastrophe von Duisburg mit 21 Toten und über 500 Verletzten stellt sich immer mehr die Frage nach der Ursache des blutigen Ausgangs der Love-Parade. Die Verantwortlichen dafür sprechen sich selbst von jeder Schuld frei.

Auf der eilig anberaumten Pressekonferenz am Sonntag im Duisburger Rathaus standen vier Männer der internationalen Presse Rede und Antwort. Nicht das, was sie sagten, war wichtig und erhellend, vielmehr das, was nicht gesagt wurde. Ihre Gesichter sprachen Bände bei ihren vorgefertigten, vom Blatt abgelesenen, Statements. Der Hauptsponsor und Organisator der letztjährigen Love-Parades, der Multimillionär Rainer Schaller wirkte sehr angefasst als er das sofortige und endgültige Aus der Love-Parade verkündete, da sie “ab heute für immer mit diesen schrecklichen Ereignissen in Verbindung gebracht werden würde..” Der Oberbürgermeister der Stadt Duisburg, Adolf Sauerland von der CDU, brachte sein Entsetzen und Mitgefühl zum Ausdruck, erklärte aber auch, das das “Sicherheitskonzept” der Stadt diesem Ereignis angemessen war. In diesem Tenor äussersten sich auch Wolfgang Rabe, der Leiter des Krisenstabes und Detlef von Schmeling, der Polizeipräsident der Stadt Duisburg.

Für alle stand fest, bei der Vorbereitung zu diesem Mega-Event alles nur erdenklich Mögliche im Vorfeld geleistet zu haben. Dies zu wiederholen, wurden sie nicht müde.

Allerdings stellen sich die Dinge derzeit anders da. Die Staatsanwaltschaft Duisburg hatte bereits am Sonntagmorgen Unterlagen im Rathaus Duisburg sichergestellt, die manches in einem völlig anderen Licht aussehen lassen. Dort wurde u.a. festgestellt, das der Veranstaltungsplatz bei weitem nicht für einen derartigen Besucherandrang ausgerichtet war. In internen Papieren ist für die maximale Zahl von bis zu 250000 geplant worden. Tatsächlich waren aber weit über eine Million Raver und Raverinnen nach Duisburg gereist. Dies war in jedem Fall auch zu erwarten, sieht man auf die vorangegangenen Events der letzten Jahre zurück. Und es gab im Vorfeld viele, auch interne, kritische Stimmen, diese Love-Parade nicht in Duisburg durchzuführen. Insbesondere der Tunnel, der einzige Zugang zum Veranstaltungsplatz, war immer als gefährlich und problematisch betrachtet und eingeschätzt worden. Darüber setzten sich alle Verantwortlichen hinweg.

Mittlerweile wurde bekannt, das der ehemalige Polizeipräsident der Stadt Bochum, Thomas Wenner, Anzeige gegen den Duisburger OB Sauerland erstattet hat. Wenner hatte vor einem Jahr die Love-Parade wegen massiver Sicherheitsbedenken für die Stadt Bochum abgesagt.

OB Sauerland sollte heute der Öffentlichkeit seinen Rücktritt erklären. Politiker sind schon für weit weniger von ihren Ämtern zurückgetreten. Mit ihm auch der Leiter seines Planungsstabes und der amtierende Polizeipräsident. Sie würden damit einen Teil der Verantwortung übernehmen und den vielen Opfern und ihren Angehörigen der Katastrophe vom Samstag Respekt zollen. Bleiben sie aber weiter auf ihren Stühlen kleben, wird ihnen der Vorwurf des Zynismus nicht zu ersparen sein.

Wie immer am Ende die Analyse der Staatsanwaltschaft aussehen wird, wie und warum es zu dieser Massenpanik in Duisburg kam, so wichtig wäre jetzt ein Zeichen der politisch Involvierten in Duisburg, Verantwortung zu übernehmen.

Rücktritte sind unausweichlich. Mit jedem weiteren Tag, der ins Land zieht, wird die Unglaubwürdigkeit der Hauptverantwortlichen in Duisburg offenbarer. Mittlerweile sind die Flaggen des Landes NRW auf allen öffentlichen Gebäuden anlässlich der Trauer um die 21 Opfer auf halbmast gesetzt.

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